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Willms‘ Woche: Jeder Künstler ist Anarchist

Seine zynischen Texte gepaart mit erfrischenden, beschwingten Melodien trafen stets den Nerv der Zeit. Mit Songs wie »Tauben vergiften im Park« und »Schützen wir die Polizei« wurde er berühmt, beliebt und gefürchtet zugleich. Am18. Juli wird der Ausnahme-Künstler Georg Kreisler 86 Jahre alt.

Im Jahr 1922 wurde Georg Kreisler in Wien geboren. Mit 16 Jahren musste er aufgrund seiner jüdischen Herkunft vor den Nazis in die USA fliehen, wo er in Hollywood schnell Fuß fasste und dort unter anderem als Komponist für Charles Chaplin tätig war.

Folge 73: Pfarrer Menzel zweifelt

»Uein GOtt!« missbrauchte Pfarrer Menzel den Namen seines HErrn im Vollbesitz seiner geistigen und seelischen Kräfte und im Vorgriff auf den schlechten Eindruck, den so überraschend bereits schon am kommenden Sonntag hinterlassen zu müssen er sich genötigt sah, fühlte er sich doch jener auferlegten Prüfung durchaus noch nicht gewachsen, nämlich dass er gerade – und heute war Freitag – auf einen Schlag die ganze rechte Backe verloren hat: »Ueißt du, uas du uir antust?«

Folge 72: Pfarrer Menzel freut sich

Beide Arme waren vollständig in Ordnung, und die Hände erst recht! Selbst wenn der ganze Kopf wegbröckeln sollte, er könnte schreibend predigen! Satzmelodie, Lautstärke, Pausen, Betonungen… eine ganz neue Notation zu entwickeln gilt es, damit dermaleinst die Leser ob der Predigt Wucht erschauerten wie jetzt noch die Zuhörer!

Folge 71: Pfarrer Menzel übt

»Bamahh pap Hiob beimem Mump auf ump veafmuhhpe beimem Pap.« Ziemlich zufrieden mit sich klappte Pfarrer Menzel die Bibel wieder zu.

Streit um Valentin-Zitate eskaliert im Internet

Wurden Zitate berechtigt oder unberechtigt verwendet?Weil der Betreiber der Website »Sehr erfahrene Menschen«, Holger Jass, für die Verwendung dreier Zitate von Karl Valentin keine Erlaubnis hatte, wurde er durch die Valentin-Erben abgemahnt. Jass versieht die Zitate mit witzigen und zum Teil recht aufwendigen Animationen. Da jedoch – wie Jass selbst schreibt – von den 169 Zitategeber auf seiner Website 80 Prozent noch leben oder noch nicht 70 Jahre tot sind, sieht er die Gefahr weiterer Abmahnungen und Kosten auf sich zukommen. Als Konsequenz bleibe Jass nur die Schließung seiner Website. Erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers sind dessen Werke nicht mehr geschützt, sodass sie ohne Erlaubnis verwendet werden dürfen.

Insbesondere nachdem auch das ZDF über diesen Fall berichtet hat, schien für viele klar zu sein, dass Jass der Gute und die Erben Valentins die Bösen sind. Nach Angaben von Karls Valentins Erbinnen und des Nachlassverwalters, die die offizielle Website www.karl-valentin.de betreiben, häuften sich daraufhin die kritischen und zum Teil beleidigenden Einträge im Gästebuch. In einer auf der Website platzierten »Richtigstellung aus gegebenem Anlass« schreiben die Betreiber, dass sie u. a. als »geldgierige Schmarotzer« dargestellt würden, die »das Andenken an Karl Valentin angeblich in den Dreck ziehen«.

