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Textkritik und SchreibStar: »Disaster Recovery« eines Romananfangs

Die Website SchreibStar.tvWenn in der EDV-Abteilung – die heute IT-Abteilung heißt – etwas kaputt geht, dann wird ein »Disaster Recovery« durchgeführt. Es ist der Moment, in dem man hofft, dass Datensicherungen oder Ersatzgeräte vorhanden sind, um rasch wieder funktionsfähig zu sein.

»Disaster Recovery« lautet der Titel des Romans, dessen Anfang sich unser Textkritiker Malte Bremer angesehen hat. In Kooperation mit der Website SchreibStar.tv zum neuen Roman »Möchtegern« von Milena Moser, bespricht Malte Bremer insgesamt sechs Romananfänge. Nach zwei überaus gelungenen Anfängen, ist unser Textkritiker diesmal nicht ganz so zufrieden. Schuld daran sind unter anderem »quengelnde Rotorengeräusche«.

Bis Sonntag, 16. Mai 2010, konnten Romananfänge eingeschickt werden, denn nun liegen genügend Anfänge vor, aus denen Malte Bremer noch drei auswählen wird. Im vollen Gange ist noch das Trainingscamp mit den Schreibaufgaben aus dem Roman »Möchtegern«. Die aktuelle Kreativaufgabe lautet: »Ihre Figur verliert vier Tage. Wo? Mit wem? Warum?«

Zur Textkritik von Malte Bremer auf SchreibStar.tv »

Textkritik: Disaster Recovery – Romananfang

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Die Nacht hatte er mit ›Nardil‹ überstanden -, verfügte bezüglich Pillen über die freie Auswahl, denn Mutters Medikamentenbestand war schier unerschöpflich.

Und genau deswegen war sie nicht da, als der von ihm erwartete Wagen vorfuhr, kurz hupte, sondern in einem Sanatorium in der Schweiz, einer Art Irrenhaus, das er sich wie den von Thomas Mann beschriebenen ›Zauberberg‹ vorstellte, wenn er an sie dachte; er dachte täglich an sie.

»Einen schönen Gruß von Ihrem Vater, Herr Rausch«, sprach ihn einer der beiden schwitzenden Männer in grauer Uniform mit dem Berliner Bären auf dem Oberarm des Anzugs an, – und blies säuerlichen Atem aus, » … er lässt sich entschuldigen, er hat …«

»Schon gut«, entgegnete Felix schnell, denn allzu oft hatte er die mit säuerlichem Atem vorgetragenen Ausflüchte, seinen Vater betreffend, schon verarbeiten müssen, – hörte den Pirol im Garten rufen, der wohl neben der Grube saß, um in der vom Gärtner eben frisch aufgeworfenen Erde nach Würmern zu suchen.

»Schon gut, – und bringen Sie die Kiste bitte gleich in den Garten!« hinkte er den beiden Männern vorweg.

Einer vorwärts-, der andere rückwärtsgehend folgten ihm die Männer, einen weißen Kasten tragend, auf dem in schwarzen Druckbuchstaben ›Eigentum Gerichtsmedizin Stadt Berlin‹ stand, – in dem sein Hund lag.

Seine Schmerzen, besonders die im Fuß, waren heute fast unerträglich, somit zwang er die Männer hinter sich zur Langsamkeit. Trotzdem stöhnte einer von denen vernehmlich, so, als wenn die zu tragende Last nur schwer zu bewältigen sei.

»Bitte direkt neben die Grube…«, als der aufgescheuchte Pirol das Weite gesucht hatte, »und legen Sie den Hund gleich in das Grab«, als die Männer den Deckel vom Kasten offen hatten.

»Machen wir, Herr Rausch!«, erwiderten die Männer unisono, öffneten die Kiste, wickelten den toten Hund aus der Plastikplane und ließen ihn behutsam in die Grube gleiten.

»Meinen Sie, das ist tief genug?«, fragte der Wortführer der Beiden.

»Wegen der wilden Tiere?«, wollte Felix wissen.

»Ja. Schweine gibt es hier genug, – und die fressen alles!«

»Stimmt. Schweine gibt es genug … aber ich habe Vorsorge getroffen!«

»Eine Grabdecke -, was?«

»Ja, so was Ähnliches.«

»Dann ist es ja gut«, als die Beiden, jeder mit der Hälfte des Eigentums der Stadt Berlin in Form des weißen Kastens in Händen, den Garten verließen.

Am Tor angekommen steckte er ihnen zwanzig Euro zu.

»Das wäre aber…«

»Nehmen Sie schon …; auf Wiedersehen!«

Das Motorengeräusch des Transporters der Gerichtsmedizin war verebbt, lediglich der saure Atem der Beiden hing noch in der Luft, als er am Grab seines Hundes stand und still zu weinen begann.

Wenig später trocknete er seine Tränen mit dem Jackenärmel, legte sich bäuchlings vor das Grab und begann, das Spielzeug vom Hund um dessen Körper herum zu dekorieren und Rosenblätter in der Grube zu verteilen. Über all das breitete er eine Samtdecke aus, und als er gerade mühsam wieder stand, um mit dem an der Seite aufgeworfenen Sand die Grube zu verschließen, quengelten sich Rotorengeräusch in seine Trauerzeremonie.

Suchend blickte er in den Himmel und sah ihn.

