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Beitrag vom 8. Juni 2009 | Rubrik: Literarisches Leben, Zuschussverlage

»Ich habe auch schon gehört, dass einem Autor für sein Buch keine Kosten entstehen sollen.« [Nachtrag]

Werbung der Deutschen Literaturgesellschaft für eine angebliche Gedichtsammlung mit einem Vorwort von Marcel Reich-RanickiManchmal sind wir Don Quichotte. Wir kämpfen gegen Windmühlen und wiederholen wie Gebetsmühlen: Firmen, die von Autoren Geld verlangen, sind keine Verlage im eigentlichen Sinne – auch wenn sie sich selbst so nennen. Es sind im besten Falle Dienstleister, im schlechtesten Abzocker. Es ist nicht die Art von Verlagen, deren Werke man gemeinhin in den Buchhandlungen findet.

Es ist der Normalfall im Buchhandel, dass der Verlag das wirtschaftliche Risiko einer Veröffentlichung trägt und dem Autor ein Honorar zahlt. Nochmals deutlicher: Ein Autor erhält Geld vom Verlag, nicht umgekehrt. Wir schreiben es hier, hier, hier und an vielen anderen Stellen.

Doch dann wieder ein Windmühlenschlag ins Gesicht: In einem Kommentar zu einem Beitrag heißt es völlig ironiefrei und ernst: »Ich habe auch schon gehört, dass einem Autor für sein Buch keine Kosten entstehen sollen.«

Uns steht der Mund offen, denn wir ahnen, wie viel Potenzial für »literarische Abzocker« weiterhin besteht.

»Wenn ich von jedem, der mir ein Manuskript zuschickt, eine Einreich- oder Bearbeitungsgebühr von 150 Euro verlangen würde, dann könnte ich mir die Rumrennerei bei den Verlagen sparen«, sagt der seriöse Literaturagent Uwe Heldt in einem Seminar der Text-Manufaktur.

»Wer dumm und eitel ist, ist selbst schuld«

»Wer so dumm und eitel ist, dass er diesen Pseudo-Verlagen das Geld in den Rachen schiebt, der ist doch selbst schuld«, sagte eine Teilnehmerin in einem Gespräch am Rande des gleichen Seminars.

Eine Meinung, die offenbar auch bei den Medien vorherrscht, die nicht einmal dann über die schwarzen Schafe der Branche berichten, wenn diese – wie im ersten Halbjahr 2009 die wohlklingende Deutsche Literaturgesellschaft – unerlaubt und skrupellos mit Elke Heidenreich oder Marcel Reich-Ranicki werben. Die Deutsche Literaturgesellschaft behauptet, sie würde eine Gedichtsammlung mit einem Vorwort von Marcel Reich-Ranicki herausgeben. Die Qualität der Gedichte ist dabei offenbar egal, denn wer knapp 800 Euro zahlt, darf in diesem Werk ein Gedicht veröffentlichen.

Suhrkamp schweigt: Abzocke im Namen Marcel Reich-Ranickis

Selbst dem Suhrkamp Verlag scheint es reichlich egal zu sein, wenn sein Autor Marcel Reich-Ranicki für dubiose Werbezwecke missbraucht wird. Zwar dementierte Reich-Ranickis Sekretariat bei der FAZ sofort, dass der Kritiker etwas mit einer angeblichen Gedichtanthologie bei der Deutschen Literaturgesellschaft zu tun habe, doch die Suhrkamp-Geschäftsleitung reagierte selbst auf mehrfaches Nachfragen nicht.

Auf Dummheit oder Eitelkeit kann und darf man daher das Thema nicht reduzieren. Vielmehr ist es – so erleben wir es bei Anfragen an die Redaktion immer wieder – die grenzenlose Naivität und Unkenntnis der Gepflogenheiten der Buch- und Verlagsbranche, die die Menschen gutgläubig in die Hände dieser Dienstleister treibt. Von den Pseudo-Verlagen wird diese Naivität gnadenlos ausgenutzt, indem man z. B. für einen Verlag wohlklingende Namen wählt und es als normal bezeichnet, dass Autoren für eine Veröffentlichung zahlen. Aus dem Argumentationsbaukasten der Pseudo-Verlage stammt daher auch immer wieder der Hinweis, dass selbst Goethe und Schiller ihre Werke im Eigenverlag herausgebracht hätten.

Wer die Höhe eines angeblichen Zuschusses im vierstelligen Bereich mit den günstigen Druckkosten bei einer örtlichen Druckerei oder einem Print-on-Demand-Dienstleister vergleicht, dem wird schnell klar, dass es hier vielleicht eher um Tatbestände wie Wucher oder Täuschung gehen könnte, denn die Differenz wird sich weder mit »Marketingaktivitäten« noch mit sonstigen »Leistungen« der Zuschussverlage begründen lassen.

Den oft gehörten Satz »Ich habe jetzt einige Verlagsangebote, aber das ist mir alles zu teuer« wollen wir einfach nicht mehr hören, denn aus ihm strahlt ebenfalls die grenzenlose Naivität. Denn wenn der Autor zahlen soll, dann hat das mit seriösen Verlagsangeboten nichts zu tun.

Korrekt muss die Lagebeschreibung daher lauten: »Ein echtes Verlagsangebot habe ich leider nicht, lediglich ein paar Dienstleister wollen mir mit blumigen Versprechungen eine kostenpflichtige Publikation andrehen.«

Und solange dieser Artikel wieder einmal einer Autorin oder einem Autor diese Erkenntnis bringt, solange werden wir unsere Rosinante satteln.

Nachtrag vom 24. Juni 2009:
Weniger illegal als erwartet: Das Buch mit Texten Elke Heidenreich ist tatsächlich erhältlich

Unglaubliches ist passiert: Wir haben das Werk bei Amazon bestellt – und es liegt nun tatsächlich auf dem Redaktionsschreibtisch! In einem weiteren Bericht erklären wir, wie es dazu kommen konnte, dass im Buch tatsächlich Texte von Elke Heidenreich enthalten sind.
Hier klicken und weiterlesen »

48 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Frank Bergers schrieb am 8. Juni 2009 um 23:03 Uhr

    Bravo, bravo und nochmals bravo zu diesem Hinweis.
    Eigentlich ist dem nichts mehr hinzuzufügen bis auf: bitte in regelmäßigen Abständen wiederholen, bis es dann auch wirklich jeder gelesen und verstanden hat!

  2. Annorra schrieb am 10. Juni 2009 um 19:55 Uhr

    Ja, wichtig ist es, diese Warnung immer wieder und wieder zu wiederholen und damit niemals aufzuhören, so lange es Zuschussverlage gibt. Schließlich rücken auf dem Literaturmarkt ständig neue Autoren nach, man darf nicht denken “hier im Blog war mal ein Artikel von 2005”, “Fairlag hat 2008 alles klar gemacht” – das weiß der Neuling alles nicht!! Bloß niemals die Schiene fahren “jetzt ist alles endgültig klar, also brauchen wir nicht mehr drüber reden”. Außerdem haben aktuelle Warnungen eine größere Wirkung, als was mal vor fünf Jahren war.

  3. Frank Rawel schrieb am 11. Juni 2009 um 08:26 Uhr

    Auch ohne Zuschuss-Unsitten wird die Lage immer trauriger.
    Ein Buchverlag wollte mir für meine Texte statt eines Vertrages 1 (in Worten “ein”) Belegexemplar als vollständiges Honorar geben. Ich sollte doch froh sein, kostenfrei publizieren zu können. Ein kleiner Exkurs in die Welt der schrecklichen Papier-, Druck-, und Marketingkosten endete mit den Worten “Willkommen in der Wirklichkeit.”
    Das bedeutet also, dass der Autor der einzige Kostenfaktor an einem Buch ist, bei welchem 100 % (und mehr) gespart werden können.
    Ganz ohne Autor ließe sich wahrscheinlich noch billiger drucken.
    Schubladen sind würdigere Aufenthaltsorte für Texte als solche Bücher.

  4. Andreas Schieck schrieb am 11. Juni 2009 um 19:06 Uhr

    Es ist schon erschreckend, wie wenig über solche Praktiken bekannt ist. Immer wieder begegnet mir die Bemerkung: “Das ist ja bestimmt auch ganz schön teuer, so ein Buch zu veröffentlichen.” Offenbar scheinen es diese Pseudo-Verlage geschafft zu haben, diesen unausrottbaren Floh in die Umwelt zu setzen. Oder ist es wirklich schlicht nur Dummheit?

    Nun, ich bin gerade mal wieder dabei mit einem Verlag zu verhandeln. Der sieht allerdings nur Chancen, wenn der Autor einen Sponsor findet oder selbst etwas dazu beiträgt. Falls es jemanden interessiert wie die Geschichte ausgeht, werde ich darüber ausführlich hier berichten. Lasst es mich also wissen, ob sich jemand dafür interessiert.

  5. Annorra schrieb am 14. Juni 2009 um 14:48 Uhr

    Hallo Herr Rawel,

    Ihr Beitrag hat mich nachdenklich gemacht. Müssten nicht auch solche Praktiken mal dringender ans Tageslicht gezerrt werden (in diesem Blog oder anderswo)?

    So lange es kein Anthologie-Beitrag, sondern ein ganzes Buch ist, das man publizieren will, macht es keinen Sinn, damit zu einem Verlag zu gehen, wenn man praktisch nichts wiederkriegt. Dass sich ein Buch nur wenig verkauft und man deswegen kaum was bekommt, ist nun mal so. Aber dass man von vornherein nur ein Exemplar als gesamtes Honorar bekommt, nicht mal einen Vertrag. Ne, auch so was ist dubios. Da kann man doch gleich kostenlos im Internet (etwa der eigenen Website oder in Foren) veröffentlichen und bei Bedarf ein paar Drucke bei „BoD Fun“ machen lassen (das ist schließlich an sich auch kostenlos bzw. erhält man beim Verkauf seine Prozente) und womöglich findet man damit noch eine größere Öffentlichkeit. Wozu soll ich denn zu einem Verlag gehen, wenn mir garantiert wird, dass ich nichts daran verdiene?

