Zum Menü des literaturcafe.de | Zum Kontextbereich
Toplinks
Social-Media-Icons
Beitrag vom 28. Mai 2013 | Rubrik: E-Books, Literarisches Leben, Self-Publishing

Künftiger Hanser-Verleger Jo Lendle: »Verlage sind nicht mehr nötig«

Jo LendleWie sieht der Verlag der Zukunft aus? Darüber hat sich Jo Lendle in einem kurzen Vortrag auf der LiteraturFutur Gedanken gemacht. Mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlichen wir den Text hier im literaturcafe.de.

Jo Lendle wird ab 2014 verlegerischer Geschäftsführer der Hanser Literaturverlage. Lendle (Jahrgang 1968) wird der Nachfolger von Michael Krüger (Jahrgang 1943) sein. Zuvor war Jo Lendle Verleger beim DuMont-Buchverlag, bei dem er zunächst als Lektor begann. Außerdem ist Lendle selbst Autor.

***

Einen schönen guten Tag. Ich wurde eingeladen, meine Einschätzung zu dem viel­versprechenden prophetischen Thema »Der Verlag von morgen« zu geben. Meine erste Reaktion: Das ist leicht. Das beantworte ich mit einem persönlichen Statement: Mein »Verlag von morgen« heißt Hanser. – Fertig. Vielen Dank fürs Kommen.

Aber es geht natürlich auch unpersönlich. Wie sieht, ganz allgemein, der Verlag von morgen aus. – Das wüsste ich auch gerne. Aber ich will versuchen, mir so aufrichtig wie möglich Gedanken dazu zu machen – aus der Perspektive des Autors und aus der des Verlags – auf die Gefahr hin, mir dabei selbst auf den Verlegerschlips zu treten. (…)

Es wird in Zukunft zwei Verlage geben. (…) Neben dem bisherigen Modell etwas, das noch im Aufbau begriffen ist: Das Neue, Unbekannte, die Zukunft. Ob die traditionellen Verlage sich den neuen Gegebenheiten anpassen, wird Gegenstand unserer Diskussion sein.

Bevor wir fragen, was der Verlag von morgen sein könnte, sollten wir daher zunächst fragen, was denn der Verlag von heute ist. Was stellt so ein Verlag eigentlich an?
Weil wir in Hildesheim sind, wo ich vor langer Zeit Kulturvermittlung studiert habe, läge die Vermutung nahe, dass das, was Verlage machen, Kulturvermittlung sei.

Ich glaube das nicht. Vermittlung setzt voraus, dass es etwas Abgeschlossenes gibt, etwas Fertiges. Das ist bei Büchern nicht ganz so. Ich sehe die Gegenwart der Verlage deshalb anders. Der Verlag von heute greift ein. Er ist Teil des Geschehens.
– Der Verlag von heute hat zehn Aufgaben:

  1. Autoren finden
  2. Vorschüsse zahlen (der Verlag geht in Vorlage – daher sein Name)
  3. Texte bearbeiten
  4. Ihnen eine Gestalt geben
  5. Bücher vertreiben
  6. Aufmerksamkeit gewinnen (mit Marketing, Presse, Veranstaltungen)
  7. Lizenzen verkaufen
  8. Zusammenhalten (ggf. auch juristisch)
  9. Den Aufbau eines Werkes begleiten

Eine zehnte Qualität, die ein Verlag seinem Autor bietet, ließe sich umschreiben mit: Dazugehören, unter seine Fittiche nehmen. Ins Programm aufgenommen werden. Teil des Verlages sein. Ein Aura-Transfer, in jeder denkbaren Richtung. Schwer zu definieren. Das ist der elitäre, der esoterische Teil, mit allem Für und Wider. Der Clubgedanke. Die Distinktion. Der Teil, neben anderen, für den Verlage heute in Frage gestellt werden.

Dies halte ich für die Aufgaben, die ein Verlag zu erfüllen hat. Eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Umfrage der Gewerkschaft Verdi behauptet: Ein gutes Drittel der deutschen Autoren ist unzufrieden mit ihrem Verlag. Die Hauptvorwürfe: Warum zahlt ihr so wenig? Warum macht ihr so wenig?

