Vom Schwarzwald nach Afrika, Belgien, Miami und ins Havelland – Warum hören alle Podcasts?

3
Fabian Neidhardt (links) und Wolfgang Tischer vor ihrer Podcast-Hütte im Schwarzwald
Fabian Neidhardt (links) und Wolfgang Tischer vor der Podcast-Hütte im Schwarzwald

Wolfgang Tischer und Fabian Neidhardt sprechen im Podcast des literaturcafe.de wieder über Bücher, die der jeweils andere nicht gelesen hat. Es geht nach Afrika, Belgien, Miami und ins Havelland. Ein Computerspiel setzt erzählerische Segel, und es geht um den Podcast-Boom, der unter Bücherfans und Verlagen ausgebrochen zu sein scheint.

Der Podcast-Boom und die Bücher

Nachdem der Podcast des literaturcafe.de im Frühjahr zum Interview-Podcast von der Leipziger Buchmesse und im Sommer zum Bachmannpreis-Podcast geworden ist, treffen sich Wolfgang Tischer und Fabian Neidhardt in einer kleinen Schutzhütte auf den Höhen des Schwarzwalds, um endlich wieder einmal über Bücher zu sprechen. Sage und schreibe über ein halbes Jahr her ist es, dass die beiden das letzte Mal zusammensaßen.

Seitdem – so hat man den Eindruck – ist die Bücher-Podcast-Welt förmlich explodiert und ein Podcast-Boom unter Verlagen, Autoren und Buchbegeisterten ausgebrochen. Die beiden analysieren daher erst einmal die Situation. Warum sind Podcasts im Buchbereich aktuell anscheinend so sehr beliebt?

Nachdem jahrelang Apple Podcasts (vormals iTunes) das wichtigste Podcast-Verzeichnis war und ist, hat Spotify mächtig aufgeholt. Seit dem letzten Treffen ist der Podcast des literaturcafe.de auch bei Spotify gelistet. Über podcasters.spotify.com kann man dort den eigenen Podcast eintragen. Erst vor dieser Folge blicken Wolfgang Tischer und Fabian Neidhardt auf die Abrufstatistiken bei Spotify – und sind höchst überrascht und erfreut, dass die Zahl der Hörer deutlich im dreistelligen Bereich liegt.

Wolfgang Tischer ist nach wie vor vom Podcast »Hanser Rauschen« begeistert, der sich wohltuend von der Marketingausrichtung vieler anderer Verlagspodcasts abhebt. Und Fabian Neidhardt verweist darauf, dass sich auch außerhalb der Podcast-Aktivitäten bei den ARD-Sendern mit der Audiothek-App vieles hören lassen kann.

Ein weiterer Podcast-Tipp ist das Serien-Hörspiel »Der Abgrund« von Melanie Raabe, produziert vom Hörverlag. Trotz einiger Schwächen in Plot und Logik ein gut gemachtes (und mit 10 Folgen abgeschlossenes) Thriller-Hörspiel. Bemerkenswert ist auch das Sounddesign/die Musik von Michał Krajczok.

ARD Audiothek
ARD Audiothek
Entwickler: ARD.de/SWR
Preis: Kostenlos

Dann aber geht es um Bücher. Fabian Neidhardt hat den Roman »Wer fürchtet den Tod« von Nnedi Okorafor gelesen und stellt ihn vor. Der Roman der nigerianisch-amerikanischen Schriftstellerin und Professorin für Creative Writing verbindet Fantasy-Elemente mit der afrikanischen Kultur und spielt in einer post-apokalyptischen Zukunft.

Nnedi Okorafor: Wer fürchtet den Tod

Nnedi Okorafor: Wer fürchtet den Tod. Broschiert. 2017. Cross Cult / Andreas Mergenthaler. ISBN/EAN: 9783959811866. EUR 18,00 » Bestellen bei amazon.de Anzeige

Von Afrika geht es aufs platte Land nach Belgien in den 1990er-Jahren. Wolfgang Tischer hat zunächst mit Zögern »Und es schmilzt« gelesen, den Debutroman der jungen flämischen Autorin Lize Spit, der in Belgien und den Niederlanden lange an der Spitze der Bestsellerlisten stand. Mit einem markigen »Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt« wird das Buch vom S. Fischer Verlag beworben. Es sei ein Buch, dass sich »an die Grenzen des Sagbaren« wage. Solche Worten wirken wie das Lechzen nach Aufmerksamkeit.

Lize Spit: Und es schmilzt

Lize Spit: Und es schmilzt: Roman. Taschenbuch. 2018. FISCHER Taschenbuch. ISBN/EAN: 9783596298372. EUR 12,00 » Bestellen bei amazon.de Anzeige

Doch Wolfgang Tischer ließ sich vom Marketinggetöse nicht abschrecken und hat einen sehr berührenden Roman gelesen. Es sind offenbar die Autorinnen aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich, die mit ihren Texten weitaus mehr wagen, als es hierzulande üblich ist. »Und es schmilzt« – mittlerweile als Taschenbuch erhältlich – sollte man gelesen haben. Oder gehört. Anna Thalbach hat das Hörbuch eingesprochen. Eine tolle Sprecherin, allerdings in der Besetzung auch sehr erwartbar, meint Wolfgang Tischer.