    Also, ein solcher Verlag mit solchen Praktiken ist entweder so ein irrationaler Idealisten-Verlag, der unbedingt drucken will, von was er überzeugt ist, auch wenn er weiß, dass es nichts einbringt (und deshalb spart, wo’s geht), oder ist es schlichtweg Abzocke: Mal ehrlich, welcher wirtschaftlich rationale Verlag druckt etwas (für den Autor umsonst), wovon er sich selbst schon im Voraus keinen Gewinn verspricht? Wozu so ein Risiko überhaupt eingehen als Verlag? Vermutlich war das so ein getarnter BoD-Verlag, der mit dem einen Belegexemplar ganz billig an Literaturmaterial rankommen wollte, das er bei Glück ein bisschen zu Geld machen kann.

    Und nein, der Autor ist nicht der einzige Kostenfaktor, bei dem heute zu 100 % gespart werden kann. Man kann heutzutage auch an dem Kostenfaktor „Verlag“ und „Buchhändler“ als Autor 100 % sparen, indem man, wie gesagt, entweder im Internet veröffentlicht oder das ganze selbst in den Druck gibt. Das hier soll jetzt keinesfalls ein Hochloben von BoD- und E-Book-Techniken sein, sondern ein wütender Protestruf an diesen Verlag mit dem einen Belegexemplar:

    „Ihr als Verlag meint, auf den Kostenfaktor ‚Autor‘ verzichten zu können? Ihr könnt also Bücher ohne Manuskripte verkaufen? Wenn eure Konditionen sich nicht bessern, werden die Autoren euch beweisen, dass sie auf den Verlag verzichten können! Prinzipiell kann ein Autor Bücher ohne Verlag herstellen und verkaufen, ein Verlag aber kann keine Bücher ohne einen Autor herstellen und verkaufen, allenfalls Malblöcke und leere Notizbücher.“

  6. Frank Rawel schrieb am 14. Juni 2009 um 15:24 Uhr

    Hallo Annorra,
    ich unterstelle im genannten Fall sogar wohlwollend, dass es sich bei den Verlegern um Idealisten handelt, die auch als Verleger nichts weiter dran verdienen.
    Aber wenigstens einen Vertrag mit der enthaltenen Option, dass man im unwahrscheinlichen Fall von Gewinn als Autor beteiligt würde, fände ich fair und würdevoll. Es geht, meine ich, auch um Respekt. Der Autor wird bei Büchern allmählich zu einem zu vernachlässigenden Kostenfaktor. Und das geht keineswegs nur ganz Unbekannten so.

  7. Peter Hellinger schrieb am 16. Juni 2009 um 12:27 Uhr

    Ich bin selbst Verleger (Mini-Verlag) und muss einfach oft einem Autor sagen, dass ich keine Absatzchancen sehe für sein Buch.

    Aktuelles Beispiel Lyrik: Eine Hardcover-Ausgabe, Schutzumschlag, Lesezeichenband usw. (alles vom Autor gewünscht) mit etwa 100 Seiten kostet mich bei der Druckerei in einer 250er Auflage etwa 2300 Euro Druckkosten und etwa 1000 Euro an Satz, Layout und Lektor. Nun ist man am Überlegen: 3300 Euro, bei 250 Exemplaren, 20% Rabatt für Buchhandel, 7% Steuer, Versandkosten, Werbung etc. pp. Da muss ich schon 18,90 Euro als Ladenpreis festlegen um die Kosten wieder rein zu kriegen.

    Und jetzt mal im Ernst gefragt: Wer kauft einen Lyrikband mit 100 Seiten für 18,90 Euro von einem unbekanntem Autor – seine Verwandten und Freunde mal ausgenommen?

    Das sind 3300 Euro die ich ausgebe und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht wieder sehe. Also hab ich nur zwei Alternativen: Entweder ich schick den Autor weg, oder ich handle einen Druckkostenzuschuss aus, wenn der Autor unbedingt bei mir veröffentlichen will.

    Ich seh da erhlich gesagt auch nichts verwerfliches dahinter. Dieser spezielle Autor hat sogar von einem etablierten Verlag nur einen Vertrag mit Druckkostenzsuchuss angeboten bekommen (allerdings deutlich höher als meine Kalkulation und eine 500er Auflage. Und nein, ich nenne keine Namen!).

    Druckkostenzuschuss und Druckkostenzuschuss sind meines Erachtens zwei Dinge.

    Ich lege meine Kalkulation dem Autor offen, und zeige ihm, dass er nicht über den Tisch gezogen wird. Den Meisten rate ich sogar erst kleinere Auflagen (100 bis 200 Stück) zu machen, nachdrucken kann man schliesslich immer, falls sich das Werk unerwartet als Hit herausstellt.

    Unseriös finde ich dagegen, wenn bestimmte Verlage den Autoren das Blaue vom Himmel versprechen und sie dann mit 1000 oder mehr Büchern sitzen lassen (wie neulich erst hier wieder zu lesen), die kein Mensch kaufen will.

  8. Andreas Schieck schrieb am 16. Juni 2009 um 19:34 Uhr

    Hallo Herr Hellinger,

    es steht Ihnen unbeschadte zu, ein solches Angebot zu machen. Allerdings funktioniert ein richtiger Verlag eben so, dass er, sieht er keine Chance, den Autoren eben wegschicken muss. Diesem Risiko muss sich jeder Autor stellen. Auch ich habe schon vernichtende Kritik einstecken müssen. Wer in die Öffentlichkeit will, muss das abkönnen, sonst hat er dort nichts verloren. Sie haben auch recht, wenn Sie dem Autoren raten, mit kleinen Auflagen zu beginnen. Aber mir ist nicht bekannt, dass ein Autor im Eigenverlag, was für den Autoren die wirtschaftlichste Variante ist, wenn er denn unbedingt ein Buch haben will, was sonst keiner will, zu großen Ehren kam. Schriftstellerverbände erkennen das jedenfalls nicht an. Klären Sie Ihre Kunden darüber auf? Würde mich wirklich interessieren.

  9. Peter Hellinger schrieb am 17. Juni 2009 um 16:48 Uhr

    Hallo Herr Schieck,
    Grundsätzlich gebe ich ihnen Recht, und bei den meisten Büchern lege ich auch vor, und ich nehme auch wirklich nicht jeden – immerhin will ich im Verlagsprogramm ein gewisses Niveau.Hab erst gestern wieder eine Absage verschickt. Aber es gibt eben auch die andere Seite. Ich wollte nur klar stellen, dass ein Druckkostenzuschuss grundsätzlich nichts Schlechtes ist, dass es aber eine Menge böser Finger in der Branche gibt – auch unter den etablierten Verlagen.
    Natürlich kläre ich potentielle Kunden darüber auf, was die Vor- und Nachteile sind. Außerdem übernehme auch bei solchen Verträgen die kompletten Verlagsleistungen wie Vorbereitung, Satz und Layout, Vertrieb und Marketing. Der Autor zahlt nur die tatsächlich angefallenen Kosten für den Druck, die für mich ja der größte Teil des Risikos sind. Der Autor bekommt pro verkauftem Exemplar die Druckkosten zurück, plus ein Honorar, das natürlich Verhandlungssache ist. Und es steht jedem Autor frei, solch ein Angebot anzunehmen oder nicht, richtig?

  10. André Niekamp schrieb am 23. Juni 2009 um 12:04 Uhr

    Auch ich habe ein solches Angebot bekommen, wo ich zunächst einen beträchtlichen Anteil der Produktionskosten übernehmen sollte, den ich dann bei Verkauf von 500 Exemplaren zurückerstattet bekommen hätte. Habe dankend abgelehnt – mittlerweile ist Book on Demand ja eine echte Alternative!
    http://www.hirntumorseidank.jimdo.com

  11. renate schrieb am 23. Juni 2009 um 13:16 Uhr

    Mehr zum unendlichen Thema habe ich in einem ausführlichen Beitrag auf meinem Blog veröffentlicht.

  12. Elena schrieb am 25. Juni 2009 um 22:30 Uhr

    Was ich mich frage – müsste es nicht eine rechtliche Handhabe gegen solche Verträge geben? Letzendlich sind sie unter Umständen sittenwidrig (da unter falschen Voraussetzungen geschlossen, da die Argumente und die Lobhudeleien nichts anderes sind, sowie die Behauptung, es würde ein DruckkostenZUSCHUSS erhoben, der weder ein “Zuschuss” ist noch in vielen Fällen allein die Druckkosten trägt).
    Außerdem: Wenn ich unterschreibe, dass ich so und so viel für die Druckkosten bezahle – ich weiß leider nicht, was in solchen Verträgen genau steht – und das Geld wird letztendlich dazu verwenden, um das neue Auto des Verlagsleiter zu finanzieren, wäre dass dann auch nicht ein Verstoß dagegen? Andererseits kann ich mir bei den derart rechtlich findigen DKZVs nicht vorstellen, dass das nicht abgesichert ist …
    Und zum Schluss bin ich garantiert nicht die einzige, die darauf kommen würde, wenn’s ginge.

    Bleibt, in entsprechenden Foren, wo gerade solches Halbwissens und naive Ansichten zum Literaturbetrieb (Man muss überall bezahlen, Goethe und Schiller haben’s auch gemacht [dazu der wundervolle Kommentar einer anderen Autorin, bei der ich jetzt leider nicht mehr weiß, wer es war: “Gibt es noch eine andere Branche, die mit 200 Jahre alten Arbeitsbedinungen wirbt?”], es ist der erste Schritt ins Verlagsgeschäft etc.pp.) verbreitet werden, entgegen zu steuern.

