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Beitrag vom 25. Dezember 2012 | Rubrik: E-Books, Schreiben, Self-Publishing

Jahresrückblick Self-Publishing: Zahlen, Fakten und Gerüchte 2012

Fake-Rezension bei amazon.deXander Morus gehört nicht zu den Selfpublishern, die ganz oben in Amazons Kindle-Bestsellerliste stehen. Und dennoch verkauft er seine selbstverlegten E-Books stetig und mit Erfolg. Von seinen Erfahrungen hat Xander Morus in diesem Jahr in zwei Beiträgen für das literaturcafe.de berichtet, die auf großes Interesse stießen.

Kurz vor Jahresende wirft der Autor von Horrorgeschichten und Thrillern einen ganz persönlichen Blick auf die Selfpublishing-Szene und wie der Kampf der Selbstverleger um die begehrten Bestsellerränge immer härter wird.

Januar

Im Januar lähmen mich die monströsen Zahlen des Weihnachtsgeschäfts. Sie schwemmen unter anderem einen Kindle mit 3G-Anschluss, finanziert allein durch meine E-Book-Verkäufe, in meinen Briefkasten. Das Jahr beginnt auffällig gut und Amazon hält sein Versprechen, kein Strohfeuer mit dem Kindle gezündet zu haben. Noch ist der Kindle ein Geheimtipp, aber meine Zahlen steigen im ersten Quartal des Jahres stetig an. Es gibt zwar einen Knick im späten Frühjahr, bevor der Sommer durchstartet, aber sie fallen nie unter Vorjahresniveau.

Hier die Übersicht:

Verkaufszahlen der E-Books von Xander Morus 2012

E-Book-Verkäufe von Xander Morus im Jahre 2012 (Stand: 21. Dezember 2012)

Insgesamt habe ich bis zum 22. Dezember 2012 3.796 E-Books verkauft. Statisch gesehen mindestens zehn am Tag. Fühlt sich gut an.

In diesem Jahr ändert Amazon viel und der Buchmarkt ist endgültig nicht mehr so wie zuvor.

Februar

Im Februar veröffentliche ich Zeit der Zombies 1. Erstmals ein Titel ohne Gratispromotion und ich verkaufe in den nächsten Monaten stetig etwa 100 Stück.

Ein zweites Buch Alternatives Ende in LA wird mir fast zum Verhängnis. Die verfluchten Fehler. Mea Culpa. Langsam spricht sich herum, dass in selbst publizierten Büchern zu viele Rechtschreibfehler enthalten sind. Ich war keine Ausnahme. Schließlich erhalte ich so katastrophale Kritiken für den Titel, dass ich ihn vom Markt nehme. Es kostet mich einen Klick und eine sehr wichtige Einsicht. Liebe deinen Duden.

März – Juni

Zwischen März und Juni veröffentliche ich nichts und lerne erst mal richtig Schreiben. Außerdem tue ich mich mit der Autorin Isabell Schmitt-Egner zusammen, um weitere Titel zu konzipieren.

Juli

Im Juli veröffentlichen wir den Thrillerband Sand und Blut und haben zusammen nun einen ersten kleinen Hit. Da Sand und Blut pro Verkauf zwei Euro bringt, verdienen wir zum ersten Mal mit einem Buch richtig Geld. Wir verkaufen im Laufe des Jahres über 600 Stück. Allein im Juli, dem eigentlichen Schlafmonat des Buchhandels, sind es 466. Das System der Gratispromotion und dem Springen in die Charts nach deren Ablauf funktioniert da noch. Inspiriert von Disneys Lustige Taschenbücher-Sommertiteln bringen wir einen kleinen Nachklapp heraus (Sommer, Sonne & Tod), der ebenfalls ein paar hundert Stück absetzt.

August

Im August schlägt der traditionelle Buchhandel zurück und Shades of Grey dominiert von nun an die Charts. Und Amazon scheint Veränderungen am System durchzunehmen. Zum Beispiel stürzt Sand und Blut innerhalb eines Monats ab. Recherchen ergeben, dass der Titel nicht mehr bei anderen Hits in der »Kauften auch«-Leiste erscheint. Er ist also weniger sichtbar. Aber im August machen wir dafür die Entdeckung des Jahres. Es ist: Das Printbuch.

