Zum Menü des literaturcafe.de | Zum Kontextbereich
Toplinks
Social-Media-Icons
Beitrag vom 13. August 2012 | Rubrik: Self-Publishing

Buchumschlag und E-Book: Die 16 beliebtesten Gestaltungsfehler der Selbstverleger

Nicht ganz so optimal gestaltete CoverAuf den Inhalt des Buches kommt es an? Von wegen! Der Umschlag ist das wichtigste Werbemittel. Er muss zum Hingreifen oder – im Falle von E-Books – zum Draufklicken animieren. Erst dann folgt die Leseprobe.

Wer sein Buch als E-Book oder Print-on-Demand-Ausgabe selbst veröffentlicht, muss sich Gedanken über das Cover machen. Gerade Anfänger und Nicht-Designer geraten dabei in Gestaltungsfallen, weil sie eine emotionale Bindung zu einem Covermotiv entwickeln und nicht erkennen, dass die gewählte Abbildung nüchtern betrachtet kontraproduktiv ist.

Wir nennen die beliebtesten Gestaltungsfallen.

Bildverarbeitungsprogramme lassen Anfänger oft staunen

Die Möglichkeiten der Bildverarbeitungsprogramme lassen Anfänger oft staunen, und sie probieren in Sachen Covergestaltung alles aus – das Resultat mit eingesetzten Schatteneffekten oder Schriftverzerrungen schreckt den Leser eher ab.

Unsere Galerie zeigt beispielhaft drei schlecht gestaltete Buchumschläge. Aus naheliegenden Gründen sind es keine echten Cover, doch sind sie eng an tatsächlichen Umschlägen angelehnt.

Die beliebtesten Coverfehler (nicht nur) von Laien:

