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Beitrag vom 31. August 2011 | Rubrik: Literarisches Leben

Erfahrungsbericht: Wie aus einem Stapel gemalter Bilder ein Kinderbuch wurde

Buchautor Aaron Stroot (Foto: privat)Anja Stroot hat die Kinderzeichnungen ihres Sohnes gesammelt und dazu Gedichte und kurze Texte geschrieben. Zunächst war diese Sammlung nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Doch animiert durch einen Wettbewerb veröffentlichte Anja Stroot das Buch zunächst digital im Web.

Und sie hatte Glück: Sie gewann die Veröffentlichung bei einen Print-on-Demand-Dienstleister, doch Werbung und Marketing musste sie selbst in die Hand nehmen.

Zwischenzeitlich wurden zahlreiche Exemplare verkauft und zum Werk haben sich ein Arbeitsbuch und selbst gebastelte Lesezeichen gesellt.

Im literaturcafe.de berichtet Anja Stroot, wie sie am eigenen Bucherfolg gearbeitet hat.

Die Vorgeschichte

Das Schreiben ist seit vielen Jahren meine Leidenschaft. Bereits 2006 besuchte ich die Frankfurter Buchmesse, um einen geeigneten Verlag für eines meiner Manuskripte zu finden. Nach der Messe kehrte ich optimistisch nach Hause zurück, denn mindestens zehn Verlage hatten sich interessiert gezeigt. Leider blieb davon nicht ein seriöser Verlag übrig. Es befanden sich so genannte »Zuschussverlage« darunter, die 2.500 bis 8.000 Euro für die Veröffentlichung meines Manuskripts forderten. Mein Grundsatz war jedoch: »Auf keinen Fall bezahle ich Geld für die Veröffentlichung meines Werkes! Schließlich glaube ich daran, dass es gut ist. Also möchte ich Geld dafür bekommen, statt dafür zu bezahlen.« Die Standardantwort der bekannten großen Verlage lautete: »Passt nicht ins Programm!«

Da die Suche nach einem Verlag hoffnungslos erschien, legte ich das Manuskript irgendwann in die Schublade. Mich plagten Zweifel, ob mein Geschriebenes wirklich gut ist. Um mich mit anderen zu messen und vielleicht einmal eine Rückmeldung zu bekommen, nahm ich an Literaturwettbewerben teil. Ich erreichte mehrfach gute Platzierungen, was mich anspornte, weiter zu schreiben. Inzwischen schreibe ich für Zeitungen, Magazine, Bücher und gelegentlich auch noch für Literaturwettbewerbe.

Die Idee zu Kinder(reim)geschichten

Das Buch Kinder(reim)geschichtenIm Alter von sieben Jahren malte mein Sohn Aaron bereits beeindruckende Bilder, die ich zunächst nur für ihn sammelte. Er sollte sie später einmal zur Erinnerung mitbekommen, wenn er sein Elternhaus verlassen würde. Als ich länger darüber nachdachte, kam mir die Idee, passende Reime dazu zu verfassen. Dadurch würde die spätere Erinnerungsmappe noch attraktiver. So entstand ein erstes Manuskript des Kinderbuches und landete zunächst in der Schreibtischschublade.

Im Winter 2008 erfuhr ich von einem Wettbewerb »Web your book« auf der Internetseite von bookrix. Hier können Autoren ihr Geschriebenes im Internet veröffentlichen und allen interessierten Lesern zur Verfügung stellen. Es kostet nichts und birgt keine bösen Überraschungen. Das wirklich Gute daran ist, dass die Leser die Möglichkeit haben das gelesene Buch zu bewerten und zu kommentieren. Dadurch erhält der Autor ggf. die Möglichkeit, seine Texte noch zu verbessern. »Eine prima Idee«, finde ich. Ich registrierte mich also bei bookrix und nahm mit meiner ersten Version des Kinderbuches am Wettbewerb teil.

Im April 2009 erhielt ich die Nachricht, dass ich die Veröffentlichung meines Buches über den Dienstleister BoD gewonnen hatte. Aus unserer Online-Version bei bookrix sollte also ein »richtiges« Buch mit einer ISBN Nummer werden.

