Nochmal Rechtschreibreform und zwei lesenswerte Artikel zum Thema. Klaus Harpprecht fordert in der taz ironisch-polemisch „Nieder mit dem DUDEN!“ und findet, dass ein wenig Anarchismus der Sprache nicht schaden kann.
Differenzierter und sachlicher hingegen der Artikel von Roman Bucheli in der NZZ, den man unbedingt lesen sollte. Zitat: „Bedenklich stimmt es, wenn die genannten Grossverlage die Abkehr von der neuen Regelung nun unter die etwas demagogische Begründung stellen, die Mehrheit der Bevölkerung sei gegen die neue Orthographie. Denn ginge es danach, so wäre vermutlich jede Rechtschreibregelung überflüssig.“ und „Die Rechtschreibreform wird heute aus dem gleichen fundamentalistischen Geist heraus bekämpft, aus dem sie entstanden ist.“.
Liest man das Interview mit SPIEGEL-Chef Stefan Aust (warum eigentlich nicht Stephan?) in der FAZ am Sonntag, dann spürt man diesen Fundamentalismus sehr deutlich. Hier in der Redaktion haben wir noch den Satz des ehemaligen Tagesthemen-Chefs Hans-Joachim Friedrichs im Ohr: „Ein Journalist sollte sich nie mit einer Sache gemein machen – auch nicht mit einer guten“. Von solchen Grundsätzen ist man beim SPIEGEL offensichtlich weiter entfernt als je zuvor.
Pragmatismus statt Fundamentalismus
Wo war doch gleich das Problem?
Guido Grigat legt die Messlatte hoch: Unserer Meinung nach der bislang beste Beitrag zur Rückkehr des Spiegels zur kaiserlich verordneten Rechtschreibung.
Populistischer, antidemokratischer Reflex
Daniel Bax in der taz über die Rückkehr von BILD und SPIEGEL zur kaiserlich verordneten Rechtschreibung : Das kommt also dabei heraus, wenn sich die mächtigsten Medienmänner des Landes besser verstehen, als es einer demokratischen Öffentlichkeit gut tut. Jubeln können jetzt allenfalls alle Ewiggestrigen: die, die schon aus Prinzip gegen jede Veränderung oder gar Liberalisierung bestehender Regeln sind. Die Leidtragenden sind andere: die Schülerinnen und Schüler, die schon seit Jahren nach den neuen Regeln lesen und schreiben lernen.
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Koalition der Rechtschreibwilligen
Ein sehr schöner Artikel von Florian Rötzer in Telepolis über die Aktion von BILD und SPIEGEL.
SPIEGEL und BILD kehren zur „klassischen“ Rechtschreibung zurück
Bei der BILD-Zeitung, die weder die alte noch die neue Rechtschreibung beherrscht, war dieser Schritt absehbar. Der konservative Leserstamm, der wahrscheinlich die längste Zeit einen Kugelschreiber beim Ausfüllen eines Lottoscheins in der Hand hält, wird dies begrüßen. Dass dies nun zusammen mit dem SPIEGEL erfolgt, mag allerdings auch nicht sehr verwundern, denn was die Rechtschreibung betraf, hing der SPIEGEL sein Fähnchen auch immer schnell in den Wind und ließ sich gerne instrumentalisieren. In einer Titelgeschichte Ende der 90er erklärte man sich mit den Schriftstellern solidarisch. Man werde nicht die neue Schreibung anwenden. Einige Wochen später hat man es dann doch getan.
Böse Zungen behaupten ja ohnehin, dass der SPIEGEL nur mitmacht, damit der SPIEGEL Online es einfacher hat, bei BILD abzuschreiben.
Unglaubliche Passstrasse
Die Sommerloch-Diskussion um die neue Rechtschreibung war uns immer schon eine Notiz wert. Doch mittlerweile beginnen wir das BILDblog ob solch wunderbarer Einträge zu lieben.
Was es bei Google und Amazon nicht gibt…
Stefan Becht beschreibt auf Telepolis, wie Google und Amazon die literarische Wahrnehmung verändern.
Mitmachen und die Wahl beeinflussen!
Mit einer detaillierten Anleitung fordert der MIRA-Verlag dazu auf, für einen seiner Titel bei der ZDF-Aktion „Das große Lesen“ zu stimmen. Wir finden, dass dies eine nette Aktion ist, die die Unsinnigkeit und Absurdität dieser Wahlen und Bestenlisten aufzeigt. Also: alle mitmachen und für den MIRA-Titel stimmen. Mal sehen, wie hoch wir ihn in der Bestenliste bringen können – dazu muss man ihn ja nicht unbedingt gelesen haben.
Feg mit der neuen Rechschreipung!
Die BILDzeitung macht den Anfang und kehrt zur alten Schreibung zurück. Hat zumindest das BILDblog herausgefunden.
Botanische Wackelbilder
Monik Sos, von der auch eins, zwei, drei visuelle Gedichte im Café zu finden sind, hat uns neue Bilder geschickt. Wir surfen daraufhin etwas über ihre Homepage und erfreuen uns am Menüpunkt PflanzenFront (Achtung: lange Ladezeit!). Ins Internet übertragene Wackelbilder, die je nach Schärfe eine ganz andere Wahrnehmung ergeben. Sehr schön.
eBooks boomen illegal
… meint der SPIEGEL Online. So ist die aktuelle Belletristik-Bestenliste des SPIEGEL fast komplett im Netz vertreten. Tja, nur leider animieren solche Artikel geradezu dazu, nach illegalen eBooks zu suchen.
eBook wieder mal im Trend
Und schon wieder wird vermeldet, dass eBooks boomen. Diesmal in den USA und Japan. Und sie werden sogar ausgeliehen. Meldet zumindest das ZDF.
Chlodwig Poth und Bernd Pfarr sind tot
Zwei, deren Werke wir sehr schätzen, sind tot. Heute starb Chlodwig Poth („Last Exit Sossenheim“) vorgestern starb Bernd Pfarr („Sondermann“).
Bücherbestenliste des ZDF
Zwischen dem 6. Juli und dem 6. August haben die Zuschauer bei „Unsere Besten – Das große Lesen“ Gelegenheit, per Postkarte oder Internet dem ZDF ihr Lieblingsbuch mitzuteilen. Selbst Elke Heidenreich muss dafür ihren Kopf hinhalten. Soll man das nun gut oder schlecht finden? [via Stern.de]
Wahre Internet-Literatur
Der Spiegel berichtet über die Figur Layne Johnson. So kann Literatur heutzutage aussehen. Ein faszinierendes Projekt.

