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Beitrag vom 8. Mai 2010 | Rubrik: Literarisches Leben, Literatur online

Dokument: Offener Brief an die Geschäftsleitung des mediacampus Frankfurt von den Schülern des 162. Kurses

Offener Brief an die Geschäftsleitung des mediacampus Frankfurt von den Schülern des 162. KursesFrüher hieß er »Schulen des Deutschen Buchhandels«, heute ist er zum »Mediencampus« geworden: Der Ort auf den grünen Hügeln zwischen Seckbach und Bergen-Enkheim bei Frankfurt. Viele Buchhändlerinnen und Buchhändler aus ganz Deutschland haben hier während ihrer Ausbildung die Berufsschule besucht.

Schon die Namensänderung zeigt, dass man sich hier mehr der Zukunft zuwenden möchte. Der Buchhandel muss auf die Digitalisierung auch in seiner Ausbildung reagieren.

Doch wie dies geschieht, scheint bei den Auszubildenden nicht unbedingt auf Zustimmung zu stoßen. Mit einem offenen Brief wenden sich die Schüler des 162. Kurses, die heute ihre Zeugnisse erhalten und den Campus verlassen, an die Geschäftsleitung der Schule.

Ein Brief der Außenstehende verwundert.

Beklagt wird in dem zweiseitigen Schreiben zum einen der Weggang kompetenter und verdienter Lehrkräfte, die den Wandel nicht mittragen wollen. Die neuen externen Referenten jedoch kennen offenbar die Grundbegriffe des Buchhandels nicht, was die Schüler irritiert. Die Erwähnung von Begriffen wie »Buchpreisbindung« stoße bei einigen Dozenten auf Unkenntnis, schreiben die Schüler.

»Für uns ist Wirtschaft ein Mittel für den Zweck Buch, und nicht das Buch der zufällige Gegenstand des Wirtschaftens«, heißt es im Brief.

Und weiter: »Wir sehen die Gefahr, dass der Schwerpunkt zu einseitig auf die Neuen Medien gesetzt wird – es wäre nicht die erste Blase die platz.«

Parallel zu den Schülern, die den Campus verlassen, treffen sich heute auf dem mediencampus die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1. Buchcamps. Hier widmen sich die über 100 Teilnehmer der Zukunft des Buches und der Frage, welche Rolle Internet, eBook und die »sozialen Medien« für das Buch und das Buch-Marketing spielen.

Unter diesen Teilnehmern wird der Brief der Schüler natürlich mit großem Erstaunen diskutiert. Der Nachwuchs des Buchhandels will sich ins Schneckenhaus des gedruckten Buches zurückziehen? Nachwievor Sendungsbewusstsein statt Wirtschaften bei Buchhändlern? Nimmt der Nachwuchs, von dem man sich viel erhofft und erwartet, den Medienwandel nicht wahr?

Doch da auf Twitter und Co. vieles verkürzt wird und das Schreiben in der Tat weitaus differenzierter ist, als es 140 Zeichen wiedergeben können, wollen wir es hier dokumentieren, damit sich jede und jeder selbst ein Bild machen kann.

Denn dann wird klar: Die Haltung der Schüler pauschal als Realitätsferne abzutun ist falsch. Für den Außenstehenden schimmert durch, dass die Schüler Kompetenz und – trotz neuer Medien – die Verankerung in der Tradition anmahnen. Allein eine Namensänderung reicht nicht. Der Wandel knirscht.

Nachtrag vom 10. Mai 2010: Ein Kommentar der Auszubildenden
Zwischenzeitlich haben zwei Mitverfasser des Schreibens zur Diskussion Stellung bezogen und ihr Anliegen konkretisiert. Klare Aussage: »Wir sind nicht gegen die neuen Medien!«. Vielmehr solle trotz Digitalisierung nicht vergessen werden, dass man mit Kulturgütern handle. Der vollständige Kommentar im Wortlaut findet sich weiter unten auf dieser Seite.

39 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Susanne Martin schrieb am 8. Mai 2010 um 13:03 Uhr

    Knirschen tut der Wandel ganz gewaltig! Nicht nur allgemein, sondern auch in den Strukturen der Branchenverbände.
    Sicher ist es ungemein ärgerlich, wenn Dozenten nichts über die Buchpreisbindung wissen – das haben wir kürzlich auf dem Medienkongress auch so erlebt. Sicher ist es auch so, daß es bedauerlich ist, wenn Lehrkräfte ausscheiden, die Jahrzehnte auf dem mediacampus tätig waren. Aber: liegt nicht gerade darin das Problem? Können LehrerInnen, die Jahrzehnte an der Schule tätig waren in dieser Zeit dramatischen Wandels noch adäquat unterrichten? Die Begeisterung für das Buch haben sie sicher – reicht das noch aus?
    Ich persönlich glaube, wir sehen hier einen weiteren Aspekt des Wandels in der Buchbranche: Die Strukturen müssen sich den neuen Gegebenheiten anpassen und dazu gehören manchmal auch neue Köpfe. Die Schulleitung versucht, sich diesem Wandel zu stellen, sich zu öffnen – dabei mag manches schmerzlich sein, aber ich hoffe, sie findet weiter UNterstützung, diesen Weg beizubehalten!

  2. BücherFrauen e.V. schrieb am 9. Mai 2010 um 09:20 Uhr

    Die Veröffentlichung des offenen Briefes an die Geschäftsführung des mediacampus fiel mit einer Vorstandstagung der BücherFrauen e.V. zusammen. 25 Frauen, die sich auch mit der Zukunft des Buches auseinandersetzen, waren irritiert über die Äußerungen des Branchennachwuchses.

    Dazu trugen folgende Aussagen bei:
    Zunächst war uns unklar, welche Ziele die Absolventinnen verfolgen. Möchten sie ihre bewährten Lehrkräfte behalten oder machen sie sich Sorgen um das gedruckte Buch?

    Möchten sie ein geschlossenes System Buchhandel, das sich gegenüber neuen Entwicklungen abschottet, oder möchten sie Buchhändlerinnen, die fit gemacht werden, die auch in Zukunft wertvolle Inhalte auf diversen Kanälen an Kundinnen verkaufen?

    Unserer Meinung nach liegt der Grund der Unsicherheit, die die Absolventinnen ausdrücken, in den Umwälzungen, die die Branche derzeit durchläuft. Die Geschäftsführung des mediacampus will die Buchhändlerinnen auf diese Herausforderungen vorbereiten und macht dies unserer Ansicht nach hervorragend.

    Dies drückt sich auch in der Bereitschaft aus, zusammen mit neuen Kooperationspartnerinnen Wege zu finden, die gegenwärtigen Chancen zu erkennen. Dieser Blick über den Tellerrand ist unserer Meinung nach ein Garant und keine Gefahr für das Fortbestehen des Buches, in welcher Form auch immer.

    Weinheim, 9.5.2010
    BücherFrauen e.V.

  3. Ralf Schiering schrieb am 9. Mai 2010 um 11:49 Uhr

    Ja, es knirscht und ein “Wandel” wird plötzlich als zu schnell, abrupt empfunden. Intern passiert in den buchhändlerischen Verbänden momentan sehr viel und auch die zentrale Ausbildungsstätte des Buchhandels stellt sich dem Gespräch **und** will auch Veränderungen in der Branche mitgestalten.
    Es ist eine Realität, dass Gutenberg mit seiner Erfindung eine Revolution angestoßen hat und das Buch zum Massenprodukt geworden ist. Dann passierte erst einmal fast 500 Jahre nicht mehr viel ;-)) und jetzt überholt es uns rechts und links.
    Was ist die “Zukunft des Buches”, dessen zentrale Stellung die VerfasserInnen des Briefes bei der Geschäftführerin des mediacampus einfordern? Wirklich ein physisches Buch, gedruckt in einer High-Tech-Produktionsstraße? Oder geht es hier um auch andere Darreichungsformen für Inhalte, Gedanke und Wissen die eben nicht mehr als ein Schatz aus einem physischen Laden getragen werden können?
    Es geht nicht nur um “Neue Medien” (kam als Begriff in den 90ern schon einmal im Buchhandel auf), es geht um andere Formen der Kommunikation untereinander und vor allem mit unseren Kunden (= Lesern). Diese erwarten vom Buchhandel wirklich gut ausgebildete Fachkräfte, die mit ihnen auch in ein inhaltlich und fachliches Gespräch einsteigen möchten – und das nicht nur in einem Laden sondern an anderen (virtuellen) Orten.
    Ich bin auf das Gespräch mit den Unterzeichnern des Briefes gespannt – wie erreiche ich sieß Lesen sie diese Foren mit und wo beginnen wir den gemeinsamen Weg für eine Zukunft des Buches und / oder des Buchhandels?
    Einen schönen Sonntag noch!

