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Buchtipp: »Gargoyle« von Andrew Davidson

Andrew Davidson: Gargoyle»Liebe ist stark wie der Tod« steht hinten auf dem Cover von Andrew Davidsons Roman »Gargoyle«, und ich mache es mir mit dem 574-Seiten-Schmöker gemütlich. Aber nichts da – schon auf den ersten Seiten ist Schluss mit gemütlich, und ich kann die Szene fast sehen – einen drogenbenebelten Ich-Erzähler, seine Flasche Bourbon zwischen den Knien, wie er eine steile Straße entlang fährt. Die Vision brennender Pfeile lässt ihn das Lenkrad herumreißen, und er stürzt eine Böschung hinab. Ich kann hören, wie Flammen sein Fleisch zum Blubbern bringen. Doch dabei bleibt es nicht. Wunderbar bildhaft bringt er mir nahe, was es heißt, einen von Feuer zerstörten Körper wieder einigermaßen lebensfähig zu machen. Unser Autor muss gut bei den Medizinern aufgepasst haben.

Der Erzähler stellt zynisch fest, dass es nun verstümmelt ist, sein einziges Kapital – der perfekte Körper eines erfolgreichen Pornodarstellers, eine Widerlichkeit, über die nur noch die Hände von Krankenschwestern huschen werden wie »die anmutigsten aller Insekten, die sich auf Kot niederlassen«.

Elke Heidenreichs »lesen!« endlich als Podcast

Lesen endlich als PodcastDas Medienecho war gewaltig, als Elke Heidenreich im letzten Jahr verkündete, nach ihrem Rauswurf beim ZDF ihre Sendung »lesen!« im Internet fortzuführen. Es war obendrein die beste PR- und Werbekampagne zum Start der Literatur-Website litCOLONY.de, mit der die Veranstalter des Kölner Literaturfestivals lit.COLOGNE dessen Erfolg auch im Web fortsetzen wollten. Aufgrund persönlicher Beziehungen konnte man Elke Heidenreich als Zugpferd gewinnen.

Doch jeden Kenner der aktuellen Web-Landschaft erstaunte es, wie sehr man sich mit diesem Literaturportal einmauerte und nichts nach draußen gab. Die Sendung »lesen!« sollte offenbar nur auf der litCOLONY-Website betrachtet werden, ein Einbetten des Videos in andere Websites war zwar möglich, wurde jedoch im Gegensatz zu YouTube nicht groß beworben. Offenbar lebte man im Glauben vergangener Web-Zeiten, dass es nur zählt, Besucher, Klicks und Visits auf die eigene Website zu ziehen, um so Werbeplatz und Bücher zu verkaufen.

Eines der größten Versäumnisse war es daher, die Heidenreichsche Bücher-Dauerwerbesendung nicht als Podcast anzubieten. Einer der Kritikpunkte, die literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer zuletzt in einem Interview mit Deutschlandradio KULTUR hervorhob.

Google und die kleine Raupe Nimmersatt

Die kleine Raupe Nimmersatt bei GoogleVon Zeit zu Zeit, an besonderen Gedenktagen oder Jubiläen, passt Google sein Logo für einen Tag entsprechend an. Auf das Logo kann dann geklickt werden, und es erscheinen die Suchbegriffe zu diesem speziellen Anlass – das können durchaus auch literarische sein. Im August des letzten Jahres feierte man z. B. den 125. Geburtstag von Joachim Ringelnatz.

Heute, am 20. März 2009, ehrt Google ein Kinderbuch, das 1969 erschienen ist und seinen 40 Geburtag feiert: »Die kleine Raupe Nimmersatt« von Eric Carle. »The Very Hungry Caterpillar« lautet der Originaltitel. Die Eltern des US-Autors Eric Carle, der mittlerweile 79 Jahre alt ist, stammten aus Deutschland. Carle selbst studierte an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. Auf der Website von Amazon Deutschland findet sich daher ein Video, in dem Carle auf Deutsch mit schwäbisch-amerikanischem Akzent aus seinem Werk vorliest.

