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Beitrag vom 1. April 2013 | Rubrik: E-Books, Self-Publishing

Nach Goodreads-Übernahme: Amazon kürzt Autorenhonorare auf 40% [April! April!]

Amazon Autoren erhalten statt 70% nur noch 50% TantimeDer folgende Artikel war unser Aprilscherz 2013 – wenngleich auch nicht alles erfunden war. Näheres zu den realen Hintergründen gibt’s im Nachtrag.

Es waren zwei faule Ostereier, die Amazon Lesern und Autoren ins Nest legte. Kurz vor Ostern wurde bekannt, dass der US-Konzern mit Goodreads einer der größten unabhängigen Buchbewertungsportale übernommen hat. Es wird von einem Kaufpreis von 150 Millionen Dollar gemunkelt.

Das Geld scheint sich Amazon nun von den Selfpublishern zu holen. In einer Pressemeldung gab der Konzern heute bekannt, dass Amazon ab sofort die Autoren-Tantiemen für Selbstverleger von bislang 70% auf 40% kürzt – zunächst jedoch nur in den USA. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass auch Autoren in Deutschland demnächst weniger einnehmen werden.

Amazon begründet diesen Schritt mit »verbesserten Marketinginstrumenten und einem erweiterten Informationsangebot für Selbstverleger«.

Autoren erfahren künftig mehr über ihre Leser

»Für freuen uns, dass wir unseren Autoren ab sofort ein besseres Serviceangebot bieten können«, wird in der Pressemeldung Amazon-Gründer Jeff Bezos zitiert. Autoren, die via Amazons KDP-Programm ihre E-Books selbst veröffentlichen, erhalten künftig detailliertere Angaben über das Leserverhalten. Amazon greift hierbei offensichtlich auf eingekaufte Technologien von Goodreads zurück.

Künftig können Autoren nicht nur erfahren, aus welchen Regionen ihre Käufer stammen, sondern Autoren erhalten einen detaillierten Lesebericht (»Goodreadsreport«). Laut Amazon können Autoren abfragen, ob ihre Leser das E-Book überhaupt zuende gelesen haben und wenn nicht, an welcher Seite die Lektüre abgebrochen wurde. Ein neuer Algorithmus setzt diese Daten in Relation mit den Goodreads-Bewertungen.

»Autoren haben ab sofort gezielter die Möglichkeit, ihre Bücher an den Publikumsgeschmack anzupassen und zu verbessern. Dadurch steigern sich die Verkaufschancen enorm«, schreibt Amazon. Untersuchungen hätten ergeben, dass auf diese Weise optimierte E-Books bis zu dreimal mehr Käufer finden.

Die Konsequenz: Amazon kürzt die Autorenhonorare von bislang 70% auf 40%. Der US-Konzern behält nun den Großteil der Einnahmen. Nicht von den Kürzungen betroffen ist der Preisbereich, in dem Autoren auch bislang bereits nur 35% der Einnahmen erhielten.

Diese Nachricht wird für die Autoren jedoch positiv verpackt: Die gesteigerten Einnahmen durch die Optimierung der Leseerfahrung (»reading experience«) führe unter dem Strich trotz Tantiemenkürzung zu Mehreinnahmen, davon ist Amazon überzeugt.

Deutsche Autoren bislang noch nicht betroffen

Da sich die Goodreads-Daten schwerpunktmäßig auf den US-Markt beziehen, betrifft die Änderung bislang nur US-Autoren, da die erweiterte Lesedatenanalyse für nicht-englische Bücher derzeit kaum verfügbar ist.

Durch die Goodreads-Übernahme wird jedoch auch die Internationalisierung des Bewertungsportals vorangetrieben. Es wird also nur eine Frage der Zeit sein, bis auch deutsche Selfpublisher eine Tantiemenkürzung um 30 Prozentpunkte hinnehmen müssen.

In den deutschsprachigen KDP-Foren wird die Entscheidung heftig diskutiert. Viele Autoren kündigen an, ihre Bücher von der Amazon-Plattform zu nehmen, wenn es auch hierzulande zu Tantiemenkürzungen kommt. »Ich lasse mir doch von Amazon nicht diktieren, was ich in meinem Buch schreibe!«, meint eine erboste Autorin. Eine andere hält dagegen: »Wenn ich durch die erweiterten Daten meine Leser besser kennenlerne, dann finde ich die Abstriche bei der Kohle ok«.