Den Verlag von heute erreichen also zwei Stimmen.
Von außen: Ihr lasst mich nicht rein.
Von innen: Lasst mich raus, ich kann es besser.
Es gibt jemanden, der die Autoren aus dieser Not befreien könnte: die Autoren selbst.
Der Verlag von morgen wird deshalb ein Verlag sein, den es bereits gibt: Der Selbstverlag.
Auch wenn er sich komplett anders anfühlen wird als ein Selbstverlag, wie wir ihn kannten.

(…) Waren Selbstverlage nicht von gestern? Um genau zu sein: so was von gestern? Aber heute stehen Produktions- und Distributionsmittel zur Verfügung, von denen sie gestern nichts als träumen konnten.
Zwar standen auch für Bücher aus Papier die Produktionsmittel längst zur Verfügung. Aber Aufmerksamkeit ließ sich kaum gewinnen, und in die Läden kommt man damit einfach nicht.

Im digitalen Schlaraffenland sind diese Sorgen ausgeräumt. Seit das Umblättern vom Wischen abgelöst wird – und seitdem das Publikum ausreichend mit Lesegeräten versorgt ist – sitzt der Autor seinem Leser förmlich auf dem Schoß, so direkt ist der Kontakt.

In dieser Welt ist jeder Autor sein eigener Lektor, Setzer, Gestalter, Booker, Marketingchef, womöglich sogar sein eigener Rezensent – oder er kauft sich diese Fertigkeiten dazu. In die Läden kommt man nun ohne jede Hürde. Nur heißen sie inzwischen Plattformen.

Was geschieht nun im Selbstverlag mit unserer Aufgabenliste? Je nach Vermögen, Finanzen, Kontakten weicht das etwas ab, aber die meisten Komponenten werden baukastenartig auf dem freien Markt zu buchen sein.
Das Finden von Autoren entfällt
Vorschuss entfällt leider auch
Das Verbessern der Texte lässt sich zukaufen, wenn einem daran liegt
Die Gestalt lässt sich zukaufen
Der Vertrieb läuft über die digitalen Plattformen
Aufmerksamkeit gewinnt man selbst
Der Verkauf von Lizenzen entfällt in der Regel
Das Zusammenstehen entfällt
Der Aufbau eines Werks geschieht in Eigenleistung
Auch der Clubgedanke entfällt

Ist das nun gut oder schlecht? Darum geht es nicht. So wenig, wie E-Books gut oder schlecht sind. Sie sind vor allem da, wie ein neuer Mitbewohner. (…)
Wie aber soll ein Verlag von heute sich dazu verhalten? Warum springt er nicht selbst auf und wird zu einem Verlag von morgen?

Von Clay Shirky, einem amerikanischen Internetdenker (falls Internetdenker eine Berufsbezeichnung ist) stammt das – praktischerweise nach ihm benannte – Shirky Principle:
„Institutionen versuchen das Problem zu bewahren, für das sie die Lösung sind.”
Als Autor neige ich zu der Einschätzung, das treffe auch auf Verlage zu. Als Verleger weise ich die Idee weit von mir.

Der heutige Verlag wird kein Verlag von morgen. Aus Unbeweglichkeit. Und, so romantisch und naiv das klingt, weil er an etwas anderes glaubt. An Zusammenrottung, an Gemeinsamkeit. An Auswahl.
Verlage sind stolz auf diese Filterfunktion. Das macht sie nicht sympathischer. Die Orientierung erleichtert es trotzdem.

Fazit: Verlage sind schon heute definitiv nicht mehr nötig. Autoren können ab sofort auswählen – und dabei womöglich die Vorteile der Arbeitsteilung erkennen. Verlage verlieren durch diese Wahlmöglichkeit ihr Türhütermonopol und werden zu Edel-Dienstleistern. Wir werden uns anstrengen müssen.

