DIE ZEIT und Blogg.de vergeben im Sommer 2004 Preise für die besten deutschsprachigen Weblogs. Mit dabei ist auch die Kategorie „Erzählen“. Hier gehören alle Weblogs hinein, die besonders gut erzählt sind: witzig, ergreifend, skurril oder spannend.
Diplomarbeit: Veränderungen im Leseverhalten durch die Nutzung von eBooks

Im Juli 2003 bat Andreas Schröder um ein paar Minuten Zeit und um Mithilfe bei seiner Diplomarbeit. Die Ergebnisse sind nun seit Sommer 2004 im Internet abrufbar.
Andreas Schröder studierte Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Im Sommer 2003 schrieb er an seiner Diplomarbeit, bei der er sich inhaltlich mit dem Lesen von gedruckten und elektronischen Büchern befasst.
Schröder geht in seiner Arbeit u.a. der Frage nach, wie viele Menschen überhaupt am Bildschirm oder auf tragbaren mobilen Geräten einzelne Texte oder ganze Bücher (sogenannte eBooks) lesen.
Daher waren im Sommer 2003 im wahrsten Sinne des Wortes Sie gefragt: Lesen Sie elektronische Texte am Bildschrim oder vielleicht sogar unterwegs? Warum oder warum nicht? Was sind die Vor- und Nachteile der elektronischen Lektüre? Oder finden Sie das alles Unsinn? Das sind einige der Fragen, die Andreas Schröder hier gestellt hatte.
Und weit über 500 Leser haben mitgemacht!
Zügig schreiben
Die Deutsche Bahn und BoD veranstalten “ >einen Schreibwettbewerb. Gesucht werden Geschichten, in denen die Bahn eine Rolle spielt. Die 10 besten Geschichten erscheinen dann zur Buchmesse 2004 als BoD – und eigentlich könnte die Bahn das Buch dann doch anstatt des Kundenmagazins in den Abteilen auslegen.
Bachmann-Preis: Keine Sexsymbole der Autobahn
Ein schöner Artikel von Rainer Moritz in der WamS über den Bachmann-Preis, der heute verliehen wird.
Booktown „Hay-on-Wye“
Heute vor sechs Jahren war Redaktionsmitglied Gero von Büttner in der „World Book Town“ in Wales. Wie die Zeit vergeht.
Textkritik: Circe – Lyrik
Bei Männern konnte Frollein Circen
vermittels Kräutern und Gewürzen,
auch Zaubersprüchen und dergleichen
die Wandlung zu ’nem Schwein erreichen.
Man dieserhalb vor jenem warnte,
was dem passiert, den sie umgarnte,
denn jeden Mann macht diese Frau,
mit Links und Leichtigkeit zur Sau!
Zusammenfassende Bewertung
Handwerklich absolut sauber und mit schönen altertümelnden Wörtern und Formen, doch inhaltlich zu flach – das Gedicht stürzt in der zweiten Strophe nicht in mögliche Tiefen, sondern versandet.
Viel zu früh wird »Witz komm raus« signalisiert, aber das Versprechen nicht eingelöst: Das ginge nur, wenn die zweite Strophe vollständig überarbeitet würde; dann könnte dieses Gedicht Lachen oder zumindest Schmunzeln hervorrufen.