    Windmühlenarbeiten eben. :)

  13. M-F H schrieb am 29. Juni 2009 um 10:00 Uhr

    Die Argumentation über die “bösen” Zuschussverlage ist unter Autoren, die sich zumindest ein bisschen mit der Materie beschäftigen, bekannt. Und sicherlich ist es nicht fair, einem Autor zu suggerieren, dass sein Werk unglaublich gut sei und er reich und berühmt werden wird, wenn er nur ein paar tausend Euro zuschießt.
    Und ja, “Verlegen” kommt von “Vorlegen”.
    Aber man sollte sich doch bewusst machen, dass “normale” Verlage Autoren nicht deshlab unter Vertrag nehmen, weil Autoren so lustige Zietgenossen sind, sondern weil sie mit ihnen Geld verdienen wollen. Letztlich geht es nur um Geld – so oder so. Und wenn man sich die tatsächlich gepushten Werke ansieht, so haben auch diese nicht zwingend etwas mit Qualität zu tun, sondern auch oftmals etwas mit dem Namen, der dahinter steht.
    Es ist genauso unfair, einen Bohlen einem unbekannten, aber talentierten Autor vorzuziehen, genauso unfair und berechnend, bereits erfolgreiche Autoren aus dem Ausland aufzukaufen. Der Verlage gehen damit auch ein sehr geringes Risiko ein. Wieder geht es nur um relativ einfach und sicher verdienbares Geld.
    Und mal im Ernst: Wenn nach dem Prinzip gehandelt werden würde, dass ein Autor nur dann veröffentlichen “darf”, wenn er Geld dafür bekommt, wäre die literarische Vielfalt doch um einiges geringer.
    Und letztlich würde das bedeuten, dass jeder, der sein Buch auf eigene Kosten produzieren lässt, ein “kriminelles” System unterstützen würde.Das würde für Selbstverleger genauso gelten, wie für BOD-Autoren.
    Inzwischen gibt es die Möglichkeit für jeden, sein Buch zu veröffentlichen. Jeder hat das Recht dazu (okay, nicht jeder sollte dieses Recht auch in Anspruch nehmen), aber es wird auch allmählich Zeit, dass man sich nach die Zukunft richtet. Man kann heutztage alles irgendwie von irgendwem produzieren lassen – warum nicht auch Bücher? Warum müssen die “normalen” Verlage das alleinige Recht haben, zu entscheiden, was auf den Markt kommt? Ist das – im weitläufigem Sinne – nicht sogar die Unterstützung eines Monopols? Sollte man nicht auch irgendwie den Leser im Auge haben? Entscheidet nicht vor allem dieser, was er lesen will? Dämmt man die Veröffentlichungen ein, gibt man nur den normalen” Verlagen das Recht, zu veröffentlichen, was würde dann auf Dauer passieren? Würde das Angebot dadurch besser? Wenn wir irgendwann nur noch Bohlen, Bushido und Roche lesen dürfen?
    Und letztlich: Der Verbraucher als solcher vergleicht tagelang, wo er den günstigsten Fernseher bekommt, wo und in welchem Lokal das Essen am besten schmeckt und gleichzeitig am günstigsten ist.
    Warum sollte er das nicht auch bei der Veröffentlichung seines Buches tun können?
    Ich denke, es ist ein bisschen zu einfach, nur zu sagen, dass das Bezahlen für eine Buchveröffentlichnung “pfui” ist.
    Was ist mit den ganzen Autoren, die gute Bücher schreiben können, aber Themen behandeln, die nun mal die breite Masse nicht lesen kann/will? Dürfen die dann ihre Bücher nicht veröffentlichen?
    Nein – offensichtlich nicht. Veröffentlicht werden darf scheinbar nur das, was Geld einbringt.
    Dann sind wir aber nicht so weit weg, von dem System, für eine Veröffentlichtung zu zahlen.
    Solange man ein nachvollziehbares Angebot für eine Veröffentlichung bekommt, und über die tatsächlichen Chancen aufgeklärt wird, ist dieses System absolut in Ordnung und eine Bereicherung für die Literatur.

  14. Renate schrieb am 29. Juni 2009 um 10:18 Uhr

    @MFH
    Völlig richtig, was Sie schreiben! Und (fast) jeder von uns, will und muss ja Geld verdienen mit dem, was er tut. Dazu gehört auch das Schreiben von Büchern.
    Es ist auch völlig in Ordnung, mit einem Autor eine Kostenbeteiligung zu vereinbaren – wenn die Karten offen auf den Tisch gelegt werden. Bei Agenturen wie Poldner und Verlagen wie R. G. Fischer werden die Karten aber nicht auf den Tisch gelegt, sondern gezinkt. Und das ist nicht in Ordnung! Ein Buch zu drucken, das ist eine Sache. Es dann auch zu verkaufen, ist eine andere. Dazu bedarf es professioneller PR, Werbung und Marketing. Und genau da unterscheidet sich die Spreu vom Weizen…

  15. M-F H schrieb am 29. Juni 2009 um 12:50 Uhr

    Renate: Danke für Ihren Kommentar.
    Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Oft hört man die Aussage: “Ich habe ein Buch geschrieben. Jetzt soll ich für eine Veröffentlichung bezahlen. Ich zahl doch nicht für meine Arbeit!”
    So könnte man es sehen. Aber letztlich sind die meisten Hobbyautoren eben auch nur Hobbyautoren, und niemand würde sonst erwarten, für die Ausübung seines Hobbys Geld zu bekommen. Niemand hat den Hobbyautor beauftragt, ein Buch zu schreiben. Die Arbeit hat er sich selbst gemacht. Nun auf einmal Geld dafür zu erwarten ist – sorry – unfair.
    Denn die “Bazahlsache” kann man auch umdrehen: Den meisten ist nicht bewusst, was es wirklich kostet, ein Buch zu machen. Denn nur mit dem Druck ist es nicht getan. Das Buch muss korrigiert und lektoriert werden. Es müssen sich Grafiker mit dem Cover auseinandersetzen. Marketingexperten müssen Strategien ausarbeiten. Werbung muss gemacht werden. Ggf. werden Handelsvertreter beschäftigt. Das alles bekommt man nicht umsonst, und der Verlag muss dafür bezahlen. Einen unbekannten Autor aufzubauen, kann schon mal gut 10000-20000€ kosten.
    Würde man jetzt auf die Idee kommen, die Hobbyautoren als “Abzocker” zu bezeichnen, weil sie von einem Verlag erwarten, dass dieser den Betrag für den Autor bezahlt?
    Nicht dass ich falsch verstanden werde, ich bin selbst einer von diesen Hobbyautoren, der den Druck selbst bezahlt.
    Aber irgendwo und irgendwann sollte man mal die ausgetretenen Pfade verlassen.
    Ja, es gibt Anbieter, die so tun, als wären sie “normale” Verlage. Doch ich denke, jo offener und klarer man mit dem Prinzip der Dienstleistung in diesem Bereich umgeht, und je weniger auf diesem Prinzip herumgehackt wird, desto eher werden sich die seriösen Anbieter durchsetzen, ganz einfach, weil es dann nicht mehr nötig sein wird, sich zu verstecken. Die tatsächlichen “Abzockerverlage” werden dann aussterben.
    Und letztlich wird das dazu führen, dass nicht nur die “normalen” Verlage Konkurrenz bekommen. Konkurrenz sorgt wiederum für bessere Produkte. Und davon hat der Leser vor allem etwas und letztlich auch der Hobbyautor, weil die Dienstleister in einem gesunden Konkurrenzkampf zueinander stehen und versuchen werden, gute Arbeit zu leisten.

  16. Renate schrieb am 29. Juni 2009 um 14:38 Uhr

    Und wieder kann ich nur jeden Satz unterschreiben! “Ausgetretene Pfade” verlassen, ja, das ist zeitgemäß. Ich verstehe in diesem Zusammenhang auch nicht, warum BoD immer so verteufelt wird. BoD druckt Bücher. Nicht mehr, nicht weniger. Sie drucken in einer guten Qualität, zu extrem günstigen Preisen. Wenn man eine druckfertige Datei hinschickt, bekommt man das Mastering für 39 Euro!!!

    Um Werbung und PR muss man sich natürlich selbst kümmern. Dass bei BoD Bücher gedruckt werden, deren Inhalt nicht unbedingt literarisch hochwertig ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber auch “richtige” Verlage bringen teilweise Bücher raus, die grottenschlecht sind…

  17. Peter Hellinger schrieb am 30. Juni 2009 um 08:44 Uhr

    @Renate: Das “zu extrem günstigen Preisen” und BoD (Bertelsmann) lassen wir mal dahingestellt. Wenn man ein bisschen umher sucht, findet man Print on Demand Dienstleister, die deutlich günstiger sind. Als Verleger von Klein- und Kleinstauflagen nutze ich auch solche Dienste zum Druck. Beispiel: Anthologie, 148 Seiten, Paperback (ISBN durch mich). Bei BoD errechneter Ladenpreis 9,90, meine Kalkulation 6,90. Da ich davon ausgehe, dass ein Laden wie BoD auch nicht teurer druckt als ich es einkaufen kann, streicht doch da jemand ganz gewaltig Geld ein…

    Grundsätzlich sehe ich da ein Problem: Viel Autoren wissen zwar wie man schreibt, aber nicht unbedingt, wie das, was man schreibt, gedruckt auch gut aussieht. Und sorry, aber Word ist kein Layoutprogramm, und gute Freunde sind selten gute Lektoren. Wenn man diese Leistungen bei einem POD-Dienstleister bucht, kann das auch ganz schön ins Geld gehen.

  18. Renate schrieb am 30. Juni 2009 um 12:46 Uhr

    @ Peter Hellinger
    Stimmt, Word ist kein Layoutprogramm! Außerdem sollte auch jemand, der z. B. InDesign besitzt, seine Hände vom Layouten lassen, es sei denn er ist ein Profi.
    Stimmt, BoD streicht viel ein durch den Verkauf der Bücher. Dafür bietet BoD aber auch den Logistikservice bei Amazon und Libri an. Machen das andere Dienstleister auch? Dann würde mich deren Name interessieren.

