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Beitrag vom 24. April 2007 | Rubrik: Literarisches Leben, Schreiben

Die wichtigsten Tipps eines Verlagslektors

Screenshot (Ausschnitt) von ard.deEin Beitrag auf ARD.de, in dem es um anscheinend boomende Literaturportale im Internet geht, führte uns über die verwandten Beiträge auf ein sehr interessantes, drei Monate altes Interview mit Andreas Paschedag, der seit sechs Jahren Lektor beim Aufbau-Verlag ist. Seine Tipps, wie man bei einem großen Verlag unterkommt oder zumindest welche Fehler man vermeiden sollte, lesen sich wie eine Zusammenfassung all dessen, was immer wieder im literaturcafe.de zu finden ist. Wir erlauben uns daher eine Zusammenfassung der Zusammenfassung der häufigsten Fehler.

Die häufigsten Fehler:

  • sich schon im Anschreiben für die Schwachstellen im Manuskript entschuldigen
  • den eigenen Text allzu marktschreierisch anpreisen
  • das Argument, dass Freunde, Oma oder Ehefrau den Text ganz supertoll fanden
  • eingeschickte Originale (statt Print-Kopien)
  • eingeschickte CDs oder Disketten (statt Ausdrucke)
  • Texte, die überhaupt nicht zum Verlagsprogramm passen
  • 2.000 Seiten Ausdruck (statt aussagekräftiger Textausschnitt von 30-100 Seiten)

Gut hingegen ist:

  • den Inhalt des Manuskripts in wenigen Worten überzeugend darzustellen
  • ein gutes Exposé (Kurzzusammenfassung des Romans)
  • ein kurzer Lebenslauf der Autorin/des Autors, dessen Schwerpunkt auf der Schreibtätigkeit liegt
  • sauber formatiertes Manuskript (siehe Normseite)

Paschedags »Erfolgsmeldungen« sind jedoch ernüchternd: In den sechs Jahren seiner Lektorenzeit für den Aufbau-Verlag sind von mehreren Tausend Manuskripten gerade mal zwei als Buch erschienen. Dennoch rät er nicht von der unverlangten Manuskripteinsendung ab: »Wenn die Geschichte wirklich gut ist, weiß man nie.«

Paschedag rät von Zuschussverlagen ab und verkündet die auch von uns vertretene Faustregel: Ein Autor sollte nie für eine Veröffentlichung zahlen. Der Lektor empfiehlt stattdessen, Nachwuchswettbewerbe zu nutzen, um Erfahrungen zu sammeln.

Und es folgt der allerbeste Rat, den man angehenden Autoren geben kann, wenn sie fragen, wie man ein guter Autor wird: Lesen, lesen, lesen!

144 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. H.L schrieb am 25. April 2007 um 15:18 Uhr

    Natürlich: Lesen, lesen, lesen, damit man ja keinen eigenen Stil entwickelt! Toll, das fördert die literarische Vielfalt! was für ein Tipp!

  2. Gerhard Baumann schrieb am 25. April 2007 um 16:07 Uhr

    Der Lektor empfiehlt, “Nachwuchswettbewerbe zu nutzen, um Erfahrungen zu sammeln”.

    Toll, da dürfen unsere Lyriker dann üben bis in alle Zeiten. Und bis dahin überweisen deutsche Verlage jährlich Multi-Millionen-Beträge in die USA für Spannungsromane und Thriller von Grisham, King und Co. denn: “Die deutschen Autoren können’s ja nicht – seufz.”

  3. Amos Ruwwe schrieb am 26. April 2007 um 09:19 Uhr

    Wer viel liest, kann seinen eigenen Stil sehr wohl damit entwickeln. Wie sonst funktioniert das Leben. Mit anderen Autoren reden, andere Autoren lesen, dabei kommen doch eigene Ideen erst so richtig klar heraus.
    Wettbewerbe sind in der Welt außerhalb der Literatur genauso vorhanden und tragen zur Vielfalt der Angebote bei. Nachwuchswettbwerbe sind immer nur ein Gewinn. Zu verlieren gibt es da garnichts.

  4. Klaudia schrieb am 26. April 2007 um 09:57 Uhr

    Wenn man immer nur Bücher derselben Autoren liest, dann ist das wohl sehr eintönig… Viel lesen – verschiedene Autoren, verschiedene Gattungen, verschiedene Jahrhunderte! Und an der Teilnahme an Schreibwettbewerben ist noch kein Autor gestorben. Individualität schön und gut, aber gegen Entwicklung sperren bringt einen nie zu einem Verlag!

  5. H.L schrieb am 26. April 2007 um 12:13 Uhr

    An Schreibwettbwerben teilzunehmen halte ich für eine gute Idee und mache das auch im Moment sehr oft, aber in punkto Lesen behalte ich meine Meinung. Nachdem ich z.B “Bartleby der Schreiber” gelesen habe, wurden eine Zeit lang alle Geschichten ähnlich. Und jetzt höre ich den Simplicissimus als Hörbuch, weshalb ich nur noch dergestalt hoffahrend und männiglich verwirrend schreibe, dass es als klinge wie zu anno domini des teutschen dreissgjährigen Krieges!

    Gruss H.L

  6. Gerhard Baumann schrieb am 26. April 2007 um 16:24 Uhr

    Was sind denn das für schräge Kommentare ! ? !

    Liebe Hobbydichter und Küchenpoeten, hier geht’s um Geld und Geschäft, nämlich ums Veröffentlichtwerden.

    Der Lektor des Aufbau-Verlags hat gesagt, dass in seinem ziemlich großen Verlag in sechs Jahren nur 2 eingesandte Manuskripte als Buch erschienen sind. Nur alle drei Jahre also bekommt ein unbekannter Autor vom Aufbau-Verlag mal die Chance, sein Werk gedruckt zu sehen. Und der Schmöker geht dann selbstverständlich programmgemäß unter, denn Werbung wird für den natürlich nicht gemacht und die Verlagsvertreter werden das Ding im Verkaufsgespräch eher ungern erwähnen.

    Und was die tollen Tips des Lektors angeht:

    Mit ‘Lesen, lesen, lesen!’ ist wohl eher ‘Kaufen, kaufen, kaufen!’ gemeint. Nach dem Motto: Kauft und lest unsere Bücher, damit ihr dann so schreibt wie unsere Hausautoren, um dann von uns veröffentlicht zu werden.

    Viel lesen hilft nicht, einen eigenen Stil zu entwickeln, sondern den eigenen Stil an die Konventionen der gelesenen Literatur anzupassen (siehe vorangegangenen Kommentar von H.L.). Und natürlich ist es okay, die eigene Schreibe den Erwartungen der Buchkäufer anzugleichen.

    Und Nachwuchswettbewerbe sind eine prima Veranstaltung, die eigene Eitelkeit auszuleben. Ich jedenfalls empfinde es als ziemlich peinlich, wenn im Finale dieser Wettbewerbe Preise an 48jährige Nachwuchsliteraten vergeben werden.

