Testleser für historischen E-Book-Roman gesucht: Wie angereichert darf es denn sein?

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Collage: Das Schandweib von Claudia Weiss als E-BookAngereichertes Uran wird für Atomkraftwerke und Atombomben benötigt. Neuerdings werden auch Bücher angereichert. Doch wozu? »Enriched E-Books« sollen gegenüber den gedruckten Ausgaben einen Mehrwert bieten. Aber wollen das die Leserin und der Leser überhaupt?

literaturcafe.de erläutert die Diskussion um erweiterte Lesestoffe, und zusammen mit dem Verlag Hoffmann & Campe suchen wir Testleserinnen und Testleser für einen historischen Roman um eine ketzerische Frau. Wir wollen wissen, wie Sie die digitale Mehrausgabe finden.

Ein Buch ist ein Buch – aber nicht mehr nur aus Papier

Ein Buch ist ein Buch, aber ein Buch muss nicht mehr aus Papier sein. Elektronische Lesegeräte werden immer populärer, und mit dem neuen Kindle durchbricht Amazon erstmals die 100-Euro-Marke für ein solches Gerät nach unten. Weltbild vertreibt ein Lesegerät für 60 Euro. Andere Hersteller werden mit Billigangeboten folgen.

Natürlich wird es immer Bücher geben, die man lieber gedruckt besitzen und in den Händen halten möchte. Aber gilt dies für Unterhaltungsliteratur, mit der man nach der Lektüre nicht unbedingt die Bücherregale belasten will? So oder so: Elektronische Bücher werden einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Buchkonsum ausmachen.

Doch wenn man Geräte wie das iPad oder iPhone hat, mit denen man nicht nur Text darstellen, sondern auch Musik und Videos abspielen kann, warum sollte man dann nicht mehr aus dem Text machen?

Geschichten mit Bildern und Ton?
Gibt es schon, man nennt es Film!

Eine Geschichte mit bewegten Bildern und Ton? So etwas gibt es natürlich schon längst, man nennt es Film.

Besteht nicht der Reiz und das Besondere am Buch darin, dass die Bilder und Töne im Kopf des Lesers entstehen? Ein Buch macht keine visuellen Vorgaben und Vorschriften, sondern überlässt es – trotz so manch blumiger Autorenbeschreibung – der Fantasie der Leserin und des Lesers, wie die Hauptpersonen und der Ort der Handlung wirklich aussehen. Beraubt man mit Bild und Ton und anderen »Anreicherungen« nicht das Buch um seine fundamentale Eigenschaft?

Das gilt in erster Linie für belletristische Werke, denn bei Sachbuch oder auch Kinderbuch können Bilder und andere multimediale Elemente eine sinnvolle Ergänzung sein.

Dennoch reichern immer mehr Verlage auch Romane mit Zusatzelementen an. Ein Grund liegt schlicht und einfach darin, dass man mit diesem Bonusmaterial die speziell in Deutschland hohen Preise für E-Books rechtfertigen kann. Es ist dem Leser nicht zu vermitteln, warum eine digitale Ausgabe nur unmerklich weniger kostet als die gedruckte. Da können Videos und andere Elemente ein Kaufanreiz sein. Da das Wort »multimedial« bereits für die CD-ROM seit 1990 verbraucht ist, hat man hierfür das Wort »transmedial« kreiert.

Was bringt der digitale Zusatz?

Aber was bringt wirklich Mehrwert? Ein klickbares Personenregister und Fußnoten sind bei E-Books eine Selbstverständlichkeit. Will man wirklich ein Marketing-Video sehen, in dem der Autor sein Buch nochmals anpreist?

Gerade Erklärungen der Autorin oder des Autors können interessant sein. Man könnte dabei auch die Standardfragen abhaken, die bei jeder Lesung gestellt werden, weil sie die meisten Leser interessieren: Wie kamen Sie auf die Idee und wie viel autobiografischer Anteil steckt im Text? Speziell bei Texten, die auf realen Begebenheiten fußen, könnten digitalisierte Originaldokumente das E-Book wahrlich be- und anreichern.

Wenn Technik ausgrenzt – auch den Umsatz

Schandweib auf dem iPhoneDoch dieses »Mitgeben« von Zusatzmaterial ist nicht immer einfach. Geräte wie die Reader von Sony oder der Kindle stellen Text nahezu wie gedruckt dar. Doch ihre E-Ink-Displays können keine Videos anzeigen – ja, sie scheitern schon an Farbbildern. Anders sieht dies beim iPad und anderen sogenannten Tablet-Rechnern aus. Doch hier ist wiederum die Textdarstellung schlechter.

