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Beitrag vom 19. Oktober 2011 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Vertane Lebenszeit: Who the fuck reads Umberto Eco?

Bücher von Umberto EcoIch besitze zwei Bücher von Umberto Eco. Ich habe keines davon zu Ende gelesen.

Das eine ist natürlich »Der Name der Rose«. Für mich deswegen nicht ganz unbedeutend, weil es ein Geschenk meiner damaligen Freundin war, mit einer Widmung in runder Mädchenschrift. Soweit ich mich erinnern kann, hatte sie mir das Taschenbuch geschenkt, nachdem wir den Film im Kino gesehen hatten.

Bis heute ist es mir ein Rätsel, warum Bücher von Umberto Eco die Bestsellerlisten erstürmen. Gerade erst ist sein neues Werk erschienen – und schon wieder ist es ganz vorn auf den Listen zu finden.

Ich hege den Verdacht, dass die Zahl derer, die Eco-Titel kaufen und lesen, im unteren einstelligen Prozentbereich liegt.

Eco-Bücher sind bohrend langweilig und voll von Wissen, das niemanden interessiert. Die Handlung ist darunter schwer auszumachen: typisches Angeber- oder Geschenkbuch.

Entdeckt man sie im Buchregal von Bekannten, so sagt man: »Ah, Eco! Habe ich auch. Echt super.«

Mit diesem Satz hebt man den Gastgeber und sich auf die gleiche intellektuelle Stufe und bekundet, was für anspruchsvolle Lektüre man doch bevorzuge. Man kann dies gefahrlos tun, denn nie wird man aus der Küche einen Satz hören wie: »Ah, du hast das Buch auch? Das ist gut! Dann kannst du mir vielleicht erklären, was der Autor meint, wenn er auf Seite …«

Nein, diese Gefahr besteht bei Eco nie.

Manchmal mache ich mir Sorgen um die deutsche Buchleserschaft, wenn Tommy Jaud auf der Bestsellerliste steht.

Aber manchmal mache ich mir auch Sorgen, wenn da Umberto Eco steht.

So viele Eco-Bücher kann man doch nicht schon jetzt als Weihnachtsgeschenk kaufen.

Es ist über 20 Jahre her, da hat sich der Autor Jurek Becker (Jakob der Lügner, Liebling Kreuzberg) als Eco-Verweigerer geoutet. Wie wohltuend das war!

Bis heute erinnere ich mich daran. Es war in einer Fernsehsendung, einer Literatursendung, und zwar im legendären Literarischen Quartett des ZDF. Neben der ursprünglichen Stammbesetzung Marcel Reich-Ranicki, Sigrid Löffler und Hellmuth Karasek, war immer ein wechselnder Gast dabei. In der Sendung vom 12. Februar 1990 war es Jurek Becker.

Rechtzeitig vor Weihnachten 1989 war das »Foucaultsche Pendel« erschienen, das natürlich auch noch im Februar seit Wochen auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste zu finden war.

Nachdem sich Sigrid Löffler als Fan zu erkennen gab und berichtete, dass sie das Buch in nur fünf Tagen durchgelesen habe, bekannte Hellmuth Karasek, dass er mit dem Buch Probleme gehabt habe. Er und Reich-Ranicki gestanden, dass sie bei der Lektüre »gelitten« hätten. Nur Becker sagte minutenlang nichts, und dann kam es zu folgendem Dialog:

Marcel Reich-Ranicki: Herr Becker, Ihr Schweigen beunruhigt mich etwas.

Jurek Becker: Das verstehe ich gut. Sie haben der Not gehorchend dieses Buch gelesen.

Marcel Reich-Ranicki: Ja.

Jurek Becker: Ich habe der Not widerstanden, ich habe das Buch nicht gelesen. Das ist eigentlich der Grund, warum ich mich dazu nicht äußern sollte, obwohl das in dieser Runde normalerweise kein Hindernisgrund ist. (Das Publikum lacht)

Hellmuth Karasek: Woher wissen Sie das? (lacht ebenfalls)

Marcel Reich-Ranicki: Diese Unterstellungen sind arg. Ja, ja.

Jurek Becker: Ich möchte aber vielleicht ein Wort zu den Gründen sagen, warum ich das nicht gelesen habe.

Marcel Reich-Ranicki: Los.

Hellmuth Karasek: Haben Sie es denn versucht wenigstens?

Jurek Becker: Nein.

Hellmuth Karasek: Ach so.

Jurek Becker: Ich habe den Namen der Rose von der ersten bis zur letzten Seite gelesen und hatte danach den Eindruck, ich habe einen Teil meiner Lebenserwartung, der groß genug ist, in Eco investiert, und mehr ist da nicht, mehr gebe ich nicht her. Ich meine, wie lange lebt man?

Wolfgang Tischer

Vorschaubild

Das Literarische Quartett 09 |12.02.1990| Umberto Eco,Sten Nadolny,DDR-Schriftsteller

Umberto Eco: Der Friedhof in Prag: Roman. Gebundene Ausgabe. 2011. Hanser. ISBN/EAN: 9783446237360. EUR 26,00 » Bestellen bei Amazon.de

34 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. faby schrieb am 19. Oktober 2011 um 16:07 Uhr

    Haha, du hast jetzt zwar nichts über den neuen Roman gesagt, aber dier Beitrag macht mich doch wieder scharf drauf, Eco mal zu lesen. Bisher ist er bei mir auch einer derjenigen, die hier stehen und niemals gelesen wurden. Aber er ist da auch in ganz guter Gesellschaft.