  • Zeichnung der eigenen Kinder oder der Nichten als Covermotiv
    Der Klassiker der Laiengestaltung, der gerne dann verwendet wird, wenn es sich um selbst aufgeschriebene Kindergeschichten handelt. Mütter finden es süüüß, wenn der Sprössling die Geschichten bebildert, für den kundigen Leser ist es aber oftmals ein untrügliches Zeichen für inhaltlich wenig Wertvolles.
  • Aquarellzeichnung einer guten Bekannten, womöglich extra für das Buch angefertigt oder die Zeichnung der Tochter aus dem Kunst-Leistungskurs
    Auch das ein Klassiker. Oftmals drängen sich Hobbymaler selbst auf, wenn man verkündet, man wolle ein Buch veröffentlichen. Individueller geht es ja kaum. Doch auch solche Werke sind für den Profi ein untrügliches Gestaltungssignal, dass hinter dem ambitionierten Hobbymalerbild oft ein Hobbyschreibertext steckt. Beliebt ist auch, das pastellene Motiv uninspiriert mit einem knalligen Vollfarbrahmen zu versehen.
  • Strandmotiv mit Sonnenuntergang des letzten Urlaubs
    Langweiliger geht’s nicht. Was den Fotografen an den letzten Urlaub denken lässt, ist für den Außenstehenden Dutzendware. Hinzu kommt, dass ein solches Motiv beliebig wirkt und keinen wirklichen Hingucker hat, der das Auge gefangen nimmt.
  • Exotische unpassende Schriften
    Es ist schon großartig, was für drollige Schriften es im Tausenderpack auf CD für ein paar Euro oder gar kostenlos zum Download gibt. Schau mal, die Schrift sieht aus wie von Hand geschrieben! Schau mal, die Schrift sieht aus wie verlaufenes Blut und passt super zu deinen Gruselgeschichten!
    Das Ergebnis ist oft zu verspielt, der Titel schlecht lesbar, doch der Profi liest daraus nur eines: schlechte Schrift zu schlechten Texten.
    Extrembeispiel ist die meistgehasste Schrift »Comic sans«, die dennoch immer wieder gerne von Laien eingesetzt wird.
  • Langweilige unpassende Schriften
    Genauso schlecht wie zu viel Schriftgedöns sind langweilige 08/15-Schriften wie Times New Roman oder Arial, die Windows mitliefert und bei der Textverarbeitung voreingestellt sind. Greifen Sie besser zu abweichenden Schriften derselben Schriftfamilie wie z.B. Garamond statt Times.
  • Schrift verläuft über das Bildmotiv und ist schlecht lesbar
    Und wenn es nur ein einziger Buchstabe des Titels ist: Schwarze Schrift auf schwarzem Hintergrund ist seeeehr schlecht lesbar.
  • Schatten unter der Schrift oder Rand um die Schrift
    Wenn die weiße Schrift auf dem hellen Hintergrund nicht zu lesen ist, dann hilft ein Schatten, der mit dem Grafikprogramm in Sekunden geschaffen ist. Wow, man kann den Schatten sogar rot machen! Und das wirkt so unheimlich dreidimensional!
    Weg mit dem Schnickschnack!
  • Verzerrte oder gedehnte Schrift
    Schriften zu verzerren, das begeistert den Computerneuling. Und man kann die Buchstaben sogar mit Regenbogenfarben füllen.
  • IN GROSSBUCHSTABEN GESETZTE TITEL
    Großbuchstaben bedeutet SCHREIEN! Und wer will schon von einem Titel angebrüllt werden? Früher hatten Spam-Mails oft groß geschriebene Titel – leichte Beute für den Spam-Filter. Neben dem Spam-Charakter eines groß geschriebenen Titels kommt noch hinzu, dass groß geschriebene Wörter für unser Auge eine ungewöhnliche Wort-Silhouette haben und schlechter lesbar sind.
  • Mindestens sechs verschiedene Schriften in fünf Größen
    Mehr als zwei oder drei Schriftgrößten sollten man für seine Titelgrafik nicht verwenden, denn das wirkt unruhig und ist schlecht zu lesen. Gleiches gilt auch für Schriftfarben oder Hervorhebungen wie fett und kursiv. Bitte alles nur in Maßen!
  • Zu viele Elemente auf dem Cover
    Das Cover sollte einen Hingucker besitzen, der das Auge des Betrachters fesselt und neugierig auf den Inhalt macht. Speziell bei E-Books sind kleinteilige Motive nicht ratsam, da man sie in verkleinerten Version, beispielsweise im Amazon-Suchergebnis, nicht erkennen kann. Verwenden Sie sowohl bei Fotos als auch bei der gesamten Gestaltung klar erkennbare Elemente.
  • Falsche Proportionen beim Bildmotiv oder beim Schrift-/Bild-Verhältnis
    Ein Covermotiv sollte harmonisch und ausgewogen wirken – jedoch nicht langweilig.
  • Witziges Bildmotiv, das nicht wirklich witzig ist
    Ein witziges Bildmotiv ist vermeintlich eine gute Idee, um auf den Titel aufmerksam zu machen. Doch nicht alle finden das komisch. Hinzu kommt, dass sich der Humorfaktor bei der zweiten Betrachtung oft schon verbraucht hat.
  • Die Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material ohne Erlaubnis
    Einfach so ein gutes Motiv aus dem Internet klauen, das geht gar nicht. Sie brauchen die aktive Erlaubnis des Urhebers! Und das am besten schriftlich, falls es später zu Problemen kommt. »Ich habe nachgefragt, keiner hatte sich gemeldet und etwas dagegen gehabt, also habe ich das Flickr-Foto verwendet« gilt nicht als Ausrede.
  • Unpassende Farbkombinationen und knallige Farben
    Harmonie bei der Covergestaltung gilt auch für die Farbauswahl. Verwenden Sie nie »reine« Farben, da diese unnatürlich wirken. Ausnahmen können Anmerkungen wie »Neu« oder »Bestseller« sein.
    Web-Anwendungen wie colorschemedesigner.com helfen bei der Wahl der richtigen Farbwelt.

Natürlich kann es vorkommen, dass Sie einige diese Elemente hin und wieder auch auf dem Cover erfolgreicher Bücher finden. Das sollte Sie aber nicht dazu verleiten, sie beim eigenen Buch einzusetzen.