Leider nur Lese- statt Hörtipp: Der Frontsoldat der Literaturwissenschaft

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Eine interessante Literatursendung - Nur leider keine Gelegenheit, sie zu hörenManchmal kommt einem die Flüchtigkeit von Radiosendungen richtig altmodisch vor. Da kann man eine Stunde Radio in eine kleine Audiodatei packen, und immer mehr Sendungen sind als Podcast verfügbar. Da gibt es die ARD-Mediathek, doch just die Sendung, die man leider nur im Auto 10 Minuten verfolgen konnte und die man gerne nochmal in Ruhe ganz gehört hätte tja, gerade die gibt es nicht als Audio-Download.

Dabei war die SWR2-Sendung am 8. Juli 2008 von Gisa Funck über die Lage der heutigen Literaturkritik überaus hörenswert. Unter dem Titel »Der Frontsoldat der Literaturwissenschaft oder Vom Heroismus, Bücher zu besprechen« ging die Autorin der Frage nach, welche Rolle die Literaturkritik in der heutigen Zeit spielt und warum sie anders ist als noch in den 60er und 70er-Jahren. Viele O-Töne von Reich-Ranicki bis Sigrid Löffler waren zu hören. Doch leider nur für die, die an diesem Tag von 20 bis 21 Uhr die Sendung »SWR2 Literatur« hören konnten.

So bleibt als einziger Trost, dass man zumindest das Sendemanuskript auf der SWR-Website herunterladen und nachlesen kann. Lesetipp statt Hörtipp!

Folge 70: Pfarrer Menzel beruhigt sich

Andererseits: Sollte sich das Tempo des Bröckelns nicht ganz unverhofft dramatisch steigern, könnte er noch gut 30 Jahre predigen – vorausgesetzt, Kiefer oder auch Zunge würden nicht als unmittelbar Nächstes in Mitleidenschaft gezogen. Und außerdem könnte er vorbeugen, gewissermaßen das Schlimmste vorwegnehmen: Er könnte lernen, ohne Zunge zu predigen, indem er schon jetzt bei voll entfalteter Funktionstüchtigkeit dieses Organs schlichtweg so tat, als hätte er es nie gehabt.

Folge 69: Pfarrer Menzel grübelt

Als das erste Stück seines Kopfes wegbröckelte, erfasste Pfarrer Menzel doch eine leichte Unruhe. An das Zerbröckeln der Beine hatte er sich gewöhnen können, denn es zeigte sich, dass die Standfestigkeit nicht beeinträchtigt wurde. Aber wie würde das beim Kopf werden? Wenn die Augen bröckelten, das Gehör, die Nase, der Kiefer, der vor allem? Würde er dann noch predigen können? Gut: Es ist lediglich ein Stück Schädel mit Gehirn zu Boden gefallen. Vielleicht beschränkte sich das Bröckeln ja nur auf diesen Teil des Kopfes. Aber wenn nicht? Und wenn er noch würde predigen können, aber nicht mehr sehen, wem – obwohl: jemanden sehen und nicht predigen können, das wäre schlimmer. Vielleicht sollte er sozusagen auf Vorrat predigen, auf Band speichern und bei Bedarf vorspielen? Aber eine Entscheidung, welches der gespeicherten Bänder nun in Anwendung gebracht werden müsste, setzte ein Sehen voraus und ein Hören. Und dieser Fähigkeiten durfte er nicht mehr sicher sein, auch wenn bisher erst 1 Stück seines Kopfes abgebröckelt ist.

Willms‘ Woche: Dem großartigen Saul Bellow gewidmet

Leider darf Saul Bellow seinen 93. Geburtstag nicht mehr mit uns feiern. Da der Nobelpreisträger aber noch immer unbestritten zu den Größten der amerikanischen Literaturszene zählt, erinnern wir an dieser Stelle mit einer kurzen Biografie an sein bewegtes Leben.