  2. Michaela schrieb am 19. Oktober 2011 um 16:21 Uhr

    Umberto Eco habe ich auch schon mal gelesen und zwar “Der Name der Rose” nachdem ich es damals im Kino gesehen hatte. Ich fand das Buch sehr gut, daraufhin habe ich mir damals dann auch “Das Foucaultsche Pendel” zugelegt. Ich habe damals versuch es zu lesen, ich habe es dann aber nach knapp 100 Seiten aufgegeben. Ja, ich empfand es als langweilig und unverständlich und ich hatte danach auch kein Bedürfnis mehr einen Roman von ihm zu lesen, wehalb ich mir auch das neueste Buch von ihm nicht kaufen werde, da ich vermute, daß es ähnlich sein wird wie beim Foucaultschen Pendel.
    Ich habe danach noch ein Buch von Eco gelesen, was mir im Studium sehr hilfreich war, namlich eine Anleitung, wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, immerhin ist Her Eco Professor.

  3. petronius arbiter schrieb am 19. Oktober 2011 um 23:07 Uhr

    “Vertane Lebenszeit: Who the fuck reads Umberto Ecco?”
    Jeder ist seines Frustes Schmied. Jeder darf seine Lebenszeit so vertun, wie es ihm behagt! Dennoch, die Frage ist heftig, ist deftig provokant! Dient sie der Provokation, sei ihr die Provokation, der Versuch, Antwort hervorzurufen, verziehen. Wo nicht, ist sie dem Zeitgeist und geistlosem Vorurteil geschuldet.
    Indem die Frage hier “top on Desk“ erscheint, scheint sie der Generation LEGO, wie Frank Schirrmacher sie in “PAY BACK“ nennt, zuzuordnen. Desktop, ein Anglizismus für eine Erscheinung des IT-Zeitalters. Frei übersetzt: Oberflächlichkeit.
    Hat er nun, hat er nicht, Jurek Becker? Hat er Ecco “Im Namen der Rose“ gelesen? Wer kann das bei Becker wissen? Seinem Gedächtnis war Zeit seines Bekanntheit-Lebens das eigene Geburtsdatum entfallen. Aus vielleicht nachvollziehbaren Gründen, hatte ihn doch sein Vater im Warschauer Ghetto überlebenswichtig älter gemacht, als Jurek damals eigentlich war, hatte vorsorglich die Abstammungsdokumente vernichtet. Vermutlich ist er 1997 nicht nur zu jung, sondern noch jünger verstorben. Eine verdammt knappe Lebenszeit. Aber seine Eltern hätten ihm sicher genaue Auskunft geben können, zumindest sein erst 1972 verstorbener Vater. Hatte der Vater auch sein persönliches Gedächtnis vernichtet? Auch so eine Frage …
    „Who the fuck reads Jurek Becker? Vielleicht gar “Bronsteins Kinder”? Der Verdacht, die Zahl derjenigen, welche Breckers Titel kaufen, liege im unteren einstelligen Prozentbereich, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Zahl derjenigen, welche seine Bücher bis zum Ende lesen, liegt eher darunter. Immerhin gewinnen letztere Lebenszeit, wennsie die Lektüre vorzeitig beenden Trotzdem gehört “Bronsteins Kinder“ zu den Titeln, die in der SZ-Bibliotheksausgabe der preiswerten digitalen Massenproduktion geflutscht sind, also selbst noch in Zweitverwertung “massenhaft“ ver- und gekauft wurden. Wird also wenig wundern, wenn Ecco irgendwann beim eingegangenen Literarischen Quartett oder einem seiner eingegangenen Nachfolger auftaucht und fragt: Who the fuck reads Jurek Becker? Ob der gute Umberto überhaupt zwei Becker-Titel besitzt? Mindestens einer (1) wäre ihm ja zuzutrauen.
    “Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.”, weist uns Bert Brecht. Wer liest den eigentlich?
    Zugegeben, ich habe Ecco “Im Namen der Rose“ Wort für Wort von der ersten bis zur letzten Seite gelesen. Zugegeben, auch die Kino-Fassung habe ich mir reingezogen. Dann habe ich mir noch eingebildet, ich hätte etwas von jener Epoche verstanden, in welcher die Handlung spielt, darüber hinaus auch etwas vom Umgang mit Büchern/Literatur zu jenen Zeiten, der Auswirkungen bis zum “Index librorum prohibitorum“ und in unsere Zeiten. Das alles in relativ korrekter, relativ gepflegter Sprache, dazu noch unterhaltend. Jeder hat halt seine eigene Art, Lebenszeit zu vertun.
    Zugeben muß ich auch, alles was Ecco danach publiziert hat, habe ich nicht angerührt. Teils aus mangelndem Interesse am Gegenstand. Teils, weil Stil und Duktus nach Leseprobe zu sehr an Großautoren-Schema erinnerten, literarisch nichts Neues zu sein schienen. Eccos neuestes Werk “Der Friedhof in Prag“ werde ich zumindest anlesen, da mich die Thematik interessiert/bewegt und -hoffentlich- Schema F in der Schublade geblieben ist. Für Ecco -und nicht nur für ihn!- folgen meine Lesegewohnheiten also meinem eigenen, erst mühsam erworbenen Vorurteil. Hoffen möchte ich, es ist eigen genug, nicht dem Zeitgeist zu folgen. Huxley befand: “Zeitgeist ist ein furchtbar schreckliches Tier, und ich flehe zum Himmel, seinen Krallen entwischen zu können“. But who the fuck reads Aldous Huxley? Zumindest seinem Flehen schließe ich mich an.
    Jährlich wird der Buchmarkt überschwemmt mit 80-90.000 Neuerscheinungen. Fachliteratur, Dissertationsarbeiten abgerechnet, who the fuck should/can read it?
    Was davon ist empfehlenswert? Was davon ist “Lietratur“, gute Literatrur? Wer überhaupt soll das alles lesen? In “Ecce homo“ titelt Nietzsche für die beiden ersten Kapitel nach dem Vorwort: „warum ich so weise bin“, “Warum ich so gute Bücher schreibe“. Im dritten Satz des Vorwortes aber zeigt er an wie es nicht nur um ihn als Schriftsteller steht: M“Das Mißverhältnis aber zwischen der Größe meiner Aufgabe und der Kleinheit meiner Zeitgenossen ist darin zum Ausdruck gekommen, daß man mich weder gehört, noch auch nur gesehen hat.“ denn och ist Nietzsche in aller Munde, geistert das Zitat “Du gehst zum Weib? Vergiß die Peitsche nicht!“ durch die Landschaft. Who the fuck reads Nietzsche “Also sprach Zarathustra“? Wer liest ihn zu Ende?
    Und das literarische Quartett? Es lebt(e) vom Klamauk der Provokation, von der Provokation des Publikums und der des Quartetts untereinander, von persönlicher Provokation, die in persönliche Animosität kippte, persönliches Beleidigtsein schlußendlich zum Ergebnis hatte. Wer sich in Gefahr begibt …! Die besprochenen Buchtitel, ihre AutorInnen? Nebensache! Und manchem Schreiberling wurde nicht weniger provokant mitgespielt. Selbstverständlich lebt auch manches Buch von der Provokation, vom Tabubruch. Who the fuck reads Charlotte Roche, Eva Hermann, Thilo Sarrazin? Leserschaft im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
    Wie immer: … alle Fragen offen!

