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»Der geheime Roman des Monsieur Pick« im Kino: Hommage an das abgelehnte Manuskript

Im Archiv des Gallimard Verlags (in dem übrigens auch der Roman von David Foenkino erschienen ist) recherchieren Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) und Joséphine Pick (Camille Cottin) nach dem wahren Autor des Romans (Foto: Neue Visionen Filmverleih)
Im Archiv des Gallimard Verlags (in dem übrigens auch der Roman von David Foenkino erschienen ist) recherchieren Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) und Joséphine Pick (Camille Cottin) nach dem wahren Autor des Romans (Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Kann ein bretonischer Pizzabäcker einen Bestseller schreiben? Mit »Der geheime Roman des Monsieur Pick« hat Rémi Bezançon das Buch von David Foenkinos verfilmt. Gleichzeitig ist der Film eine Hommage an das abgelehnte Roman-Manuskript.

»Le mystère Henri Pick« heißt ein Buch des französischen Bestsellerautors David Foenkinos (»Nathalie küsst«) aus dem Jahre 2016. Den gleichen Originaltitel trägt auch der Film. In der deutschsprachigen Version des Buches wurde der Titel zu »Das gemeine Leben des Monsieur Pick«, die Filmversion beschränkt sich auf »Der geheime Roman des Monsieur Pick«. Ein »Monsieur« im deutschsprachigen Titel macht offenbar gleich mal klar, dass es ein französischer Film ist, mutmaßlich eine Komödie wie vielleicht »Monsieur Claude und seine Töchter« oder »Monsieur Pierre geht online«.

Das Buch von David Foenkinos ist das, was man eine »Literaturbetriebssatire« nennt. Eine spezielle Gattung, die in ebenjener Szene immer wieder gerne verlegt und gelesen wird.

Auf der Suche nach dem Autor befragen Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini/rechts) und Joséphine Pick (Camille Cottini) sogar die ehemalige Freundin des Bibliothekars (Hanna Schygulla, links).
Auf der Suche nach dem Autor befragen Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini/rechts) und Joséphine Pick (Camille Cottini) sogar die ehemalige Freundin des Bibliothekars (Hanna Schygulla, links). (Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Foenkinos erschafft eine ganz besondere Bibliothek in der Bretagne. Ein Bibliothekar sammelte darin abgelehnte Manuskripte, die nie veröffentlicht wurden. Autoren müssen ihre Werke eigenhändig in diese Bibliothek bringen. Der fiktive Bibliothekar wiederum hatte seine Idee vom realen US-Schriftsteller Richard Brautigan, der eine solche Bibliothek für seinen Roman »Die Abtreibung« erdacht hatte und die später von seinen Fans tatsächlich als »Brautigan Library« eröffnet wurde.

Im Roman stöbert eine Literaturagentin in der bretonischen Bibliothek, und sie entdeckt ein Manuskript, das sie begeistert. Das Werk wird veröffentlicht und über Nacht ein literarischer Erfolg, über den ganz Frankreich spricht. Doch der Autor, der das Werk einst in der Bibliothek abgeliefert hat, ist bereits verstorben. Er war Pizzabäcker und fiel nie durch literarische Ambitionen auf. Selbst seine Witwe kann anfangs nicht glauben, dass ihr Mann, der von früh bis spät am Backofen stand, nebenher einen Bestseller geschrieben haben soll, noch dazu einen, in den das Leben und Sterben von Alexander Puschkin eingearbeitet wurde. Foenkinos spannt um dieses Mysterium viele kleinere und größere Geschichten, bisweilen mit Abschweifungen.

