Buchgenres kompakt: Warum Sie spirituelle Liebesromane statt Literatur schreiben sollten

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Anette Huesmann: Buchgenres kompakt
Anette Huesmann: Buchgenres kompakt

Was für Bücher schreiben Sie? Krimis? Liebesromane? Fantasy? Viele Autorinnen und Autoren glauben, originell zu sein, wenn Sie diese Frage nicht beantworten können. Dabei ist es an dieser Stelle wichtig, in einer eindeutigen Schublade zu stecken. Das Werk »Buchgenres kompakt« kann hier helfen – oder der Besuch in einer Buchhandlung.

Als Autorin oder Autor sollten Sie den Inhalt Ihres Romans kurz und aussagekräftig zusammenfassen können. Das ist die präzise Antwort auf die Frage »Worum geht es in Ihrem Buch?«, oftmals als »Pitch« bezeichnet.

Ebenso sollten Sie die Frage beantworten können: »Was für eine Art Buch ist das?«. Hier geht es um das Genre, also »Thriller«, »Krimi« oder »Familiensaga«. Vielleicht sogar genauer »Technothriller« oder »Polizeikrimi«?

Viele angehende Autorinnen und Autoren können oder wollen sich hierbei nicht festlegen. Oftmals liegt es daran, dass man fälschlicherweise glaubt, man mache sich und den Text interessanter, wenn man ihn nicht eindeutig zuordnen kann, wenn man davon spricht, dass es ein Liebesroman sei, aber auch ein Mord drin vorkomme, aber das Buch auch einen gesellschaftskritischen Ansatz habe. Buchprofis rollen da meist mit den Augen, und statt Neugier erreicht man mit solch unspezifischen Zuordnungen eher das Gegenteil.

Bei Schreibanfängern liegt es oft auch daran, dass sie die Genres gar nicht kennen, da sie selbst wenig Vergleichbares lesen oder gelesen haben.

Überhaupt wollen sich viele Autorinnen und Autoren nicht vergleichbar machen. Zudem klingt »Krimi« oder »spiritueller Liebesroman« nach Unterhaltung, und man schreibt doch über viel wichtigere und ernstere Themen!

Dabei ist es enorm wichtig, das Buchgenre möglichst genau benennen zu können, ganz egal, ob man sein Manuskript an einen Verlag schickt oder ob man als Self-Publisher das Buch in Eigenregie veröffentlichen möchte.

Wo in der Buchhandlung würde ihr Buch stehen?

Die praxisnahe Frage lautet: »Wenn ich in eine Buchhandlung gehe und nach ihrem Buch suche: In welchem Regal würde ich es finden?«

Sowohl die Buchhandlung um die Ecke als auch der Online-Shop ordnen die Bücher nach Kategorien und Genres ein. Self-Publisher können ihr Werk ebenfalls in der Regel zwei Kategorien zuordnen, in denen das Buch gelistet wird.

Die Genre-(Zu-)Ordung wiederum liegt daran, dass Leser in der Regel klar umreißen können, welche Art von Büchern sie gerne lesen – oder was für eine Art von Buch sie zuletzt gelesen haben. Und daher suchen sie on- oder offline gerne dort nach weiterem Lesestoff, wo sich thematisch Ähnliches befindet.

Noch schlimmer als eine Wischiwaschi-Zuordnung ist gar eine falsche Zuordnung. Sie können den besten Roman der Welt geschrieben haben: Wenn er von der Leserin oder dem Leser nicht auch anhand des Genres gefunden wird, ist das ein großer Nachteil.

Letztendlich zeigt man als Autorin oder Autor mit einer klaren Genre-Zuordnung auch, dass man sich Gedanken um Leser- und Zielgruppen macht und nicht in den luftleeren Raum hinein schreibt.

Das Wort »Genre« ist für viele gleichbedeutend mit »Unterhaltung« und der gerade in Deutschland immer wieder diskutierten Unterscheidung in »Unterhaltungsliteratur« und »ernster Literatur«. Dabei ist »Literatur« nicht das Gegenteil von »Genre«! Denn auch in dem Bereich, den man »Literatur« nennt, gibt es Genres, wie den Entwicklungsroman oder der Schelmenroman.

Die eindeutige Zuordnung zu einem Genre ist daher keinerlei Qualitätskriterium, sondern eher eine inhaltliche Ein- und Abgrenzung. Oftmals ist mit dem Begriff »Genre« die Einhaltung von Regeln und Lesererwartungen gemeint. Ein Liebesroman ohne Happy-End ist ein Regelbruch, den wenige Leserinnen gut finden werden.

Der Gang in die Buchhandlung kann helfen, das Genre des eigenen Werkes zu erkennen.

Noch besser und Umfangreicher ist jedoch das Handbuch von Anette Huesmann. Sie hat in ihrem Nachschlagewerk »Buchgenres kompakt« so ziemlich alle Genres und Sub-Genres zusammengetragen, erläutert und mit Beispielen versehen. Sie kommt auf 98 ausführliche Beschreibungen und weitere 80 Genres und Subgenres mit stichwortartiger Definition. Außerdem hat sie 198 Genre-Synomyme gesammelt.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Germanistin und Sprachwissenschaftlerin: Genres sind nicht trennscharf. Zudem erläutert Anette Huesmann, wie sie den Begriff definiert und ihn zu anderen wie »Gattung« abgrenzt und was für sie kein Genre ist (zum Beispiel »Humor«). Auch die erwähnte und oftmals »emotional aufgeheizte« Debatte um Unterhaltung versus Literatur wird von ihr betrachtet und eingeordnet.

