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Beitrag vom 11. März 2009 | Rubrik: E-Books

Warum das eBook 2009 einen Hype erlebt, obwohl es 2003 bereits tot war

SONY PRS-505Im September 2003 stellt die US-amerikanische Buchhandelskette Barnes & Noble den Verkauf von elektronischen Buchdateien – den sogenannten eBooks – ein. Der Betrieb der Plattform lohnt sich nicht mehr. Die Firma Microsoft, die mit dem »Reader« eine Software auf den Markt gebracht hatte, die jahrelang Bestandteil jedes windows-mobile-basierten PDAs war, entwickelt das Programm seit Juni 2003 nicht mehr weiter. Der eBook-Pionier Gemstar, der seinerzeit das Lesen von eBooks auf dem sogenannten RocketBook revolutionieren wollte, stellt ebenfalls 2003 den Verkauf der Geräte ein.

Das eBook war 2003 tot. Der Hype ums Lesen auf batteriebetriebenen Geräten war kurz nach der Jahrtausendwende beendet. Vorbei die Galaveranstaltung eines eBook-Awards in der Frankfurter Oper.

Doch dann kam alles anders, denn dann kam Amazon und brachte im Herbst 2007 mit dem Kindle plötzlich wieder ein neues Lesegerät auf den Markt. Und der eBook-Hype begann erneut.

Allerdings war es mitnichten so, dass man nicht auch die Jahre dazwischen mehr oder weniger jeden deutschsprachigen Bestseller nicht auch im Netz bekommen hätte – allerdings nicht legal. Die Szene der illegalen Buchdigitalisierer war schon immer fleißig und reichlich kooperativ. Gemeinsam wurde an den digitalen Buchdateien gearbeitet. Der eine scannte das Buch, andere lasen Korrektur und behoben Scanfehler. In den Tauschbörsen und bei Filehostern wurden die Dateien meist im PDF-Format getauscht und verbreitet. Ob es der sportliche Ehrgeiz an der Digitalisierung war oder ob diese Werke tatsächlich in dieser Form auch gelesen wurden? Keiner weiß es. Und keinen kümmerte es so recht, auch nicht den Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Selbst um die Frage, ob die Preisbindung, die in Deutschland für gedruckte Bücher gilt, auch für die immateriellen elektronischen Ausgaben gelte, machte man sich keine Gedanken, denn Ernst zu nehmende Lese- und Downloadplattformen für eBooks gab es nicht mehr. Außerdem hatte man Angst, mit der Diskussion schlafende Hunde zu wecken, denn eine Diskussion um die Preisbindung birgt immer die Gefahr, dass sie seitens der EU generell infrage gestellt werden könnte.

Mit dem Kindle bot Amazon im Herbst 2007 nicht nur das Lesegerät, sondern fast alle Titel der New York Times Bestsellerliste für 9,99 Dollar an. Gedruckt kosteten die in der Regel über 20 Dollar. Allerdings gab es in den USA nie eine Preisbindung, und billige Bestsellerangebote sind dort an der Tagesordnung. Und bei der Rechnung sollte man nicht vergessen, dass auch das Lesegerät damals mit 399 Dollar den günstigen Preis der »Buchsoftware« relativierte.

Doch der Deutsche Buchhandel horchte auf – und bekam es angesichts der Marktmacht Amazons mit der Angst zu tun. Noch schien man dem hiesigen Buchhandel eine Gnadenfrist zu gewähren, denn für Deutschland oder Europa wurde kein Verkaufsstart des Kindle genannt.

Immerhin gab es bereits eine Digitalisierungsinitiative des Börsenvereins für den Deutschen Buchhandel, die sich im Oktober 2007 in libreka! umbenannte: Verlage konnten hier ihre Werke digital beisteuern oder scannen lassen. 2007 waren dies nach Angaben des Betreibers 8.000 Titel, heute sollen es knapp 100.000 sein. Die sich eher spröde präsentierende Plattform war und ist bei den Mitgliedern des Börsenvereins nicht unumstritten, zumal die Kosten über einen zusätzlichen Obulus beim gedruckten Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) finanziert werden.

Dass es libreka! gibt, ist mehr oder weniger Google zu »verdanken«. Man wollte die Digitalisierung von Büchern nicht ausschließlich dem Suchmaschinenanbieter überlassen, zumal man dessen Buchscanprojekt nach deutschem Urheberrecht für bedenklich hält, auch wenn Google mit den Autoren mittlerweile eine entsprechende finanzielle Vereinbarung getroffen hat und den Autoren das Scannen ihrer Bücher vergütet. libreka war zunächst die Antwort auf Google Booksearch.

