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Die Neutralität der Medien

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Schon bei der Rückkehr zur kaiserlich verordneten Rechtschreibung von 1901 hat sich insbesondere der SPIEGEL nicht mit Ruhm bekleckert. Plötzlich wurde dem Leser sehr bewusst, dass man auch beim SPIEGEL konservativ verbohrt sein kann und in diesem Punkte keine Neutralität gelten lässt.
Nun wird eine neue Kampagne in eigener Sache geführt. Vorn dabei wieder mal Springer (BILD) und mit dabei wieder mal der SPIEGEL. Von Zensur der Medien ist plötzlich die Rede. Doch das eigentlich nur, weil eine Kammer des europäischen Gerichtshof es für nicht zulässig erklärt hat, dass heimlich aufgenommene Paparazzi-Fotos von Prinzessin Caroline veröffentlicht werden. Dies soll nur mit Zustimmung erfolgen oder wennn sie einen „Beitrag zur Debatte mit Allgemeininteresse“ leisten. Und hierzu zählt sicherlich nicht der Tratsch und Klatsch beim Frisör.
Ausnahmen lässt das Gericht sehr bewusst für Politiker zu, denn hier besteht sehr wohl ein Interesse, wer mit wem private Geschäfte macht.
Zweifelsohne ist dieses Urteil eine Bedrohung des Boulevard-Journalismus, der u.a. von Paparazzi-Fotos und erfundenen Promi-Geschichten lebt. Peinlich, dass sich hierzu scheinbar auch der SPIEGEL zählt. Sehr lesenswert der Artikel von Hans Leyendecker in der Süddeutschen.
Uns erinnert die Diskussion und die sofortigen albernen Zensur-Rufe sehr an die übliche Foren-Aufregung, wenn dort ein Artikel aus gutem Grund gelöscht wird, weil er gegen die Regeln und guten Sitten verstößt.

Ein Buch für Anne Frank

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Alle im Alter zwischen 10 und 16 Jahren sind aufgerufen, an einem „Buch für Anne Frank“ mitzuwirken. Veranstalter sind das Anne Frank Zentrums und das Deutsche Kinderhilfswerk. Thema ist wieder mal *gääähn* Zivilcourage. Da müssten doch viele noch Texte vom letzten Deutschaufsatz übrig haben. Und auch im Redaktionskeller liegen noch zwei DIN A4-Ordner mit den Beiträgen des Wettbewerbs re:spect der Aktion Mensch. Könnten wir eigentlich gleich unfrei ans Anne Frank Zentrum weiterschicken. Und die Tipps unseres Redaktionsleiters gibt es für alle Teilnehmer gratis als Zugabe. Und wehe wir lesen nochmal was über angepöbelte Ausländern in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf dem Schulhof! Das ist verboten!

Hörbücher werden digital

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Während in vielen Branchen die Gewinne zurückgehen, hat es zumindest die Musikindustrie geschafft, die Schuld hierfür nicht der Konjunkturlage, sondern ausnahmslos den Raubkopierern in die Schuhe zu schieben, um durch geschickte Lobby-Arbeit auch gleich noch das Urheberrecht zugunsten der Konzerne zu ändern. Dabei ist ein Zusammenhang zwischen den weniger verkauften CDs und der Zahl der verkauften Rohlinge nicht bewiesen.
Nicht zuletzt der aktuelle Hype um den Apple iPod zeigt aber, dass die Zukunft ohnehin in den digitalen Musikdateien liegt. CDs sind dann bestenfalls Träger von MP3-Dateien oder anderen kodierten Formaten. Welche Auswirkungen die Digitalisierung hat, zeigt die Fotobranche: die Kodak-Entwicklungslabore sind insolvent, und Agfa verkauft die Foto-Sparte ganz.
Natürlich hat die Digitalisierung auch Auswirkungen auf den Hörbuchmarkt. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird man es als reichlich absurd empfinden, dass man ein Hörbuch übers Internet bestellen konnte, dann aber CDs im Audio-Format erhielt, anstatt gleich in der digitalen Version, die auch der MP3-Player oder iPod versteht, ohne dass man diese CDs konvertieren muss, was zwischenzeitlich obendrein bei kopiergeschützten CDs widerrechtlich ist, was man wiederum der Musikindustrie zu verdanken hat (sieh oben). Wie einfach wäre es da doch, die Dateien gleich im passenden Digitalformat übers Netz zu beziehen. audible.com bietet dies seit einiger Zeit. Nun berichtet heise.de, dass der Dienst auch bald in Deutschland starten wird.