Dass ausgerechnet Daten-Fresser Google die kleine Raupe Nimmersatt in dieser Form würdigt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Carles kleine Raupe verwandelt sich nach ihrer Fressorgie am Ende jedoch in einen wunderschönen Schmettering. Und Google?

Hermann Mensing in Leipzig: Pop Life in Outer Mongolia

Hermann Mensing mit seinem neuen Roman »Pop Life«Der Autor Hermann Mensing war auf der Leipziger Buchmesse 2009, um dort auf der Lesebühne der jungen Verlage aus seinem neuen Roman »Pop Life« vorzulesen. Hier sein Reisebericht.

7:59
Es bleiben knapp zehn Minuten, meinen Zug zu erreichen. Kaum nähert sich der Bus einer Ampel, wird die Ampel rot. Bis zum Bahnhof gibt es noch vier oder fünf Ampeln. Ich bin ich kurz davor, aufzuspringen und die Busfahrerin anzuherrschen, endlich Gas zu geben, Rot zu ignorieren und an Bushaltestellen nicht minutenlang mit geöffneten Türen auf Zusteiger zu warten.

8:35
Als ich in Hamm in den Intercity nach Leipzig steige, wünsche ich mir, dass das Beamen endlich Wirklichkeit wird. Come on, Scotty, aber die Reise in den fernen Osten wird dann doch eine Reise zum Schauen, und das liebe ich, denn wer Objektivität zu seiner Lebensmaxime erklärt, verleugnet, dass es ein Leben vor dem Tod gibt.

Buchbesprechung: Daniel Kehlmanns Roman »Ruhm«

Buchrücken: Daniel Kehlmanns RuhmDaniel Kehlmann hat den Preis der Leipziger Buchmesse 2009 für seinem Roman »Ruhm« nicht erhalten. Damit ging wieder einmal einer der beiden bekannten Buchpreise an ihm vorbei. 2005 war er für »Die Vermessung der Welt« für den erstmals auf der Frankfurter Buchmesse verliehenen Deutschen Buchpreis nominiert, unterlag jedoch damals in der Jury-Gunst Arno Geigers »Es geht uns gut«.

Mit Julia Schoch und  Sibylle Lewitscharoff hatte Kehlmann jedoch starke Konkurrentinnen, und letztere gewann schließlich mit ihrem Roman »Apostoloff« den Preis der Leipziger Buchmesse 2009 in der Kategorie »Belletristik«. Kehlmann profitierte somit auch nicht indirekt von seinen Erfolgen für »Die Vermessung der Welt«.

»Ruhm« war der lang erwartete Nachfolger. Ein Werk, das fast schon automatisch sofort die Bestsellerliste erklomm und derzeit nur aufgrund der aktuellen Vampir-Begeisterung hinter den Bis(s)-Büchern von Stephenie Meyer liegt. Bei Nachfolgewerken von Bestsellern setzt offenbar bei vielen ein automatischer Kaufreflex ein.

Nach dem Amoklauf in Winnenden: Morden mit Goethe, Hesse und Poe?

Im Fachhandel erhältlich: Waffen für den AmoklaufFür Amokläufe gibt es strenge, ungeschriebene Regeln. Diese gelten nicht nur für die Tat selbst, sondern auch für die Reaktionen der Presse, der Politiker, der »Experten« und »der Öffentlichkeit«. Visuell hat sich für einen Amoklauf in den Medien zudem das Bild des langhaarigen weiblichen weinenden Teenys durchgesetzt. Weinende Teenager kostet nach Angaben von w&v zwischen 20 und 100 Euro. Zum Standard gehört mittlerweile auch die Ankündigung der Tat im Internet.

Nach den Ereignissen in Winnenden wird die Schuld erwartungsgemäß bei Computerspielen (»Killerspielen«) gesucht. Dass ein männlicher Jugendlicher Counterstrike auf seinem Rechner hat, dürfte heutzutage mit fast 100%iger Sicherheit der Fall sein.