Ein ansonst weißer Hubschrauber mit einem roten Kreuz kreiste nicht weit weg vom Haus in ca. einhundert Metern Höhe. Und wie er das Bild in sich wirken ließ, dem Klappern der Rotoren nachspürte, erklang Musik von Stockhausen in ihm, deren Töne rhythmisch-ekstatisch seine Arme und Beine zucken ließen.

Fast unmittelbar war er Streicher in einem Quartett, war das Quartett, befand sich mitten in diesem hüpfenden Aspekt der Symphonie – als schaufelnder Bauarbeiter, der die Löcher der Welt mit Sand verschloss.

Er war eins mit dem Piloten des Helikopter, dem Tontechniker, mit den diversen Menschen an den Fernsehübertragungsgeräten.

Befand sich im Hörsaal der Musikhochschule, war Macher an vier TV-Geräten, Publikum und Lautsprecheranlage, eins mit den Mischpulten, dem Moderator, war Mikrophon, Dirigent, der den Klang der Instrumente einfügte, die letztlich lauter als die Rotorblätter der Hubschrauber waren. Lauter als er, der weinend aus genau einhundert Metern Höhe und eine halbe Stunde lang den Grund der Erde sehen konnte. Der bemerkte, wie sich das Leben im Tod an seinem Maul festfraß und dort verkrustete -, wie die Zeit seines Daseins mit dem Hund, diesem über alles geliebten Tier, zu Nichts gerann.

Letztlich weckte ihn irgendwann imaginärer Applaus -, einer heftigen Art von Morgenkühle gleich – und der aggressive Warnruf des Pirol, dessen wiederholtes djick-jick

All das holte ihn aus dem Trance in die Wahrheit des Tages, in den Augenblick, in die ewige Gedankenflut, wie es hatte geschehen können, dass er nun ein Krüppel war, dass es ab nun immer so ist, wie es ist und bliebe. Er alleine – ohne Hund.

Offen blieb, wie es dazu kommen überhaupt konnte.

© 2010 by Michael Köhn. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Eigenwilliger Umgang mit Gedankenstrichen und bemühte Bilder machen noch lange keinen guten Roman.

Zunächst beginnt dieser Text gar nicht schlecht – aber spätestens bei den quengelnden Rotorengeräuschen hätte ich die Stirn gerunzelt, und bei der ins Nichts gerinnenden Zeit hätte ich das Buch entnervt beiseite gelegt. Da wird nicht mehr erzählt, da wird geschwafelt missioniert – wofür auch immer …

