„Let your problem be our problem!“ steht an der Fahrertür des Autos eines irischen Computer-Reperaturservices. Hm, ob dieser Spruch wirklich gut gewählt ist? Immerhin würden wir erwarten, dass, wenn wir Probleme mit einem Computer hätten, diese nicht auch für das zur Hilfe gerufene Servicepersonal bestehen sollten.
Telefonzellen und Buchcover werden grau
Die FAZ ueber die neuen Buchcover des Surhkamp-Verlags. Gutes muss ja schließlich nicht ewig halten. Und wenn der Verlag schon den Bach runter geht, dann wenigstens mit ihm die schönen zeitlosen Cover. Schade…
Bastian Pastewka gibt öffentlich zu, dass er Müll macht.
Erstaunlich: Im neuen Spiegel (38, S. 97) weiß Pastewka, dass sein Brisko (Hallo, liebe Liebenden!) „in den Mülleimer der Zeitgeschichte“ gehört.
Befremdlich: Dass er sich überhaupt einen Platz in der Zeitgeschichte eingeräumt hat.
Verblüffend: Mit Brisko habe er Ballermann-Reportagen usw. „persifliert“.
Unglaublich: Dass jemand ernsthaft glauben kann, man könne Schwachsinn mit Schwachsinn persiflieren …
Textkritik: Zehntausend schwarze Tauben – Lyrik
Zehntausend schwarze Tauben,
in deren Mitte sie saß,
in deren Mitte sie sang.
Zehntausend schwarze Tauben,
die sie besaß.
Das Lied – das gleiche immer,
Die Melodie – die nämliche immer,
die sie sang,
die meine Schwester sang.
–VERGESSEN!
Zusammenfassende Bewertung
Ein recht ansehnliches Experiment, aber noch zu sehr Experiment.
»Das Gedicht entstand aus zwei Sätzen aus dem Text Kaspar Hauser und die blinde Frau von Klaus Mann aus dem Jahr 1925 im Zusammenhang mit einer Hausaufgabe. Original Sätze: >Sie besaß zehntausend schwarze Tauben, in deren Mitte sie saß und sang. – Sie sang immer das gleiche Lied, die Melodie, die meine Schwester sang, war immer die nämliche.<« schreibt Cornelia Pesko in ihrer eMail.
Mein Ausgangspunkt war allein das Gedicht, ich kenne den angegebenen Text nicht und damit auch nicht den Zusammenhang des Zitates; außerdem kenne ich nicht den Wortlaut der Hausaufgabe: sollte der Satz vielleicht möglichst unverändert übernommen werden? (Was hätte ich als Schüler über solche Hausaufgaben gejubelt, das wären dann die einzigen gewesen, die ich gemacht hätte! Da scheint etwas in Bewegung zu geraten oder geraten zu sein: erfreulich, dass nicht nur sachbezogenes, sondern auch kreatives Schreiben in den Blickpunkt der Lehrer gerät bzw. geraten ist!)