Amazon verkündete im Sommer 2008, dass der Kindle und der Verkauf von eBooks in den USA ein voller Erfolg sei, ohne jedoch konkrete Verkaufszahlen des Lesegerätes zu nennen. Und noch immer wurde kein Verkaufsstart für Deutschland bekannt gegeben; die Unruhe in der Branche wuchs, als die FAZ kolportierte, Amazon würde dies anlässlich der Buchmesse 2008 tun. Doch Amazon schwieg.

Seitdem läuft das große Wettrennen und der oftmals verzweifelte Versuch, vor dem Europastart des Kindle Marktanteile oder zumindest einen Platz in der medialen Berichterstattung zu erobern. Sony bringt heute, am 11. März 2009, zusammen mit der Buchhandelskette Thalia und dem Buchgrossisten Libri das Lesegerät PRS 505 zum gnadenlos teuren Preis von 299 Euro auf den deutschen Markt. Ein Berliner Unternehmen bietet mit dem txtr ein alternatives Lesegerät an. Und der Buchgrossist KNV, der oftmals der Libri-Konkurrenz hinterherläuft, verkündet ebenfalls den Start einer eigenen eBook-Plattform, was aber freilich nichts weiter als eine Kooperation mit dem Anbieter Ciando ist, wie sie beispielsweise Billigbuchanbieter jokers.de seit geraumer Zeit anbietet. Wenige Tage später gibt KNV bekannt, man werde im zweiten Quartal 2009 auch libreka!-Downloads integrieren. Man nimmt eben mit, was geht.

Jeder will, jeder kann, und jeder bietet plötzlich wieder eBooks an.

Aber welche?

Tatsache bleibt, dass die meisten aktuellen Besteller nach wie vor nur illegal digital zu haben sind und in den eBook-Shops nicht angeboten werden – ein Manko.

Tatsache auch, dass der Buchhandel immer noch darauf spekuliert, die elektronischen Bücher zum gleichen Preis wie die gedruckten Ausgaben anzubieten: aber diese Preispolitik ist dem Kunden nicht zu vermitteln. Selbst im heute eröffneten eBook-Shop von Thalia sind die elektronischen Bücher nur 2 Euro günstiger als die gedruckte Fassung. Man müsste 150 Titel kaufen, sodass sich der Preis des 299 Euro teuren SONY-Readers amortisieren würde. Bis dahin dürfte das Gerät veraltet, günstiger oder bereits defekt sein. Hinzu kommt, dass der Börsenverein mittlerweile seine Meinung revidiert hat und der Auffassung ist, dass auch eBooks preisgebunden sein müssen. Auch dies eine problematische Haltung angesichts des globalisierten Handels. Allerdings will man dies notfalls mit Musterprozessen durchsetzen.

Überhaupt agiert der Börsenverein rechtlich wie der Elefant im Porzellanladen und hat derzeit gute Chancen, bei den Kunden seinen Ruf zu verspielen, wie es die Plattenindustrie bereits recht unrühmlich getan hat. Zu sehr versucht man, potenzielle Kunden zu kriminalisieren, und ruft nach Bestrafung oder Internet-Zensur, um den Web-Zugang für echte oder vielleicht auch nur vermeintliche Raubkopierer zu sperren. Dass dies unter dem Euphemismus »zivilisiertes Internet« geschieht, spricht für sich. Dennoch wird man den Raubkopierern immer hinterherlaufen. Auch die Todesstrafe verhindert keine Morde.

Keine sechs Jahre nach dem Tod des eBooks ist der Rummel in vollem Gange: Wie zu Zeiten der New Economy protzen eBook-Anbieter im digitalen Schwanzvergleich mit ihren Downloadzahlen, und jeder, der das Wort eBook in einer Pressemeldung erwähnt, hat gute Chancen, bei den Medien Gehör zu finden. Schon könnte man den Eindruck gewinnen, dass es auch auf der Leipziger Buchmesse nur ums elektronische Lesen geht. Und wie immer gibt es Umfragen, die scheinbar belegen, dass die Zahl der potenziellen eBook-Käufer enorm hoch sei. Gerne hätte man gewusst, wie diese angeblichen Käufer denn ein eBook definieren. Auch libreka! will zur Buchmesse zum eBook-Downloadportal werden, obwohl nach wie vor die attraktiven Spitzentitel fehlen.