Die Kritik im Einzelnen

Vorbemerkung: Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler wurden stillschweigend verbessert – auch dafür sind Lektoren da! Es ist zudem keine bewusst eigenwillige Zeichensetzung festzustellen (wie etwa bei Arno Schmidt).
Der Titel gibt zunächst ein Rätsel auf: Warum muss er auf englisch sein? Was drückt er aus, das auf Deutsch nicht eindeutiger hätte gesagt werden können? Mein Collins-Wörterbuch bietet unterbreitet mehrere Vorschläge: Wiederfinden – Zurückbekommen (was bereits ein erheblicher Unterschied ist!) – Wiedererlangung – Bergung – Gewinnung – Eintreibung – Ersatz. Fein! Wie wäre es mit einem Titel, der da lautete »Esatzkatastrophe« oder »Katastrophenersatz«? Verstünde jeder …
Nardil ist ein in Deutschland wegen gravierender Nebenwirkungen nicht zugelassenes Antidepressiva, warum man das in der Nacht braucht, weiß ich nicht.
Dass nach überstanden ein Gedankenstrich mit anschließendem Komma folgt, scheint so etwas wie ein Stilmerkmal dieses Romans sein zu sollen, ohne dass es mir einleuchtet, eben so wenig wie die Variante Komma-Gedankenstrich: Ich halte diesen Strich für überflüssig, wenn es gar nix zu denken gibt.
Auf ein er vor verfügte würde ich hingegen nicht verzichten, denn der Satz beginnt nicht mit er, sondern stellt es nach (Die Nacht hatte er …); somit ist die Logik im Satzbau nicht gewährleistet, was beim Lesen irritiert. zurück
Das ist ausgesprochen gut gelungen, denn hier ist der Leser gefordert mitzudenken: Des Protagonisten Mutter hat wohl zu exzessiv mit Medikamenten experimentiert! zurück
Mmh – da Herr Rausch wohl kaum Uniformstoff zu durchschauen vermag, ist hier des Anzugs überflüssig. zurück
Warum wird hier ein Abschnitt gemacht statt eines Absatzes? Das Gespräch geht doch unmittelbar weiter, und was Neues kommt auch nicht! zurück
Dass jemand Sprache hinkt, müffelt sehr nach gewollter Originalität! Besser wäre ein Punkt und ein neuer Beginn: Er hinkte (…) vorweg. zurück
Hier ist einer dieser sehr irritierenden Gedankenstriche! Würde der Satz lauten: Einer vorwärts, der andere rückwärts gehend folgten ihm die Männer, einen weißen Kasten tragend – ›Eigentum Gerichtsmedizin Stadt Berlin stand in schwarzen Druckbuchstaben darauf‹ –, in dem sein Hund lag, dann hätten die beiden einen Sinn. Aber der eine allein?
Zu begrübeln bleibt auch, warum ein Hund in der Gerichtsmedizin untersucht wird – aber vielleicht wird das ja im Roman deutlich zurück
Dieses trotzdem will mir nicht einleuchten: Wenn etwas schwer ist und man zum langsamen Gehen gezwungen wird, dann ist das überaus lästig – man will die Last schließlich loswerden, da darf man doch stöhnen?! zurück
Dieser Satz schwebt grammatisch im Leeren, da sollte vor bzw. nach der wörtliche Rede ein »Er sagte« bzw. »sagte er« eingefügt werden. zurück
Erneut gibt es hier einen unverständlichen Abschnitt statt eines Absatzes! zurück
Hä? Hätte er ihnen denn am Tor auch dann Geld zustecken können, wenn weder er noch sie dort angekommen wären? Alternativ: Wie wäre es beispielweise mit einem Gran mehr Präzision, das will doch der Leser, sonst blickt er doch nicht, was da eigentlich los war: Am Tor an- und anschließend ohne Bremsgeräusche, da zu Fuß, zum Stillstand gekommen, einen zusammengefalteten 20-Euro-Schein dem inzwischen geöffneten Geldbeutel entnommen gehabt habend und ihn nach beidhändiger Entfaltung mit der rechten Hand zwischen Daumen und innenhandwärts gekrümmtem Zeigefinger … (und so weiter und so fort et cetera pp ad infinitum …): Nein! Am Tor überreichte er! Und fertig! zurück
Ganz schlechter Stil, gemeinhin auch »Nominalstil« oder treffend-bösartig »Beamtendeutsch« genannt: Dass die Uniformträger nicht von der Heilsarmee sind, wissen wir, und auch, dass sie zur Stadt Berlin gehören. Warum also nochmals die Gerichtsmedizin bemühen? zurück
Dass da noch sauerer Atem hängt, ist doch eigentlich zu erstaunlich, als dass es durch ein lediglich abqualifiziert werden müsste: Hinfort mit diesem Wort! zurück
Um Ulm herum – jaja, aber es geht hier nicht um Ulm, auch nicht um Zungenbrecher oder Wortspiele: das Spielzeug vom Hund ist nichts anders als Hundespielzeug, und man dekoriert nicht um etwas herum, sondern etwas; aber man kann Hundespielzeug um den Körper drapieren oder verteilen – drapieren wäre feierlicher. zurück
Da hakt es gleich mehrfach: Singular oder Plural – aber wenn, dann bitte beides: entweder quengelten sich Rotorengeräusche oder quengelte sich Rotorengeräusch; ich tendierte zu Letzterem – wäre da nicht die unglückliche Vermanschung von Rotorengeräusch mit quengeln: Was dieses aufdringlich-regelmäßige Knallen und Fauchen mit nörgeln oder weinerlich oder jammern zu tun haben soll, zu ergründen vermag ich es nicht! Nachvollziehbar wäre etwa: drängte (drängelte, presste, quetschte …) sich Rotorengeräuschzurück
Hier haben wir ein Musterbeispiel für einen völlig überflüssigen Satz! Wer im Freien einen Hubschrauber hört, blickt automatisch nach oben; dass oben der Himmel ist, weiß jedes Kind; dass wir als genetisch bedingte Schlechthörer den Hubschrauber nicht sofort lokalisieren können, also suchen müssen, ist so trivial wie wahr. Was also soll dieser Satz? Welche Informationen liefert er uns? Welch sprachliche Raffinesse weist er auf? Welche neue Bilder prägt er? Wer würde ihn vermissen, stünde er gar nicht da? Eben! Streichen! zurück
Das ist ein Dialektwort – Da ansonsten aber hochdeutsch geschrieben wird, sollte es ansonsten heißen. zurück
Wozu dient diese Höhenangabe? Kein Mensch kann sich das vorstellen, da ihm Vergleichsgrößen fehlen – es ist zudem sowas von überwurschd, ob es 100 oder 150 oder 215,45 m sind! Warum darf der Rotorträger nicht einfach hoch über dem Haus kreisen? zurück
Wo ist das bemühte quengeln geblieben? Wieso droht jetzt der Absturz, da die Rotorblätter einen Abflug machen wollen, schließlich klappern sie bereits, das bedeutet doch: Da hat sich was gelöst oder gelockert? Himmel: Hilf! zurück
Bislang gab es nur einen Hubschrauber – wo kommen die anderen her? zurück
Vorhin waren es etwa einhundert, jetzt sind es genau: Wie ist das zu verstehen? Und wozu soll man das verstehen wollen? zurück
Wieso frisst sich das Leben am eigenen (=seinem) Maul fest? Und was hat das mit der Musik zu tun? zurück
Zum gloriosen Finale dieser Bilderflut wird jetzt gewaltig auf die Kitsch-Tube gedrückt: Die Zeit seines Lebens gerinnt zu Nichts! Leben – Tod – Zeit – Nichts – Raum – Welt: All diese nichtssagenden Schwafelhülsen, die Tiefsinn im Flachwasser vorgaukeln. Ei was nicht gar: Damit wäre Herr Rausch ja mausetot, wäre er ins Nichts geronnen – dennoch geht die Geschichte weiter. Dieses Gesumse hätte der Erzähler sich und dem Leser ersparen können und kann es immer noch durch einfaches Streichen! zurück
So steht’s zumindest in Wikipedia; aber es geht um was anderes, nämlich um den aggressiven Warnlaut: das ist 1er! Das sollte dann heißen: (…) Warnruf des Pirols, dieses djick-jick. zurück
Die Trance ist eindeutig weiblich! Folglich holte ihn all das aus der Trance. zurück
Da ist noch so ein beliebtes hohles Kitschwort: ewig! Was soll das sein? Es bedeutet ohne Anfang und ohne Ende, also etwas, was wir mit unserem vorprogrammierten Ursache-Wirkung-Denken uns überhaupt nicht vorstellen können, und damit ist es letztlich sinnlos. Aber halt schööön kitschig! zurück
Was ist der große Unterschied zwischen »immer so sein« und »bleiben«? Sehen Sie, ich weiß es auch nicht! Warum aber wird dann beides gesondert als etwas Besonderes aufgezählt? Sehen Sie: Ich auch nicht! zurück
Warum nun diese verdrehte Satzstellung? Offen blieb, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Warum muss dieses harmlose Sätzchen so verbogen werden? Wobei mich zusätzlich dieses Präteritum blieb stört: Der Satz kommt mir vor wie ein Erzählerkommentar, und wenn dem so wäre, sollte hier Präsens stehen, da der aktuelle Leser angesprochen und ihm mitgeteilt wird, dass jetzt der Grund für Hundetod und Herrn Rauschs Krüppeldasein erzählt werden wird, wir uns also eigentlich am Ende des Romans befinden. zurück