Amazons Programm CreateSpace bietet es an, seine Bücher als Print on Demand drucken zu lassen. Und erste Tests zeigen, dass das Programm einfacher, flexibler und vor allem günstiger ist als alle anderen PoD-Anbieter am Markt.

Noch ist es nur in Englisch verfügbar. Aber natürlich kann man deutsche Texte drucken lassen. Meine Autorenkollegin Isabell Schmitt-Egner, die intensive Erfahrung mit BOD hat, testet das Programm zunächst zögerlich. Doch die Ergebnisse überraschen uns beide. Bücher, die bei BOD-Anbietern zehn Euro kosten, kann man bei Amazon für sieben Euro verkaufen. Und der Gewinn pro Buch ist der gleiche. CreateSpace ist also ein echter Geheimtipp. Der einzige Nachteil: Man muss die Silbentrennung im Buch per Hand vornehmen, da das System deutsche Texte nicht automatisch zu lesen scheint. Dennoch, die Druckqualität steht anderen Anbietern in nichts nach. Man sollte aber Erfahrung mit dem Erstellen solcher Vorlagedateien haben. Wir bringen also unsere beiden Titel als CreateSpace-Bücher heraus und verkaufen tatsächlich eine Handvoll. Ich bin jetzt also auch stolzer Papierbuchautor. Aber das ist mir natürlich vollkommen egal, denn als Akademiker bin ich nur am Text interessiert und nicht am Medium (hüstel).

Nachdem wir das System richtig verstanden haben, veröffentlicht Isabell Schmitt-Egner vier weitere Bücher bei CreateSpace. Darunter der Thriller Follower, der sich gerade in der Vorweihnachtszeit hervorragend verkauft. Diese Entscheidung geht aber einher mit einem ersten unternehmerischen Risiko: Um die Bücher ihrer Fantasy-Reihe Sam aus dem Meer als CreateSpace-Titel veröffentlichen zu können, muss sie sich bei BOD freikaufen. Mit dreihundert Euro pro Titel. Wir überlegen, ob sich das lohnt und riskieren es dann. Der Freikauf verläuft reibungslos und wenige Wochen später sind die Bücher bei CreateSpace. Das Geld wird allein durch die E-Books innerhalb eines Monats eingespielt.

September

Im September löse ich fast alle meine Titel aus dem KDP-Select-Programm, um sie auch bei anderen Plattformen zu veröffentlichen. Ich versuche Kobo. Das Positive: Formatieren und Hochladen der Titel ist so leicht wie bei Amazon. Die Webseite ist visuell anspruchsvoll und doch bedienerfreundlich gestaltet. Kobo ist, wie man auch in amerikanischen Foren lesen kann, ein kompetenter und interessanter Anbieter. Man könnte ihn den Mercedes unter den Readern nennen.

Ich bin froher Hoffnung, doch dann schlägt die Realität zu: Die Verkäufe auf Kobo sind marginal. Es kommen ein paar Cents zusammen. Dennoch warte ich noch ab, denn das Kindle-Select-Programm soll ja eigentlich Ausleihen ermöglichen. Diese finden aber in Deutschland noch nicht statt.

Unsere Einnahmen stagnieren derweil und wir können nur spekulieren, dass es etwas mit den Sommerferien zu tun haben muss. Die Erfahrung zeigt: Im Sommer wird viel ausgegeben, sodass im Herbst erst mal gespart wird. Und natürlich macht der traditionelle Buchhandel uns einen kräftigen Strich durch die Rechnung. Viele neue Titel erscheinen und die Buchmesse ist ein paar Tage und Wochen danach »Talk-of-the-Town«. Naja.

