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Literarisch erfolgreich durch kleine Schritte
Tipps und Hinweise, wie Sie mit Literaturzeitschriften und -wettbewerben Ihren Ruf fördern können - oder auch nicht

Man hört mit steter Regelmäßigkeit von Autoren, die das DIN A4 große Manuskript ihres Erstlingswerkes an die großen deutschen Verlage schicken, von dort natürlich eine Absage bekommen und dann in den vielstimmigen Klagegesang derer einstimmen, die schon immer wussten, dass die geldgierigen deutschen Verlage jungen deutschen Autoren ohnehin keine Chance geben und lieber die Rechte an Texten US-amerikanischen Bestseller-Autoren einkaufen.

 
» Die geldgierigen deutschen Verlage
geben jungen deutschen Autoren
ohnehin keine Chance.
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Handbuch deutschsprachiger Literaturzeitschriften
Eine wichtige Informationsquelle für Autorinnen und Autoren:
Das Handbuch deutschsprachiger Literaturzeitschriften
Ohnehin lesen ja Lektoren - sofern es sie überhaupt noch gibt - die Manuskripte unbekannter Autoren nicht und schicken das Werk nach einer gewissen Frist einfach zurück - wenn überhaupt. Und wieder bleibt ein Nobelpreisträger unentdeckt.
     Doch da ein Verlag ein Wirtschaftunternehmen ist und auch so handeln muss und das Höchste an Kulturförderung die Quersubventionierung ist (ein in jeder Buchhandlung gestapelter Bestseller muss ein literarisches Werk finanzieren, dessen Leserkreis eher geringer ist), ist das Risiko, Zeit und Geld in einen jungen unbekannten Autor zu investieren, in der Tat sehr hoch.
     Aber es gibt sie noch, die Legende vom armen unbekannten Autor, der über Nacht durch das Werk schlechthin weltbekannt geworden ist, und natürlich hat er oder sie zuvor Absagen von anderen Verlagen bekommen, die sich nun ob des entgangenen Gewinns sonstwohin beißen. Zuletzt war es die Potter-Mama Joanne Kathleen Rowling, die mit ihrem zeitlich raschen Werdegang von der Sozialhilfeempfängerin zur reichsten Frau des britischen Empires vielen Autoren trügerische Hoffnung gab und gibt.
     Dass es aber gerade in Deutschland vormals unbekannte Autoren gibt, die die Aufmerksamkeit eines Verlages auf ganz anderem Wege auf sich ziehen konnten, das wird oft nicht bemerkt oder ernsthaft in Betracht gezogen.
» Es gibt sie noch, die Legende vom
armen unbekannten Autor, der über
Nacht weltbekannt geworden ist.
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Dabei gibt es sie auch in der Autorenlaufbahn: die Karriere, das Hocharbeiten durch kleine Erfolge. Und die wichtigsten Wege sind hier (Obacht!): Literaturwettbewerbe und das Veröffentlichen kürzerer Werke in Zeitungen, Magazinen und (Literatur-)Zeitschriften. Freilich lässt sich auch aus Juroren (voreingenommen!) und Redakteuren (überheblich!) ein gutes Feindbild zimmern, doch mag es irgendwann nach ständiger Ablehnung und Erfolglosigkeit vielleicht doch einmal angebracht sein, die sich selbst oder von »guten Freunden« attestierte literarische Qualität zumindest ansatzweise in Frage zu stellen. Es gilt dann aber nicht zu verzweifeln und das Feinbild zum Triptychon auszubauen, sondern an sich und der literarischen Qualität seiner Texte zu arbeiten.
     Wer schon Auszeichnungen und Veröffentlichungen vorweisen kann, findet auf jeden Fall schneller Gehör, denn beides bescheinigt dem Autor, dass da zumindest schon einmal jemand gewesen ist, der ihm einen gewisse Qualität bescheinigt hat. Das wirkt sich natürlich bereits  im Vorfeld wohlwollend auf die weitere Betrachtung und Bewertung aus, und der Gewinn bestimmter Literaturpreise bringt fast schon automatisch Verlags- und Vertragsangebote mit sich.
     Also gilt es, gezielt nach Wettbewerben und Veröffentlichungsmöglichkeiten Ausschau zu halten - und entsprechend auszuwählen! Denn selbstverständlich spielt es eine wichtige Rolle, in welcher Literaturzeitschrift man veröffentlich hat und welchen Preis man gewonnen hat. Sein Manuskript jedoch an jede Literaturzeitschrift im Lande zu schicken, ist reichlich uneffektiv. Zuvor sollte man sich genau über folgende Punkte informieren:

Was für eine Zeitschrift ist das überhaupt?
Literaturzeitschriften gibt es wie Sand am Meer, doch ist deren äußere und innere Qualität sehr unterschiedlich. Manche kommen im Druck nobel und edel daher, was natürlich von Vorteil ist, doch stellt sich vielleicht heraus, dass die literarische Qualität eher bescheiden ausfällt. Auch der umgekehrte Fall ist möglich. Prüfen Sie also genau, in welche Gesellschaft Sie sich eventuell begeben. Sie wollen ja nicht »irgendwo« veröffentlichen, sondern dort, wo man Sie auch wahrnimmt und eine Veröffentlichung Ihrem Ruf dient und nicht schadet.