    Stimmt, gute Freunde sind in der Tat nicht unbedingt gute Lektoren. Aber viele Schreiberlinge schreiben derart schlecht, dass ihr “Werk” keines Lektorats bedarf, sondern komplett neu geschrieben werden sollte. Ich habe schon Manuskripte lesen “dürfen”, sie so miserabel aufgebaut und geschrieben waren, dass ich sie am liebsten dem Reißwolf anvertraut hätte. Leider habe ich keinen Reißwolf … ;-))

  19. Frank Rawel schrieb am 30. Juni 2009 um 16:23 Uhr

    Ich glaube, es geht nicht darum, dass jemand verlegerisches Risiko für schlechte Texte verlangt. Es geht darum, dass ein Autor nicht von vornherein und zunehmend als selbstverständlich nicht zu bezahlender Content-Lieferant herabgewürdigt wird. In diesem Zusammenhang muss man Print-on-demand-Verlage insofern in Schutz nehmen, da der Autor dort (BoD, epubli etc.) bei tatsächlich verkauften Büchern auch seinen Anteil erhält, wie groß dieser auch sein mag. Und das ist, denke ich, die entscheidende Option: wenn Gewinn erzielt wird, ist der Autor zu beteiligen. Das eben ist verbreitet nicht mehr der Fall.

  20. Andreas Schieck schrieb am 30. Juni 2009 um 19:18 Uhr

    Nun ist ja fast die ganze Palette hier vertreten und ich denke, es hat auch jeder einwenig Recht, weil man immer den konkreten Fall sehen muss. Wenn man sich auf die Socken macht und Möglichkeiten einer selbst finanzierten Veröffentlichung auslotet, dann hat man ja am Ende eine Liste in der Hand, nach der man kalkulieren kann. Mit anderen Worten: man hat genau den Überblick für was welches Geld erforderlich ist und man muss sich halt Gedanken machen, wie man es wieder rein bekommt.

    Der Hund liegt doch an einer ganz anderen Stelle begraben. Wenn man ein Angebot aus der Ecke von R.G. Fischer oder beispielsweise Schardt erhält, wird einem ein Preis offeriert, der immer so um die 3000 Euro liegt. Dort spricht und schreibt man von Zuschüssen, was nach anderen Informationen (oder man rechnet halt schnell mal selbst) die vollen Kosten sind. Dann kommt noch eine Merkwürdigkeit. Rechnet man die Scriptseiten auf ein normales Buch um, dass in einem ganz normalen Verlag erschienen ist, dann kommt man immer auf ein Verhältnis von 3:2, Bezahlverlage gegenüber gewöhnlichen Verlagen. Dass heißt, Bezahlverlage drucken offenbar ganz gern mit einem größeren Schriftsatz, damit mehr dabei herauskommt. Nun hat man bei der Herstellung im Eigenverlag, BoD oder was weiß ich, den gesamten Einfluss auf das Endprodukt. Und richtig, man muss sich um Marketing und PR selbst kümmern. Bezahlverlage schließen das definitiv aus in ihren Verträgen aus. Also hat man diese Kosten trotzdem. Das sind doch die grundsätzlichen Widersprüche, die hier auftauchen. Man hat überhaupt keinen Einblick in die Kalkulation und so gut wie keine Einflüsse auf Satz und Gestaltung, obwohl man einen maßgeblichen Teil, ich bin davon überzeugt, dass es alles ist, bezahlen soll. Man hat nicht einmal die Kontrolle, wie viele Exemplare tatsächlich hergestellt worden sind. Nun könnte man ja argumentieren, wenn man einen Staubsauger kauft, kann man auch keine Offenlegung der Kalkulation verlangen. Stimmt. Ist ja auch nicht mein Produkt. Es stimmt auch, dass ich bei einer Veröffentlichung in einem herkömmlichen Verlag kaum Einfluss auf Satz und Gestaltung habe. Dafür bekommt man dann aber Geld und der Verlag hat zunächst die Kosten. Und wer bezahlt, bestimmt die Richtung. Großzügiger Weise erhalte ich bei Bezahlverlagen zehn Prozent auf jedes verkaufte Exemplar. Bei einem so hohen Eigenanteil, ist das ein ziemlich piefiger Prozentsatz. Der Dienstleister hat es bezahlt bekommen und will nun nochmal 90 Prozent haben. Über den Daumen gepeilt muss der Autor, der Dienstleister wird sich kaum um den Absatz kümmern, warum auch, bei einem Ladenpreis von zehn Euro und einem „Zuschuss“ von 3000 Euro eine Auflage von 3000 Stück verkaufen. Dann hat er erst mal die Kosten drin. Bei 3000 verkauften Stück hat der Dienstleister aber 27.000 Euro eingestrichen. Für nichts weiter machen, ist das allerhand. Nehmen wir mal an, dass der Autor im Eigenverlag auch 3000 Euro in die Hand nehmen muss, dann braucht er nur rund 500 Exemplare (weil ja Buchhandlungen auch mit rund 30 Prozent Händlerrabatt zu Buche schlagen), also nur rund die Hälfte der von den Zuschussverlagen versprochenen Erstauflage zu verkaufen. Mich wundert es immer wieder, dass es Leute gibt, die das nicht merken. So ungenau meine Beispiele hier sein mögen, die Tendenz ist eindeutig. Wenn also ein Hobbyautor recht aktiv ist, wird er wahrscheinlich die 500 Exemplare an den Mann und die Frau bringen und danach Gewinn einfahren. Wie wir bereits auf diesen Seiten erfahren haben, ist die Herstellung im Eigenverlag deutlich billiger und ich tippe mal auf rund 250 verkaufte Exemplare, dann fährt der Hobbyautor und –verleger Gewinn ein. Und noch was. Ich wurde auch schon davor gewarnt, dass man die nicht verkaufte Restware bei Bezahlverlagen mit dem Hinweis, es sei doch nicht so gelaufen (woher auch), zu einem respektablen Preis erwerben kann oder der Reißwolf Futter bekommt. Wer kann denn nachprüfen, ob da wirklich noch ein paar hundert Exemplare rumdümpeln oder die wegen des hoffnungsvollen Hobbyautoren schnell noch gedruckt werden?

  21. Renate schrieb am 30. Juni 2009 um 19:41 Uhr

    Bei seriösen Verlagen ist Gewinnbeteiligung durchaus der Fall. Allerdings muss man sich auch im klaren sein, wann “Gewinn” beginnt. Ich habe gerade gestern mit einem Verlag gesprochen, der unter anderem Bildbände raus bringt. Da muss ein Band mindestens 4.000 mal verkauft sein, damit die Kosten gedeckt sind. Also fängt bei so einer Verkaufszahl der Gewinn überhaupt erstmal an. Aus diesem – verständlichen – Grund bringen Verlage auch solche Selbstläufer wie Biografien von Prominenten auf den Markt. Die verkaufen sich von allein. Fast…

  22. M-F H schrieb am 30. Juni 2009 um 21:30 Uhr

    Es gibt durchaus Dienstleister, die Werbung mit anbieten, die sogar mit dem Autor besprochen wird und empfohlen wird, was sich lohnen könnte und was nicht. Es gibt schließlich auch Autoren, die gar keine Werbung haben wollen, sondern “nur” ihr Buch in Händen halten und einfach eine ISBN mit haben wollen, damit es – zumindest theoretisch – im Handel erwerbar ist.
    Libri und Amazon haben ein gewisses Problem, bzw die kleinen Verlage, die im Digidruck herstellen lassen. Der Digitaldruck ist pro Buch recht teuer, was dazu führt, dass, wenn Libri und Co zwischen 50-60% Rabatt haben wollen, die Bücher im Verkauf sehr teuer sein müssen. Libri behält sich auch das Recht vor, nicht verkaufte Bücher zurückzuschicken. Soetwas kann einem Kleinen Verlag das Genick brechen, wenn Libri vorher 200 Bücher ordert. BOD ist für Libri eine Ausnahme, da BOD Libri gehört. Eigentlich ist das sogar ein bisschen Wettbewerbsverzerrend.
    Der Marketplace bei Amazon ist eine Alternative – zwar wird über die Versandkosten oft gemeckert, aber würde das Buch normal über Amazon verkauft werden, müsste es locker die 3€ teurer sein. Es bringt also letztlich nichts.

    500 Bücher zu verkaufen – als Noname – ist eine gewaltige Leistung. Bei 3000 verkauften Exemplaren würde ich mit dem Beleg mal bei Heyne anklopfen – sehr viel höher ist eine Startauflage für unbekante Autoren bei denen auch nicht.

    27000€ Gewinn ist nicht ganz richtig. Wäre der Gewinn tatsächlich so hoch, würden die Zuschussverlage auch Bücher verkaufen wollen. Die Realität ist etwas anders. Der tatsächliche Gewinn für den Verlag pro Buch ist meist nicht viel höher als für den Autor.
    Angenommen das Buch kostet im Laden 10€.
    Dann geht der BHR ab. (30-50%)
    Verbeiben 5-7€.
    MwSt (7%)
    Sagen wir mal, es bleibt bis jetzt ein Gewinn von 5€. Davon bekommt der Autor seine 10-20%.
    Hergestellt werden muss das Buch aber auch noch.
    Und alle (!) Dienstleistungsverlage und Zuschussverlage lassen im Digidruck produzieren. Somit ist der Verdienst pro Buch beim Verlag auch nur bei 1-3€.
    Jeder Verlag weiß, dass er von einem unbekannten Autor allenfalls Bücher im 3stelligen Bereich verkaufen kann, es sei denn, alle Beteiligten haben enormes Glück. Daher sind Angaben von Zuschussverlagen von 1000er Auflagen kompletter Unsinn. Leicht kann man die tatsächliche Auflage anhand des VPs des Buches überprüfen. Bei Auflagen im 4stelligem Bereich macht es wirtschaftlich nur Sinn, im Offsetdruck zu produzieren. Würde das so sein, könnte man die Bücher leicht unter 10€ verkaufen und noch Gewinn einfahren. Wenn also mit einer 3000er Auflage “gewedelt” wird, und ein normales TB kostet weit über 10€, wird es definitiv im Digidruck hergestellt – und dort macht man nur Auflagen bis allenfalls 1000 Stück – eher weniger.

    Mit dem Verkauf von Büchern wird man definitiv nicht reich. Berühmt vielleicht.
    Auch die “großen” Verlage finanzieren sich nur über eine Handvoll Autoren, deshalb sind die Promis auch so begehrte Buchschreiber.