Oktober

Als hätte Amazon es geahnt, startet im Oktober das KOLL-Pogramm. Ich bekomme davon zunächst nichts mit, denn meine Titel sind ja nicht mehr als Ausleihe verfügbar. Doch dann berichtet mir Isabell Schmitt-Egner, dass die Ausleihen anziehen. Und wir finden heraus, dass es 1,70 Euro pro Ausleihe gibt. Noch warte ich und gebe Kobo eine Chance. Stattdessen nehme ich am Ausleihprogramm als Kunde teil und freue mich über ein Buch im Monat kostenlos. Und hier gibt es das erste Missverständnis. Man kann tatsächlich nur ein Buch pro Monat ausleihen. Man kann es nicht zurückgeben und ein neues leihen, bevor der Kalendermonat vorbei ist. Ich leihe mir einen Roman aus, aber Isabell berichtet, dass sogar ihre Kurzgeschichten ausgeliehen werden. Die Leser wissen nicht, dass wir an den Ausleihen mehr verdienen als an den Verkäufen. Wie lange bleibe ich noch bei Kobo, frage ich mich?

99 Cent war einmal

Die nächste Entwicklung zeichnet sich ab. In den Charts dominieren plötzlich teurere Titel. Es gibt kaum noch die 99-Cent-Hits. Was ist passiert? Man kann es nur vermuten, aber es scheint, dass Amazon die Berechnungsroutine für die Charts erneut modifiziert hat. Es wird schwieriger, mit 99 Cent in die Charts zu kommen. Die Botschaft ist klar. In den Charts soll es nicht nach Ramschladen aussehen. Das heißt für uns, dass wir uns nicht mehr auf Kurzgeschichten konzentrieren, sondern längere Titel (Romane) anbieten wollen. Aber schreiben Sie mal eben einen Roman. Es gelingt mir nicht, da ich beruflich im September und Oktober zu viel zu tun habe. Aber Schmitt-Egner schreibt ihren Roman Follower, einen Thriller. Wir warten hoffnungsvoll auf die Zahlen und die Zahlen gehen ab. Verkäufe und Ausleihen springen schnell in dreistellige Bereiche. Ich entscheide mich, meine Titel wieder bei Select anzumelden. Ab November bin ich amazon-only. Und dann beginnt:

Der geheime Krieg der Selfpublisher

Manche Titel schaffen es rätselhaft schnell an die Spitze der Charts. Und es tauchen die ersten eindeutigen Tags auf: »Rezensionsfälschungen«. Was ich im Sommer schon bei literaturcafe.de beschrieb, dass Autoren ihre Titel nämlich mit Freundschaftsrezensionen pushen, scheint nicht als Warnung, sondern als Rat verstanden worden zu sein. Man kann sich vorstellen, wie schockiert ich war, als ich erkennen musste, so katastrophal missverstanden worden zu sein. Selfpublisher-Titel sammeln dreizeilige Rezensionen, die wie Sprechblasen klingen: »super spannend, konnte gar nicht mehr aufhören, einfach nur spannend.«

Hier wird eine naive Stimme simuliert, die spontan ihrer Begeisterung Ausdruck verleiht. Sehr clever. Guerilla-Marketing für Dummies.

Man lernt: spannend ist dem Amateurezensenten sein Synonym für gelungen-kauf dir das mal. Es gibt Gerüchte, dass Autoren ihre Titel in Foren vorstellen und sich gegenseitig hochkaufen. Ich kann dies alles nicht beurteilen, da ich mich kaum im Netz tummele. Stattdessen muss ich Amazon nur mal wieder gratulieren … denn meine Ausleihen nehmen zu: Ich verdiene an Kurzgeschichten plötzlich nicht mehr nur 0,34 Cent, sondern jetzt auch 1,70. Und es macht sich in der Überweisung bemerkbar.

Aber der Fakerezensionensturm nimmt ein natürliches Ende. Amazon scheint einen Filter einzubauen, der verhindert, dass man eigene Bücher oder Bücher von Freunden rezensiert. Empörung brandet auf … Big Brother Amazon. Es heißt, wenn man eine ähnliche Adresse wie der Autor hat, geht die Rezi nicht mehr durch. Das kann ich bestätigen, allerdings hält sich meine Empörung in Grenzen: Wieso sollte sich ein Händler auf der Nase rumtanzen lassen und zulassen, dass Autoren die eigenen Bücher rezensieren? Es war doch klar, dass das früher oder später abgeschafft wird. Als Kunde begrüße ich das, denn ich habe wie viele auch schon angefangen, den Fünf-Sterne-Rezis nicht mehr zu vertrauen. Als Autor akzeptiere ich es, denn mit Tricks lässt man Funken sprühen, macht aber kein wärmendes Feuer an.