Gleichviel: Prosa ist auch strukturell etwas Anderes als ein Gedicht, und wenn Klaus Mann nicht zweimal nacheinander »gleich« verwenden will, sondern auf »nämlich« wechselt, muss das im Gedicht nicht nachvollzogen werden, denn Wiederholungen sind ein wichtiges Stilmittel! Der Umgang mit Zitaten darf auch frei sein, siehe Brecht oder Jelinek oder Schmidt …
Die Kritik im Einzelnen
Diese letzte Zeile stört die Harmonie der ersten Strophe gewaltig – und zudem ist die Aussage überflüssig: die Eigentumsverhältnisse sind unerheblich, denn ob es ihre Tauben sind oder nicht, ändert schließlich nichts an dem Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit, das die erste Strophe noch viel stärker ausstrahlt, wenn dieser letzte Vers fehlte: dann wäre sie von den Tauben tatsächlich auch noch optisch umgeben. Durch die Wiederholungen wird Ruhe und Geborgenheit stark hervorgehoben: denn dann gäbe es lediglich 2 Wörter, die nur einmal vorkämen, nämlich der unreine Reim saß und sang. Der metrische Wechsel in den inneren Zeilen verleiht dem Gedicht zudem eine gewisse Leichtigkeit. Zur Unterstützung der Harmonie könnte zusätzlich auf die Satzzeichen verzichtet und um der Einheitlichkeit willen jeder Versanfang mit Großbuchstaben begonnen werden:
Zehntausend schwarze Tauben
In deren Mitte sie saß
In deren Mitte sie sang
Zehntausend schwarze Tauben zurück
(Anmerkung: Ich gehe beim Folgenden von einem Vierzeiler aus wegen der Parallelität!) Die zweite Strophe ist völlig anders gebaut: sie besteht aus identischen Paarreimen, die rhythmische Struktur ist in jeder Zeile anders, die Harmonie ist gestört – warum? Warum sollte jemand, der sich offenbar so geborgen und wohl fühlt, von sich aus daran etwas ändern? Diese Irritation scheint daher zu rühren, dass die zweite Strophe ein Drama ankündigt: den plakativ mit Großbuchstaben geschriebenen und zwischen Gedankenstrich und Ausrufezeichen eingeklemmten Ausruf VERGESSEN. Das aber ist ein Problem des lyrischen Ichs und keinesfalls der Schwester, denn die fühlte sich wohl, und das weiß das lyrische Ich – siehe die erste Strophe! Das Nicht-Erinnern der Melodie ändert nichts am Gesamtbild. Was bleibt zu tun?
Warum nicht die Struktur der ersten Strophe beibehalten? Ich würde vielleicht die Schwester, die in der ersten Strophe die Mitte besetzte, nach außen nehmen und dafür Lied und Melodie als Ausdruck ihres Gefühls in die Mitte, ich würde auch den Rhythmus nicht ändern, sondern die Harmonie belassen. Ein vorsichtiger Versuch:
Was meine Schwester sang
Das immer gleiche Lied
Mit gleicher Melodie
Was meine Schwester sang
Identisch wäre die Form der beiden Strophen nicht, denn die Versenden sind jetzt alle stumpf und die mittleren Zeilen ohne Wechsel im Metrum, was eher schwer daherkommt und mir eigentlich nicht behagt – aber es ist eben nur ein Versuch und nicht das Ergebnis langwieriger Arbeit und soll letztlich auch nur eine Möglichkeit verdeutlichen. zurück
Diese Zeile ist in jeder Hinsicht (s. o.) viel zu stark hervorgehoben, denn sie reißt schon den Blick an sich, bevor man das Gedicht überhaupt gelesen hat! Sinnvoller wäre es, das Gedicht entsprechend zu betiteln (Vergessen) – womit dem Leser dann eine gehörige Portion Anstrengung überlassen würde, den Zusammenhang zu klären.
Es ließe sich aber von dem zweiten Vierzeiler problemlos ein Einzeiler absetzen (also nach einer Leerzeile): Das habe ich vergessen (was sehr im alten Rhythmus bliebe) oder Habe ich vergessen (was wegen des Trochäus auch rhythmisch aus dem Rahmen fiele) oder oder … Letztlich geht es darum, dieses Vergessen nicht so dramatisch zu gestalten. Würde man so verfahren, könnte das Gedicht einen anderen Titel bekommen, z. B. Erinnerung – denn erinnert würden Situation und Singen, nicht aber Inhalt und Form des Gesangs. zurück
Schreibwettbewerb bei Wikipedia
Einen Schreibwettbewerb ganz anderer Art veranstaltet die freie Enzyklopädie Wikipedia. Hier geht es nicht um Prosa oder Lyrik sondern um die besten Lexikon-Artikel. An Wikipedia kann jeder mitarbeiten. Bis zum 13. Oktober werden die besten Artikel ausgezeichnet. Mehr Infos direkt auf der Wettbewerbsseite von Wikipedia.
Aufforderung zum Raubkopieren
Im Kino gewesen. Leinwandfüllend wurde vor dem Raubkopieren von Filmen gewarnt. Am Schluss heißt es sinngemäß: „Raubkopierer schaden allen“ – und anschließend wird der Kinobesucher aufgefordert: „HELFEN SIE MIT“.