  23. Renate schrieb am 30. Juni 2009 um 22:26 Uhr

    Bei BoD-Büchern muss man unterscheiden zwischen: selbst verkauften Büchern. Also Bücher, die man bei BoD gekauft und im eigene Lager hat und und von dort verkauft. Also jedes Buch eintütelt und zur Post bringt.

    Und Bücher, die man über Libri, Amazon und den normalen Buchhandel absetzt. Wobei Letzteres zu vernachlässigen ist. Macht ein Autor PR, dann wird das hauptsächlich im Internet ablaufen. Also auch der Verkauf. Wobei für den Autor selbst nicht relevant ist, über welchen Weg er verkauft. Die Marge ist immer dieselbe.

  24. Renate schrieb am 30. Juni 2009 um 22:28 Uhr

    P. S.: Die Marge bei selbst eingetütelten Büchern ist selbstverständlich erheblich höher.

  25. Peter Hellinger schrieb am 1. Juli 2009 um 06:03 Uhr

    @Renate:
    POD-Dienstleister: Ich habe beste Erfahrungen mit ProBuissnes aus Berlin (die drucken übrigens auch für den Beuth-Verlag die DIN-Normen, also nicht gerade eine kleine Klitsche). Unter http://www.book-on-demand.de zu finden. Für Verlage eindeutig billiger als BoD. Mein Beispiel von oben als reinen PoD-Produkt kommt auf einen Verkaufspreis von 7,90 (Bod 9,90), da ist dann die komplette Leistung drin: ISBN, VLB und Marketing (im eigenen Buchshop, mit Newsletter und auf der Leipziger Messe). Was im VLB ist, krieg ich in der Regel auch über Amazon oder Libri. Und bei Amazon verkaufe ich über Marketplace selbst (wie auch über meine Firmensite im Netz).

    Die “kleinen” Buchhandlungen würde ich übrigens nicht so leichtfertig abhaken. Viele versuchen sich gegenüber Thalia, Weltbild und Hugendubel abzusetzten, dass sie gerade lokale Autoren besonders präsentieren, öfters mal eine Lesung machen (für die man allerdings in der Regel kein Geld bekommt) und auch sonst sich sehr um lokale Verlage und Autoren bemühen. Da kommen drei Enthusiasten zusammen der Mini-Verlag, der Autor und der Buchhändler. :-)

  26. Peter Hellinger schrieb am 1. Juli 2009 um 06:26 Uhr

    @Andreas
    Wie gesagt: Druckkustenzuschuss ist an und für sich nichts Böses. Dass es da “Verlage” gibt, die damit Schindluder treiben ist unbestritten. Es kann auch ein DKZ-Buch ein Bestseller werden, wenn der Autor genügen Werbung macht – und es entsprechend gut ist. Das Perfide dieser Verlage ist halt die unehrliche Masche, mit der sie die Autoren anlocken und einwickeln, und das Spiel, dass sie mit der menschlichen Eitelkeit treiben.

    Der Autor sollte meines Erachtens auch wirklich keinen Einfluss auf Satz und Layout haben. Ich rede meinem Automechaniker auch nicht in die Arbeit, weil ich davon keine Ahnung habe. :-) Ich hab bisher einmal einer Autorin ziemlich viel Mitbestimmung bei der Gestaltung des Buches gegeben, und es wirklich bereut (angefangen damit, dass wir über meinen Firmennamen diskutiert haben, und wie der auf dem Cover angebracht sein sollte, über Satzspiegel bis hin zu Kapitalband- und Lesezeichenband-Farbe).

  27. Renate schrieb am 1. Juli 2009 um 08:13 Uhr

    Vielen Dank für den Link, lieber Peter, da werde ich mich mal schlau machen. Denn ich gebe Ihnen Recht, was man einem Buch bei BoD “verdient”, wenn man es nicht selbst verkauft, ist in der Tat wenig.
    Und auch was die “kleinen” Buchhandlungen betrifft, so gebe ich Ihnen Recht. Sie sind ambitionierter als zum Beispiel Hugendubel. Was in der Natur der Sache liegt.
    Geld für Lesungen bekommt man übrigens nur in seltenen Fällen. Was aber nicht schlimm ist, ich sehe eine Lesung als PR-Aktion. Dass ein Autor auch Bloggen sollte, darüber habe ich ja auch bereits geschrieben – in dem Beitrag für Anfangsautoren auf meinem Blog.
    Viele Grüße von Renate

  28. Peter Dobrovka schrieb am 1. Juli 2009 um 13:32 Uhr

    Als Kleinverleger bin ich auch schon oft erstaunten Autoren begegnet, die gar nicht glauben konnten, daß sie für einen Veröffentlichung nichts zahlen müssen. Was aber leider nicht hieß, daß ich diese hoffnungsvollen Autoren für umsonst veröffentlicht hätte. Ich habe sie stattdessen schlicht und ergreifend NICHT veröffentlicht, bestenfalls noch eine Begründung verfaßt, warum ich keine Möglichkeit sehe, mit ihren Texten Geld zu verdienen.
    Zum Thema Zuschuss-Verlage und veröffentlichungsbegierige Autoren habe ich schon vor Jahren sehr deutliche Worte geschrieben, und sie haben hat von ihrer Aktualität nichts verloren. Auch die “lieben” Zuschussverlage, die sich – wie auch hier – manchmal an den Diskussionen beteiligen und behaupten, daß sie den Kunden durchaus über den Sachverhalt aufklären, sagen ihm wahrscheinlich NICHT die ganze Wahrheit. Denn es gibt keinen Grund, ein Buch zu produzieren, von dem man annimmt, daß es sich nicht verkaufen wird. Die Aufgabe eines ehrlichen Verlegers ist nicht, zu sagen, “na gut, wenn du bezahlst, dann mache ich es”, sondern abzuwinken und es eben nicht zu machen.

    Aber auch die vielgelobte Alternative BoD ist nicht das Seligmachende:

  29. Peter Hellinger schrieb am 1. Juli 2009 um 17:37 Uhr

    @Peter Dobrovka: Wie schön, dass wir hier nicht in Schubladendenken verhaftet sind. Die Mehrzahl der Bücher, die bei mir erscheinen sind KEINE Bücher mit DKZ, tatsächlich hab ich nur eins mit DKZ im Vertrieb (demnächst).

    Im Gegensatz zu Ihnen sehe ich nichts verwerfliches darin, einem Autor, der unbedingt bei mir veröffentlichen will (z. B. weil der Autor schon Jahre mit mir auf anderen Feldern zusammenarbeitet), die Lage zu erklären und ihm zu sagen, dass ich das Risiko nicht alleine tragen will, weil ich kaum Vermarktungschancen sehe. Das ist eben der Unterschied: Bei mir wird der Autor nicht abgezockt, sondern kriegt klar auf den Tisch was er beizutragen hat. Im konkreten Fall zahlt er die Druckerei, und ich übernehme den Rest (Satz, Layout , Marketing usw.), er kriegt je verkauften Buch den DKZ zurück und 50% des Gewinns. Und wir machen jetzt eine Miniauflage von 100 Stück. Ganz schön über den Tisch gezogen, was? Ich kenne keinen Verlag, der 50% Honorar bezahlt. Mit allem drum und dran bin ich bei diesem Projekt mit mindest so viel Geld beteiligt, wie der Autor selbst.

    Im Augenblick laufen zwei Projekte bei mir, eins ist ein Lyrikband mit DKZ, weil der sich nicht wirklich verkaufen wird (siehe oben), der Autor aber ein langjähriger Kunde ist, und eben mit MIR zusammen arbeiten möchte. Nebenbei bemerkt, hat dieser Autor auch von einem sehr angesehenen Lyrikverlag auch nur ein DKZ-Angebot bekommen. Das andere Projekt ist eine Anthologie und das wird komplett von mir finanziert und die beteiligten Autoren bekommen ein bescheidenes (weil an einer Anthologie eben auch nix verdient ist) Honorar in Form von Freiexemplaren und das Recht zum Einkaufspreis weitere Bücher zu beziehen. Wahrscheinlich hab ich die auch ganz schön über den Tisch gezogen, ich Schlimmer.

    Ihre Unterstellungen, ich würde dem Autor nicht reinen Wein einschenken, muss ich zurückweisen. Mit Leuten wie den bekannten Frankfurtern oder den Erge-Fischern habe ich nichts zu tun, und lass mich auch nicht in die gleiche Ecke stellen. Ich erlaube mir einfach nur eine differenzierte Sicht, statt Schwarz-Weiß zu malen.

  30. Renate schrieb am 1. Juli 2009 um 21:32 Uhr

    Wer bei BoD drucken lässt, zahlt auch einen Druckkostenzuschuss. Logischerweise, BoD ist ja streng genommen eine Druckerei – mit einem speziellen Service eben.
    Ein seriöser Verlag wird kein Buch veröffentlichen, das nicht mindestens eine Verkaufszahl von 2.000 Stück verspricht. Denn darunter ist ein Gewinn zu machen.
    Mit Anthologien und Lyrik lässt sich wohl in der Tat kein Geld verdienen. Deshalb hat ein Autor dieses Genres auch keine Chancen. Es sei denn, es handelt sich um einen einigermaßen prominenten Zeitgenossen. Selbst an Kurzgeschichten sind deutsche Verlage nicht interessiert. Es sei denn, man hat einen großen Namen.
    Wenn ein kleiner Verlag deshalb DKZ mit dem Autoren vereinbart – was spricht dagegen? Nichts. Die kaufmännische Rechnung lässt sich sehr schnell und gemeinsam nachvollziehen. Ein Buch zu drucken im normalen Offsetverfahren ist schweineteuer. Hier in Deutschland. Deshalb lassen kleinere Verlage auch im Ausland drucken. Aber auch dafür gibt es ja Angebote, die man mit dem Autor ganz offen besprechen kann.