  4. Eva Jancak schrieb am 19. Oktober 2011 um 23:15 Uhr

    Ist das nicht ein subjektiver Eindruck, den andere, siehe auch die Kommentare, anders empfinden können, so daß man vielleicht nicht so verallgemeinern sollte?

  5. petronius arbiter schrieb am 20. Oktober 2011 um 03:47 Uhr

    Wie immer: … alle Fragen offen!
    Nun will ich es genau wissen! Rezensionen der Bücher, die ich lese/gelesen habe, lese ich grundsätzlich nicht. Eher texte ich eine eigene Buchbesprechung. Für Eccos “Der Name der Rose“ hatte ich einen Text im Kopf. Im selben Aufbewahrungsbehältnis lagert die Erinnerung der 80er Jahre des XX. Jahrhunderts, Eccos Opus sei ein Renner gewesen. Solch Erinnern macht meinen Rezensionstext ziemlich überflüssig, weil der Roman besonders durch Fachwelt längst ausbesprochen sein dürfte. Immerhin hat Eccos Schmöker binnen 9 Jahren 9 Millionen Käufer gefunden. Stehen also 9 Millionen und mehr Buchexemplare aus reiner Rennomiersucht in den Haushalten?
    Was soll ich sagen? Die Rezensenten der sogenannten berufenen Literaturkritik, die Berufskritiker folgen im Grundtenor meiner eigenen Rezeption. Sie verschonen allerdings den Autor, ihn der Bildungsprahlerei zu zeihen. Nicht unverständlich. Wer macht schon gerne Bildung zum Vorwurf? Ecco übertreibt in Anlehnung an den sogenannten Bildungsroman, und er setzt dabei auf den scheinbar ausgestorbenen “Bildungsbürger“. Nicht jedem Leser macht er es damit leicht, doch erreicht er mit der Masche ein Publikum im zweistelligen Millionenbereich. Der Erfolg gibt ihm recht.
    – Mit der gleichen Masche landet 25 Jahre später Daniel Kehlmann mit “Die Vermessung der Welt“ einen Haupttreffer, auch wenn er bei weitem nicht Eccos Verkaufszahlen erreicht. Dafür gelangt seine Arbeit auf den gymnasialen Lektürekanon, ist für die Abiturprüfungen in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Saarland Pflicht. Und das, obwohl Kehlmann mit den historischen Tatsachen, mit Bildung recht freizügig umgeht. –
    Allem Anschein nach versteht Ecco also etwas nicht nur von Bildung, sondern von seinem Geschäft und vom Publikum. Weder das, noch den offensichtlichen Erfolg kann man ihm zum Vorwurf machen, es sei denn … , … man ist Mitglied des literarischen Quartetts. Dieses vierblättrige, inzwischen zerrupfte Kleeblatt ist , zumindest seinem Selbstverständnis nach, höchstbildungsbürgerliche päpstliche Instanz. Vor der hat ein Autor eines “Bildungsromans“ ohnehin einen schweren Stand, steht aber auf verlorenem Posten, wo er seine Bildung auch noch nachweist. Landet dann auch noch ein bis dahin allenfalls als Sach- und Fachbuch anerkannter Autor mit seinem ersten Roman aus dem Nichts einen Volltreffer, ist er beim Kritikerestablishement deutscher Provenienz unten durch. Artikel 5 GG sagt u.a. “Zensur findet nicht statt“, sagt aber nicht, was stattfindet, wenn sie dennoch stattfindet. Und Literaturkritik ist ein feines Zensurinstrument! Eccos Roman und hierzulande durch Bildungselite wohlorganisierte Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 bezeugen das.
    Scharfzüngigkeit eines publikumswirksamen TV-Auftritts unter der Ägide RR ist eine Sache, sich das Maul über Bildung zu zerreißen, sich davon gelangweilt fühlen, eine andere. Nur absprechen kann man sie dem lästigen Autor nicht, die Bildung. Erschwerend kommt hinzu, Literaturkritik, auch wenn ihr ein gewisser Bildungshintergrund nicht schadet, ist Autodidaktenhandwerk. Da kann Autodidakt RR Hermann Hesse gerne als Autodidakten verspotten. Bleibt die Frage: Who the fuck reads RR, Karasek, Löffler?
    Ich … stehe selbst enttäuscht und seh’ betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