Saul Bellow wurde am 10. Juli 1915 im kanadischen Lachine, einem verarmten Arbeitervorort von Montreal in Quebec geboren. Seine Eltern waren zwei Jahre zuvor aus Russland eingewandert, wo der Vater in St. Petersburg ein kleines Importgeschäft betrieben hatte. Saul Bellow war das jüngste von 4 Geschwistern, mit denen er die ersten 9 Jahre seines Lebens in einem Armenviertel wohnte, das zu dieser Zeit vielen jüdischen Einwanderern Zuflucht bot. Seine Eltern hätten es gerne gesehen, wenn er Schriftgelehrter geworden wäre, und so lernte er neben Englisch und Französisch auch Hebräisch und Jiddisch.

Folge 68: Pfarrer Menzel missioniert

Anlässlich der Kieler Woche befiel Pfarrer Menzel die einmalige Berufung, den Fahrensleuten aller Kategorien und Couleur Frohes zu vermitteln. Doch inmitten der drängelnden Menschenmassen an der Kiellinie begann sein Mut zu schrumpfen, und ganz versackte der, als angesichts von Gaffeln, Rudern, Riemen, Rümpfen, Tampen und Klampen, Dreieckssegeln und Trapezen, Innen- und Außenbordern mit ihren steuerbordigen bzw. backbordigen Luvs und Lees, ganz zu schweigen von Achtern und Bug und Verklicker, Pfarrer Menzel jedes Zutrauen in seine Missions-Fähigkeiten verlor und beschämt zum Bahnhof zurück schlich. Eine Knackwurst mit Brötchen hat er sich trotzdem gegönnt.

Bürgerrechtler warnen: EU plant lückenlose Überwachung des Internet

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1984Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt finden am 7. Juli 2008 im Europaparlament Abstimmungen statt, die maßgeblich die Weichen dafür stellen, dass das Internet künftig lückenlos überwacht wird. Wie Heise Online berichtet, wollen insbesondere britische konservative Politiker »die Nutzung „illegaler Inhalte“ über ein staatlich lizenziertes Überwachungssystem verhindern«.

Was dabei legal und illegal ist und dass Legales schnell zum Illegalen werden kann und wie eine lückenlose Überwachung aussehen kann, wissen wir spätestens seit der Lektüre von Orwells 1984. Die von vielen immer wieder naiv geäußerte Meinung »Wer nichts zu verbergen hat, dem kann das egal sein« gilt schon lange nicht mehr.

Wieder einmal dient unter anderem auch der Urheberschutz als Deckmantel, um sämtliche Netz-Aktivitäten der Bürger zu überwachen. Heise berichtet weiter, dass sogar die Entwicklung und Verbreitung von Open-Source-Software bedroht sein könnte. Wir empfehlen nachdrücklich die Lektüre des Heise-Artikels. Auf netzpolitik.org kann nachgelesen werden, was man als Bürger tun kann und tun sollte, um das EU-initiierte Voranschreiten des Überwachungsstaates zu verhindern.

Infos und Ratschläge finden sich ebenfalls auf der mehrsprachingen Aktions-Webiste »Mobilisation Paquet-Telecom« der Bürgerrechtsorganisationen La Quadrature du Net aus Frankreich.

Folge 67: Pfarrer Menzel ruht

Pfarrer Menzel ruht mit Vorliebe in halbsitzender Stellung. Unter seinem Rücken ruht dabei das Hauptkissen, sein Haupt hingegen ruht auf seinem Lieblingskissen; die Beine ruhen längelang ausgestreckt, Fußspitzen leicht nach außen. Die Hände ruhen handflächig auf dem Bauch, wobei die Spitzen von Zeige- und Ringfinger mit den korrespondierenden der jeweils anderen Hand in leichten Kontakt treten. Die Augen blinzeln währenddessen gemächlich statt zu ruhen. Ganz anders ruht Pfarrer Menzel auf dem Frisierhocker, allerdings das Blinzeln bleibt.

