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Schreibzeug-Podcast: Der Algorithmus frisst seine Autoren – oder wie man im Social-Media-Dschungel überlebt

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Wer heute Bücher schreibt, sollte auch via Social Media die Werbetrommel rühren – so weit, so bekannt. Doch wo erreicht man die eigene Zielgruppe im Jahr 2026 überhaupt noch? Und wie schützt man den eigenen Feed vor dem grassierenden »KI-Schleim«? Diana Hillebrand und Wolfgang Tischer haben sich in der aktuellen Folge ihres »Schreibzeug«-Podcasts durch den aktuellen Plattform-Dschungel geschlagen.

In einer Welt, in der das Schreiben allein längst nicht mehr reicht, ist »Social Media für Autoren« ein Dauerthema mit extrem kurzer Halbwertszeit. In der aktuellen Ausgabe vom 31. Mai 2026 des Schreibzeug-Podcast wagen Diana Hillebrand und literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer eine ungeschönte Bestandsaufnahme.

Instagram regiert, Facebook ruht, LinkedIn protzt

Wo treibt sich die literarische Welt gerade herum? Diana Hillebrand hat vorab die KI nach der aktuellen Relevanz-Reihenfolge der Plattformen befragt – und das Ergebnis deckt sich im Wesentlichen mit der Realität der Buchbranche: Instagram thront im Jahr 2026 unangefochten an der Spitze, dicht gefolgt von TikTok (BookTok) und YouTube.

Die hinteren Plätze der Liste sorgen in der Folge allerdings für Diskussionen: Während das klassische Facebook massiv abgerutscht ist (Diana Hillebrand hat ihren dortigen Account mangels Interaktion und wegen nerviger Format-Basteleien gerade in den »Ruhezustand« versetzt), tauchen in den Top 10 auch Kanäle auf, die Wolfgang Tischer eher als »Sendemedien« statt sozialer Netzwerke definiert – wie Newsletter und Podcasts. Dennoch: In früheren Episoden von Schreibzeug machten die beiden bereits deutlich, wie wichtig die Hoheit über die eigenen Abonnenten abseits scheinbarer Reichweiten auf Social Media ist.

Einig sind sich beide beim Blick auf LinkedIn: Das Netzwerk habe sich zur ultimativen »Angeber- und Protzer-Plattform« entwickelt, auf der Heerscharen von Coaches im herrischen Ton die Welt erklären. Nichts für sensible Künstlerseelen. Ganz anders die Dynamik bei der jüngeren Zielgruppe: Während die Elterngeneration mühsam auf Instagram angekommen ist, bewegt sich die literarische Jugend längst rasant und visuell auf TikTok – speziell im Genre New Adult. Dass der Einfluss von BookTok auf den Buchhandel und die Bestsellerlisten mittlerweile bedrohlich immens ist, steht dabei außer Frage.

Bedeutung der Followerzahl nimmt ab

Obwohl (gerade bei Verlagen) immer noch die Meinung vorherrscht, dass die Zahl der Follower ein wichtiges Kriterium sie, verliert diese Zahl im Jahr 2026 dramatisch an Wert. Die modernen For-You-Feeds scheren sich kaum noch darum, ob jemand einem Account aktiv folgt oder nicht. Entscheidend ist einzig und allein die virale Qualität und die Verweildauer des einzelnen Beitrags. Das bedeutet einerseits die Chance, auch mit einer kleinen, frischen Community aus dem Stand heraus tausende Menschen zu erreichen. Andererseits schützt eine historische Basis von zehntausenden Followern heute niemanden mehr vor der digitalen Unsichtbarkeit, wenn der Content nicht exakt den Nerv des aktuellen Algorithmus trifft.

Die Tyrannei der Verweildauer und der »KI-Slop«

Größter Nerv-Faktor im Jahr 2026 bei der Nutzung ist jedoch nicht die Wahl der Plattform, sondern deren technologische Pervertierung und »Vermüllung«. Tischer warnt eindringlich vor der Funktionsweise der modernen »For-You-Feeds«, die einen schnell in dunkle Ecken bringen können. Die Algorithmen von Meta, TikTok und Co. tracken das Nutzerverhalten bis in die Bruchteile von Sekunden.

Das führt zu einem fatalen Unfall-Effekt:

»Manche Posts sind wie Unfälle, es ist grausam, aber man schaut hin, weil man das nicht glauben kann. Aber just dieses führt dazu, dass man Ähnliches dann sehr schnell zu sehen bekommt.« (Wolfgang Tischer)

Wer also fassungslos auf den omnipräsenten »KI-Slop« starrt – jenen generierten Content-Müll und »KI-Schleim« aus sprechendem Gemüse und seelenlosen Filmen, der immer mehr die Feeds verstopft –, erzieht sich seinen eigenen Algorithmus unbemerkt zum digitalen Albtraum. Einzige Gegenmaßnahme gegen diesen massenhaft produzierten KI-Müll: radikal und blitzschnell wegwischen und tatsächlich Relevantes liken.

Mehr Werkstattbericht, weniger Dauerwerbesendung

Am Ende blicken beide Podcaster kritisch auf die eigene Zunft. Viele Kolleginnen und Kollegen nutzen ihre Kanäle nur noch, um permanent Produkte oder die eigenen Bücher wie Sauerbier in die Kamera zu halten.

Dabei ist es doch genau das, was die wirkliche Community eigentlich gar nicht sehen will. Gefragt ist stattdessen Authentizität: Wie recherchieren Autoren? Was geht ihnen beim Schreiben durch den Kopf? Wo entstehen die Geschichten? Welche Bücher lesen sie selbst? Kurz: Gefragt ist der ehrliche Blick in die Schreibwerkstatt, nicht die Dauerwerbesendung im Influencer-Stil.

Die komplette, rund halbstündige Folge bietet wie gewohnt einen unterhaltsamen Mix aus Technik-Wissen und pragmatischem Autoren-Alltag. Zu hören gibt es die Episode im Player oben, überall dort, wo es Podcasts gibt, oder direkt unter schreibzeug-podcast.de.


Hinweis: Der Schreibzeug-Podcast erscheint alle 14 Tage sonntags um 0 Uhr und ist komplett durch die beiden Podcaster und durch Spenden finanziert (wobei Großspenden ab 100 Euro, wie in der Folge schmunzelnd erwähnt, bei den Machern regelmäßig für kurzen Atemstillstand sorgen).

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