(Aktualisierte Fassung vom 1. Juni 2013. Da die Konferenzbeiträge zur Zukunft des Publizierens im Pecha-Kucha-Format mit Bildbegleitung vorgetragen wurden, sind in dieser Fassung die Bezüge auf die gezeigten Fotos gekürzt.)

Jo Lendle

15 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Roman Rackwitz schrieb am 28. Mai 2013 um 14:02 Uhr

    Sehr geil. Und das Unheimliche daran: Wenn man den Begriff Verlag gegen Bildungseinrichtung tauscht und Autoren gegen Schüler/Studenten macht dieser Text (fast) genau so Sinn. Das Shirky-Principle passt auch hier! Die Zeiten, für die (und in denen) unser Bildungssystem entwickelt wurden, gibt es längst nicht mehr…

  2. Florian Voß schrieb am 28. Mai 2013 um 21:37 Uhr

    Wenn man überhaupt noch einen großen (Print)Verlag auf den Stapellauf in Richtung Zukunft setzen kann, dann mit dieser Haltung.
    Derweil Suhrkamp an die Klippen schlägt, sticht Hanser in den neuen Ozean. Ich bin gespannt, wie Käpt´n Lendle navigieren wird.

  3. Fritz Iversen schrieb am 28. Mai 2013 um 23:06 Uhr

    Die Eigenproduktion ist nicht neu. Neu ist, dass die Selbstverleger keinen nennenswerten Aufwand für die Distribution benötigen. Der Unterschied zwischem Dem Selbst-Distributeur und einem Verlag wie Hanser ist aber eben, as “schwer zu definieren” sei, aber eigentlich ganz leicht ist: Marke. Der Hans Verlag ist eine Marke im Buchgeschäft und transferiert das auf seine Autoren. Und das genau ist nicht zukaufbar. Deshalb sehnen sich Autoren nach wie vor nach der Markenautorität eines renommierten Verlags. Anders sieht es nur für diejenigen Autoren aus, die schon selbst Marke sind und vielleicht nicht einmal als Autoren Markencharakter haen, also die sog. “Promis”. Mittelmäßige TV-Mderatoren wie Gottschalk oder Jauch könnten ohne weiteres auch im Selbstverlag hohe Auflagen erzielen. Problem ist bislang noch, dass der illiterate Teil des Buchmarkts (bekanntlich nicht der Kleinste) sich an Leser wendet, für die ein Buch nur dann ein Buch ist, wenn es einen Pappdeckel hat und im Schreibwarenhandel vertrieben wird. Da ist (noch) traditionelle Marktbearbeitung nötig. Aber unbekannte Autoren, die eine ambitionierte literarische Manufaktur betreiben, eben die benötigen die Markenunterstützung durch einen literarischen Verlag, um eine Mindestwahrnehmung zu erreichen oder schneller zu erreichen. Ein Verlag wie Hanser ist also keinesfalls überflüssig und wird auch nicht untergehen, solange er gute Arbeit macht und sich nicht hemmungslos verspekuliert. Es kann sogar sein, dass die Verlage mit starkem, authentischen Markenkern mehr Bedeutung bekommen, während die Tra-la-la-Verlage zunehmend bemerken müssen, dass ihr Niveau sich locker und sehr erfolgreich unterbieten lässt. Da wird es viele Federn geben, die in die Cloud wandern, vielleicht bilden sich sogar E-Book-Schreiber-Gemeinschaften, die um sich ein bisschen Ersatz-Aura verbreiten – oder eben sagen: Ihr macht Print, die E-Book-Rechte behalte ich. Beiall dem sollte man übrigens nicht übersehen, dass der “Verlag von morgen” von den Lesern von morgen vor sich hergetrieben wird wie die Zeitungen heute schon. Der eigentliche Kollaps der Literatur, wenn er kommen sollte, geschieht vermutlich durch den Niedergang des literarischen Lesevermögens – da kann man noch so viel Saat und Dünger ausstreuen auf dem Acker, es wächst da nicht mehr viel bei den Rezipienten. Alles ausgelaugt. Und auf diesen dürren, sublimationsfreien Boden regnen dann die Textserien herab, die weder eine Tradition haben noch eine Tradition bilden können. Nur noch Jetzt und vorbei. Epigonales Neuronenfutter. Suhrkamp versucht ja schon seit geraumer Zeit ein bisschen Querfinanzierung mit Krimi. Das ist ja das Kunststück für den Verleger des “Verlags von Morgen”, sich nicht in den Sumpf drängen zu lassen. Und das wird schwer. Nobel oblige.