  6. Sascha schrieb am 20. Oktober 2011 um 11:17 Uhr

    hier gehts doch nicht um Eco im Einzelnen – mit dem Titel soll aufmerksam und Klicks erzeugt werden, die auch kommen. Wie einer der Vorkommentatoren schon sagte, man braucht Zeit und Muße, sich auf Eco einzulassen. Das haben in der heutigen Zeit immer weniger Menschen. Daher kommt es dann auch zu solchen Artikeln.

  7. petronius arbiter schrieb am 20. Oktober 2011 um 12:29 Uhr

    Schon klar, Wolfgang Tischer haut aufs Blech, damit sich im Cafehaus was tut. Die Art, wie er auf den Busch klopf, fordert Protest/Kritik heraus, läßt den Kaffe aus dem Becher schwappen. Bleibt vor dem geschlossenen Vorhang die Frage offen, warum jemand mit Tischers Job Publikum und Literatur in die Pfanne haut, und das nicht wenig rüde. Generation LEGO hin oder her, on Desktop erreichen Tischers Aussagen eine gewollte Kommunikationsbreite. Solche “Breite“ hat Springers Vier-Buchstaben-Blatt auch. Was beiden fehlt, Tischer zumindest in diesem Thread, sind Tiefe und vorurteilsfreie Berichterstattung. Und beide gehen mit den Fakten großzügig um. Meinungsmache zur Meinungsmanipulation. Großmütig könnte man das Propaganda nennen. Im eigentlichen Sinne ist es Desinformation. Letzteres möchte ich Wolfgang Tischer nur ungern unterstellen. Wer aufs Blech haut, sollte dabei kein Blech reden/schreiben. Und daß es hier ganz und gar nicht ausschließlich um Ecco geht, kommt verschärfend hinzu.
    Wie schon in meinem ersten Beitrag gepostet: Dient sie [Tischers Frage]der Provokation, sei ihr die Provokation, der Versuch, Antwort hervorzurufen, verziehen. Wo nicht, ist sie dem Zeitgeist und geistlosem Vorurteil geschuldet.
    So gelangt dann der Cafehausbesucher durchaus zu einer anderen Kernfrage: “Who the fuck needs literaturcafe?“. Ob dem Cafehausbesitzer die Frage gefällt?

  8. Zauberffe schrieb am 20. Oktober 2011 um 19:07 Uhr

    hallo,

    ich bewundere Umberto Ecco, weil er nicht nur ein sehr guter Autor sondern auch ein genialer Sprachwissenschaftler ist mit dem Fachgebiet Zeichenlehre. Den Namen der Rose fand ich sehr sehr gut. Aber ich muss auch gestehn, dass dennoch eher einen Dan Brown im selbigen Genre lese. Who the fuck ist Roche…

  9. Q schrieb am 21. Oktober 2011 um 08:13 Uhr

    Ich muss mal kurz einwerfen: ich selber lese die Dinger auch nicht. Aber ich kenne tatsächlich jemanden, der Ecos Bücher und andere gleichen Schlages GERN liest. Ernsthaft. Ohne Angeberei oder so. Ich versteh das auch nicht.

  10. Eva schrieb am 21. Oktober 2011 um 16:17 Uhr

    Ich stimme Herrn Becker sowas von zu! Hast mich sehr amüsiert, dieser Dialog. Ausserdem wäre es toll, wenn jemand mal öffentlich das gleiche über Paulo Cuelho sagen würde. Diese Pseudophilosphie ist für mich noch viel mehr Verschwendung meiner kostbaren Lebenszeit und es beunruhigt mich immer wieder, wenn ich sehe, was für ein Hype seine Bücher auslösen.