ZDF-Intendant offizieller Sprachverhunzer der Nation

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Eigentlich sollte Edelgard Bulmahn das Rennen machen: Mit ihrem Uni-Slogan „Brain up“ galt sie als Top-Favoritin für den Titel „Sprachpanscher des Jahres“. Doch der Verein Deutsche Sprache hat ein anderes Opfer gefunden: Markus Schächter, den Chef des ZDF. [meldet der SPIEGEL online]

Was verdient eigentlich ein Schriftsteller?

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Wer schreibt, bleibt. Aber was bleibt dem, der schreibt? Der Schriftsteller und Jurist Georg M. Oswald hat es in der Welt zum Start der Büchersaison nachgerechnet. Unbedingt lesen! [via polarluft.de]

Amtlich digitales Regelwerk

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Festgestellt, dass wir jahreslang ohne aktuelles amtliches Regelwerk gearbeitet haben. Gestern den analogen DUDEN von 1996 durch die aktuelle digitale Version ergänzt. Unglaublich, dass es uns gelungen ist, dennoch einigermaßen nach den neuen Regeln zu schreiben. Wir sind etwas besorgt, da dies ja Spiegel und BILD offenbar nicht gelungen ist.

Wann fusionieren Spiegel und Springer?

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Die gemeinsam angekündigte und bis jetzt nicht vollzogene Rückkehr zur kaiserlich verordneten Rechtschreibung war nur ein weiterer Beleg dafür, dass sich Spiegel und Bild immer mehr annähern und auf vielen Gebieten schon seit längerem zusammenarbeiten. Der Tagesspiegel zeigt in einem lesenswerten Artikel diese Dinge auf – geschäftlich wie privat. Zitat: Rudolf Augstein hätte sich so viel Gemeinsamkeit wohl nicht vorstellen können. Im Gesellschaftervertrag gibt es eine Klausel, in der steht, dass es für den Spiegel-Verlag Partner gibt, die „nicht zumutbar“ sind. „Die Gesellschafter sind sich darüber einig, dass hierzu derzeit die Axel Springer Verlag AG und der Heinrich Bauer Verlag gehören“, steht im Vertrag.

Die FAZ-Literaturkritik des neuen Dudens

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Erwartungsgemäß tendenziös lässt die FAZ die morgen neu erscheinende 23. Auflage des Dudens von Theodor Ickler besprechen.

Traurige Dialoge: Am Wörthersee

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Und auch dieses Dramolett von Antonio Fian lesen wir im heutigen Standard. Wir schweigen ergriffen.

Jens und Reich-Ranicki vertragen sich wieder

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Nach zehn Jahren Feindschaft haben sich der Tübinger Rhetorikprofessor Walter Jens und der Frankfurter Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki versöhnt. So lesen wir es heute im Standard. Wir suchen noch nach einem Taschentuch, um die Tränen der Rührung zu trocknen.

Virtuelle Buchtournee

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Man muss nur Ideen haben, dann fällt man auf: Bernd Roethlingshoefer reist durch Deutschland und stellt sein Buch „Werbung mit kleinem Budget“ vor. Allerdings reist er nicht persönlich, sondern ist virtuell zu Gast bei mehreren Weblogs.

Das Anti-Reformer-Trio und der orthografische D-Day

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Jonannes Röhrig zeichnet in einem Beitrag für den Stern nach, wie Männerfreundschaften zu Bündnissen gegen die neue Rechtschreibung werden. Eine lesenswerte Chronik der Aktion von SPIEGEL und Springer. Nette Idee: Im Artikel sind exemplarisch alle Wörter nach neuer Schreibweise fett gedruckt. Viele sind es nicht. Zitat: Allenfalls zwei Prozent des Wortschatzes sind von der Neuregelung betroffen – doch „Bild“ macht Dampf: Allein seit Anfang August wird in 24 Artikeln für den Erhalt der alten Orthografie getrommelt.