  31. Renate schrieb am 1. Juli 2009 um 21:36 Uhr

    P. S.: an Peter
    Danke für den Tipp mit dem On-Demand-Drucker in Berlin. Der kann nämlich CDs hinten ins Buch kleben. Sehr interessant für mich!

  32. M-F H schrieb am 2. Juli 2009 um 10:02 Uhr

    @Peter Dobrovka:
    Genau das ist der Punkt, den ich nicht nachvollziehen kann. Es darf – Ihrer Meinung nach – also nur dann ein Buch veröffentlicht werden, wenn es sich verkaufen lässt? Wenn also das Geld an erster Stelle steht? Kunst ist also nur für die Öffentlichkeit wertvoll, wenn man Geld damit machen kann?
    Wenn ich mich recht erinnere, gab es mal eine Untersuchung darüber, wie oft sich “literarisch anspruchsvolle und von Kritikern gelobte” Werke verkauft haben. Die Verkaufszahlen lagen irgendwo zwischen 0 und 100 Stück. Ergebnis: Diese Bücher haben sich nicht wirklich verkauft, ergo hätten sie nicht veröffentlicht werden dürfen.
    Gegenfrage: Was verkauft sich den gut? Bohlen? Roche? Susanne Fröhlich? Mario Barth? Dan Brown? Eragon? Pushido? Immer die selbe Masche, geschrieben von eher mittelmäßig oder gar nicht begabten Autoren? Im Fall von Eragon auch nur deshalb, weil die Eltern des Autoren Lektoren im Verlag waren, und die Sache durchgedrückt haben? Die Entscheidung darüber, ob ein Buch veröffentlicht wird, hängt doch oft auch mit dem berühmten Vitamin B zusammen.
    Außerdem – sorry, wenn ich das sage – wage ich mal zu bezweifeln, dass Sie als einzige Verleger wissen, was sich gut verkaufen wird und was nicht.
    Wo ist das Problem, Geld zu verdienen, wenn jemand um eine Dienstleistung bittet und bereit ist, dafür zu bezahlen, selbst wenn man ihm sagt, dass die Wahrscheinlichkeit, auch nur ein einziges Buch zu verkaufen, sehr, sehr niedrig ist. Wenn ich an mein Auto ein fünftes Rad montiert haben will und dafür bezahle, warum soll der Mechaniker es dann nicht machen? (Ja, okay, der TÜV würde das nicht wollen, schon klar;))
    Ich kann jedem Autor nur wünschen, es zu schaffen, kein Geld für eine Veröffentlichung zu bezahlen. Aber wenn sie es nicht schaffen, und ihr Buch trotzdem auf dem Markt sehen wollen, hat wohl keiner das Recht, ihnen das zu verwehren.

  33. Peter Hellinger schrieb am 2. Juli 2009 um 10:08 Uhr

    @Renate: Eigenverlag oder bod gilt ja auch bei vielen Leuten in Branche als “nicht gesellschaftsfähig”. Als ob der Abdruck bei einem Verlag schon eine Qualitätsgarantie für das Werk wäre – es ist höchstens eine Garantie dafür, dass sich der Verlag einen gewissen Gewinn verspricht. Ich kenne Leute, die wirklich gut schreiben (IMHO) und keinen Verlag finden. Und relativ oft findet man Bücher aus großen Verlagen, wo man sich wünschen würde, dass die Bäume noch stehen würden, die man für
    Herstellung des Buchpapiers benötigt hat. Aber da wird nachgeschoben was das Zeug hält, weil der Autor einmal einen Treffer gelandet hat und einen bekannten Namen hat – das verkauft sich halt am Ladentisch. Eine Bekannte von mir hat ihr erstes Buch im Eigenverlag herausgebracht. Dadurch ist erst ein “Großer” auf sie aufmerksam geworden (hat sie vorher abgelehnt!), und inzwischen arbeitet sie an ihrem dritten Buch für diesen Verlag. So kann es auch gehen.

    @all:
    Ich finde, als Autoren und Verleger sollten wir uns ganz genau ansehen, was mit der Musikbranche gerade passiert. Viele Musiker verkaufen inzwischen direkt an die Hörer, weil die Plattenfirmen den ganzen elektronischen Zug verschlafen haben. Die Musiker produzieren selbst und auf eigene Kosten und brauchen keine Plattenfirmen mehr. Dafür ist der Gewinn höher. Ich seh das in den nächsten Jahren auch auf die Buchbranche zukommen. Warum sollte sich ein Autor von Verlag zu Verlag eine Absage einhandeln, wenn er direkt mit seiner Kundschaft kommunizieren kann, und dazu höchsten einen Dienstleister braucht?

  34. Andreas Schieck schrieb am 2. Juli 2009 um 10:31 Uhr

    @M-F H
    Genau das ist es. Dort werden keine 27.000 Euro damit verdient, sondern dort wird am Autor verdient. Sonst nix.

    @Peter Hellinger
    Richtig. Der Autor sollte sich bei der Gestaltung des Buches weitgehend heraushalten, weil davon schlicht die wenigsten Ahnung haben.

    @Peter Dobrovka
    Obwohl ich als Autor davon betroffen bin, stimme ich inhaltlich voll zu. Auch zum verlinkten Text. Als Autor muss man sich der Kritik aussetzen. Das macht schon deswegen Sinn, denn solange man noch kritisiert wird, lebt man als Autor. Kritik hat mir bisher am meisten geholfen, auch wenn sie nicht immer leicht verdaulich war. Komisch ist, dass der Grundwiderspruch bei Bezahlverlagen, man habe Material geliefert, was sich für eine Veröffentlichung ausgezeichnet eignet, aber leider sind die Marktchancen unvorhersehbar, nur wenigen auffällt. Als wenn die Marktchancen steigen, wenn man alles selbst bezahlt, wo man weder eine PR noch eine Vertriebsabteilung sein eigen nennt. Welchen Aktionsradius erhofft sich denn ein solcher Autor? Ich will doch bei einem ordentlichen Verlag rein, weil die auch die Vertriebsstrukturen haben.

  35. Peter Dobrovka schrieb am 2. Juli 2009 um 21:00 Uhr

    @Peter Hellinger: Warum will der Kunde denn unbedingt das Buch herausbringen, wenn er vollkommen aufgeklärt ist? Glaubt er trotz aller Schwarzmalerei dennoch an einen Erfolg oder braucht er nur ein paar Exemplare für Freunde/Bekannte?
    Mir ist übrigens noch was eingefallen. Wenn ich ein Buch ablehne, dann deshalb, weil es nicht ins Verlagsprogramm passt oder schlecht geschrieben ist. Das sind die einzigen beiden Kriterien, die dem Buch von vorneherein eine schlechte Verkaufsprognose bescheren. Würde ich so ein Buch dennoch herausgeben, würde ich mir auch dann ins eigene Fleisch schneiden, wenn der Kunde alle Kosten trägt, denn ich würde die Qualität des Verlages verwässern.

  36. Peter Dobrovka schrieb am 2. Juli 2009 um 21:09 Uhr

    @Renate: Ich lasse auch vieles im Ausland drucken, aber es gibt ein paar deutsche Druckereien, die sind in ihrer Günstigkeit dann doch wieder interessant, z.B. der TZ-Verlag, an den ich mich gerne wende, wenn ich mal ein Taschenbuch in 1000er Auflage brauche. Zumal die Transportkosten aus dem Ausland durch die Mautgebühren horrend geworden sind.
    Das Argument mit den Kurzgeschichten funktioniert allerdings nicht. Wenn Lyrik oder Kurzgeschichten keinen Absatz haben, haben sie ihn auch in der DKZ-Version nicht.
    Im übrigen sind nur die großen Verlage nicht an Kurzgeschichten interessiert. Die kleinen sind es dafür umso mehr und sind auch (in ihrem bescheidenen Rahmen) sehr erfolgreich damit. Ich hab z.B. von “Hämoglobin” 3000 Stück verkaufen können, was für einen Großverlag natürlich ein Fliegendreck ist, für einen Kleinverlag jedoch deutlich in der Gewinnzone liegt.

  37. Renate schrieb am 3. Juli 2009 um 08:45 Uhr

    Ein Gruß in die Runde!

    Ich halte mich jetzt aus der Verlängerung des Themas raus. Ich denke, es ist alles dazu gesagt, was relevant ist.

    Viele Grüße in die Runde und viel Erfolg beim Bücher schreiben und verlegen.
    P. S. an Peter: Ja, das Internet und seine persönlichen Vermarktungsschancen über Blog, Twitter und Ähnliches wird der Verlagsbranche noch einiges Kopfzerbrechen bereiten. Aber so ist es halt, wenn man auf den Zug erst aufspringen möchte, wenn er bereits schnell und zielstrebig dahin rollt…

  38. PD schrieb am 3. Juli 2009 um 22:27 Uhr

    @MFH:
    > Genau das ist der Punkt, den ich nicht nachvollziehen kann. Es darf –
    > Ihrer Meinung nach – also nur dann ein Buch veröffentlicht werden,
    > wenn es sich verkaufen lässt?

    “Darf” ist ein zu starkes Wort. Es ist natürlich nicht verboten, so etwas zu tun. Man muss sich nur fragen, ob es sinnvoll ist.

    > Wenn also das Geld an erster Stelle steht? Kunst ist also nur für die
    > Öffentlichkeit wertvoll, wenn man Geld damit machen kann?

    In diese Debatte brauchen wir gar nicht erst einzusteigen. Es steht dem Verleger gerne frei, auf seine Kosten die Kunst zu fördern, wenn das Manuskript ganz toll ist.
    Dem Autor, der in seiner Subjektivität sein eigenes Werk eh nicht beurteilen kann, steht es auch völlig frei, sich eine Druckerei zu suchen und seinen eigenen Verlag zu gründen, wenn er der Meinung ist, die Welt verkenne ihn nur.

    > Außerdem – sorry, wenn ich das sage – wage ich mal zu bezweifeln,
    > dass Sie als einzige Verleger wissen, was sich gut verkaufen wird und
    > was nicht.

    Es geht hier nicht um mich, sondern um den Verleger, der meint, das Buch verkauft sich nicht, aber dem Autor nicht abrät. Ich komme in dieser Gleichung nicht vor.