  4. Rieke Höpfner schrieb am 29. Mai 2013 um 08:56 Uhr

    Ich stimme wohl grundsätzlich zu, ich bin mir nur nicht sicher ob es mir gefällt, als Leser. Der Trend der hier aufgewiesen wird ist ganz klar am Markt abzulesen. Was aber auch kalr wird, letztendlich geht diese Entwicklung auf Kosten der Qualität. Wenn ich mir Bestandteile einer verlegerischen Leistung je nach Budget ( Kosten, Zeit, uvm.) zusammenbaue fällt in vielen Fällen etwas weg. Das fällt leider in vielen Fällen gar nicht mehr auf, weil die Verlagsprogramme immer mehr Masse durchschleusen. Schließlich wachsen die Zahlen der Neuerscheinungen pro Jahr immer weiter. Ich kann auf dem “freien Markt”, außerhalb der Verlage also oft bessere Grafiker und Illustratoren finden als in einem Verlag, der versucht seine Ausgaben zu senken. Es sollte aber auch klar sein, dass ein gesamt Paket rund um ein Buch – das rund-um-sorglos-Paket – seine Wirkung nur dann voll entfaltet, wenn diese Leistungen sinnvoll und authentisch aufeinander abgestimmt sind. Ansonsten gibt es wie in jedem anderen System Schnittstellenprobleme. Die Frage wird sein, welche Märkte können sich die daraus resultierende hohe Qualität zukünftig leisten.

  5. GregorSamsawillnachhause schrieb am 29. Mai 2013 um 12:04 Uhr

    Der Hanser Verlag ist sicher nicht deshalb so ein großer und wunderbarer Verlag weil er “nur” auf den Markt schaut, würde er es tun, hätten wir keinen wundersamen Esterhazy Roman namens “Esti”, aber so etwas muss man einfach veröffentlichen, ganz gleich wieviel Leute das lesen, es sollten viele tun, es tun aber nicht viele.

  6. mrinck schrieb am 30. Mai 2013 um 23:54 Uhr

    1. Irrtum: Vermittlung setzt eben gerade nicht voraus, dass es etwas FERTIGES gibt, für das FERTIGE FORMAT brauche ich keine Vermittlung. Hegel lesen.

    2. Irrtum: Dass Verlage keine Vorschüsse mehr zahlen können, sollte sie nicht dazu bringen, ihre eigene Würde aufs Spiel zu setzen.

    3. Irrtum: DAZUGEHÖREN ist immer dazugehören UND gleichzeitig NICHT dazugehören. Und was ist das überhaupt für ein dumpfes, wie von kiffenden Agenturen als Zukunftsauslockerung designtes Gequatsche? Ich vermute: im Hintergrund steht ein verdrängter INTERESSENSKONFLIKT. mein analytiker nickt.

    4. Die rituelle Struktur des Verlages lebt davon, dass sie nicht empathisch ist. Das muss man begreifen. Eine zu empathische Struktur würde depressive Autoren schwächen. Etwas mehr KATHOLIZISMUS bitte – wir müssen nicht die Strukturen mit Leben füllen, weil wir die Strukturen erfunden haben, damit sie dem Leben gegenüber stehen und es stützen – qua DISTANZ! Qua Unpersönlichkeit.

    4. IrrtuM: der 4. Irrtum ist der Irrtum vieler Autoren. Was soll der Verlag denn zuwenig tun? Wie soll denn der Verlag dem Dichter die Miete zahlen, wenn der Dichter das nicht einmal alleine kann? Das heißt, dass der Verlag einen einzigen Dichter zu alimentieren in der Lage ist. Oder wenn er reich ist, mehrere. Der vierte Irrtum baut erfundene Autoren als Popanz der eigenen Undeutlichkeit auf. Pah. Die Würde der Strukturen muss aufrecht erhalten bleiben. Der Verlag muss nicht zahlen, solange er gute Bücher macht. Ich erwarte allerdings, dass er gute Bücher macht. Wenn der Verlag anfängt sich zu verkaufen, muss er damit beginnen, mich zu bezahlen. Prostitution ist immer Prostitution für alle.