Überlegungen vor der Veröffentlichung

Da mir fundierte Kenntnisse vom Buchgeschäft fehlten, suchte ich die örtlichen Buchhändler auf und bat sie um ihren Rat. Sie sagten mir: »Sie sind als Autorin noch unbekannt. Deshalb wird es sehr schwierig werden, Ihre Bücher zu verkaufen. Ohne Werbung werden Sie kein einziges Buch verkaufen, egal wie gut es ist. Sie müssen immer wieder Lesungen z. B. in Grundschulen und Kindergärten machen, um bekannt zu werden. In der Presse muss man von Ihrem Buch berichten.«

Eigentlich wollte ich nur schreiben, statt mich selbst mit der Vermarktung zu beschäftigen. Aber es gehörte wohl in diesem Fall untrennbar dazu. Also stand schnell der Entschluss fest: unser Buch sollte in Eigenregie veröffentlicht werden.

Autorenteam in Eigenregie: Anja und Aaron Stroot (Foto: privat)

Autorenteam in Eigenregie: Anja und Aaron Stroot (Foto: privat)

Um den Preis des Buches niedrig halten zu können, mussten wir unsere ursprüngliche Version von 19 Seiten auf 52 Buchseiten erweitern. Ziel war es, einen Preis unter 10 Euro zu erreichen. Aaron malte weitere Bilder, die sowohl Mädchen wie auch Jungen ansprechen sollten. Ich schrieb wieder Reime und Kurzgeschichten dazu. Dabei ließ ich die Ideen von Aaron mit einfließen, denn das Buch sollte wie der Klappentext sagt »Von einem Kind für andere Kinder« sein. Die Bilder sind von Aaron, also von einem Mitglied der Zielgruppe selbst. Dinosaurier, Piraten, der kleine grüne Drache, die schöne Fee, der große Ritter und Prinzessin Kunigund finden ebensoviel Beachtung wie das Rennauto, der Fußballstar, die Polizei und die Feuerwehr. Aber auch wilde Tiere kommen vor. Einige Situationsbilder sollen die Kinder ermutigen, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen und selbst zu erzählen. Die Texte sind geeignet zum Vorlesen und Aufsagen sowie auch für Erstleser. Insgesamt sind die Reime und Geschichten kurz gehalten, um die kleinen Leser nicht zu überfordern. Die Reaktionen auf die verschiedenen Texte testete ich bei meinen eigenen Kindern und natürlich suchte ich mir, wie bei all meinen Buchprojekten, weitere Testleser. Um es jedoch abschließend professionell abzurunden und dem Standard der Grundschulen auch gerecht zu werden, übergab ich es einer Lektorin. Danach erst begann die eigentliche Arbeit.

Selbst das Buch erstellen

Das Buch musste in das entsprechende Format gebracht werden. Um die notwendige Druckqualität für die Bilder (300 dpi) zu erreichen, mussten diese einzeln eingescannt und zum Teil nachbearbeitet werden. Ich versuchte mein Manuskript in ein vorgegebenes Layout-Programm des Dienstleisters zu übertragen, was jedoch in meinem Fall falsch war, da ich nicht ein komplett farbiges oder schwarz/weißes Buch wünschte. Bis ich verstanden hatte, welche Art der Übertragung für mein Manuskript die Richtige war, verging einige Zeit. Als sehr hilfreich erwies sich die Möglichkeit, den Dienstleister anzurufen bzw. per E-Mail um Rat zu fragen. Letztendlich erstellte ich mein Manuskript dann selbst als Word-Datei, wandelte diese in eine pdf-Datei um und übertrug sie problemlos. Wenn man einmal herausgefunden hat wie es geht, stellt es kein Problem mehr dar. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mir zwischendurch nicht mehr sicher wahr, ob es mir jemals gelingen würde. Tatsächlich wurde das Buch Kinder(reim)geschichten im Juli 2009 veröffentlicht.

Lesungen vorbereiten und GEMA-Zahlungen vermeiden

Ich musste Lesungen vorbereiten. Um die Lesungen für die Kinder interessant und abwechslungsreich zu gestalten, erstellte ich eine PowerPoint-Präsentation. Auch hier war eine gewisse Einarbeitungszeit erforderlich, da ich nie zuvor mit dem Programm gearbeitet hatte. Die lustigen Kurz- und Reimgeschichten untermalte ich mit den Bildern aus dem Buch sowie mit Melodien und Geräuschen. Durch den Kino-Effekt hat diese Art der Lesung für die Kinder einen besonderen Reiz. Bei der Vertonung traten allerdings die nächsten Probleme auf. Denn es durften natürlich nur Geräusche und Melodien verwendet werden, die GEMA-frei sind. Andernfalls müsste ich für jede Lesung GEMA-Gebühren bezahlen. Das hielt ich für nicht akzeptabel. Die Suche nach dem jeweils zum Bild passenden Geräusch, welches gleichzeitig GEMA-frei und offline zu gebrauchen war, gestaltete sich sehr zeitaufwendig und schwierig. Aber es gelang.

