
Vor drei Tagen gaben Brigitte Schwens-Harrant, Philipp Tingler und Mara Delius ihren Rückzug aus der Bachmannpreis-Jury bekannt. Jetzt folgt auch Thomas Strässle. Wie der SRF berichtet, gab es offenbar Unmut in der Jury über die Entscheidung, Insa Wilke als Jury-Vorsitzende 2027 zurückzuholen.
Jetzt ist klar, warum beim Bachmannpreis massenweise die Jury-Mitglieder davonlaufen (wir berichteten). Nachdem bereits Brigitte Schwens-Harrant, Philipp Tingler und Mara Delius zunächst ohne Begründung ihren Rückzug bekanntgaben, folgt ihnen jetzt auch Juror Thomas Strässle. Klaus Kastberger hat seinen Rückzug bereits vor dem Wettbewerb 2026 bekannt gegeben.
In einem Bericht spricht das Schweizer Fernsehen (SRF) von einem »Eklat um den Vorsitz« der Jury. Der ORF hatte Anfang Juli 2026 bekannt gegeben, dass Insa Wilke im kommenden Jahr 2027 als Jury-Vorsitzende zurückkehren wird. Offenbar war diese Entscheidung aber nicht mit den bisherigen Jury-Mitgliedern abgesprochen. Dies habe laut SRF »bei Teilen der Jury für erheblichen Unmut« gesorgt. Der SRF sprach mit Ex-Juror Philipp Tingler. Der habe sich »durch den intransparenten Alleingang der ORF-Direktion als Jurymitglied kompromittiert und übergangen gefühlt«. Ähnlich äußert sich offenbar auch Thomas Strässle. Er bezeichnete es als intransparent, dass die Jury nicht involviert gewesen sei, als der Veranstalter ORF Insa Wilke als neue Vorsitzende eingesetzt habe. Wie Brigitte Schwens-Harrant will aber auch er nicht ausschließen, dass er auf Basis des ebenfalls neu eingeführten Rotationsprinzips in einigen Jahren wieder in die Jury zurückkehren werde.
Der ORF agiert wiederholt sehr unglücklich
Das Schweizer Fernsehen sprach auch mit der ebenfalls neu eingesetzten Bachmannpreis- Projektleiterin Barbara Frank. Die beruft sich auf die Statuten des Wettbewerbs, nachdem allein der ORF die Jury-Besetzung festlege. Die Jury-Abgänge schmerzten sie jedoch.
Damit agierte der ORF leider zum wiederholten Male nicht sehr glücklich. Als seinerzeit der Jury-Vorsitzende Burkhard Spinnen die Jury verließ, setzte man Hubert Winkels ein, obwohl man zuvor Daniela Strigl signalisiert hatte, dass sie die neue Vorsitzende werde. Strigl verließ daraufhin die Jury. Genauso unglücklich verlief der Wechsel der Moderation von Christian Ankowitsch zu Peter Fesslacher. Ankowitsch fühlte sich kalt abserviert, der ORF berief sich damals ebenfalls auf die Statuten, nach denen der Veranstalter allein über die Moderation bestimme.
So müssen im kommenden Jahr mindestens gleich vier Jury-Plätze neu vergeben werden. Vielleicht ja auch mehr, obwohl von den zwei verbleibenden Jury-Mitgliedern Laura de Weck und Mithu Sanyal noch nicht von einem Rücktritt zu hören ist.
Wie beliebt ist Insa Wilke?
Schließlich stellt sich die Frage, wie die Jury-Mitglieder generell zur neuen alten Jury-Vorsitzenden Insa Wilke stehen. Alle genannten Jury-Mitglieder saßen mit ihr bereits in der Jury. Vor ihrem Abgang im Jahre 2023 machte sich Insa Wilke sicherlich keine Freude, als sie bei der Preisvergabe offensichtlich nicht nach literarischen Kriterien abstimmte, sondern taktisch votierte, um mutmaßlich der eigene Kandidatin zum Preis zu verhelfen. Durch den Jury-Exodus ist auch ihr Wiedereinstieg beschädigt.
Wolfgang Tischer


Habe vermutet, daß der Rückzug der Besten aus der Jury mit der Entscheidung für Insa Wilke (die ich auch nicht verstehe) zu tun haben könnten. Jetzt auch noch der beliebte und kenntnisreiche Thomas Strässle. Ich werde es mir vermutlich dann auch nicht mehr ansehen. de Weck und Sanyal sind jetzt keine Kritikerinnen, die mich überzeugt haben.
De Weck und Sanyal sind zu biedere Leserinnen im Geiste, vollkommen vorhersagbar in ihrem Wertekanon und Kritierien, und obendrein unbedarft im Sprechen, um einen über Tage mit ihren Lesarten zu interessieren. Grenzt an Volkshochschulpädagogik. Da müssen nun schon ein paar prosaliterarisch geschultere Köpfe her als solche Mainstreamdenke, will man nicht vor Ödnis entschlafen… Insa Wilke ist fachlich eigentlich sehr gut. – Oder lasst es jetzt halt eh, weil öder geht immer, doch mehr davon brauchen wir nimmer!