Bachmannpreis-Podcast 2019: Ist die Jury altersmilde?

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Die zweite Podcast-Folge aus Klagenfurt: Wolfgang Tischer und Andrea Diener analysieren den ersten Lesetag 2019
Die zweite Podcast-Folge aus Klagenfurt: Wolfgang Tischer und Andrea Diener analysieren den ersten Lesetag 2019

Der erste Lesetag 2019 ist vorbei, und fünf der 14 Texte waren zu hören. Es waren unglaublich belanglose, erwartbare und schlechte Texte mit dabei. Doch die Jury war auch über diese voll des Lobes. Warum nur ist die Jury so milde? Andrea Diener und Wolfgang Tischer analysieren den ersten Lesetag im Bachmannpreis-Podcast.

Andrea Diener und Wolfgang Tischer sitzen am Ende des ersten Lesetages, am 27. Juni 2019, in Bachmann-Liegestühlen vor dem ORF-Theater. Fünf Texte waren heute zu hören, die Auslosung sorgte dafür, dass an diesem Donnerstag ausschließlich Autorinnen lasen.

Highlight des Tages war mit Abstand der Text »Raumstation Hirschstetten« von Sarah Wipauer, die Menschen aus dem 20. Jahrhundert als Gespenster Löcher bohrend an Bord der Internationalen Raumstation ISS brachte und die Kühe fliegen ließ.

Texte des ersten Lesetages
Texte des ersten Lesetages

Den ersten Text des Tages »Urmünder« von Katharina Schultens wird man sich sicherlich nochmals näher ansehen müssen. Die Jury-Diskussion zu diesem Text kreiste hauptsächlich um die vielen Motive im Text.

Mit Silvia Tschui, Julia Jost und insbesondere Andrea Gerster wurden unglaublich erwartbare und konservative Texte ohne erkennbaren doppelten Boden ins Rennen geschickt. Doch auch für diese Texte fand die Jury fast nur Lobesworte, selbst und der sonst sehr meinungsstarke Juror Klaus Kastberger redete sich auf »seinen Geschmack« heraus, anstatt den Text von Andrea Gerster als das zu bezeichnen, was er war: für einen Bachmanntext unglaublich seicht.

Dass Hubert Winkels den Weltkriegstext von Silvia Tschui in seiner inhaltlichen Kitschigkeit mit Takkis Würgers Stella verglich, war mehr oder weniger das härteste Urteil des Tages. Zwar machten auch Nora Gomringer und Michael Wiederstein immer wieder Anspielungen zu Mängeln in diesen drei Texten, doch klare Worte und Deutlichkeit blieben aus.

Neu ist die drehbare Lesebühne, die die Autorin nach oder während der Lesung Richtung Publikum drehen lassen kann. Das Bild zeigt Sarah Wipauer vor ihrer Lesung.
Neu ist die drehbare Lesebühne, die die Autorin nach oder während der Lesung Richtung Publikum drehen lassen kann. Das Bild zeigt Sarah Wipauer vor ihrer Lesung.

Was ist los mit der Jury des Jahres 2019? Ist es zu heiß am Wörthersee? Oder will man sich nicht gegenseitig fertigmachen, weil man nichts wirklich Böses über den Text eines vom anderen Juror eingeladnen Autors sagen will? Beißhemmungen? Altersmilde?

In der ersten Podcast-Folge aus Klagenfurt hatte Andrea Diener einiges befürchtet, was die zu erwartende Textqualität angeht. Daher ist es nur natürlich, dass es in dieser zweiten Folge direkt aus Klagenfurt darum geht, was davon wie eingetroffen ist und warum die Jury des Jahres 2019 so unglaublich zahm zu sein scheint.

Wir begrüßen wie bereits gestern die Hörer, die via buchreport.de hierher gefunden haben.

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Wolfgang Tischer wird zudem die Lesungen und Jury-Diskussionen live auf Twitter kommentieren. Folgen Sie ihm auf Twitter unter @literaturcafe, oder allgemein dem Hashtag #tddl (steht für Tage der deutschsprachigen Literatur), um die gesamte Diskussion zum Wettbewerb mitzubekommen.

Wir hören uns aus Klagenfurt! Und wir freuen uns über Rückmeldungen, Bewertungen und Kommentare zu diesem Podcast. Unten können Sie die Folge direkt anhören. Viel Spaß!

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