Dennoch wird der Krieg unter den Selfpublishern härter. Die Rezension als Waffe wird oft und gern eingesetzt, um Titel zu erden (euphemistisch ausgedrückt). Möglicherweise sollten Autoren bestimmter Genres in diesem Genre gar keine Rezensionen mehr verfassen können. Denn sind wir ehrlich: Schreiben wir Geschichten oder schreiben wir Besprechungen?

November

Im November gibt es einen neuen Trick. Anscheinend werden die Tags (Schlagwörter) jetzt funktionell und nicht beschreibend eingesetzt. Das System ist einfach, aber effektiv: Man tagt einen Hit (z. B. Der siebte Tag) mit einem neutralen Tag; in diesem Beispiel: »andere spannende Kindle- Bücher«. Dieser Tag wird jetzt auf das eigene Buch gesetzt und schon ist die Verbindung mit dem Bestseller hergestellt. Der Trick dabei ist, dass der Tag einmalig sein muss: »Thriller« macht natürlich keinen Sinn, da zu viele Bücher diesen Tag tragen.

Die Lektion ist verblüffend und doch bekannt: das Leben findet immer einen Weg. Sind Preisrezensionen nicht mehr möglich, dann wird kreativ mit den Tags gearbeitet.

Im November scheint sich auch anzudeuten, dass das Springen nach einigen Promo-Tagen in die offiziellen Charts nicht mehr automatisiert ist. Gratisaktion und garantierter Gewinn sind kein Selbstläufer mehr. Auch hier kann man nur vermuten, dass Amazon das System anpasst.

Andere Autoren freuen sich inzwischen nicht mehr nur über Fünf-Sterne-Rezis, weil es sich rumgesprochen hat, dass es Gefallen sind. Bis sich das wieder einpendelt, wird einige Zeit vergehen.

Dezember

Im Dezember freuen sich alle auf das Weihnachtsgeschäft. Und es gibt einen echten Skandal: Hollunder Küsschen von Martina Gercke könnte ein Plagiat sein. Ob dies so ist oder nicht, kann hier nicht beantwortet werden. Aber viel interessanter ist der Umgang mit der Affäre. Die nächste Lehre: Anders als in der Politik, wo sich Gremien zusammensetzen und Untersuchungsschüsse gebildet werden, wo man Pressekonferenzen abhält, geht es, wenn es um Geld statt um Parteikarrieren geht, ganz schnell. Von Heute auf Morgen verschwindet der Titel bei Amazon. Es ist, als hätte er nie existiert.

Und wenn das kein hervorragendes Manöver ist, dann weiß ich nicht, was eines sein soll:

In den Tagen als der Skandal in einigen Blogs thematisiert wird, erscheint der nächste Self-Publisher Star am Horizont. Und zwar im Magazin Stern: Nika Lubitsch. Frappierenderweise optisch und inhaltlich das Gegenstück von Martina Gercke. Ein weiblicher Sherlock Holmes, der am liebsten anonym bleiben will und Thriller schreibt. In dieser Nebelbombe konnte Martina Gercke verschwinden und es sei ihr gegönnt. Ob es ein Plagiat ist oder nicht; es gibt nur ein Wort, das einem zu diesem Fall einfällt. Wenn man die Vergleichsliste studiert und sich dabei Martina Gerckes offenes und sympathetisches Auftreten vor Augen hält, bekommt man es tatsächlich nicht zusammen: Es ist einfach nur verstörend.

Möge sie aus einem guten Gedächtnis abgeschrieben und gedacht haben, es sei ihr Einfall. So etwas ist verzeihlich.

Jetzt beginnt das Weihnachtsgeschäft. Und alle wissen: Es wird krachen. Und nicht nur zu Weihnachten. Denn viele Paperwhites werden erst im Februar ausgeliefert. Es wäre interessant zu wissen, wie viele Paperwhites produziert wurden. Meiner ist übrigens auch dabei. Anfang Februar werden die Verkäufe noch einmal steigen, das ist so sicher wie das Folgende:

Wenn wir uns die Zahlen in den nächsten Tagen ansehen, werden wir Selfpublisher alle nur eines denken: Wir müssen mehr schreiben.