    Grüße, Gerhard Baumann

  7. H.L schrieb am 26. April 2007 um 21:07 Uhr

    Eben, G.B, ums Veröffentlichen geht es den “Unveröffentlichten”, nicht um Originalität! Hauptsache, man hat ein grosses Publikum und bekommt recht schön Geld für seine Schreibe – dann wird man bestimmt glücklich. Auh wenn man die Weiterentwicklung der Literatur nicht fördert, indem man einfach genau so schriebt, wie es Bestsellerautoren machen. Ein weiterer Faktor, zu dem zu viel Lesen führen kann: Man weiss immer schon, wer ewas Ähnliches wie das, woran man grade arbeitet, geschrieben hat, und hört auf.
    Genial sind auch die, welche beim Schreiben eines Krimis Krimis lesen und sich danach im Nachhinein wundern, dass das Buch sehr an Lieblingsautor XY erinnert. Glaubt mir, ich spreche aus eigener Erfahrung, habe aber aus meinen Fehlern gelernt, wieso wollt ihr das nicht auch?

  8. Gerhard Baumann schrieb am 27. April 2007 um 15:14 Uhr

    Naja – dass die Unveröffentlichten veröffentlicht werden wollen, ist doch wohl klar, lieber H.L. Und dass die eigenen Texte bei möglichst vielen Lesern ankommen, will ebenfalls jeder Autor.

    Viel Geld für’s Schreiben zu bekommen ist aber nur der feuchte Traum junger Autoren. Mit Büchern machen nur die Verlage richtig Kohle. Selbst professionelle Autoren leben in Deutschland überwiegend von Sozialhilfe, nämlich Literaturpreisen (zur Information: in D. werden jährlich über 1000 dotierte Literaturpreise vergeben, an jedem Tag also im Durchschnitt drei! Vergeben von Politikern und anderen Honoratioren aus der Kasse der Steuerzahler. Und natürlich werden nur solche Autoren mit einem Scheck geehrt, die sich brav verhalten und in der gegenwärtigen Politik nicht etwa Korruption und Machtmissbrauch vermuten.) Ein prima System jedenfalls, um die Literaten auf Linie zu halten.

    Für eine weitere Erörterung ist das Forum des literaturcafe.de’s wohl der geeignetere Ort – ich starte da demnächst mal ‘nen Thread diesbezüglich.

    Also zurück zum Kommentar des Artikel. Wenn’s darum geht, aus eigenen Fehlern zu lernen, bin ich auf jeden Fall dabei. Was hat’s dir denn gebracht, lieber H.L. Ich bitte um eine Liste deiner Veröffentlichungen… ;)

    Gruß, G-H-B

  9. Gerhard Schwarz schrieb am 3. Mai 2007 um 11:10 Uhr

    meine Erfahrungen mit Verlagen bestätigen im Wesentlichen das bisher Gesagte. Träume von Weltruhm oder Bestsellerverkaufszahlen platzen sehr schnell. Ich habe die meisten der aufgeführten Fehler gemacht und sie dann zu vermeiden gelernt. Schreiben lernt man durch lesen,lesen,lesen, wird gesagt. Das stimmt aber nur teilweise. Schreiben lernt man auch durch schreiben, schreiben, schreiben.
    Vor Druckkostenzuschussverlagen kann ich nur jeden warnen. Das ist meist nicht mehr als Abzocke. Man bezahlt teilweise horrende Summen, bekommt dafür sein Werk zwar gedruckt, wenigstens meistens, aber das war es dann auch. Um den Verkauf kümmert sich niemand, wenn man es nicht selbst tut.
    Wenn sich jemand am Ende eines langen Weges zu der Erkenntnis durchgrungen hat, nicht um des Geld verdienens, sondern allein um des Schreibens willen zu schreiben, wenn er sein Werk in guter Qualität gedruckt in den Händen halten möchte, wenn er es in einer von ihm selbst bestimmten Anzahl jederzeit nachdrucken lassen kann, ohne dafür horrende Summen zu bezahlen, dann kann ich jedem den Verlag empfehlen, der meine Bücher gedruckt hat. Namen will ich hier nicht nennen.

  10. EBL schrieb am 3. Mai 2007 um 11:53 Uhr

    … dann kann ich jedem den Verlag empfehlen, der meine Bücher gedruckt hat. Namen will ich hier nicht nennen. …

    Das ist aber schade. Was soll dann die Empfehlung??

  11. Vito von Eichborn schrieb am 3. Mai 2007 um 12:56 Uhr

    Herrje, warum glauben Möchtegernautoren immer den gleichen Käse?
    Aus diesen Kommentaren zitiert:
    – da geht der unbekannte Autor unter, weil keine Werbung gemacht wird.
    Quatsch. Werbung wird für die Bücher gemacht, von denen der Verlag sich mehr verspricht. Punkt.
    Im übrigen: der größte Teil der Werbung ist rausgeschmissenes Geld.
    – da machen nur die Verlage mit Büchern richtig Kohle.
    Quatsch. Warum geht es der Aufbau-Verlagsgruppe derzeit wohl nicht gut? Warum ist die Bertelsmann-Umsatz-Rendite der Verlage niedriger als jeder halbgebildete Wirtschaftsmensch es für nötig hält? Warum beteiligen sich internationale Geldanleger nie an Publikumsverlagen? Weil sie zu wenig verdienen.
    Die wenigen wirklichen Bestseller finanzieren die Fluten der Hoffnungsbücher, die sofort untergehen – weil die Leser sie nicht empfehlen!
    Das ist nämlich die einzige wirksame Werbung – Leser entscheiden über das Leben und Sterben der Inhalte. Sonst niemand.
    – da lese ich: einfach genauso schreiben wie Bestsellerautoren.
    So ein Blödsinn. Es gab 1 Courths-Mahler und gibt 1 Pilcher – sie sind nämlich verkäuflicher als alle anderen! Warum ist es dem dafür extra gegründeten Wunderlich Verlag nicht gelungen, auch nur 1 weitere Pilcher zu (er)finden?
    Gekonnte Trivialromane zu schreiben, die hardcoverfähig sind, ist allemal schwerer als das übliche pseudo-literarisierte Abschreiben von banalem Alltag, von “Literaten”, die weder was erlebt, noch ausreichend Phantasie – also genau betrachtet: nichts zu sagen haben.
    – ja, die Multi-Millionen-Beträge in die USA:
    na klar! Wenn sie gut angelegt sind? Besser als ein Tausender für eine Nachwuchs-Null.
    Es gibt zwei Arten von Büchern: Kann-Bücher und Muß-Bücher. Erstere sind Bücher, die “man machen kann”. Aus denen bestehen 90 % der Programme. Das sind die Inhalte, die “man lassen kann”.
    Tja, und es gibt zweierlei Muß-Bücher – die man “machen muß”: Inhaltliche Begeisterung! Also nicht: “Ja, das ist ja ganz gut” – sondern absolute Faszination, das berühmte Manuskript, wo man anfängt – und bis zum nächsten Morgen nicht aufhört. (Das gibt es wirklich.)
    Oder das ökonomische Muß – weil dieses Buch dem Unternehmen sicheres Geld für die laufenden Gemeinkosten verdient.
    Alle Leute in den Verlagen suchen beides: Verkaufsqualität und literarische Qualität gleichzeitig.
    Und sie suchen und suchen und suchen …

  12. Gerhard Baumann schrieb am 3. Mai 2007 um 17:51 Uhr

    @ Gerhard Schwarz: Stimme dir generell zu, möchte aber auf die Alternativen eBook und Blog hinweisen. Gerade die Blogs starten in diesem Moment richtig durch. eBooks werden erst dann richtig kommen, wenn die Qualität der Displays von Monitoren und eBook-Hardware nahezu die von bedrucktem Papier hat (so ab 200 dpi schätze ich mal).

