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Beitrag vom 2. Juni 2009 | Rubrik: Literarisches Leben, Schreiben

Wie schreibe ich ein Exposé? – Zu Besuch bei der Text-Manufaktur Leipzig

Text-Manufaktur LeipzigDas Manuskript ist fertig und es beginnt die Verlagssuche. Neben der Frage, an welche Verlage man den Text schicken sollte, steht die nach der Form an zweiter Stelle. Wie bringe ich den Lektor dazu, dass er mein Manuskript liest?

»Sie brauchen ein Anschreiben und ein aussagekräftiges Exposé« lautet der Ratschlag. Aber was steht im Anschreiben – und was genau ist ein (gutes) Exposé?

»Die Kunst des Exposés oder: Wie ködere ich Verlage?« lautete der Titel eines Seminars bei der Leipziger Text-Manufaktur, das sich genau diesen Fragen im Detail widmete.

Auf das Kursprogramm der Leipziger Text-Manufaktur haben wir im literaturcafe.de bereits hingewiesen, denn es ist beeindruckend, was für ein hochkarätiges Kursprogramm für Autorinnen und Autoren André Hille und seine Mitstreiter in den beiden ersten Halbjahren zusammengestellt haben. Und obwohl die Text-Manufaktur eine private Fortbildungseinrichtung ist, sind die Kurse absolut erschwinglich. Hinzu kommt der ansprechende Seminarraum im renovierten Backsteinbau-Areal einer ehemaligen Spinnerei.

André Hille, selbst Lektor und Verleger, nutzt seine Branchenkontakte, um kompetente Seminarleiter zu gewinnen. Darunter sind prominente Namen wie Wladimir Kaminer oder Feridun Zaimoglu, die ihr Autorenwissen an andere Schreibende weitergeben, aber auch Branchenprofis, die außerhalb der Buchszene weniger oder nicht bekannt sind. Den Exposé-Kurs leitet er zusammen mit Uwe Heldt.

Uwe Heldt ist einer der wichtigsten Literaturagenten Deutschlands. Nachdem er jahrelang als Lektor bzw. Cheflektor bei Klett-Cotta, Piper und der Ullstein-Gruppe tätig war, betreut er seit 2000 die Berliner Niederlassung von Mohrbooks. Diese Literaturagentur mit Hauptsitz in Zürich zählt zu den bekanntesten und ältesten im deutschsprachigen Raum. Spezialisiert ist sie darauf, die Auslandslizenzen der großen US-amerikanischen Verlage im deutschsprachigen Raum zu verkaufen. Die von Heldt geführte Berliner Niederlassung vertritt hingegen weit über 100 deutschsprachige Autoren.

Wie bei vielen Seminaren der Text-Manufaktur waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, sich bereits im Vorfeld Gedanken zum Thema zu machen. So waren für dieses Seminar ein Exposé und der Anfang eines Romans einzureichen. Restlos alle Seminarteilnehmer kamen diese Aufforderung nach, denn – das war zu spüren – viele wollten offenbar nach dem Wochenende in Leipzig gleich mit der Verlagssuche beginnen.

Das Seminar war inhaltlich recht simpel aufgebaut, doch sehr effektiv: Am ersten Tag wurden, nach einer allgemeinen Einführung zum Thema, zunächst einige Klappentexte von bekannten und unbekannten Verlagen besprochen, um daran exemplarisch zu zeigen, wie man Buchinhalte gut zusammenfassen kann – oder eben auch nicht.

Anschließend wurden die eingereichten Exposés der Teilnehmer in der großen Runde analysiert. Dass es dabei schon fast auf Mitternacht zuging, sei laut André Hille eine absolute Ausnahme und bislang noch in keinem Seminar vorgekommen. Allerdings war dies nicht wirklich negativ, denn die beiden Seminarleiter Heldt und Hille ließen keine Ungeduld bei der Analyse erkennen. Freilich hätte man manch ausuferndes Gespräch um den Inhalt der Romane früher abbrechen können, denn schließlich sollte es hier ja um das Exposé gehen.

Am zweiten Seminartag, dem Sonntag, feilte jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer an der Verbesserung des eigenen Exposés, was in den meisten Fällen bedeutete, dieses komplett neu zu schreiben. Und am Nachmittag wurden die verbesserten Exposés besprochen.

Spätestens bei diesem unmittelbaren Vorher-nachher-Vergleich wurde deutlich, was ein gutes Exposé vermag und wie sehr es das Interesse auf das Manuskript lenken kann – wenn es gut geschrieben ist.

Was macht ein gutes Exposé aus?

Natürlich wird ein gutes Exposé kein schlechtes Manuskript retten, doch ein schlechtes Exposé kann dazu führen, dass der Lektor wenig Lust verspürt, in den Text hineinzuschauen, weil bereits das Exposé unverständlich und umständlich geschrieben ist.

Denn darum geht es: Ein Exposé soll den Lektor neugierig auf das Manuskript machen. Es soll kein reißerischer Klappentext sein, aber ebenso wenig eine nüchterne und sachliche Wiedergabe des Inhalts. Zwar gilt es den Inhalt im Exposé kurz und knapp darzustellen, doch wenn ein Krimi davon lebt, dass der Mörder erst auf den letzten Seiten verraten wird, dann sollte man ihn auch im Exposé nicht nennen.

Weder ins Exposé noch ins Anschreiben gehören theoretische Vorüberlegungen zum Roman oder der persönliche Hintergrund des Autors. Nur wirklich relevante Dinge sollten im Anschreiben knapp erwähnt werden,  z. B. gewonnene Literaturpreise oder Schreiberfahrungen (»Seit 10 Jahren arbeite ich als Journalist für den SPIEGEL«). Die Biografie des Autors sollte auf einer eigenen Seite zu finden sein.