Das sogenannte EPUB-Format soll Texte herstellerunabhängig auf die Lesegeräte bringen. Doch dieses Format lässt in der aktuell gebräuchlichen Version außer Video- und Tondateien kaum weitere Einbettungen geschweige denn speziell programmierte Erweiterungen zu. Daher weichen viele Verlage auf eigene Programme und Apps aus – und die laufen wiederum nicht auf den reinen Lesegeräten.

Wer seine Bücher »erweitert«, schließt daher bislang immer auch einige Leser mit ihren Geräten aus; noch dazu, wo der Kindle gar keine EPUB-Bücher darstellen kann, aber eines der am häufigsten genutzten Lesegeräte ist. Und »ausschließen« heißt für die Verlage schlichtweg verlorenes Umsatzpotenzial.

Und schon stellt sich wieder die Frage, ob es das Zusatzmaterial überhaupt wert ist und ob daher auch auf Geräten mit Strom ein Buch nur Text bleiben sollte, weil es sonst vor allen Dingen eines nicht mehr ist: ein Buch.

Testleserinnen und Testleser für »Schandweib« gesucht

Der historische Roman »Schandweib« von Claudia Weiss ist eine der ersten aufwändig produzierten »Enriched E-Books« des Hoffmann & Campe Verlags. Eigens für die E-Book-Ausgabe wurden Videos und Audio-Dateien produziert.

Der Roman spielt im Hamburg des 18. Jahrhunderts und beruht auf einer wahren Geschichte. Alle Infos zum Inhalt und eine Leseprobe finden Sie auf der Website des Verlags.

Wir suchen fünf Testleser, die den Roman als E-Book auf ihrem iPhone, iPad oder Android-Gerät lesen wollen. Sie bekommen das personalisierte Exemplar kostenlos als Download und verpflichten sich im Gegenzug, uns bis zum 30. November 2011 eine Rezension zu schreiben, in der Sie speziell auf die Zusatzelemente des E-Books eingehen. Sie haben also einen ganzen Monat für Lektüre und Rezension Zeit.

Hinweis für Android-Nutzer: Die enhanced EPUB-Datei des »Schandweibs« gibt es in einer High-Quality-Version mit 350 MB und einer komprimierten Version mit 48 MB. Sie sollten sich daher nur bewerben, wenn Sie ein aktuellen Android-Gerät besitzen, das Film und Ton entsprechend wiedergeben kann und über ausreichend Speicherplatz verfügt. Außerdem sollten Sie sich sehr gut mit den Möglichkeiten der EPUB-Lesesoftware auf diesen Geräten auskennen, da viele Lese-Apps die Möglichkeiten des E-Books »Schandweib« nicht ausschöpfen bzw. darstellen können, da »Schandweib« für den Verkauf via Apples iBooks optimiert wurde und alle Möglichkeiten dieser Software nutzt. Im »Schandweib« gibt es zum Beispiel eine Funktion, in der man zwei Karten überblenden kann, was nur in iBooks ausgeführt wird. Wer also beim »Schandweib« die Garantie haben möchte, dass alles ohne Abstriche funktioniert, der sollte mit iBooks lesen.

Als Dankeschön dürften Sie sich danach noch ein Buch in Papierform aus dem aktuellen Programm von Hoffman & Campe aussuchen.

Das sollten Sie wissen, bevor Sie sich als Testleser und Rezensent bewerben

Infos über die Autorin Claudia Weiss: »Schandweib« auf dem iPhoneDer Roman »Schandweib« ist ein spannendes und gut lesbares Buch. Bedenken Sie jedoch, dass es in gedruckter Form fast 550 Seiten hat. Definitiv ein Buch für Leseratten und nicht für Leute, die nur drei Seiten vor dem Einschlafen lesen wollen.

Natürlich sollten Sie historische Schmöker mögen.

Und Sie sollten es gewohnt sein, Bücher auf dem iPad oder iPhone zu lesen, denn Sie erhalten das Buch im EPUB-Format als Download-Link. Dieses Buchexemplar wird nicht per DRM geschützt, sondern per Wasserzeichen auf Sie personalisiert sein.

Da das Buch Video- und Audiodateien beinhaltet, ist die Lektüre auf iPad oder iPhone Voraussetzung, Sie sollten also eines der Geräte besitzen.

Bis wann muss ich die Besprechung schreiben?

Einsendeschluss für die Bewerbung ist der 30. Oktober 2011. Am 31. Oktober werden wir dann die fünf Testleserinnen und Testleser ermitteln, und diese erhalten den Download-Link. Für die Lektüre und Besprechung haben Sie dann einen ganzen Monat Zeit und sie sollte bis zum 30. November 2011 bei uns sein. Mit der Teilnahme erklären Sie sich mit diesen Konditionen einverstanden und dass wir Ihre Rezension unter Ihrem Namen im literaturcafe.de veröffentlichen.

Wie lang sollte Ihre Besprechung sein und was muss drinstehen?