Und Amazon? Fast schon genüsslich scheint man dort weiter Öl ins Feuer zu gießen. Noch immer fehlt ein Kindle-Startermin für Europa, da kommt schon die nächste beunruhigende Nachricht für die Branche: Zum Lesen des proprietären Amazon-eBook-Formats ist in den USA nicht mehr das Kindle-Lesegerät erforderlich, sondern eine neue Software erlaubt die Lektüre nun auch auf dem populären Apple iPhone oder Apple iPod touch. Während Apple-Chef Steve Jobs zunächst den Verkauf von elektronischen Büchern durch Apple ausgeschlossen hat, da seiner Meinung nach die Leute heutzutage nicht mehr lesen, scheint nun Amazon dieses Feld zu besetzen.

Und auch hier keine Information von Amazon darüber, wann für die mobile Apple-Plattform auch in Deutschland Bücher angeboten werden.

Allerdings entwickelt sich das iPhone auch ohne Amazon schon zu einer eBook-Plattform, denn im sogenannten App Store werden bereits Lese-Software und eBooks angeboten.

Doch was wird in fünf Jahren sein? Wird das eBook dann wieder tot sein und 2014 das nächste große Comeback feiern? Obwohl derzeit ohne Frage ein eBook-Hype herrscht, glauben Experten nicht daran, dass dieser wieder so sang- und klanglos verblasst wie 2003. Zum einen sind mit Amazon, Google und Apple schwergewichtige Anbieter im Markt, zum anderen sind auch die meisten neuen Geräte – beispielsweise durch die augen- und akkuschonende E-Ink-Technik – besser als die damaligen.

Offen bleibt indes die Frage, ob der Verkauf der elektronischen Bücher eine Ernst zu nehmende Menge erreichen wird und ob sich dadurch Auswirkungen auf das Geschäftsmodell des Buchhandels ergeben.

Und dann gibt es da noch die Buchhandelskette Barnes & Noble, die 2003 ihren eBook-Shop dichtmachte, aber unlängst für umgerechnet 12,4 Millionen Euro den eBook-Anbieter Fictionwise kaufte. So ändern sich die Zeiten.

26 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Kerstin Rachfahl schrieb am 11. März 2009 um 13:07 Uhr

    Bisher bin ich ein absoluter Bücherfan gewesen. Mit Leidenschaft und Überzeugung. Ich liebe das haptile Gefühl von Büchern. Vor zwei Tagen hat sich das geändert. Ich habe mir auf meinem iPhone zum Testen stanza geladen, ebenfalls eine Anwendung zum Lesen von eBooks. Und so klein dieses iPhone ist, das Lesen war unglaublich angenehm und ich hatte das gleich Gefühl wie bei einem Buch. Mit vielen schönen Vorteilen.
    Ich werde mir ein eBook Reader kaufen. Statt Stapel von Zeitschriften wegzuwerfen, kann ich sie mir auf den Rechner laden. Endlich geht mir im Urlaub nicht mehr der Lesestoff aus. Mein Gepäck bleibt leicht. Ich spare mit die Anschaffung meines nächsten Bücherregals und beim nächsten Umzug brauche nicht mehr soviele Bücher zu schleppen. Allein für Schüler, Studenten könnte die Bücher Schlepperei ein Ende haben. Das hätte sogar Auswirkung auf die KV :-)
    Nächster Punkt. Wie sieht es mit den unendlich vielen Hobby-Autoren aus, die gute Geschichten schreiben, keine Bestseller, jedoch durchaus Fans haben? Sich durch den Engpaß Verlag quälen? Sich an den Veröffentlichungen finanziell beteildigen? Ich will ja gar nicht vom Bücherschreiben leben. Ein ebook lässt sich da doch viel leichter zur Verfügung stellen. Wer will da eine Buchpreis-Bindung durchsetzen?
    Ich glaube wenn sich die Verlage da nicht langfristig eine preislich interessante Variante einfallen lassen, verpassen sie einen wichtigen Markt.
    Ssiehe auch “The Long Tail” von Chris Anderson.
    P.S. meine Internetseite geht erst nächste Woche Online

  2. Verlagsstarter schrieb am 12. März 2009 um 09:34 Uhr

    Vielen Dank für diesen Überblick zur Geschichte des eBooks (wenn man denn schon von Geschichte sprechen kann). Soweit ich weiß hat sich das ebook im Fachliteraturbereich schon etabliert, für Belletristik mag ich aber nach wie vor nicht so recht an einen Siegeszug glauben – noch mehr am Computer lesen? Nein danke! Noch ein weiteres teures Gerät, das sonst nichts kann, nicht mal eine Suchfunktion hat? – bloß nicht. Genauso viel zahlen wie fürs haptisch erlebbare, neu riechende Buch, das entdeckt werden will? – auf keinen Fall.