Lize Spit: Und es schmilzt. Audio CD. 2017. Lübbe Audio. ISBN/EAN: 9783785756065. EUR 5,81 » Bestellen bei amazon.de Anzeige

In der Mitte der Podcast-Folge steht meist ein Nicht-Buchtipp, der dennoch erzählerisch einiges zu bieten hat. Fabian Neidhardt hat »FAR« gespielt, ein Computerspiel und opulent designter Sidescroller, der ihn für Stunden in einer weiten, weiten Welt dahinsegeln ließ. Das Spiel mit dem wunderbaren Soundtrack stammt vom Mixtvision Verlag, der auch so wunderbare Bilderbücher wie »Die große Wörterfabrik« von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo veröffentlicht, das es im Übrigen auch als App gibt.

Video Thumbnail
FAR: Lone Sails – Announcement Trailer | PS4

FAR: Lone Sails
FAR: Lone Sails
Entwickler: Okomotive
Preis: 14,99 €

Wolfgang Tischer weist auf das bewegende Spiel »Gone home« hin, dass er vor einiger Zeit hier im literaturcafe.de besprochen hat. Das »Spiel« aus dem Jahre 2013, bei dem es ohne Zeitdruck ein Haus und seine offenbar verschwundenen Bewohner zu erkunden gilt, ist jetzt auch für Smartphones erhältlich (Android und iOS). Auch hier lässt sich eine berührende Geschichte entdecken.

Video Thumbnail
Gone Home trailer

Gone Home
Gone Home
Preis: 5,49 €

Weiter geht es im Podcast mit zwei Büchern: Wolfgang Tischer hat den Autor Herbert Schlüter und seinen Roman »Nach fünf Jahren« entdeckt. Schlüter lebte von 1906 bis 2004, schrieb den Roman um 1930, verbrachte einige Jahre im Exil, bevor ihn die Nazis doch zum Kriegsdienst verpflichteten. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Schlüter als Übersetzer und war u. a. Mitglied im PEN. Er war ein guter Freund von Klaus Mann.

Herbert Schlüter – Nach fünf Jahren

»Nach fünf Jahren« spielt in den 1920er-Jahren auf einem Hofgut im Havelland. Dort finden sich einige Menschen zusammen, die vielfältig und wechselnd miteinander verbunden sind. Der am Anfang 13-jährige Ich-Erzähler Peter kehrt nach fünf Jahren nochmals auf den Hof zurück und findet veränderte und auch gleichgebliebene Konstellationen vor. Ein kurzer Roman für einen Sommernachmittag, der sprachlich und inhaltlich sehr an Thomas Mann und Theodor Fontane erinnert. Erschienen ist das auch optisch wunderschöne Büchlein mit Halbleinenumschlag und Fadenheftung im kleinen Düsseldorfer Lilienfeld Verlag.

Herbert Schlüter: Nach fünf Jahren (Lilienfeldiana). Gebundene Ausgabe. 2008. Lilienfeld Verlag. ISBN/EAN: 9783940357069. EUR 19,90 » Bestellen bei amazon.de Anzeige

Den Abschluss des Podcasts bildet das Buch »Miami Punk« des deutschen Autors Juan S. Guse. Das über 600 Seiten starke Werk verknüpft das Leben vieler Protagonisten, die in einem Florida ohne Meer leben. Das nämlich hat sich auf unerklärliche Art und Weise viele hundert Kilometer von der Küste zurückgezogen. Während die Wissenschaftler noch nach den Ursachen forschen, sitzen die Menschen in Miami auf dem Trockenen.

Juan S. Guse: Miami Punk

Juan S. Guse: Miami Punk: Roman. Gebundene Ausgabe. 2019. S. FISCHER. ISBN/EAN: 9783103973938. EUR 26,00 » Bestellen bei amazon.de Anzeige

Wie immer freuen sich Wolfgang Tischer und Fabian Neidhardt über Mails, Kommentare, Rückmeldungen und Bewertungen auf den verschiedenen Podcast-Portalen. Abonnieren Sie diesen Podcast via Apple Podcasts, Spotify oder über andere Portale, um keine Folge zu verpassen. Selbstverständlich können Sie die Folge auch über den Web-Player unten direkt anhören.

Viel Spaß dabei!

3 Kommentare

  1. Lieber Wolfgang Tischer, lieber Fabian Neidhardt,
    ich habe mich sehr über Ihren neuen Literatur-Podcast aus dem Schwarzwald gefreut! Besonders ansprechend finde ich, neben der inhaltlichen Beschreibung der empfohlenen Lektüre, die lebendige, interaktive Auseinandersetzung mit diesen Büchern.
    Bitte machen Sie so weiter!
    Herzlichen Dank und liebe Grüße aus der Nähe von WIen,
    Brigitte

  2. Lieber Wolfgang, lieber Fabian,
    wie schön, dass Ihr endlich mal wieder einen gemeinsamen Podcast aufgenommen habt. Vielen Dank für die Tipps. Ich freue mich schon, auf die nächste Ausgabe mit Euch beiden. Das Gute an den langen Pausen, ich schaffe es Eure Tipps nachzulesen, ohne meine Buchliste stark zu vernachlässigen. ;-)
    Liebe Grüße, Nele

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein.
Bitte geben Sie Ihren Namen ein