
Gleich vier Jury-Mitglieder des Bachmann-Preises traten zurück, weil sie offenbar zu spät über die ORF-Entscheidung informiert wurden, Insa Wilke als Jury-Vorsitzende zurückzuholen. In einem Interview mit dem SPIEGEL nennt Ex-Juror Philipp Tingler nun weitere Details. Die Rückkehr Insa Wilkes bezeichnet er als »skurril«.
Dass die Jury-Mitglieder Mara Delius, Thomas Strässle, Brigitte Schwens-Harrant und Philipp Tingler von der Entscheidung des ORF überrascht wurden, die frühere Jury-Vorsitzende Insa Wilke 2027 in dieses Amt zurückzuholen, war bekannt. Aus Protest dagegen, dass sie bei dieser Entscheidung keine Mitsprache hatten, legten sie ihr Amt nieder.
Dem SPIEGEL hat Philipp Tingler nun ein Interview gegeben und weitere Details genannt. Laut Tingler plante der ORF, die neue alte Jury-Vorsitzende am Sonntagmorgen in der Live-Übertragung der Preisverleihung zu verkünden. Lediglich der scheidende Jury-Vorsitzende Klaus Kastberger habe davon gewusst. Doch ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard habe sich beim Jury-Essen am Samstagabend »verplappert«. Delius, Strässle, Schwens-Harrant und Tingler kündigten daraufhin an, noch in der Live-Sendung zurückzutreten, falls der ORF dort seine Entscheidung tatsächlich bekanntgebe. Der ORF vermeldete die neue alte Jury-Vorsitzende Insa Wilke daher erst einige Tage später in einer Pressemitteilung. Unmittelbar danach erklärten die vier Jury-Mitglieder ihren Rücktritt, zunächst ohne Angabe von Gründen.
Dem Schweizer Radio und Fernsehen erklärte Thomas Strässle später, der ORF habe die Entscheidung für die neue Vorsitzende ohne Involvierung der Jury getroffen, was sehr intransparent gewesen sein. Der ORF habe nicht geschickt agiert.
Im Interview mit dem SPIEGEL macht Philipp Tingler klar, dass er auch mit Insa Wilke selbst ein Problem habe. Dass der ORF ihre Rückkehr als »Zukunftsorientierung« deklariere, nennt Tingler »skurril«. Zudem erinnert er daran, dass Wilke vor ihrem Abgang bei der Preisabstimmung ihre Punkte nicht nach literarischen, sondern nach strategischen Überlegungen vergeben habe. »Jede Jury, die von einer Vorsitzenden mit dieser Reputation geleitet wird, ist von vornherein beschädigt«, sagt Philipp Tingler dem SPIEGEL.
Zudem wirft Tingler im SPIEGEL-Interview Insa Wilke eine »identitätspolitische Kategorisierung von Literatur« vor, die »krasse Züge« angenommen habe.
Dass eine fundierte und sachliche Literaturkritik demnächst beim Bachmann-Preis nicht mehr gefragt sein könnte, diese Bedenken äußerte auch Brigitte Schwens-Harrant in einem Beitrag zu ihrem Rücktritt in der »Furche«. Doch während Tingler wie in der Jury-Diskussion im Interview eher laut und direkt ist, wählte Schwens-Harrant eher diplomatische Worte, ohne sich ausdrücklich auf die ORF-Entscheidung oder die designierte Jury-Vorsitzende zu beziehen.
Dass der ORF seine bei den bisherigen Jury-Mitgliedern überaus umstrittene Personalentscheidung dennoch so früh verkündet hat, erweist sich nun als fatal. Insa Wilke wird ihr Amt beschädigt antreten, und das könnte für die Zukunft des Bachmann-Preises verhängnisvoll werden.
Die Reaktionen auf das Interview
Nachtrag und Hörempfehlung:
- In einem Interview mit dem Deutschlandfunk nimmt Insa Wilke zu den Vorwürfen Tinglers Stellung: „Kommunikatives Missgeschick“ – Insa Wilke zu Philipp Tinglers Vorwürfen
- In der selben Sendung des Deutschlandfunks betont Thomas Strässle, dass sein Rückzug aus der Jury nichts mit der Person Insa Wilkes zu tun habe: „Nicht aus Protest zurückgetreten“ – Ex-Juror Thomas Strässle unterstützt Wilke
Wolfgang Tischer
Hinweis: In einer früheren Version dieses Beitrags war in der Einführung von einer »heimlichen« ORF-Entscheidung die Rede. Tatsächlich obliegt es aber laut Statuten dem ORF, über die Jury-Besetzung und den Vorsitz zu entscheiden. Der Satz wurde umformuliert und das Wort gestrichen.


bei Insa Wilke war immer klar, dass sie ihre woken Freundinnen protegiert und dass sie aktivistische Pseudoliteratur über den Klee lobt. Sie ist unfähig, ein Meisterwerk zu erkennen, weil ihr die eigene Ideologie immer im Weg steht
Was für eine Heulsuse dieser Philipp Tingler doch ist …