Sonnenfinsternis und Adalbert Stifter

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Heute vor 5 Jahren war im südlichen Teil Deutschlands die absolute Sonnenfinsternis zu beobachten. Damals hat das literaturcafe.de zu diesem Anlass den Text von Adalbert Stifter aus dem Jahre 1842 online gestellt.

Muj vztah k Nemecku a Nemcum

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Ein tschechischer Artikel von Jakub Sofar im Magazin Sprace über Literatur im Internet. Sehr prominent wird im unteren Teil auch das literaturcafe.de erwähnt. Leider können wir nur vermuten, worüber da geschrieben wird. Kann jemand tschechisch? Kann uns jemand den Artikel übersetzen? Wir sind für eMails an die Redaktion dankbar.

Textkritik: Vom Aufwerfen des Kalks – Prosa

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Im Jahre 1488 war in Pescara der berühmte Maler Ghirlandaio damit beauftragt, die Fresken der Di Stephano-Kirche von Grund aus zu erneuern. Dieses Geschäft betrieb der Meister mit eben jenem Geschick, für welches er in ganz Italien bekannt war.
Am 23. März, einem Freitag, wurde ihm der kleine Michel von dessen Vater, Herrn Buonarotti, in die Lehre übergeben. Buonarotti entrichtete dem Meister das Lehrgeld fürs erste Jahr, denn so war es damals Sitte, die Männer besiegelten den Lehrvertrag mit einem Handschlag, sprachen noch einige freundliche Worte miteinander, dann streichelte der Vater seinem Sohn übers Haar, gab ihm einen Kuss auf die Stirn und machte sich auf die Rückreise nach Caprese.
Der Meister unternahm nun einen Gang durch die Kirche, um den Fortgang der Arbeiten seiner drei Gesellen zu überwachen. Da standen sie, an der Ostseite, bewarfen die Wand mit nassem Kalk, strichen ihn mit Brettern glatt, übertrugen die Skizzen des Meisters, und noch während der Bewurf feucht war, trugen sie ganz so, wie sie es gelernt hatten, die Farben auf. Sieh nur! Giovanni war hierin der Geschickteste. Nie verfehlte er den rechten Farbton, blieb immer in der Kontur, seine Werke wussten den Betrachter zu erheben. In seiner Kunst reichte er dennoch an Meister Ghirlandaio nicht heran. Von dem wird gesagt, dass einst in Padua ein Religionsverächter beim Anblick einer seiner vor dem Dom des hl. Antonio ausgestellten Skizzen in Tränen ausgebrochen und auf die Knie gesunken sei, seinem Lästerleben abgeschworen und sich ganz dem Dienste am Herrn geweiht habe.
Nun stand Ghirlandaio unter der Kanzel, die sich an die Mauer schmiegte, massiv war sie, aus Mahagoni geschnitzt und an die zweihundert Jahre alt; die Treppe, die nach oben führte, hatte unter dem Tritt selbst der feistesten Prälaten kaum geseufzt.
Dort also stand er und betrachtete mit Wohlgefallen das Werk seiner Jünger. Er winkte Michel heran: He, Michel, lauf zum Giovanni und hilf ihm. Lass dir zeigen, wie man den Kalk aufwirft und glatt streicht.
Michel war ein Junge von 13 Jahren, fast schwarzes, festes Haar hatte er wie alle Leute hier; sein Nacken war der eines Stiers, seine Hände würden sich binnen weniger Monate zu Pranken auswachsen. Der trotzige Zug um seinen Mund verstärkte sich bei den Worten des Meisters.
Den Kalk aufwerfen? Das kann ich nicht.
Ja, eben drum sollst du’s ja lernen.
Schon wollte er dem Giovanni eine Anweisung zurufen, da bemerkte er das verfinsterte Gesicht seines Lehrlings. Nun, fragte er ungeduldig, was soll’s?
Meister Ghirlandaio, mein Vater hat Euch das Lehrgeld fürs erste Jahr gegeben, damit Ihr mich das Malen lehrt.
Malefiz, dachte der Meister, aber noch war er ruhig.
Und glaubst du, dass das Aufwerfen des Kalkes nicht dazugehört? Wandert dort, wo du herkommst, der Kalk von selbst die Wand hoch und streicht sich glatt, he? Schau rüber, wie die drei arbeiten, dann wirst du’s begreifen.
Ich habe es schon begriffen, Meister Ghirlandaio, aber nicht Kalk will ich schmeißen, ich will malen.
Ghirlandaio war ein vorsichtiger Mann, darum fasste er hinter sich an das Treppengeländer der Kanzel, hielt sich tüchtig mit seiner Linken daran fest und fing erst dann an zu schreien: Im Namen aller Heiligen, die ich je gemalt habe, Michel, ich habe nicht gesagt, du sollst den Kalk schmeißen! Aufwerfen sollst du den Kalk, dann glatt streichen, dass es mir eine Lust ist, mit dieser Hand darüber zu fahren und die kühle Glätte des Belages auszukosten! Seine Worte klangen in dem Gewölbe wie Donner; draußen vor dem Portale der Kirche verhielten die Spaziergänger den Schritt. Michel stand störrisch vor ihm.