Dass die modernen Medien schuld sind und dass sie schlimmer eingeschätzt werden als die »alten« Medien davor, ist nichts Neues. Früher galten selbst Bücher als Nahrung für das Böse. Unter dem Titel »Morden mit Goethe, Hesse und Poe?« schrieb Johannes Näumann bereits 2002 über dieses Phänomen einen Artikel für das literaturcafe.de. Anlässlich des Amoklaufs in Winnenden haben wir ihn nochmals durchgelesen und festgestellt, dass man nur den Tatort und den Namen des Täters ändern muss. Jetzt können Sie dies im Artikel sogar selbst mit einem Mausklick erledigen. Der Rest ist auch 7 Jahre danach noch topaktuell.

Der von Hermann Hesse in »Klein und Wagner« beschriebene Amoklauf trug sich übrigens in Degerloch zu. Das ist keine 25 km von Winnenden entfernt. Ein Zufall?

Weiterlesen »Nach dem Amoklauf in Winnenden: Morden mit Goethe, Hesse und Poe?« »

Warum das eBook 2009 einen Hype erlebt, obwohl es 2003 bereits tot war

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SONY PRS-505Im September 2003 stellt die US-amerikanische Buchhandelskette Barnes & Noble den Verkauf von elektronischen Buchdateien – den sogenannten eBooks – ein. Der Betrieb der Plattform lohnt sich nicht mehr. Die Firma Microsoft, die mit dem »Reader« eine Software auf den Markt gebracht hatte, die jahrelang Bestandteil jedes windows-mobile-basierten PDAs war, entwickelt das Programm seit Juni 2003 nicht mehr weiter. Der eBook-Pionier Gemstar, der seinerzeit das Lesen von eBooks auf dem sogenannten RocketBook revolutionieren wollte, stellt ebenfalls 2003 den Verkauf der Geräte ein.

Das eBook war 2003 tot. Der Hype ums Lesen auf batteriebetriebenen Geräten war kurz nach der Jahrtausendwende beendet. Vorbei die Galaveranstaltung eines eBook-Awards in der Frankfurter Oper.

Doch dann kam alles anders, denn dann kam Amazon und brachte im Herbst 2007 mit dem Kindle plötzlich wieder ein neues Lesegerät auf den Markt. Und der eBook-Hype begann erneut.

BOOKS TO GO: Ein neuer Bücher-Podcast von dtv.de und literaturcafe.de

BOOKS TO GO - Der PodcastBOOKS TO GO nennt sich eine neue 12-teilige Buchreihe des Deutschen Taschenbuch Verlags, die ab April in den Buchhandlungen erhältlich sein wird. Wie der Name vermuten lässt, ist diese Reihe fürs Lesen unterwegs konzipiert. Zum einen sind die Bände praktisch klein, zum anderen mit je 2 Euro 95 auch unheimlich günstig.

Inhaltlich haben die Bände viel zu bieten, denn von Henning Mankell bis Charles Bukowki, von Arno Geiger bis Uwe Timm ist national und international an Autoren so ziemlich alles vertreten, was Rang und Namen hat.

Für dtv haben wir vom literaturcafe.de einen Podcast zur Buchreihe konzipiert und produziert, der Lust auf die Bücher machen soll und die 12 Geschichten in 12 Podcast-Folgen vorstellt. Natürlich war es nahe liegend, 12 Hörausschnitte aus den Werken als Podcast zu präsentieren. Doch wir wollen noch einen Schritt weiter gehen, denn als Podcaster der ersten Stunde sind wir der Meinung, dass diese Hördateien nie klinisch-werblich daherkommen, sondern immer etwas Persönliches und »Handgemachtes« enthalten sollten.