    @ EBL: Grandmaster Schwarz möchte, dass du seine Site besuchst ;-)

    @ Vito von Eichborn: Genau, Werbung wird für Bücher gemacht, von denen der Verlag sich mehr verspricht, z.B. die Kochbücher von Kerner oder die Biographie von Küblböck (die älteren von uns werden sich an letzteren noch erinnern).

    Ach ja, oh je, die armen Verlage. So wenig verdienen die aber garnicht, wenn man sich den Quatsch anschaut, mit dem das schöne weiße Papier verschmutzt wird (Kerner und Küblböck). So manches Verlagsprogramm macht auf mich den Eindruck einer Dauerwerbesendung fürs Fernsehen. Wenn die Verlage vorzugsweise die Pappnasen aus dem TV promoten, dann dürfen die sich nicht wundern, wenn immer mehr Leser zum TV abdriften und ihre Abende mit Buchautoren wie Dieter Bohlen verbringen.

    ‘Die wenigen wirklichen Bestseller finanzieren die Fluten der Hoffnungsbücher’ ??? Fluten ??? Als Bestseller-Autor wäre ich jetzt ein wenig irritiert: Muß ich mit meiner guten Arbeit das hochliterarische Genöle vieler pseudointellektueller Sülzköpfe finanzieren? Ach nee, da steht’s ja: ‘…die sofort untergehen – weil die Leser sie nicht empfehlen!’ Es sind also nicht die Lektoren oder andere Entscheider in den Verlagen, die ihre Hoffnung auf falsche Pferd setzen. Nein, die Leser sind schuld, alles klar.

    ‘Es gab 1 Courths-Mahler und gibt 1 Pilcher’ – aber es gibt 2 Joanne K. Rowlings, und die andere heißt Cornelia Funke.

    ‘Besser Millionen ins Ausland als ein Tausender für eine Nachwuchs-Null’ ??? Meinst du mit ‘Nachwuchs-Null’ vielleicht Cornelia Funke? Frau Funke hat jahrelang versucht, ihre Text bei deutschen Verlagen unterzubringen, immer mit mäßigem Erfolg. In ihrer Verzweiflung hat sie dann auf eigene Kosten eines ihrer Bücher ins Englische übersetzen lassen, hat die Übersetzung ausländischen Verlagen angeboten und ist heute reich und berühmt und zahlt ihre Steuern in Kalifornien (was ihr nicht übel nehmen kann).

    ‘Alle Leute in den Verlagen suchen beides: Verkaufsqualität und literarische Qualität gleichzeitig’. Und genau da liegt der Fehler! Jeder im Buchbusiness (auch du, lieber Vito) weiß, dass die Romane von Günther Grass gekauft, aber nicht gelesen werden. Kein Mensch liest diesen Quatsch. Das sind Papiermöbel für die vordere Regalreihe und auch Geschenkartikel, mit denen man seinen erlesenes Niveau gegenüber der Verwandtschaft zu demonstrieren vermag. Mir als Autor wäre es sehr recht, wenn die Verlage sich auf richtige Romane konzentrieren würden, die von den Leuten gerne gelesen werden. Dann brauchen die geplagten Verlagsmitarbeiter nicht mehr suchen und suchen und suchen…

    Solltest du, lieber Vito, tatsächlich ‘der’ VvE sein, dann erinnere dich bitte an die Anfänge des Eichborn-Verlages. Der Einstieg in einen dichten Markt gelang in den 80ern mit Büchern, deren Inhalt aus sog. Sponti- und Klosprüchen bestand (No Atomstrom in my Wohnhome). Jahre später wurde zugegeben, dass viele Sponti-Sprüche garnicht so spontan gewesen sind, sondern von Verlagsmitarbeitern erfunden wurden. Alle Achtung vor dieser unternehmerischen Meisterleistung. Perfektes Marketing und perfekte Vermarktung. Gerade deshlab ist es ber nicht okay, heutigen Jungautoren zu empfehlen, fleißig Manuskripte einzureichen und in der Zwischenzeit an Schreibwettbewerben usw. teilzunehmen.

    Gruß, G-H-B

  13. H.L schrieb am 3. Mai 2007 um 18:40 Uhr

    Tag allerseits, die Diskussion ist ja immer noch am Laufen ;-). ich würde gerne auf was hinweisen: FAST ALLES, WAS ICH OBEN GESCHRIEBEN HABE, IST IRONISCH GEMEINT. Siehe unten, daneben auch noch was zu Vitos sehr bescheidenem Ratschlägen – wann bekommt man schon Gelegenheit, mit ihm zu streiten? (Obwohl ich vermute, dass er es gar nicht ist, sondern nur ein Typ, der seinen Argumenten Nachdruck verleihen will …)

    Ich: “Eben, G.B, ums Veröffentlichen geht es den Unveröffentlichten, nicht um Originalität! Hauptsache, man hat ein grosses Publikum und bekommt recht schön Geld für seine Schreibe – dann wird man bestimmt glücklich.”
    G.B: “Viel Geld fürs Schreiben zu bekommen ist aber nur der feuchte Traum junger Autoren.”
    Ich hab’s ja auch ironisch gemeint (so wie fast alles, was ich bis jetzt gesagt habe).

    Le Vito: “da geht der unbekannte Autor unter, weil keine Werbung gemacht wird.
    Quatsch. Werbung wird für die Bücher gemacht, von denen der Verlag sich mehr verspricht. Punkt.”
    Ist nur logisch. Aber der Verlag verspricht sich von vielen Unbekannten einen feuchten Dreck … man muss schon ganz viel Talent haben oder durch andere Faktoren (seltsame Biografie, Erfolg im WWW, etc.) ein bisschen bekannt sein, damit einen der Verlag wirklich unter seine Fittiche nimmt.

    Le Vito: “Die wenigen wirklichen Bestseller finanzieren die Fluten der Hoffnungsbücher, die sofort untergehen – weil die Leser sie nicht empfehlen!”
    Ja, aber: manche dieser Hoffnungsbücher tauchen auch später wieder auf… Kafka, Walser (der Robert) … Und: Viele frühere Bestseller sind heute überhaupt nicht mehr bekannt!

    Le Vito: “Das ist nämlich die einzige wirksame Werbung – Leser entscheiden über das Leben und Sterben der Inhalte. Sonst niemand.”
    das stimmt – und weil viele denken, sie könnten es besser, fangen sie an zu schreiben. Sozusagen ein selbst erhaltender literarischer Teufelskreis. Meiner selbstzerfleischenden Meinung nach haben aber grade die Leute langfristig Erfolg (will heissen: 100 Jahre nach dem Tod sind sie noch berühmt), die gar nicht von Anfang an Schriftsteller werden wollten und erst durch bestimmte Umstände dazu kamen. ist aber eine blosse These.
    Le Vito: “da lese ich: einfach genauso schreiben wie Bestsellerautoren”
    Ähm, das war ironisch gemeint …

    Le Vito: “Tja, und es gibt zweierlei Muß-Bücher – die man machen muß:
    Tjaja, aber wenn du darunter das verstehst, was ich drunter verstehe, dann werden die echten Bücher, die man machen muss, um der Gegenwart Salz auf die Wunden zu schütten, eher ungerne gelesen und erst später wieder entdeckt – wenn sie nichts mehr bringen.

    Fazit: Meiner Meinung nach läuft die Literatur so ab:
    1. In der Gegenwart gibt es Besteller und Unbekannte Bücher.
    2. In der Zukunft bleibt nur ein Rest der Bestseller, dafür werden die Unbekannten gefeiert.
    Die Frage lautet nun: Und welche Bücher sind besser? Die, die der Zeitgeist will, oder die, die er brauchen würde?