Ja wie: Beim Verursachen von Schaden?
Die Kompetenztapete des Buchhändlers
Was eine Kompetenztapete ist und warum eine Buchhandlung eine solche braucht, das lässt Wiglaf Droste einen ehemaligen Buchhändler in der jW erklären.
Gewinnerbeiträge zum Download
Die Gewinner des 1. Literaturwettbewerbs von www.bahn.de, Books on Demand und Stiftung Lesen stehen fest und auf Seiten der Bahn zum Download bereit.
Sterne am Himmel und Stars im Fernsehen
Wir schätzen die Beiträge von SPIEGEL-Autor Thomas Tuma sehr, die sich häufig mit der Wirklichkeit der Medien beschäftigen. Anlässlich eines Fernsehfilms mit der unlängst verstorbenen Jennifer Nitsch zeichnet Tuma ihre Darstellung in den Medien nach. Tote bieten im Medien-Monopoly einen entscheidenden Vorteil: Sie fordern keine Gegendarstellungen mehr.
Dies sei zum Anlass genommen, an dieser Stelle nochmals auf den hervorragenden Roman „Tödlicher Chat“ hinzuweisen, den Tuma seinerzeit als Online-Projekt startete. Sehr glaubhaft wird darin von einem Mörder berichtet, der seine Opfer im Chat kennenlernt. Besonders realistisch ist dabei auch die Berichterstattung der Medien über Morde und Mörder dargestellt.
Tuma, Thomas: Tödlicher Chat. Roman. rororo Taschenbücher Nr. 23344. 2002. 328 Seiten. ISBN 3-499-23344-4. 8,90 EUR
Oli liest voll gut bei McDonald’s vor
Es wird Wasser gereicht, auch Gummibärchen in Tüten, aber ganz kleine, wo nur ganz bißchen Zucker reinpaßt, und lesen kann man letztlich auch ohne Zähne, das ist ja das Gute am Lesen. Oli Bierhoff ist auch schon wieder da, macht Fußball, Vorlesungen, Lesungen, als nächstes steht wohl die Wickert-Nachfolge an. Er kümmert sich als erstes ein bißchen um die Kinder, sagt eine Stimme aus den Lautsprechern, das ist auch super wichtig. Die FAZ übers Lesen in der Fleischklopsbraterei.
Besprochene Bücher der nächsten Lesen!-Sendung
Am 14. September 2004 um 22:15 Uhr sendet das ZDF eine neue Folge der Sendung Lesen! mit Elke Heidenreich. Gast ist diesmal Roger Willemsen.
Folgende Bücher werden besprochen:
John von Düffel
Houwelandt
DuMont Verlag
314 Seiten
19,90 Euro
ISBN 3-832-7882-1
Markus Werner
Am Hang
S. Fischer Verlag
192 Seiten
17,90 Euro
ISBN 3-10-091066-4
Knut Hamsun
Mysterien
Aus dem Schwedischen von Siegfried Weibel
Deutscher Taschenbuch Verlag
360 Seiten
11,50 Euro
ISBN 3-423-11157-7
Per Olov Enquist
Hamsun
Aus dem Schwedischen von Alken Bruns
Edition Akzente – Hanser Verlag
224 Seiten
18,40 Euro
ISBN 3-446-20541-1
Terézia Mora
Alle Tage
Luchterhand Literaturverlag
429 Seiten
22,50 Euro
ISBN 3-360-87185-2
Europa erlesen – EU Ost-Erweiterung
Sonderausgabe
Wieser Verlag, Klagenfurt
50 Euro
ISBN 3-85129-4750
Eduard Mörike
Gelassen stieg die Nacht ans Land
Herausgeber: Helmut Koopmann
Artemis und Winkler Verlag
592 Seiten
24,90 Euro
ISBN 3-538-06979-4
Eduard Mörike
Werke in einem Band
Hanser Verlag
1056 Seiten
19,90 Euro
ISBN 3-446-12436-5
Arno Schmidt
Nachrichten von Büchern und Menschen
Elf originale Radio-Essays
Aufnahmen d. Süddeutschen Rundfunks – 1955-1961
Cpo-ton/SWR
12 CDs, circa 750 Minuten
49,50 Euro
ISBN 3-935840-02-0
Aus unserem Gästebuch
Werbung und anderer Müll kommt normalerweise nicht in unser Gästebuch. Den folgenden Eintrag fanden wir aber so schön, dass wir ihn unseren Gästen nicht vorenthalten wollen und er nun hier seinen Platz findet:
frage: hat JAHWE SHIVA erschaffen?