  4. Dorothea Redeker schrieb am 9. Mai 2010 um 12:02 Uhr

    Den Wandel der Buchbranche in die richtigen Begrifflichkeiten zu fassen, ist eine der Herausforderungen der Branche. Der Brief der AbsolvenTinnen zeigt, wie wichtig es ist, klarer zu definieren, was unter Medien, Handel mit Medien und Kompetenz über Medien verstanden wird und ob nicht am Ende der Diskussion eine ganz andere Erkenntnis stehen wird – eine Erkenntnis, die beinhaltet, dass wir mehr über Inhalte in unterschiedlichen Kontexten sprechen müssen und weniger über mediale Erscheinungsformen.
    Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Inhalte für verschiedene Situationen aufbereitet werden, sei es als (Print-) Buch für das haptische, zeitgebende und sich zeit-nehmende Erlebnis, als Online- Content für das schnelle und verknüpfbare Screening von Informationen, als kommunikations-generierender Content für den Austausch mit anderen oder als Bestandteil einer Applikation, mit der sich eine Fragestellung beantworten lässt.
    Eine Vielzahl von Nutzungsanwendungen mit ein und demselben Inhalt steht so komplementär nebeneinander und es wird eine Aufgabe der Buchbranche sein, adäquate Lösungen bereitzustellen, bzw. Orientierung und Einordnung in der Unübersichtlichkeit der Optionen zu bieten. Und dann sind wir wieder bei den Kernkompetenzen eines Verlages, eines Buchhändlers – Content in verschiedenen Nutzungsformen zu produzieren bzw. Content zu sortieren, angemessen zusammen zu stellen und über optimale Nutzungsformen zu beraten. Was sich verändert hat, ist der Bezugsrahmen – Content nicht ausschließlich als Produkt, sondern auch in seiner spezifischen Verwendung zu sehen.
    Für eine Ausbildung bedeutet dies: Bei aller Euphorie über E-Content und seiner unzweifelhaft wachsenden Bedeutung, gehört zum Kern der Ausbildung die Beschäftigung sowohl mit den Inhalten selbst als auch ihren Erscheinungsformen. Ohne diese Grundkenntnisse gelingt kein Kontextbezug.
    Das Buch in seiner gedruckten Fassung ist dabei nach wie vor die Keimzelle, nicht nur in seiner Erscheinungsform, die auch heute noch weite Verbreitung und Akzeptanz genießt, sondern auch als Objekt, aus dessen Entwicklung sich viel über Lesen, Rezeption und gesellschaftliche Bedeutung lernen lässt.
    Insofern verstehe ich das Anliegen der Absolventinnen gut – wünsche mir aber, dass das Mantra der Branche mit dem Buch ein besonders schützenswertes und wertgeschätztes Kulturgut zum Handelsgegenstand zu haben, zu reflektieren. Hier hat sich die Welt ein Stück weit gedreht und es gibt viele andere Formen der Diskurses, die die Meinungsvielfalt in unserer Gesellschaft ausmachen und bewahren.

  5. Lisa Marie Kurth, Andreas Foth schrieb am 9. Mai 2010 um 18:46 Uhr

    Wir freuen uns über die lebhafte Diskussion und möchten als Mitautoren des Briefes dazu nochmals klarstellen: Es geht uns vor allem um eine offene Kommunikation. In Bezug auf den personellen Wandel und in Bezug darauf, welche Richtung die Schule und die Ausbildung nehmen. Bei diesen Entscheidungen sollten Auszubildende einbezogen werden.
    Wir sind nicht gegen die neuen Medien! Wir warnen nur vor einem Hype. Wir glauben nicht, dass sie das Buch langfristig komplett ersetzen – man denke nur daran, wie schnell Datenträger veralten; unser Buch gibt es seit 1450! Daneben wird es viele andere Publikationsformen geben, je nach technischem Stand und Zielgruppe.
    Natürlich geht es um den Handel mit Inhalten. Und der Handel mit ihnen ist nötig, sonst würden sie nicht oder weniger produziert. Aber es kann hierbei nicht wie – vielleicht – bei anderen Handelsgütern nur um den Gewinn gehen. Denn wir handeln mit einem Kulturgut und davon soll es so viel wie möglich geben. Wenn wir aber vergessen, das zu betonen und zu leben, gefährden wir die Preisbindung. Dann können Verlage keine Projekte mehr fördern, die mehr kulturell als wirtschaftlich bereichern. Das ist es, was wir verhindern wollen. Und wir möchten weiterhin von Menschen ausgebildet werden, die das auch so sehen.
    Bevor wir uns einstweilen in die IHK-Prüfungsvorbereitung verabschieden schlagen wir eine Podiumsdiskussion vor, an der zum Beispiel 2 Mitglieder des Börsenvereins, 2 VertreterInnen der Schule und 2 Auszubildende teilnehmen.

  6. Steffen Meier schrieb am 9. Mai 2010 um 19:32 Uhr

    “Denn wir handeln mit einem Kulturgut und davon soll es so viel wie möglich geben.”
    Ein honoriger Ansatz. Neu ist mir allerdings, dass Kultur von Medienformen abhängen sollte, in diesem Fall totes Holz.
    Der offene Brief (den ich als Befürworter offener Worte und Diskussionen schätze) ist ein idealistischer Ansatz und Blick auf die Dinge, und natürlich beschleicht einen in der Gemengelage zwischen Kultur und Kommerz meist ein schlechtes Gefühl – aber als alter, vielleicht im Laufe der Jahre etwas zynisch gewordener Verlagsmann muss ich Ihnen doch auf den Weg geben, dass Ihnen Idealismus und hehre Kultur idR weder Ladenmiete noch Gehalt finanzieren. Hier wird eine Diskussion geführt, die ich noch zu meinen Zeiten in Seckbach sehr gut erinnere und ich sehe vergleichend keinen Fortschritt.
    Also: wenn Ihnen soviel daran liegt, dass Verlage “Projekte mehr fördern, die mehr kulturell als wirtschaftlich bereichern”, dann kämpfen Sie darum, aber gehen Sie nicht (unsere) alten Wege!

  7. jule schrieb am 9. Mai 2010 um 19:42 Uhr

    Man möchte uns “fit machen”…soso…uns Höhlenbewohner, die wir Feuer mit Steinen machen, auf fließend Wasser und Telefon verzichten. Egal von welcher Seite man angesprochen wird, es gibt zwei Dinge auf die wir ständig hingewiesen werden: Zum einen mögen wir doch bitte die Chance(n) ergreifen und begreifen (schon seit so vielen Jahren, aber wir wollen ja einfach nicht wir Urzeitkrebse), zum anderen möchte man uns eine Angst einreden, die es de facto nicht gibt. Das Medium Buch in gedruckter Form wird weiterhin Bestand haben, nicht zuletzt, weil es Buchhändler gibt, die ihre Sache mit Herz und Verstand vertreten und sich auch überhaupt nicht gegen die “neuen Medien” sperren, aber eine gesunde Entwicklung wollen, eine die dem Buchhandel hilft, nicht eine, die ihm die Chance gibt sich selbst zu zerstören. Wir leben durchaus im Hier und Jetzt, nur anscheinend ist unser Kulturpessimismus nicht ansatzweise so ausgeprägt, wie man es uns suggerieren möchte. Angst? Wir haben keine Angst. “Unsicherheit”, “Umwälzung”- wer so etwas schreibt kann zur Buchhandelzivilisation und im Übrigen auch zu Kunden keinen Kontakt haben.
    Wenn die Bevölkerung der USA sich einen 2-jahres Vorrat an Tampons und Dosennudeln kauft, weil ein TV-Sender ein laues Lüftchen angekündigt hat, macht sich die ganze Welt über ihre Panik lustig. Die Zeit, in der man an seinem Schreibtisch durch Holland fliegen wird, und sich das auch jeder leisten kann, soll hier erstmal kommen. Auf die Zukunft!

  8. Frauke.ehlers@t-online.de schrieb am 9. Mai 2010 um 20:16 Uhr

    Ich wundere mich über zwei Formulierungen in dem Offenen Brief:
    „Teilnehmer von Wochenendseminaren berichten, dass sie bei der Erwähnung der Buchpreisbindung auf Unkenntnis bei externen Dozenten gestoßen sind.“ Ich nehme an, das bezieht sich auf das Eingangsreferat beim Fachkongress am 10./11.4. auf dem mediacampus bei dem eine Referentin eingesprungen ist. Es handelte sich hier nicht um eine Lehrveranstaltung. Im übrigen haben die Anwesenden ZuhörerInnen der Referentin den Umstand der Buchpreisbindung sehr schnell klar gemacht. Meiner Meinung schadet es nicht herausgefordert zu werden Unkundigen Vorteile der Buchpreisbindung zu erläutern, denn auch im „richtigen“ Leben trifft man in der normalen Bevölkerung auf viele die meinen es gäbe keine Buchpreisbindung.

