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Beitrag vom 21. Januar 2013 | Rubrik: Literarisches Leben, Schreiben

Autorenumfrage: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Verlag?

Andreas Wilhelm (Foto: privat)

Andreas Wilhelm, stellv. Bundesvorsitzender des VS – Verband deutscher Schriftsteller

Wie zufrieden sind Autorinnen und Autoren mit ihrem Verlag? Die Schriftstellerverbände Deutschlands, Österreichs und der Schweiz haben dazu eine große Umfrage gestartet, die bis zum 28. Februar 2013 dauert. Erste Ergebnisse sollen auf der Leipziger Buchmesse präsentiert werden.

An der anonymen Umfrage können und sollten sich alle Verlagsautoren beteiligen, auch wenn sie nicht Mitglied der drei Verbände VS, IG Autorinnen Autoren oder AdS sind.

Über die Hintergründe der Umfrage haben wir uns mit Andreas Wilhelm unterhalten, dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden des Verbands deutscher Schriftsteller (VS).

Interview mit Andreas Wilhelm: Worum geht es in der Umfrage?

literaturcafe.de: Herr Wilhelm, eine Umfrage, ob Autorinnen und Autoren mit ihrem Verlag zufrieden sind, das lässt vermuten, dass dazu ein konkreter Anlass besteht. Gibt es Anzeichen in den Verbänden, dass die Zusammenarbeit mit den Verlagen nicht bei allen Autoren reibungslos verläuft?

Andreas Wilhelm: Die gibt es in der Tat. Nicht nur im Rahmen der Verbände oder der Beratung, die Mediafon anbietet, sondern auch in persönlichen Gesprächen mit Autoren, an Autoren-Stammtischen und in Internetforen wird deutlich, dass es keineswegs überall ohne Probleme oder zumindest Zweifel vor sich geht.

literaturcafe.de: Was genau wird in der Umfrage abgefragt?

Andreas Wilhelm: Die Umfrage beschäftigt sich damit, wie gut es um die Zusammenarbeit der Autoren mit ihren Verlagen steht. Dabei geht es zum Einen um die pekuniären Aspekte; in welchem Rahmen bewegen sich die Honorare, werden Vorschüsse angeboten, wie steht es um die Nebenrechte, und so weiter. Aber genauso geht es um Aspekte der Kommunikation und Transparenz: Erhält der Autor regelmäßig eine Abrechnung, ohne nachzufragen? Wird der Autor über Auslandslizenzen informiert? Insgesamt: Wie zufrieden sind die Autoren mit ihrer Geschäftsbeziehung zum Verlag.

»Es ist wichtig, dass jeder Autor bei der Umfrage mitmacht«

literaturcafe.de: Welche Ziele verfolgen Sie mit der Umfrage?

Andreas Wilhelm: Nachdem wir die Ergebnisse aus Frankreich gesehen hatten, war uns klar geworden, wie wenig entsprechendes Zahlenmaterial wir selbst haben. Gerade als Autorenverbände sollten wir mehr als nur eine Ahnung haben, sondern klare Fakten, wenn wir unsere Arbeit ernst nehmen wollen. Allgemeine Unterstützung der Literatur, Lesungen, Messestände oder Aktionen sind eine schöne Sache, aber in erster Linie vertreten wir die Interessen der Autoren gegenüber der Politik sowie gegenüber den Geschäftspartnern, also den Verlagen. Hierzu müssen wir ganz klar wissen, was im Argen liegt, in welcher Größenordnung, und auf welche Bereiche wir uns in unserer Arbeit konzentrieren müssen. Und damit wir so viele Stimmen wie nur möglich zusammenbekommen, ist es uns auch ganz wichtig, dass wirklich jeder Autor mitmacht, und nicht nur solche, die in den Verbänden organisiert sind. Die Ergebnisse werden schließlich jedem von uns, auch jedem einzelnen Autor, für seine Argumentation gegenüber Agenten und Verlagen helfen können.

literaturcafe.de: Verlage sind Wirtschaftsunternehmen, die die Arbeit der Autoren vermarkten. Oft lässt die Intensität der Zusammenarbeit nach, wenn der Autor aus Sicht des Verlages nicht mehr die gewünschte Qualität liefert. Dann kommt es zu unterschiedlichen Bewertungen der Zusammenarbeit. Wie berücksichtigen Sie diesen Aspekt?

