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Beitrag vom 30. September 2016 | Rubrik: Self-Publishing

Shortlist des Kindle Storyteller Award 2016: Hurra, wir verblöden?

Story Teller Award 2016 - Die Shortlist

Amazon hat die fünf Titel der Shortlist bekannt gegeben, die in diesem Jahr Aussicht auf den Gewinn des Storyteller Awards für Self-Publisher haben. Der Gewinnertitel wird auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben und mit 10.000 Euro prämiert.

Unser Textkritiker Malte Bremer hat sich die fünf Titel angesehen. Während er im letzten Jahr einzig den späteren tatsächlichen Gewinner Phillip P. Peterson preiswürdig fand, ist in diesem Jahr nichts dabei, was auch nur ansatzweise einen Preis verdient hat.

Während man bei Amazon in anderen Bereichen mit Zahlen eher vorsichtig ist, wirft der US-Konzern bei seinem Self-Publishing-Preis mit Superlativen um sich: Über 1.900 Titel wurden diesmal eingereicht, was einen Zuwachs von 81 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet, fünf eingereichte Titel standen im Laufe des Wettbewerbs auf Platz 1 der Kindle-Bestsellerliste, insgesamt waren 80 in den Top 100 vertreten.

Nun wählt eine Jury u. a. mit Schauspieler Christian Ulmen sowie den Self-Publishing-Autorinnen Astrid Korten und Poppy J. Anderson unter den fünf nominierten der Shortlist das Gewinnerbuch aus. Die Preisverleihung findet dann am 20. Oktober 2016 um 13:15 im Innenhofbereich der Frankfurter Buchmesse statt.

Der mit Gesamtpreisen im Wert von 30.000 Euro dotierte Storyteller Award soll Self-Publishing stärken und ist natürlich auch eine Werbeveranstaltung für Amazons Self-Publishing-Plattform KDP.

Nachwievor hat Self-Publishing den Ruf, dass dort nicht unbedingt die hochwertigsten Werke zu finden sind. Doch wenn die fünf Titel der Shortlist die fünf besten und bei den Lesern beliebtesten sind, so festigt der Wettbewerb leider das negative Image des Self-Publishing.

Unser Textkritiker Malte Bremer hat sich die Anfänge der fünf Shortlist-Titel angesehen. Lesen Sie hier seine Eindrücke und sein Fazit.

Melisa Schwermer: So bitter die Schuld

»Mir tut der Bauch weg«

Das soll ein Thriller sein? Bzw. werden? Wo schon der Beginn dermaßen verquer ist? Auweia!

Da schwätzt eine Kristina in die Stille des Raumes (welch abgehalftertes Bild!), und ihre Stimme hallte von den hohen Wänden wider – muss wohl so was wie eine Turnhalle sein oder eine Kirche, zumindest hübsch leer, damit sich der Hall entfalten kann! Und weil der Einleitungssatz »Mir tut der Bauch weh« ins Dunkle gesprochen wurde, klang es beinahe, als hätte sie die Worte laut gerufen – was Dunkelheit nicht alles bewirken kann!

Aber es ist weder eine Kirche noch eine Turnhalle, sondern ein stinknormales Zimmer mit mindestens zwei Betten – aber ansonsten müsste es bitteschön leer sein, damit so etwas wie Hall überhaupt entstehen könnte – ist es aber nicht: Es gibt sogar berüchtigte Schallschlucker, nämlich Vorhänge!

Und das steife Bettlaken pikte (pickte? piekste?), und das schwache Licht der Straßenlaternen (sind da mehrere vor dem Fenster versammelt?), das durch den Schlitz zwischen den schallverstärkenden Vorhängen fiel, erzeugte gruselige Schatten – aber wovon? Was wurde da abgebildet? Der Spalt? Kann nicht sein, es handelt sich ja um mehrere Schatten, die Kristina da beobachtet.

Bereits der Anfang ist gruselig verkorkst, dass es eine Art hat!

Gibt es eigentlich auch einen Preis für den miesesten Anfang? Wenn nicht: Hier wäre ein Favorit!