  14. Vito von Eichborn schrieb am 3. Mai 2007 um 22:23 Uhr

    na gut, ich bleibe noch ein bißchen dabei.
    Monsieur Baumann scheint eine Prämisse des ganzen Spiels nicht begriffen zu haben: Verlage sind wirtschaftliche Unternehmen. Wie alle anderen auch. Sie müssen basiskapitalistisch wachsen und Mehrwert machen. Sonst verschwinden sie.
    Und Buchverlage haben nicht mal Werbung als Einnahmequelle.
    Der Werbeetat beträgt 6 bis 10 % vom Umsatz. Mehr is nich. Wenn ich für ein Buch mehr werbe, muß ich’s dem anderen abziehen.
    Wenn ich also von einem Buch (egal von welchem, von Genazino bis Küblböck bis zu Herrrn Unbekannt) 2000 Ex. oder 20.000 Ex. erwarte, ergibt sich daraus der Etat. Das ist Handwerk, nicht Spökenkiekerei und nicht Wunschdenken. (Doch, das gibt es immer wieder, wenn man sich in einen text verliebt hat – und dann fällt man regelmäßig auf die Schnauze.)
    Es gibt ein einfaches Prinzip: Bewerben, was erfolgreich ist.
    Und es gilt: Erfolgloses zu bewerben, bringt nix.
    Wenn dieses Wirtschaftsunternehmen ein Buch ins Programm nimmt, also ein Produkt herstellt – will es damit Geld verdienen. Oder mit den nächsten Büchern dieses neuen Autors. Oder will Imagepolitur, was auch immer – jedenfalls ist das keine Kulturförderveranstaltung.
    Ja, stimmt, den Bestsellerautoren paßt es gar nicht, daß sie die anderen subventionieren. Deshalb hat Grass schon vor Jahrzehnten 18 % Honorar durchgesetzt.
    Mich ärgert diese schnöselige Klugscheißer-Haltung, daß irgendwelche Entscheider alles Idioten wären. Verkannte Autoren wie Entscheidungsfehler gehören dazu. Dummerweise sind eine Menge nicht nur intelligenter Menschen damit beschäftigt, die Spreu vom Weizen zu trennen – sondern vieleviele von ihnen sind auch anspruchsvoll und engagiert und träumen von der Entdeckung von “einem guten Buch”.
    Baumann weiß, was das ist? Ich fand Küblböck origineller als 95 % der eingesandten Manuskripte. (Und warum soll man mit seiner Kurz-Prominenz, wenn es denn Leute gibt, die’s haben wollen, kein Geld verdienen?)
    Und wenn ein Nachwuchs-Arroganzling Grass’ Romane für Quatsch erklärt – also bitte: Jemand, der so dämlich argumentiert, ist sicherlich nicht in der Lage, drei brauchbare Seitern eines Romans zu schreiben.
    Nur kurz zu den Sprüchen:
    Ich las in Sachsenhausen an einem Bauzaun: “Baut keine neuen Atomraketen, bevor die alten nicht verbraucht sind.”
    Das fand ich genial – davon wollte ich mehr.
    Die erste Auflage waren knapp kalkulierte 4000 Exemplare.
    Daß dies viele Bände und hunderttausende Ex. werden würden, hat kein Mensch geahnt.
    Aber richtig: dann “was erfolgreich ist …” fortsetzen bis zum geht nicht mehr.
    Stimmt, ein paar Sprüche habe ich gedichtet (“Ich bin schizo, in mir zieht’s so”) – aber das war mühsam. “Der Verlag” bestand aus fünf Leuten, da hat niemand sonst gedichtet.
    Zu H. L.: ja, pardon, Ironie, da habe ich zu öberflächlich gelesen.
    Vieles davon ist ja richtig – Robert Walser wurde nie vom breiten Publikum angenommen (auch von mir nicht).
    Die zeitgenossen fanden Gutzkow lange wichtiger als Goethe.
    Dann bilden wir uns doch nicht ein, à la Mister Baumann, als Zeitgenosse irgendwas für die Zukunft beurteilen zu können. Ein bißchen Bescheidenheit …
    Der m. W. einzige erfolgreiche Hardcover-Autor, den ich zu meinem späteren Ärger abgelehnt habe, war Robert Schneider – die Sprache war mir zu barock für den jungen Verlag. Schön doof, war ein gutes Buch.
    Abgelehnt habe ich auch Hera Lind – sie war dann im Taschenbuch ja richtig aufgehoben.
    Bis vor kurzem habe ich geglaubt: verkannte Dichter gibt’s nicht mehr in unseren inhaltshungrigen Zeiten.
    Bis ich bei BoD auf ein tolles Buch stieß. (Dies soll jetzt nicht als Werbung mißverstanden werden – und vorsichtig: es ist nicht leicht zu lesen.) Erdmann “Aljoscha der Idiot” – das ist ganz große Literatur von einem so klugen wie bescheidenen Autor.
    Und jeder normale Verlagslektor lehnt das ab mit dem fürchterlichen Argument: “Das ist richtig gut – und richtig unverkäuflich.”

  15. Lilli Bernstein schrieb am 3. Mai 2007 um 23:01 Uhr

    Ich würde diese Tipps nicht verinnerlichen. Ich halte mich an die Regel “Schreib das verdammte Buch”.
    Und ich bin mir sicher, dass z.B. Stephen King sein Manuskript auf ein Frühstückbrettchen eingeritzt einreichen dürfte. Wenn der Text überzeugt, ist die Normseite meiner Meinung nach erst Mal egal.
    Ich finde die Zeitschrift “Writer’s Digest” sehr informativ.

  16. Klaus Rummel schrieb am 4. Mai 2007 um 00:03 Uhr

    Der Fehler, wenn man all das gelesen hat, scheint mir zu sein,
    daß Kunst und Kommerz einfach nicht zusammen passen.
    Ich kenne das von der Musik her, derselbe Schmus.
    Wir Menschen müssten uns mal fragen, was uns eigentlich
    wirklich wichtig ist. Alles eine Frage des Geldes, die alte Leier.

  17. H.L schrieb am 4. Mai 2007 um 11:37 Uhr

    Mich ärgert diese schnöselige Klugscheißer-Haltung, daß irgendwelche Entscheider alles Idioten wären. Verkannte Autoren wie Entscheidungsfehler gehören dazu. Dummerweise sind eine Menge nicht nur intelligenter Menschen damit beschäftigt, die Spreu vom Weizen zu trennen – sondern vieleviele von ihnen sind auch anspruchsvoll und engagiert und träumen von der Entdeckung von einem guten Buch.

    Wenn ich ein bisschen philosophieren darf:
    Ja, das kann ich verstehen. Welche Institution bewertet überhaupt, ob Bücher gut sind? Vielleicht sind die “Wiederentdeckten” doch unheimlich langweilig und nicht lesenwert, und das Publikum hat recht, vielleicht aber irrt sich auch das Publikum und Reich-Ranickis Kanon versammelt wirklich die allerbesten Werke?
    Wenn ich ein Antiquariat besuche und mir irgendein Buch heraugreife, ist es doch genauso gut möglich, dass es mir gefällt, auch wenn niemand je von dem Autoren gehört hat. letzen endes ist doch ein Buch entweder Realitätsflucht, Theraphie, oder Belehrung, und oft auch ein “Aufsteller” (im wortwörtlichen Sinn).
    Wegen den verkannten Autoren: Meine volle Zustimmung, irren ist schliesslich menschlich!