Mediacampus Frankfurt: Fachschullehrgang nimmt Stellung zum offenen Brief der Schüler

Mediacampus in Frankfurt SeckbachDie Diskussion über die Qualität und Ausrichtung der Ausbildung auf dem Frankfurter Mediacampus (früher: »Schulen des Deutschen Buchhandels«) geht in eine weitere Runde.

Zunächst verfassten die Schüler des 162. Kurses einen offenen Brief an die Geschäftsleitung, in dem sie die mangelhafte Branchenkenntnis externer Referenten, den Weggang kompetenter Lehrkräfte und den einseitigen Schwerpunkt der Ausbildung auf den »Neuen Medien« beklagen. Auf literaturcafe.de wurde über diesen Brief heftig diskutiert.

Jetzt melden sich in einer Stellungnahme die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 33. Fachschule
zu Wort. Sie haben Verständnis für die Verunsicherung und die Ratlosigkeit der Schüler und bemängeln die fehlende Kommunikation auf dem Campus. Es werden, so die Verfasser, »Worthülsen, wie E-Commerce, Fair Play, Team Work und Longlife Learning aufgeblasen, ohne diese mit Inhalten zu füllen«.

Anders als die Schüler, denen Kritiker mangelnden Praxisbezug und einen naiv-konservativen Blick auf das Buch vorwarfen, kann dies von der 33. Fachschule nicht behauptet werden. Hier handelt es sich um ausgebildete Buchhändlerinnen und Buchhändler, die in diesem Aufbaulehrgang unter anderem die Entwicklung und Umsetzung von Marketingkonzepten sowie die Personal- und Mitarbeiterführung lernen sollen.

Dokument: Offener Brief an die Geschäftsleitung des mediacampus Frankfurt von den Schülern des 162. Kurses

Offener Brief an die Geschäftsleitung des mediacampus Frankfurt von den Schülern des 162. KursesFrüher hieß er »Schulen des Deutschen Buchhandels«, heute ist er zum »Mediencampus« geworden: Der Ort auf den grünen Hügeln zwischen Seckbach und Bergen-Enkheim bei Frankfurt. Viele Buchhändlerinnen und Buchhändler aus ganz Deutschland haben hier während ihrer Ausbildung die Berufsschule besucht.

Schon die Namensänderung zeigt, dass man sich hier mehr der Zukunft zuwenden möchte. Der Buchhandel muss auf die Digitalisierung auch in seiner Ausbildung reagieren.

Doch wie dies geschieht, scheint bei den Auszubildenden nicht unbedingt auf Zustimmung zu stoßen. Mit einem offenen Brief wenden sich die Schüler des 162. Kurses, die heute ihre Zeugnisse erhalten und den Campus verlassen, an die Geschäftsleitung der Schule.

Ein Brief der Außenstehende verwundert.

Wir verlosen 10×2 Kinokarten für »Die Eleganz der Madame Michel«

Kinofilm: »Die Eleganz der Madame Michel«Am kommenden Donnerstag, dem 6. Mai 2010, läuft in den deutschen Kinos der Film »Die Eleganz der Madame Michel« an. Regisseurin Mona Achache schrieb das Drehbuch frei nach dem Bestseller-Roman »Die Eleganz des Igels« von Muriel Barbery.

Im Mittelpunkt dieses französischen Films stehen drei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und die im gleichen Haus wohnen: die elfjährige Paloma, die beschlossen hat, sich an ihrem 12. Geburtstag umzubringen, da sie ein Erwachsenenleben im Luxus erbärmlich findet, der geheimnisvolle Japaner Kakuro Ozu, der eines Tages in das Haus einzieht – und Madame Michel, die Concierge des eleganten Pariser Wohnhauses. Madame Michel ist so, wie man sich die typische französische Hausmeisterin vorstellt: mürrisch und verschlossen. Doch man ahnt es: das Schicksal führt die drei zusammen und verläuft unerwartet.

