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Beitrag vom 12. November 2009 | Rubrik: E-Books

Testbericht: Amazons Kindle-eBooks weltweit auf jedem Windows-PC lesen

Kindle for PCAmazon baut den Zugang zu den eigenen elektronischen Texten weiter aus. Nachdem man unmittelbar vor der Frankfurter Buchmesse 2009 bekannt gegeben hatte, dass das elektronische Lesegerät Kindle nun aus den USA weltweit in über 100 Länder geliefert wird, folgte jetzt der nächste Schritt.

Ab sofort steht ebenfalls in über 100 Ländern weltweit eine kostenlose Anwendung für PCs bereit, mit der die elektronischen Bücher ohne das spezielle Kindle-Lesegerät auf Windows-Geräten lesbar sind. Eine Version für Mac-Rechner ist laut Amazon in naher Zukunft geplant.

In den USA steht zudem seit einiger Zeit eine iPhone-Applikation zur Verfügung, die ebenfalls Zugriff auf die Kindle-Buchdateien erlaubt. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch diese in den genannten Ländern verfügbar sein wird und Bücher im Kindle-Format weltweit auf dem iPhone verfügbar sind. Nachtrag: Seit dem 15.12.2009 kann die iPhone-Applikation auch in Deutschland kostenlos im Apple App-Store heruntergeladen werden.

Wir haben uns den »Kindle for PC« näher angesehen.

Die Installation

Die Installation läuft äußerst problemlos ab: Man lädt die knapp fünfeinhalb Megabyte große Datei herunter und startet die Installation. Die Software fragt automatisch nach den Login-Daten für den Amazon-Account – und schon startet der personalisierte »Kindle für PC«.

Es sei daher an dieser Stelle der Warnhinweis gegeben, die Software nur von der Amazon-Website zu laden, denn mit krimineller Energie und einer von Dritten bereitgestellten und modifizierte Installationsdatei ließen sich wunderbar Amazon-Accountdaten abfischen.

Die installierte Software meldet sich als Version 1.0 Beta 1 und zeigt, dass man bei Amazon noch nicht das Selbstbewusstsein hatte, ohne das vorläufig klingende Beta-Attribut auszukommen.

Die Bedienungsoberfläche

Eine deutsche Sprachversion bietet diese Version nicht, die Benutzeroberfläche ist englisch und das als »Home« bezeichnete Fenster der Software zunächst leer. Später sind hier die gekauften und heruntergeladenen Bücher oder Leseproben aufgelistet, die nach Kaufdatum, Autor oder Titel sortiert werden können. Ein blauer Balken unter den dargestellten Buchcovern zeigt den Lesefortschritt an.

Neben dem »Home«-Button befindet sich ein »Archive«-Button. Darüber kann man bereits gekaufte Titel erneut herunterladen, wenn man beispielsweise die Kindle-Software auf einem zweiten Gerät nutzt.

Die Hauptfunktionen der Software finden sich unter den beiden Buttons »Menu« und »Shop in Kindle Store« im rechten oberen Eck des Programmfensters. Hier kann man Einstellungen ändern, auf englische Hilfedateien und auf den Kindle-Online-Shop zugreifen, um elektronische Bücher zu erwerben.

Viele der Menüfunktionen rufen einfach entsprechende Seiten der Amazon-Website im Browser auf.

Das eBook-Angebot

Surft man im Shop durch die Kindle eBooks, so stellt man fest, dass in Deutschland die gleichen Konditionen gelten, wie für das internationale Kindle-Gerät. Mit anderen Worten: Der Preis wird in Dollar angezeigt und berechnet und dieser ist in der Regel 3 bis 4 Dollar höher als der US-Preis. Kostet ein eBook dort meist 9,99 Dollar, so liegt der Preis für Europa bei 13,79 Dollar.

Ebenso sind aus lizenzrechtlichen Gründen nicht alle US-eBooks in Europa erhältlich. Beim ersten Test Anfang der Woche wurden diese dennoch im Shop angezeigt mit dem Hinweis, dass der Download in Europa leider nicht möglich sei. Aktuell werden solche Titel jedoch nicht mehr in der Suche und bei »Ähnliche Produkte« angezeigt.