Und Huesmann erläutert, warum eine möglichst genaue Genre-Einteilung für Leser, Buchhändler und Autoren wichtig ist.

Blick ins Inhaltsverzeichnis von »Buchgenres kompakt«
Blick ins Inhaltsverzeichnis von »Buchgenres kompakt«

Den Hauptteil ihres »Handbuch der Genres von Actionthriller bis Zeitgeschehen« bilden jedoch die Beschreibungen der Genres und Subgenres, wobei hier sogar Sachbuchgenres zu finden sind. Neben der thematisch angelegten Inhaltsstruktur findet sich am Schluss des Buches ein alphabetischer Index.

»Buchgenres kompakt« ist ein überaus informatives Handbuch und Nachschlagewerk nicht nur für Autorinnen und Autoren, sondern für alle, die mit Büchern zu tun haben.

Wenn Sie also beispielsweise feststellen, dass Sie einen spirituellen Liebesroman geschrieben haben, dann sollten Sie das auch benennen, anstatt weiterhin mit »So genau lässt sich das nicht sagen« zu antworten.

Immer wird sich bei der Diskussion um Genres am Schluss jemand finden, der ein Werk benennt, das die Genre-Grenzen sprengt oder gar den Maßstab für ein eigenes Genre geschaffen hat. Doch selbst zum Brechen der Genre-Regelns, sollte man diese kennen. Hier hilft Huesmann!

Wolfgang Tischer

Anette Huesmann: Buchgenres kompakt: Handbuch der Genres von Actionthriller bis Zeitgeschehen. Taschenbuch. 2019. BoD - Books on Demand. ISBN/EAN: 9783748145110. EUR 14,99 » Bestellen bei amazon.de Anzeige

4 Kommentare

  1. Lieber Wolfgang,
    vielen Dank für diesen interessanten Buch-Tipp.
    Ich wollte mal fragen, weshalb Du nicht auch mal einen Link auf den Shop der Autorenwelt einbettest, ermöglicht der Shop doch einen Zusatzverdienst für die Autoren der Bücher. Ich vermute, dass Du einen guten Grund dafür hast und würde ihn gerne kennen.
    Nochmal vielen Dank!
    Christian

    • Lieber Christian,
      vielen Dank für das Lob! Zu deiner Frage wegen der Verlinkung: Tatsächlich versuche ich seit Jahren eine (oder mehrere) alternative Verlinkungen zu anderen Shops anzubieten, am liebsten auch solche, über die man das Buch bei der örtlichen Buchhandlung bestellen kann. Die Frage “Warum verlinkt ihr nur Amazon?” kommt relativ oft. Ich habe das Problem der Verlinkung schon vor einigen Jahren anhand von buchhandel.de erläutert. Natürlich sollte der Shop für eine Vermittlung eine Provision bieten. Das ist legitim, wenn eine Bestellung vermittelt wird. Das bieten auch die meisten Shops. Allerdings haben sich in über 20 Jahren über 2.000 Links im literaturcafe.de angesammelt. Diese können natürlich nicht manuell aktualisiert werden. Es ist wichtig, dass die Daten korrekt sind und z. B. Preise angepasst werden. So etwas liefert die Amazon-Schnittstelle perfekt. In Sachen Usability und Nutzererfahrung ist es extrem wichtig, dass nur dann ein Link angezeigt wird, wenn der Artikel auch in der Datenbank des Shops vorhanden ist. Es wäre frustrierend, wenn wir einen Link anbieten würden und der Nutzer bekommt dort die Meldung “Artikel nicht vorhanden”. Wie bei Amazon muss uns daher der Shop z. B. anhand der ISBN und über eine Schnittstelle zurückmelden, ob es den Artikel dort gibt. Gerade viele Self-Publishing-Titel sind exklusiv bei Amazon, sodass in diesem Fall kein automatisch generierter Link zu einem anderen Shop angezeigt werden sollte, bei dem der Titel gar nicht zu finden ist. Das wäre frustrierend und ist ein “Service”, den wir so nicht bieten wollen. Aber leider haben wir bis heute keinen Shop gefunden, der uns diese minimale Abfrage “Artikel vorhanden ja/nein” über eine Schnittstelle ermöglicht. Wir sind ständig mit Anbietern in Kontakt und hoffen, dass endlich einmal einer diese simple Abfrage ermöglicht. Erst dann würde unser System die entsprechenden Links anzeigen bzw. nicht anzeigen. Ich werde aber nochmal beim Autorenwelt-Shop anfragen, der meines Wissens technisch von Libri betrieben wird (wie auch genialokal.de). Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir das demnächst realisieren können, da ich sehr gerne eine Alternative zu Amazon anbieten würde.
      Beste Grüße
      Wolfgang

  2. Lieber Wolfgang,
    vielen Dank für die einleuchtende Erläuterung! Da steckt in der Tat viel mehr hinter als ich ahnte und ich habe wieder einmal dank Dir so einiges dazu gelernt.
    Ich habe mir das Buch übrigens auch bestellt, bei der Autorenwelt :-)
    Weiterhin viel Erfolg!
    Christian

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