    „Im Zusammenhang mit dem neuen Bachelor-Studiengang möchten wir anbringen:
    Für uns ist Wirtschaft ein Mittel für den Zweck Buch, und nicht das Buch der zufällige Gegenstand des Wirtschaftens.“ Warum kann man hier nicht den weiteren Begriff der Kulturwirtschaft denken oder der „creative industries“ in dem meiner Meinung nach klar wird, dass beides zusammengehört – der wirtschaftliche Erfolg ermöglicht die kulturelle Leistung und die kulturelle Leistung ermöglicht einen wirtschaftlichen Erfolg.

  9. Leander Wattig schrieb am 9. Mai 2010 um 21:16 Uhr

    Ich finde solche Diskussionen super, weil sie am Ende immer etwas bringen – für alle Seiten. Daher habe ich sie auch mit Hinweisen hier (http://bit.ly/9BifqE) und hier (http://bit.ly/9KtQIZ) zu befördern versucht und auf den Beitrag hier hingewiesen.

    Was ich spontan beim Lesen des Briefes vermisst habe, ist eine Orientierung auf den Kern der Sache. Es geht doch weniger um das papierne Buch als vielmehr um das, wofür es steht. Um das zu bewahren, ist aus meiner Sicht aber gerade eine Offenheit für die “neuen” Medien notwendig. Sonst dominieren bald ausschließlich die so genannten Branchenfremden den Markt und denen sind das Buch und wofür es steht oft herzlich egal.

    Zudem ist mir der Brief zu wenig konstruktiv. In Zeiten des Wandels sieht man immer zuerst, was nicht mehr so gut funktioniert. Die Lösungsansätze gilt es zu erarbeiten. 1450 war auch noch nicht klar, wie unser Buchmarkt später aussehen würde. Das gilt es zu erkämpfen. Hier fehlen mir im Brief aber die konstruktiven Vorschläge und Angebote. Kritisieren ist leicht. Befürchten auch. Gestalten schon weniger. Und wer soll die Zukunft gestalten, wenn nicht der Branchennachwuchs??? Zudem gibt es gerade für Nachwuchsleute Chancen zuhauf. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum das oft so wenig positiv gesehen wird.

    Den vorschlag für eine Podiumsdiskussion finde ich gut. Aber warum wieder ein so enger Kreis der Diskutanten? Warum nicht auch ein paar Web-Leute einladen, um so den Blick zu weiten? Schließlich sind bspw. Blogger auch eine Art neuer Kleinverleger. Oder warum nicht jemand aus dem Musik- oder aus dem Film- oder aus dem Games-Markt einladen?

  10. Frauke.ehlers@t-online.de schrieb am 9. Mai 2010 um 22:16 Uhr

    Die Erweiterung der Mitdiskutanten die Leander Wattig vorschlägt kann es bei dem Kooperationspartner SMI geben, weil dort genau dieser weitere Begriff von Medienwirtschaftenden berufsbegleitend ausgebildet werden bzw. wurden. Zu letzteren gehöre ich selbst zum Beispiel auch, und das durchaus als gefühlte Vertreterin der Buchbranche.

  11. Wolfgang Tischer, literaturcafe.de schrieb am 10. Mai 2010 um 00:01 Uhr

    Nein.

    Bitte nicht!

    Bitte lasst den guten Ansatz nicht zur ewig gleichen abgenudelten Diskussion pro und contra gedrucktes Buch, »Neue Medien«, Internet, eBook oder »User-Generated-Schnickschnack« verkommen!

    Hat sich die Talkshow- und Laberkultur des Fernsehens schon so festgesetzt, dass man glaubt, eine -zig mal geführte Diskussion mit den ewig gleichen Protagonisten würde etwas bringen? Einziger Unterschied: statt der grauhaarigen, schöngeistigen Verleger, sitzen junge Azubis auf der Bühne und verteidigen das gedruckte Buch?

    Vorweg: Als Buchhändler bin ich den Auszubildenden für ein Wort dankbar, das mir in der Debatte über »Die Zukunft des Buches« allzuoft fehlt: Kultur. Ich neige selten zu konservativen Haltungen. Dennoch brauchen wir Menschen mit konservativen Haltungen. Der Blick zurück auf das Bewährte ist für den Weg nach vorn hilfreich. Dass es gerade die jungen Buchhändlerinnen und Buchhändler sind, die (auch) an traditionelle Werte erinnern, gibt mir zunächst einmal Hoffnung. Das das Buch (auch) Kulturgut ist oder sein kann, sollten wir nicht vergessen. Für diese Ermahnung geht mein Dank an die Unterzeichner des offenen Briefes.

    Und dennoch ist der Brief absurd!

    Und das nicht, weil darin junge Menschen vor einer blinden Technikeuphorie warnen, sondern weil sie sich mit ihren Bedenken an den komplett falschen Adressaten wenden.

    Doch genau hier liegt der wirkliche und viel tiefere Ansatzpunkt, die Diskussion endlich weiterzuführen.

    Der Mediencampus ist eine Ausbildungsstätte die maßgeblich vom Börsenverein getragen wird bzw. hinter der der Börsenverein steht.

    Liest man den Brief, so könnte man den Eindruck gewinnen, der Börsenverein wäre ein Befürworter des Medienwandels, ein progressiver Laden, der Visionen Wirklichkeit werden lässt und seiner Zeit weit voraus ist.

    Tatsächlich ist der Börsenverein ein Club von gestern. Genauso wie die Musikindustrie will man mit massiver Lobbyarbeit, die auch vor falschen Behauptungen nicht zurückschreckt, alte Geschäftsmodelle sichern. Man errichtet mit Hilfe der Politik Deiche gegen ein digitales Meer, das nicht aufzuhalten ist. Man kriminalisiert die Kunden und befürwortet die Einführung von technischen Zensurmechanismen und Datensammlungen, weil man sie für wirtschaftliche Interessen und die Wahrung alter Besitzstände nutzen möchte. Eine Schande für eine Branche, die eigentlich die Kultur des freien Wortes hochhalten sollte, anstatt Kollateralschäden in Kauf zu nehmen.

    Wir haben die absurde Situation, dass junge Menschen, von denen ich nicht annehme, dass sie alle ihre vorberufliche Bildung in der Waldorfschule vermittelt bekommen haben, einem Verein, der mit allen Mitteln alte Geschäftsmodelle sichern will, vorwirft, er setze bei der Ausbildung seines Nachwuchses zu sehr auf die »Neuen Medien«.

    Was muss man davon halten?

    Zeigt bereits die Verwendung des Begriffe »Neue Medien« aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Schreiben der Schüler, dass hier dem Nachwuchs vielleicht nicht das vermittelt wird, von dem wir glauben, dass man es vermitteln sollte, um der Digitalisierung aufrecht zu begegnen? Oder schlimmer noch: Rennt man in der Tat blind und unkoordiniert einem Trend und Hype hinterher, wie es die Schüler schildern?

    Oder noch schlimmer: Agiert der Börsenverein bei der Ausbildung seines Nachwuchses genauso unbeholfen, unsensibel und oft brachial, wie er der Digitalisierung auch in der Öffentlichkeit begegnet? Und könnte das der Grund für das Unverständnis der Schüler sein, so wie man als Leser und Buchliebhaber auf der einen Seite und als Nutzer »Moderner Medien« auf der anderen Seite über das Agieren des Börsenvereins ebenfalls oftmals fassungslos den Kopf schüttelt?

    Ich kenne die richtige Antwort nicht, denn ich habe die letzten Wochen nicht auf dem Campus in Seckbach verbracht. Aber die Schüler haben es.

    Wir sollten ihren Brief – egal wie unglücklich er formuliert sein mag – ernst nehmen. Doch unsere Fragen sollten tiefer gehen. Tiefer, als es eine Podiumsdiskussion der ewig Gleichen auch nur im Ansatz vermag.

  12. Susanne Martin schrieb am 10. Mai 2010 um 09:14 Uhr

    Genau das habe ich versucht, in meinem Beitrag zu sagen: Es knirscht in den Strukturen der Branche. Am mediacampus wird versucht, sich zu öffnen, die Ausbildung zum BUCHhändler der neuen Zeit anzupassen. Zum Beispiel durch eine Kooperation mit der Steinbeishochschule, mit der ein Bacherlorstudiengang entwickelt wird, der ein berufsbegleitendes Studium ermöglichen soll. Das hat zu großer Empörung unter den brancheneigenen Bildungsinstitutionen geführt, weil hier ein Institut von außen hinzugezogen wurde und eben nicht eines der Branche.
    Aber genau das muß der Weg sein: sich zu öffnen, andere Persepktiven mit aufzunehmen und dann selbstbewußt eigene Tradtionen zu pflegen und manches auch über Bord werfen.
    Meiner Wahrnehmung nach brodelt es auf dem mediacampus auch deshalb, weil mit der neuen Bildungsdirektorin eine Person von außen gekommen ist, die mit ihrer Erfahrung und Außenperspektive sicher despektierlicher mit den Traditionen der altehrwürdigen Schulen umgeht, als dies eine Person aus der Branche täte. Daß das vielen Altgedienten auf dem Campus nicht gefällt, liegt auf der Hand. Daraus mag dann auch jeder seine eigenen Schlüsse ziehen, was mit diesem Brief vielleicht auch bewirkt werden soll.
    Immerhin muß man dem Börsenverein zu gute halten, daß er überhaupt begonnen hat, auf dem mediacampus neue Wege zu gehen – ich hoffe nur, daß er sich darin nicht beirren läßt. Bis der Wandel in den Menschen ankommt, dauert es länger als bei den Technologien und ich hoffe, die maßgeblichen Personen des Börsenvereins haben weiter Geduld und Mut, die neuen Weg weiterzugehen!

