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StartseiteNotizenausmahlen oder ausmalen? Mehl oder Bilder?

ausmahlen oder ausmalen? Mehl oder Bilder?

Stifte oder Mühle: Wer ma(h)lt hier?Heute haben wir wieder unseren Newsletter verschickt. Darin war der Satz zu lesen »Wir mahlen uns aus, wie das wohl aussehen könnte.«

Ein Satz, der bei vielen Leserinnen und Lesern Verwunderung, Häme und Bestürzung auslöste. Ausmahlen? Nun leben auch beim literaturcafe.de keine Rechtschreibgötter, doch als der Satz geschrieben wurde, waren wir uns ganz sicher, dass »ausmahlen« korrekt ist.

Schließlich kommt der Begriff von »Mehl ausmahlen«, was übertragen so viel bedeutet wie: etwas ganz genau und sorgfältig mit allen Bestandteilen zerkleinern, um möglichst viel daraus zu gewinnen. »Sich eine Sache oder Situation ganz genau auszumahlen« bedeutet also, sie sorgfältig zu betrachten. Das Wort ausmahlen ist zudem im DUDEN verzeichnet.

Klingt logisch, oder? Dachten wir auch. Ist aber falsch!

Tatsächlich kommt der Begriff von »ein Bild ausmalen«, also ein Werk, das in Umrissen grob vorgezeichnet ist, mit Farben lebendig und natürlicher zu machen und dieses fertigzustellen, im übertragenen Sinne also eine Sache zuende denken.

Google ist hier nur bedingt eine Hilfe, denn dort findet man unzählige Schreiber, die fälschlicherweise »Bilder ausmahlen« oder »Mehl ausmalen«. Interessant die Ergebnisse im Google-Fight für Mehl ausmahlen vs. Mehl ausmalen.

Dennoch lieferte uns Google eine Quelle, der man offenbar vertrauen kann: Eine Doktorarbeit aus Österreich (RTF-Datei) von Susanne Brandsteidl (Universität Wien 1998) mit dem Titel »Von der Sprache der Klassiker zum heutigen Deutsch: Verständnisprobleme durch Sprachwandel«. Dort ist auf Seite 194 zu lesen:

»malen« bedeutete nach DUDEN (Bd. 7, S. 418) »mit Zeichen versehen, markieren, verzieren, schminken«, aber auch »schreiben, verzeichnen«, also jede Art der grafischen oder bildlichen Darstellung. Von dieser Grundbedeutung ausgehend, wurde die Semantik des Verbs auf jede Art der Darstellung oder Erfassung, auch im geistigen Sinn übertragen. In der heutigen Standardsprache ist dies in »sich etwas ausmalen«, im Sinne von »sich etwas vorstellen« präsent. Schiller verwendete das Verb in eben dieser Weise. Er übertrug die Bedeutung des transitiven Verbs »malen« als Ausdruck der grafischen Darstellung auf die geistige Präsentation und Erfassung.

Wir können es uns jetzt also gut ausmalen, welche Reaktionen der Satz unseres Newsletters bei einigen Lesern hervorgerufen hat.

4 Kommentare

  1. Der Duden sagt, wie Rechtschreibung geht und bildet ansonsten nur ab, was auf der Strasse gesprochen, beziehungsweise in der Presse geschrieben wird. Der Duden würde gerne eine Empfehlungsinstanz sein – aber wenn mir einer etwas empfehlen will, muss er die Empfehlung schon schlüssig begründen können – und Beispielsweise beim Begriff Weblogbuch und dessen Kurzform Blog ist ein männlicher Artikel nichts anderes als dummes Zeug. Und auch, wenn eine hinreichende Zahl Menschen oder Medien dummes Zeug absondern, bleibt es dummes Zeug.

    Bevor irgendwann vor ein paar Jahren der erste Pressefatzke mal der Blog geschrieben hat, war das alles interessanterweise gar kein Thema. Alle Blogger wussten, dass es das Blog ist und haben das auch so geschrieben und gesagt. Dann kam leider der nächste von der Presse um die Ecke und hat vom ersten abgeschrieben, dann der nächste von diesem undsoweiterundsofort, was bekanntermassen die Spezialität der Presse ist, und ein paar Jahre später gilt dann als gesicherte Erkenntnis, was eigentlich nur der Fehler von irgendeiner Pfeife war und dann machen sich auch noch genau die Medien zum Gespött, die sowieso schon erst als letzte angefangen haben, zu begreifen, was das Internet ist und deren Sprachrohre so gerne betonen, wie seriös und unverzichtbar sie doch eigentlich sind.
    Dabei haben sie dann keine anderen Erklärungen für den falschen Artikel als entweder ihre Arroganz, die sie gerne als Ironie tarnen, weil sie nicht die Grösse haben, auch nur ansatzweise Fehler zuzugeben, oder den Duden, was ausschliesslich Ausdruck ihrer Inkompetenz ist.

  2. @ Dino:Im Zusammenhang mit Rechtschreibregeln auf Grammatik kommen, ist irgendwie „Thema verfehlt“.
    Sei es drum: Im Anfang war das Wort, dann erst Schrift, dann Buch, danach Nachschlag-Werke. Blog ist abgeleitet von (World Wide)Web und Log, also ein echter Anglizismus. Bei Übernahme in deutsche Sprache stand/steht mit dem englischen Artikel „the“ ein Genus nicht fest, entwickelt sich nicht nach Grammatikregeln der nachträglichen Sprachanalyse, sondern vorab nach täglichem Sprachgebrauch. Allgemeiner Sprachgebrauch -der nun mal zuerst ist- wählte die maskuline Form, Sprachwissenschaft die sächliche, wobei für die deutsche Sprache besonders gilt, das Artikelwort gehört einerseits zum Substantiv, andererseits werden Gegenstände mit allen drei Artikelwörtern versehen, z.B. das Buch, die Platte, der Tisch. Duden und Wahrig haben den eingedeutschten Begriff „Blog“ übernommen, führen ihn grammatisch `korrekt´ mit sächlichem Artikel auf, lassen als Nebenform Verwendung des männlichen Artikels zu. Das wars. Und es war kein Pressefatke, sondern Volkes Mund und Wille. Den haben Duden und Wahrig demokratisch aufgeschrieben. Die Oberlehreraufregung darum und darüber hält der Blog aus, wie das Blog hier beweist.

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