Melisa Schwermer: So bitter die Schuld: Thriller (Fabian Prior 1). Kindle Edition. 2016.  » Herunterladen bei Amazon.de

Halo Summer: Aschenkindel – Das wahre Märchen

»Ich bin nicht lieb«

Bemüht hemdsärmelig und flapsig und launig schlappt das einher, dann werden Informationen nachgeholt, die man nicht braucht – es sollte wohl irgendwie rund wirken. Ob Schuldgeld (statt Schulgeld) ein Tippfehler ist oder Unwissenheit, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ist das ja auch ein elaborierter Witz?

Und als Aschenkindel dann von ihrer angeblichen Vergangenheit des Langen und Breiten schwafelt, hatte ich die Nase voll. Viele mögen flachsinnige Blödeleien. Ich nicht.

Halo Summer: Aschenkindel - Das wahre Märchen. Kindle Edition. 2016.  » Herunterladen bei Amazon.de

Martin Gresch: Exit-Strategie – Fünf Wege, den eigenen Tod vorzutäuschen

»Sehr geehrte Staatanwaltschaft«

Worum geht’s? Es geht darum, aus den täglichen Zwängen auszubrechen – aber was ist daran so schwierig? Es reicht doch z. B., seine Zigaretten einem Bedürftigen zu schenken und SOFORT mit dem Rauchen aufzuhören, statt es auf morgen zu verschieben. Oder den Silvesterabend.

Worum geht’s? Dieses Buch stillt die Sehnsucht nach einem besseren Leben – Meiner Treu: Dann besser sofort die Finger lassen von diesem Buch! Und damit schließe ich mich vollumfänglich Martin Gresch höchstpersönlich an, der warnt schließlich selbst vor selbigem:

Wenn Sie diese Zeilen lesen, gehören Sie zu den Menschen mit Problemen, ernsten Problemen.

Sorry: Ich schreibe eine Besprechung zur Shortlist des Kindle Storyteller Award 2016, und mir ist rätselhaft, was dieser ebenfalls fürchterlich alberne Text da zu suchen hat: Hurra, wir verblöden?

Ohne mich. Und Schauderschreck: Wie mies müssen dann erst die über 1895 restlichen Einsendungen sein, wenn so was zu den ausgewählten gehört?

Martin Gresch: Exit-Strategie: Fünf Wege, den eigenen Tod vorzutäuschen. Kindle Edition. 2016.  » Herunterladen bei Amazon.de

Emma C. Moore: Finian Blue Summers oder Was wir sagen, wenn wir schweigen

»Manche Dinge ...«

Bereits die fehlenden Kommas auf der ersten Seite nerven – aber das ist ein Lektor- bzw. Korrektor-Problem: Wir sind geschult, Fehler zu entdecken.

In ihren Gedanken rechnet eine Ich-Erzählerin mit einer anderen Person ab: Dass diese sie nicht überzeugen könne, dass manche Dinge unmöglich sind. Diese Person hat dafür eine besondere Gabe: Sie kann nämlich die Ich-Erzählerin mit einem Grübchenlächeln anfunkeln – He: das würde ich gerne auch sehen, ein funkensprühendes Grübchenlächeln.

Die Ich-Erzählerin will etwas Verrücktes tun: nämlich ein Leben nach ihren Vorstellungen zu führen (dieses zu ist grammatisch falsch; aber frau schreibt halt, wie man so labert).

Und das soll schwer – pardon: unmöglich sein? Weil sie z. B. ihren Vater nicht dazu bringt, ihr zuzuhören? Warum redet sie überhaupt mit ihm? Es gibt doch sicher in ihrem Umkreis noch andere Menschen. Beschränkt sich ihre Vorstellung von eigenen Leben darauf, anderen etwas vorzuschreiben? Dann wäre sie ihres Vaters treffliche Tochter.

Das ist heftig verquast.

Anschließend wird nichts erzählt, stattdessen wühlt die Ich-Erzählerin in ihrer Vergangenheit herum – also einer der grundfalschen Anfänger-Anfänge. Offenbar gibt es nichts zu erzählen.

