
Nahezu zeitgleich teilen Brigitte Schwens-Harrant, Philipp Tingler und Mara Delius via Instagram mit, dass sie die Jury des Bachmann-Preises aus eigenem Wunsch verlassen und im Jahre 2027 nicht mehr mit dabei sein werden.
Es ist der erste und bislang einzige Beitrag von Mara Delius in ihrem Instagram-Account. Am 19. August 2026 schreibt dort die Literaturkritikerin und Bachmann-Jurorin:
Fünf Jahre war ich Jurorin des Ingeborg-Bachmann-Preises, am 9.7. habe ich das Amt niedergelegt.
Sechs Stunden früher am gleichen Tag schrieb Jury-Kollege Philipp Tingler ebenfalls auf Instagram:
Ich habe am 7.7. meine Jurorenschaft für die Tage der deutschsprachigen Literatur niedergelegt.
Und ebenfalls am 19. August 2026 verkündete auch Brigitte Schwens-Harrant ihren Rücktritt von der Jury-Tätigkeit in Klagenfurt. Wobei: Schwens-Harrant spricht von einer Pause. Auf dem Instagram-Account der österreichischen Wochenzeitung »Die Furche«, dessen Feuilleton-Chefin sie ist, heißt es:
Sieben Mal saß unsere Feuilletonchefin Brigitte Schwens-Harrant in der Bachmannpreis-Jury. Im Juni 2026 wurde sie erneut zu beliebtesten Jurorin gewählt. Im Juli 2026 legte sie auf eigenen Wunsch eine Pause in der Jurytätigkeit ein.
Mehr dazu sei auf furche.at nachzulesen. Die selbstverordnete Pause überrascht gerade bei Brigitte Schwens-Harrant, die im Interview mit dem literaturcafe.de unmittelbar nach ihrer erneuten Wahl zur beliebtesten Bachmann-Preis Jurorin 2026 andeutete, im kommenden Jahr gerne wieder mit dabei zu sein.
Im erwähnten Beitrag auf furche.at hofft man auf Aufklärung und Erklärung zu ihrem Rücktritt. Doch leider ist dort nichts davon zu lesen. Stattdessen liest sich der Beitrag wie ein einziges Plädoyer, warum es gerade jetzt Literaturkritiker wie Schwens-Harrant benötigt. Schwens-Harrant blickt auf ihre Jury-Jahre, die ausgerechnet 2020 begannen, als der Literaturwettbewerb rein digital stattfand. Rückblickend hat und hatte Schwens-Harrant recht, dass es trotz vieler Bedenken, ein Segen war, dass der Bachmann-Preis damals digital durchgeführt wurde. Ansonsten – davon ist die Literaturkritikerin überzeugt – hätte man den Wettbewerb aus Budgetgründen ab 2021 weiterhin gestrichen und es sei fraglich, ob eine Reanimation zum Jubiläumsjahr 2026 geglückt wäre. Zum Glück sei es anders gekommen.

Der Beitrag ist ein kluger Text, warum es eine fundierte Literaturkritik braucht, die sich nicht dem Zeitgeist und den Erwartungen unterwirft. »Möge die Veranstaltung nicht zum Marktplatz verkommen, der bloß das zu Gehör bringt, was wir eh allüberall hören«, wünscht sich Brigitte Schwens-Harrant für den Bachmann-Preis. Und: »Ich betrachte das öffentliche Reden über Literatur als einen sehr wichtigen Teil unserer Kultur und der Präsenz von Literatur. Wer die Literaturkritik verjagt, verletzt damit – so paradox es klingt – auch die Literatur: weil er ihr Präsenz nimmt, den Raum des Diskurses, den Raum, ernst und wichtig genommen zu werden.«
Bedauerlich, dass 2027 gerade die Stimme von Brigitte Schwens-Harrant beim Bachmann-Preis fehlen wird.
Was zum fast zeitgleichen Rücktritt und zur zeitgleichen Verkündung dieses Schrittes rund eineinhalb Monate später geführt hat, ist nicht bekannt. Auch in den Instagram-Posts von Delius und Tingler wird kein Grund genannt. Alle drei Zurückgetretenen saßen seit vielen Jahren in der Jury und ein Wechsel an sich ist nichts Ungewöhnliches. Dass es sich wohl niemand aus der siebenköpfigen Jury nehmen lassen wollte, beim Doppeljubiläum 2026 dabei zu sein, war schon von vornherein klar. Der Jury-Vorsitzende Klaus Kastberger gab schon vor dem Wettbewerb bekannt, dass er 2027 nicht mehr dabei sein wird.
Mitte Juli 2026 gab der Veranstalter ORF jedoch recht früh bekannt, dass die ehemalige Jurorin Insa Wilke 2027 als Jury-Vorsitzende nach Klagenfurt zurückkehren wird. Gleichzeitig wurde ein Rotationsprinzip für die Jury-Mitglieder eingeführt. Demnach hätte die ganze Jury spätestens nach einem Karenzjahr 2027 ausgetauscht werden müssen.
Von den übrigen drei Jury-Mitgliedern Thomas Strässle, Mithu Sanyal und Laura de Weck ist bislang noch nichts über einem Rücktritt bekannt.