Die Kritik im Einzelnen
Hier laufen zwei Bedeutungen durcheinander: die konkrete (die Männer wurden – will man der Odyssee Glauben schenken – realiter in neunjährige Mastschweine verwandelt) und die übertragene (Mä-na-sind-Schwai-ne—–glaubeihnenniiicht-mainkiiind). Als borstige Fleischträger jedoch waren sie zu der übertragenen Tätigkeit bezüglich Circe gar nicht fähig – also wäre es sinnvoller, zumindest in der ersten Strophe auf der konkreten Ebene zu bleiben, quasi als Erinnerung (Stimmt! So war sie, die blöde Kuh!). Dann ließe sich Wandlung in Verwandlung umwandeln, das zu in in verwandeln und das umgangssprachliche ’nem zu einem hochsprachlichen ein abwandeln. Rückübersetzte man das allzu launige Frollein in das korrekte Fräulein, bliebe einem Leser die Drohung erspart, dass er eigentlich gleich lachen müssen müsste – er bliebe zunächst in der Sicherheit seiner Stimmt!-Erinnerung geborgen; will man homer-historisch ganz korrekt sein, müsste man einwänden (Hoppala: Grauen-Gräuel, Uberschwang-überschwänglich, aber Einwand-einwenden??? Mooooment, dudenhol … nachschlag … Tatsache, duglaubsteseinfachnicht: einwenden-Einwendung [welch widerliches Wort, niemandem ließe ich das durchgehen, dudenhin-dudenher], und Einwand steht ganz allein, dazu gibt es angeblich kein passendes Verb … Was ist nur mit unserer Sprache los?) also, fadenwiederaufnehm (immer diese Unterbrechungen!): will man homer-historisch ganz korrekt sein, müsste man einwänden (das ist jetzt nackter Trotz), dass 1 singulärer Zauberspruch genügte, jedoch unabdingbar war, also nicht neben Anderem auch verwendet werden konnte, und dass dergleichen doch sehr nach Verlegenheitslösung müffelt, schließlich benutzte Circe nur noch 1 weiteres Mittel: eine Gerte! Homerisch-historisch korrekt könnte die Strophe dann folgendermaßen ihre nach wie vor astreinen Jamben entfalten:
Bei Männern konnte Fräulein Circen
vermittels Kräutern und Gewürzen
und Zauberspruch und Gertenstreichen,
Verwandlung in ein Schwein erreichen. zurück
Die zweite Strophe verstimmt, da sie nicht mehr stimmt: bei Circe ging aber auch gar nichts mit Links und Leichtigkeit! Zunächst einmal musste sie singen, um Mannsvolk anzulocken, alsdann Flaschen entkorken und Wein panschen und kredenzen, in der Folge Essen zubereiten und die Speisen mit gemeinen Kräutern und Gewürzen verfeinern (und dabei höllisch aufpassen, dass man sie nicht ertappt!), dafür sorgen, dass das Mannsvolk dem tückischen Gericht auch anständig zusprach, die betütelten Männer mit dem Zauberspruch belegen und schließlich mit der Gerte schlagen und in den Schweinekoben treiben und zusperren – also wenn das nicht verdammt nach Arbeit riecht, dann weiß ich auch nicht …
Männer im übertragenen Sinn in Schweine verwandeln – dazu müssen Frauen eigentlich nichts Anderes tun, als versehentlich in Sicht- bzw. Reichweite zu geraten: dann verwandeln sich Männer völlig freiwillig. Und jemanden zur Sau machen (im Sinne von »demütigen, fertig machen«) ist eine Fähigkeit, die vor allem Männern eignet – Circe wäre da eine seltene Ausnahme, und die ist, wie gezeigt, erheblich aufwendig (hihi, kommt ja schließlich von Aufwendung!).
Ich erstelle zum Abschluss eine Komplettversion unter Beibehaltung des gleichen Metrums und vieler schöner Wörter und Sätze der Vorlage, um zu verdeutlichen, was Fallhöhe bedeuten kann, hier im Standard-Rahmen Damals-Heute inklusive der genannten Standard-Klischees; die Form würde sich dabei ebenfalls ändern, da das Damals jetzt 6 Zeilen umfasste und das Heute (die »Pointe«) sich mit 2 Zeilen begnügte; formal wird das Heute abgesetzt durch die elliptische Frage, das umgangssprachliche, wiederholte heut und das rhythmisch leicht störende freiwillig: ’s isch halt heit nimme so schee wie domols, wo die Fraue sisch so rischtisch um die Männä habbe bemiehe misse – tätäää, tätää, tätääääää!