    Dann bilden wir uns doch nicht ein, à la Mister Baumann, als Zeitgenosse irgendwas für die Zukunft beurteilen zu können. Ein bißchen Bescheidenheit ”
    Stimmt schon, aber ich habe das ja als meine Meinung geäussert, nicht als “Immer gültige Wahrheit”.

    “Ich finde die Zeitschrift Writers Digest sehr informativ.”
    Ich kenne nur die “Federwelt”, gibts jetzt nochmal so n Magazin?

    “Der Fehler, wenn man all das gelesen hat, scheint mir zu sein,
    daß Kunst und Kommerz einfach nicht zusammen passen.
    Ich kenne das von der Musik her, derselbe Schmus.
    Wir Menschen müssten uns mal fragen, was uns eigentlich
    wirklich wichtig ist. Alles eine Frage des Geldes, die alte Leier.”

    Jaja, die bösen Menschen! Wir können ja den Tauschhandel wieder einführen. Und ich glaube übrigens kaum, dass alle Menschen deinen Beitrag lesen werden. Schreib lieber ein Buch darüber und veröffentliche es bei BoD – vielleicht nimmt’s ja Vito in seine Reihe auf ;-).

  18. H.L schrieb am 4. Mai 2007 um 11:41 Uhr

    Ah ja, wegen Walser: Kann ich verstehen, als Verleger steht man dem natürlich skeptisch gegenüber, denn Walser war ja auch eher “verkannt”, und mit diesem Status gar nicht unzufrieden. das mutet so seltsam an ihm an, genau wie seine Texte, die, wir irgendjemand bei einem Zitat in einer Broschüre oder Walser sagte, “nichts als verziertes Plaudern” sind. Er war wohl so eine Art “Taugenichts”.

  19. Cornelia Lotter schrieb am 4. Mai 2007 um 11:45 Uhr

    Zum Thema Literaturwettbewerbe möchte ich eines anmerken: seit Jahren nehme ich jedes Jahr an ca. 6 großen Wettbewerben teil. Jetzt hatte ich erstmals das Glück, beim KG-Wettbewerb von Maxie und wenige Wochen später beim Agatha-Christie-Krimipreis (Freundin und Fischer Verlag) unter die besten 15 bzw. 25 gekommen zu sein, was als Folge auch je eine Anthologie hatte. (Von Maxie erhielt man 1 Belegexemplar, von Fischer immerhin 4 + 100 Honorar (!)) Doch auch der Hinweis auf diese beiden Wettbewerbe bzw. mein Abschneiden dabei führte bisher nicht dazu, dass irgendein angeschriebener Verlag auch nur mehr lesen wollte von meinen Sachen. Das heißt, in meiner Schublade schmoren weiterhin 6 Romane und mehrere Dutzend Kurzgeschichten. Schön, was? Woher ich trotzdem das Durchhaltevermögen nehme und weiterschreibe, weiß ich selbst nicht!

  20. H.L schrieb am 4. Mai 2007 um 12:26 Uhr

    @ C.L: Warum? Ganz einfach. (freies) Zitat aus “Ein gelungener Scherz”: Niemand träumt den Traum des Ruhmes ungestraft – man wird ihn nie mehr los.”
    Vielleicht hast du aber jetzt bei grösseren Wettbewerben mehr Chancen, sodass du es einmal (so mit 70) sogar zu einer Buchveröffentlichung bringst?

  21. Gerhard Baumann schrieb am 4. Mai 2007 um 17:45 Uhr

    Vor ungefähr 10 Jahren saß ich nach einer ‘Verlagsbesichtigung’ mit einem Lektor und seinem Assistenten beim Italiener. Ich habe damals gerade weiteres Material übers Bistro-Tischchen gereicht, als ich den Lektor folgende Worte sagen hörte: “…alles sehr interessant und auch gut, aber vieles bedarf doch der Korrektur. Zum Beispiel bezeichnet die weibliche Hauptfigur die gegenwärtige Politik als ‘pseudodemokratisches Kasperletheater mit gelegentlichen Kreuzchen-Kritzeleien’. Also, das geht garnicht. Das müssen wir ändern…”

    Schon damals ist mir lange klar gewesen, dass Bücher nicht ausschließlich von den Autoren geschrieben werden, sondern stets unter mehr oder weniger starker Beteiligung von Lektoren und Redakteuren entstehen (nach erfolglosen Romanangeboten habe ich ein paar Sachbuchverträge bekommen und auch ein ‘Fröhliches Wörterbuch’ für den Tomus-Verlag geschrieben (die Tomus-Leute z.B. ‘helfen’ sehr fleißig mit beim Schreiben – alle 10 Minuten hat das Telefon geklingelt) – ich weiß also, wovon ich rede). Diese Änderungswünsche sind mir damals aber zu viel gewesen und ich habe es aufgegeben – nicht das Schreiben, sondern das Anbieten.

    Der höchstdotierte Literaturpreis in Deutschland ist der Georg-Büchner-Preis. Georg Büchner himself würde diesen Preis niemals verliehen bekommen, denn er hat nicht nur gesagt “Friede den Hütten, Krieg den Palästen!”, der hat das auch so gemeint in seinem ‘Hessischen Landboten’, in dem er die Bevölkerung zur Revolution aufrief. Natürlich liebt unsere staatlich geförderte Literaturszene Revolutionäre, aber die müssen entweder lange tot sein oder weit weg wohnen (z.B. auf Kuba). Preise werden jedenfalls nur an Autoren mit der vom Verfassungsschutz zertifizierten Einheitsmeinung verliehen (Demokratie ist gut und Nazis sind böse, ah-ja).

    Und so kommt es denn, dass Günter Grass vom Feuilleton noch immer als das ‘soziale Gewissen Deutschlands’ bezeichnet wird. LOL. Die SPD ist längst rechter als die CDU, Ex Schröder hat den Sozialstaat auf ein Minimum heruntergefahren und im Gegenzug den Bonzen die Taschen vollgemacht und dafür als Dankeschön Millionenverträge von drei Konzernen bekommen, und das ‘soziale Gewissen Deutschlands’ schweigt still und schwingt auf offiziellen SPD-Veranstaltungen lieber die Hüften bei einem flotten Tänzchen mit Polit-Trulla Heide Simonis. Au weia.

    Die deutsche Literatur wird sterben an ihrer Eintönigkeit und Langweiligkeit. Noch ist sie nicht tot, aber beim Probeliegen ist ihr der Sargdeckel schon mal mächtig in die Fresse gefallen. Dennoch geht’s den Verlagen noch relativ gut, denn viele Leute kaufen weiterhin Bücher – aus Gewohnheit oder weil man sich dem Wahn hingibt, mit der Sammlung von Günter-Grass-Erstausgaben dem Sohnemann was Wertvolles vererben zu können. Und natürlich sind die meisten gekauften Bücher Geschenkbücher, die vom Beschenkten eine Weile aufgehoben und dann zum Altpapier gegeben werden (dem Herrn Frank vom Tomus-Verlag ist das schon vor vielen Jahren klar geworden und so stellt sein Verlag ausschließlich Bücher her, die nicht vom Käufer (und sehr oft von niemandem) gelesen werden).