Macht nichts. Denn nichts auf der Welt ist so freiwillig wie das Lesen (außer, man ist Lektor).

Marah Woolf, Emma C. Moore: Finian Blue Summers. Kindle Edition. 2016.  » Herunterladen bei Amazon.de

Janine Hofeditz: Hüter der Schatten (Die Fengard Chroniken)

Larkin

Wonach biedere Fantasy-Herzen gieren: Eine grimmige Miene starrt in die Dunkelheit, während Larkin mühsam um Beherrschung rang. Seine Magie ist ein wildes Tier, und diese bzw. das befindet sich selbstverständlich in seinem Innern, also da, wo Magie von Haus aus hingehört (mal abgesehen von magischen Pantoffeln, Teppichen, Stäben usw. oder Symbolen). Fluchen kann Larkin auch, und zwar bei der Seele des Waldes – also wohl ein Öko-Magier. Nach dem Fluch nimmt er (woher nimmt er den eigentlich? Hat er irgendwo einen Vorrat angelegt?) einen tiefen Atemzug (statt tief Luft zu holen)und dann folgt völlig überraschend eine ungewöhnliche Wendung: Larkin nimmt diesen, um seines Ärgers wieder Herr zu werden – welch sprachliches Kleinod in dieser Kitschwüste! Zu erwarten gewesen wäre beispielsweise um seinen Ärger wieder los zu werden oder sich zu beruhigen und dergleichen Ramschfloskeln mehr.

Und erneut dieser Anfängerfehler: Statt weiter zu erzählen, stopft Larkin uns dann mit seiner Vergangenheit voll.

Janine Hofeditz: Hüter der Schatten (Die Fengard Chroniken). Kindle Edition. 2016.  » Herunterladen bei Amazon.de

Fazit

Keine dieser Einsendungen ist auch nur ansatzweise preiswürdig. Ginge es darum, das geringste Übel zu wählen, würde ich Janine Hofeditz vorschlagen, und sei es auch nur wegen der allerliebsten Genitiv-Konstruktion!

Malte Bremer

33 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Renate Blaes schrieb am 30. September 2016 um 13:48 Uhr

    Bei so einer “kompetenten” Jury wundere ich mich nicht über das Ergebnis.

  2. Renate Blaes schrieb am 30. September 2016 um 13:54 Uhr

    P. S.:
    “Denn nichts auf der Welt ist so freiwillig wie das Lesen (außer, man ist Lektor).”
    Ich verdiene meine Brötchen (u. a.) auch als Lektorin – allerdings lektoriere ich keine schlechten Manuskripte. Das tu ich mir nicht an. Abgesehen davon kann man aus einem schlechten Manuskript kein gutes machen. In solchen Fällen empfehle ich: Ablage (oder Papierkorb) + neu schreiben. Was allerdings keiner macht. Bedauerlicherweise …

  3. Raimund schrieb am 30. September 2016 um 14:08 Uhr

    @Renate
    *Das

    ;-)

  4. Renate Blaes schrieb am 30. September 2016 um 14:19 Uhr

    Danke, Raimund! S vergessen – passiert schon mal im Eifer des Gefecht …
    Vielleicht korrigiert jemand das von der Redaktion? Wäre prima!
    Redaktion: Erledigt!

  5. Constanze P. schrieb am 30. September 2016 um 14:20 Uhr

    @Renate
    Die 5 Bücher wurden von Amazon ausgewählt, die Jury kommt erst jetzt zum Einsatz. Hoffentlich lektorieren sie die Bücher nicht so, wie sie die Texte lesen, in denen das erklärt wird …

  6. Renate Blaes schrieb am 30. September 2016 um 14:20 Uhr

    Mist, und jetzt wieder ein S vergessen. Hab heute eindeutig eine S-Schwäche. ;-)

  7. Raimund schrieb am 30. September 2016 um 14:35 Uhr

    @Renate
    *Gefechts

    Brauchen Sie ein paar “s”?

  8. Renate Blaes schrieb am 30. September 2016 um 14:54 Uhr

    @Frau Constanze
    Asche über mein Haupt!