    5. Irrtum: Die Distanz ist wichtig. Interessierte Distanz ist zwölfmal so viel wert wie unvermittelte Nähe. Steh auf. Nimm dein Bett. Und wandle.

    6. Irrtum: Warum entfällt denn das Finden von Autoren, etwa: weil sie eh da sein? Dann greift wiederum: die DISTANZ.

    7. Irrtum: DAs ALLES per se KÄUFLICH ist entlastet nicht die Strukturen, ja, im Gegenteil!

    8. Irrtum: Soll das jetzt Ironie sein? Die Euphorie des Faktischen? die Begrüßung dessen was qua Existenz auf sich aufmerksam macht und vor dessen Existenz die Kritik zusammenbrechen muss, es ist, weil es existiert? Hegel lesen.

    9. Irrtum: Fehlgeleitete Identifikation mit dem Aggressor, hinzu kommt der krypto-disziplinatorische Zungenschlag am Ende. “Wir werden uns anstrengen müssen” – das erscheint wie ein Zusatz von fremder Hand. Ja, ihr werdet euch anstrengen müssen. Oder auch: Wenn ihr so druff seid, müsst ihr euch in der tat nicht mehr anstrengen.

    10. und allergrößter Irrtum: Das Einmachen – oh telefon klingelt.. .. ..

  7. Andreas Urstadt und Julien Lewis schrieb am 2. Juni 2013 um 23:54 Uhr

    Wir haben einen gesellschaftlichen Umbruch, was heisst, von einer Vermittlungs zu einer Mitteil -(to share) Gesellschaft. Es ist also tatsaechlich so, dass nicht klar ist, wie ein Verlag von morgen aussieht. Die traditionellen Verlage haben noch ihre Backlists und eine Masse an Autoren, die dem alten Diskurs angehoert.

    Der alte Diskurs war ein kuratierender (Kuratieren/Vermitteln/Exhibitionieren – das sind Aequivalente).

    Der neue ist teilend, mit anderen teilen. Der alte Diskurs war top down, der neue ist approximativ bottom up. Unter den Regeln der Nachhaltigkeit gilt top down als nicht nachhaltig und als Produzent zu hoher Friktion und des Benoetigens zu vieler Ressourcen, bei bottom up entfaellt viel davon.

    Jo Lendle sieht die Dinge sehr realistisch. Eine Verlagszusage, auch im Plural heisst gar nicht Party und man muss sich klar werden, warum nicht. Was will man und wie. Besonders, wenn man rein kann und dann gar nicht mehr will.

    Es geht anders und das kann auch der Autor entscheiden und dann eben pro Freiheit und nicht Gruppendach.

    Erfrischend Nathalie Sarraute, die schon vor Jahrzehnten sagte, man muesse nicht dazu gehoeren trotz Verlagsautor zu sein, ihr war die Freiheit lieber.

    Ein Autor hat also mehr Wahlmoeglichkeiten und ggf weniger Aerger durch Formen, die er nicht will.

    Als Leser ist einem das vorher nicht klar.

  8. Andreas Urstadt und Julien Lewis schrieb am 4. Juni 2013 um 11:21 Uhr

    Ich vermisse bei Verlagen auch die corporate social responsibility. Es gab Mehrfachzusagen von Topverlagen und jeder drueckte sich dann drumherum, dass der neue u unbekannte Autor massiv gemobbt wurde. Einerseits wurden Vertraege dann ganz schnell aufgeloest oder Autor loeste auf.

    Corporate social responsibility heisst, ich lasse keinen meiner Leser gemobbt werden. Grundage ist inkl eine wissenschsftliche Arbeit zum Thema usw, es gab Wichtigeres als Buecher dann zu veroeffentichen.