Der Kauf erfolgt trotz vorhandenem deutschen Amazon-Konto über amazon.com, sodass zum Kauf von eBooks zwingend eine Kreditkarte notwendig ist. Anschließend erscheint ein Download-Link für den Titel, dieser wird mit der Kindle-Software auf dem PC verknüpft und kann dort sofort angezeigt und gelesen werden.

Rudimentärer Funktionsumfang

Die Anzeige der Texte erfolgt relativ schmucklos mit kantengeglätteter Schrift. Ein Vollbildmodus steht leider nicht zur Verfügung. Es kann die Schriftgröße sowie die Länge der Zeilen eingestellt werden. Der angezeigte Ausschnitt passt sich der Displayhöhe des Bildschirms an, sodass die Software auch auf Netbooks gut funktioniert.

Der Funktionsumfang der Software ist ansonsten erschreckend rudimentär und selbst Basisfunktionen fehlen. So erlaubt die Version 1.0 Beta 1 weder die Suche nach Textstellen noch können Anmerkungen oder Textmarkierungen gemacht werden. Lediglich virtuelle Eselsohren (Bookmarks) können einer digitalen Seite verpasst werden.

Ein Hinweis unter »Menü« verrät, dass Suchfunktion und Anmerkungen für kommende Versionen der Software geplant sind. Eine reichlich alberne Produktpolitik, die an das Fehlen der Copy-and-Paste-Funktion  in den ersten iPhones erinnert. Die spätere Einführung dieser Selbstverständlichkeit wurde als großartige Neuerung verkauft. Offenbar plant auch Amazon die Suche nach Textstellen in zukünftigen Versionen als Mega-Funktion anzupreisen.

So erübrigt sich fast der Hinweis, dass die PC-Version auch die Text-to-Speech-Funktion des Kindle-Gerätes nicht anbietet, das Texte per synthetischer Stimme vorlesen kann. Sehbehinderte oder blinde Menschen dürfen also nicht hoffen, dass sie mit der PC-Software Zugang zu englischen eBooks hätten.

Und nach wie vor können deutsche Kindle eBooks an einer Hand abgezählt werden. Franz Kafkas »Der Proze?« (sic) wird zumindest auf der Software mit korrekten Umlauten angezeigt.

Die Software unterstützt jedoch das Abonnieren digitaler Zeitungsausgaben.

Das Programm bietet keinerlei Möglichkeit, andere lokale (Text-)Dateien anzuzeigen. Die eigenen per Digital Rights (oder Restriction) Management (DRM) verschlüsselten prc-Dateien legt die Software in einem Ordner My Kindle Content unter Eigene Dateien ab, sodass diese zumindest offline zugänglich sind.

Fazit

Da das Lesen auf dem Display eines Net- oder Notebooks nicht mit dem E-Ink-Display eines Kindle vergleichbar ist und Akkulaufzeiten geringer sind, dürfte die »Kindle for PC«-Anwendung derzeit nur dann interessant sein, wenn rasch ein Blick in eine englische Ausgabe notwendig ist oder es jemand gar nicht erwarten kann, die englische Ausgabe eines Buches zu lesen.

Die Veröffentlichung der Software ist eher als strategischer oder politischer Schritt Amazons zu werten, der den theoretischen Zugang zu Amazons proprietären eBook-Format weiter ausbaut.

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1 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Annorra schrieb am 14. November 2009 um 12:28 Uhr

    Ich habe den Reader von Sony, aber der Funktionsumfang ist das auch nicht besser. Ich finde es eigentlich archaisch lächerlich, dass so simple Funktionen wie Wortsuche und Textmarkierung fehlen, aber das habe ich vor den Kauf ja gewusst. Wie Sie schon sagen, wird so was später wohl als die große Neuerung verkauft werden. Die Produktpolitik finde ich auch albern angesichts des heutigen Stands von Software.

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Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. “Kindle for (UM)PC” im Test » eReader » lesen.net verlinkte am 13. November 2009 um 10:48 Uhr

    […] bei Amazon auch noch einige Arbeit in ihre Software stecken, die momentan nur mit einem “rudimentären Funktionsumfang” daher kommt und selbst Standardfeatures wie eine Suchfunktion vermissen […]