    P.S.: @Kerstin Rachfahl: Spare gerade auf ein iphone …

  3. Kerstin Rachfahl schrieb am 12. März 2009 um 10:53 Uhr

    @verlagsstarter: Kann ich nur empfehlen, auch wenn es mehr kostet als andere Handy´s.

    Gestern habe ich erstmal ein wenig recherchiert, was hier im Artikel alles so steht. Der Kindle ist ja bereits richtig weit und inzwischen auch für das iPhone zu haben, wenn man denn über das amerikanische Portal geht.
    Jetzt mal etwas provokativ. Jahrelang haben wir die amerikanischen Autoren von den deutschen Verlagen importiert bekommen, weil die Entwicklung von deutschen Nachwuchsautoren so teuer ist. Englisch lesen muss ich in meinem Fachbereich sowieso ständig, also warum nicht gleich meine amerikanischen Lieblingsautoren auf englisch runterladen?
    Weil meine Muttersprache deutsch ist und ich sie liebe. Also ihr Verleger aus Deutschland, verpasst den Anschluß nicht :-)

  4. Verlagsstarter schrieb am 12. März 2009 um 11:13 Uhr

    @Kerstin Rachfahl: es steht ganz oben auf der Liste …

    Amazon war wirklich clever, sofort eine Applikation fürs iphone rauszubringen – mal sehen, ob der Kindle überhaupt nach Europa kommt, oder ob sie den europäischen und den asiatischen Markt einfach mit dem iPhone knacken wollen. Die diversen eReader Modelle dürften dann jedenfalls keine Chance mehr haben …
    Was die interessanten neuen Autoren betrifft: dank der breiten Verlagslandschaft in Deutschland gibts da durchaus sehr viele Entdeckungen, ich kann da zum Beispiel kookbooks sehr empfehlen. Schwerpunkt liegt auf Lyrik, aber auch eine wunderbare Prosa-Reihe. Und Onkel&Onkel Bücher müssten schon bei itunes zu haben sein…
    Gehen diese Independentverlage in der öffentlichen Wahrnehmung einfach unter?

  5. cbgreenwood schrieb am 12. März 2009 um 13:12 Uhr

    Genau! Stimme zu 100% zu: “… hat sich das ebook im Fachliteraturbereich schon etabliert …” Rein dafür hat sich für mich die iPhone-Anschaffung schon gelohnt, bei Kindle und Konsorten warte ich lieber noch 1-2 Produktzyklen. Was aber u.a. O’Reilly hier beginnt, hat für Techies, Programmierer, Administratoren definitiv eine große Zukunft: http://toc.oreilly.com/2009/03/oreilly-ebooks-now-in-stanza.html (Disclaimer: nicht verschwägert, aber überzeugter Nutzer)

    Ein Wunsch zur Usability hier: bitte die Lese-/Hauptcontentspalte etwas schmaler fassen, zu lange Textzeilen am Bildschirm ;-)

  6. mikel schrieb am 14. März 2009 um 11:30 Uhr

    Es wird irgendwann Lesegeräte vom Discounter geben. Ich denke aber auch die Initialzündung wird nicht von “Büchern” ausgehen, sondern von Zeitungen oder Zeitschriften, die sich die hohen Print- Papier- Personal(Vertriebs)- Kosten sparen wollen (müssen) oder von “Heftchenromanen”. Wie wäre es mit 3000 Perry Rodan Romanen auf einem Medion-Lesegerät bei Aldi? Oder Zusatz-Bildschirme im E-Ink-Verfahren für x-beliebige Handys?

    Es wird kommen und der Börsenverein wird den Weg von AOL gehen oder der Musik-Industrie, wenn er nicht kreativ wird. Wer wird Lit-Agenten daran hindern selbst als “Online”-Verlag zu agieren? Und in Mexiko, der Ukraine oder auf den kanalinseln werden die Server stehen, die unter der Domain dot.read sich keinen Deut um deutsche Preisbindungen scheren. Randohouse ist doch uch ein global Player…

    und und und..

