Anna Basener über »Schund und Sühne«, Heftromane, Kitsch und Hochliteratur

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Anna Basener (Foto: Birgit-Cathrin Duval)
Anna Basener (Foto: Birgit-Cathrin Duval)

Ein Buchcover mit einer Art gepixeltem Mindcraft-Schloss, Mustertapete und Schnörkelschrift. Das Äußere trifft sich im inneren wieder: Im Roman »Schund und Sühne« von Anna Basener trifft eine konservative Fürstenfamilie auf zwei Großstadt-Hipster. Ob aber »Schund und Sühne« wirklich ein wilder Anti-Heftromanstoff ist, das erläutert die Autorin im Gespräch.

Anna Basener hat in Hildesheim unter anderem literarisches Schreiben studiert und beschäftigte sich im Rahmen ihres Studiums auch mit Heftromanen. Da sie aus einer Arbeiterfamilie stamme und nicht – wie man den Hildesheim Studentinnen und Studenten oft nachsagt aus einer Arztfamilie – hatte sie mit 15 noch keinen Dostojewski gelesen. Was an der Hochliteratur anders sein soll als an der Unterhaltungsliteratur, das habe sie nie verstanden. Das Seminar einer Groschenroman-Autorin brachte Anna Basener dazu, selbst solche Romane zu schreiben, und mit den Heftromanen verdiente sie sich ihr Studium. Das sei Handwerk, so Basener. 100 Manuskriptseiten werden zu 64 Heftseiten, in denen eine Liebesgeschichte erzählt werden muss, inklusive Kuss, aber ohne Gewalt, ohne Sex und ohne Politik und Religion, mit sehr vielen Adjektiven und ohne Fremdwörter. Anna Basener hat über das Schreiben von Heftromanen auch einen Ratgeber verfasst.

Basener wünscht sich die Auflösung der Grenzen zwischen scheinbarer Hochliteratur und Kitsch. Sie ärgert sich darüber, dass Kitsch oftmals dazu benutzt wird, literarische Texte schlecht zu machen. »Es gibt alles in Gut und alles in Schlecht«, sagt Anna Basener im Gespräch.

Das Buch »Schund und Sühne«

In ihrem Roman »Schund und Sühne« (Eichborn Verlag) gibt es sogar ein fürstliches Stipendium für Heftromanautorinnen und -autoren. »Schund und Sühne« sei auch ein Kitschroman, so Basener. Aber nicht nur! Hier gibt es einen schwulen Prinz im Hauptplot, was in Heftromanen höchstens in einem Nebenplot vorkommen darf. Dummerweise muss aber dieser Prinz für Nachkommen sorgen, da es der letzte seiner Art ist.

Wer ist die Zielgruppe des Romans? »Schund und Sühne« sei ein wenig so etwas wie Sissi für Erwachsene, meint Anna Basener.

Neben ihrem Roman ist Anna Basener schreibend sehr umtriebig und vielfältig unterwegs. So hat sie ihren Vorgängerroman »Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte« fürs Theater Dortmund umgeschrieben und sie arbeitete an einem Hörspiel für Audible.

Hören Sie den Mitschnitt des Gesprächs vom 23. März 2019 live vor Publikum auf der Bühne des Forums autoren@leipzig der Leipziger Buchmesse. Anna Basener im Gespräch mit Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de.

Anna Basener: Schund und Sühne. Broschiert. 2019. Eichborn. ISBN/EAN: 9783847906537. EUR 18,00 » Bestellen bei amazon.de Anzeige

Anna Basener: Heftromane schreiben und veröffentlichen. Gebundene Ausgabe. 2010. Autorenhaus Verlag GmbH. ISBN/EAN: 9783866710740

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