Xander Morus

Sommer, Sonne & Tod : Ferien-Schocker von Isabell Schmitt-Egner und Xander MorusXander Morus ist das Pseudonym eines Universitätsangestellten aus Bayern. Er schreibt mit Vorliebe Horror-und Thrillergeschichten, liebt bayerisches Bier, H.P. Lovecraft und Youtube-Videos von alten Computerspielen.
Zuletzt erschien sein Buch »Sommer, Sonne & Tod : Ferien-Schocker« (zusammen mit Isabell Schmitt-Egner.

Die Bücher von Xander Morus bei amazon.de »

17 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Muriel schrieb am 25. Dezember 2012 um 16:49 Uhr

    Hm.
    Jetzt hab ich doch wieder mehr Lust, auch mal ein eigenes Werk zu amazonieren.
    Bisher konnte ich mich nicht dazu durchringen, weil ich auch zweifle, ob man seine Bücher als völlig unbekannter Autor vernünftig vermarktet kriegt.

  2. Eva Jancak schrieb am 25. Dezember 2012 um 17:17 Uhr

    Was mich bei all diesen Erfolgsgeschichten ein wenig mißtrauisch macht, ist die Frage, wer soll das alles lesen, auf die ich keine Antwort habe. Die Zahl der Leser geht zurück höre ich allethalben, Leute wollen keine Bücher geschenkt war anläßlich dieser Gratisaktion zum Welttag des Buches im Literaturcafe zu lesen, die Zahl der sekundären Analphabeten steigt, weil sich die Leute für etwas anderes als Lesen interessieren, der Buchhandel stöhnt und dann kommen die Selbstpublisher und berichten von ihren Erfolgsstorys und meinen die Leute würden sich ihre 0.99 und 2.99 Bücher wild herunterladen, so daß sie an den Verkäufen viel viel Gedl verdienen.
    Werden diese Horrorgeschichten, Chicklits, Krimis, etc, die es da plötzlich wie die Schwammerl gibt, wirklich alle gelesen? Wolfgang Tischer hat sich geoutet, er würde Martina Gercke nicht lesen. Interessant, daß sich die Leser jetzt alle mit Begeisterung auf das Selbstgemachte, das früher doch so verpönt war, stürzen. So ganz kann ich es zwar nicht glauben und bin nicht so ganz sicher, ob das nicht vielleicht, wie bei des Kaisers neue Kleider ist, verstehe aber, daß offensichtlich viele Leute schreiben und finde das auch schön.
    Ich tu das auch und mache meine Bücher schon seit über zehn Jahren selbst und gebe sie auf meinen Blog bekannt. Da kann ich von diesen Erfolgsgeschichten nichts bemerken. Ich lese sehr viel, hauptsächlich Gedrucktes, das ich in den offenen Bücherkästen finde, mein Leseverhalten hat sich eindeutig gesteigert, von den E-Books höre ich aber nur über die Blogberichte. Spannend, spannend, wenn die Leute, weil es jetzt die Selbstpuplisher gibt, wirklich mehr lesen bzw. verrückt auf das Selbstgemachte sind. Ich werde die Berichte weiter verfolgen.

  3. Isautor schrieb am 25. Dezember 2012 um 17:39 Uhr

    Ich glaube, dass durch dieses neue Medium des Ebooks viele neue Leser hinzukommen, die vielleicht vorher Büchermuffel waren. Plötzlich lesen Schüler auf dem Handy im Schulbus oder man lädt sich im Zug eine Geschichte auf denn Kindle. Das gleicht den Leserrückgang mehr als aus.

  4. XM schrieb am 25. Dezember 2012 um 18:10 Uhr

    Ich habe ja die Theorie, dass meine Zombiegeschichten im Web als freie Texte in Foren kaum so viele Leser erzielen würden. Wir wollen etwas haben, das Geld kostet.