    > Wo ist das Problem, Geld zu verdienen, wenn jemand um eine
    > Dienstleistung bittet und bereit ist, dafür zu bezahlen, selbst wenn man
    > ihm sagt, dass die Wahrscheinlichkeit, auch nur ein einziges Buch zu
    > verkaufen, sehr, sehr niedrig ist. Wenn ich an mein Auto ein fünftes Rad
    > montiert haben will und dafür bezahle, warum soll der Mechaniker es
    > dann nicht machen?

    Ich würde es eher damit vergleichen, einem unheilbar Todkranken als letzte Hoffnung eine teure aber wirkungslose Behandlung anzudrehen. So was macht man einfach nicht, auch wenn wenn es legal ist und der Geschädigte sich nicht beschweren wird.

    > Ich kann jedem Autor nur wünschen, es zu schaffen, kein Geld für eine
    > Veröffentlichung zu bezahlen. Aber wenn sie es nicht schaffen, und ihr
    > Buch trotzdem auf dem Markt sehen wollen, hat wohl keiner das Recht,
    > ihnen das zu verwehren.

    Es führt alles zurück auf die Frage: Warum wollen sie es denn unbedingt auf dem Markt sehen? Und: Ist ein Buch, das sich nicht verkauft, überhaupt “auf dem Markt”?

    Peter

  39. PD schrieb am 3. Juli 2009 um 22:32 Uhr

    Nachtrag:
    > Wenn ich an mein Auto ein fünftes Rad
    > montiert haben will und dafür bezahle, warum soll der Mechaniker es
    > dann nicht machen?

    Kann er gerne. Warum nicht?
    Der Vergleich hinkt allerdings.
    Wenn ein Autor ein Buch in Kleinstauflage für sich und seine Freunde und Bekannten machen will, soll das gerne gemacht werden.
    Es macht nur keinen Sinn, von unverkäuflichen Büchern hunderte oder gar Tausende herzustellen. Ebenso wie niemand auf die Idee kommen wird, gleich ein Dutzend dieser fünfrädrigen Autos herzustellen.

    Peter

  40. Steven Jakob schrieb am 12. Juli 2009 um 13:30 Uhr

    Auch mir wurde ein Vertrag offeriert, der auf Basis einer Druckbeteiligung gründet. Gut, wenn ich davon ausgehe, dass ich ein eher schwaches Werk erstellt habe und der Verlag wenig interesse am dauerhaften produzieren hat, dann sind diese Verlage im weitesten Sinne unseriös!
    Wenn ich jetzt aber ein “Hammerwerk” erstellt habe und dieser Zuschussverlag kommt ganz kurzfristig in schwarze Zahlen, hätte ich dann das “Superlos” gezogen?
    Denn von der Provision des angebotenen Vertrages sind “nicht Zuschussverlage” weit entfernt.
    Zum besseren Verständnis, ich habe in verschiedenen geschlossenen Foren mein Buch auszugsweise eingestellt -bzw. als Exposé eingestellt.
    Die Rückmeldungen waren äußerst positiv bis hin zum “würde ich sofort” kaufen. Die hypothetischen 500 Bücher könnten also im überschaubarem Zeitraum geschafft sein….
    ….wie steht ihr dazu?
    Habe noch andere Verlage angeschrieben und warte auf Rückmeldungen.

  41. Peter schrieb am 13. Juli 2009 um 09:03 Uhr

    Hi Steven Jakob,
    so wie du das beschreibst, bist du das ideale Opfer für Zuschussverlage. Genau auf solche Leute wie dich hoffen diese Verlage. Bitte verstehe mich nicht falsch, das soll jetzt keine Beleidigung sein. Zuschussverlage haben keine “Infrastruktur” wie normale Verlage und sind im Buchhandel nicht beliebt. Frage mal bei deinem Buchhändler nach. Deren Titel wirst du in keiner Buchhandlung finden. Wer soll die Bücher denn kaufen?
    Und auch die Empfehlungen von Verwandten und Bekannten oder in Online-Foren, die sagen: “Super Buch, würde ich sofort kaufen!” sind leider nicht sehr ernst zu nehmen. Wenn das Buch auf den Markt ist, wird man feststellen, dass es die Verwandten von dir geschenkt wollen, die Bekannten sagen: “Schaue ich mir mal an.” und von den Lobenden in Online-Foren hörst du ähnliches. Naja, vielleicht hast du Glück und verkaufst 5 Stück.
    So sieht es leider aus.

    Peter

  42. Berthold schrieb am 7. April 2010 um 12:01 Uhr

    Spät aber bestimmt möchte ich mich zu diesem Thema auch noch mal zu Wort melden.

    Was hier häufig als Wohltätigkeit gegenüber unbekannten Autoren dargestellt wird – dass man jemanden gegen Zuschuss veröffentlicht, obschon keine reellen Marktchancen erkennbar sind – ist aus meiner Sicht schlicht ein Bärendienst. Für das Erkennen von Überraschungshits beschäftigen Verlage extra Personal, das die eingesandten Manuskripte sichtet. Ein Werk links liegen zu lassen, weil der Autor unbekannt ist (J.K. Rowling beispielsweise) wäre ökonomischer Blödsinn. Es geht schlicht darum, das die Qualität ein gewisses Niveau erreicht. Gelegentliche Typos sind OK, Bandwurmsätze, Erzählstil eines Grundschülers und krasse Logikfehler bereits im Auszug jedoch nicht. All diese faux-pas sind aber in Veröffentlichungen von DKZV mangels Lektorat massenhaft vertreten (Leseempfehlung: Leseproben des Novum Pro Verlages).

    Schlechte Bücher brauchen nicht verlegt zu werden, damit ist wirklich niemandem geholfen. Das Ziel jeden Autors sollte es sein eine Qualität (meinetwegen auch durch Selbststudium) zu erreichen, die einen echten Verlag überzeugen kann. Auch Stephen King hat vor seinem phänomenalen Erfolg hart an sich arbeiten müssen.

    Kostenspieligen Wolkenkuckucksheimen nachzujagen ist schlicht Zeitverschwendung, und je früher Möchtegernautoren das realisieren, desto besser. Lieber mit dem 10. Manuskript endlich landen, als 5 Jahre mit dem (teuer gedruckten) Erstlingswerk hausieren gehen.

  43. Andreas Schieck schrieb am 7. April 2010 um 16:44 Uhr

    Hallo Berthold,
    was du da geschrieben hast, kann man mit ruhigem Gewissen unterschreiben. Es ist die einzige Möglichkeit, an eine vernüftige Veröffentlichung zu kommen. Wer kein Deutsch kann, dem hilft nicht einmal Protegé.

  44. Erwin Reisinger schrieb am 13. April 2010 um 17:22 Uhr

    Auch ich habe soeben ein Angebot vom Deutschen Literaturverlag bekommen. Und ich muß sagen: Respekt! So seriös wirkend, so geschickt durchdacht kam noch keine Abzocke daher.

    Angeblich wurde das Manuskript in mehreren Instanzen geprüft (vor zwei Wochen wurde ich informiert, daß es vom Eingangslektorat geprüft wurde und nun ans Fchlektorat geht). Es soll eines von durchschnittlich vier monatlich veröffentlichten werden (bei angeblich 350 Einsendungen). Natürlich fehlt – wie bei solchen Angeboten üblich – weder der Ratschlag, möglichst schnell zuzusagen (wird doch die Planung für das Frühjahrsprogramm demnächst abgeschlossen) noch ein Formular zur Ratenzahlung (4,95% eff. Jahreszins) – Zitat: “Verdienen Sie am Buchverkauf, zahlen Sie die Investition in Raten. Schon (!) ab 210,16€/Monat”.

    Der Verlagsvertrag wirkt dank schwerem Papier, Plombierung und Monumental-Grabsteinschrift äußerst edel. Weniger sein Inhalt, soll ich doch für den Druck von 1000 Taschenbücher über 8.600€ bzw ebenso viele Hardcover-Ausgaben (Zitat: “was wir generell bevorzugen”) über 14.600€ berappen. Anscheinend muß einem jungen Autor seine Publikation zusammen mit “berühmten Autoren und großen Namen”, die von “professionellem und zielgerichtetem Marketing” unterstützt wird, wert sein.

    Augen auf!

  45. Helga Wolf schrieb am 6. Oktober 2011 um 09:49 Uhr

    Meine Bekannte hat, so wie ich, ein Kinderbuch geschrieben und es an die “Deutsche Litereraturgesellschaft” geschickt. Da ihr aber die “Promotionskosten” von ca. 10 000 Euro, zu teuer war, bat sie um güstigere Angebote. Nun wurde ihr unter anderem, der “Goethe-Verlag” genannt, der “nur” ca. 5000,- Euro an “Promotionskosten” verlangt und außerdem Ratenzahlung gewährt. Darauf hin hat sie diesen Vertrag unterschrieben. Als sie mir davon erzählte, glaubte ich auch zunächst, dass eine Zuzahlung üblich ist. Als ich mein Buch-Manuskript fertig geschrieben hatte, sandte ich es an den Wagner-Verlag und an den österreichischen Vindobona-Verlag. Da ich aber bei beiden Verlagen, ca. 2000,- Euro Zuschuß zahlen müsste und ich mir das nicht leisten konnte überlegte ich ebenfalls um Ratenzahlung anzusuchen. Zum Glück habe ich mich aber vorher im Internet “schlau” gemacht und erfahren, dass es duechaus nicht “normal ist” von einem Autor-ob bekannt oder nicht- eine Kostenbeteiligung zu verlangen. Ich habe weiters erfahren das auch der Goethe-Verlag zu diesen schwarzen Schafen zählt. Dieses habe ich meiner Bekannten mitgeteilt, aber sie glaubte mir nicht und meinte: ich könne ja machen was ich wolle, sie aber fühle sich beim Goethe-Verlag gut aufgehoben, da er alle ihre Voestellungen erfüllt. Ich hoffe für sie, dass ihr Buch nun tatsächlich herauskommt und sie nicht wie ich befürchte, eine große Entäuschung erleidet. Ich habe nun mein Manuskript an einige andere Verlage geschickt. Leider bekam ich bis jetzt nur Absagen. Aber irgendwann wird sich schon einer finden der mein Kinderbuch heraus bringen will. Denn ich weiß ja, dass es gefällt. (Ich ließ es von einigen Kindern lesen -keine Verwantschaft).
    An meinen Zeilen seiht man, dass diese “Zuschuss-Verlage” immer mit der Eitelkeit der Autoren arbeiten, die ihr Buch “um jeden Preis” herausbingen wollen. Ja auch ich wäre fast darauf rein gefallen!

