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Beitrag vom 16. Dezember 2012 | Rubrik: Notizen

Das Netz 2012: Netzpolitischer Jahresrückblick mit bunten Bildern

Von iRights organisierte Diskussion auf der Buchmesse 2012 zum Thema Urheberrecht mit Rowohlt-Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff, Matthias Spielkamp (iRights) und Sascha LoboErinnern Sie sich noch? Damals. Als man oftmals polemisch und voller Angst übers Urheberrecht »diskutierte«?

Ja, es war erst in diesem Jahr gewesen – und scheint bereits wieder vergessen. Aber das Thema ist nicht vom Tisch.

»Das Netz 2012« fasst die wichtigsten netzpolitischen Diskussionen als buntes Magazin zusammen. Gleichzeitig ist es die erste Publikation des neuen iRights media Verlags.

iRights ist eine private Initiative von Journalisten und Juristen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Licht ins Dunkel der Netzpolitik zu bringen. Die politischen Umtriebe auf diesem Gebiet, oftmals initiiert durch Lobbyvertreter der Wirtschaft, haben großen Einfluss auf uns alle und auf das, was wir unter dem Begriff »Internet« verstehen, und wie wir es künftig nutzen oder nutzen können. Themen, die für die breite Öffentlichkeit oftmals reichlich dröge und uninteressant scheinen und die sich dennoch negativ auf jeden Einzelnen auswirken könnten.

iRights will hier weitgehend neutral informieren, wobei man sich im Zweifelsfall immer auf die Seite der Nutzer und Verbraucher schlägt, die keine Lobby haben. iRights setzt staatlich geförderte Projekte um, betreibt mit iRights.info ein Info-Portal für netzpolitische Themen mit Schwerpunkt Urheberrecht und berät Politik und Wirtschaft, was freilich ein gewisser Balanceakt ist.

Und dennoch hat beispielsweise der Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, dessen Vertreter von iRights-Mitinitiator Matthias Spielkamp auf den diesjährigen Buchtagen in Berlin heftig kritisiert wurden, iRights mit der Organisation einer Diskussionsveranstaltung auf der Buchmesse zum Thema Urheberrecht beauftragt. Der Dialog scheint also in Gang zu kommen.

Das Netz 2012 – Jahresrückblick NetzpolitikZum Jahresende hat iRights einen eigenen Verlag gegründet, und die erste Publikation »Das Netz 2012« ist mehr Magazin als Buch und bietet einen Überblick über die netzpolitischen Themen und Diskussionen des Jahres 2012. Einige der Beiträge waren und sind bereits an anderen Orten zu lesen gewesen. Vieles davon sind Berichte und Essays, es finden sich aber auch in Interviews und Reden im Heft, wie etwa die des ehemaligen ZEIT-Online-Chefs Wolfgang Blau über das Urheber- und Leistungsschutzrecht.

Neben der gedruckten magazinartigen Form mit vielen großen bunten Bildern gibt es eine rein digitale E-Book-Version, die nur ein Drittel kostet und zur Archivierung vollauf genügt, auch wenn der Versuch ehrenwert ist, das graue Thema aufzuhübschen.

Für jeden Monat existiert eine kalendarische Zeitstrahlübersicht der wichtigsten Ereignisse, anschließen widmen sich ausführlichere Beiträge einzelnen Themen etwas näher. Man muss »etwas« sagen, denn die Publikation erklärt nicht, was das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ist bzw. sein soll oder was sich hinter dem Kürzel ACTA verbirgt. Das Wissen darüber wird vorausgesetzt oder man muss googeln, sodass man »Das Netz 2012« nicht unbedingt seinen Eltern oder Freunden schenken kann, die von all diesen Begriffen noch nichts gehört haben. »Das Netz 2012« dient vielmehr als professionell aufbereitete und ansprechend gestaltete Gedankenstütze für die, denen die Themen nicht ganz fremd sind, und unternimmt den journalistischen Versuch, einige der oft aufgeheizten und dann doch viel zu schnell abgeebbten Diskussionen mit Abstand zu betrachten. Dennoch hätte ein kleines Glossar der Publikation gut getan.