    Ob wir das auch bezahlen wollen, ist eine andere Frage, die zurzeit ja auch heftig diskutiert wird …

  5. Marcus Häuptner schrieb am 26. Dezember 2012 um 15:41 Uhr

    Ich bin der Meinung, dass eBook ein tolles Medium für bestimmte Bereiche ist (ein Kochbuch/Fotofachbuch) würde ich allerdings nie als eBook lesen ;-)
    Inzwischen habe ich mich selber an das Medium herangewagt und heute meinen ersten Reiseführer als eBook veröffentlicht. Ich denke, dass gerade der Reisemarkt interessant ist, weil man so das Gewicht, das man mitschleppt gering halten kann.
    Was den zusätzlichen Reitz am Lesen mit einem eBook ausmacht, kann ich zwar nicht erklären….allerdings hat meine Frau früher so gut wie gar nicht gelesen (lecihte Legasthenie, die ihr den Spass am lesen vermießte), verschlingt jedoch seit Kindle ein Buch nach dem anderen!

  6. Mareike schrieb am 26. Dezember 2012 um 20:22 Uhr

    Was mich erschrickt ist die völlig Naivität und unkritische Haltung, die hier Amazon und all seinen Geschäftsmodellen entgegengebracht wird. Da wird nur nach dem eigenen Verdienst gefragt (die Qualität der Literatur wird ohnehin nicht thematisiert), aber dass Amazon permanent vom Staat dicke Kohle kassiert, Leute über die Jobcenter bestellt und rechtzeitig wieder entlässt, dass Amazons Geschäftsmodelle auf dictatorship hinauslaufen und unzählige Buchhandlungen samt dazugehöriger Existenzen kaputtmachen – dass all das nicht mal im Ansatz erwähnt wird, macht mich traurig. Mag sein, dass Herr Morus und Co. ordentlich mit ihren Büchern verdienen, aber so kritiklos und unrefkeltiert wie sie sich hier präsentieren, sind sie für mich einfach nur peinlich.

  7. Mareike schrieb am 26. Dezember 2012 um 20:24 Uhr

    Nachtrag: Nicht mehr schreiben, sondern mehr nachdenken und die eigene Position bzw. die der Geschäftspartner reflektieren, das wäre wichtig und nötig!

  8. XM schrieb am 26. Dezember 2012 um 20:57 Uhr

    Der Artikel ist eigentlich schon ziemlich kritisch. Ich gehe auch noch gerne in Buchhandlungen und kaufe dort auch die Bücher. Aber manchmal gebe ich auch Nika Lubitsch recht, die sagte: (Ungefähres Zitat)
    “Ich kaufe seit dreißig Jahren bei mir um die Ecke Bücher und immer, wenn ich nach einer Quittung frage, belehren sie mich, dass ich Bücher von der Steuer nicht absetzen kann. Jedes Mal sage ich: ich bin Autor, ich kann das. Aber ich werde nie gefragt, was ich schreibe … ” In der Servicewüste Deutschland hat es Amazon vielleicht deshalb auch ein bisschen leicht, positiv aufzufallen.

    Ach ja, “den Geschäftspartner reflektieren” … mhmmm, ich habe etliche Verlage und Produzenten in den letzten Jahren “reflektiert” und Amazon ist der einzige, der mir regelmäßig antwortet, meine Sachen ins Programm nimmt und mir jeden Monat Geld überweist. Das brauche ich irgendwie nicht mehr groß reflektieren. Mir reicht die Tat.

  9. Amy schrieb am 27. Dezember 2012 um 21:44 Uhr

    Rückblickend gibt es einen Autor, der das Wort Spannend zum Unwort des Jahres 2012 gemacht hat. Einfach nur schade, wie der Herr dafür sorgt, dass der Ruf der Indies noch schlechter wird. Und es gibt wirklich genug Indies, die seriös und ordentlich arbeiten.

  10. Theodor Symon schrieb am 28. Dezember 2012 um 05:42 Uhr

    Vielen Dank, liebe Kollegen, ein sehr aufschlussreicher Aufsatz.