» Prüfen Sie also genau, in welche
literarische Gesellschaft Sie sich
eventuell begeben
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Besorgen Sie sich am besten ein Exemplar einer Zeitschrift, deren Beschreibung sich gut anhört und der Sie Ihre Texte anvertrauen wollen. Erfragen Sie - falls nicht im Impressum angegeben - das Verbreitungsgebiet und die Auflage.
     Gerade das Internet erlaubt es jedem, der einen HTML-Editor bedienen kann, eine digitale Literaturzeitschrift zu gründen, sie in höchsten Tönen zu lobpreisen und dazu aufzurufen, Texte und Gedichte einzusenden, die dort dann demnächst weltweit für ein Millionenpublikum zu lesen sein werden. Ihr Ruf und Ihre Texte werden dadurch selten besser.

Veröffentlich die Zeitschrift nur Beiträge eines bestimmten Genres?
Ihre Liebesgeschichte an eine Literaturzeitschrift zu senden, die nur Horrorgeschichten veröffentlicht, kann böse enden, wenn man Ihren Beitrag dort als Ironie versteht. Und auch wer eine Kurzgeschichte an eine Publikation schickt, die nur Lyrik veröffentlicht, zeigt schon mal den Herausgebern ganz deutlich, dass man sich eigentlich nicht im Mindesten über die Zeitschrift informiert hat.

Gibt es Geld für einen Beitrag?
Viele Literaturzeitschriften sind alles andere als erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen. Sie existieren nur, weil die Herausgeber häufig aus Liebe an der Sache Geld und Zeit in Ihre Projekte investieren und sich selbst ausbeuten. Anzeigen, die man für das Blatt akquirieren kann, decken häufig gerade mal die Druckkosten. Sie können sich wahrscheinlich vorstellen, was das für Sie als Autor bedeutet: für Ihren Text gibt es meist kein Geld oder nur einen symbolischen Betrag. Doch Sie wollen ja an Ihrer literarischen Karriere arbeiten, und daher sollte Ihnen (noch) eine gute Referenz und Sätze wie »Veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten im mehreren bekannten Literaturzeitschriften« wichtiger sein.

Welche Regeln sind einzuhalten?
Nichts ist schlimmer als ein unbekannter Schriftsteller, der seine Werke jedem, der sich - und sei es nur aus Höflichkeit - dafür interessiert, zum Lesen aufdrängt. Obwohl man bei Literaturzeitschriften ein Interesse an

» Nichts ist schlimmer als ein
unbekannter Schriftsteller, der
seine Werke jedem zum Lesen
aufdrängt.
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literarischen Werken eigentlich voraussetzen sollte, gilt auch hier, sich nicht aufzudrängen. Bringen Sie in Erfahrung, wie Sie Ihre Texte einreichen sollten (auf Papier oder als Datei) und ob eine bestimmte Länge oder andere Dinge verlangt werden. Wollen Sie Ihr Manuskript zurück, so legen Sie Rückporto und -umschlag bei. In der heutigen Zeit der Kopierer und Drucker sollte allerdings niemand mehr Originale versenden, die einer Rücksendung bedürfen. Auch wenn die Redaktion über eine eMail-Adresse verfügt, heißt das nicht automatisch, dass Manuskripte auf diesem Wege auch akzeptiert werden. Fragen Sie vorher an, ob dies gewünscht ist, und beachten Sie dann die Anmerkungen im folgenden Absatz!

Was ist bei Datei- und eMail-Einsendungen zu beachten?
Ist die Einsendung von Manuskripten per eMail möglich (wie z.B. beim Literatur-Café) und ist dieser Weg explizit als Möglichkeit angeboten, dann - und nur dann - können Sie diesen einfachen und kostengünstigen Weg wählen. Allerdings zeigt auch die Erfahrung des Literatur-Cafés, dass plötzlich und merkwürdigerweise für viele Einsender die einfachsten Verhaltens- und Höflichkeitsregeln nicht mehr gelten. Da wird häufig nicht einmal eine Anrede verwendet und der Absender unterschreibt mit »zauberwald«, »lyrikfee« oder »poemworld« (jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Einsendern ist zufällig!), sofern man diese überaus aufschlussreichen Absenderangaben überhaupt im Text der Mail findet. Also: sagen Sie nett Hallo am Anfang Ihrer Mail, schreiben Sie ein paar Sätze über sich und das beigefügte Werk und nennen Sie Ihren Namen!
     Und wie sollten Sie das Werk beifügen? Ist es ein kleines Gedicht, so können Sie es natürlich gleich direkt in den Text der eMail übernehmen. Längere Werke sollten aber besser als Dateianhang verschickt werden.

