Zum Menü des literaturcafe.de | Zum Kontextbereich
Toplinks
Social-Media-Icons
Beitrag vom 19. Februar 2008 | Rubrik: Literarisches Leben, Schreiben, Zuschussverlage

So erkennen Sie dubiose Literaturagenten, Literaturagenturen und Zuschussverlage

Klingt gut, ist aber alles gelogen: Scheinagentur per PhotoshopDie Tricks, wie dubiose Verlage und Literaturagenten an das Geld gutgläubiger und naiver Autoren kommen wollen, sind raffinierter geworden. Da entpuppt sich beispielsweise der professionell und ganz im Sinne der Autoren agierende Agent plötzlich als Abzocker und vermittelt für den Autor kostenpflichtige Lektoratsaufträge an eine Firma, die mit ihm in Verbindung steht.

Aus aktuellem Anlass haben wir daher ein paar Indizien zusammengestellt, die Sie bei einer Literaturagentur misstrauisch machen sollten. Die gleichen Hinweise gelten auch für dubiose Zuschussverlage.

Um es deutlich zu sagen: Keiner der folgenden Punkte muss bedeuten, dass dahinter ein Betrüger steckt, der nur Ihr Geld will – jedoch ist erhöhte Vorsicht geboten. Im Zweifelsfall gilt: Finger weg!

Bei folgenden Indizien auf der Website eines Verlages oder Literaturagenten sollten Sie wachsam sein und besser keinen Kontakt aufnehmen, geschweige denn ein Manuskript hinsenden:

  • Agentur oder Verlag betonen mehr als deutlich, dass sie Autoren suchen
  • Agentur oder Verlag schalten bezahlte Anzeigen in Google, in denen sie Autoren suchen
  • Agentur oder Verlag betonen mehr als deutlich auf ihrer Website, dass für den Autor keinerlei Kosten entstehen
  • Agentur oder Verlag schmiert den Autoren verbal Honig ums Maul
  • Agentur oder Verlag fordern zur Manuskripteinsendung auf – am besten gleich per eMail
  • Agentur oder Verlag haben einen wohlklingenden Namen (z. B. Adelstitel) oder führt die Namen bekannter Schriftsteller im Firmennamen und/oder in der Adresse
  • Auf der Website fehlt das Impressum mit Ansprechpartner und der vollständige Firmenname und die Adresse
  • Es werden von der Agentur keine Referenzen genannt (weder Bücher noch Autoren) oder »nur auf Anfrage«
  • Die aufgeführten Referenzen sind veraltet oder die aufgeführten Titel sind im Buchhandel nicht (mehr) erhältlich
  • Die Trefferquote beim Googlen nach dem Namen der Agentur ist gering
  • Unter den Google-Treffern finden sich verstärkt Berichte oder Interviews in kostenlosen PR-Portalen wie open.pr oder inar.de
  • Die Suche nach dem (deutschen) Domainnamen unter denic.de listet Ansprechpartner im Ausland auf (admin-c oder tech-c)
  • Die angegebene Postadresse findet sich nicht im Telefonbuch
  • Die Suche nach der Postadresse als Suchbegriff in Google liefert sehr viele Firmennamen (was auf eine Briefkastenfirma schließen lässt)

Wie kassieren dubiose Literaturagenten Geld von Autoren?

Normalerweise erhält eine Agentur eine Provision im Erfolgsfall d.h. bei der erfolgreichen Vermittlung an einen seriösen Verlag bzw. sie behält einen Anteil an allen anfallenden Honoraren ein.

Dubiose Literaturagenten versuchen jedoch meist, schon vor einer Vermittlung vom Autor Geld zu erhalten. Die Beträge dabei müssen nicht immer hoch sein, denn es gilt die alte Devise »Kleinvieh macht auch Mist«.

Das sind die beliebtesten Einnahmequellen dubioser Literaturagenturen:

  • Einreichungs- oder Bearbeitungsgebühr für ein Manuskript
  • Kostenpflichtige Bewertung des Manuskripts oder Expertise
  • Vertragsabschlussgebühr beim Zustandekommen eines Vertretungsvertrags
  • Unkostenbeitrag oder -beteiligung des Autors bei der Verlagsakquise (z.B. für Porto- oder Telefonkosten)
  • (Für den Autor) kostenpflichtiges Lektorat vor der Vermittlung
  • Zahlungen für Zusatzdienstleistungen oder eine bevorzugte Behandlung
  • Vermittlung an einen Zuschussverlag oder Print-on-Demand-Dienstleister, mit dem der Agent direkt oder indirekt in Verbindung steht

In der Regel werden diese Zahlungen durch die einschlägigen Agenturen immer als »brachenüblich« bezeichnet, und es wird dem Autor suggeriert, dass sich diese »Unkosten« im Falle einer erfolgreichen Vermittlung schnell amortisieren würden.