  11. petronius arbiter schrieb am 21. Oktober 2011 um 23:50 Uhr

    ”Who the fuck reads Paulo Coelho?“
    In diesem Falle muß ich, wie Joachim Fest, bekennen: ”Ich nicht!” Natürlich ist die Gefahr groß, zwischen Coelhos Mixtur aus Psychologie/Psychiatrie und christkatholisch angehauchtem Mystizismus die Trennungsschärfe zu verlieren. Jesuitenzögling, Rebell, mehrfacher Aufenthalt in psychiatrischer Anstalt und Rückwendung zum Glauben mit “Erweckungserlebnis“ find eben auch literarisch ihren Niederschlag. -Die Mischung hält mich übrigens von Coelho ab!- Immerhin aber sind mindestens 75 Millionen Bände seiner Werke über den Tresen gegangen. Und dann ist der gute Paulo noch Vorreiter im Web, stellt seine Werke seit 1999 zum kostenlosen Download bereit, mit Duldung der Verlage(!). Tut seiner Popularität keinen Abbruch und, wie er versichert, dem Printumsatz auch nicht. Sein “Alchemist“ soll in Rußland als Print erst richtig ins Rollen gekommen sein, nachdem die Übersetzung dort zum kostenlosen Download ins Web gefunden hat.
    Was 75 Millionen Lesern auch immer herausgelesen oder in Coelho hineingelesen haben und noch lesen werden, jeder einzelne hat recht. Solange Eco, Coelho, Dan Brown, Donna Leon und wer sonst noch gekauft werden, ist ziemlich egal, wer was damit anfängt, nicht anfangen kann. Schriftsteller wissen, was sie mit den Tantiemen anfangen können! Problematisch wird es erst, wenn Autorinnen und Autoren versuchen, mit ihren Arbeiten den Gusto jedes einzelnen Lesers zu treffen. Im Zweifel gehört der eine oder andere Leser eben nicht zur “Zielgruppe“. Wer für den Leser schreibt, kennt seine Leser nicht.

  12. Fyona schrieb am 23. Oktober 2011 um 06:36 Uhr

    Offenbar erging es mir ähnlich wie Michaela und noch anderen Kommentatoren hier: Ich las seinerzeit “Der Name der Rose”, und zwar durchaus mit Interesse und Faszination: Es ist selten genug, dass es einem Autor gelingt, Anspruch UND Unterhaltung unter einen Hut zu bringen und damit auch noch erfolgreich zu sein. Wenn man sich freilich für jene Zeit und jene Fragen so überhaupt nicht interessiert, kann man da wohl nichts machen … Ich las dann auch noch “Das Foucaultsche Pendel”, aber das ließ mich eher etwas ratlos zurück, und das war’s dann für mich mit Eco.

    Warum ist dann Eco bis heute so erfolgreich? Sicher zehrt er nach wie vor von seinem “Name der Rose”-Ruhm; andererseits spielt hier wohl der gleiche Grund eine Rolle, wegen dem der von Petronius bereits erwähnte Kehlmann ebenfalls weiter im Geschäft bleiben wird, selbst wenn er nie mehr an die “Vermessung der Welt” wird anknüpfen können: Eco und Kehlmann sind das, was irgendwer irgendwo mal als Autoren-Autor bezeichnet hat: Sie genießen die besondere Wertschätzung anderer Autoren – vor allem von Autoren des Feuilletons, von Kulturredakteuren und ähnlichem – von Ausnahmen wie Jurek Becker mal abgesehen. Denn mit so (vermeintlich oder tatsächlich) klugen und kultivierten Autoren wie Eco & Co. identifiziert man sich gerne; man würde gerne selber so schreiben, wenn man es denn könnte. Und solange diese Multiplikatoren sich auch noch mit jenen Autoren beschäftigen, werden diese auch noch Leser finden.

  13. Dietmar schrieb am 23. Oktober 2011 um 10:35 Uhr

    Die Antwort auf ihre Eingangsfrage Herr Tischer lautet “ME”. Ja, ich oute mich hier als Eco-Leser, habe “Im Namen der Rose” gelesen, dann den Film angesehen und danach noch einmal gelesen. Und er hat mir gut gefallen.
    Einschränkend möchte ich aber sagen, dass ich nur die Bücher lese, deren Beschreibung mir zusagt und dich ich vom Buchhändler meines Vertrauens empfohlen bekomme.
    Die Romane regen mich im übrigen zum Nachdenken an.
    Von Jurek Becker habe ich nur ein Buch, “Irreführung der Behörden”. Habe ich als Jugendlicher von einer Tante geschenkt bekommen, auf Empfehlung ihres Schwiegersohns, einem Oberstudiendirektor, der Deutsch unterrichtet. Nach 80 Seiten habe ich aufgegeben, es reichte wenn solche Sachen im Unterricht durchgekaut wurden. Liebling Kreuberg fand ich dagegen hervorragend, tolles Drehbuch. Leider habe ich danach nie mehr was von Becker gesehen, war sich wohl zu fein.

  14. Frank Rawel schrieb am 23. Oktober 2011 um 18:09 Uhr

    Will nur sagen, dass ich den neuen Eco mit sehr großem Genuss lese!
    Bis auf die zu vielen Kochrezepte.
    Aber sonst find ich’s sehr packend und sehr tief.
    Wenn ich allerdings anfinge, Suaden ala “Wie kann man bloß XY lesen” zu schreiben, fände auch ich kein Ende. Aber Eco ist große Weltliteratur! Für mich.