    Das Buchgeschäft wird so aber nicht mehr lange funktionieren. Als ich vor 20 Jahren meine Altersgenossen gefragt habe: “Was liest du denn so?”, war’s denen immerhin noch peinlich, zuzugeben, nicht zu lesen. Die haben dann meistens sowas gemurmelt wie “Moby Dick”, wenn der Film kurz zuvor im TV gelaufen ist. Die Masse der Jugendlichen heute antwortet auf diese Frage sehr selbstbewußt: “Lesen? Bücher? Bücher sind Scheiße. Ich hab’ 500 Filme auf DVD!” Diese Jugendlichen von heute werden in Zukunft keine Bücher kaufen, um diese zu verschenken. Und deshalb werden nach der Literatur die Verlage sterben. Ich liebe Bücher, aber Aktien von Literaturverlagen würde auch ich mir nicht ins Portfolio packen.

    Das Buchbusiness interessiert mich eigentlich garnicht, ist nie mein Thema gewesen und deshalb habe ich niemals irgendwelche Weisheiten darüber verbreitet. Ich finde es nur traurig, dass die Literatur von diesem Business an die Wand gefahren wird. Immerhin besteht die Hoffnung, dass sie durch Blogs und eBooks aus dem Koma erweckt wird (Verlagsleute werden jetzt sehr laut schmunzeln, aber mit dem Gegrinse wird bald Schluß sein).

    Und daher hier mein Tipp an Cornelia Lotter und alle anderen Unveröffentlichten:

    Vergesst diesen ganzen Zirkus mit dem Manuskriptanbieten bei Buchverlagen. Das bringt nichts, wie am Ursprung dieses Threads (ein Thread ist es inzwischen geworden) zu erkennen ist. Zwei Versuche mit neuen Autoren in sechs Jahren – das ist praktisch Null! Seid froh, niemals in dieser Mühle der Anpassung glattgeschliffen worden zu sein.

    Startet ein Blog! Blogs haben Potential, sie sind mehr als nur ‘Online-Tagebücher’, man muß nur was daraus machen und das geht nicht mal eben so, sondern braucht etwas Schubkraft. Auch eBooks werden kommen. Tipps zum eBook-Erstellen gibt’s hier im literaturcafe.de. Und ich selbst werde mich darüber auch noch etwas verbreiten und Selbstgeschriebenes zum Runterladen anbieten, eine nette Domain hab’ ich schon: http://www.schreibgeil.de (da steht aber noch nix, dauert noch 2-3 Wochen).

    Ihr wollt aber lieber ein schönes, gedrucktes Buch? Wer sich von seiner traditionellen Vorstellung eines Buches nicht lösen kann, ist bei http://www.bod.de auf jeden Fall gut aufgehoben.

    Und was ist mit Kohle? Bei Blogger.com gibt’s Geld für’s Bloggen. Da lernt man auch gleich, nicht für die Kunst, sondern für den Leser zu schreiben. Und wer es schafft, mit seinem als Gratis-eBook veröffentlichten Roman hunderttausend Leser zu finden, der kann davon ausgehen, dass das Ding von einer Filmproduktion gekauft wird (und dann kommt der ganz dicke Rubel angerollt, ist was anderes als diese peinlichen Verlagshonorare auf Basis obskurer Abrechnungen).

    Die Zukunft des Schreibens und des Lesens ist im Internet zu finden. Nicht bei den Buchverlagen.

    Gruss, G-H-B

  22. Dr. Olaf Borkner schrieb am 4. Mai 2007 um 18:21 Uhr

    Es gibt eine ganz einfache Methode, bei einem Verlag unterzukommen. Bei mir hat’s wenigstens funktioniert.

    Keine Krimis, keine Science Fiction, keine Arzt, Grafen oder Liebesromane, keine Manuskripte nach dem Motto “auf fein, das kann ich doch auch”. Diese Dinger kann man zu hunderten schreiben und niemand wird darauf reagieren.

    Einzige Regel ist:

    Man schreibe etwas wirklich neues. Glaubt’s mir, das funktioniert.

    Woher man die neuen Ideen bekommt??

    Tja, das ist ja gerade der Trick.

    Schauts unter http://www.millin.de nach

  23. Gerhard Baumann schrieb am 4. Mai 2007 um 18:41 Uhr

    Dieser Tipp wird die Literatur in ganz neue Sphären heben: Computerbücher schreiben! :-) Oder Italienisch-Bücher für Computerbuch-Verlage :-))

  24. Dr. Olaf Borkner schrieb am 4. Mai 2007 um 19:03 Uhr

    Ich hab’ damit aber mehr erreicht, als die meisten von Euch. Das Buch ist auf dem markt und — verkauft sich prima. Die italienische Ausgabe ist in Vorbereitung und wird im August erscheinen. (Leider bekommt der Verlag den größten Teil dieses Kuchens.)

  25. Dr. Olaf Borkner schrieb am 4. Mai 2007 um 19:14 Uhr

    Ich vergaß zu erwähnen — ein zweites Buch ist in Arbeit, — mit Verlagsvertrag natürlich–

    So falsch kann der Tipp dann doch nicht gewesen sein!!!

  26. Dr. Olaf Borkner schrieb am 4. Mai 2007 um 19:34 Uhr

    Und — Hörbuch wird gerade produziert, vom gleichen Sprecher, der den Auszug für den Bayrischen Rundfunk gesprochen hat. Gibt’s voraussichtlich im August.

    Außerdem, was ist daran so verwerflich, mehrere Fachbücher geschrieben zu haben?

  27. Rolf Ronck schrieb am 4. Mai 2007 um 21:46 Uhr

    Ich finde, dass wir alle, die wir gerne schreiben und nichts dagegen hätten, wenn wir als “neuer Stern am deutschen Literatenhimmel” bezeichnet würden, den Rat des Herrn Paschedag mit dem des Herrn Schwarz gemeinsam befolgen: viel lesen und viel schreiben. Und noch ein Tipp von mir: das Selbstverfasste so oft, wie es erträglich kritisch lesen und nebensächliches kürzen. Es ist erstaunlich, was sich da so an Buchstabenmüll in den eigenen Sätzen herumtreibt.
    Kopfzerbrechen bereitet mir dabei aber, auf welches Abenteuer sich manche Verlage einlassen, wenn nur Autor/In bereits einen Namen hat. Mit welchem Schrott da das Papier zugesaut wird, nur weil der Verfasser einen Namen hat, das ist unglaublich. Neuestes Beispiel das Buch “Metan” der “Pop-Poeten” Kracht und Niermann. Achtzig Seiten fantasielos hingerotzte Albernheiten, gefolgt von vierzig Seiten kommentarlos abgedruckten Fotos.
    Mein Fazit: Ein Verlag druckt lieber ein missratenes Manuskript eines, wenigstens einmal erfolgreichen Autors, als dass er das Risiko eingeht, ein gutes Manuskript eines unbekannten Autors zu veröffentlichen.
    Zitat Paschedag: “Wenn die Geschichte wirklich gut ist, weiß man nie.” Zitat Ende.
    Ja, verdammt noch mal, da fasst man sich doch ans Hirn, wenn die Geschichte gut ist, warum zur Hölle, habt ihr nicht den Mut, sie zu drucken und zu bewerben, ihr Hosenscheißer?

  28. H.L schrieb am 4. Mai 2007 um 22:15 Uhr

    Der Schwarzmann:
    “Das Buchbusiness interessiert mich eigentlich garnicht, ist nie mein Thema gewesen und deshalb habe ich niemals irgendwelche Weisheiten darüber verbreitet. Ich finde es nur traurig, dass die Literatur von diesem Business an die Wand gefahren wird. Immerhin besteht die Hoffnung, dass sie durch Blogs und eBooks aus dem Koma erweckt wird (Verlagsleute werden jetzt sehr laut schmunzeln, aber mit dem Gegrinse wird bald Schluß sein).”