In den französischen Kinos war der Film ein großer Erfolg und beim Internationalen  Filmfestival  in  Kairo  wurde er mit  drei  Preisen ausgezeichnet,  darunter der für die beste Regie.

Mit freundlicher Unterstützung des Senator Film Verleih verlosen wir 10 mal 2 Kinogutscheine für »Die Eleganz der Madame Michel«. Die Gutscheine können in jedem Kino, in dem der Film gezeigt wird, eingelöst werden.

Brauchen Belletristik-Verlage überhaupt eine eigene Website?

Verlagswebsite: Navigation nach ThemenweltenDer Lübbe Verlag hat kürzlich seine Website neu gestaltet, »relaunched« wie man in Fachkreisen dazu sagt. Aber mal ehrlich: Erinnern Sie sich daran, wie die alte Website aussah?

Der neue Internet-Auftritt wirkt wie aus dem Lehrbuch der Web-Gestaltung: Unterschiedliche Menü- und Navigationsstrukturen sollen optimalen Zugang zu Büchern, Hörbüchern, Autoren und Sprechern, zu Buch-Genres und zielgruppenspezifischen Informationen schaffen. Man findet aktuelle Titel auf der Startseite positioniert, und YouTube-, Facebook- und Twitter-Links verknüpfen die Site mit den sozialen Netzwerken im Web. Über allem thront eine sogenannte »Bühne«, eine Werbefläche, die pro Rubrik, Genre oder Unterseite mit einem passenden Flash-Filmchen bespielt werden kann.

Doch gerade der scheinbar perfekte Lehrbuchaufbau lässt die Website beliebig, austauschbar und steril wirken. Die Website besitzt nichts Individuelles und hat den Charme eines gebohnerten Hausflurs – sauber, aufgeräumt aber unpersönlich. Würde man Verlagslogo, Farben und »Bühnenbilder« austauschen, ist sie nicht mehr als ein Passepartout, das für viele Verlag passen könnte.

Ein ernüchterndes Ergebnis, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viel Zeit, Geld, Aufwand und Abstimmung hinter jeder »relaunchten« Website stecken. Lohnt sich das überhaupt noch?

Ist die große und allumfassende Verlags-Website eines Belletristikverlages nicht ein Relikt von gestern? Braucht ein Verlag derzeit überhaupt noch eine solche Website?

Ein Roman und fünf Kritiken: Politthriller »Romanzo Criminale« im Test

Giancarlo De Cataldo: Romanzo Criminale (Folio Verlag)Es war ein Experiment: Vor gut sieben Wochen haben wir Testleserinnen und Testleser für den Politthriller »Romanzo Criminale« gesucht, der im Folio Verlag erschienen ist. Wer fürs literaturcafe.de eine Kritik zu diesem Buch schreiben wollte, der erhielt den 600 Seiten starken Roman kostenlos vom Verlag zugeschickt.

Die Zahl der Bewerber war hoch und heute lesen Sie die vier Kritiken zum Buch, die den italienischen Mafia-Thriller aus dem Jahre 2003, der in diesem Jahr erstmalig in deutscher Übersetzung vorliegt, unter die Lupe nehmen.

Vier Kritiker haben das Buch gleich gelesen und gut 14 Tage nach Versand des Romans lagen uns am 5. April vier Kritiken vor. Großartig! Bei einer Rezensentin kam etwas dazwischen, daher ging ihre Kritik erst am 25. Mai online und war jedoch umso ausführlicher.

Welttag des Buches, der Muttertag des Buchhandels

Friedrich Halm (1806-1871): Buch und RoseHeute, am 23. April 2010, findet er zum 15. Mal statt: der UNESCO Welttag des Buches und des Urheberrechts. Ein Tag, an dem das Buch und das Lesen gefeiert werden soll. Der 23. April ist der Todestag von Shakespeare und Cervantes (»Don Quijote«). Laut UNESCO war der so genannte Sankt Georgstag in Katalonien immer schon der Tag gewesen, an dem man zu jedem gekauften Buch eine Rose erhielt. Ein sehr schönes symbolisches Bild.

Vor 15 Jahren freilich kannte man diesen Tag noch nicht. In Deutschland wurde er erstmals 1996 »gefeiert«, und der Buchhandel brauchte einige Jahre, bis er auch das Marketingpotenzial dieses Tages erkannte. Dabei haben es die Blumenhändler mit dem Muttertag und mittlerweile auch mit dem Valentinstag vorgemacht, dass diese Tage, sind sie erst einmal im öffentlichen Bewusstsein verankert, durchaus auch Umsatz bringen.

Im 15. Jahr seines Bestehens dürfte der Welttag des Buches zumindest bei denen bekannt sein, die hin und wieder mal ein Buch in die Hand nehmen. Vor fünf Jahren hatte der deutsche Buchhandel mit der Aktion »Leseköpfe« eine große und u.a. mit Ulrich Wickert prominent geförderte Aktion fürs Lesen ins Leben gerufen, die es heute nicht mehr gibt. Heute konzentriert man sich in erster Linie auf Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche.

Heute finden landauf landab zahlreiche Veranstaltungen in Buchhandlungen, Schulen und an anderen Orten statt.

Literatur-Quiz: Durch ein Geständnis zum Skandal

Literatur-Quiz in Zusammenarbeit mit der Schiller-BuchhandlungDieser Roman löste also einen netten kleinen Skandal aus, der noch dadurch geschürt wurde, dass man nicht sicher wusste, wer da eigentlich die Feder geschwungen hatte. Dass es nur eine Frau gewesen sein konnte, darüber war man sich wohl einig. Aber welche?