Lesetipp: Interview mit dem Übersetzer Wolfgang Butt

Von Wolfgang Butt übersetzte Krimis von Henning MankellAufmerksamen Krimi-Lesern sollte der Name Wolfgang Butt ein Begriff sein. Denn Butt sorgt als Übersetzer dafür, dass viele der Wallander- bzw. Mankell-Krimis auch im Deutschen ihren unverwechselbare Ton erhalten.

Auf boersenblatt.net ist ein jetzt ein Interview mit dem 1937 geborenen Skandinavist, Übersetzer und (Ex-)Verleger Wolfgang Butt zu lesen. Darin geht es um seine Sympathien für die schwedische Gesellschaft, das Übersetzen von Krimis und anderen Büchern (beispielsweise Per Olov Enquist) und die Frage, für welche der drei Tätigkeiten Hochschulprofessor, Verleger oder Übersetzer sein Herz am meisten schlägt.

Butt berichtet, dass er an 600 Seiten Mankell vier bis fünf Monate arbeitet. Beim aktuellen Werk »Der Chinese« schrieb Henning Mankell noch am Roman, während ihn Butt bereits ins Deutsche übertrug. »Gelegentlich kam dann eine neue Version…«, so Butt im Gespräch mit dem Börsenblatt.

Außerdem gehört Butt zu den beneidenswerten Zeitgenossen, deren Lebenslauf mit »Seit vier Jahren lebt er überwiegend in Südfrankreich« endet.

Mankell Henning und Wolfgang Butt: Der Chinese : Kriminalroman. Henning Mankell. Aus dem Schwed. von Wolfgang Butt. Gebundene Ausgabe. 2011. Rheda-Wiedenbrück ; Gütersloh : RM-Buch-und-Medien-Vertrieb,
HENNIG. MANKELL: Der Chinese. [Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt]. Gebundene Ausgabe. 2008. Paul Zsolnay Verlag.
Henning Mankell; Wolfgang Butt (Übersetzung): Der Chinese: Kriminalroman. Taschenbuch. 2010. dtv. ISBN/EAN: 9783423212038. 10,95 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Henning; Butt Mankell: Der Chinese Roman. Weltbild-Reader. Taschenbuch. 2009. Weltbild

Ein neuer Buchstabe im deutschen Alphabet: Das große ß

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Großstatt mit großem ß»In der deutschen Rechtschreibung ist das ß durchaus unentbehrlich, und gegen seine Beseitigung, die in der neuen Schweizer Schulschrift leider durchgeführt ist, sollte sich jeder wehren.« Das schrieb der berühmte Typograf Jan Tschichold in seinem MEISTERBUCH DER SCHRIFT bereits 1952. Tschichold, der 1974 starb, würde sich freuen, denn das ß hat nicht nur die Rechtschreibreform überstanden, sondern bereits seit 4. April 2008 gibt es das ß nun auch offiziell als Großbuchstaben.

Das Problem ist nur: Man kann es noch nicht schreiben oder tippen, denn in den aktuellen Schriftsätzen ist dieser Buchstabe noch nicht vorhanden. Er sieht irgendwie so aus, wie ein Mittelding zwischen ß und B und nimmt offiziell nach ISO-Norm die Nummer U+1E9E im Unicode-5.1-Zeichensatz ein. Und auch auf den deutschen Tastaturen ist ein großes ß nicht vorhanden. Drückt man Großschreibtaste und ß, so erhält man ein ? angezeigt. Ob sich das Tastaturlayout tatsächlich wegen eines neuen Buchstabens ändern wird?

Folge 66: Pfarrer Menzel hilft sich

Einmal packte Pfarrer Menzel aus unerfindlichen Gründen der Übermut, so dass er einen Apfelbeutel mit Wasser füllte und durch das Fenster auf die Straße warf. Niemand nahm Notiz davon, Pfarrer Menzel aber wurde schlagartig wieder normal. Seitdem befinden sich in der Kanzel immer zwei wassergefüllte Apfelbeutel.