    Topevaluierungen gabs uebrigens auch aus England, da die Sprache wegen dem was hier lief gewechselt wurde. Die Topevaluierungen kommen auch dort von top.

    I don t let my readers being bullied. Das ist ein ganz andrer und viel tiefrer Ansatz (vgl top u tief). Es ist so natuerlich auch bottom up und passt zu den neuen Wegen.

    Das Bild, dass der Betrieb abgab, war erschreckend.

  9. Renate Blaes schrieb am 4. Juni 2013 um 12:24 Uhr

    Wunderbar, danke, lieber Jo Lendle. Ich teile Ihre Meinung in vollem Umfang. Danke den ausführlichen Artikel über Ihre Ansichten!

    Meine drei Romane sind bei bekannten Verlagen rausgekommen. Ein PR-Spezialist meiste seinerzeit: “um die PR solltest du dich selber kümmern.” Das habe ich dann auch gemacht – in Absprache mit den Verlagen, die vermutlich froh waren, sich um diese Arbeit nicht kümmern zu müssen. Das nur nebenbei …

    Es gibt viele gute Autoren! Und die werden auf den Markt gelangen. Nicht sofort aber die Möglichkeiten dazu haben sie. Und das sind nicht wenige. Wichtig ist für alle: lass dein Manuskript unbedingt lektorieren – zumindest auf grobe Fehler untersuchen. Denn da gibt es in der Selfpublishing-Szene schauderhafte Beispiele von extrem schludriger Arbeit. Und die geringen Kenntnisse von Rechtschreibung und Grammatik vieler selbstverlegender Autoren ist erschreckend.

    Trotzdem ändert sich viel in der Verlagswelt. Wie und was genau, das werden wir abwarten müssen. Ich kann mich noch gut erinnern an die Zeit der ersten Computer: “Die machen zerstören unsere Arbeitsplätze” hieß es. Das Gegenteil haben sie getan!

    “Tempora mutantur” … das gilt auch für die Verlagswelt. Und wer das nicht begreift, wird genauso untergehen wie die Setzereien und Lithoanstalten der früheren Jahre. Auch das Dienstleistungsangebot in der LIteraturszene ändert sich – analog zu den Bedürfnissen des Marktes.
    Deshalb ist mein kleiner Verlag auch “ein Dienstleistungsverlag”. Dafür gibt es auch das hässliche Wort “Zuschussverlag”. Hässlich deswegen, weil viele dieser Verlage ihre Autoren über den Tisch ziehen, und zwar gewaltig.

    Man kann Autoren aber auch seriöse, kompetente und engagierte Dienstleistungen anbieten. Und ich denke, das ist ein Teil des Buchmarktes der Zukunft: Autoren unterstützen bei ihrer Buchveröffentlichtung. Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen – gegen Honorar. Und genauso gehe ich vor. Und meine Autoren schätzen das sehr.
    Beste Grüße
    Renate Blaes

  10. Renate Blaes schrieb am 4. Juni 2013 um 12:49 Uhr

    Fehler:
    “Die zerstören unsere Arbeitsplätze …”, sollte es am Ende des vierten Absatzes heißen.

  11. Renate Blaes schrieb am 5. Juni 2013 um 11:09 Uhr

    (Nachsatz, denn heute habe ich endlich das Buch gefunden, das ich gestern schon erwähnen wollte.)

    Zum Thema kann ich ein Buch empfehlen: “Vom Geschäft mit Büchern”. Autor ist Jason Epstein, ein bekannter und erfolgreicher amerikanischer Verleger.
    Hier ein Zitat daraus: “Neue Technologien werden die Vertriebswege von Büchern radikal verändern, aber sie werden weder die wesentliche Arbeit des Lektorats noch die Werbung ersetzen. Erst durch Handarbeit werden aus Manuskripten Bücher, immer ein Schritt nach dem anderen. …. Mit wenigen Ausnahmen werden Autoren immer redaktionellen Beistand benötigen. Lektoren geben dem Satzbau den letzten Schliff …”

  12. Thorsten Nesch schrieb am 5. Juni 2013 um 12:36 Uhr

    Sehr interessant – mir kam nur plötzlich eine 3-teilung in den Sinn:

    – Verlage

    – Selbstverlag

    – Amazon

    Ich weiß auch nicht warum.