Aufgrund des Osterfeiertages, war bei Amazon Deutschland heute niemand für eine Stellungsnahme erreichbar.

Nachtrag und Auflösung: April! April!

Die erweiterten Datendienste und das verminderte Autorenhonorar waren natürlich unser Aprilscherz 2013. Wie in den Jahren zuvor, haben wir wert auf ein realistisches Szenario gelegt.

Denn kein Scherz ist die erwähnte Übernahme des größten us-amerikanischen Buchbewertungsportals Goodreads durch Amazon kurz vor Ostern. Der (echten!) Pressemeldung zur Übernahme ist zu entnehmen, dass Amazon die Buchbewertungs- und Buchdiskussionsplattform enger mit dem System Kindle verknüpfen will. Möglich wäre ein direkter Austausch mit anderen Lesern bei der Lektüre auf dem Gerät. Bislang zeigt Amazon lediglich, wenn eine gewisse Anzahl von Lesern eine Textpassage markiert hat und über kindle.amazon.com kann man seine E-Books öffentlich machen. Mithilfe von Goodreads wären beispielsweise digitale Lesekreise denkbar.

Dass Amazon durch die Übernahme des Bewertungsportals Zensur ausüben will, ist weniger wahrscheinlich. In erster Linie geht es sicherlich auch darum, die Goodreads-Nutzer direkt zum Amazon-Bestelllink zu führen.

Kein Scherz ist auch, dass Amazon sehr gut weiß, wer welches E-Book in welcher Zeit liest, wer die Lektüre beendet und wer an welcher Seite abgebrochen hat. Ist das Gerät ans WLAN oder Mobilfunknetz angeschlossen, werden die aktuelle Lektüre und die Leseposition stets an Amazon übermittelt.

Amazon hat Daten, die viele Verlage und Autoren gerne hätten

Amazon hat also Daten, die sicherlich viele Verlage und Autoren gerne hätten. Dass diese dazu dienen können, die »Leseerfahrung« zu optimieren und beispielsweise eine Liebesgeschichte nochmals anzupassen, nachdem viele Leserinnen an der Stelle ausstiegen, an der eine beliebte Nebenfigur starb, ist durchaus denkbar. Denkbar ist auch, dass Amazon diese Daten zum Leseverhalten irgendwann Verlagen und Autoren als Serviceleistung gegen Geld anbieten könnte.

Die direkte Reduzierung des Autorenhonorars wie in unserem Aprilscherz wäre sicherlich zu plump. Dennoch würden ohne Frage viele Verlage und Autoren dafür zahlen, wenn sie erfahren, wie viele Leser ein E-Book nach dem Kauf wirklich gelesen haben und ob die Lektüre vollständig abgeschlossen wurde.

Unabhängig von diesen möglichen »Datendiensten« sollte unser »Scherz« auch deutlich machen, dass die derzeitigen 70%-Autorenhonorar nicht das Ergebnis einer Verhandlung sind, sondern eine mehr oder weniger willkürliche Festlegung von Amazon, die jederzeit geändert werden könnte – wie auch immer dies begründet wird und mit welchen Veränderungen dies verbunden sein könnte.

Die zum Teil deutlichen Reaktionen auf unseren Scherz zeigen, dass er durchaus gelungen, aber tatsächlich nicht witzig ist. Dazu erscheint das Szenario zu real.

9 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Timo scherzig schrieb am 1. April 2013 um 08:49 Uhr

    Das war klar, es trifft immer die kleinen. Sie werden die Tantiemen weiterreduzieren. Bis man gar nichts mehr bekommt. Erst dann werden viele aufwachen!

  2. R. Malke schrieb am 1. April 2013 um 09:45 Uhr

    Das steht nirgends in der Presse-Meldung… ihr seht schon an welchem Tag der Artikel geschrieben wurde?

  3. Mandana schrieb am 1. April 2013 um 10:02 Uhr

    Ja, lustiger Aprilscherz ;)

  4. jeamy lee schrieb am 1. April 2013 um 10:48 Uhr

    litcaf wird immer peinlicher. was ist daran lustig?
    bildniveau.

