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Bachmann-Preis: Jurorin Insa Wilke kehrt 2027 zurück – und die Jury rotiert

Insa Wilke (Foto: Screenshot/ORF)
Insa Wilke 2022 in der Bachmannpreis-Jury (Foto: Screenshot/ORF)

Insa Wilke kommt 2027 nach Klagenfurt zurück und übernimmt erneut den Jury-Vorsitz beim Bachmannpreis. Von 2018 bis 2023 gehörte die Literaturkritikerin schon einmal der Jury an, drei Jahre davon als Vorsitzende. Außerdem verkündet der ORF eine weitere Änderung, was die Zusammensetzung der Jury betrifft.

»Ich habe aufgehört, weil ich davon überzeugt bin, dass ein Wechsel in Jurys von Zeit zu Zeit notwendig ist«, sagt die Literaturkritikerin Insa Wilke, als sie 2023 die Jury verlassen hat. Da war sie sechs Jahre in der siebenköpfigen Jury mit dabei gewesen, von 2021 bis 2023 als Jury-Sprecherin. Das Amt hatte sie seinerzeit von Hubert Winkels übernommen. Offiziell heißt das Amt Sprecher bzw. Sprecherin der Jury, landläufig ist jedoch auch vom Jury-Vorsitz die Rede.

Insa Wilke: Dreimal die beliebteste Jurorin

Während dieser Zeit wurde Insa Wilke in der Umfrage des literaturcafe.de auch dreimal zur beliebtesten Bachmannpreis-Jurorin gewählt (2018, 2020 und 2021). Und es war die Zeit, in der der Wettbewerb aufgrund der Pandemie rein virtuell (2020) oder nur mit der Jury vor Ort stattfand (2021).

Insa Wilke war immer eine Jurorin, die eng und sachlich am Text argumentierte und nicht auf Show-Effekte abzielte. Dies scheint ihr auch beim Wiedereinstieg wichtig zu sein. »Der Unterhaltungswert einer Literatursendung entsteht durch schlagfertige Argumente und in allererster Linie dadurch, dass die Beteiligten Literatur ernst nehmen und für sie brennen. Und das muss sich übertragen«, zitiert sie der ORF in seiner Pressemitteilung.

Zweifelsohne hat der ORF eine gute Wahl für den Jury-Vorsitz 2027 getroffen, denn der bisherige Vorsitzende Klaus Kastberger schied nach dem diesjährigen Wettbewerb freiwillig aus (siehe Interview). Mit Insa Wilke kehrt jemand zurück, der sowohl den Wettbewerb als auch das Amt der Vorsitzenden bzw. Jury-Sprecherin kennt. Zwar sind mit dem Vorsitz keine großen Aufgaben verbunden. Die Vorsitzende ist Hauptansprechpartnerin der Jury und die erste Ansprechpartnerin des Veranstalters. Wer den Vorsitz innehat, hält zudem am Eröffnungsabend und zum Abschluss der Tage der deutschsprachigen Literatur eine kurze Rede und kann diese für kleine programmatisch Statements nutzen.

Wer generell in der Jury sitz, das entscheidet der Veranstalter ORF in der Regel nach Rücksprache mit der Stadt Klagenfurt, der Stifterin des Hauptpreises. Meist erfolgte ein Wechsel in der Jury nur dann, wenn die Mitglieder freiwillig gingen. Es gab Jury-Mitglieder, die kehrten bereits nach einem Jahr dem Bewerb den Rücken, andere saßen dort ein ganzes Jahrzehnt und länger. Dadurch wurde die Diskussion aber weniger spannend, denn man kannte ihre Vorlieben und ihre Art der Diskussion. Ein häufigerer Wechsel hätte der Jury seit jeher gut getan, doch er war zu selten. Die Jury des Jahres 2026 war in dieser Besetzung unverändert seit drei Jahren angetreten.

Endlich mehr Wechsel in der Jury

Mit dem Jahr 2027 wird die zusammenhängende Zeit in der Jury begrenzt und ein Rotationsprinzip eingeführt. Karin Bernhard, die Chefin des ORF Kärnten erläutert die neue Regelung: »Der Juryvorsitz ist in Zukunft auf drei Jahre begrenzt. JurorInnen verbleiben vier Jahre in der Bachmann-Jury und haben die Option, um zwei weitere Jahre zu verlängern. Es wird sich also in der Jury schon noch einiges tun und das wird auch dem Bachmannpreis guttun.« Allerdings dürften die Mitglieder nach einer Auszeit durchaus wiederkommen, so wie es Insa Wilke tut oder Daniela Strigl getan hat.

Landesdirektorin Karin Bernhard wird zum Ende des Jahres ihren Posten aufgeben und nicht zur Wiederwahl antreten. Umso erfreulicher, dass die jahrelange Fürsprecherin für den Literaturwettbewerb ihre Zeit noch nutzt, um sinnvolle Veränderungen durchzuführen.

Welche Wechsel wird es 2027 in der Jury noch geben? Hier hält sich der ORF noch bedeckt. Würde schon jetzt das neue Prinzip gelten, wäre von den übrigen sechs keine und keiner mehr dabei. Das wird sicherlich nicht passieren, dennoch wird darüber spekuliert, dass es weitere neue (oder alte) Gesichter in der Jury geben wird.