  9. Peter Kloß schrieb am 30. September 2016 um 15:28 Uhr

    Sehr geehrter Herr Bemer,
    (hoffentlich ist Malte kein Frauenname), aber das nur nebenbei.
    Wie in diesen Zeiten bei fast allen Kritikern üblich, ist auch ihre Bewertung, im Grunde genommen, überflüssig.
    Man wird in keiner Weise in die jeweilige Geschichte eingeweiht, es wird von Anfang an nur auf Formfehler aufmerksam gemacht. Ich konnte nicht den Eindruck gewinnen, dass Sie die Geschichten überhaupt gelesen und dabei versucht haben, sie zu begreifen.
    Vielmehr dachte ich, das hier ist so ähnlich wie ein Computer-Programm, das man durch den Text gejagt hat, um Grammatik-,
    Form-, Stilfehler usw. aufzuspüren. Etwas überspitzt ausgedrückt.
    Wie gesagt, überflüssig.
    P.S: Keiner der Texte stammt von mir, ich bin auch mit niemandem von den Autoren/innen bekannt oder verwandt.

  10. Tira schrieb am 30. September 2016 um 15:48 Uhr

    Asche AUF mein Haupt… ;-)

  11. Tira schrieb am 30. September 2016 um 15:49 Uhr

    Sorry, habe den ‘Gruß von einem Selfpublisher’ vergessen ;-)

  12. Constanze P. schrieb am 30. September 2016 um 16:10 Uhr

    Danke Tina!
    Ich wollte es jetzt nicht verbessern … wird ja langsam etwas peinlich …

  13. Peter Friedrich schrieb am 30. September 2016 um 17:14 Uhr

    “Die Ich-Erzählerin will etwas Verrücktes tun: nämlich ein Leben nach ihren Vorstellungen zu führen (dieses zu ist grammatisch falsch; aber frau schreibt halt, wie man so labert).”

    Hm, hm, hm. Vielleicht lieber noch mal das Original nachlesen, lieber Malte, bevor man in die Tasten haut. Das steht nämlich: “Ich träume davon, etwas Verrücktes zu tun, ein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen zu führen.”

    Völlig korrekt.

    Ein solcher Fauxpas wirft natürlich ein schlechtes Licht auf die gesamte Kritik.

  14. Renate Blaes schrieb am 30. September 2016 um 17:30 Uhr

    Tira heißt die Dame.
    Und … wo und wie ich die Asche hinstreue, bleibt einzig und allein mir überlassen.

  15. Nika Lubitsch schrieb am 30. September 2016 um 18:20 Uhr

    Lesenlernen erleichtert das Lektorieren ungemein: Der sogenannte Grammatik-Fehler bei Emma C. Moore ist richtiges, gutes Deutsch. Ansonsten: Die ausgewählten Bücher sagen mehr über die Leser als über die Selfpublishing-Autoren aus, so wie die “Kritik” mehr von dem Autor als von den vorgestellten Büchern zeigt.

  16. Steffi Seitz schrieb am 30. September 2016 um 18:21 Uhr

    Sehr geehrter Herr Bremer,

    Ihr Beitrag ist reißerisch, unterhaltsam, frei von Inhalt und beinhaltet keinerlei Informationen. Schön, dass sie Fehler in Büchern finden. Bedauerlicher Weise sagt dies nichts über den Inhalt der Geschichten aus. Selfpublisher kümmern sich selbst um das Marketing, das Cover, Lektorat etc. Sie erfahren keinerlei Unterstützung und da finde ich die Aktion von Amazon nicht falsch. Sie hingegen schreiben einen niederschmetternden Beitrag, der am Niveau der Bildzeitung liegt. Sollten sie Ahnung haben, dann lernen Sie doch bitte ein paar Selfpublisher kennen, anstatt diese nieder zu machen. Das hat weder Stil, noch Anstand.

    Liebe Grüße,
    ein Selfpublischer mit Fehlern …

  17. Konrad Komma schrieb am 30. September 2016 um 18:38 Uhr

    Könnten Sie die bei einem der Bücher bemängelten “fehlenden Kommas auf der ersten Seite” verifizieren? Ehrlich gesagt, ich sehe da nur ein paar Stellen, an denen man welche setzen könnte, aber nach aktueller Rechtschreibung nicht muss.