  15. petronius arbiter schrieb am 25. Oktober 2011 um 03:08 Uhr

    “Eco und Kehlmann sind das, was irgendwer irgendwo mal als Autoren-Autor bezeichnet hat: Sie genießen die besondere Wertschätzung anderer Autoren – vor allem von Autoren des Feuilletons, von Kulturredakteuren und ähnlichem – von Ausnahmen wie Jurek Becker mal abgesehen. Denn mit so (vermeintlich oder tatsächlich) klugen und kultivierten Autoren wie Eco & Co. identifiziert man sich gerne; man würde gerne selber so schreiben, wenn man es denn könnte. Und solange diese Multiplikatoren sich auch noch mit jenen Autoren beschäftigen, werden diese auch noch Leser finden.“

    Die vorstehenden Aussagen sind recht zwiespältig bis widersprüchlich. Freilich gibt es Werke, die nur im und vom Innercircle leben, Autoren-Autor-Arbeiten bleiben. Genau die aber bleiben in ihrer Nische, welche zwar immer noch beachtliche Verkaufszahlen zuläßt, entern mitunter Verkaufscharts. Publikumsrenner jenseits Millionenauflage und das gleich vom Start und über eine Dekade hinweg werden sie nie, ob nun kluger oder nur klügelnder Autor. Selbstrefferentielle Bespiegelung der Autoren untereinander erreicht eine überschaubare Gruppe von Claqeuren, fällt als Multiplikator beim breiten Publikum zuerst auf, dann durch. Lesepublikum läßt sich damit nicht generieren.

    Der Wunsch, selbst à la Eco & Co. ein Buch schreiben zu können/schreiben zu wollen, stiftet weder Identität noch Identifikation, macht allenfalls eigene Grenzen deutlich. Soweit AutorIn versteht, den Gegenstand eines Werkes und seine Protagonisten sprachlich, stilistisch wahrhaft und wahrhaftig lebendig zu halten, findet der Leser sich in der einen oder anderen Situation, in der einen oder anderen Person wieder, identifiziert sich damit. Solch positives Leseerlebnis ist ein weit zuverlässigerer Multiplikator und widerspricht nicht selten der Rezeption eines Werkes durch Fachwelt. Leserschaft ist als Multiplikator unschlagbar. Leser sollte man schätzen, nicht unterschätzen.

  16. Frank Rawel schrieb am 25. Oktober 2011 um 12:56 Uhr

    Eher mag die Shortlist des letzten Buchpreises eine Liste von Feuilleton-Lieblingen sein als Eco. Ich kann nicht anders als Eco und seinen neuen Roman “Der Friedhof in Prag” leidenschaftlich zu verteidigen. Eine großartige Ausleuchtung der Geschichte des Antisemitismus ist das vor allem, ein Lehrstück über Einfluss und realen Marktwert von Gerüchten und Verleumdungen, eine spannend angelegte Geschichte um eine Doppel-Identität und nebenbei eine europäische Geschichte des späten 19. Jahrhunderts. Es ist auch, mit Verlaub, gar nicht möglich, mal eben so “wie Eco zu schreiben”, denn Eco schöpft aus einem erarbeiteten immensen Wissensschatz, mit dem er die eine, seine ganz große Frage immer wieder neu aufwirft und wälzt: welche Macht und wieviel Wahrhaftigkeit hat das geschriebene Wort?
    Dazu kann er, finde ich, wirklich fesseln. Das Buch ist im übrigen, nachdem man die Erzählebenen kennengerlernt hat, überhaupt nicht schwer oder verkopft. Da habe ich von bemühten hiesigen AutorInnen wesentlich Sperrigeres kennengelernt in letzter Zeit.

  17. petronius arbiter schrieb am 25. Oktober 2011 um 14:31 Uhr

    Ganz ohne Zweifel schreibt Eco im strengen Sinne “Literatur“. Das Forum hier, das ihn und seine Leser mit der provokanten Frage naßforsch scheinbar in die Pfanne haut, nennt sich “literaturcafe“. Also bewirbt es den neuen Eco! Ob nun ein von RR angeführtes Quartett mit/ohne Jurek Becker Publikum wg. Quote anführt, hat gottlob, wenn überhaupt, für an Literatur interessierte Leser bestenfalls zweitrangige Bedeutung.

    Mit Ecos Kochrezepten wird niemand Spitzenkoch. Mit der “Unsitte“ hat m.W. Johannes Mario Simmel 1959/60 in “Es muß nicht immer Kaviar sein“ angefangen. Donna Leon hat den “Schmarrn“ auch drauf. Muß man nicht (kochen, essen, lesen) mögen. Läßt sich locker überlesen.

  18. Renate Blaes schrieb am 25. Oktober 2011 um 17:37 Uhr

    Der eine liest die “Bildzeitung”, der andere “Die Zeit”. Wichtig für Autoren ist die PR – und die wird hier fleißig gemacht. Für gute Autoren und weniger gute.

    Und was wäre die Literaturlandschaft ohne konträre Meinungen. Wenn Ranicki, der selbst ernannte Literaturpapst, an Eco auch nichts Besonderes finden konnte, so heißt das gar nichts. Ich erinnere mich noch an eine heiße Diskussion in diesem Portal über “Feuchtgebiete”. Herr Willemsen war begeistert. So manch anderer auch. Ich glaube sogar mich zu erinnern, dass selbst Herr Tischer dem feuchten Buch etwas abgewinnen konnte (wenn ich mich täusche … sorry, lieber Herr Tischer).

    Also, was hier stattfindet ist nix anderes als PR. Ob für Herrn Ecos Buch oder für das Café, das mag dahin gestellt sein. Andere in die Pfanne zu hauen, ist auf alle Fälle immer medienwirksam. Und dient letztendlich auch dem Buchabsatz.

    Beste Grüße in die Runde der Literaturkenner – Renate Blaes

  19. Peter Röhl schrieb am 25. Oktober 2011 um 17:59 Uhr

    Habe mir doch tatsächlich die Mühe gemacht und diesen Beitrag
    nebst folgenden Kommentaren gelesen…Wer gibt mir bitte die dafür vergeudete Lebenszeit zurück?

