Martina Kirstein Das Gespräch 2014, Irgendwo in Deutschland. »Mama? Wie war das eigentlich damals 2001?« Die Mutter dreht sich zu ihrer Tochter um, welche am Küchentisch vor ihrem Laptop sitzt. »Was war wie 2001?« »Na, wie die Welt war nach dem 11.September.« Sie stützt ihr Kinn auf die Handfläche, hebt die Augenbrauen und sieht die Mutter an. Diese seufzt auf. »Nach dem Terroranschlag?« »Ja, was habt ihr da gemacht? Ich mein waren da alle Menschen nur noch traurig und betroffen?« »Am Anfang waren wir schockiert, entsetzt, traurig. Wir hatten Angst.« Die Mutter läßt die Arme sinken. Ihr Blick schweift zum Fenster hinaus. »Ja, gewiß, viele hatten Angst vor dem was noch kommen könnte.« »Hat dies Euer Leben bestimmt? Ich meine, konntet Ihr noch lachen, Feste feiern, Bücher lesen?« »Das Feiern viel manchmal schwer. Dunkle Wolken zogen immer wieder auf. In den Medien waren die Berichte übersäht mit Schreckensnachrichten. Aber gerade deshalb konnten wir doch nicht den ganzen Tag düstere Bücher lesen, die vom Untergang der Welt kündeten...« Sie reibt ihr linkes Ohrläppchen zwischen Daumen und Zeigefinger. »Wart ihr da nicht kurz davor durchzudrehen?« »Das nicht gerade. Aber die Bilder verfolgten mich bis in den Schlaf. Wenn ich morgens übernächtigt aufwachte, schallten mir aus dem Radio weitere schauderhafte Nachrichten entgegen.« »Was hat Dir geholfen?« Der Blick der Mutter hellt sich auf, ihre Mundwinkel ziehen sich nach oben und sieh strahlt ihre Tochter an.« »Das Literatur-Café!« »Was das gab es damals schon?« Ruft die Tochter aus, läßt den Mund offenstehen und blickt auf den Bildschirm, wo ihr die schwarzen Buchstaben mit dem roten Strich entgegenleuchten. »Ja glaubst Du denn wir lebten damals im Mittelalter?« Die Mutter stemmt die Arme in die Hüften. »Nein, nein, ich mein nur .... das Literatur-Café hat schon Qualität!« »Genau und deshalb entfloh ich in dieser Zeit sehr oft dorthin. Das Thema Terror wurde zwar nicht ausgespart, aber zu lesen wie andere damit umgehen hilft das Unfaßbare zu begreifen und zu verarbeiten.« »Aber es gab doch auch andere Geschichten?« »Natürlich! Was auch gut so war. Gerade in schweren Zeiten ist es wichtig auch mal zu lachen oder in eine andere Welt zu wandern, die nichts mit Krieg zu tun hat. Man muß einfach mal abschalten!« »Genau!« Grinst die Tochter und landet mit ein paar Mausklicks in der Buchstabensuppe des Literatur-Cafés. Die Mutter lacht und hebt den Zeigefinger: »Aber die Hausaufgaben werden noch erledigt!« |