Denn es ist wichtiger denn je, dass netzpolitische Themen nicht nur im Netz selbst diskutiert werden, da sie alle Menschen betreffen, wenn beispielsweise unter dem Vorwand des »Urheberschutzes« eine Überwachungsinfrastruktur aufgebaut wird oder Gesetze wie das Leistungsschutzrecht nicht aus tatsächlicher Notwendigkeit, sondern nur zum vermeintlichen Schutz mächtiger Interessengruppen geschaffen werden.

Das Netz 2012 ist ein guter Ansatz. Gewohnt unaufgeregt werden die Themen behandelt.

Vielleicht sollten netzpolitisch Interessierte das Heft in gedruckter Form dennoch Menschen in die Hand geben, die im Netz nicht oder selten unterwegs sind oder zu 90% Facebook nutzen. Die optisch ansprechende Aufmachung mag zum Lesen der Texte verführen und die Diskussion erleichtern, denn es wird auch 2013 wichtiger denn je, dass netzpolitische Themen und ihre Auswirkungen von der breiten Masse ähnlich wahrgenommen werden wie der Kampf um den Euro: Wirklich verstehen, können das Thema vermutlich nur Experten, und dennoch haben wir alle eine Vorstellung davon, was es für uns bedeutet.

iRights Media: Das Netz 2012 – Jahresrückblick Netzpolitik. Taschenbuch. 2012. iRights Media. ISBN/EAN: 9783944362007. EUR 14,90
Philipp Otto, iRights Media: Das Netz 2012 – Jahresrückblick Netzpolitik. Kindle Edition. 2012. iRights Media (Herunterladen bei Amazon.de)

Weitere Infos, Bestellmöglichkeit in Papierform und Leseprobe bei iRights »

2 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Sarah schrieb am 16. Dezember 2012 um 21:32 Uhr

    Ja, es ist anno 2012 wieder viel geredet worden, besonders über das Urheberrecht und seine Reformiernotwendigkeit. Aber was haben die Autoren Konkretes getan, die Magazine und Verlage? Leider nur wenig, wie ich finde. Aber es gibt Ausnahmen. Deshalb hier mal mein kleiner persönlicher Jahresrückblick in Form einer kleinen Top 3.

    Besonders gelungen fand ich die Ausgabe Nr. 59 der Literaturzeitschrift “Edit”, die Anfang des Jahres einen großen Essaypreis ausgelobt hatte und wenige Monate später die beeindruckenden Ergebnisse nicht nur im Heft publizierte, sondern frei für alle ins Netz stellte, nämlich hier- http://www.editonline.de/hefte-bestellen/?59

    Sehr schön auch die Initiative von Fabian Neidhardt, Bücher, mit Creative Commons lizenziert sind, einzusprechen und sie so weiter zu verbreiten. http://wasmitbuechern.de/index.php/2012/12/13/fabian-neidhardt/

    Und im Commonsblog von Silke Helfrich erfuhr man schließlich sogar von einem hochgelobten Roman namens “XO”, der komplett unter einer CC-Lizenz veröffentlicht wurde. https://commonsblog.wordpress.com/2012/07/04/xo-literatisch-besonderes-unter-creative-commons-lizenz/

    Hoffen wir, dass es anno 2013 weniger Diskussionsrunden und mehr konkrete Projekte gibt, in denen Autoren, Zeitschriften und Verlage neue Wege im konkreten Beschreiten erforschen.

  2. Max Stern schrieb am 21. Februar 2013 um 09:30 Uhr

    Wer genau ließ, der findet auf Seite 30 in der Printversion des Jahresrückblickes von iRights.meida sehr wohl einen Artikel, der gleich am Anfang das Kürzel ACTA aufgreift und es vollständigt ausschreibt. Danach wird es sogleich erklärt! UNd es finden sich die gleichen Informationen, wie sie der Autor dieser Rezension zu Wikipedia verlinkt hat. “DAS NETZT” ist kein Magazin nur für die, die sich ohnehin schon auskenn, Auch der, für den diese Thematik neu ist, findet interessante Informationen und einen guten Eistieg in das Innenleben der Netzpolitik.

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