  20. christine matha schrieb am 25. Oktober 2011 um 18:38 Uhr

    Jeder hat instinktiv seine Lieblingsautoren und zu meinen gehört Eco nicht unbedingt. ich weiß, er ist ein großer Sprachwissenschaftler und hat ein umfassendes Wissen, aber irgendwie ist er mir immer zu sperrig gewesen. Mit Mühe habe ich “der Name der Rose” gelesen und beim Pendel bin ich nicht auf 100 Seiten gekommen. Vielleicht versuche ich es mit dem “Friedhof von Prag” wieder mal,passt ja ganz gut in die trübe jahreszeit!

  21. Ralf schrieb am 25. Oktober 2011 um 19:54 Uhr

    Ach ja, dem einen gefällt es, dem anderen nicht. Name der Rose gelesen: fand ich gut. Foucaultsches Pendel 2x gelesen. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass es dicke Passagen gibt, die ich nur en passant “gelesen” habe. Herr Eco neigt dazu, seine Handlung bisweilen etwas … zu verschleppen. Baudolino hab ich auch noch gelesen. Aber das war dann doch etwas langatmig gegen Ende. Muss ja niemand lesen. Es soll ja auch Leute geben, die haben alle Bücher von Handke (wo ja überhaupt nichts passiert außer Sprache) und behaupten, sie alle gelesen zu haben :-)

  22. Hans Peter Roentgen schrieb am 25. Oktober 2011 um 21:13 Uhr

    Man sollte nicht immer von sich auf andere schliessen ;-). Wenn man selber das Buch nicht gelesen hat, haben es die anderen auch nur aus Angeberei gekauft und nie gelesen?

    Klingt danach, als ob alle genauso lesen müssten, wie man selbst. Ich habe den Namen den Rose gerne gelesen, das Foucaltsche Pendel hat mich grässlich gelangweilt, Baudolino wieder habe ich verschlungen. Aber ich kann damit leben, dass es anderen ganz anders mit den Büchern gegangen ist.

  23. bernd olberg schrieb am 27. Oktober 2011 um 15:30 Uhr

    who the fuck is herr Tischer…?
    wohl einer, der selbst gern schreiben möchte, aber es nicht kann (von seiner affektiert-manierierten vorleseart ganz zu schweigen…). – was macht er also? er verreißt andere, die wirklich etwas können.
    ein deutscher kleingeist, der einen ‘flatus’ nach dem anderen von sich gibt.

  24. Irene schrieb am 27. Oktober 2011 um 15:55 Uhr

    Halten wir fest:

    Herr Tischer hat zwei Bücher von Umberto Eco nicht fertiggelesen, weil sie ihm nicht gefallen haben. Das ist selbstverständlich sein gutes Recht als Leser.

    Anstatt aber dieses Missfallen zu begründen, zieht er sich auf Allgemeinplätze wie

    a) das interessiert keinen
    b) das liest eh keiner
    c) das versteht eh keiner

    zurück. Nun ist es ein bekanntes Faktum, dass Aussagen, die sich auf “alle” oder “keinen” beziehen immer “ich” meinen. Natürlich ist es auch das gute Recht Herrn Tischers, Bücher nicht interessant oder unverständlich zu finden.

    Als Rezension ist das aber ein bisschen dürftig. Und die Rekursion auf Berühmtheiten, die zufällig derselben Meinung sind, ist wohl das letzte verzweifelte Mittel, sich in guter Gesellschaft zu wähnen.

    Seis drum. Schade nur um die Lebenszeit, die ich auf die Lektüre dieser Nichtigkeit verschwendet habe.

  25. Fyona schrieb am 5. November 2011 um 06:44 Uhr

    Der hier gelobte Denis Scheck hat den hier geschmähten “Friedhof von Prag” gelobt, der hier geschmähte Wolfgang Herles hat ihn dagegen ebenfalls geschmäht. Was jetzt!?

  26. theo schrieb am 7. November 2011 um 22:27 Uhr

    Vertane Lebenszeit?
    Frage mich immer, wer hat denn Zeit Fern zu sehen, der Bücher liest? Wen interessiert das Geschwätz von “Kritikern”? und, wer ist Herr Becker? Muss mir der bekannt sein?
    Mann, wie lasst ihr euch von den Medien beeinflussen? Lest Hummeldumm, warum denn auch nicht, das entspannt jeden fernsehwohnten Geist. Eco langweilt dann natürlich. Aber, das hat der Spiegel ja schon geschrieben. Frage mich, warum man das hier auch noch abkupfern muss?

  27. petronius arbiter schrieb am 9. November 2011 um 00:25 Uhr

    Wie ummeldumm ist es denn, dem Kritiker hier oder den Spiegelfritzen zu folgen, anstatt sich selbst ein Urteil zu bilden? In beiden Fällen hat der Kritiker ja Wohl das “besprochene” werk nicht gelesen, oder? selbst aber die tiel auf dem Index librorum prohibitorum hat erst einmal jemand gelesen, ehe sie dort gelandet sind. Die alten Zensoren waren gründlicher. Mutiger waren sie auch, weil sie sich eine eigene Meinung nach und nicht vor dem Lesen gebildet haben.