warum hypen SIE dekadente pseudoliteraten(ich kenne SIE gar nicht muss das aber neurotisch wie ich bin schreiben weil das hier eine polemik ist) die noch nie im knast waren auch keine 10 jahre, auch kein lebenslänglich, ausgerechnet giger?
sie mästen das goldene styroporkalb mit dem fäkalgoldspray.SIE (literaturcafe und ihre vorstandskollegen aus dem bundestag von der franfurter buchmesse in der verlagshauptstadt lynchen mit den 22.0101010010 wichtigsten verlagen) schwer enttäuscht und auch IHRE stumpfe art die raubfische zu decken geld in der schwyz zu waschen der langsame schweizer blitz trifft ihren goldanus in zeitlupe. da hat IHM aber jemand geholfen.
angesichts der 500000000 fangprämie(knast lebenslänglich) für my doomvirus(„mein verhängnis“,abgehängt,sie kennen ja den kunstmarkt) und den 3ppm in der autoindustrie, sie wissen welchen leidensdruck die auf dem organmarkt mit ihrem adrenalinhandel erzeugen, elftes gebot,laß dich erwischen mit deiner verwischten sahnespülung aus dem großhandel.
nanotechnik, biotechnologie bis euch der arsch verdampfend abfällt
Anonymer Gästebucheintrag vom 6. September 2004
Pressefreiheit à la SPIEGEL Online
Nach dem Straßburger „Caroline“-Urteil vom 24. Juni ist eine Berichterstattung über Personen des öffentlichen Lebens künftig nur noch dann zulässig, wenn es um ihre offizielle Funktion geht. Schreibt heute der SPIEGEL Online. Und damit schreibt der SPIEGEL Online schlichtweg die Unwahrheit. Dies fällt wieder einmal besonders unangenehm auf, da man hier die Tatsachen im eigenen Interesse verdreht. Denn bei diesem Urteil ging es nicht um jedwede Berichterstattung, sondern gezielt um Paparazzifotos. Und es betrifft auch nicht alle Personen des öffentlichen Lebens, denn Ausnahmen bei Politikern sind ausdrücklich zugelassen. Noch schlimmer ist aber, dass der SPIEGEL noch am 02.09.2004 einen Artikel mit der Überschrift „Promis privat, Paparazzi desolat“ online hatte, der sehr schön beschrieb, dass der Verlegeraufruhr reichlich scheinheilig ist und die Pressefreiheit hier in keinster Weise bedroht ist, sondern eher bestimmte Blätter der Yellowpress. Folgt man dem Link zum Artikel heute, so erscheint die Meldung „Dokument nicht gefunden“. Aber das läuft wohl unter Pressefreiheit.
Zeitgemäßer Horror-Crash
Früher hatte man einen „schweren Unfall“. Heute hat man einen Horror-Crash – mit oder ohne Bindestrich. Oder beginnt der Horror-Crash erst ab 300 km/h?
Buchmesse doch nach München?
Der SPIEGEL Online meldet, dass die Frankfurter Hotels zur Buchmesse nun doch absurd hohe Preise verlangen. Demnach hat das Muskelspiel der Buchmesse nichts genützt, die im letzten Jahr mit Abwanderung nach München gedroht hat, falls die Hotels weiterhin solch hohe Preise verlangen würden. Man gelobte Besserung, hält sich nun aber scheinbar nicht daran. Mit den Hotelbesitzern, die sich an ihre Zusagen nicht gehalten hätten, werde nach der Messe ein klärendes Gespräch geführt. Warum erst danach? Oder doch gleich nach München?