  13. Patrick Musial schrieb am 10. Mai 2010 um 16:17 Uhr

    Da sich die gesamte Branche im Wandel befindet muss sich dieser Wandel natürlich auch in der Ausrichtung des, wie es ja jetzt heißt, mediacampus niederschlagen.

    Als Teilnehmer eines Fernlehrgangs kann ich berichten, dass dieser Wandel nicht gerade sanft von Statten geht – falls ständige Dozentenwechsel etc. sich wirklich auf den Wandel in der inhaltlichen Ausrichtung zurückführen lassen.

    Die Kommunikation zwischen Schule und Kunden funktioniert nicht gut – und dass in einer Branche, die von Kundenorientierung lebt.

    Die Schule in Seckbach ist eine wichtige und wertvolle Einrichtung – wir alle sollten dazu beitragen, dass sie erhalten und zukunftsfähig bleibt.

  14. Johanna Nies schrieb am 10. Mai 2010 um 18:27 Uhr

    Auch ich habe den Wandel an den Schulen des deutschen Buchhandels, pardon jetzt ja Media-Campus hautnah miterlebt. Als Absolventin der Fachschule (die letzte Fachschule, die noch komplett mit Herrn Schmelzle arbeiten durfte) haben wir bereits gemerkt, dass im zweiten Jahr der Faschule die Stimmung auf dem Campus gekippt ist. Ich denke, auch dies wollten die Azubis mit ihrem Brief mitteilen. Da ich selber auch meine Berufsschulzeit in Frankfurt absoviert habe, kann ich die veränderte Stimmung durchaus beurteilen. Am Anfang war ich mit einigen Neuerungen auch sehr wohl einverstmden und bin es immer noch. Aber ich hatte im Laufe der Zeit dort das Gefühl, dass sich eine permanente Unsicherheit unter den Dozenten ausgebreitet hat und dies ist keine gute Basis um zu lernen!Vielleicht sollte man wirklich mal mit Schülern und Dozent OFFEN kommunizieren, die sist für mich ein wichtiger Bestandteil des Briefes. In diesem Sinne: Ich ziehe meinen Hut vor den Azubis, wir haben nicht so offen gesagt was wir bemerkt haben…

  15. Wibke Ladwig schrieb am 11. Mai 2010 um 08:33 Uhr

    Ich war am Freitag live dabei, als der Brief auf dem Mediacampus anläßlich des Abschlußabends der Schüler verlesen wurde. Man spürte, daß vielen Schülern dieser Brief ein Herzensanliegen ist. Grundsätzlich empfinde ich es als positiv, wenn man zu einer Sachlage eine Haltung einnimmt, diese kommuniziert, sie zur Diskussion stellt. Das ist ein mutiger Schritt. Noch mutiger hätte ich es gefunden, wenn diese Themen nicht just am letzten Abend auf dem Mediacampus in den Raum gestellt worden wären. Haben sich in den neun Wochen in Seckbach nicht andere Gelegenheiten angeboten? Oder hätte man diese nicht geschlossen einfordern können? Möglicherweise wäre dann die Offenheit, die die Schüler bei manchen Entscheidungen vermisst haben, unmittelbar herstellbar gewesen und Fragen hätten geklärt und diskutiert werden können.
    Davon abgesehen möchte ich mich der Meinung einiger meiner Vorrednerinnen anschließen. Insofern, daß der Brief ganz gut die Spannungen spiegelt, der die Buchbranche aktuell ausgesetzt ist. Und ich finde es beruhigend, daß der Mediacampus keine Insel der Glückseligen ist und sich den Veränderungen in unserer Branche (und um diese herum) stellt. Nichts weniger als das wird dort getan, sehr engagiert und mit Herzblut, den Blick offen und über den Tellerrand gerichtet. Niemandem, auch und vor allem nicht dem Buch, wäre geholfen, würden dort, im Idyll der grünen Hügel, aktuelle Entwicklungen der Medien- und Wirtschaftswelt ausgeblendet.
    Das Internet ist kein Hype, es gibt keinen E-Hype, es geht nicht vorbei. Durch Breitbandanschlüsse und das mobile Internet hat sich der Zugang zu Informationen bereits enorm verändert. Das Kerngeschäft besteht nach wie vor im Verkauf des gedruckten Buches. Umso wichtiger ist für eine zukunftsorientierte Planung eine gute Kenntnis von Märkten und Zielgruppen. Die Buchbranche steht nicht außerhalb der Wirtschaft, sie ist Teil davon. Weshalb es auch begrüßenswert ist, daß der geplante Bachelor-Studiengang ein betriebswirtschaftlicher ist. Gut wirtschaften, planen und kalkulieren zu können ist immens wichtig. Ein Aspekt, den man bedenken sollte, wenn man sich zum Monatsanfang auf sein Gehalt freut: Das Buch ist nicht ein zufälliger Gegenstand des Wirtschaftens, es IST Gegenstand der Wirtschaft. Auch wenn uns alle, voller Idealismus, die Liebe zum Buch in diese Branche geführt haben wird. Mich auf jeden Fall – und gerade angesichts der Digitalisierung und Diversifizierung ist mir ein gut und liebevoll hergestelltes Buch immer wichtiger. Aber nicht unbedingt für jeden Inhalt ist das gute, alte Buch der beste Träger. Es gibt einen Grund, weshalb wir nicht mehr alle zweispännig in Kutschen herumfahren oder ein Reitpferd hinterm Haus stehen haben. Und trotzdem hat die Liebe zum Pferd dazu beigetragen, daß wir auch heute noch Kutschen und Reitern begegnen. Übrigens auch Hufschmiede …

  16. Wenke Richter schrieb am 11. Mai 2010 um 09:31 Uhr

    Mir ist nicht ganz komplett klar, wohin die Verfasser des Briefes mit ihrem Anliegen wollen. Lese ich den Brief als Unbeteiligter Quereinsteiger, sehe ich ihn als eine Beschreibung interner (Organisations-)Probleme. Soll es hingegen eine Stimme in der schon lang anhaltenden Diskussion um die Zukunft des Buches darstellen, fehlen mir neben diffusen, emotionalen Ausdrücken um Verluste ganz konkrete Diskussions- und Argumentpunkte. Es wäre daher wünschenswert – sollte letzteres das Ziel sein -, klare Positionen auszudrücken. Ansonsten ist dieser Brief wenig substantiell förderlich für die Diskussion (in welche soll sie denn nach der Meinung der Verfasser gehen?)
    Die von Leander Wattig in die Runde geworfene Idee einer Podiumsdiskussion würde ich gerne um drei, vier Akteure erweitern, denn das Buchwesen besteht nicht nur aus Verlag und Buchhandel. Autoren liefern das ideelle Gut “Buch”, Leser konsumieren die Arbeit von Verlag und Autoren, Bibliothekare verwalten die Buchsammlungen. Mindestens diese drei Akteure sollten in die Diskussion eingebunden werden. Sonst sehe ich die große Gefahr, daß wir uns hier unser eigenes Süppchen kochen.
    Noch ein Wort zum gedruckten Buch: bei der Erfindung der beweglichen Lettern (jedem ist hier wohl bekannt, daß diese nicht plötzlich kam, Druckstöcke gab es schon vorher, der Vorteil war eben BEWEGLICHE Letter) gab es einen Aufschrei: es würden die (monastischen) Handschriften verschwinden, das Kulturgut wäre in Gefahr, Untergang der Kultur des Abendlandes. Heute gibt es den gleichen Aufschrei, nur weil sich die FORM ändert – nicht mehr und nicht weniger!