Was den Umfang der Besprechung betrifft, so wollen wir Ihnen keine konkreten Vorgaben machen. Dass wir etwas mehr als den Kommentar »Super Buch!« erwarten, versteht sich von selbst. Möglichst persönlich sollte die Besprechung sein. Wir wollen keinen zweiten Klappentext lesen. Selbstverständlich darf Ihre Besprechung auch kritisch sein.

Vor allem sollte die Lektüre des Romans als E-Book eine zentrale Rolle spielen. Wie empfinden Sie allgemein das Lesen auf elektronischen Geräten? Wie haben Ihnen die zusätzlichen Inhalte der elektronischen Ausgabe gefallen?

Und was passiert, wenn Sie Ihre Besprechung nicht rechtzeitig einschicken?

Wir verlassen uns natürlich auf Ihr Ehrenwort!

Wir sind überzeugt, dass wir Ihnen eine spannende Lektüre bieten, und freuen uns über Ihre Bewerbung als Testleserin oder Testleser. Bitte benutzen Sie dazu ausschließlich das unten stehende Formular. Einsendeschluss ist der 30. Oktober 2011.

Weitere Infos zum Buch und zur Autorin finden Sie natürlich auch auf der Website des Verlags Hoffmann & Campe.

Hinweis: Woran wir interessiert sind, das ist Ihre Meinung zum E-Book – egal wie sie ausfällt. Dies ist kein bezahlter Beitrag des Verlags Hoffmann & Campe. Auswahl der Testleser und redaktionelle Verantwortung liegen beim literaturcafe.de. Der Verlag stellt die digitalen Leseexemplare zur Verfügung und gedruckte Bücher als Dankeschön. Nur die Adressen der fünf Rezensenten gehen für den Versand der Bücher an den Verlag. Alle anderen Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.
Leider ist der Einsendeschluss für die Bewerbung bereits überschritten (30. Oktober 2011) und keine Teilnahme mehr möglich.

10 KOMMENTARE

  1. Liebes Literaturcafe.de-Team,
    ich halte diese Aktion fuer eine sehr gute Idee.

    Eine Kleinigkeit wurmt mich aber dann doch.

    Warum darf man nur mit einem Apple-Produkt (iPad, iPhone) teilnehmen?

    Der grosse Vorteil von ePub ist schließlich, dass es unabhängig von einer bestimmten Plattform ist.

    Ich koennte es also auch auf meinem Android-Geraet problemlos lesen.

    Ist es nicht endlich einmal an der Zeit mit dieser Bevorzugung von Apple-Produkten aufzuhoeren?

    • Lieber Roland,

      Danke für die Rückmeldung! Sie haben Recht. Das Bewerbungsformular wurde daher um Android erweitert. Da Android-Geräte technisch sehr unterschiedlich sein können, ist es wichtig, dass es ein aktuelles Gerät ist, dass über genügend Speicher verfügt und multimediale Elemente ohne Probleme wiedergeben kann. Wir wollen ja im Testbericht nicht Sätze lesen wie: »Leider funktionierte das E-Book auf meinem alten Android-Handy nur eingeschränkt.« Wir setzen ein schnelles und aktuelles Gerät voraus.

  2. Volle Unterstützung, was das Wesen eines Buches und seine Bedeutung für den Kopf angeht. Auch beim eBook. Den Verlagen bleibt es frei gestellt, den Rest als Bonusmaterial anzubieten. Alle bisher angesehenen/gelesenen eBooks fand ich überfrachtet und eher ablenkend. Daher bin ich schon gespannt, ob ich das Schandweib mal näher betrachten kann…

  3. Klasse Aktion, würde sofort mitmachen wenn ich dafür technisch gerüstet wäre.

    Bin sehr auf die Rezensionen gespannt, da das Thema für mich immer noch dem Buch mit sieben Siegeln gleichkommt.

    lg

  4. Noch ein historischer Roman, noch was mit Erotik. Nach Wanderhure, Tochter der Wanderhure springt HoCa jetzt auch auf diesen Zug auf. Aber der ist doch eigentlich längst abgefahren.
    Dass sich der Verlag die Rezensionen in den Foren jetzt von “normalen” Lesern schreiben lässt statt von Fachleuten ist zwar lobenswert, aber eine Leseprobe FÜR ALLE hätte da mehr geholfen.

  5. Wenn ich das Projekt richtig verstanden habe, geht es nicht um eine Rezension des INHALTS sondern um die Frage, wie sich ein solcher Schinken als eBook macht… Und das kann nur die Leserschaft am Gesamtprodukt beurteilen.

  6. Sehr geehrte Frau Weiß, herzlichen Glückwunsch zu ihrem

    neuen Buch. Allerdings frage ich mich, warum das Testlesen von 2011 _ heute 2015 immer noch auf der
    Besprechungsseite steht???

    Mit freundlichem Gruß UK.

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