  18. Alexandra Sobottka schrieb am 30. September 2016 um 21:33 Uhr

    Wie soll Amazon fast 2000 Bücher in so kurzer Zeit beurteilen? Bestimmt haben sie nicht mit dieser Anzahl der Teilnehmer gerechnet. Also machten sie es sich einfach, und nahmen die Bestseller.
    Ich habe mit meinem Buch auch teilgenommen und es erst am 15.August hochgeladen. Da andere Bücher bereits 2 Monate lang Leser sammeln können, hoffte ich auf eine anteilige Berechnungsformel, da meinem Buch nur ein drittel der Zeit blieb und ich auch noch keine Fan-Base hatte. Aber bei der Anzahl, kann man es verstehen. Nun stell ich mir die Frage, warum Amazon nicht Malte Bremer für die Jury engagiert? Das ist nicht ironisch gemeint, sondern meine ich ernst. Ich glaube Herr Bremer würde bei jedem Buch etwas finden. Auch bei Verlagsbücher. Ich möchte nicht in der Haut der Jury stecken.

  19. Ina Degenaar schrieb am 1. Oktober 2016 um 08:47 Uhr

    Ich habe auf meinem Blog “Inas Bücherkiste” bereits mehrere SP-Bücher rezensiert und komme zu dem Schluss, dass es in diesem Bereich sowohl Schund als auch richtig gute Veröffentlichungen gibt – ganz wie bei den Titeln, die bei einem Verlag erschienen sind. In Verlagsbüchern gibt es außerdem immer zahlreiche Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler, obwohl sie (angeblich) von Profis korrigiert und lektoriert wurden. Aber überall da, wo sich etwas abseits von eingefahrenen Wegen und einer vermeintlichen Professionalisierung tut, ist diese Häme der “Profis” zu beobachten. Das ist bei Buchbloggern nicht anders: Auch ihnen wird von berufsmäßigen Rezensenten die Fähigkeit abgesprochen, ein Buch beurteilen zu können. Ist das das Pfeifen im Wald bei dunkler Nacht?

  20. Renate Blaes schrieb am 1. Oktober 2016 um 11:00 Uhr

    So, ich habe nun “Aschenkindel” gelesen. Die Lektüre hat mir sehr großen Spaß gemacht.
    Zu den anderen Büchern kann ich nichts sagen.

  21. Angela Schilling schrieb am 1. Oktober 2016 um 17:38 Uhr

    Jeder der am Wettbewerb teilgenommen hat, rechnet sich Chancen aus, sonst würde man nicht teilnehmen. Mein Grund mein eBook „Eine Sommerliebe am Meer“ einzureichen, war der Wunsch, vielleicht einen Verlag zu finden, der das Manuskript fachmännisch lektoriert und korrigiert, denn einen höheren vierstelligen Betrag dafür habe ich leider nicht übrig. Vielleicht war auch die Hoffnung da, wieder ein gedrucktes Buch in den Händen zu halten, was der Hauptpreis gewesen wäre, denn bei mir hat es nur zum eBook gereicht. Die 5 Finalisten haben alle schon gedruckte Bücher angeboten, deshalb auch teilweise die hohe Anzahl an Rezesionen, die man mit eBooks in so einer kurzen Zeit ohne einen gewissen Bekanntheitsgrad nie erreicht. Auch ich lese viele eBooks von Selfpublishern und bin über die Fantasie und die Qualität des Angebotes überrascht, muss aber auch zugeben, dass ich schon Bücher nach wenigen Seiten abgebrochen habe und manchmal die Formatierung zu wünschen lässt.

  22. Simone Dorra schrieb am 1. Oktober 2016 um 22:39 Uhr

    Vermutlich hat der Gute den (seiner Ansicht nach) größten belletristischen Wurf des 21.Jahrhunderts verfasst, das Manuskript fünfzehn Jahre angeboten wie Sauerbier, und keiner wollte es haben. Jetzt verrottet sein “magnum opus” in der Schublade, und er lässt seinen Frust an allen aus, die mehr Glück haben als er. Arrogantes, armes Würstchen.