Die 51. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden von 23. bis 27. Juni 2027 stattfinden.

Wolfgang Tischer

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5 Kommentare

  1. Seltsam. Man hat erkannt, dass dem Bewerb ein Rotationsprinzip gut tun würde, Juryvorsitz und Verbleib der Juroren begrenzt sein soll, und dann holt man, um dies einzuläuten, eine zurück, die gefühlt ewig in Klagenfurt an ihrem Sessel geklebt ist und sich dort nicht mit Ruhm bekleckert hat

  2. Die Jurytätigkeit zeitlich zu begrenzen, ist auf jeden Fall sinnvoll. Warum ausgerechnet Insa Wilke zurückkommt, ist mir allerdings auch nicht klar. Ihr Abstimmungsverhalten 2023 warf schon einige Fragen auf, zu denen sie nie Stellung genommen hat (anders als Brigitte Schwens-Harrant, die auf Nachfrage ihr Abstimmungsverhalten 2025 erklärt hat). Normalerweise werden Neubesetzungen in der Jury erst im Dezember bekannt gegeben, deswegen verwundert der Zeitpunkt dieser Nachricht umso mehr. Es sieht ein bisschen so aus, als ob man jetzt so tun will, als sei 2023 alles korrekt abgelaufen, um Valeria Gordeevs Roman zu promoten, der demnächst bei S. Fischer erscheint – interessanterweise in dem Verlag, dessen Verleger Insa Wilkes Mann, Oliver Vogel, ist (diese Information stammt aus einem Podcast-Interview mit Sebastian Guggolz, der mit beiden und auch mit Valeria Gordeev befreundet ist: https://zencastr.com/z/fJf6kpfP). Was viele bei diesen Abstimmungsspielchen offenbar nicht verstehen: Es geht nicht nur um eine Abstimmung, sondern solche verfälschten Ergebnisse greifen massiv in Autor*innenkarrieren ein. Anna Felnhofers Roman, der den eigentlichen Gewinnertext aus dem Jahr 2023 enthält, erschien im Frühjahr bei Luftschacht, hat relativ wenig Aufmerksamkeit bekommen und sie hat offensichtlich nicht den Sprung zu einem größeren Verlag geschafft. Valeria Gordeevs Text erscheint nun bei S. Fischer, hat vor dem Erscheinungstermin schon einen ersten Debütpreis erhalten, wird sicher alle weiteren Debütpreise abräumen und mit größter Wahrscheinlichkeit auch für den Deutschen Buchpreis nominiert werden. Das ist Wettbewerbsverzerrung auf dem Buchmarkt generell, nicht nur in Bezug auf den Bachmannpreis – und es würde mich nicht wundern, wenn Insa Wilkes Comeback damit zu tun hätte.

    • Ja, alles sehr dubios. Trotzdem wird an Gordeevs Bachmannpreis für immer der Makel haften, dass sie ihn nur durch das durchschaubare Spielchen der Frau ihres Verlegers bekommen hat. Deshalb ist die Entscheidung, sie nochmals in eine Position zu bringen, in der sie den vermarktungstechnisch prestigeträchtigen Preis im Alleingang den verdienten Siegerinnen wegnehmen kann, völlig unverständlich, bzw eigentlich dann wieder doch sehr nachvollziehbar; denn wenn man sich fragt, wer davon etwas hat, dann ist das einerseits der Verlag und andererseits der Veranstalter des Bachmannpreises, weil man dadurch ins Gerede kommt und im Gerede bleibt. Daher auch die frühe Veröffentlichung der Entscheidung vor Erscheinen des Romans im August.

  3. Ja, ich kann es nicht anders sagen: das ist eine Bankrotterklärung der Verantwortlichen des Bachmannwettbewerbs. Ausgerechnet Frau Wilke wird erneut Juryvorsitzende!

    Wie schon dankenswerterweise das Literaturcafe das sehr fragwürdige und nie erklärte Abstimmverhalten von Frau Wilke analysiert hat (siehe Vorpost Verena), ist diese Jurorin befangen und „kocht nur ihr eigenes Süppchen“. Von daher verwundert mich auch die jetzige Einschätzung des Literaturcafes, „Zweifelsohne hat der ORF eine gute Wahl für den Jury-Vorsitz 2027 getroffen… „. Nein, hat er nicht. Es ist die schlechtmöglichste Wahl.

    Warum auch muss diese Entscheidung jetzt schon getroffen werden? Es ist noch Zeit genug. Offenbar herrscht ein erheblicher Mangel an geeigneten und/oder willigen Juror/innen.

    Schön wäre auch mal wieder jemand, der sich als Schriftsteller/in schon selbst profiliert hat, wenn auch die Jurorin Vea Kaiser nach meiner Einschätzung nicht überzeugt hat (anderes Frau Strigl).

  4. Ausgerechnet Frau Wilke, die sich, wie alle wissen könnten, mit ihrem zumindest unsauberen Abstimmingsverhalten nicht mit Ruhm bekleckert hat, der Jury als Sprecherin vor die Nase zu setzen, ist eigentlich unerhört. Sogar Mittelschüler wählen üblicherweise ihren Klassensprecher selbst und bekommen ihn nicht von der Direktion vorgesetzt. Hoffentlich gibt es hier noch eine notwendige literaturbetriebsinterne Gegenbewegung…
    Evelyn polt

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