  5. Eva Jancak schrieb am 1. April 2013 um 12:15 Uhr

    Vielleicht also doch keine E-bücher lesen und beim guten alten (Selbst)gedruckten bleiben

  6. Johannes schrieb am 1. April 2013 um 13:03 Uhr

    …total bescheuerter April Scherz….

  7. Pius von Heereman schrieb am 1. April 2013 um 15:59 Uhr

    Finde es auch nicht wirklich lustig, denn eines ist klar:

    Amazon wird mit Sicherheit irgendwann, vielleicht nicht jetzt, aber wenn es aus “unternehmensstrategischen Gründen” Sinn macht, die Tantiemen senken oder (unwahrscheinlich) anheben. Das wird mann dann “Anpassung” an den Markt nennen oder eine andere Sprachregelung finden. Übrigens wäre es dann kein Grund sich zu grämen, immerhin geht man keine vertraglichen Verpflichtungen mit Amazon ein und ist immer frei und unabhängig. Wem ein Angebot nicht zusagt, der muss es ja nicht nutzen.

  8. Nikola Hahn schrieb am 2. April 2013 um 01:48 Uhr

    Zitat: “Die direkte Reduzierung des Autorenhonorars wie in unserem Aprilscherz wäre sicherlich zu plump. Dennoch würden ohne Frage viele Verlage und Autoren dafür zahlen, wenn sie erfahren, wie viele Leser ein E-Book nach dem Kauf wirklich gelesen haben und ob die Lektüre vollständig abgeschlossen wurde.”

    NEIN, NEIN, NEIN!!! Wir haben schon viel zu viele “Schablonenschreiber”! Ich jdenfalls würde NULL Cent für diese Information bezahlen, denn genau mit diesem Dilemma kämpfen doch viele Autoren gerade: Dass die (großen) Verlage GENAU das verlangen. Schreiben nach Schema F. Gut, zugegeben: Auch ich will mit meinen Büchern Leser erreichen, und ich verschenke sie nicht, sondern will sie verkaufen, also Geld damit verdienen. Aber das heißt doch bitte nicht, dass es NUR noch darum geht, Geld zu verdienen, und man ALLES schreiben muss, was irgendwelche Statistiken auswerfen. Nicht der Aprilscherz hat mich entsetzt, sondern diese Aussage. Quo vadis, Buchkultur?

  9. Eva Jancak schrieb am 2. April 2013 um 10:50 Uhr

    Das ist genau das, was mich an der Debatte stört, daß jetzt jeder publizieren kann der mag, fein, aber statt auf den Platz eins bei Amazon oder sonstwo zu schielen, sollte man meiner Meinung nach versuchen Literatur zu machen, das wäre zumindestens mein Anspruch und was mich bei Rowohlt, Suhrkamp etc stört ist, daß sie den Autoren vorzuschreiben scheinen, wie sie es machen sollen, damit es sich gut verkauft und die kleineren Verlage schlagen ihren Autoren Pseudonyme vor, so daß sie diese dann in mehreren Identitäten verrenken und vom Sklaventum stöhnen, da dachte ich das Selbstpublishing wäre eine Chance vom Mainstream wegzukommen, wenn die Leser mitmachen und sich für das was so auf den Schreibtischen und in den Computern entsteht, interessieren. Wenn sich jetzt die Selbstpublischer zum Lektorat, Graphiker auch noch in das Leserverhalten schauende Statistiken kaufen, halte ich das für keine feine Sache und glaube auch nicht, daß man so das Leseverhalten steigern kann, ganz im Gegenteil. Ich habe diesen Aprilscherz auch nicht lustig gefunden, verstehe aber jetzt besser den vorigen Artikel und wundere mich nur ein bißchen über die Autorenreaktionen bezüglich der gesperrten Rezensionen, denn da würde mich eher ärgern, daß Amazon das tut und als Käufer habe ich, so habe ich gelernt, das Nutzungsrecht, kann also sagen, schreiben denken, was ich von dem Buch halte und eine Meinungsäuerungsfreiheit haben wir doch hoffentlich auch noch! Also Hände weg vom gläsernen Leser, auch wenn man damit vielleicht ein paar Cent verdienen kann!
    Für mich sind jedenfalls Literatur und Kapitalismus zwei ganz verschiedene Sachen, die ich nicht miteinander vermengen will!

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