Bastelaktionen

Selbst gebastelte Lesezeichen zum BuchDa ich mir wünschte, dass die Kinder von meiner Lesung etwas mit nach Hause nehmen können, bastelte ich Lesezeichen und bereitete vorgeschnittene Bastelsätze für die Grundschulen vor. Auf diese Weise erhält jedes Kind zum einen die Informationen zum Buch, zum anderen aber auch ein Lesezeichen mit besonderem Wert. Jedes Kind wählt selbst die Farbkarte, das Lieblingsmotiv des Buches sowie ein farbiges Band für sein persönliches Lesezeichen aus. Da es vorgeschnitten ist, ist es auch wirklich für jedes Kind möglich, ein schönes Lesezeichen selbst zu gestalten und zu basteln. Es wird vom Kind selbst zusammengestellt, hat natürlich dadurch einen besonderen Wert und will auch benutzt werden. Die Leselust wird auf diese Weise angeregt und gefördert.

Diese Art der Lesezeichen erfordern natürlich sehr viel Arbeit und Zeitaufwand. Denn das Bastelmaterial muss nicht nur besorgt werden, sondern auch passend geschnitten. Hierfür sind Schneidemaschinen, eine Schere und viel Zeit erforderlich. Wenn an nur an einer Grundschule beispielsweise 200 Schüler sind, müssen also ca. 250 unterschiedliche Farbkarten (wegen der Auswahl), Bänder und verschiedene Passbilder vorgeschnitten werden. Die Farbkarten müssen einzeln gelocht und gestempelt werden. Sehr viel Arbeit für ein ganz persönliches Give-away! Dauerhaft würde ich diese Aufgabe gerne an eine Behindertenwerkstatt übertragen. Momentan fehlt leider jedoch ein Sponsor dafür.

Wie es weiter ging

Das Buch Kinder(reim)geschichten wurde im Juli 2009 veröffentlicht. In Kinder-Lesungen wurde es seitdem in Rheine, Ibbenbüren, Emsdetten, Hörstel, Steinfurt und Osnabrück vorgestellt. Die Originalbilder aus dem Buch waren in der Stadtbibliothek Osnabrück / Kinder- und Jugendbibliothek im Rahmen einer Ausstellung „Dinosaurier, Piraten und Prinzessin Kunigund“ von November 2009 bis Januar 2010 zu sehen und haben viele Besucher begeistert.

Im September 2009 setzten die ersten Kindergärten das Buch für die Sprachförderung ein.

Seit Oktober 2009 wird es ebenfalls in einigen Grundschulen eingesetzt, die gleichzeitig Lesungen für die Schüler veranstalten. Eine Grundschule berichtete sogar, dass die Schüler seit der Lesung so begeistert von dem Buch sind, dass die Exemplare der Schulbücherei ständig ausgeliehen sind und sie sich schon die Bücher von den Lehrerinnen ausleihen, um in den Pausen die Gedichte auswendig zu lernen und die Geschichten zu lesen.

Eltern berichten des Öfteren, dass sich das Buch besonders gut zum abendlichen Vorlesen eignet, da die Texte kurz und für die Kinder gut zu behalten sind. Die Kinder entwickeln schnell Lieblingsgeschichten und werden animiert, sich auch Texte zu eigenen Bildern auszudenken. Die Kreativität wird dadurch gefördert. Die Themen interessieren die Kinder wirklich, da sie von einem Kind selbst ausgewählt wurden.