  7. Klaus N. Frick schrieb am 17. März 2009 um 10:26 Uhr

    PERRY RHODAN ist selbstverständlich schon seit Jahren als eBook erhältlich, darüber hinaus gibt es seit zwei Jahren Handy-Downloads, die sogenannten Mobilebooks (also lange vor dem Hype um das I-Phone). Wir bieten aktuelle Romane darüber hinaus auch als Hörbücher zum Download an. Man kann also nicht sagen, dass das eBook bereits 2003 tot gewesen sei … der erste Hype war eben vorüber, so wie auch der diesmalige Hype irgendwann vorüber sein wird.

  8. Annorra schrieb am 19. März 2009 um 19:59 Uhr

    Ich persönlich würde mir wirklich gerne einen E-Book-Reader und E-Books kaufen und bin natürlich bereit, dem Autor, dem Verlag und dem Online-Buchhändler ihre gerechten Anteile zu zahlen (umso besser, wenn nur der Autor in dieser Kette ist, desto billiger wird das Buch; dank E-Books statt der teuren Books on Demand könnten Autoren ohne Verlag preislich endlich mit den Buchpreisen der Großverlage konkurrieren). Aber niemand soll mir erzählen, E-Books und der Reader m ü s s e n so teuer sein. Es ist doch keine soo unübliche Preispolitik, Produkte zu Niedrigpreisen anzubieten, damit möglichst viele sie kaufen, um das große Geld mit der Masse der verkauften Produkte zu machen und nicht die Juwelen-Händler-Preispolitik zu betreiben. Und Amazon und Sony sind Riesen, die treibt das Risiko schon nicht in den Ruin. Entweder, die Niedrigpreisstrategie klappt oder es klappt gar nicht. Die Juwelen-Händler-Strategie wird nicht klappen, Kunden sind schließlich nicht doof. Für 300 Euro werde ich mir schlicht und einfach kein Lesegerät kaufen und erst recht nicht, wenn die E-Books nicht erheblich günstiger sind. Für 50 Euro bei zugleich niedrigen E-Book-Preisen hätten sie aber schon eine Kundin mehr.

  9. Kerstin Rachfahl schrieb am 20. März 2009 um 11:50 Uhr

    @Verlagsstarter: ja, ich nehme die Indepentverlage nicht unbedingt wahr. Ich achte bei einem Buch nicht unbedingt auf einen Verlag und ich selbst habe noch keinen gesucht :-)

    Die Diskussion hat mich angeregt mal etwas genauer die Reader an zu sehen. Mit Stanza habe ich ja schon gearbeitet, gefällt mir gut. Vor zwei Tagen habe ich mir die Kindle Applikation für das iPhone runter geladen. Auch damit lässt es sich gut lesen. Bisheriger Nachteil zu Stanza es lässt sich für das iPhone nicht auf querlesen (vertikal statt horizontal) einstellen. Erst war es sehr komisch nur so einen kleinen Teilausschnitt eines Buches zu sehen (Bücher sind halt schon was tolles), doch wenn man in das Buch eintaucht, spielt es keine Rolle wie oft ich mit dem Finger über den Bildschirm streiche. Nehme jetzt mal ein paar Bücher mit in den Urlaub und berichte wie es klappte. Übrigens gebe ich Annorra recht. Die Reader (also wirklich nur zum Lesen zu gebrauchen) sind mir im Moment zu teuer. Mein persönliche Preisgrenze wäre 149,-Euro brutto (die neun hinten brauche ich für die Psychologie). Je nach Buch dürfte sich der Preis für ein eBook zwischen 1,- Euro und 15,- Euro bewegen.

  10. Amine Ramdani schrieb am 21. März 2009 um 22:30 Uhr

    Bevor man sich mit der Geschichte des Ebooks beschäftigt, sollte man sich doch mal mit der Geschichte des Papiers als Informationsträger beschäftigen. Das Papier hat eine Geschichte von mehr als 1900 Jahren! Diesem Informationsträger, das Aussterben vorherzusagen, finde ich nicht angebracht und seitens der Verfechter als überheblich. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass ein alternativer Bedruckstoff anstatt des Papieres entwickelt wird, als dass das Ebook über das Buch siegen wird.

  11. Fred Worms schrieb am 23. März 2009 um 06:44 Uhr

    E-Buch Leser sind kleine Unix-based computer. Diese können Text zeigen, viele sind auch zum Abspielen von mp3 geeignet. Nur ist keiner noch auf die Idee gekommen (as far as I know) diese Geräte fur “Talking Documents / Talking Digital Books” zu verwenden. Ich meine nicht abscheulicher compter-generated voices, doch vorgelesenes, siehe zum Beispiel mein Produkt WDS at talkingdocs.org.