Tipps und Tricks zur guten Covergestaltung finden Sie in unserem E-Book »Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen«.

Weitere Tipps finden Sie in unserem E-Book für Amazons Kindle

Cover der 6. Ausgabe: Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufenIn unserem E-Book »Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen« finden Sie weitere Tipps zur Erstellung digitaler Bücher.

Kaufen Sie das E-Book und werden Sie Teil des Experiments, über das wir in unserem Erfahrungsbericht ständig Aktuelles schreiben. Außerdem freuen wir uns über Ihre Amazon-Rezensionen zu diesen Titel.

Zum Lesen des E-Book benötigen Sie kein Kindle-Gerät. Amazon bietet kostenlose Lese-Software für Kindle-Bücher auch für mobile Geräte (iPhone, iPad, Android oder Desktop-PC und Mac an. Einmal erworbene Kindle-Bücher können Sie auf allen Geräten lesen.

Wolfgang Tischer: Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen - 6., nochmals erweiterte und überarbeitete Ausgabe [Kindle Edition] für Amazon Kindle (alle Modelle) und die entsprechenden Apps für iPhone, iPad, Android, Mac und PC, 2012. literaturcafe.de.
E-Book für 2,99 Euro bei Amazon kaufen

10 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Ingo schrieb am 13. August 2012 um 20:09 Uhr

    Kleine Anmerkung zu den Schriften: Es heißt korrekt “Garamond” und nicht “Garamont”. Die Schift ist eben nach einem bedeutenden Typographen benannt und nicht nach einem ähnlich klingendem Weichkäse.

  2. Redaktion schrieb am 13. August 2012 um 20:54 Uhr

    Vielen Dank, sagen die Käseliebhaber des literaturcafe.de! Die Schreibweise ist korrigiert.

  3. david gray schrieb am 14. August 2012 um 09:34 Uhr

    Gute Cover gibt’s bei http://44covers.blogspot.de/. Einfach nur aufs Profil gehen und vpon dort eine Mail an Elisa schreiben. Ich hab alle meine Cover von ihr machen lassen. Und es nicht bereut.

  4. xm schrieb am 14. August 2012 um 10:43 Uhr

    das mit der großen schrift im titel kann ich nicht so nachvollziehen, wenn ich mir die verlagscharts angucke, haben alle bestseller (beckett, olsen, di fulvio, collins) große schrift im titel

    literarische titel verwenden schon eher normale schrift

    ein weiterer hinweis wäre die viele verwendung von quadratfotos mit einem dicken schwarzen rand oben und unten, um dem buch die coverform zu geben
    ich vermute vieler dieser fotos kommen von fotolia

    comic sans ist auch schon wieder kultig

    für times new roman spricht folgende belegte theorie:
    es ist die meist verwendete schrift der welt und deshalb assoziieren wir mit ihr auch professionelle texte, zudem sind unsere augen an die schrift gewöhnt

    s st w b nm txt, dn wr hn vkl vrsthn

  5. Marvin schrieb am 14. August 2012 um 14:27 Uhr

    Stimme fast allem zu. Aber die These mit Arial als 08/15 Schrift, teile ich nicht. Wenn man diesen Helvetica Verschnitt mit all seinen Schnitten gekonnt und gezielt einsetzt, ist diese Schrift genauso gut oder schlecht wie alle anderen “anerkannten”.

    Sie ist perfekt lesbar, wirkt seriös – nicht langweilig! Bei schwarz/weiß Kombination sogar künstlerisch!

    Man kann sie bei hochpreisigen Produkten genauso einsetzen, wie bei Billig-Angeboten (siehe Poco). Alles eine Frage des Farbklimas, und der Wahl des Schnitts.