    Du klingst ja wir ein Priester, der den Weltuntergang verkündet und zugleich die einzige Lösung verkündet! Ich glaube, dass Blogs sicher eine Weile Erfolg haben werden, aber mit der Zeit kehrt man zum normalen Buch zurück, vielleicht aber zersplittert die Literaturwelt auch in “Bloggerbücher” und “Normale Bücher”. Und gedrucktes Papier ist mir immer noch lieber als Pixel und Binärcodes. Ich glaube nicht, dass sich das Ebook je soweit durchsetzt, dass jeder einen Handheld mit 100 Büchern hat. Und über den Buchmarkt haben sich schon viele beklagt.

    “Mein Fazit: Ein Verlag druckt lieber ein missratenes Manuskript eines, wenigstens einmal erfolgreichen Autors, als dass er das Risiko eingeht, ein gutes Manuskript eines unbekannten Autors zu veröffentlichen.”

    Stimmt. Dabei (wo hab ich das nur gelesen?) gibt es drei Sorten Literaten: Sternschnuppen, die man nur kurz sieht, die aber hell aufleuchten, Planeten, die sich länger halten und bewundert werden, und Fixsterne, bei denen es länger braucht, bis das Licht zu uns gelangt, die dafür aber umso heller strahlen.”

    Und eines vergesst ihr alle: Ein Buch mag ein ökonomischer Wert sein, eine Selbsttheraphie bei Minderwertigkeitskomplexen und anderen psychischen Problemen, ein Wunsch, Spuren zu hinterlassen, aber: Ein Buch kann die Welt spalten, verändern, Kriege entstehen lassen (na gut, dass soll es nicht), oder zumindest zu Konflikten führen. Es kann sie aber auch zum besseren wenden und erneuern.
    Wenn nur schon ein Gedicht der schlesischen Nachttigall dazu geführt hatte, dass man besser kontrollierte, ob jemand scheintot war, dann merkt man, dass es auch für Belletristik und Lyrik gilt. Nehmen wir Don Quixote als Beispiel. Oder den Werther (Suizidrate gefördert, danke, Herr Geheimrat). Prosa kann keinen Krieg verhindern (sorry, Tucholsky), aber doch einen kleinen Prozentsatz von Menschen erfreuen und ihr Sehfeld erweitern. Und das ist mein idealistisches, krankes Ziel. Und wenn ich es nicht schaffe, schafft es ein anderer, und das ist nachhaltiger und besser als Fachbücher oder irgendwelche Romane (“Almtraum”, den ich aber nicht lese), als Podcast.
    Oder wie sagt Gaarden: “Wenn man sich klar macht, dass die Sonne irgendwann erlöschen wird, merkt man, dass Ruhm nichts bringt.” Und zum Thema Reichtum ist ebenfalls genug gesagt worden, dass er wenig bringt, sollte auf der Hand liegen, und auch, dass ihn kaum ein Autor je erreichen wird.

  29. H.L schrieb am 4. Mai 2007 um 22:28 Uhr

    Aha, weil Vito von Eichborn hier gesprochen hat, muss das Literaturcafé gleich darauf aufmerksam machen und ihm recht geben. Natürlich. Das ist ja auch ein weiterer Beweis wie toll das Literaturcafé ist. Und die weite Verbreitung der Hinweise auf das Litcafé hat gar nichts von einem Monopol oder Imperialismus. Neinnein.
    Und an noch etwas hat mich der Artikel erinnert: Wieder wird so getan, als stimme meine Meinung, dass Bestsellerautoren oft abgekupfert wird, nicht. Nun gut, ich distanziere mich soweit, dass ich sage: Die nachgemachten Bücher haben keinen Erfolg – sh. zahlreiche Harry Potter- oder Sakrilegkopien und
    2. Als Robinson auf den Markt kam, gab es zahlreiche Nachahmungen. Beim Simplicissimus ebenso. Aber keiner kennt sie noch. Im Grossen und ganzen gilt also: Sei originell. Die, die das nicht versuchen, sind selbst schuld. Aber: Viel lesen führt nicht zu Originalität. Es seid denn, man kehrt alles um, aber auf Dauer geht das nicht. Originalität entsteht, oder entsteht nicht. Da hilft überhaupt nichts, weder Schreibratgeber noch Droge.
    Mh, und wenn ich schon dabei bin, allen meine Meinung um die Ohren zu schlagen, kann ich gleich fortfahren, indem ich auf latent egomanische Weise etwas von mir preisgebe: Gerhard Baumann wollte doch meine Veröffentlichungen wissen. Bitte. Gar keine. Mein Buch wartet immer noch, dass mein Perfektionismus es für tauglich erklärt. Aber da ich erst 16 bin, hat das ja noch Zeit.

  30. H.L schrieb am 4. Mai 2007 um 23:43 Uhr

    “Ich vergaß zu erwähnen ein zweites Buch ist in Arbeit, mit Verlagsvertrag natürlich”
    “Ich hab damit aber mehr erreicht, als die meisten von Euch. Das Buch ist auf dem markt und verkauft sich prima. Die italienische Ausgabe ist in Vorbereitung und wird im August erscheinen. (Leider bekommt der Verlag den größten Teil dieses Kuchens.)”
    “Und Hörbuch wird gerade produziert, vom gleichen Sprecher, der den Auszug für den Bayrischen Rundfunk gesprochen hat. Gibts voraussichtlich im August.”

    Wir sind heute aber überhaupt nicht angeberisch. Natürlich hast du mehr erreicht als viele hier. Aber das ist immer noch wenig, sehr wenig.

  31. Kien schrieb am 5. Mai 2007 um 01:49 Uhr

    ich verstehe den ganzen terz, der hier ums veröffentlichen von
    büchern gemacht wird, ohnehin nicht. vor ein paar jahren hatte
    ich mal einen text von mir ins internet gepfützt, der von der be-
    erdigung meiner oma handelte. mein brüderlein entdeckte dann
    beim googlen die von mir verfaßten zeilen, nebst einiger anderer
    produkte meiner schaffenskraft, verpetzte mich prompt bei der
    lieben anverwandtschaft, woraufhin mir meine tante bei der be-
    erdigung meines großvaters einige jahre später in anwesenheit
    der restlichen familie ohrfeigen androhte, würde ich ähnlich nest-
    beschmutzendes über die eben stattgefunden habende beerdi-
    gung schreiben.

    damals erschien mir die aussicht, ohrfeigen für mein geschreib-
    sel zu kassieren als nicht besonders verlockend – meine tante
    hat große hände und kann hart zuschlagen – aber hey, es wurde
    WAHRGENOMMEN und es gab gar eine direkte, kritische
    REAKTION, die auf einer zwar dorfdamisch-gewalttätigen
    rezeption basierte, aber das ist ja immerhin besser als nix!

    also, wenn man das bedenkt, und meinen latent vorhandenen
    masochismus noch dazunimmt, könnte ich ja glatt einen großen,
    fetten schlüsselroman über meine heimat im ländlichen oberbay-
    ern verfassen und mister von eichborn andienern.

    wenn dann auf der ersten promo-lesung (ich krieg doch ne pro-
    mo-lesung, herr von eichborn?! ja???!!!!) der verband der katho-
    lischen landfrauen anrückt, mitsamt ihren männern, die alle im
    katholischen männerverein und außerdem im schützenverein
    sind, dann hab ich entweder eine schußsichere weste oder
    das buch wird ein bestseller. wär das ein deal? ich fang gleich
    an, zu schreiben!!!!1einself

  32. Michael Koehn schrieb am 5. Mai 2007 um 07:32 Uhr

    lebenslänglich

    ich schreibe
    ich schreibe das wesentliche
    ich schreibe das wesentliche auf
    ich schreibe nichts
    ich schreibe das wesentliche nicht
    ich schreibe das wesentliche nicht auf
    ich schreibe um berühmt zu werden auf
    ich schreibe was leser meint denkt fühlt auf
    ich schreibe um reich und berühmt zu werden auf
    ich danke dem ei in der zelle

  33. Dr. Olaf Borkner schrieb am 5. Mai 2007 um 09:26 Uhr

    Ersteinmal eine Entschuldigung. Meine Beiträge waren wohl doch etwas zupräpotent. Als einzige Rechtfertigung kann meine Euphorie und Freude über die erste halbwegs belletristische Veröffentlichung gelten. Es sind mir wohl die etwas die Ponies durchgegangen (für Pferde reicht’s noch nicht ganz).