  12. cbgreenwood schrieb am 25. März 2009 um 19:28 Uhr

    Eine lesenswerte Artikelserie zur “Lage der eBook-Nation” findet sich auf http://radar.oreilly.com/2009/02/state-of-the-computer-book-mar-24.html … sehr interessante Zahlen

  13. Kerstin Rachfahl schrieb am 26. März 2009 um 09:46 Uhr

    @cbgreenwood: Vielen Dank für den interessanten Link. Da kommen doch mal ein paar mehr Fakten ins Spiel.

    Ich denke, dass es immer wieder Bücher geben wird, die ich sehr gerne in der Hand halten oder verschenken möchte. In dem beruflichen Bereich, in der Aus- und Weiterbildung, bei Sachbüchern und bei meinem Konsum an Unterhaltungsliteratur für die Zerstreuung wird es einen Wechsel zu eBooks geben.
    Ich denke, dass wir mit dem Thema offen umgehen sollten und nicht aus lauter Angst verbarikadieren. Es gibt viele Branchen die eine Veränderung durch machen. Das ist Wirtschaft.
    Es gab mal eine Preisbindungen für Textilien! Und bestimmt in ganz vielen anderen Bereichen auch. Sie alle mussten sich davon trennen und existieren weiterhin.

  14. Thomas Knip schrieb am 23. April 2009 um 01:41 Uhr

    eBooks sind ein weiteres Medium, in dem Texte veröffentlicht werden können. Nicht mehr, nicht weniger. So wie Musik als Vinylplatte, CD oder MP3 erscheinen kann. Und wie jedes Medium wird es seine Liebhaber finden, die eben die Vorteile begrüßen.
    Und dafür, dass das eBook bereits 2003 tot gewesen sein sollen, haben seit dieser Zeit doch verschiedene Verlage und Shops beständig das eBook unterstützt. Es hat nur eine massentaugliche Hardware wie die E-Ink-Technologie gefehlt, die für einen deutlichen Schritt nach vorne in der Akzeptanz von digitaler Literatur geführt hat.

  15. Kerstin Rachfahl schrieb am 23. April 2009 um 09:38 Uhr

    Das finde ich mal einen sehr guten Beitrag Herr Knip.
    Ich habe im Urlaub mit Stanza für das iPhone gelesen. Die Amerikaner sind mit ihren eBooks sehr rigide. Ohne eine amerikanische Kreditkarte, kann ich Original englische eBooks nicht runterladen. Schade. Zum Glück gibt es das Gutenberg-Projekt, so dass ich Literatur zur Verfügung hatte zum Probelesen. Finde ich ein super gutes Projekt.
    Obwohl das iPhone ja recht klein ist, habe ich einen Abend mal sechs Stunden gelesen. Ohne Licht. Der Kontrast war gut. Keine müden Augen. Ich las mit einer sehr kleinen Schrift, mein Mann wählte, als Brillenträger eine größere Schrift. Es lassen sich Lesezeichen setzen. Bei englischer Literatur,besteht die Möglichkeit ein Wort zu markieren und direkt im Lexikon nachzuschlagen.
    Die verschiedenen Schriftgrößen finde ich einen tollen Vorteil bei einem eBook.

  16. Verlagsstarter schrieb am 23. April 2009 um 17:39 Uhr

    Hier ist ja noch heiß diskutiert worden in den letzten Wochen!
    @Kerstin Rachfahl: der Leseerlebnisbericht spricht ja tatsächlich sehr fürs iphone. Habe gerade vergeblich nach den kostenlosen Downloadlinks für englische Ebooks gesucht, wenn ich sie noch finde, poste ich sie hier.

    Bislang lesen die meisten in der U-Bahn noch Bücher, sogar dicke Hardcover – bin gespannt, wann sich elektronische Lesemöglichkeiten noch stärker durchsetzen. In Amerika wird außerdem gerade mit neuen Mischformen experimentiert. Das “Vook” bzw. Vuch beispielsweise versucht, die multimedialen Möglichkeiten, die das elektronische Publizieren bietet, in die Texte zu integrieren. Hört sich nach sehr spannenden Ideen an (gibt noch andere Projekte), bislang gibts allerdings nur Test-Versionen.