  17. Karla Paul schrieb am 11. Mai 2010 um 15:51 Uhr

    Ich war ja auch am Samstag auf dem Buchcamp und habe den Brief über den Buchmarkt-Beitrag gefunden. Mit 26 Jahren und voller Liebe zu Büchern bin ich immer ein bisschen hin- und hergerissen, allerdings befiel mich beim Lesen des Briefes ein größtenteils negatives Gefühl. Für mich kommt es so rüber, als ob hier tatsächlich eine Angst vor dem Umbruch Hauptgrund des Briefes war. Nur weil es das Buch bereits seit sovielen Jahren gibt, ist das ja kein Grund auf den alten Vorgehensweisen und Medien zu beharren. Ich sehe es eher so, dass je mehr sich die Branche für neue Wege öffnet, wir auch immer mehr neue Leser finden werden – wenn auch vielleicht nicht mehr für das Buch in seiner jetzigen Form.
    Dass die Schüler nicht mit den aktuellen Strukturen und dem zu vermittelnden Wissen zufrieden sind, das steht wieder auf einem anderen Blatt, da sollte man sie sicherlich nicht in dieser Situation lassen, das hat ja aber mit der Schule und nicht mit dem Buch zu tun….
    Vielleicht ist die Motivation des Briefes richtig, aber die Worte und der Weg an sich nicht richtig gewählt…

    Herzliche Grüße,
    Karla Paul

  18. Myriam L. schrieb am 11. Mai 2010 um 16:39 Uhr

    Liebe Frau Paul,
    auch wenn ich Ihnen im Grunde zustimmen muss, so finde ich doch, dass die Schüler mit dem Brief den richtigen Weg gewählt haben. Sicherlich lässt ein Brief viele Aspekte offen und einzelne Punkte können nicht direkt diskutiert werden. ABER: mit diesem offenen Brief haben sie doch unser aller Aufmerksamkeit erweckt.
    Hätten Sie ihr Anliegen -wie u.a. von Frau Kolb-Klausch gewünscht- nur intern und direkt der Führungsspitze des mediacampus vorgetragen, so wären sie vielleicht intern gehört worden. Wir groß aber wäre die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Anliegen sonst außerhalb des Campuses wahrgenohmen geworden wäre?

  19. dot tilde dot schrieb am 11. Mai 2010 um 18:21 Uhr

    @11 (wolfgang tischer):

    “oder noch schlimmer: agiert der börsenverein bei der ausbildung seines nachwuchses genauso unbeholfen, unsensibel und oft brachial, wie er der digitalisierung auch in der öffentlichkeit begegnet?”

    interessante frage. dabei fällt mir ein: was macht eigentlich das neuordnungsverfahren des ausbildungsberufes buchhändler so?

    (link 1, link2, link3)

    .~.

  20. Ralf Schiering schrieb am 12. Mai 2010 um 00:14 Uhr

    Ein wirklich Gutes hat der “Offene Brief mediacampus” bewirkt: Eine Diskussion ist in Gang gekommen, die nicht mehr nur intern geführt werden kann. Es geht wirklich darum, Erfahrungen anderer Branchen (die nicht weniger kulturtragende Bedeutung wie die unsere haben) zu sehen und sie sich nutzbar zu machen. Wibke Ladwig schreibt treffend: “Das Internet ist kein Hype, es gibt keinen E-Hype, es geht nicht vorbei.” Und dieser Realität, die nach vorne gerichtet ist, muss sich die Buchbranche stellen. Ausblidung und Weiterbildung gehören dabei in die 1. Reihe der zu betrachtenden Themen.

    Die meisten Diskussionsbeiträge scheinen sich hier im Café zu finden.
    eine Kritik von Thomas Bez an der Stellungnahme der Bücherfrauen (Umbreit) findet sich im BuchMarkt.
    http://ht.ly/1JPkH

  21. Wibke Ladwig schrieb am 12. Mai 2010 um 09:25 Uhr

    Wer mir hier in der Diskussion allerdings fehlt, sind die Auslöser derselben. So bleibt uns nur der Eindruck, der aufgrund dieses Briefes entstanden ist. Ich würde mich freuen, wenn sich einige der 91 Schüler, die diesen Brief unterzeichnet haben und die sich ja nach eigenem Bekunden eine offene Diskussion wünschen, hier dazuschalten würden.

  22. Anna schrieb am 12. Mai 2010 um 11:47 Uhr

    “Natürlich hätte ich mich mehr gefreut, statt eines offenen Briefes ein offenes Gespräch zu führen…” (Zitat Frau Kolb-Klausch auf boersenblatt.net)

    Ein offenes Gespräch mit Frau Kolb-Klausch scheitert schon allein daran, dass wir SchülerInnen die Geschäftsleitung in 9 Wochen nicht zu Gesicht bekommen.

  23. lesen-ist-mehr schrieb am 14. Mai 2010 um 14:32 Uhr

    Nur ein kurzer Kommentar, der wie ich finde den Kern des Problems wiedergibt. In einem gestrigen Radiotalk auf SWR 1 drückte es Toni Ungerer in etwa wie folgt aus: “Wenn ich einen Film über Tiere schaue, ist es nicht das selbe als wenn ich ein Buch zum Thema durchlese.” Das Lesen verinnerlicht mir die Namen/Faketen mehr als der Film.

    Das Buch kann also durch keine andere Medienform ersetzt werden, betrachtet man nur einmal den pädagogischen Aspekt, allenfalls ergänzt.

    Wir dürfen also nicht vergessen unseren Kindern das Lesen/Erfahren eines Buches beizubringen, denn sonst verstehen sie zuletzt alle die Computer nicht mehr, die ihnen das Leben leichter machen sollen.

    Danke für den offenen Brief.

  24. Dr.Dr.Lisa Müller schrieb am 16. Mai 2010 um 16:23 Uhr

    Ja die liebe Bücherwelt. Wieder einmal bäumt sie sich gegenüber dem stetigen Wandel auf, der doch so fortschreitend schnell durch die Welt schippert und oft hat es den Anschein, das eigentlich nur der Buchhandel noch oft zu sehr an Traditionen hängt, obwohl jeder von der Zukunft spricht. Man mag sehr geteilter Meinung sein, wie sich die Zukunft entwickelt, aber sie tut dies schon seit vielen vielen Jahren. Ich bin jetzt seit rund 20 Jahren im Buchhandel, es gab Anfangs noch schwere Kataloge und kaum elektronische Übertragungsmöglichkeiten. Heute ist eine Buchhandlung ohne Website, Mailadresse und Warenwirtschaftssystem fast nicht mehr lebensfähig oder gar inscene. Fast alle der bei mir in der hessischen Stadt damals ansässigen Buchhandlungen sind vor vielen vielen Jahren komplett alle kaputt gegangen und es werden auch die schon seit einiger Zeit folgen, die sich größeren Firmen unterworfen haben. Das Medium Buch ist zu einer Massenware geworden und so wird nunmal auch der Wettbewerb nach Preisen und Wettbewerbern entschieden. Selbst Thaliafilialen werden geschlossen, weil die Umsätze nicht so sind wie sie sein sollten, da der Markt ausgeschöpft ist und man sich andere Schlachtfelder sucht. Von den damaligen Kollegen sind die meisten Männer nicht mehr in dieser Branche tätig und haben sich gut bezahltere Jobs gesucht, da der Trend zu billigbelohnten Buchhändlern oder Servicekräften hingeht. Wer will schon mit Brutto 1300€ leben müssen. Viele der Kolleginnen sind als Teilzeitkräfte tätig oder für 400€ zusätzlich zum Kind arbeiten, damit sie in der Branche bleiben. Aber überleben kann man damit nicht, wenn nicht wenigstens einer der Familie sich einer besseren Branche anschließt und dort richtig entlohntes Geld verdient, um sich und die Familie zu ernähren; bei den Alleinverdienenden reicht es grade dazu, um sich am Leben zu halten, aber etwas aufbauen kann man damit nicht.

    Es ist also vollkommen nachvollziehbar, wenn der Nachwuchs sich Sorgen macht um das Medium Buch und all seiner Entwicklungen, doch viel mehr sollten wir uns Gedanken machen, inwiefern die Branche Buch noch Tradition hat und überlebensfähig ist oder sich doch einreiht in die Segmente der Großflächenmarktverkaufsplattformen der Zukunft.

    Ich wünsche allen noch verbliebenen Buchhändlern angenehme Zeiten und genügend Geld auf dem Konto zum Leben oder doch einen Posten einer der anderen Zukunftsbranchen.