Da versuchte er es noch einmal: Beim himmlischen Licht und allen Farben des Regenbogens, gehe nun hinüber zu Giovanni und hilf ihm! Dies hatte er so laut gerufen, dass die Müßiggänger sich vor dem Portale zu stauen und einen Halbkreis zu bilden begannen.
Michels Gesicht hatte sich weiter verdüstert, und so bäuerisch und ungehobelt der Kerl mit seinen finsteren Haaren vor ihm stand, in seinen Augen zeigte sich ein Schimmern und Glimmen, dass es eine Art hatte. Ghirlandaio war nicht der Mann, sich hiervon beeindrucken zu lassen. Er stellte fest, dass sein neuer Lehrling sich immer noch nicht vom Flecke rührte. Als er nun schrie, da brandeten seine Wortkaskaden gegen die entferntesten Gewölbe, brachen sich hundertfältig an den Bündelpfeilern, durchdrangen die zierlich bemalten, in Blei gefassten Glasfenster, die die sieben Leidensstationen Christi auf fassliche Weise darstellten, ließen die Kanzel erdröhnen und das Taufbecken klirren. Die drei Gesellen ließen das Werkzeug sinken. Die Müßiggänger strömten unter der Leibung des offenen Portals hindurch in die spitzbogige Vorhalle, von dort ins Kirchenschiff; wie eine Welle war’s anzusehen, und wie eine Welle zerschlug sich der Haufe und versickerte im Gestühl. Die sieben Fischweiber, die soeben ihre stinkenden Körbe leerverkauft hatten, pflanzten sich in Erwartung einer kräftigen Predigt in der ersten Reihe hin. Sie sperrten die Münder auf, und seit Menschengedenken war es das erste Mal, dass sie dies taten, ohne dass ein Strom unflätiger Reden daraus hervorgequollen wäre.
Schau meine Hände an, Michel, schrie Meister Ghirlandaio, schau sie dir an, nun mach schon. Ganz glatt sind sie, stimmt’s? Und weißt du, wovon sie so weich und glatt sind, dass es den Weibern gar wohlig am Hintern wird, wenn ich sie da streichle, he? Na? – Vom Kalk! Auf das Kreischen der Fischweiber drehte Michel sich zu ihnen um; auch Ghirlandaio schaute hinüber und bemerkte die Fischer-Giulia in ihrem gelben Gewande, die Haare verlockend hoch gesteckt, und hoch ihr Busen; er hatte sie schon mit seinen Händen gekost und von ihren Fischen gekostet; da straffte er sich und hielt in seiner Predigt inne. Und Ruhe überkam ihn, teilte sich den Versammelten mit, dass der eine zu gähnen begann, der andere die Augen niederschlug und Giovanni dort drüben auf dem Platz, der einzig dem Bürgermeister gebührte, seine Füße anhob und auf die zweitunterste Sprosse der Leiter stemmte.
Vom Kalk, sage ich, fuhr er freundlicher fort, Kalk, den du jetzt für Giovanni auftragen wirst, sonst müsste ich glauben, du wärest von Sinnen und alle Bewohner des elenden Fischerdorfes, dem du samt deiner Sippe entstammst, ebenso! Machen eure Väter sich bei euch oben die Hände nicht nass, wenn sie die Fische an Land ziehen? Werden eure Mütter nicht blutig, wenn sie Bengels wie dich unter Schmerzen gebären? Putzen vielleicht Diener euch den verdauten Fisch mit dem gelbtrockenen Gras, das bei euch wächst, vom Hintern?
Seine Stimme war nun so weit abgesunken, dass die Zuhörer in den letzten Reihen sich erhoben und ins vordere Gestühl rückten.
Große Arbeiten gibt’s, meine lieber Michel, und niedere Arbeiten gibt’s, mein lieber Michel. Fange du mit den niederen an! Sonst müsste ich wahrhaftig glauben, du seiest eigens nach Pescara gekommen, um hier den Lauf der Welt umzukehren. Fange klein an, damit du groß wirst!
Die Gemeinde geriet bei diesem Wort in ein herzliches Lachen, und da Meister Ghirlandaio keine Anstalten machte, mit seiner Predigt fortzufahren, so erhob man sich von den Bänken, es entstand ein allgemeines Geschiebe nach draußen zu; nur Giulia verweilte ein wenig und schielte begehrlich nach Ghirlandaios Händen. Der Meister achtete nicht darauf; seine Augen verfolgten vielmehr seinen Lehrling, der hinüberging zum Giovanni, eine Kelle in die Hand nahm und den Kalk auftrug.
Bald ging der Meister ihm nach, legte ihm seine rechte Pranke auf die Schulter, schaute ihm freundlich in die Augen, die nun ihr Funkeln gelassen hatten: Brav, Michel Angelo, sehr brav!