    P.S.: von den Büchern auf der Shortlist kenne ich nur “Aschenkindel” Und das habe ich sehr genossen.

  23. Bettina Wohlert schrieb am 2. Oktober 2016 um 17:26 Uhr

    Sehr geehrter Herr Bremer,
    wenn schon so ein Rundum-Verriss, dann sollte doch aber nicht gegen den Duden geschrieben werden.
    Das Verb piken” bzw. das Partizip “pikte” ist absolut korrekt. Um so hässlicher fällt Ihre Kritik eines nachlässigen Lektors bzw. Korrektors auf.
    Bei der De-Lokation von Mineralien-Ansammlungen sollte die kristalline Struktur der einen umgebenden Behausung nicht außer Acht gelassen werden.
    Andererseits, ein Verriss von Ihnen adelt ja irgendwie schon inzwischen, oder?
    Mit freundlichem Gruß
    “noch so’n Selfpublisher”

  24. P.A. schrieb am 4. Oktober 2016 um 17:01 Uhr

    Ich finde diese Kritik etwas kleinkariert.
    Zunächst mal: die Finalisten werden von einem Algorithmus nach formalen, objektiv quantifizierbaren Kriterien ausgewählt (Verkaufsrang, Wertungsspiegel etc.). Qualität ist nicht objektiv quantifizierbar, daher lässt sich weder schlussfolgern, dass diese Bücher gut sind, noch dass alle anderen Teilnehmer schlechter sind.

    Es kann also sehr gut sein, dass die Finalisten allesamt Schund sind (wobei es ja auch dafür einen markt gibt). Die Qualität jetzt aber an ein paar fragwürdigen Formulierungen in der Einleitung beurteilen zu wollen, ist einfach nur selbstherrlich. 95% der Leser ist es schlicht egal, ob da etwas pikte oder pieskte solange die Geschichte insgesamt spannend ist. Wenn Verlagslektoren so arbeiten, erklärt das jedenfalls gut den Trend zum Self-Publishing…

  25. hallino schrieb am 6. Oktober 2016 um 13:47 Uhr

    “Ein absoluter Verriss beinhaltet immer einen Beschiss!”
    Boboianische Volksweisheit

  26. Rouven schrieb am 10. Oktober 2016 um 17:10 Uhr

    Die Kritiker des Kritikers vergessen wohl, dass es sich hier um die fünf Kandidaten für einen Preis in Höhe von 10000 EUR handelt. Also bitte. Wenn das 10000 EUR wert sein soll, dann muss auch der Anfang stimmig sein. Es ist ja wohl kein Gerücht, dass besonders bei Selfpublishern schon die Leseprobe (Blick ins Buch usw.) zeigt, dass es sich in diesem Buch nur um gewaltige Verpeiler handeln kann. Traurig aber wahr. Wenn sich hier jetzt die SP’s mokieren, dann bitte mit Links zu guten Leseproben. Ich hätte gerne ein paar gute SP-Titel, die so gut wie nix kosten. Ich habe mir den Newsletter von Lesen.net abonniert, da bekommt man jede Woche an die 9 SP-Titel gratis und ich muss sagen, mir tränen die Augen oder ich bekomme den Drang zu schreien. Zeigt mir doch bitte die Perlen unter den Säuen. Aber nur die wirklich guten Proben. Ich rege mich auch über Verlagstitel auf, die angeblich total toll sind, deswegen kaufe ich nur noch billigst gebraucht, dann hab ich nicht so viel Geld in den Sand gesetzt- für diesen (Verlags-)Unsinn. Am 13. wird ja der Nobelpreis für Literatur bekanntgegeben. Oder so ähnlich. Da gibt’s anscheinend ‘ne ganze Mille und die sind aber seriös, mein lieber Schwede.