  25. Lisa Marie Kurth, Mitverfasserin des offenen Briefes schrieb am 16. Mai 2010 um 17:02 Uhr

    Richtig, die Schüler fehlen in der Diskussion. Das liegt einerseits sicher daran, dass gleichzeitig die Prüfungen stattfanden und dass wir alle nun wieder in unseren Städten und Buchhandlungen ankommen wollten. Andererseits auch damit, dass wir – vorsichtig ausgedrückt – von den Reaktionen auf den Brief und der Diskussion sehr beeindruckt sind! Aber auch begeistert, denn so etwas wünschen wir uns ja.
    Es wurde gefragt, was wir mit dem Brief eigentlich bezweckt haben. Für mich war der Beweggrund: In diesen zwei Monaten war auch dem Campus viel „Knirschen“ zu spüren und es kann nicht sein, dass wir fahren, es kommt der nächste Kurs, und wir haben nichts dazu gesagt. Und weil wir als Adresse die Geschäftsführung sahen, aber auch die Lehrer und die Branche, ist es ein offener Brief. Geschrieben haben wir ihn an einem Abend zwischen Klausuren und Abschlussfest, deshalb ist er sicher nicht perfekt formuliert. Aber ich finde, man kann verstehen worum es uns ging.
    Erstens haben wir einige Lehrer vermisst, die uns wichtig waren. Natürlich muss die Schule sich entwickeln, aber wenn innerhalb von anderthalb Jahren eine ganze Handvoll Lehrer geht, ist das meiner Meinung nach ein Zeichen, dass etwas schief läuft in der Kommunikation oder der Zusammenarbeit, dass jedenfalls bei dieser Entwicklung zu große Verluste gemacht werden.
    Und zweitens gab es diese Veranstaltungen zu den „Neuen Medien“, aber nicht für uns Azubis und wohl auch inhaltlich nicht immer ganz mit dem Buchhandel kompatibel. Natürlich, das ist noch in der Entwicklung und muss auch erst noch kompatibel werden. Und das Berufsbild wird gerade überarbeitet und ich nehme an, dass bald auch die Azubis etwas darüber lernen.
    Aber bei mir weckte die Situation die Befürchtung: Jetzt kommen lauter „BWLer“ und erzählen uns, wie es in Zukunft laufen wird in unserer Branche. Aber unsere Branche funktioniert – finde ich – nicht nur mit dem Denken „der BWLer“. Sondern es braucht, und das steht für mich an erster Stelle, auch wenn das Wirtschaften direkt dahinter kommt, jawohl, das schon erwähnte Sendungsbewusstsein, dass wir ein Kulturgut vertreiben. Und dass die Branche einen kulturpolitischen Auftrag hat. Und das hängt für mich mit der Preisbindung eng zusammen. Denn diesen Luxus genießen wir, so wie ich es verstehe, eben wegen dieses Sendungsbewusstseins. Und wenn wir uns dahin entwickeln, dass für uns das Wirtschaften und der Gewinn an die erste Stelle rücken und wir danach unser Handeln ausrichten, dann fällt der Grund für die Preisbindung weg. Oder nicht? Ich möchte jedenfalls in fünf Jahren nicht in einer Buchhandlung stehen, in der es zwanzig Bestseller gibt und alle, die sich etwas darüber hinaus wünschen, gehen leer aus. Und wie sollen die Verlage in Zukunft überhaupt eine große Vielfalt finanzieren? Wird ernsthaft davon ausgegangen, dass die Inhalte, wenn sie digital verbreitet werden, geschützt werden können? Ich weiß es natürlich nicht, aber ich kann es mir nicht vorstellen.
    Auf der anderen Seite ist ja das gute am Internet die Vielfalt. Eine größere als Verlage jemals bereit wären, in ihr Programm aufzunehmen. Und ich finde Wikipedia und Konsorten toll, und Crowdsourcing und all das, weil es so demokratisch ist und weil dabei gute Sachen herauskommen. Und ja, es sollten eigentlich alle Inhalte frei verfügbar sein. Und trotzdem sollte möglichst viel auch in Buchform hergestellt werden, schon um es zu erhalten. Und weil es immer Menschen geben wird, die zumindest auch gerne Inhalte in Buchform lesen und verschenken. Ich hoffe, dass beides geht. Dann verkaufen wir Buchhändler vielleicht nicht mehr in erster Linie die Inhalte, sondern die Form und unsere Kenntnisse, unsere Empfehlungen und unseren Beitrag zur Alphabetisierung der kommenden Generationen…
    Ich bin gespannt!

  26. Marek Mayer schrieb am 16. Mai 2010 um 19:20 Uhr

    Wer nicht in letzter Zeit auf dem Mediacampus war und dort einige Wochen verbracht hat kann kaum nachvollziehen, was dort für eine Stimmung herrscht und wie es zu dem Offenen-Brief kam. Der Brief ist sicherlich auch nur ein vorsichtiger Versuch Kritik zu üben ohne persönlich zu werden oder gar zu verletzten. Für mich persönlich hat sich die Situation in kurzen Sätzen so dargestellt: Lehrkräfte die über ihre Kräfte hinaus arbeiten müssen bis zum Zusammenbruch. Ein Pädagogischer Leiter, nur noch mit Alibifunktion und der deshalb geht. Eine Geschäftsführerin/Bildungsdirektorin, die so gut wie nie da war, aber den neuen Ton auf dem Campus angibt. Kritische Stimmen aus den Reihen der Mitarbeiter, die versucht werden mundtot zumachen bzw. ganz zu entfernen, wenn sie nicht selber gehen bzw. gegangen sind.
    Soweit zu meinem Eindruck der Stimmung.
    Wenn man weiß, dass Frau Kolb-Klausch von Provadis kommt, einem Bildungsunternehmen mit über 30 Mio. € Umsatz und dort Marktetingleiterin war, kann man sich vorstellen, wo die Reise für den Mediacampus wohl hingehen soll. Wenn man dann noch weiß, dass Provadis zu Infraserv gehört und dort einmal gearbeite hat, braucht man sich über die menschlichen Zustände auf dem Mediacampus nicht mehr zu wundern. Aber das nur so nebenbei für Insider der Geschichte der ehemaligen Höchst AG.
    Aber warum erwähne ich das überhaupt? Nun, einerseits erklärte man uns im Unterricht lang und breit die Wichtigkeit der Buchpreisbindung in Verbindung mit dem Kulturgut Buch und das die Branche selbst für den Erhalt derselbigen verantwortlich ist und dann geht es um einen herum nur um Marketingfragen der Buchindustrie. Die Seminarliste des Mediacampus verdeutlicht was ich meine. Mir ist völlig klar, dass man von Kultur alleine nicht leben kann und auch diese vermarktet werden muss, wenn man davon leben möchte. Die Frag ist aber, ob Marketing dem Buch dient, oder das Buch dem Marketing. Schaut man sich die Entwicklung an ist wohl letzteres der Fall. Ob sich unter diesem Aspekt eine Buchpreisbindung auf Dauer rechtfertigen lässt, wage ich zu bezweifeln und die Auswirkungen auf die Buchhandels- und Verlagslandschaft brauche ich sicherlich nicht zu erläutern. Umso unverständlicher sehe ich die Entwicklung auf dem Mediacampus. Die Schulen des deutschen Buchhandels sollten sich darüber bewußt sein, welches Bild sie in die Öffentlichkeit tragen und ob sie weiterhin die Bildungseinrichtung zur Verbreitung des Kulturgutes Buch sein möchten, oder einfach nur noch eine Business-School mit Schwerpunkt Buchindustrie. Marktwirtschaftlich ist für den Börsenverein letzteres sicherlich sinnvoller. Aber man muss halt wissen was man möchte und wie man gesehen werden will und welche Konsequenzen sich daraus für alle ergeben.

  27. sann schrieb am 18. Mai 2010 um 01:53 Uhr

    @lesen-ist-mehr

    Nonsene!
    Ob Sie sich Fakten merken könne, hat mit Ihrer individuellen Wissensaufnahme zu tun. Es gibt auch Menschen mit fotografischem Gedächtnis, die vielleicht mit einem Film besser klar kommen.

    Und überhaupt: Filmkunst ist genauso ein Kulturgut wie Literatur.

  28. Wenke Richter schrieb am 18. Mai 2010 um 13:20 Uhr

    So langsam kristallisiert sich der Kern der Diskussion heraus: interne Schwierigkeiten in der Schule, Unzufriedenheit gekoppelt an einer größeren Diskussion bzgl. Digitalisierung. Zum ersteren Teil können Außenstehende wenig sagen, weil sie nicht dabei sind. Zum letzteren gehört Austausch und Gespräche, die aber dann nichts bringen, wenn es auf ein Beharrungsverhalten auf “alte Publikationsformen” hinausläuft. Die Digitalisierung ist da. Jetzt muß sich jeder einzelne am Vertrieb “Ideenpublikation” überlegen, wohin für ihn die Reise geht. Rumjammern bringt nichts, sondern konstruktives Überlegen, Ausprobieren. Das Ganze auch mal als Chance für neue Vertriebsstrukturen sehen etc. Was die Buchpreisbindung angeht (für die ich ohne Zweifel bin): sooo große Unterschiede sehe ich im Sortiment in den Buchhandlungen nicht immer! Per se heißt Buchpreisbindung nicht, daß jedes Buch qualitativ gut bis hochwertig ist (da ist auch die Frage nach dem Maßstab von Qualität)! Es bedeutet im besten Fall eine Querfinanzierung. Ansonsten kann man vor allem aus der wissenschaftlichen Publikation nur sagen, Digitalisierung bringt Bewegung in m. M. nach teilweise verkrustete Strukturen.