  13. Renate Blaes schrieb am 5. Juni 2013 um 14:20 Uhr

    Nicht ganz korrekt, lieber Thorsten Nesch. Amazon ist keine logische Weiterentwicklung der Reihenfolge, sondern lediglich ein Vertriebskanal – für herkömliche Verlage und Selbstverlage gleichermaßen. ;-)

  14. Thorsten Nesch schrieb am 5. Juni 2013 um 15:54 Uhr

    Hallo Renate Blaes,

    als Weiterentwicklung hätte ich es auch nicht bezeichnen wollen, eher als 3.Punkt im Dreieck.

    Denn die sind nicht nur mehr Vertriebskanal – sondern betätigen sich auch als Verlag seit einiger Zeit.

  15. Renate Blaes schrieb am 13. Januar 2014 um 13:31 Uhr

    Ich teile die Ansicht von Jo Lendle. Denn vieles, was früher die Aufgabe von Verlagen war, kann der Autor heutzutage sehr gut selbst erledigen. Vor allem die PR-Arbeit. Und für Lektorat (das Wolfgang Tischer zu Recht sehr wichtig findet) und andere Dienstleistungen gibt Dienstleister. Inwieweit diese kompetent, engagiert und seriös sind, das steht natürlich auf einem anderen Blatt. Es gibt in diesem Bereich genauso viele schwarze Schafe, wie in anderswo. Bei mir bekommen Autoren grundsätzlich ein kostenloses Probelektorat, und Honorar fließt erst nach getaner Arbeit.

Kommentar zu diesem Beitrag schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. Lesen mit Links verlinkte am 4. Juni 2013 um 22:10 Uhr

    […] in allen Feuilletons diskutierten Pecha-Kucha-Vortrags aus Hildesheim geht (der an dieser Stelle allein als Text nachpubliziert […]

  2. Der Zeitschriften-Verlag als Dienstleister – ein Gedankenexperiment - Lousy Pennies verlinkte am 18. Juni 2013 um 09:05 Uhr

    […] Neulich im Literaturcafé. Der designierte Geschäftsführer des Hanser-Verlags Jo Lendle spricht mir aus der Seele, als er sagt: […]

  3. Auf Mission für digitale Literatur: Nikola Richter | Blog der Frankfurter Buchmesse verlinkte am 27. September 2013 um 15:07 Uhr

    […] leisten.“ Gegenüber dem Verständnis von Verlagen als Dienstleistern, wie es der künftige Hanser-Verleger Jo Lendle jüngst in einem Vortrag zum Ausdruck brachte, klingt Richter mit ihrem gesellschaftlichen Anspruch erfrischend […]

  4. | Reflektiert.com - Analysen, Kommentare, Diskussionen zu Internet und Gesellschaft verlinkte am 7. Oktober 2013 um 00:06 Uhr

    […] Den ganzen Vortrag könnt ihr im literaturcafe.de nachlesen. […]

  5. Ich sah das Haar von Boris Becker | Deutschlandradio Kultur Blog verlinkte am 10. Oktober 2013 um 20:20 Uhr

    […] am Stand von Bastei Lübbe, Wolfgang Herles im Gespräch mit dem kommenden Hanser Verleger Jo Lendle, Terézia Mora liest am Stand des Deutschlandradios. Ich bin erstaunt, wie gut sie das macht. Bei […]

  6. Jo Lendle: Die Virenschleuder in der Schwergewichtsklasse der deutschen Verlagslandschaft - Virenschleuder-Preis #vsp14 verlinkte am 12. September 2014 um 14:53 Uhr

    […] und seine Zuhörer, ob es künftig überhaupt noch so etwas wie Verlage im alten Sinn geben wird. Lendles Position war klar. Er rechne damit, dass sich die literarische Öffentlichkeit und der Markt für Literatur […]