Die Gerüchteküche kochte. Aber die Person, die letztendlich auserwählt wurde, diejenige welche zu sein, gab es nie zu. Das hatte mehrere Gründe. Einer war, dass sie sowohl diesen als auch ihre zwei vorherigen Romane nicht alleine geschrieben hatte. Ihre Werke entstanden in Teamarbeit und unter ihren Mitarbeitern befanden sich bekannte Persönlichkeiten wie z. B. die durch ihre Briefe berühmt gewordene Madame de Sévigné.

Wir fragen in unserem Literatur-Quiz in Zusammenarbeit mit der Schiller Buchhandlung in Stuttgart-Vaihingen:

Wie heißt die berühmte französische Schriftstellerin? Und wie ist der Titel ihres historischen Romans? »

Du kannst eine Lesung nicht attraktiver machen, wenn’s der Autor nicht drauf hat

Das Ende der Wasserglaslesungen?Manchmal muss man sich wundern, welche Diskussionen losgetreten werden. Die kommen oft hochtrabend theoretisch und akademisch daher, doch bei näherer Betrachtung erscheinen sie wie ein Aprilscherz.

»Hat die Wasserglaslesung ausgedient?«, lautet solch eine aktuelle Debatte. Den Begriff prägte Prof. Stefan Porombka in einem Interview, das mit der literarischen Benachteiligung des östlichen Teils der Republik begann und mit der Forderungen nach neuen Formen der Literaturvermittlung endete.

Die »Wasserglaslesung«, das ist offenbar jene Form der Lesung, der Loriot in »Pappa ante portas« ein satirisches Denkmal setzte. Lesungen, bei denen das Publikum weitestgehend aus Frauen über 50 besteht.

Ja, möchte man da impulsiv rufen, recht hat er, der Porombka! Literatur muss spannender präsentiert werden! Literatur muss Spaß machen! Und zu Lesungen müssen wieder mehr junge Menschen kommen!

Möchtegern und @SchreibStar: Textkritik lesen und Buchkritik schreiben

Die Website SchreibStar.tv»SchreibStar« ist der Name einer Castingshow im Schweizer Fernsehen, bei der 10 Kandidaten der neue Autoren-Stern am Literaturhimmel werden wollen. Noch (?) existiert die Show nicht real, sondern nur im Buch »Möchtegern« von Milena Moser.

Und SchreibStar.tv ist der Name der Website zum  Buch, die der Verlag Nagel & Kimche mit redaktioneller Unterstützung des literaturcafe.de betreibt. Dort gibt es im virtuellen SchreibStar-Trainingscamp regelmäßig neue Herausforderungen für Schriftsteller und solche, die es werden wollen.

Malte Bremer, Textkritiker des literaturcafe.de, bespricht auf SchreibStar.tv in einer Sonderrunde sechs Romananfänge. Nun ist die zweite Kritik online nachzulesen zu einem Roman, der sich passenderweise »Talent und Prüfung«nennt.

Talent kann man zudem in der aktuellen Runde der Schreibaufgabe beweisen, die noch bis zum Wochenende geht und die da lautet »Ihr erstes Buch – eine fiktive Literaturkritik«. Wer mitmacht, kann ein eintägiges Schreibseminar bei Milena Moser in der Schweiz gewinnen.

Argon Verlag verschenkt ein Hörbuch von Cory Doctorow – für 9.000 Euro

Hörbuch: "Little Brother" - Demnächst ungekürzt und kostenlosEs ist erfreulich, dass es dem us-amerikanischen Science-Fiction Autor Cory Doctorow immer wieder gelingt, dass auch seine deutschen Verlage neue und nicht nur kommerzielle Wege des Buchvertriebs gehen.

Bereits sein Werk »Upload« konnte neben der normal käuflich im Handel zu erwerbenden Taschenbuchversion kostenlos als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Jetzt will der zum Holtzbrinck-Konzern gehörende Argon Verlag die Hörbuchversion von Doctorows jüngstem Werk »Little Brother« in der ungekürzten Fassung kostenlos zum Download anbieten. Das Hörbuch wird gesprochen von Oliver Rohrbeck, der vielen als »Justus Jonas« der drei Fragezeichen-Hörspiele bekannt sein dürfte.

Einzige Bedingung des Argon Verlags: Vom 26. April bis zum 16. Mai 2010 müssen für die Produktion Spendengelder in Höhe von 9.000 Euro eingehen.