Über Heidenreich und litcolony.de: Zu Gast in der Live-Sendung »Breitband « von Deutschlandradio Kultur

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BreitbandBreitband heißt die Sendung im Deutschlandradio Kultur, die sich immer samstags zwischen 14 und 15 Uhr mit den neuen und alten Medien und ihrer Kultur befasst. Hier werden Themen tiefer und nicht nur in den ansonsten radioüblichen 90 Sekunden behandelt. Und auch die Musik ist erfrischend anders, denn es ist »freie« Musik, weit ab von den Rotationslisten der Formatradios. Die Beiträge aus Breitband können auch per Podcast abonniert werden, denn für viele wird Samstagmittag nicht unbedingt die ideale Zeit zum Radiohören sein.

Breitband ist aus der Sendung »Blogspiel« hervorgegangen, in der ich vor einiger Zeit in Berlin zu Gast war – eine Sendung, die sich damals ausschließlich dem Thema Literatur und Internet widmete.

Am vergangenen Samstag  (28.02.2009) war ich Gast in Breitband, um als Experte etwas zur neuen Literaturwebsite litcolony.de zu sagen und der Sendung »lesen!« von Elke Heidenreich, die seit dem Rauswurf beim ZDF nun im Internet beheimatet ist.

»Blutspuren« – Graphic Novel aus Tel Aviv von Rutu Modan

Rutu Modan: BlutspurenTel Aviv: Der kaltschnäuzige Taxifahrer Kobi bekommt einen seltsamen Anruf von Numi, einer giraffengroßen Außenseiterin aus gutem Hause. Sie will ihn unbedingt treffen, da sie glaubt, Kobis Vater sei bei einem Selbstmordattentat in der Nähe von Tel Aviv umgekommen. Dass der Sohn den Vater nicht vermisste, wundert zunächst nur den Leser: Kobi brach den Kontakt mit seinem kauzigen Vater vor Jahren ab. Entsprechend widerwillig macht er sich mit der ihm bis dato unbekannten Numi auf die Suche nach dem Herrn Papa. Doch auch Numi hat ihre eigenen Gründe, sich mit dem nicht mehr ganz jungen Taxifahrer auf die Reise zu begeben.

Nicht nur unter dem direkten Eindruck einer Israel-Reise ist man fasziniert und gefesselt von diesem Buch:

1. Twitter-Lyrikwettbewerb: Gewinnen Sie einen iPod touch für ein Gedicht mit 140 Zeichen

Twitter-Lyrik: Mitmachen und iPod gewinnenDas literaturcafe.de und Books on Demand (BoD) suchen die besten Gedichte mit maximal 140 Zeichen. Jeder kann mitmachen, der bis zum 21. März 2009 ein Gedicht über den Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlicht. Wer tatsächlich noch kein Twitter-Nutzer sein sollte, kann sich einfach auf twitter.com kostenlos anmelden. Nachtrag vom 08.02.2010: Wegen des großen Erfolges des ersten Wettbewerbs, wurde 2010 der 2. Twitter-Lyrik-Wettbewerb gestartet.

Die besten lyrischen Werke werden im ersten deutschen Twitter-Gedichtband veröffentlicht werden. Und der beste Poet oder die beste Poetin erhält einen iPod touch von Apple als Preis.
Wie Sie mitmachen können, die genauen Teilnahmebedingungen und alle bislang eingereichten Beiträge finden Sie unter www.twitter-lyrik.de.

Wer mehr zu den Hintergründen des Wettbewerbs lesen möchte, findet zudem ein Interview mit literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer auf Treffpunkt Twitter.

Lyrikwettbewerb: Machen Sie mit unter www.twitter-lyrik.de »

Wir verlosen 2×2 Kinokarten für »Der Vorleser« über Twitter

Der Vorleser - ab 26. Februar 2009 im KinoAm 26. Februar 2009 läuft in Deutschland der Film »Der Vorleser« an. Es ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Bernhard Schlink aus dem Jahre 1995. Seinerzeit war es der erste deutschsprachige Roman, der es auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste schaffte. Dank der Verfilmung ist das Werk nun erneut dort zu finden. Und auch in Deutschland ist das Taschenbuch nach über 10 Jahren wieder ganz oben auf der Bestsellerliste.