  6. George McGregor schrieb am 14. August 2012 um 20:43 Uhr

    Interessant finde ich bei unabhängigen Autoren, daß so oft ‘von’ auf dem Titel erscheint. Also: Romantitel ‘von’

    Autorenname. Warum eigentlich? Bei Verlagsproduktionen gibt es das doch auch nicht.
    Von den Großbuchtaben kann man wohl nicht von vornherein abraten. Amerikanische Titel scheinen generell in

    Großbuchstaben und fett gesetzt zu sein. Ich denke, das wird seinen Grund haben. Vielleicht sind es andere

    Lesegewohnheiten in einem anderen Kulturkreis oder es ist nur, damit Autor und Titel auch in verkleinerter Abbildung bei

    Amazon sofort gelesen werden können. Auch die Bildmotive als Hintergrund sind deshalb wohl eher sparsam, also recht

    ruhig, gehalten. Die deutschen Bestseller folgen anscheinend dieser Mode.
    Die Assoziation ‘schlechtes Cover gleich schlechter Inhalt’ finde ich als Leser eigentlich nicht so schlecht. Man braucht

    dann gar nicht erst drauf zu klicken.

    George

  7. Marlon Baker schrieb am 18. August 2012 um 14:58 Uhr

    Vor allem bei Print-on-Demand Verlagen fällt immer wieder auf, dass Autoren zu Cover “von der Stange” greifen, und sich dann wundern, warum ihr Buch in der Flut der Neuerscheinungen nicht wahrgenommen wird. Ich bin schon seit langer Zeit ein Anhänger von Buchcovern, wie sie in den USA und England eingesetzt werden: der Autor sollte sich nicht verstecken müssen, und das Motiv hat nur wenige Sekunden, um den Leser zum Kauf zu animieren.

    Preisgünstige Buchcover, die zudem ansprechend sind, erstellt beispielsweise Autoren Services rund ums (digitale) Buch: http://iboox.biz/buchcover/index.html Und ein aussagefähiges Cover muss nicht einmal viel kosten. In diesem Sinne, besser zweimal überlegen, welche Verpackung man seinem Buch mit auf dem Weg gibt!

  8. o. schrieb am 26. August 2012 um 02:28 Uhr

    Ja. Super. Und die hier genannten Beispiele für Cover von Davind und Marlon sind im Grunde auch nicht besser. Ist ein bisschen Ästhetikempfinden zu viel verlangt? Schriften dürfen keine Schatten werfen und nicht halb durchscheinend sein. Keine albernen Zeichnungen. Kein Schnickedieschnack, der nicht zum Rest passt. Himmel, da wird einem ja übel. Morgen starte ich meine Coveragentur. Das kann ich besser.

  9. Kerstin Rachfahl schrieb am 3. Oktober 2012 um 17:41 Uhr

    Hallo ihr Lieben,
    musste fünf Mal zählen und komme doch immer nur auf 15 Punkte und nicht 16 die ihr aufführt. Habe ich etwas übersehen :-)
    Lieber Gruß
    Kerstin

  10. Pat McCraw schrieb am 12. Dezember 2013 um 19:18 Uhr

    Toller Artikel. Es ist schön, diese Punkte einmal so nüchtern aufgelistet zu lesen. Auch wenn ich der Meinung bin, dass man Titel auch ohne weiteres in Großbuchstaben schreiben kann. Geschmackssache, sollte zum Buch passen.
    Ich hatte das Thema selbstgemachtes Buchcover schon einmal satirisch behandelt.
    Wer es also einmal lustig betrachten möchte: http://www.erotik.xtme.de/2013/11/pure-erotik-buchcover-mit-fruechten-satire/
    Gruß Pat

Kommentar zu diesem Beitrag schreiben

  1. erforderlich
  2. gültige E-Mail-Adresse / wird nicht veröffentlicht
  3. erforderlich
  4. Senden
  5. Captcha
 

Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. Der Unterschied zwischen Cover und COVER | Ebooks von Kerstin Rachfahl verlinkte am 14. Dezember 2012 um 11:52 Uhr

    [...] Buchumschlag und E-Book: Die 16 beliebtesten Gestaltungsfehler der Selbstverleger – Literaturc… [...]

Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlen

Empfehlen Sie diesen Beitrag weiter
  1. benötigt
  2. gültige eMail-Adresse
  3. benötigt
  4. gültige eMail-Adresse
  5. benötigt
  6. Captcha