Das Arbeitsbuch

Das Arbeitsheft zu Kinder(reim)geschichtenAuf Anregung der Grundschulen und in Absprache mit einigen Lehrerinnen erstellte ich im Februar 2010 passend zu dem Kinderbuch ein entsprechendes »Arbeitsheft Kinder(reim) geschichten« (Kopiervorlage). Dieses lasse ich, aufgrund der von den Schulen gewünschten Kopiergenehmigung, selbst drucken. Es ist daher nicht über den Buchhandel, sondern nur direkt bei mir erhältlich. Das Arbeitsheft ist zur Unterstützung des Grundschulunterrichts gedacht und kann von der ersten bis zur vierten Klasse immer wieder eingesetzt werden.

Vermarktung

Der Rat der Buchhändler hat sich als richtig herausgestellt. Nichts zu tun bedeutet Stillstand in jeder Hinsicht. Werbung ist sehr wichtig. Diese kann durch Lesungen, Bekanntmachungen in der Presse, Flyer, Anzeigen, Plakate, Homepage, Kooperationen, persönliche Gespräche, Mailingaktionen, Telefonmarketing und Werbeversand erfolgen. Viele verschiedene Varianten der Werbung sind hier denkbar und möglich. Dabei sollte man stets im Auge behalten, welche Maßnahmen welche Auswirkungen im Verkauf nach sich ziehen, um wenig erfolgreiche Maßnahmen wieder zu streichen. Grundsätzlich ist es gut, Multiplikatoren zu finden und die Kontakte zur Presse zu pflegen, die ich als äußerst wichtig ansehe.

Ich denke, man sollte sich von dem Gedanken lösen, dass man vom Schreiben reich werden kann. Als Autor Reichtum zu erzielen, gelingt vermutlich nur den Allerwenigsten. Ganz sicher wird man aber reich an Erfahrungen und reich an der Freude am Schreiben!

Steuer

Steuerlich gesehen bin ich als Schriftstellerin Freiberuflerin und somit erst mal Kleinunternehmerin (abhängig vom Einkommen). Auskünfte hierzu erhält man beim zuständigen Finanzamt.

Für die Zukunft: Lernprogramm Kinder(reim)geschichten

Buch, Arbeitsheft und Kinderlesung mit Bastelaktion sind inzwischen zu einem Lernprogramm zusammengewachsen, da die Themen zielgruppengerecht ausgewählt wurden und sich perfekt untereinander ergänzen. Durch die Freude am Lernen dieser speziellen Kinderreime sowie die Förderung der eigenen Kreativität durch diverse damit verbundene Arbeitsaufträge ist der Lernerfolg garantiert und aufgrund des starken Interesses der Kinder weniger mühevoll zu erreichen.

Der WDR berichtete im Januar 2010 in seiner Lokalzeit Münsterland über Kinder(reim)geschichten sowie über Aaron. Für Schüler ein besonderer Anreiz, dieses ebenfalls zu probieren. Die Art der Entstehung und Umsetzung animiert zu eigenen kreativen Werken.

Seit November 2010 ist das Buch Kinder(reim)geschichten auch in einem Buchportal im Internet mit Quizfragen vertreten. Im Januar 2011 nahm der Rundfunk Berlin-Brandenburg / rbb Fernsehen Kinder(reim)geschichten als besonderen Buchtipp für Kinder auf seiner Homepage (rbb + quergelesen) auf. Im März 2011 stellte ich Kinder(reim)geschichten verschiedenen Verlagen auf der Buchmesse in Leipzig vor und erhielt hier reichlich Lob für das ausgesprochen kreative Kinderbuchprojekt, welches bis ins Detail liebevoll umgesetzt wurde. Bis heute habe ich sehr viele Bücher verkauft. Viel mehr als ich jemals, nach Aussagen der Buchhändler, zu hoffen gewagt hätte. Es ist also durchaus möglich, als unbekannter Autor Bücher zu verkaufen. Aber meiner Meinung nach nur mit ständigem Einsatz, einer guten Werbeidee und entsprechendem Marketing.

Derzeit plane ich, das Kinder-Projekt mit einem interaktiven Lernprogramm für Grundschulen weiter zu ergänzen.

Anja Stroot

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Das zugehörige Arbeitsbuch kann zum Preis von 18,95 Euro über die Website der Autorin  kinderreimgeschichten.bodautor.de erworben werden.

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    […] mehr von einem Verlag genommen werden wird, etc. Stimmt nicht, wie Beispiele, wie z.B. Nele Neuhaus und anderen beweisen, die ihre Bücher bei BoD machen und durch große Eigenwerbung, viel verkauften […]