Textkritik: Talent und Prüfung – Romananfang

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Georg presste die Finger in seine Oberschenkel. Zugefallen ist ihm selten etwas. Aber Druck, ja, Druck hatte er immer.
Urgroßvater Dr. Franz Rathbach, Zahnarzt. Großvater Prof. Dr. Ernst Rathbach, Kieferchirurg. Vater Dr. Karl Rathbach, Zahnarzt. Mutter Dr. Maria Rathbach, Dozentin für Endodontologie, etablierte die Wurzelbehandlung per Laser.
Sein älterer Bruder Conrad war jetzt seit zwei Jahren in Südamerika. Auf Sinnsuche unterwegs mit dem Rad. Und damit Schuld an einer vorübergehenden Alkoholproblematik seiner Mutter. Für einen Winter waren Maria und Mariacron enge Freunde. Die Pflicht brachte sie zurück in die Bahn. Darüber waren alle froh. Auch Conrad, der ein knappes »Bin erleichtert STOP« aus einem chilenischen Bergdorf telegrafierte.
Aber der war da längst abgeschrieben und Georg der neue Hoffnungsträger. Dabei war nicht mal das Abitur in der Tasche. Die nächsten zehn Jahre Spitzenausbildung zum Dentalexperten aber fest eingeplant. Ein schlechtes Abi? Nun, die Rathbachs kennen alle und alle kennen die Rathbachs: Für Georg würde es an der Fakultät immer einen Platz geben.
Trotzdem wollte er glänzen. Wollte ihnen allen alle Ehre machen … irgendwie. Conrad, den verkappten Grafik-Design-Architektur-Typografie-Expertennerd, konnte er trotzdem immer verstehen. Und es war okay, dass er selbst nun maximal gepusht wurde. Georg war bereit »sich den Staffelstab zwischen die Zähne zu klemmen«, wie sein Vater gerne sagte. Doch das änderte sich, als er die Schülerzeitung entdeckte und der betreuende Lehrer seine Schreibe. Alles wurde anders an diesem Tag und Georgs stete Bereitschaft, der Rathbach’schen Dentaldynastie ein neues Kapitel zuzufügen, schwand. Ja, verpuffte. Mit jeder Reportage, jedem Kommentar, jedem Gedicht und bald mit jedem Blogeintrag, den er privat zu den Themen Politik und Popkultur ins Netz hackte.
Und jetzt? Jetzt saß er auf einem unbequemen beigen Plastikstuhl und wartete auf letzte Instruktionen. Für den nächsten Tag planten die Rathbachs eine Feierstunde mit Schampus und Lachsfisch. Aber erstmal war Montagmorgen. Prüfungsmorgen: Abitur, Deutsch-LK, mündlicher Teil.
»Rathbach, Georg! Sie sind dran.« Sein Deutschlehrer stand vor ihm.
Worms war in Ordnung und sah dem Comic Book Guy der Simpsons entsetzlich ähnlich.
»Na Georg, was gucken Sie denn so? Sie werden wohl kaum Probleme haben. Also kommen Sie gerade mit. Der Vorbereitungsraum ist gleich hier, Herr Schulz hat die Aufsicht. Setzen Sie sich. Hier sind die Aufgaben. Ich bin mir sicher, Sie haben sich gut vorbereitet. Warten Sie: Nehmen Sie noch Stift und Papier. Irgendwelche Fragen?«
Georg schüttelte den Kopf.
»Gut. Sie haben 15 Minuten. Ich hole Sie ab. Die Uhr läuft, bis gleich.«
Worms stapfte Richtung Tür.
»Böll?«, rief Georg in seinem Rücken.
»Böll, Nobelpreis 1972«, antwortete Worms, »15 Minuten!«
Die Tür schepperte ins Schloss. Georg öffnete den Umschlag. Tatsächlich: Zehn Zeilen aus »Ansichten eines Clowns«. Drei Aufgaben, eine entscheidend: »Heinrich Böll haderte zeitlebens mit der Bigotterie des katholischen Rheinlandes. Deuten Sie in diesem Kontext den Verfall seiner Hauptfigur Hans Schnier zum Ende des Romans.«
Man kann in einem System nicht funktionieren, das einen nicht lässt. Der Gedanke war schnell geschrieben. Nicht nur, dass es SEIN Buch war. Das war Georgs Thema!Da saß er nun.

Und seine Gedanken flogen davon und wurden Wolken. Schwarze Wolken. Mit bizarr blauen Blitzen. Er lehnte sich weit nach hinten, starrte an die Decke und spannte seinen Körper.
»Scheiße!«
Schulz sah auf. »Georg! Alles klar?«
Er nickte und ließ sich nach vorn fallen.
Was soll bloß werden? Vor seinen Augen poppten die Worte auf wie Kaugummiblasen. Was, wenn nicht Arzt oder gleich Dentalgenie? Etwa Medienmensch? Und selbst wenn er es wagte: Würden ihn seine Alten am Leben lassen?
Sicher: Er war jetzt 23, musste nach einem Unfall mit neun zwischendurch fast zwei Jahre komplett aussetzen, blieb nach der Reha gleich noch ein Jahr hängen und machte sich jetzt Druck. Seine Eltern? Machten sowieso welchen und die Gesellschaft obendrein.
»Die Gesellschaft«! Was für ein Scheiß! Erfolgreich sollste sein, einen ehrenwerten Beruf ergreifen, gegen die Demografie anzeugen, mindesten 2,7 Kinder bekommen. Am besten mit Mitte 20. Und dann sollste dir das natürlich auch alles leisten können, sollst deine Talente nutzen, musst dafür deine Seele verkaufen, deine Ideen und deine Persönlichkeit in Projekte buttern, und wenn du was mit Medien machst, Konzepte zusammenkloppen bis milliardenschwere Konzerne mit deiner knapp entlohnten Arbeit Millionen machen.
Werbetexter schloss er für sich also aus. Denn was machte das für’n Sinn?

© 2010 by André Moch. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Tempo, Biss, Humor, Distanz – So wünsche ich mir Romananfänge!
Wie erfrischender kommt das doch, wenn sich ein Protagonist quasi selbst vorstellt, als die häufig als Einstieg gewählten langweilig vor sich hin dümpelnden Biografien … Georg lebt bereits von Anfang an!