Vergleichen Sie mit den Websites von seriösen Literaturagenturen!

Schauen Sie sich auch im Vergleich die Websites von bekannten und seriösen Literaturagenturen an, wie z. B. Mohrbooks oder Eggers & Landwehr. Sie finden dort beispielsweise ausführliche Listen der vertretenen Autoren und die jüngst veröffentlichten d.h. vermittelten Werke. Bezeichnend für eine gutgehende und seriöse Agentur vor allen Dingen bei Eggers & Landwehr der Eintrag unter dem Menüpunkt »Einsendungen«:

Wir bitten, von der Einsendung unverlangter Manuskripte abzusehen. Sie werden weder gelesen noch zurückgeschickt.

9 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Klausens schrieb am 14. März 2008 um 14:05 Uhr

    Das Schlimme ist ja das die Welt voller Betrug ist, fernab von den Literaturagenten.Es müsste eigentlich an jeder zweiten Haustür und an jedem, vierten Jackett ein Schild “BETRUG” rot und intensiv aufleuchten Nicht zu vergessen, die Künstler und Literaten und Dichter und Schreiberlinge aller Art, die den betrug in ihre Kunst integriert haben. Was machen wir mit denen?

    Klausens, Weltkünstler allen Anscheins

    Erkenntnis von der Neutralität im Guten
    ———————————————————
    WER EUCH BETRÜGT, MEINT ES BISWEILEN AUCH GUT.
    SOLL HEISSEN: ES = GUT.
    DAS ZUR DIALEKTIK DER SPRACHE.
    DARAUS FOLGT IM ÜBRIGEN DIE FORMEL: ESSO = GUTSO !!!

  2. Harry McMartin schrieb am 22. März 2008 um 14:07 Uhr

    Bezeichnend für eine gutgehende und seriöse Agentur vor allen Dingen bei Eggers & Landwehr der Eintrag unter dem Menüpunkt »Einsendungen«:”Wir bitten, von der Einsendung unverlangter Manuskripte abzusehen. Sie werden weder gelesen noch zurückgeschickt.”

    Solch abwehrende Angaben einer Agentur führen doch gerade dazu, dass die faulen Eier Zulauf haben.

  3. Michael Koehn schrieb am 23. März 2008 um 06:41 Uhr

    —> Bezeichnend für eine gutgehende und seriöse Agentur vor allen Dingen bei Eggers & Landwehr der Eintrag unter dem Menüpunkt »Einsendungen«:Wir bitten, von der Einsendung unverlangter Manuskripte abzusehen. Sie werden weder gelesen noch zurückgeschickt. <—

    Meine Güte, wer auf einem solchen Ross sitzt macht sich bestimmt um Literatur und Literaten verdient :-(

  4. Agnes Meyer-Wilmes schrieb am 15. April 2008 um 18:09 Uhr

    Abgesehen von Manuskripten, gibt es jemanden, der an der Cornelia-Goethe-Akademie seinen kleinen Schreiblehrgang vollzogen hat und mir mal sagen kann, wie er das fand, bzw. findet?
    Die werben mit einem Diplom, was keins ist und sind staatlich nicht anerkannt (auch wenn das Arbeitsamt sie fördern sollte … ), gibt es da einen Qualitätstest, der einem mal ungefähr sagen kann, was in diesen Institutionen auf einen zukommt?

    Über Infos und Tipps wäre ich dankbar

    viele Grüße
    amw

  5. Susanne schrieb am 15. April 2008 um 19:39 Uhr

    Die wohlklingende Cornelia-Goethe-Akademie gehört zum Umkreis der Frankfurter Verlagsgruppe, zu der hauptsächlich Zuschussverlage gehören. Es ist daher zu vermuten, dass die Akademie zur Rekrutierung zahlungswilliger Autoren dient. Besser Finger weg. Wenn Schreiblehrgang, dann besser bei der Schule des Schreibens. Die sind zwar nicht billig, gehören aber keiner Zuschussverlagsgruppe an, sondern zur Klett-Gruppe.

  6. Anneliese schrieb am 18. April 2008 um 17:00 Uhr

    Hi!
    Ich brauche schnell euren Rat. Eine Literaturagentur hat mir einen Vertrag zum Unterschreiben zugesandt (was soweit sehr schön ist), aber ich soll das Manuskript (ca. 139 Seiten) vorher lektorieren lassen, was mich nach Adam Riese gut 1200 kosten würde. “schrecklassnach”
    Man würde mir Lektoren vermitteln, ich müsse mit diesen dann direkt abrechnen.
    Die Agentur heißt Friedr. Wilh. von Werneke.

    auf deren Website stand nichts von Kosten, die man vorher hat! Im Gegenteil, man müsse nur 14% bei Erfolg dem Agenten abgeben.