© 2004 by Lulu. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Ungemein anschaulich, lebendig, humorvoll und herrlich pädagogisch— schlichtweg großartig!

Die Kritik im Einzelnen

Dieser ganze Abschnitt ist überflüssig. Er mag historisch korrekt sein, und »Freitag, der 23.« ein augenzwinkerndes Spiel mit »Freitag, der 13.«, aber was wirklich wichtig ist, erfährt der Leser im Laufe der Erzählung sowieso noch einmal. Ich halte es für viel geschickter, nicht zu viele Details schon zu Anfang preiszugeben, dafür wird die Überraschung am Ende dann umso größer! zurück
Unternahm einen Gang klingt höchst gestelzt und ist keinesfalls besser als das einfache »ging«; wenn es etwas Besonderes sein soll, das Meister Ghirlandaio im Vollbewusstsein seiner Meisterschaft und Autorität zeigt, würde ich empfehlen: Der Meister durchschritt die Kirche, um den Fortgang… Entfallen ist auch das nun, da ein Leser nicht mehr an den echten Anfang zurückerinnert werden muss, sondern direkt die eigentlichen Arbeit des Meisters kennen lernt (das gilt nur, wenn der 2. Absatz gestrichen ist – sonst ist die Krücke nun leider fast notwendig). zurück
Sieh nur fordert jemanden zum Beobachten auf: das dürfte wohl in erster Linie an Michel gerichtet sein – von dem der Leser (nach Streichung des zweiten Absatzes) aber noch nichts weiß; zu sich selbst wird der Meister kaum sprechen, und an den Leser gewandt ist diese Aufforderung überflüssig, denn weder Kontur noch den rechten Farbton noch die erhebenden Werke kann er sehen. Ich würde diese Aufforderung streichen! zurück
Hier ist ein weiteres Argument für die Streichung von Sieh nur, denn jene Aufforderung macht nur Sinn, wenn Michel unmittelbar in des Meisters Nähe steht. Hier aber muss Michel herbeigewinkt werden; so würde sich überflüssigerweise die Frage stellen, wann er denn den Meister bei dessen Kontrollgang verlassen hatte. zurück
Das altertümelt zu penetrant: Der bisher sehr angemessene, gediegene Stil parodiert sich hier unfreiwillig – ich würde es bei Fleck belassen!  zurück