  17. cbgreenwood schrieb am 28. April 2009 um 11:04 Uhr

    Uff, Amazon kauft Stanza (iPhone eBook Reader app): http://www.teleread.org/2009/04/27/amazonlexcycle-acquisition-is-bad-for-ebook-classics/ untersucht Konsequenzen. Der die das Blog ist auch sonst eine gute Infoquelle zu Ebooks, wie ich nach einigem Stöbern finde.

  18. Thomas Knip schrieb am 29. April 2009 um 02:09 Uhr

    Das iPhone ist auch für mich ein überraschend gutes eBook-Lesegerät, gerade wenn man mit Stanza liest. Klares und doch augenschonendes Display. Der Akku dürfte für ausgedehntere Sitzungen nur gerne etwas länger halten …
    Es bleibt zu hoffen, dass nach der Übernahme von Amazon sich grundsätzlich nichts am offenen Modell von Stanza hinsichtlich der Aufnahme von Shops ändert.

    Ansonsten ist die Ankündigung von Weltbild heute, mit dem Cybook und einem eigenen Shop auch ins eBook-Geschäft einzusteigen, ein weiteres positives Indiz, dass der Markt bereit ist, sich dieses Mal intensiver auf eBooks einzulassen.

  19. Verlagsstarter schrieb am 30. April 2009 um 00:10 Uhr

    @Thomas Knip @Klaus N.Frick: sind die SciFi-Freunde aufgeschlossener, was den Kauf von eBooks angeht?

  20. Klaus N. Frick schrieb am 30. April 2009 um 11:31 Uhr

    An Verlagsstarter: Ich kann nicht sagen, ob SF-Freunde generell aufgeschlossener sind als andere Leser. Sie sind zumeist technik-affiner, denke ich, und arbeiten überproportional häufig in Berufen, die technik-orientiert sind (Computerbranche, Maschinenbau etc.pp.); von daher ist da einfach eine größere Nähe vorhanden, als ich sie jetzt mal den Lesern von Heimat- oder klassischen Fürsten-Romanen unterstelle.

  21. Thomas Knip schrieb am 30. April 2009 um 14:34 Uhr

    @ Verlagsstarter: Es hat zumindest den Eindruck. SF gehört neben Erotik (was einen nicht wirklich wundert) bei uns zu den bestverkauften Genres. Vielleicht liegt es an der Affinität zu neuen Technologien. Vielleicht auch daran, dass wir viele alte Titel als eBooks wieder verfügbar machen, die in gedruckter Form schon lange vergriffen sind.

    Da SF im Buchhandel derzeit aber nur eine marginale Rolle spielen, gehe ich nicht davon aus, dass sich bei den aktuellen Titeln nun SF-Romane deutlich hervorheben werden.
    Langfristig werden sich auch die aktuellen Bestseller bei den eBook auf den vorderen Plätzen finden. Und diese werden ja nicht durch SF besetzt.

  22. Verlagsstarter schrieb am 2. Mai 2009 um 09:32 Uhr

    @Klaus N.Frick und @Thomas Knip: Vielen Dank für Ihre Antworten. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie die Entwicklung weiter geht und ab wann sich eBooks für Verlage wirklich rechnen (zumindest vermittelt Matthias Ulmen in einer Börsenblatt-Kommentardebatte den Eindruck, als sei es eine sehr große Investition, die man rausschiebt)- und ob man tatsächlich genrespezifisch entscheiden kann, ob eBooks sich tragen werden oder nicht. SciFi, Krimis und Top 10 als eBooks? Und den Rest der Belletristik, der mit geringer Auflage einen schweren Stand hat sowieso nur noch als eBook? Jürgen Neffe hat in der Zeit (http://www.zeit.de/2009/18/L-Buch) einen interessanten Artikel veröffentlicht; für ihn geht die Ära des gedruckten Buches zu Ende und Autoren werden in der Zukunft keine Verlage mehr brauchen:
    “Die Grenzen zwischen dem Buch und dem Rest der Medienwelt werden sich schließlich so vollständig verlieren wie die zwischen Werbung und Unterhaltung. Am längsten dürften sich noch Genres wie Roman, Biografie oder Wörterbuch gegen andere und neue Formen behaupten bis wir »Buch« nur noch gebrauchen wie heute die »Feder« der Autoren. Die neuartigen Lesegeräte scheinen von dieser Zukunft noch nicht viel zu wissen. Mit ihren Stärken gedruckt scharfen Bildschirmen und langen Laufzeiten lenken sie nur von ihrer größten Schwäche ab: Sie bieten alten Wein in neuen Schläuchen. Im Moment erlauben sie kaum mehr, als Bücher genau so zu lesen, wie wir sie kennen nur statt von echtem Papier nun von elektronischem und auf Wunsch in Rentnerschrift” (Jürgen Neffe)