  28. Johannes schrieb am 18. November 2011 um 17:45 Uhr

    Jaja, der gute alte Index Librorum Prohibitorum – war schon damals das beste Mittel, um zu wissen, wo die wirklich guten (und öffentlich natürlich lauthals zu verdammenden) Dinge standen. Und damit sind nicht Kochrezepte gemeint.

  29. HannoverJean schrieb am 23. November 2011 um 13:16 Uhr

    Pfui deibel!
    Und wertet in der Leseprobe schon selbst … was der KRITIKER bisweilen zusammenfassen wird, um die Geduld des LESERS nicht allzusehr zu strapazieren. Auch möge der LESER jetzt nicht erwarten, daß ihm der gönnerhafte Kritiker gestehe, wie wenig ihm bei dem Thema der Konsalik-Satz im berechnend didaktischem Käse des SCHREIBENDEN verstimmte, denn er hatte nichts anderes erwartet, als das da -jenseits der Kunstadjektive- Nietsches Deutsche ihm so bierselig folgen … auf den Friedhof des Geschmacks – um zu lernen … von Meister Pumukels Eder, äh Elaborat. So nährt er das Klischee unter dem Deckmantel des Bildungsaustragenden doch nur heimlich weiter.
    Sie aber, die echten eben, halten für die freie Welt den Kopf hin – und Eco macht das Portemonaie auf. Denn er ist durch Wahlen an die Macht gekommen und vom Messias lernen heißt “siegen” lernen – auch ohne Eurobonds! Wahrlich, er ist auserwählt von sich schuldig fühlenden 68’ern – von I…

  30. Aha-Jan schrieb am 12. Dezember 2011 um 14:34 Uhr

    Das mag zutreffen für den Namen der Rose. Ein Urteil darüber treffen kann ich nicht, denn ich habe dieses Buch nicht gelesen, wiewohl ich den Film, damals, als Teenager sah. Es erscheint mir jedoch zweifelhaft, Ecos Werk komplett über den Haufen werfen zu wollen, nur wegen dieses einen Romans. Baudolino z.B., der weitaus neuere Roman Ecos (und der einzige, den ich je las), war für mich persönlich, als historisch interessierten ein wahres Feuerwerk. Ich habe schon viele historische Romane gelesen. Die meisten laufen nach einem gewissen Schema F ab, ähnlich einem Hollywood Actionstreifen. Baudolino jedoch war anders, und neben der normalen Handlung gab es eine reiche Fülle (doppelt gemoppelt hält besser!) an zusätzlichen Informationen, die einen mit in die Welt Ecos rissen und zuweilen sogar recherchieren ließen. Da ich betriebswirtschaftlich, nicht historisch ausgebildet bin, war mir z.B. Prester John (siehe den Wiki-Artikel) eine unbekannte Gestalt, über die ich mit Vergnügen Historisches wie auch Unhistorisches las. Was ich sagen will: Scheren Sie nicht alles über einen Kamm. Und Angeberliteratur mag es zwar geben: Aber mein Goethe steht im Regal, weil ich ihn gerne gelesen habe. Punkt.

  31. Bingo schrieb am 22. Dezember 2011 um 00:17 Uhr

    Wer nur Trivialliteratur liest, kann einem Eco nichts abgewinnen…Das scheint der Lauf der Dinge zu sein, nennen wir es (literarische) Regression. Nur wer den Geschmack derer unter dem Hügel der Gauß’schen Glocke trifft, wird heute gelesen. Hochliteratur? Was war das noch gleich?

  32. Christian schrieb am 6. Januar 2012 um 12:18 Uhr

    Nachdem ich dieses Buch gelesen hatte und viele, viele Stunden der Recherche mich begleiteten wusste ich das Umberto Eco einer der größten Literaturkoryphäen unserer Zeit ist. Diese Buch ist wortwörtlich der absolute Wahnsinn!!!!!!!!!!!!!!!!

  33. Pe Sturm schrieb am 17. April 2012 um 13:22 Uhr

    Das “Foucaultsche Pendel” habe ich vor Jahren gelesen – mich durchgequält. Irgendwo gibt es eine gute Passage, in der ein Gartenhäuschen mit der Cheops-Pyramide verglichen wird.Nord-Süd-Ausrichtung, Astronomie, Erdumfang etc. – mehr ist mir nicht in Erinnerung geblieben.
    Ach ja – die ersten 10.000 Exemplare waren ein Fehldruck, da ca. 20 Seiten fehlten – laut Verlag gab es eine Beschwerde. ;-) pe

  34. Tendra schrieb am 29. Juli 2013 um 16:42 Uhr

    Ich selbst habe, (erst nachdem ich den Film gesehen hatte) Der Name der Rose gelesen. Ja, es war anspruchsvolle Lektüre, doch sie hat mich so gepackt, dass ich das Buch innerhalb einer Woche gelesen hatte. Von den andern Büchern Ecos habe ich noch keins gelesen, allerdings kenne ich auch jemanden der fast alle (Romane) gelesen hat und wirklich begeistert davon ist. Zu behaupten, Umberto Ecos Bücher wären bloss typische Angeber- und Geschenkbücher, finde ich schwierig. Ich selbst zähle mich jedenfalls nicht zu jenen Personen, die anspruchsvollere Bücher bloss als Staubfänger ins Bücherregal stellt… Dazu bin ich zu stolz. :-) Aber vielleicht bin ich da eine Ausnahme.

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    […] (Angefangen): Umberto Eco, Baudolino – ein Genuss! Vor allem, wenn es draußen schneeregnet […]