  29. Wibke Ladwig schrieb am 18. Mai 2010 um 13:40 Uhr

    Eine spannende Diskussion, auch wenn diese mittlerweile auf verschiedenen Kanälen in sehr unterschiedlicher Güte geführt wird. Bei mir hat sich der Eindruck verfestigt, dass in dieser Diskussion hier und andernorts einige Dinge gehörig miteinander verrührt werden, die zwar miteinander zusammenhängen mögen, aber getrennt betrachtet werden sollten:
    – Umbruch der Branche (und Gesellschaft) durch Digitalisierung, zunehmende Medienvielfalt, Internet.
    – Diskussion um Preisbindung, Urheberrecht und verringerter Mehrwertsteuersatz für das gedruckte „Kulturgut Buch“
    – Die Veränderungen durch die (notwendige) Modernisierung des mediacampus frankfurt formerly known as Deutsche Buchhändlerschule.
    Die Betroffenheit der Schüler kann ich mir insoweit erklären, dass jeder, der mal selber dort war, wissen wird, was für eine persönliche und familiäre Atmosphäre auf dem mediacampus herrscht. Bei den Buchhändler-Azubis sind das zweimal neun Wochen miteinander auf dem Campus, in enger Zusammenarbeit mit den Dozenten und in vertrautem Zusammenleben, was eine besondere Form der Zugehörigkeit schafft.
    Insofern kann ich mir auch gut vorstellen, wie irritierend Veränderungen dort sein können – zumal wenn sie nicht reibungslos vonstatten gehen. Was im übrigen in etablierten Systemen selten der Fall ist. Veränderung bedeutet Bewegung und das wirkt sich bei Menschen und Institutionen höchst unterschiedlich aus. Nicht jeder kann oder will Veränderungen mittragen. Für alle, die es tun, bedeutet dies oftmals eine zusätzliche Kraftanstrengung zu den alltäglichen Anforderungen. Veränderung ist zunächst einmal äußerst unbequem,.
    Der Mediacampus ist keine heile Welt – und im übrigen auch kein Schrein für das gedruckte Buch. Wenn das Buch an sich meiner Meinung nach dort sehr wohl eine gewichtige und angemessene Rolle spielt. Veranstaltungen mit Verlags- und Büchermenschen vor Ort finden regelmäßig statt, die Bücher sind omnipräsent, ob als Thema in Gesprächen, Lesekreisen und Seminaren, oder physisch in den verschiedenen Bibliotheken und nicht zuletzt in der Campus-Buchhandlung.
    Nicht anzuerkennen, dass Buchhandel und Verlagswesen Teile eines Wirtschaftssystems sind, lässt manche vielleicht erst dann aufschrecken, wenn betriebsbedingte Kündigungen anstehen oder das Budget für eine dringend nötige Werbeaktion, eine ersehnte Lesung mit einem Autoren, eine Fortbildung oder Anschaffung fehlt. Auch das kulturell wertvolle, gedruckte Buch kann nur durch eine gute Kalkulation von Beginn an entstehen. Gerade die Preziosen und literarischen Highlights, an die wir beim Gedanken an das „Kulturgut Buch“ sicher lieber denken als an Bohlen-Biografien oder Groschenheftchen.
    Apropos „Kulturgut Buch“: Inwiefern ein Inhalt kulturell weniger wertvoll und damit nicht preisbindungswürdig ist, nur weil er als Hörbuch oder als multimediales E-Book daherkommt, erschließt sich mir nicht. Wäre hier eine Diskussion um Preisbindung für Texte, unabhängig vom Medium, nicht sinnvoller?
    Stichwort Marketing: Möchten Sie in Ihrem Buchhändleralltag beispielsweise auf die Verlagsvorschauen verzichten? Auch das ist Marketing und verschlingt im übrigen in vielen Verlagen den größten Teil des Marketingbudgets. Wollen Sie sich künftig nur über die Website eines Verlages über Neuerscheinungen informieren? Nun, auch die Website ist Teil des Marketings eines Verlags. Wollen Sie Schaufenster, Telefonbucheintrag und Ladenschild Ihrer Buchhandlung abschaffen? Alles auch Marketinginstrumente. Das Wort Zielgruppe ist sicher nicht das eleganteste der deutschen Sprache. Ohne allerdings zu wissen, wen Ihrer Kunden Sie wann, wie und wo ansprechen und an sich binden können, verlieren Sie diese möglicherweise an den Konkurrenten nebenan oder an den Online-Buchhandel.
    Niemandem ist geholfen, wenn betriebswirtschaftliches Denken und Wissen ausgeklammert wird. Der Beruf des Buchhändlers ist nun mal ein kaufmännischer Beruf, eine Buchhandlung genauso ein Unternehmen mit dem Ziel, Gewinn zu erwirtschaften, wie ein Verlag, der ebenfalls ein Wirtschaftsunternehmen ist. Buchhandel und Verlagswirtschaft haben zwar gewisse Sonderrechte (z.B. Preisbindung, verringerter Mehrwertsteuersatz), sind aber keine subventionierten Zweige der Kulturwirtschaft wie städtische Bühnen. Sie unterliegen den üblichen Funktionsweisen der Wirtschaft. Das kann man finden, wie man will. Es ändert jedoch nichts an den Tatsachen. Aber ich wiederhole mich. In ähnlicher Form habe ich dies bereits in meinem ersten Beitrag gesagt.

    Eine Anmerkung noch zu „diesen Veranstaltungen zu den „Neuen Medien““: Mir ist schleierhaft, weshalb niemand von Ihnen, liebe ehemalige Azubis des 162. Kurses, am Buchcamp teilgenommen hat. Oder war einer der Schüler dabei? Es wäre der ideale Ort, der ideale Anlass gewesen, mit Büchermenschen und Onlinern über genau diese Themen zu sprechen. Gleich im Anschluss an Ihr Abschlussfest – wobei sogar während des Abschlussfestes schon Teilnehmer des Buchcamps mitten unter Ihnen und ansprechbar waren. Vielleicht wäre die ein oder andere zusätzliche spannende Session entstanden, auf dem schmalen Grat zwischen Wirtschaftlichkeit und der Liebe zum „Kulturgut Buch“ an sich. Ich hoffe, im nächsten Jahr mehr Azubis und Nachwuchskräfte auch aus dem Buchhandel beim Buchcamp in Seckbach zu treffen.
    Zum Abschluss noch eine Mäkelei: Neue Medien? Da zucke ich unmerklich zusammen. Der Begriff ist sowas von 90er. Das Internet ist alles andere als „neu“ und selbst Lesegeräte für E-Books und Tablet-PCs gibt es bereits eine geraume Weile. Wie wäre es mit „digitale Medien“? Meiner bescheidenen Meinung nach zutreffender.

  30. Marek Mayer schrieb am 18. Mai 2010 um 14:10 Uhr

    Also ich frag mich ja wirklich, ob viele der Kommentatoren/innen hier die Beiträge überhaupt lesen. Wo wurde jemals angezweifelt, das die Buchbranche nicht unter marktwirtschaftlichen Aspekten geführt werden soll?
    Wer hat jemals gesagt, das der Mediacampus sich nicht verändern kann oder soll? Wo wurde grunsätzlich etwas gegen “Neu Medien”/”digitale Medien” (genauso ein Begriff aus der Steinzeit) gesagt? Alles ändert sich ständig, die Frage ist aber auf welche Weise und auf wessen Kosten. Irgenwie läuft die Diskussion hier völlig aneinander vorbei und hat mit dem Kern des “Offenen Briefes” kaum noch etwas zu tun.

  31. Holger Ehling schrieb am 18. Mai 2010 um 14:15 Uhr

    Halleluja! Danke, liebe Wibke Ladwig!

  32. Wibke Ladwig schrieb am 18. Mai 2010 um 14:32 Uhr

    @Marek_Mayer Nun, dann wäre es doch an der Zeit, den Kern des Brief auf den Punkt zu bringen. Wenn wir alle hier nicht in der Lage sind, das Anliegen zu begreifen. Und wie groß das Interesse ist, zu verstehen, mitzudenken und sich auseinanderzusetzen, zeigen doch die vielen Beiträge, hier und anderswo. Ging es nur darum, daß es vielleicht in den neun Wochen auf dem Campus mal schwieirg war, rein atmosphärisch? Daß Sie live etwas von knarzenden Veränderungsprozessen mitbekommen haben, die Ihnen vielleicht bis dahin fremd waren? Auf welche Weise – und auf wessen Kosten – soll und kann denn eine Veränderung stattfinden? Wie wollen wir den kulturellenm wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch gemeinsam miteinander in der Branche und in der Ausbildung angehen? Wie wäre es mit einigen “So vielleicht’s” statt den “So nicht’s”? Und dann besprechen wir diese hier weiter oder z.B. im Herbst auf der Buchmesse im Forum Zukunft “live und in Farbe” und werfen unsere Vorstellungen in einer Live-Session zusammen. So wird vielleicht ein Schuh daraus.

  33. lesen-ist-mehr schrieb am 18. Mai 2010 um 17:42 Uhr

    sann schrieb:

    Nonsene! usw. (?!)

    Wer das Lesen Lernen nicht wert schätzen kann, kann auch irgendwann nicht mehr korrekt schreiben, wie man auch hier wieder feststellen muss.

    Sicher sind Film und Buch Kulturgüter, daher sind beide zu erhalten!