Die Kritik im Einzelnen

Das ist der erste der wenigen Sätze, die mir nicht behagen: Georg mag pressen wie er will, er bekommt niemals seine Finger in die Oberschenkel! Er vermag durchaus seine Hände auf die Oberschenkel pressen, er kann auch mit seinen Händen die Oberschenkel drücken (von mir aus hier auch seine, denn so ganz zu Beginn wäre nicht auszuschließen, dass er fremde Oberschenkel bearbeitet)– aber bitte nicht in! Wegen dem anschließenden Druck würde ich ein Drücken dem Pressen übrigens vorziehen! zurück
Das sind genau die überraschenden Formulierungen, die einen Text lesenswert machen – da werden ausgetrampelte Pfade à la »hatte ein Alkoholproblem« verlassen, und das macht Lust auf mehr, weil da jemand Lust am Schreiben hat! zurück
Das Wort lautete ursprünglich Grafikdesignarchitekturtypografieexpertennerd – Ich habe es entschärft, und sei es nur aus satztechnischen Gründen, schließlich erscheint dieser Text im Internet, und das beherrscht nun einmal aus verständlichen Gründen keine Silbentrennung! zurück
Schreibe ist so ein Müllwort, das jugendlich auftreten Wollende verwenden, weil irgendein Grufti in die Welt gesetzt hat, es sei besonders cool, da es angeblich Jugendliche verwenden. Ich ziehe Text oder Stil vor – oder Geschreibsel, wenn es mies ist. zurück
Das ist missverständlich: Georg ist schließlich kein Hacker, der in fremde Rechner eindringt und dort Texte ablädt (was eine harmlose Variante wäre). Gemeint ist sicher das Einhacken auf die Tastatur. Vielleicht wäre ein biederes ins Netz stellte sinnvoller. zurück
Sofern es ein Zitat von Franz Ferdinand ist, ist es okay; sonst würde ja Lachs genügen. zurück
Ich würde nach welchen ein Komma setzen, um zu verhindern, dass die Eltern SOWOHL Druck ALS AUCH die Gesellschaft machten: Machten sowieso welchen, und die Gesellschaft obendrein. zurück
Zweimal machen ist zu viel – warum können die Konzerne die Millionen nicht einsacken? Außerdem machen die keine Millionen mit seiner Arbeit, sondern dank seiner Arbeit. Zuletzt würde ich hier der Übersicht halber andere und notwenige Satzzeichen setzen – das sähe dann folgendermaßen aus: (…) und – wenn du was mit Medien machst – Konzepte zusammenkloppen, bis milliardenschwere Konzerne dank deiner knapp entlohnten Arbeit Millionen einsacken. zurück
Da oben ganz banal und schnoddrig sollste steht, darf hier ruhig fürn stehn – vielleicht sogar schon zu Anfang des Absatzes: Was fürn Scheiß! zurück

Titus Müller: Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben

Buch: Titus Müller: Vom Abenteuer, einen Roman zu schreibenDieses Büchlein macht einfach Freude! Alleine, es zur Hand nehmen, es anzufassen, lässt das Autoren – und Leserherz höher schlagen. Ein Buch, eher ein Büchlein, im Format eines Notizkalenders, dazu in Leinen gebunden und mit Lesebändchen versehen. So etwas kann sich sehen lassen. Denn die Textmanufaktur hat nicht nur ein Faible für gute Texte, sondern schön gemachte Bücher.

Für den Inhalt zeichnet sich Titus Müller, Autor zahlreicher historischer Romane, verantwortlich. Der Klappentext empfiehlt das Buch für »Schreibanfänger und für fortgeschrittene Autoren, die sich ihrer Fähigkeiten wieder versichern wollen.«

Doch das kleine Bändchen ist weit mehr als nur ein Leitfaden zum Schreiben. Titus Müller versteht es auf meisterhafte Weise, seine Tipps und Erfahrungen in Geschichten zu packen. So liest sich das Buch nicht wie ein Ratgeber, sondern eher wie ein Roman.

Bewerbungen für »Romanzo Criminale«:50 Gründe, einen Polit-Thriller zu lesen

Fast 600 Seiten stark: Der Thriller »Romanzo Criminale« von Giancarlo De CataldoGemeinsam mit dem Folio-Verlag haben wir fünf Testleser für den Polit-Thriller »Romanzo Criminale« von Giancarlo De Cataldo gesucht. Wer hat Lust, einen Roman zu lesen und darüber fürs literaturcafe.de eine Kritik zu schreiben? Für uns ist dies ein interessantes Experiment und natürlich wollen wir berichten, wie es weitergeht.

Die hohe Zahl an Bewerbungen fürs Testlesen hat uns beeindruckt: 73 Menschen wollten den Roman lesen und besprechen. Unten haben wir 50 der mitgeschickten Begründungen veröffentlicht. Das liest sich äußerst interessant. Wen hätten Sie zur Testleserin oder zum Testleser gemacht?

Die von uns ausgesuchten fünf Testleserinnen und Testleser haben den fast 600 Seiten starken Polit-Thriller »Romanzo Criminale« bereits vor zwei Wochen zugeschickt bekommen. Nun warten wir gespannt auf ihre Rezensionen.