Der Roman über ein sonderbares Liebesverhältnis und eine grausame Wahrheit, die Jahre später offenbar wird, ist ein moderner Klassiker geworden, der bereits im Schulunterricht behandelt wird. Die Verfilmung u. a. mit Kate Winslet (»Titanic«), Ralph Fiennes, David Kross und Bruno Ganz ist für 5 Oscars nominiert. Für ihre Rolle der Hanna wurde Kate Winslet bereits mit einem Golden Globe als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.

Das literaturcafe.de verlost mit freundlicher Unterstützung durch SENATOR Film Verleih 2×2 Kinokarten für »Der Vorleser«, die in jedem deutschen Kino eingelöst werden können, in dem der Film gezeigt wird. Nachtrag: Die Verlosung ist mittlerweile beendet, zu den Ergebnissen siehe hier.

Textkritik: Muttertexte–Vatertexte – Prosa

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Muttertexte

Muttertexte sind zerbrechlich wie Glas. Sie schleifen die Flügel nach und lahmen. Der Stachel sitzt sehr tief. Das Leid umwickelt sich mit feuchten Tüchern. Sie spreizen die Zehen gegen das Unheil. Es riecht nach Essig und Tränen.
Muttertexte treten durch das Wintertor. Sie frösteln im weißen Kirschgarten und schielen nach den walnussgrünen Häusern. Dann verhüllen sie ihr Gesicht, damit sie die Amseln nicht sehen, die saure Kirschen zerpicken.
Muttertexte schnüren ein und gären zu früh. Aber der Dom wacht über sie und wiegt sie im Dröhnen seiner Glocken. Dann fallen sie in den Schatten der Linden auf das raue Kopfsteinpflaster und betäuben sich mit sahnigen Torten.Eines Morgens lagen sie auf der geteerten Straße wie hölzerne Puppen. Ihre Kleidung in Fetzen und Kieselsteine im Mund. Sie starrten in den Himmel und warteten auf die frühen Stare.

Vatertexte

Vatertexte haben schwarze Ränder. Sie ducken sich in der Traumhöhle und streben nicht ans Licht. Leise, ganz leise spielt der Wind im Gesicht und die Buttermilch gerinnt.
Vatertexte bemühen sich um so viel mehr, doch dann kriechen sie still in den glänzenden braunen Schuh und vergessen das Holz. Leise, ganz leise fällt der Regen in den Fluss und die Nussschale schwankt.

© 2009 by Benjamin Felkel. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Ein leises Stück lyrische Prosa über Kitsch und Aufgeben mit kleinen Mängeln.
Hier werden keine Klischees bedient, hier werden sie benutzt, um bestimmte Texte zu karrikieren: die Über-Absichten-nie-Hinausgekommenen und die Aus-dem-Leid-Gequälten: die Vatertexte und die Muttertexte. Ich sehe hier vor allem Lyrik vor meinem geistigen Auge, alldieweil sich in dem Text allerlei lyrische Zutaten tummeln (ohne dass der Text gerinnt): heimliche Reime (Gesicht – nicht – Licht), Spiel mit Vokalen und Konsonanten (starrten.– warten – Stare; Texte – treten – Wintertor), Wiederholungen (2x Leise, ganz leise) usw. Von den heimlichen Vatertexten bekommen wir kaum was zu lesen – deswegen ist nicht viel darüber zu sagen; aber die Muttertext gedeihen prächtig – wie jedes Unkraut!