    Und zu allen Zukunftspredigern hier, sie kommt, aber darum muss sie nur ansich nicht ein besseres Konzept sein als die Vergangenheit. Die Aufgabe jeder Generation ist es das Gute zu wahren und sich zugleich weiter zu entwickeln. Das Lesen ist dabei eine elementare Fähigkeit die den Kulturmenschen ausmacht und die lernt man nicht mit Filmen oder Computerspielen.

  34. Susanne Martin schrieb am 18. Mai 2010 um 18:25 Uhr

    @Wibke Ladwig: Danke, danke, danke für die Kommentare, die mir aus der Seele sprechen!!

  35. Marek Mayer schrieb am 18. Mai 2010 um 23:52 Uhr

    @Wibke Ladwig Was soll ich da noch sagen? Der Brief bezieht sich auf die Schule und ich habe weiter oben versucht noch etwas deutlicher zu werden was da zur zeit so los ist. Zum Schutz einzelner Personen und Betroffener auf dem Mediacampus kann ich leider nicht deutlicher werden, aber ich denke mal, die die es betrifft wird wissen worum es geht. Das wäre mal etwas für ein Vieraugengespräch, aber nichts für das Forum, denn für Offenheit ist auf dem Mediacampus kein Platz mehr. Nun kann man mit den eigenen Angestellten mittlerweile als Arbeitgeber ja umgehen wie man will, aber wenn man den falschen Leuten auf die Füße tritt, dann bekommt man Gegenwind um mal auf folgenden Link zu verweisen:

    http://www.buchreport.de/nachrichten/nachrichten_detail/datum/2010/05/14/konferenz-und-blauer-brief.htm?no_cache=1&cHash=6287cdbbbe

    Sie fragen auf wessen Kosten eine Veränderung stattfinden soll? Eine interessante Frage. Warum auf Kosten von irgendwem? Vor allem wenn es sich um die Gesundheit und Würde von Mitarbeitern handelt. Aber das Spiel ja kaum mehr eine Rolle. Als Beispiel möchte ich hier mal einen Fall aus einer Mayer’schen Filliale anbringen, in der die Mitarbeiter schon vor der eigentlichen Arbeitszeit anfangen zu arbeiten, weil sie sonst das vorgegebene Pensum (Aufgrund von massivem Personalabbau) nicht schaffen und Angst haben ihre Arbeit auch noch zu verlieren.
    “Wie wollen wir den kulturellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch gemeinsam miteinander in der Branche und in der Ausbildung angehen?” Eine gute Frage, aber gibt es das alles überhaupt, oder wird es nur herbeigeredet? Und wenn ja, gibt es überhaupt ein “Wir”. Wenn unsere glorreiche Marktwirtschaft nur noch dazu dient, dass einige Wenige sich so massiv ausbreiten, dass für den Rest kein Raum zum Leben mehr bleibt, dann kann von einem “Wir” keine Rede mehr sein. Das Problem für den gemeinen Sortimenter sind nicht etwa E-Books sondern Buchhandelsketten, die im Zuge der Gewinnmaximierung alles Plattwalzen. Nun werden Sie als Marketingexpertin vielleicht auf innovative Konzepte für die Betroffenen um zu überleben verweisen, aber das ist in der Regel ein Kampf der nur mit einem langen finanziellen Atem zu gewinnen ist. Sie möchten konkrete Vorschläge, wie was zu verändern wäre? Sie möchten auf der Buchmesse darüber diskutieren? Sehr gerne, wenn Sie mir das und vielleicht noch anderen ermöglichen können, bin ich dabei.
    Zum Schluss (für heute?) noch ein weiterer Link zu jemandem, dem unsere Anliegen wohl nicht so unklar geblieben ist:

    http://www.buchmarkt.de/content/42626-mediacampus-umbreit-chef-thomas-bez-sagt-seine-meinung.htm?hilite=-Buchh%E4ndlerschule-

  36. Julia Kresal schrieb am 19. Mai 2010 um 07:24 Uhr

    Marek Mayer schrieb:
    ……..Sie fragen auf wessen Kosten eine Veränderung stattfinden soll? Eine interessante Frage. Warum auf Kosten von irgendwem? Vor allem wenn es sich um die Gesundheit und Würde von Mitarbeitern handelt. Aber das Spiel ja kaum mehr eine Rolle“

    @ Marek Mayer
    Danke, dass du das so auf den Punkt gebracht hast. Denn das war für mich ein „Grundton des Knirschens“. Und auch ich frage mich: Warum auf Kosten von irgendwem? Ist es denn so naiv zu glauben das Veränderungen auch anders ablaufen können?

    Wibke Ladwig schrieb:
    „die (notwendige) Modernisierung des mediacampus… Veränderung bedeutet Bewegung und das wirkt sich bei Menschen und Institutionen höchst unterschiedlich aus. …Nicht jeder kann oder will Veränderungen mittragen. Für alle, die es tun, bedeutet dies oftmals eine zusätzliche Kraftanstrengung zu den alltäglichen Anforderungen.“

    @ Frau Ladwig
    Entschuldigung vorweg, das ich Ihre Worte so aus dem Kontext heraus zitiere. Aber das erleichtert es mir Bezug darauf zu nehmen.

    Bevor wir aneinander vorbei reden möchte ich klarstellen, keiner von uns Schülern ist grundsätzlich gegen Veränderungen. Und das diese Bewegungen zusätzliche „Kraftanstrengungen“ bedeuten ist denke ich auch jedem von uns klar. Es ist das Maß der Kraftanstrengungen die gefordert werden, das zumindest mir nicht einleuchtet.
    Sie sprechen davon, dass nicht jeder die Veränderungen mittragen kann und will. Das möchte ich gern trennen. Denn über das „will“ zu reden ist müßig. Wenn jemand nicht will, dann ist das eine persönliche Entscheidung und wird so akzeptiert mit allen Konsequenzen.
    Aber zu dem „kann“ möchte ich etwas sagen.
    Zusätzliche Anstrengungen für eine kurze Zeit zu fordern ist die eine Sache und verständlich und vertretbar. Aber Mitarbeiter ständig bis an ihre Grenzen arbeiten zu lassen ist meiner Überzeugung nach nicht sinnvoll, auch betriebswirtschaftlich nicht, das ist , Entschuldigung das klingt sehr hart, Verschleiß von wertvollen Arbeitskräften.
    Und das ist etwas womit ich nicht einverstanden bin, das leuchtet mir nicht ein. Der Zweck der Modernisierung segnet die Mittel nicht ab, jedenfalls für mich nicht.

    Um das Statement kurz zu halten: Veränderungen ja, aber eben nicht um jeden Preis.

  37. Wolfgang Tischer schrieb am 19. Mai 2010 um 08:12 Uhr

    Es entwickelt sich zur klassischen Diskussion zwischen Vertretern der freien Marktwirtschaft und der sozialen Marktwirtschaft.

  38. Wibke Ladwig schrieb am 21. Mai 2010 um 12:21 Uhr

    Offener Brief der Geschäftsführerin Monika Kolb-Klausch im Börsenblatt:
    http://www.boersenblatt.net/383946

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  1. Über die Zukunft des Buches « richard k. breuer verlinkte am 8. Mai 2010 um 19:09 Uhr

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    […] Dokument: Offener Brief an die Geschäftsleitung des mediacampus Frankfurt von den Schülern des 162…. Dieser offene Brief (von dem ich leider keine Transkription fand, lediglich die folgenden Scans) fand auch auf unserem Studientag am Montag breite Erwähnung. Interessant finde ich, dass man sich hier von Seiten der Schüler ziemlich idealistisch hinter dem Kulturgut Buch versteckt: “Für uns ist Wirtschaft ein Mittel für den Zweck Buch, und nicht das Buch der zufällige Gegenstand des Wirtschaftens. […] Wir sehen die Gefahr, dass der Schwerpunkt zu einseitig auf die neuen Medien gesetzt wird – es wäre nicht die erste Blase, die platzt.” […]

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    […] Wenn ich schon mal in Fahrt bin, gleich noch was zur den „neuen Medien”. Neu?! Die letzten 15-20 Jahre einen auf Drei Affen gemacht? Was bitte ist denn heute neu am Vorhandensein von CD-ROM und WWW? Und wie nennt man eigentlich DVD und erst recht BluRay, wenn die CD-ROM weiterhin als neues Medium gilt? Und abgesehen davon, welche Blase soll denn da platzen? Es ist eher ein Knoten, der bald platzen wird, aber keine „neuen Medien”-Blase. Dass die Buchhandelsschüler vom Kulturgut Buch sprechen, rührt mich zwar an, geht aber an der Realität vorbei. Steffen Meier hat dazu schon alles Sagenswerte gesagt. […]

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    […] nicht im letzten Frühjahr einen Streit eine Diskussion?! Richtig, letzes Jahr hatten dort Azubis in einem offenen Brief ein “Zurück zum Papierbuch” eingefordert. Offenbar waren sie davon genervt, dass in […]