  11. Irene schrieb am 29. Dezember 2012 um 16:59 Uhr

    Mareike, moralische Vorhaltungen werden den Buchhandel nicht retten. Wer sich für fairen Konsum interessiert, kauft ohnehin im Laden um die Ecke ein. Du kannst aber gern einen E-Book-Shop gründen, der mit der kleinen Buchhandlung um die Ecke kooperiert und auf das Epub-Format setzt.

    (Hast du schon deinen Briefkasten zugenagelt? Bei den Briefzustellern der Post sinken die Einstiegsgehälter, viele werden ohnehin nur befristet eingestellt, damit der Aufstieg in die nächste Gehaltsstufe umgangen werden kann, und sowas muss man ja nicht unterstützen.)

  12. Muriel schrieb am 29. Dezember 2012 um 17:07 Uhr

    @Irene: Du findest es unfair, bei Amazon zu bestellen, und wer das tut, hat in deinen Augen eben kein Interesse an Fairness?
    Oder missverstehe ich dich da?

  13. Frank Rawel schrieb am 31. Dezember 2012 um 13:08 Uhr

    Ein interessantes, verhängsnisvolles Suchtmittel für self publisher ist wohl das amazon- Ranking, das auf ganz wenig Verkauf mit ganz großen Rankingsprüngen reagiert. Dann schwebt man wieder erbarmungslos auf den Meeresgrund zurück. Dort ist gar nichts mehr zu finden, weil sich so weit natürlich kein Leser durchzappt.
    Das Schöne an Buchhandlungen aber war/ist, dass Buchhändler Bücher ausgewählt präsentieren können.
    Aber sind etwa Createspace-Bücher in Buchhandlungen überhaupt zu finden? Wie kommen sie dahin? Wie ist das mit Rezensionsexemplaren? Welcher Rezensent bespricht selbst publizierte Bücher?
    Wenn am Ende den anschwellenden Scharen an AutorInnen nur der Kampf ums Ranking bleibt, wird bald nur noch Grelles, Massenkompatibles in der Wahrnehmungszone sichtbar sein. Alles jenseits der sagen wir mal Top1000 hat keine Chance und schmückt nur die Bestandszahlen von amazon.

  14. Xm schrieb am 31. Dezember 2012 um 20:04 Uhr

    Sehr guter kommentar. Es gibt keine rezenensionsexemplare bei create space, ebenso sind die bücher nicht in den buchhandlungen. Es ist eine ganz neue publikationsform. Es ist richtig, dass eher grelle sachen in die charts kommen. Unterschätzen Sie aber nicht den Ehrgeiz vieler Autoren. wenn man sich etwas etabliert hat, kann man auch experimente wagen.

  15. Irene schrieb am 1. Januar 2013 um 00:56 Uhr

    Muriel, ich bezog mich doch auf die von Mareike vertretenen Werte: Wer die Buchhandlung um die Ecke sehr wichtig findet, muss nicht mittels Belehrungen dazu gebracht werden, dort zu kaufen. (Dass du Jurist bist, bedeutet nicht, dass überall ein Gerichtssaal ist.)

    Frank: Bei Hugendubel wählen mittlerweile nicht mehr die lokalen Buchhändler direkt aus, was dort im Regal steht, sondern es gibt ein zentrales Warenwirschaftssystem, das von überall mit Bestelldaten gefüttert wird. Und welche Bücher sich im Eingangsbereich und auf Sondertischen der Buchketten stapeln, hängt sowieso davon ab, wer dafür bezahlt.

  16. Suromi schrieb am 26. April 2013 um 16:08 Uhr

    Soweit ich das mitbekommen habe, ist Holunderküsschen nicht einfach so verschwunden. Die Verlage (bzw. zu erst ja nur ein Verlag) der pagiierten Bücher (auch hier erst nur eins) haben sich eingeschaltet…

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  1. Bela Boltens Indie-Krimis « Literaturgefluester verlinkte am 2. Januar 2013 um 16:23 Uhr

    [...] geschrieben hat, berichtet in seinem Literaturcafe viel davon und hat erst jetzt wieder einen Jahresrückblick, in dem Xander Morus ein Horror und Thrillerschreiber von seinen monatlichen Verkäufen, den Fallen, Erfolgen und Schwierigkeiten des Kindle direkt [...]

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