Andreas Wilhelm: Wenn wir von guter, also transparenter und kommunikativer Zusammenarbeit sprechen, dann sollten solche Dinge – wie sie in der jeder Geschäftsbeziehung entstehen können – offen dargelegt werden und offen diskutiert werden. Dann mag die Tatsache als solches immer noch problematisch sein, aber das ist dann ein konkretes inhaltliches oder geschäftliches Dilemma und kein grundsätzliches Problem der Zusammenarbeit. Schwierigkeiten entstehen dann, wenn der Autor sich dem Verlag unterlegen fühlt, wenn er sich nicht einbezogen und nicht informiert fühlt, wenn er das Gefühl hat, bloßer Lieferant von austauschbarer Ware zu sein, und nicht ein Geschäftspartner auf Augenhöhe.

literaturcafe.de: E-Book und Internet geben vielen Autoren die Möglichkeit, ihre Werke in Eigenregie zu veröffentlichen. Dies wird mittlerweile für Nebenprojekte auch von Autoren genutzt, die bereits einen Verlagsvertrag haben. Führen diese Veränderungen zur Emanzipation der Schriftsteller und einem neuen Selbstbewusstsein gegenüber den Verlagen?

Andreas Wilhelm: Das ist ganz sicher so. Gleichzeitig spüren Verlage den Wandel der Zeit und den wirtschaftlichen Druck wachsen. In der Branche sind einige Paradigmen am Wanken. Es führt dazu, dass sowohl Verlage als auch Autoren ihre Position überdenken, sich bewusst werden, wo ihre Stärken liegen, in welcher Form sie künftig Geschäfte machen möchten oder müssen, um interessant zu bleiben; Angebot, Möglichkeit und Notwendigkeit werden neu definiert.

literaturcafe.de: Müssen die Schriftstellerverbände künftig verstärkt mit eigener Stimme sprechen und nicht mehr – wie beispielsweise bei der Urheberrechtsdiskussion – durch das »Sprachrohr Verlag«?

Andreas Wilhelm: Die Veränderungen, die wir heute in der Branche sehen, sind keine lokalen Veränderungen. Übergreifende Themen sollten auch übergreifend besprochen und angepackt werden. Das bedeutet nicht, dass die Verbände stets der gleichen Meinung sein müssen – das ist ja innerhalb eines einzigen Verbandes schon nicht immer der Fall – aber es bedeutet, dass wir gemeinsam an Aktionen wie dieser Umfrage arbeiten können, statt das Rad immer wieder zu erfinden. Zudem ermöglicht es diese Zusammenarbeit jedem einzelnen Verband, das Thema im eigenen Land größer auszubreiten, Beispiele aus den anderen Ländern herbeizuziehen, Zahlen-Vergleiche mit den anderen Ländern anzustellen, von den anderen Ländern und aus ihrer Arbeit zu lernen.

literaturcafe.de: Immer mehr Online-Händler, wie beispielsweise Amazon, aber auch Literaturagenten sichern sich die Nutzungsrechte mittlerweile selbst und vermarkten die Autoren direkt. Die Verbände nehmen bislang immer noch ausschließlich Autoren auf, die eine Verlagsveröffentlichung vorweisen können. Wird es hier irgendwann zu einem Wandel kommen müssen?

Andreas Wilhelm: Die Verbände vertreten ja Autoren, die mit dieser Arbeit Geld verdienen, es sind Berufsverbände. Aus diesem Grund waren sie nicht für Amateure vorgesehen (für die es ja auch zahlreiche andere Autorenvereine gibt). In der Vergangenheit war eine Verlagsveröffentlichung implizit ein Hinweis auf eine gewisse literarische Mindestqualität und auf professionelle Ansprüche, andernfalls wäre der Autor nicht so weit gegangen und so weit gekommen. Dies wurde daher als Kriterium für die gewünschte Professionalität aufgestellt. Ich bin nicht nur der Ansicht, dass dieses Kriterium weniger aussagekräftig ist, als beabsichtigt, ich denke auch, dass sich das gerade heute nicht länger so halten kann, sondern angepasst werden muss.

literaturcafe.de: Herr Wilhelm, wird danken Ihnen für das Gespräch. Hoffen wir auf eine rege Beteiligung an Ihrer Umfrage. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

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1 Kommentar zu diesem Beitrag lesen

  1. Kerstin schrieb am 24. Januar 2013 um 10:56 Uhr

    Letztlich ist es der Markt, in diesem Fall unsere Leser, die entscheiden, ob die Qualität der Arbeit eines Schriftstellers (ich verwende immer lieber den handwerklichen Begriff) stimmt oder nicht. Es ist die Frage, welche Zielsetzung ein Verband hat. Die Interessen von Autoren und Schriftstellern gegenüber einem Verlag zu vertreten oder anderen Autoren und Schriftstellern zu helfen eine entsprechend, qualitative Arbeit abzuliefern.
    Ich publiziere selbst, weil ich an mein eigenes Produkt glaube. So wie ich auch Unternehmerin geworden bin und die Risiken für meine Arbeit selber trage. Wo ist der Unterschied?
    Liebe Grüße
    Kerstin

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