  23. Verlagsstarter schrieb am 5. Mai 2009 um 06:29 Uhr

    @Kerstin Rachfahl: Die Firma, die eBooks fürs iPhone adaptiert heißt textunes, ist gerade für den Innovationspreis des deutschen Buchhandels nominiert worden und hat angeblich bereits 30.000 Bücher im itunes-store: http://www.textunes.de/WebObjects/textunes.woa/cms/1010763/Presse.html
    Oh nein, ich hab mich verlesen, es ist noch sehr früh: es sind ungefähr 25 Bücher, 30.000 ist die Zahl der Downloads… Man kann sich aber auch Bücher wünschen.

  24. Kerstin Rachfahl schrieb am 5. Mai 2009 um 09:10 Uhr

    @verlagsstarter: Vielen Dank für den Link von textunes, dass muss ich mir noch genauer anschauen. Überhaupt hat eine Recherche von mir ergeben, dass es im Bereich ebooks mal wieder so einige Standards gibt. Das macht die Szene komplizierter. Übrigens hat Amazone ja inzwischen Stanza gekauft. Sehr interessant ist der Artikel in der Zeit. Seltsam ich fühlte mich tatsächlich dabei unwohl. Meistens bin ich enttäuscht, wenn ich von einem Buch den Film sehe. Und möchte ich als Autor, wirklich so plakativ sein? Ist die Fantasie, die eigene Vorstellung nicht genau da, warum ein Buch so interessant ist? Andererseits, wenn ich natürlich gerade dann die Musik höre, die mein Protagonist oder Protagonistin hört. Sehr interessant Ideen. Buch, Film, Musik, Bilder und Spiel, alles in einem? Mein Sohn denkt sich übrigens zu dem Spiel, dass er gerade spielt immer eine Geschichte aus. Neulich gab er mir die Kapitelübersicht, allein die hörte sich schon spannend an. Vielleicht bin ich doch manchmal zu streng.

  25. Philipp Dudda schrieb am 21. Mai 2009 um 09:38 Uhr

    Hallo,

    gerade bei Wörterbüchern sehe ich auch durchaus Potential bei E-Books – man kann sie schnell durchsuchen und Begriffe innerhalb weniger Sekunden finden. Für das iPhone gibt es z.B. sehr schöne Appikationen von PONS.

    Ich denke die Funktionsvielfalt der dedizierten Lesegeräte wird in Zukunft noch sehr stark erweitert werden, sodass Volltextsuchen usw. problemlos möglich sind.

    Ich lese seit ein paar Monate mit dem Sony PRS 505 (ausführliches Review: http://www.e-reader-forum.de/diskussion-inoffizieller-support-zu-e-in/sony-reader-prs-505/231-sony-prs-505-review/) und muss sagen ich bin wirklich begeistert – vor allem von der eInk Displaytechnologie.

    Ich denke, jeder Leser sollte selbst entscheiden können, welches Medium er bevorzugt – am Ende kommt es doch auf den Inhalt an.
    Ich würde mir wünschen, dass so gut wie jedes neue Buch auch als E-Book erscheint und ältere Bücher nach und nach digitalisiert werden.

  26. Björn Harmening schrieb am 25. September 2009 um 10:54 Uhr

    Ich möchte noch einmal auf den Beitrag von Kertin Rachfahl bezüglich der Hobby-Autoren zurückkommen. In der Tat bietet das Medium eBook eine Möglichkeit zum Veröffentlichen – allerdings lassen sich eBooks zumindest für nicht gewerbliche Autoren nicht verkaufen. Deshalb biete ich meine Texte kostenlos zum Download an – mit entsprechendem “Erfolg”. Man wird also nicht “reich” mit eBooks, hat aber eine Möglichkeit zu veröffentlichen und eine Lesergemeinschaft zu erreichen.

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  1. Bücher Online Lesen schrieb am 19. März 2009 um 15:46 Uhr

    Das leidige Thema ElektroBuch…

    Eine etwas breitere Randnotiz zur E-Book-Diskussion
    Ich überlege schon länger, ob dieser Blogartikel hier überhaupt notwendig ist. Es gibt ja mittlerweile mehr als genug Auseinandersetzungen mit dem Thema. Ganz sicher bin ich mir immer…

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