Das Literarische Quartett: Kannste nix falsch machen

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Das Literarische Quartett von der Frankfurt Buchmesse 2018: Gast Denis Scheck und Stammbesetzung Christine Westermann, Volker Weidermann und Thea Dorn (Foto: ZDF/Ralph Orlowski)
Das Literarische Quartett von der Frankfurt Buchmesse 2018: Gast Denis Scheck und Stammbesetzung Christine Westermann, Volker Weidermann und Thea Dorn (Foto: ZDF/Ralph Orlowski)

Es ist wieder Literarisches Quartett gewesen. Mir wurde es erst klar, als einer meiner alten Beiträge zur Sendung in den aktuellen Top-10-Beiträgen des literaturcafe.de nach oben kam.

Das passiert bei jeder Sendung, ist ehrenvoll, aber wohl auch dem Umstand geschuldet, dass es viele Besprechungen zur Sendung nicht gibt. Da spült es dann wieder das Alte nach oben. Diesmal war es der Beitrag »Was macht Frau Westermann?« aus dem Jahre 2016. Ob das ein Indiz dafür ist, dass sich diese Frage immer noch viele Zuschauer stellen?

Zum zweiten Mal wurde die Sendung auf der Frankfurter Buchmesse aufgezeichnet. Im letzten Jahr ließ ich es mir nicht nehmen und war vor Ort. Es war interessant, aber nicht so, dass ich in diesem Jahr gleich nochmal hin musste.

Gast war Denis Scheck. Dazu hatte ich in meinem Beitrag zur letzten Sendung schon etwas angemerkt. Die Immergleichen überall. Wenn in der Sendung von rund 700 Literaturpreisen die Rede war, so gibt es scheinbar nur 10 Literaturkritikerinnen und -kritiker. Aber auf der anderen Seite ist es wie mit Ijoma Mangold: Mit Scheck kannste nix falsch machen. Scheck ist zwar omnipräsent, aber als Literaturkritiker eben auch gut und – nicht unwichtig – unterhaltsam. Wie bei Reich-Ranicki liegt Schecks Erfolg darin begründet, dass er deutlich und ohne intellektuelles Geschwurbel seine Meinung sagt, egal, wie sie ausfällt.

Was will man daher über diese Sendung schreiben? Sie war gut, die sonst so schrecklichen Nacherzählungen von Romanhandlungen blieben aus, und mit dem neuen Buch von Karen Duve und den posthum nochmals in einem Band veröffentlichten Essays von David Foster Wallace, waren starke Bücher dabei, die dann auch im Schnitt alle gut fanden. Und Frau Westermann hatte sich wieder zielgerichtet ein Buch mit hohem Kitschfaktor ausgesucht, das bei Scheck und Dorn durchfiel.

Die Diskussion bewegte sich also weitestgehend im Positiven, es gab keine Auffälligkeiten, und ich konnte beim Nachschauen am Sonntagabend in der ZDF-Mediathek feststellen, dass Schecks Eloquenz auch aus Wiederholungen besteht. Viele seiner Bemerkungen zu Foster Wallace tätigte er wortgleich im ARD-Forum der Buchmesse. Aber es so klingen zu lassen, als falle einem das gerade so ein, das ist eben die Kunst, auch wenn Scheck in der Sendung das deutsche Wort »Tontaubenschießen« just nicht einfiel.

Es gibt somit nichts Auffälliges über die Sendung zu sagen, sie war ok. Kein aufgesetztes Gezanke mehr wie zu Anfang. Auch das ist gut. Will man Äußerlichkeiten ansprechen, so sei der violette Teppich unter den Kritikersesseln erwähnt und Frau Westermanns passendes violettes Outfit, mit dem sie die optische Brücke zum literarischen Boden schlug, was als Bild fast schon mehr ist, als ihre sonstige Wirkung im Quartett.

Wolfgang Tischer

Link ins Web:

Die in der Sendung vom 12.10.2018 besprochenen Bücher:

Und sozusagen als kurzer Bonustrack die Buchpreis-Gewinnerin

1 KOMMENTAR

  1. Warum muss man immer auf Frau Westermann herumhacken? Ich finde sie immer noch sympathischer und vor allem echter als Thea Dorn mit ihrem einstudiert wirkenden süffisanten Dauerlächeln. Und wenn Frau Westermann Bücher mit Kitsch mag, warum nicht? Das gibt den jeweils eher elitären und intellektuellen Werken, die sehr oft überwiegen, ein bisschen Gegengewicht.

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