Die Kritik im Einzelnen

Und schon zersplittert das Eingangsbild: Wären die Texte aus Glas, hätten sie keine Flügel mehr, die sie schleifen lassen könnten! Ich würde folgerichtig den ersten Satz streichen und mit diesem beginnen, zumal auch der darauf folgende Stachel nicht sehr tief sitzen könnte im Glas! Und zuguterletzt spricht alles, was anschließend über Muttertexte gesagt wird, gegen Glas – es sei denn Panzerglas –, aber das wäre schwerlich zerbrechlich! zurück
Es entwickelt sich das Bild einer verhärmten Hausfrau, deren Leid so selbstverständlich ist, dass es sich bereits selbständig Essigumschläge verpasst, und die sich mit untauglichen Mitteln – nämlich den Zehen statt den Händen (diese schleifen ja auch am Boden) – gegen Unheil wehren möchte. Was ist die Aufgabe der Frau? Leiden und Sorgen-Für. (Meinen viele – nicht ich!) zurück
Die Muttertexte sind eigentlich blind und zur falschen Zeit am falschen Ort: Sie werfen sich auf sich selbst zurück, wollen das andere nicht sehen. zurück
Die Hoffnung stirbt zuletzt, und Muttertexte tragen wirklich dick auf. zurück
Jetzt folgt ein Sprung in die Vergangenheit (lagen – starrten), aus dem Glas wird Holz (Obwohl: Das Glas hatte ich ja entfernt) – aber warum? So, wie Muttertexte bislang beschrieben werden, sind die nicht irgendwann (eines Morgens) fertig, sondern immer im Nu; denn wenn Hinz oder Kunz sich Herzschmerzkitsch aus der Seele (oder was auch immer) melkt, dann flutscht das nur so und wird im schlimmsten Falle im Internet gepostet (welch Wort), damit welt auch teilnimmt – Nein: Mit dem Sprung in die Vergangenheit kann ich nichts anfangen zurück
Richtig. An Vatertexten wird heftig gearbeitet – und die schwarzen Ränder unter den Nägeln werden vorgezeigt (aber nicht die Todesanzeigen der nie veröffentlichten Werke): Da nimmt einer Sprache und Inhalt ernst. zurück
Vater gibt sich solche Mühe bei der Zubereitung, aber er hat beim sonntäglichen Kochen vergessen, dass man Buttermilch nicht kochen darf – war wohl nichts, sieht auch nicht besonders lecker aus! zurück

Textkritik: Muttertexte, Vatertexte und Maltemeinung

Maltes Meinung»Jedenfalls wünsche ich mir häufiger Geschichten und Gedichte, Süppchen und Maltes liebevolle Meinung.« Das schrieb uns letzte Woche jemand ins Gästebuch. Und womit? Mit Recht!

In der Tat sind in der letzten Zeit im literaturcafe.de neue Prosa- und Lyrikbeiträge etwas zu kurz gekommen. Und auch Malte hat seit November seine Meinung nicht mehr geäußert. Wir werden das ändern.

Den Anfang macht eine neue Textkritik, die sich heute einer neuen Kategorie »Lyrische Prosa« widmet. Ein Text, der von Malte Bremer vier von fünf Brillen erhält und der viel Freiraum für eigene Assoziationen und Bilder lässt.

Zur aktuellen Textkritik von Malte Bremer »

Warum Twitter bei Verlagen und Buchhandlungen nicht funktionieren wird

Artikel von Wolfgang Tischer über Twitter auf boersenblatt.netEine neue Sau wird von den PR- und Marketingberatern durchs digitale Dorf getrieben: Twitter! War vor zwei Jahren Second Life noch das Nonplusultra, um neue Kunden zu gewinnen und nicht vollkommen von der modernen Welt, ja der Zukunft schlechthin abgeschnitten zu sein, so ist es nun Twitter. Und davor war es das Bloggen, das speziell für Verlage und Buchhändler ein tolles, neues und unmittelbares Instrument darstellen würde, um zu hören, was der Kunde wirklich will.

Und jetzt also ist Twitter der neue Hype. Twitter, so erzählt ein PR-Experte dem Börsenblatt, sei ein »neuer Weg der Zielgruppenansprache«, ein »guter Ausgangspunkt für Word-of-Mouth-Kampagnen« und schlechthin der hippe Kanal, um einen »echten Dialog« mit dem Kunden zu führen. Viele Buchhändler und Antiquare waren offenbar jahrelang in dem Irrglauben, dass sie dies im eigenen Laden tun würden.

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