
Female Rage? Queere Lovestory? Weg mit all diesen TikTok-Kategorien, in die man »Die Yakuza-Prinzessin« von Akira Otani einordnen will – nur um zu verbergen, dass es ein Schundroman ist. Aber hey, die Lektüre von »Die Yakuza-Prinzessin« macht unglaublichen Spaß! Eine perfekt brutale Sommerlektüre für Strand, Garten, Bett und Baggersee.
Shindo ist eine Kampfmaschine. Ihr Großvater, den sie nie lachen sah, hängte sie an den Beinen kopfüber an einem Baum auf, und sie musste sich aus dieser Lage selbst befreien.
Als Shindo sich Jahre später in Tokio brutal gegen eine paar Jungs zur Wehr setzt, wird sie von Yakuza-Chef Naiki entdeckt. Der engagiert sie zunächst gegen ihren Willen als Body-Guard für seine Tochter Shoko, da sich die männlichen Vorgänger früher oder später an die Wohlbehütete rangemacht hatten. Sie alle leben nicht mehr. Zumindest nicht mehr vollständig am Stück. Natürlich werden auch die beiden so grundverschiedenen Frauen zusammenfinden.
Der groß gedruckte 176-Seiten-Roman der Japanerin Akira Otani ist wahrlich ein brutales, gewaltsames Werk. Da werden Kugelschreiber in Halsschlagadern gerammt und Extremitäten und Genitalien abgetrennt. Ein Gewalt-Porno frei von tatsächlichen pornografischen Szenen, euphemistisch üblicherweise »Spice« genannt.
Die Rezension im Instagram-Video
Auch sprachlich ist der Roman eher einfach gestrickt. Handlung wird simpel beschrieben und so gut wie nie Atmosphärisches geschildert.
Der Roman ist Trash und Pulp Fiction, die auch Tarantino in seinen Filmen immer wieder gern zitiert. Das Buch ist Manga und Martial-Arts-Film in Textform. Etwas, für das das Wort »Gewaltorgie« erfunden wurde.
Wäre man ein böser Literaturkritiker, so würde man sagen, dass diese Art von Texten früher wohl in Heftchenform von älteren Männern konsumiert worden wären.
Einerseits.
Denn auch ein blutiger Splatter-Film kann gut unterhalten. Das gelingt auch der Yakuza-Prinzessin. Da geht es ohne viel Gelaber zur Sache. Und zum Ende hin weist die Story einen Twist auf, den man so nicht kommen sieht.
Weibliche Selbstermächtigung ist in, und selten gab es eine buchstäblich stärkere weibliche Hauptfigur als Shindo. Hinzu kommt, dass in Japan einfach anders erzählt wird, was auch Anime und Manga hierzulande so populär machen. Daran lehnt sich auch das Cover an.
Und der sich für intellektuell haltende Leser kann immerhin darauf verweisen, dass der Roman bei Suhrkamp erschienen und als »Thriller« etikettiert ist. Doch heute werden solche Texte ohnehin auf eine junge weibliche Zielgruppe hin gebrandet.
»Die Yakuza-Prinzessin« ist die perfekt leichte Sommerlektüre der etwas anderen Art, die großen Spaß macht und die man auch im Winter lesen kann.
Akira Otani; Katja Busson (Übersetzung); Thomas Wörtche (Series Editor): Die Yakuza-Prinzessin: Thriller. Broschiert. 2026. Suhrkamp Verlag. ISBN/EAN: 9783518475553. 17,00 € » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Akira Otani; Katja Cassing (Übersetzung); Thomas Wörtche (Bearbeitung): Die Yakuza-Prinzessin: Thriller. Kindle Ausgabe. 2026. Suhrkamp Verlag. 14,99 € » Herunterladen bei amazon.de Anzeige

