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Beitrag vom 30. April 2014 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Buchmesse-Podcast Leipzig 2014, Podcast

Stefan Bachmann: Die Seltsamen – Bestsellerautor mit 16

Stefan Bachmann (links) im Gespräch mit Wolfgang Tischer

Stefan Bachmann (links) im Gespräch mit Wolfgang Tischer

Stefan Bachmann, Jahrgang 1993, ist in den USA geboren und lebt in der Schweiz. Mit 16 Jahren schrieb er einen Fantasy-Roman mit Steampunk-Elementen – auf Englisch. Der Roman »The Peculiar« wurde ein Erfolg in den USA und erschien jetzt in deutscher Sprache.

Ist das Glück? Ist Stefan Bachmann ein Wunderkind?

In erster Linie, so schildert es Bachmann im Interview, ist es harte Arbeit am Text.

Wenn man viel liest, dann will man irgendwann selbst mal etwas schreiben, so Bachmann. Als Kind sei er immer etwas böse auf die Autoren gewesen, sagt er lachend, »weil die nicht immer machten, was ich wollte. Und irgendwann will man es dann selbst probieren.«

Seine ersten Schreibversuche waren schlecht, gibt Bachmann zu und er, bekam dann doch großen Respekt vor anderen Buchautoren. Stefan Bachmann hat weiter geschrieben. Vor »Die Seltsamen« waren er vier oder fünf Bücher, die er verfasst, aber nicht veröffentlicht hat. »Man muss einfach üben«, sagt Bachmann.

Und auch seine ersten Einsendungen an amerikanische Literaturagenten waren nicht sofort von Erfolg gekrönt. »Nach jeder Absage habe ich versucht, das Buch ein bisschen besser zu machen.« Überhaupt gewinnt der Autor Absagen viel Positives ab: »Wenn man gleich Erfolg hat, wird man vielleicht faul.«

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Buchkritik: Stefan Bachmann – Die Seltsamen

Cover: Stefan Bachmann - Die Seltsamen

Ein Steampunk-Fantasy-Roman im Diogenes Verlag? Von einem 16Jährigen?

Verfasst wurde der erfrischend gescheite Roman »Die Seltsamen« von dem amerikanischen Schweizer Stefan Bachmann auf Amerikanisch, grandios übertragen ins Deutsche von Hannes Riffel! Das ist schon seltsam genug.

Aber erst der Plot: Die Seltsamen sind zunächst die Fee-Mensch-Mischlinge, die versteckt im Feen-Slum in einem verqualmten, verdreckten London der 20er Jahre hausen, gleichermaßen verabscheut von Mensch und Fee, die ansonsten zusammen leben und sogar gemeinsam regieren.

Bei Fee möge man dabei nicht an Peter Pans Tinkerbell (bzw. Glöckchen) denken, sondern an die Feenwesen, um deren vermeintlich unterirdische Behausungen in Irland auch heute noch die Straßen seltsame Bögen ziehen und die weder bebaut noch betreten werden: Die Rache wäre fürchterlich!

Bachmanns Seltsame sind leicht zu erkennen: Statt Haare wachsen Gräser und Zweige auf ihrem Haupt. So ärgert sich der Knabe Bartholomew, wenn er nach dem Bade seiner kleineren Schwester Hattie im noch warmen Wasser Grasbüschel und Rindenstücke vorfindet, wenn er selbst baden will.

Der andere Protagonist heißt Arthur Jelliby, ist glücklich verheiratetes Regierungsmitglied und will nur drei Dinge in seinem Leben: Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe; vor Allem nix Böses sehen und nix Böses hören.

Es ereignet sich aber Böses: Neun Seltsame im Kindesalter werden getötet und hohl(!) aus der Themse gefischt. Und man erfährt, dass offenbar ein zehntes gesucht wird, um getötet und ausgehöhlt zu werden.

Die beiden Protagonisten Bartholomew und Arthur geraten in einen Strudel bizarrer Ereignisse, zunächst jeder für sich, dann gemeinsam: Schließlich ist Hattie verschwunden – ist sie das angekündigte zehnte Opfer?

Der Debut-Roman entwickelt einen Sog – und das liegt entscheidend an der Sprache und Darstellung: Da werden die mechanischen Steampunk-Automaten nicht von außen beschrieben, so wenig wie die Personen oder deren Charaktere: Die entstehen ganz natürlich im Kopf des Lesers. Man riecht den Rauch, hört die Geräusche, sieht, dass jemand zugenommen hat, ohne dass ein Wort darüber verloren wird.

Die Protagonisten lernen dazu, entwickeln sich. Als Bartholomew sich aus dem Feen-Slum wagt, erkennt er allmählich, dass seltsam immer die anderen sind. Arthur wiederum hat ein Versprechen abgegeben, das er halten muss, koste es, was es wolle – und wenn es seine Ruhe ist.

Zuweilen meldet sich Misstrauen: Gab es diese Episode nicht schon mal? Richtig – aber erzählt aus der Sicht einer anderen Person! Dazu gesellt sich Freude an Bachmanns bissigem Humor: Er hatte offenbar selbst gehörig Vergnügen am Schreiben!

So entsteht ein Erzählgeflecht, das gefangen nimmt. Je mehr sich der Roman dem Ende nähert, desto drängender wird die Frage: Wie will der Autor dieses heillose Kuddelmuddel bloß auflösen auf den verbleibenden Seiten?

Will er nicht. Kann er nicht. Wäre auch albern, denn der zweite Band erscheint im Herbst – da heißt es warten!

Was vor Allem überrascht: Diesen Roman hat wirklich ein 16jähriger geschrieben?

Malte Bremer

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1 Kommentar zu diesem Beitrag lesen

  1. Judith Weber schrieb am 6. Juni 2014 um 10:52 Uhr

    Toller Beitrag über einen interessanten Jugendlichen! Er sollte aber nicht so kritisch gegenüber sich selbst sein und stolz auf sein Werk sein!
    Dennoch sehr bemerkenswert, was er in diesem Alter schon alles erreicht hat. Danke! :)

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