Thomas Glavinic: »Man darf Facebook nicht mit der Wirklichkeit verwechseln« – Buchmesse-Podcast Leipzig 2011

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Thomas GlavinicTom nennt sich die Hauptfigur im neuen Roman »Lisa« von Thomas Glavinic. Tom ist davon überzeugt, dass die brutale Serienmörderin Lisa hinter ihm her ist und daher zieht er sich mit seinem Sohn in ein Ferienappartment in den Alpen zurück. Von dort betreibt er ein Internet-Radio und Glavinics Roman ist ein Monolog des Moderators mit Hörer und Leser.

Aus der Perspektive des klassisch unzuverlässigen Erzählers zu schreiben, der Unmengen an Kokain und Alkohol zu sich nimmt, hat Thomas Glavinic großen Spaß gemacht.

Dass Thomas Glavinic auf Facebook nun auch Fans statt Leser hat, findet er doof. Er sei ja schließlich nicht Robbie Williams.

Dennoch sei das Internet Teil seiner Wirklichkeit, so Glavinic. Warum solle er es also in seinen Romanen aussparen?

Der Buchleser sei auf eine positive Weise konservativ. Doch freut es den Autor, dass er ein relativ junges Publikum habe. »Bei Lesungen sind bei mir nicht ausschließlich graue Köpfe im Publikum zu sehen«, so Glavinic. Er möchte Bücher schreiben für Leute, die so ähnlich seien wie er. Er könne glücklicherweise auch Leute, die nicht wahnsinnig viel lesen, dazu bewegen, zu seinen Büchern zu greifen. Dennoch erhebe er nicht den Anspruch, dass seine Bücher allen Leuten gefallen müssen.

Wie nutzt Glavinic selbst das Internet, das für seine Hauptperson Tom via Webradio den Kontakt zur Außenwelt darstellt? Manchmal müsse Thomas Glavinic auf seiner Facebook-Fanpage zu irgendetwas seinen Senf dazugeben, doch würde er nicht so weit gehen, und das Internet und Facebook im Speziellen mit der Wirklichkeit verwechseln. Man sollte die Wirklichkeit nicht zu ernst nehmen und Facebook schon gar nicht. Das Ganze ist ein Spiel. Der direkte Kontakt zum Leser auf seiner Fansite kann sehr positiv sein. Aber natürlich könne er nicht jedem persönlich antworten.

Thomas Glavinic: Lisa: Roman. Gebundene Ausgabe. 2011. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG. ISBN/EAN: 9783446236363. EUR 17,90 » Bestellen bei amazon.de Anzeige

1 Kommentar

  1. Facebook nicht ernst nehmen, alles ein Spiel?
    Das Telefonieren würde heute auch niemand mehr als Spiel bezeichnen. Online entsteht eine neue und andere, teilweise sehr wohl anspruchsvolle Form zu kommunizieren, definitiv, aber gerade deswegen sollte man Facebook und andere Möglichkeiten des Web sehr ernst nehmen. Erst dadurch, dass manch einer sich der Grenzen, Möglichkeiten und Gefahren nicht bewusst ist, und es für nicht entscheidend hält, entstehen Probleme.

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