» Plötzlich und merkwürdigerweise gelten
für viele Einsender die einfachsten
Verhaltens- und Höflichkeitsregeln
nicht mehr.
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Weisen Sie dann im Text Ihrer Mail auf diesen Dateianhang hin, denn im Zeitalter der Viren hat schon so mancher unabsichtlich Word-Dateien seiner Festplatte in alle Welt verschickt. Kopiert man längeren Text direkt in eine eMail, wird häufig nach jeder Zeile ein fester Umbruch eingefügt und Formatierungen wie Fett- und Kursivschrift gehen verloren. Dies sollte Sie aber nicht zur Unsitte der HTML-formatierten eMails verleiten, obwohl sie von den großen Providern und Softwareherstellern durch die Voreinstellung in Ihren Mail-Programmen unterstützt wird. Eine normale eMail braucht das nicht, ist schneller und auch mit jedem eMail-Programm lesbar.
     Eine beigefügte Textdatei sollte am besten in einem Format mitgeschickt werden, das auch dann gelesen werden kann und die Formatierung beibehält, wenn es auf einem Rechner geöffnet wird, auf dem Microsoft Word nicht installiert ist. Hier bietet sich das RTF-Format an, das fast alle Textverarbeitungen unterstützen. Und: Formatierung heißt hier nicht, dass Sie möglichst ausgefallene Schriften verwenden und jeder Absatz - schlimmer noch jedes Wort - anders formatiert ist. Die einzigen Hervorhebungen, die Ihr Text benötigt, sind Fett- und Kursivschrift. Verwenden Sie nie Textrahmen oder anderen unnötigen Formatierungs-Schnickschnack, da der von der Zeitschrift ohnehin nicht übernommen werden kann. Und fügen Sie um Himmels Willen keine witzigen oder romantischen Zeichnungen und Fotos hinzu, die Sie obendrein vielleicht noch irgendwo im Internet geklaut haben! Ihre angehängte Datei sollte von der Dateigröße so klein wie möglich sein.
     Auch formal sollte der Text korrekt erfasst sein, d.h. dass manuelle Umbrüche nur nach Absätzen eingefügt sind, nach und nicht vor den Satzzeichen ein Leerzeichen steht usw. Schlagen Sie ggf. die Richtlinien für den Schriftsatz und die Hinweise für das Maschinenschreiben im »Duden Band 1 - Die deutsche Rechtschreibung« nach. Und mit Hinweisen wie »Rechtschreibung ist mir nicht wichtig, es geht mir um die Aussage« wirken Sie eher wie ein Idiot, als wie ein wahrhaft kreativer Geist.

Diese grundsätzlichen Anmerkungen gelten natürlich in ähnlicher Weise für Literaturwettbewerbe, wobei letztere vereinzelt leider auch zur Bauernfängerei oder Adress-Sammlung eingesetzt werden. Schauen Sie also ganz genau, wer hinter dem Wettbewerb steht, damit Sie nicht anschließend zweifelhafte Angebote bekommen.

Bleibt natürlich am Schluss die Frage, woher Sie Informationen über  Literaturzeitschriften und -wettbewerbe bekommen. Einige Zeitschriften sind im »Handbuch für Autorinnen und Autoren« (Uschtrin Verlag/siehe Besprechung) aufgeführt und vorgestellt. Auf der Website des Uschtrin Verlags sind ebenfalls Adressen und Ausschreibungen zu finden. Unlängst erschienen ist das »Handbuch deutschsprachiger Literaturzeitschriften« im Autorenverlag Matern, in dem über 450 recherchierte Zeitschriftentitel aufgeführt sind. Auch hier finden Sie genügend Adressen und Informationen u.a. erstmals auch Publikationen, die nur online erscheinen. Die Bandbreite der Titel ist natürlich groß, bedeutende finden sich neben unbedeutenderen. Doch welche gehören zu den einen und welche zu den anderen? Wo ist eine Einsendung sinnvoll, wo besser nicht?
     Nun, das herauszufinden liegt ganz bei Ihnen, denn die Herausgeber der Handbücher bewerten natürlich nicht. Wir wünschen Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg bei Ihrer literarischen Karriere auf dem Weg über Literaturzeitschriften und -wettbewerbe.

Gero von Büttner/Wolfgang Tischer
27.03.2002

Weiterführende Infos und Links zum Thema:

Renate Giacomuzzi: Deutschsprachige Literaturmagazine im Internet: Ein Handbuch. Broschiert. 2012. Studien Verlag. ISBN/EAN: 9783706551328. EUR 32,90 (Bestellen bei Amazon.de)

Adressen und Ausschreibungen - auf der Website des Uschtrin Verlags
Im Café: »Handbuch für Autorinnen und Autoren« - Die Buchbesprechung
Im Café: »…sehen wir gute Chancen für eine Veröffentlichung.« - Wie Zuschussverlage im Internet schnell neue Opfer finden
Im Cafe: »Reich und berühmt durch einen Literaturpreis?« - Ein Interview mit den beiden Glauser-Gewinnern Nessa Altura und Hartmut Mechtel.


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