  27. Renate Blaes schrieb am 11. Oktober 2016 um 10:03 Uhr

    Als vor Jahren der Nobelpreis für Literatur an Frau Jelinik vergeben wurde, habe ich mich sehr gewundert. Allerdings war ich nicht die einzige. Eine renommierte deutsche Tageszeitung veröffentlichte ein Interview mit einem der Jurymitglieder, das (sinngemäß) sagte, es habe die Preisvergabe an Frau Jelinik leider nicht verhindern können …
    Ich persönlich finde das “Werk” von Frau Jelinek zwar sehr “schräg, aber einen Nobelpreis für diese teiilweile unerträglichen Wortaneinanderreihungen? Ich habe manchmal den Eindruck, diese betreibt eine Art selbsttherapisches Schreiben. Auch wenn manche ihrer Werke auf Bühnen erscheinen, ist das für mich kein Beweis für Qualität. Auf Bühnen wird viel Mist dargestellt … und dient oft nur der Selbstverwirklichung/Selbstdarstellung (unterschiedlichester Zeitgenossen.

  28. P.A. schrieb am 11. Oktober 2016 um 13:24 Uhr

    @Rouven
    Ein paar gute Titel, die so gut wie nichts kosten, hätte ich auch gerne, egal ob SP oder Verlag…

    Ansonsten: man zeige mir mal das Buch ohne Fehl und Tadel. Wer vorgeht wie Malte Bremer der macht auch aus Goethe und Schiller Schreibanfänger, die mal lieber Fliesenleger geworden wären…

  29. Götz Nitsche schrieb am 12. Oktober 2016 um 23:37 Uhr

    Ob Sie nun überheblich sind, oder ob Sie die Resignation zum Zyniker machte, liegt wohl im Auge des Betrachters. Aber ganz ehrlich: Sie haben ja Recht.
    Auch ich habe oft den Eindruck, dass die meisten Selfpublisher so stolz auf ihre geistigen Ergüsse sind, dass sie den ersten Wurf gleich auf den Markt rotzen. Also bitte: Ich habe an meinem Erstling mehrere Jahre gefeilt. Ich habe bis ins Detail recherchiert und zehnmal auf Fehler geprüft. Ich würde zwar nicht so weit gehen, es Literatur zu nennen, doch stelle ich an mich zumindest den Anspruch an gute Unterhaltung mit einer gewissen philosophischen Tiefe.
    Lesen Sie es, bewerten Sie es, zerfetzen Sie es! Rezensieren Sie mich zu Tode! Dann bekomme ich immerhin mal ein Feedback von jemandem, der ähnlich überzogene Ansprüche hat wie ich selbst…
    https://www.amazon.de/dp/B01LWK5OR1
    (Sie haben ja meine Email, ich lasse es Ihnen auch gerne umsonst zukommen. Rouven und P.A., euch schicke ich auch gerne ein Exemplar.)

  30. P.A. schrieb am 15. Oktober 2016 um 01:06 Uhr

    @Götz Nitsche

    Danke fürs Angebot, ist leider nicht wirklich mein Genre (ließt sich aber recht gut, soweit ich reingeschaut habe)

  31. Lars Gunmann schrieb am 17. Oktober 2016 um 01:38 Uhr

    “Und Schauderschreck: Wie mies müssen dann erst die über 1895 restlichen Einsendungen sein, wenn so was zu den ausgewählten gehört?”

    Nun ja, das sind ja nicht die fünf besten, sondern die, die am meisten Aufmerksamkeit erhalten haben / am beliebtesten waren. Nach unbekannter Amazon-Formel.

    Ich schlage vor, Malte Bremer liest einfach von allen Einsendungen die ersten paar Sätze und pickt dann maximal 10 raus, die es näher zu betrachten gilt ;-)

  32. Annina Boger schrieb am 19. Oktober 2016 um 21:44 Uhr

    Malte Bremer ist mir bekannt als beißender Literatur- und Lyrik-Kritiker. Am besten pickt (nicht pikt!) man sich daraus das, was einem irgendwie nützlich sein könnte. Den Rest schnell vergessen, ärgern lohnt sich m.E. nicht!
    Immerhin Gratiswerbung für die malträtierten E-Books, denn einige Leser dieses Beitrags werden sich vergewissern wollen, ob denn die Texte wirklich soooo stümperhaft geschrieben sind …

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