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Beitrag vom 29. August 2017 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Reiseberichte

»Ein Reiseblog ist wie ein Diaabend, bloß sechs Monate länger.«

Matthias Debureaux: Die Kunst, andere mit seinen Reiseberichten zu langweilen

»Und? Wie war’s im Urlaub?« Eine verhängnisvolle Frage – und eine überflüssige obendrein. Denn der so Gefragte hatte noch vor Ort seine Strandfotos bei Facebook hochgeladen, Selfie mit Lächeln inklusive. Und schon Monate zuvor konnte man dort sein Foto mit den Flugtickets in den Händen sehen.

Früher langweilte man mit Diaabenden, heute mit Reiseblogs.

Matthias Debureaux hat die Foltermethoden von Reisenden in einem wunderbaren Bändchen lückenlos zusammengefasst: »Die Kunst, andere mit seinen Reiseberichten zu langweilen«.

»Man reist nicht mehr um zu entdecken, sondern um zu besichtigen.« Das knapp über 100 Seiten umfassende Büchlein ist voll von diesen Sätzen, und bei der Lektüre muss man aufpassen, dass man beim Lachen nicht ständig von den Mitmenschen merkwürdig angeschaut wird. Am besten liest man anderen daraus vor und freut sich gemeinsam.

Debureaux hat alle Reisetypen und ihre Nervfaktoren zusammengefasst, vom Pauschalurlauber bis zum naturverbundenen Rucksacktouristen im tibetanischen Hochland. Das fängt bei den Reisevorbereitungen an, geht über nervige Posts bei Facebook und Instagram und endet natürlich nicht bei der Ankunft, denn da geht es erst richtig los. Die Krone ist natürlich das eigene Reiseblog.

Posten Sie ohne Ende. Steigern Sie unablässig Ihr Schreibtempo. Überschütten Sie Ihre Leser mit lokalen Infos, die für sie völlig nutzlos sind. Erklären Sie ihnen in aller Ausführlichkeit, dass man am Flughafen von Los Angeles einen Shuttle nehmen muss, um zu den Autovermietern zu gelangen.

Nichts sollte man auslassen und nichts wird von Debureaux ausgelassen: Von den Krankheiten, den Begegnungen mit Einheimischen und anderen witzigen Anekdoten. Denn

Verstärken Sie Ihre Netzreputation. Übertreiben Sie großzügig die Zahl Ihrer Follower, die sich nunmehr an Ihren Reisen orientieren, um die eigenen zu organisieren. Inzwischen reagiert auch die Touristikbranche mit Routenänderungen auf Ihren wachsenden Einfluss.

Wobei es ganz unerheblich ist, ob Sie irgendwo in der Welt unterwegs waren oder im Urlaub nur Tagestouren unternommen haben. Mit allem kann man seinen Mitmenschen auf den Geist gehen.

Motto des Buches »Die Kunst, andere mit seinen Reiseberichten zu langweilen«

Motto des Buches »Die Kunst, andere mit seinen Reiseberichten zu langweilen«

Eigentlich wäre das Buch von Matthias Debureaux auch ein schönes Mitbringsel für den nächsten Grillabend am Ferienende. Im Original ist es 2015 unter dem Titel »De l’art d’ennuyer en racontant ses voyages« erschienen und Patricia Klobusiczky hat es übersetzt.

Aber im Grund genommen sollte man selbst das Buch während der Reise oder nach der Rückkehr lesen, um sich bei seinen eigenen Reisebeschreibungen zu zügeln. Doch egal wie sie es anfangen wollen und ob Sie den Ehrgeiz haben, mit Ihren Reiseerlebnisse andere nicht zu langweilen, Debureaux hat auch Ihren Kunstgriff garantiert schon in seinem Büchlein vermerkt.

Kaufen! Lesen! Reisen! Fresse halten! Genießen!

Wolfgang Tischer

Matthias Debureaux: Die Kunst, andere mit seinen Reiseberichten zu langweilen. Gebundene Ausgabe. 2017. Verlag Nagel & Kimche AG. ISBN/EAN: 9783312010219. EUR 12,00 » Bestellen bei Amazon.de
Matthias Debureaux: Die Kunst, andere mit seinen Reiseberichten zu langweilen. Kindle Edition. 2017. Verlag Nagel & Kimche AG » Herunterladen bei Amazon.de

1 Kommentar zu diesem Beitrag lesen

  1. Reinard Schmitz schrieb am 4. September 2017 um 19:50 Uhr

    Naja, alles etwas übertrieben, und das ein ganzes Buch lang. Nervt. Diejenigen, die hier portraitiert werden sollen, lesen es bestimmt nicht. Einzig interessant: was es angeblich alles geben soll.

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