  46. Renate Blaes schrieb am 6. Oktober 2011 um 11:11 Uhr

    Nicht alle “Zuschussverlage” arbeiten mit der Eitelkeit der Autoren!
    In Deutschland erscheinen jährlich rund 80.000 Bücher.
    95 % der an Verlage geschickte Manuskripte werden nicht veröffentlicht. Da kann sich jeder ausrechnen, wieviele Manuskripte unveröffentlicht in irgendwelchen Schubladen liegen, und nicht alle davon sind schlecht.

    Herkömmliche Verlage sind Wirtschaftsunternehmen wie andere Unternehmen auch. Unterm Strich muss also ein Gewinn heraus kommen. Dieser Gewinn lässt sich nur erwirtschaften durch Bücher, die sich gut bis sehr gut verkaufen. Ein Buch von Herrn Bohlen zum Beispiel. Oder von Herrn Ranicki. Oder von Frau Roche. Oder von anderen Autoren, sie sich gut verkaufen und zum großen Teil bereits auf dem Markt etabliert sind.

    Manuskripte von unerfahren Autoren haben wenig Chancen auf Veröffentlichung. Grund: ein Buch zu lektorieren, zu gestalten und zu produzieren, kostet Geld. Das Geld schießt der (herkömmliche) Verlag vor und hofft darauf, dass zumindest die Produktionskosten reinkommen.

    Doch all die nicht veröffentlichten Autoren möchten doch ihr Manuskript so gern in zwei Buchdeckel gebunden sehen. Und genau da haken die Zuschussverlage ein, die ich “Abzockverlage” nenne. Die oben aufgeführten Verlage sind in der Szene als Abzocker bekannt. Sie verlangen horrende Zuschuss-Summen und der Autor bekommt dafür in der Regel wenig bis nichts als Gegenleistung.
    Auch betrügerische Literaturagenten kommen hier ins Spiel. Sie verlangen ebenfalls eine Menge Geld als Vorschuss und liefern kümmerliche Lektoratsarbeiten (wenn überhaupt) und eine Vermittlung an einen herkömmlichen Verlag findet in den wenigsten Fällen statt.
    So, das ist der Stand der Dinge.
    Unternehmen, wie die Book-on-Demand-Druckereien (die als Verlag firmieren), boomen. Weil die Sehnsucht der unveröffentlichten Autoren nach dem eigenen Buch so groß ist.
    Diese Situation ist mir seit vielen Jahren bekannt, und ich habe selbst bei einem Book-on-Demand-Unternehmen einige Kurzgeschichtenbücher drucken lassen, weil die (renommierten) Verlage, die meine Romane veröffentlicht haben, an Kurzgeschichten nicht interessiert waren.
    Ich durfte auch Erfahrungen mit einem betrügerischen Literaturagenten in Berlin machen, der vielen Menschen sehr viel Geld aus der Tasche gezogen hat – wie ich mittlerweile weiß.
    Aus all diesen Erfahrungen heraus habe ich vergangenes Jahr einen eigenen Verlag gegründet. Der Verlag ist jung und klein und kann Autoren kein Honorar bezahlen. Aber mein kleiner Verlag zieht den Autoren kein Geld aus der Tasche, sondern bietet seriöse und professionelle Dienstleistung: Redaktionelle Überarbeitung, Lektorat (unter anderem mit einer sehr erfahrenen Fachfrau, die viele Jahre bei einem der bekanntesten deutschen Verlage als Herausgeberin und Lektorin gearbeitet hat), Design und Beratung bei der Vermarktung des Buches.
    Denn eines steht außer Frage: jeder relativ unbekannte Autor muss seine PR selbst machen. Auch wenn sein Buch bei einem “herkömmlichen” Verlag erscheint. Denn Verlage haben weder Geld noch Zeit, für jedes einzelne Buch die PR zu machen, wie notwendig ist, um in den Medien bekannt zu werden – also rezensiert zu werden.

    Wenn heute auf die Zuschussverlage geschimpft wird, liegt das nur an den schwarzen Schafen dieser Zunft, die nichts anderes machen, als sehr geschickt formulierte Verträge auszuhandeln und damit den Autoren das Geld aus der Tasche zu ziehen.
    Wenn ein Autor sich einigermaßen professionell um PR und Werbung selbst kümmert – und das Internet bietet sehr gute Möglichkeiten dafür – dann hat er die Produktionskosten relativ bald eingefahren. Bei einem seriösen Zuschussverlag selbstverständlich.
    Und mein Verlag ist seriös. Und meine Autoren arbeiten gern mit mir. Weil sie wissen, was sie für ihr Geld bekommen: professionelle Dienstleistung zu fairen Preisen. Und: an den Druckkosten verdiene ich keinen Cent! Weil ich die Druckereien lediglich empfehle. Das Auswählen übernimmt der Autor.
    Zu den Druckkosten gibt es auch noch zu sagen: Ja, die Druckkosten sind durch den Digitaldruck deutlich geringer geworden in den letzten Jahren. Für’n Appel und’n Ei bekommt man ein gut gedrucktes Buch aber auch heute noch nicht, denn es gibt viele Kriterien für ein “gut” gedrucktes Buch. Unter anderem den, dass das Grundlinienraster auf Vorder- und Rückseite übereinstimmt. Dass das Papier nicht zu dünn ist, spielt auch eine Rolle, aber ein unerfahrener Autor weiß nicht, dass das häufig angebotene 80 g-Papier zu dünn ist, und vor allem Zeichnungen und Grafiken durchscheinen.

    Alles in allem: ein Buch zu veröffentlichen ist kein Kinkerlitzchen. Dafür braucht es Know-how und Engagement gleichermaßen. Und: es bedeutet Arbeit. Für den Autor wie für den dienstleistenden Verlag gleichermaßen. Vorausgesetzt, es handelt sich um einen seriösen Verlag. Dass der August-von-Goethe-Verlag mit Vorsicht zu genießen ist, steht überall im Internet. Dazu braucht man nur mal zu googeln. Mir selbst ist ein Fall persönlich bekannt, wo ein Autor für ein 220 Seiten-Fachbuch 11.000 Euro (in Worten: elftausend Euro) bezahlen sollte. Als Gegenleistung hätte er 30 Freiexemplare bekommen und 30 % vom Ladenverkaufspreis. Dazu muss man wissen, dass 2.000 verkaufte Exemplare eines Fachbuches schon zu den Bestsellern gehört. Das Buch hätte 17,80 EUR gekostet. Erlös für den Autor also pro Buch 5,34. Er hätte also die besagten 2.000 Exemplar verkaufen müssen, um überhaupt seine Kosten zu amortisieren.

    Ende der Ausführungen.

  47. Dietmar Dressel schrieb am 31. Mai 2014 um 17:41 Uhr

    Diese DKZV sind sicherlich nicht geeignet, uns Schreiberlingen eine echte Chance zu geben – eigentlich gehören sie vom Markt. Die klassischen Verlage sind eingebettet in wirtschaftliche Zwänge, und das bedeutet in der Vielzahl der eingereichten Manuskripte eine Absage – leider! Ich habe in den letzten zweieinhalb Jahren 11 Romane, 2 Erzählbände und ein Kinderbuch veröffentlicht – wo? – bei dem BoD Verlag in Norderstedt. Und glauben Sie mir, ich bin froh dass es ihn gibt. Bei einem Beitrag pro Buch von 19,00 EUR kann man von Kosten nicht sprechen. Ich denke, diese Art von Verlagen geben uns “Anfängern” oder uns älteren Autoren eine gute Chance das zu tun, nach dem es uns so innig treibt, das Schreiben.
    Wie ist eure Meinung dazu???
    Dietmar Dressel

  48. Tairi schrieb am 17. September 2016 um 23:15 Uhr

    ich habe diesen Beitrag gelesen und finde es super. ich bin Fremdsprachig und bin neue im Geschäft. ich habe 3 Bücher geschrieben und versuche sie verlegen zu lassen. ich habe gerade einen Buchverlag. sie sind an einem Buch sehr interessiert. sie wollen aber Fr. 6300 von mir haben. das ist ein Betrug. ich habe auch kein Geld, da ich nur eine IV-Rente habe, ich habe einen 4. Buch angefangen, habe 70 Seiten und ich kann nicht weiter schreiben. ich kann viel schreiben. Für nichts. ich kann sie nicht verlängern lassen.
    Bitte, wenn sie eine einen Ausweg wissen, mir zu helfen, melden sie sich bei mir. Tairi. 076 226.32 11. ich danke allen, die mir helfen können.
    mit freundliche Grüssen

    Tairi

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    […] Rein in den Sattel und auf ins literaturcafe.de! Es lohnt sich für jeden, der im Literaturbetrieb noch nicht ganz sattelfest […]

  2. FairVerlag vs. Selbstverlag « richard k. breuer verlinkte am 30. November 2009 um 22:31 Uhr

    […] Selbstverlag der Fall ist). Einen interessanten Bericht dazu lesen Sie auch im literaturcafe.de: http://www.literaturcafe.de/zuschussverlage-und-naivitaet/ Mit den besten literarischen Wünschen Christine Körner Bundesverband junger Autoren und […]

  3. Man muss es immer wieder sagen! « Philipps Lektorenblog verlinkte am 3. Oktober 2010 um 21:14 Uhr

    […] Rein in den Sattel und auf ins literaturcafe.de! Es lohnt sich für jeden, der im Literaturbetrieb noch nicht ganz sattelfest […]