Ebenso wenig sollte das »große Thema« des Romans benannt werden. »In meinem Roman geht es um das Thema Liebe und Tod« ist überflüssig, denn darum geht es in fast allen Werken der Weltliteratur.

Überaus wichtig hingegen ist die Benennung des Genres. Diese Angabe sollte präzise und treffend sein, also: Thriller, Roman, Fantasy-Roman usw.

Nichts ist schlimmer, als wenn der Autor erkennen lässt, dass er selbst nicht weiß, was er da geschrieben hat: »Es ist ein Krimi, aber eigentlich ist es auch … indem ich versucht habe …«

Zur Einstufung kann es sinnvoll sein, ähnliche Werke oder Autoren zu benennen, doch sollte man sich davor hüten, sich mit Stephen King oder J. K. Rowling zu vergleichen. Man wählt besser Autoren aus der zweiten Liga.

Ein Zitat aus dem Roman oder eine Art »Werbeslogan« am Anfang des Exposés kann das Besondere des Werkes hervorheben.

Dann geht es an die Inhaltsbeschreibung. Wenn der Lektor bereits hier merkt, dass es der Autor nicht schafft, das Wesentliche auf den Punkt zu bringen, wie wird dann erst das Manuskript sein?

Also ist nur Relevantes zu benennen. Die Figuren müssen nicht allzu tief skizziert werden, jedoch sollten die Motivationen für die Handlungen erkennbar sein. Welcher Konflikt macht das Werk spannend? Was für einen Roman gilt, gilt auch für das Exposé: zeigen, nicht benennen. Unwichtige Nebenhandlungen und Nebenpersonen müssen im Exposé nicht auftauchen und können – das wurde im Seminar mehrfach im Beispiel deutlich – eher verwirren.

Idealerweise sollte all dies auf eine DIN-A4-Seite passen und selbstverständlich mit Absätzen und Leerzeilen strukturiert sein.

Testleser aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, die das Manuskript nicht kennen, können bei der Bewertung des Exposés hilfreich sein, doch vor reinen Freundschafts- oder Liebesdiensten ist zu warnen: Grundsätzlich solle man nur Leute fragen, die selbst viele Bücher lesen.

Anfänger und Erstautoren sollten ihr Manuskript auf jeden Fall schon fertig haben, wenn sie sich an einen Verlag wenden, rät Heldt, denn nur mit einer Leseprobe sei das Risiko für den Verlag zu groß, ob die Autorin das Werk auch zum gewünschten Termin fertigstellen kann.

Dass dennoch einiges vom Zufall abhängt, ob ein Manuskript eine Chance hat, machte Heldt ebenfalls deutlich. Mit welcher Grundstimmung nimmt der Lektor das Werk in die Hand? Füllt das Werk vielleicht idealerweise die noch zu besetzende thematische Lücke im nächsten Herbstprogramm? Es gibt viele Gründe, warum ein Manuskript angenommen oder abgeleht wird.

Die erste Vorauswahl, dessen sollte man sich ebenfalls bewusst sein, treffen im Verlag meist Praktikanten oder Volontäre. Das muss nicht negativ sein, denn auch die sollten durch ein gutes Exposé animiert werden, die Unterlagen an den Lektor weiter zu reichen.

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4 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Birgit schrieb am 2. Juni 2009 um 13:41 Uhr

    Guter Artikel, der deutlich macht, wie wichtig ein gutes Exposé ist! Es wäre interessant zu erfahren, ob der eine oder andere Teilnehmer nach dem Kurs nun auch einen Verlag für die Veröffentlichung gewinnen konnte.

  2. Francesco Lupo schrieb am 12. Juni 2009 um 13:34 Uhr

    Die Vorschläge und Hinweise zum Exposé sind gut gemeint. Allein, es hilft wenig, wenn Verlage wie Suhrkamp fertige Manuskripte mit dem Hinweis zurückschicken: Es paßt nicht in unser Programm! wenn das Manuskript noch immer mit den ursprünglichen Tesafilmstreifen versiegelt ist.
    Fazit: deutsche Verlage ziehen es vor, ausländische Autoren zu verlegen, wie schlecht sie auch immer schreiben.

  3. Christian Fleischhauer schrieb am 8. Juli 2009 um 11:16 Uhr

    Wenn man ein Manuskript versiegelt und mit Standardabsage zurück bekommt, kann es auch daran gelegen haben, dass das Anschreiben unprofessionell und/oder das Exposee Schrott war. Meist sieht man schon an den ersten Sätzen des Anschreibens, ob es lohnt, den Rest anzuschauen, oder zum nächsten Umschlag auf dem Stapel zu greifen …

  4. Warja schrieb am 7. Mai 2011 um 10:45 Uhr

    Der Text ist schön und sicherlich hilfreich für jene, die einen Roman in der Schublade haben. Aber was ist mit Kurzprosa, oder gar Lyrik? Wie soll für diese Gattungen ein Exposé aussehen, wo man schlichtweg (gerade bei Lyrik) keine Inhaltsangabe machen kann?
    Ich würde mich freuen, darüber mehr informiert zu werden.

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Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. frauenkrimis.net » Blog Archiv » Aus dem Netz gefischt (4) verlinkte am 6. Juni 2009 um 06:42 Uhr

    [...] einige ganz gute Hinweise finden, u.a. was bei der Erstellung eines Exposés zu beachten ist. Wie schreibe ich ein Exposé? – Zu Besuch bei der Text-Manufaktur Leipzig Ist man dann mit dem Anschreiben an die Verlage fertig und kommen dann einem doch noch Zweifel, ob [...]

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