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Beitrag vom 16. April 2008 | Rubrik: Literarisches Leben, Zuschussverlage

»Für Meinungsfreiheit« – Autorenverbände wollen sich von Verlagsgruppe nicht einschüchtern lassen

Ausschnitt aus der Presseinfo des VSEigentlich ist es noch gar nicht offiziell: Am 23. April 2008, dem Welttag des Buches, planen nahezu alle namhaften Autorenverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit zu treten. Es ist vorgesehen, dass sich die Autorenvertretungen in dieser sogenannten »Fairlag-Erklärung« für einen fairen Umgang zwischen Verlagen und Autoren aussprechen. Hierzu gehöre es nach Meinung der Autorenverbände auch, dass ein Autor für eine Veröffentlichung vom Verlag Geld bekommt – und nicht umgekehrt. Die geplante Erklärung blickt daher kritisch auf die sogenannten Zuschussverlage, wobei sie dieses Geschäftsmodell jedoch nicht mit Bausch und Bogen verdammt. Vielmehr soll sich die Erklärung gegen die schwarzen Schafe der Branche richten, die nach Meinung der Autorenverbände mit den Autoren alles andere als fair umgehen und ihnen offenbar Versprechungen über Erfolge und Verkaufspotenziale machen, die nicht immer der Wirklichkeit entsprächen. Unerfahrene Autoren laufen hier Gefahr, durch Unwissen und Naivität eine mögliche Karriere durch eine Veröffentlichung in einem Zuschussverlag mit weniger gutem Ruf zu verbauen.

Noch ist der Text der Erklärung in der internen Diskussion, doch ist ein Entwurf offenbar im Vorfeld der »Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe« zugespielt worden. Diese lässt nun die Muskeln spielen und versucht, die Autorenverbände einzuschüchtern und droht ihnen über einen Rechtsanwalt per Fax mit juristischen Schritten, falls diese die Erklärung unterzeichnen.

Diesen recht bemerkenswerten Versuch, auf die interne Meinungsbildung zwischen den Verbänden einzuwirken, machten die beteiligten Verbände aus Österreich und der Schweiz bereits am vergangenen Wochenende öffentlich. Entsprechende Artikel sind im Standard und in der Basler Zeitung nachzulesen.

Heute nun hat auch der »Verband deutscher Schriftsteller in ver.di« (VS) eine Presseinformation mit dem Titel »Für Meinungsfreiheit gegen Einschüchterung« herausgegeben. In der Erklärung heißt es wörtlich:

»Nicht allein die öffentliche Meinungsäußerung, schon die interne freie Meinungsbildung soll juristisch unterbunden werden. Diese Vorgehensweise hat mit einer Kultur des Wortes absolut nichts zu tun und ist ein Schlag ins Gesicht aller gewissenhaft und seriös arbeitenden Verlage«, so [der Vorsitende des VS, Imre] Török. »Eine solche Art Vorzensur ist skandalös, wir weisen sie zurück.«

Das Bemerkenswerte an der juristischen Drohgebärde der Verlagsgruppe: Diese taucht namentlich überhaupt nicht in der geplanten Erklärung auf!

Kenner der Szene sind daher über das vehemente Vorgehen der Verlagsgruppe reichlich erstaunt. »Man könnte das als das Bellen getroffener Hunde interpretieren«, witzeln Insider. Ein Schuss, der nach hinten losgehen könnte.

Mit ziemlicher Sicherheit ist dies nur der Auftakt eines Schlagabtausches, der nach dem 23. April 2008 weiter zu eskalieren droht, sollten die Autorenverbände sich von den Juristen der Verlagsgruppe nicht einschüchtern lassen. Die Berichte in den Zeitungen und die Presseinfo des VS zeigen jedoch, dass man in der Sache nicht klein beigeben wird. Der 23. April und der genaue Wortlaut der Erklärung darf daher mit Spannung erwartet werden.

1 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Redaktion schrieb am 16. April 2008 um 23:40 Uhr

    Da die Verlagsgruppe bereits Website-Betreiber aufgrund kritischer Meinungsäußerungen in den Nutzerkommentaren abgemahnt hat, wollen wir uns diesem Risiko nicht aussetzen, sodass wir die Kommentare für diesen Beitrag leider schließen müssen.

Keine weiteren Kommentare mehr möglich.

Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. Nicole Rensmann schreibt … » Blog Archive » Autorenverbände gehen auf die Barrikaden verlinkte am 18. April 2008 um 15:33 Uhr

    […] Das Literaturcafé berichtet – von dort aus gehen weitere Linke, darum werde ich diese hier nicht ei… […]

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