    Ich denke, der Verlag macht das Lektorat? Die haben doch eigene Leute dafür.
    Manno, ich hatte mich erst sooo gefreut, aber jetzt habe ich doch Bedenken an deren Seriösität.
    Bitte helft mir, bevor ich einen Fehler mache, ich kann nicht eben mal so gut 1000 Euro aus dem Ärmel schütteln (wer kann das schon?)

    Im Voraus bedanke ich mich für eure Antworten

  7. Anneliese schrieb am 19. April 2008 um 08:12 Uhr

    Hat sich erledigt.
    Der wurde richtig pampig, als ich den Vertrag so nicht unterschreiben wollte.
    Fazit: nicht empfehlenswert.

    Mir ist auch noch folgender Gedanke gekommen, in Sachen Literaturagent.
    Was, wenn die auch nur zu Druckkostenzuschuss-Verlagen vermitteln? !!!
    DAS schaffe ich auch alleine, ich habe inzwischen drei Verlagen eine Absage erteilt.

    Wie kann man im Vorfeld herausfinden, ob ein Verlag einen Zuschuss verlangt oder nicht? Ich kann doch schlecht alle vorher anrufen und fragen: “Sind Sie ein “richtiger” Verlag oder auch nur einer, der das finanz. Risiko völlig auf den Autor abwälzt?”
    *Ironieaus*

  8. Fernstudi schrieb am 19. April 2008 um 09:49 Uhr

    (at) Klausens: Das ist aber eine pessimistische Einstellung. Ich glaube, dass wenn man sich vorher ausreichend informiert und nicht blind jedes Angebot annimmt, man nur sehr schwer betrogen werden kann. Es liegt halt auch immer an einem selbst…

  9. Andreas Wilhelm schrieb am 20. April 2008 um 00:05 Uhr

    Hallo Anneliese,

    nochmal ganz deutlich, falls es zu unklar war:

    Nie, niemals, auf keinen Fall, jemals, irgendwann, irgendeinem Agent aus irgendeinem Grund Geld zahlen!

    Der Artikel auf dieser Seite hier ist doch eigentlich Anleitung und Hinweis genug, oder?

    Über diesen speziellen Agenten wurde übrigens auch hier diskutiert:
    http://autorenforum.montsegur.de/cgi-bin/yabb/YaBB.pl?num=1203001234

    Und hier findest du mehr Tipps zum Thema Agentensuche:
    http://www.montsegur.de/branche/agenturen.html

    Gruß und viel Erfolg,

    Andreas

Keine weiteren Kommentare mehr möglich.

Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. vogelfrei - frei wie ein vogel » Dubiose Literaturagenten verlinkte am 19. Februar 2008 um 11:03 Uhr

    [...] … und wie man ihnen aus dem Weg geht, erfährt man im literaturcafe.de (”seit 1996 im Netz”): So erkennen Sie dubiose Literaturagenten und Literaturagenturen [...]

  2. Literaturwelt. Das Blog. » Blog Archive » So erkennen Sie dubiose Literaturagenten und Literaturagenturen verlinkte am 14. März 2008 um 12:58 Uhr

    [...] So erkennen Sie dubiose Literaturagenten und Literaturagenturen bei den Kollegen von Literaturcafé. [...]

  3. Verlag suchen? – Suchen Verlage? « w e l t e n w o r t verlinkte am 29. Juli 2010 um 00:34 Uhr

    [...] Verlag suchen? – Suchen Verlage? Veröffentlicht am Juli 28, 2010 von ashtarya in Übers Schreiben 0 Alle Schriftsteller, die von einer Veröffentlichung in Printform träumen, haben sich sicherlich bereits einmal auf Verlagssuche im Internet begeben. Nachdem man dann einigen seriös scheinenden Verlagen sein Manuskrupt oder Expose zugesandt und einen Kostenvoranschlag erhalten hat, der über den Stand des eigenen Bankkontos hinausgeht, fängt man an, genauer zu suchen und entdeckt, dass Autoren vor diesen sogenannten DKZVs gewarnt werden. Z.B. hier oder hier. [...]

  4. Eine Literaturagentur finden | Federwerk verlinkte am 25. August 2013 um 18:41 Uhr

    […] »So erkennen Sie dubiose Literaturagenten und Literaturagenturen« […]

  5. Im Bus mit Paulho Coelho | Deutschlandradio Kultur Blog verlinkte am 10. Oktober 2013 um 14:13 Uhr

    […] zu danken, denn in den letzten Jahren waren die kleinen Busse allzu oft mit Werbung für einen Zuschussverlag gepflastert. Auch die hat Coelho mit seiner Bus-Präsenz verdrängt. Bücher können einiges […]

Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlen

Empfehlen Sie diesen Beitrag weiter
  1. benötigt
  2. gültige eMail-Adresse
  3. benötigt
  4. gültige eMail-Adresse
  5. benötigt
  6. Captcha
 

cforms contact form by delicious:days