Recherche ist alles: Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) in der Bibliothek.
Recherche ist alles: Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) in der Bibliothek. (Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Der französische Regisseur Rémi Bezançon (»C’est la vie«) hat zusammen mit Koautorin Vanessa Portal die Story des Buches verdichtet und in großen Teilen neu verknüpft. Im Film ist Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) der Moderator einer französischen Literatursendung im TV. Als bei ihm die Witwe von Henri Pick live in der Sendung zu Gast ist, äußert Rouche Zweifel daran, dass Pizzabäcker Pick der Autor des Romans sei. Rouche wird daraufhin als Moderator abgesetzt, zur gleichen Zeit verlässt ihn auch seine Frau. Von solchen Schicksalsschlägen gebeutelt und vom Ehrgeiz getrieben, macht sich Rouche auf den Weg in die Bretagne, um den seiner Meinung nach wahren Urheber des Romans zu finden. Joséphine Pick (Camille Cottini), die Tochter des Pizzabäckers, ist weiterhin erbost darüber, dass Rouche ihren Vater nicht für den Autor hält, doch schließlich forschen die beiden gemeinsam u. a. in den Archiven des Verlags Gallimard nach dem Manuskript und seinem Autor.

Bezançon und Portal machen aus der Vorlage Foenkinos’ keine typische, leichte französische Komödie. Und Hauptdarsteller Fabrice Luchini agiert darin auch nicht als der typische leichte Trottel. Tatsächlich erschafft Regisseur Rémi Bezançon einen glaubhaften Literaturbetrieb mit seinen Hoffnungen und Eitelkeiten. Die Bibliothek der abgelehnten Manuskripte, die Literatursendung oder die Party des Verlags, all das wirkt sehr real und glaubhaft. Die Drehbuchautoren pfropfen dem ganzen glücklicherweise auch keine Liebesgeschichte auf.

Der Literaturkritiker und ehemalige Moderator einer Literatursendung Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) ist mit dem Rad in der Bretagne unterwegs.
Der Literaturkritiker und ehemalige Moderator einer Literatursendung Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) ist mit dem Rad in der Bretagne unterwegs. (Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Noch mehr im Zentrum des Films als beim Buch steht die Frage: Wie verändert der Erfolg die Menschen? Hier in der schönen indirekten Spielart: Wie verändert der Erfolg eines vermuteten Autors die Menschen seiner Umgebung? Und darf und sollte man an der Urheberschaft zweifeln, wo doch der Autor längst tot ist?

Außerdem ist »Der geheime Roman des Monsieur Pick« eine Hommage an erfolglose Autoren und abgelehnte Manuskripte. Der Erfolg des Henri Pick gipfelt in Film und Buch in der (aberwitzigen aber durchaus glaubhaften) Suche der Konkurrenzverlage nach Manuskripten, die ebenfalls zunächst möglichst oft abgelehnt worden waren. Die Zahl der Ablehnungen wird werbewirksam auf den Umschlag gedruckt. Je öfter ein Manuskript abgelehnt wurde, desto besser scheint es sich zu verkaufen. Trotz satirischer Überzeichnung wird es nicht nur erfolglose Autorinnen und Autoren im Kinosaal freuen.

Wolfgang Tischer

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Kinotrailer “Der geheime Roman des Monsieur Pick” – Kinostart: 26. Dezember 2019

Kann ein bretonischer Pizzabäcker einen Bestseller schreiben? Mit »Der geheime Roman des Monsieur Pick« hat Rémi Bezançon das Buch von David Foenkinos verfilmt. Gleichzeitig ist der Film eine Hommage an das abgelehnte Roman-Manuskript. »Le mystère Henri Pick« heißt ein Buch des französischen Bestsel

»Der geheime Roman des Monsieur Pick«. Frankreich 2019. Regie: Rémi Bezançon. Drehbuch: Vanessa Portal und Rémi Bezançon nach dem Roman »Das geheime Leben des Monsieur Pick« von David Foenkino. Mit Fabrice Luchini, Camille Cottin, Alice Isaaz, Bastien Bouillon, Hanna Schygulla u. a. Laufzeit: 100 Min. FSK 0. Neue Visionen Filmverleih. Kinostart: 26. Dezember 2019

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