Bei Männern konnte Fräulein Circen
vermittels Kräutern und Gewürzen
und Zauberspruch und Gertenstreichen,
Verwandlung in ein Schwein erreichen.
Man dieserhalb Odysseus warnte,
damit sie ihn nicht auch umgarnte …
Und heut? – Heut wird bei einer Frau
freiwillig jeder Mann zur Sau.
Vergriffene Bücher als eBook?
wieso stellen verlage eigentlich nicht einfach alle bücher als ebooks zur verfügung, wenn sie die bücher nicht mehr auflegen? [fragt sich kiesows]
Rechtschreib (um) fragen
Einer Umfrage der Zeitschrit FOCUS zufolge sind 66 Prozent der Deutschen dafür, die Rechtschreibreform rückgängig zu machen. Die Café-Redaktion wagt die These, dass der Prozentsatz derer, die einen Text mit neuer von einem Text mit alter Rechtschreibung nicht unterscheiden können, sicherlich gleich hoch ist, würde man einen Text ohne die markante Doppel-s-Schreibung auswählen.
Freie Bücher: Experiment oder Kommunismus?
Vor wenigen Tagen sind erstmals zwei Telepolis-Bücher unter Creative Commons-Lizenzen veröffentlicht worden. In den Telepolis- und heise newsticker-Foren hat dies bereits für angeregte Diskussionen gesorgt. Ein guter Grund für Janko Röttgers sich als Autor eines dieser Bücher zu Wort zu melden. [via Telepolis]
Preisbindung gilt auch bei eBay
Wer als Privatperson regelmäßig neuwertige Bücher bei eBay verkauft, muss sich an die Preisbindung halten d.h. darf die Bücher nicht unter dem festgelegten Ladenpreis anbieten. Weil er die ihm gratis zugegangenen Rezensionsexemplare ungelesen zu Dumpingpreisen bei Ebay vertickte, wurde ein Journalist nun von einem Buchhändler verklagt [via Telepolis]
Der Standard stellt die alte (langweilige) Frage
Hat das Internet die Literatur verändert? STANDARD-Interview mit Ulrike Draesner und Walter Grond über die Auswirkungen der digitalen Medien auf die Literatur, Political Correctness beim Schreiben und die Freiheit der Kunst versus Persönlichkeitsrechte.
Uwe Johnson Festwoche
Vom 17. bis 24. Juli findet auf dem Darß die große Uwe Johnson Festwoche anlässlich des 70. Geburtstages des großen Mecklenburger Literaten statt. Man würde sich freuen – so schreibt man uns – wenn man dort auch das literaturcafe.de begrüßen könnte. Aber Mecklenburg-Vorpommern ist so weit weg…
Allegra stirbt – und somit wohl auch der Literaturpreis
Der Springer-Verlag stellt die Zeitschrift Allegra ein. Damit dürfte es auch einen populären Literaturpreis weniger geben. Schade.
10. Rattenfänger-Literaturpreis an Peter Dickinson
Der Autor erhält den mit 5.000 EUR dotierten Preis für sein Kinderbuch „Der Tanzbär“ (Carlsen Verlag). Die Jury würdigt u.a. den freundlichen Humor und die Charakterisierung des verschrobene Heiligen und der Bärin. Das klingt interessant.
Anders unterwegs mit dem Hörverlag
Der Hörverlag schickt uns sein Herbstprogramm. Wer reisend Geschichten hört, ist anders unterwegs. Wer sich räumlich nicht bewegt, aber hört, wird auf dem Strahl der Geschichten reisen. Nette Idee: Eine Deutschlandkarte mit Reisezeiten und dem passenden Hörbuch. Stuttgart-Augsburg: ca. 200 Minuten, empfohlen wird Der Steppenwolf. Und wer 782 km von Hamburg nach München reist, der kann Middlesex hören. Na dann: Gute andere Reise!