    Auf einen Umstand will ich noch hinweisen: Und das sind die Buchhändler.

    Buchhändler sind nach den Erfahrungen, die ich mit ihnen machen musste, nur verkappte Altpapierhändler. Als meine Texte noch von keinem Verlag akzeptiert waren, wollte mir niemand die Möglicheit geben, etwas daraus vorzutragen. Kaum war das Buch gerduckt, erhältlich, und NICHT im Selbstverlag erschienen, da bekam ich — sogar unaufefordert — Lesungsangebote, die. weil ich schließlich noch nicht bekannt bin, völlig kostenneutral von mir gehalten werden müssten. Und einfach nur deshalb, weil der Verlag die Kontakte hergestellt hat und nicht ich selbst.

    Es macht dann immer viel Spaß, wenn man neben sich einen anderen Autor hat, der seine Unkosten erstattet, und sogar ein kleines Honorar bekommt, während man selbst auf den Benzinkosten, Unterkunft und aller sonstiger Unkosten sitzenbleibt.

    Eine Erkenntnis kann ich zu dem Thema denn doch noch beitragen:

    Ein Autor, der glaubt, jemals von seiner Tätigkeit leben zu können, ist suf dem Holzwege. Und daraus folgt: Ein Autor sollte über ein dickes Bankkonto verfügen, um sich seine Berufung auch leisten zu können.

    Ein Verlag, der mein Manuskript als erstes akzeptiert hatte, war der ‘Frankfurter Buchverlag’. Hocherfreut, einen Verleger gefunden zu haben sagte ich zu. Bis dann eine Rechnung über fast 13.000 kam.

    Mir wurde geraten, einen Bankkredit aufzunehmen. Natürlich lehnte ich ab, ich halte das für reine Abzocke.

    Eine amüsante Annotation:

    Kurz nachdem ich einen Verlag gefunden hatte, kamen Briefe dieses ominösen Verlags. Darin reduzierten sie ihre Rechnung auf bis unter 7000.

    Das Problem ist nur: Man kann Bücher im Selbstverlag auch sofort nach dem Druck in den Papierkorb werfern, man kommt nämlich nirgends damit an. Keine Radiostation, keine Literaturzeitung, niemand wird so ein Buch akzeptieren, wie gut es auch immer sein mag.

    Was bestimmt funktionieren könnte, ist die Gründung eines Verlages unveröffentlichter Autoren, so wie es Charlie Chaplin machte mit ‘United Artists’.

    Wie ist’s? Wer macht mit?

  34. Detlef Heilgermann schrieb am 5. Mai 2007 um 11:29 Uhr

    Wer nie ein Buch gelesen hat, wird wohl beim Schreiben über Schulaufsätze und Tagebucheinträge nie hinauskommen. Von daher halte ich den Tipp “lesen, lesen, lesen” zwar für banal, aber durchaus auch für hilfreich. Immer nur die eigenen Entwürfe, Fragmente und unveröffentlichen “Meisterwerke” lesen, dürfte niemanden voranbringen.

  35. H.L schrieb am 5. Mai 2007 um 16:43 Uhr

    “Wer nie ein Buch gelesen hat, wird wohl beim Schreiben über Schulaufsätze und Tagebucheinträge nie hinauskommen. Von daher halte ich den Tipp lesen, lesen, lesen zwar für banal, aber durchaus auch für hilfreich. Immer nur die eigenen Entwürfe, Fragmente und unveröffentlichen Meisterwerke lesen, dürfte niemanden voranbringen”

    So radikal habe ich das auch nicht gemeint. Aber wer zu viel liest, wird kein Autor (oder keiner mit einer echten Selbstüberzeugung), denn er weiss immer welchem Buch seine Ideen ähneln. ich gebe zu: ich selbst lese auch sehr viel, aber kaum etwas, dass jünger als 50 Jahre ist; denn was man aus dieser zeiten heute noch kennt, kann man ohne bedenken lesen.

  36. Gerhard Baumann schrieb am 5. Mai 2007 um 18:11 Uhr

    Olaf Borkner schrub: “Ersteinmal eine Entschuldigung. Meine Beiträge waren wohl doch etwas zupräpotent.”

    Ich meine, aus deinen Beiträgen schreit eher die nackte Panik angesichts eines schleppenden Abverkaufs.

    Olaf Borkner schrub: “Buchhändler sind nach den Erfahrungen, die ich mit ihnen machen musste, nur verkappte Altpapierhändler.”

    Das ist nicht okay, Herr Doktor, so auf den Händlern herumzutrampeln. Auch ich bin absolut nicht einverstanden mit dem, was der Buchhandel da so veranstaltet, aber der einzelne Buchhändler ist genauso ein Getriebener seiner Branche wie Verleger, Lektoren und Literaturagenten es in deren Geschäftsbereichen sind. Wir dürfen uns über den Zustand des Geschäftes mit der Literatur beklagen, über die Situation also, wir sollten uns aber kein Urteil darüber anmaßen, wie der der einzelne Händer damit umgeht, um über die Runden zu kommen.

    Die Buchläden sind allerdings das Frontend des Buch-Businesses – die Fassade, die der Leser zu sehen bekommt. Und auf dieser Fassade spiegeln sich die Verkaufspraktiken des gesamten Geschäfts wider.

    Beispiel Bestsellerlisten. Jeder einzelne Harry-Potter-Roman verstopfte die Bestsellerlisten nicht wochenlang, sondern monatelang. Das ist ein ebenso absurdes wie auch durchsichtiges Schmierentheater. Ein Buch, das so monströs gehyped wird wie jedes einzelne HP-Buch, müsste nach zwei Wochen aus den Listen verschwunden sein, weil nach zwei Wochen jeder potentielle Käufer sich ein Exemplar gekauft hat. Ein zweites oder vielleicht sogar drittes Erscheinen in den Listen wäre möglich, wenn die nächste Auflage in die Läden kommt, nachdem die vorangegangene vergriffen gewesen ist. Eine Harry-Potter-Knappheit hat es aber nie gegeben, diese Schmöker stapelten sich sogar in den Supermärkten.

    Bestseller als Steadyseller? Wie soll das möglich sein? Ganz einfach, die Buchhändler manipulieren. Sie melden Verkäufe, die gar nicht stattgefunden haben, in der Hoffnung, auf diese Weise Werbung zu machen, damit die Vorbestellungen und die gelagerten Exemplare möglichst schnell verkauft werden. Und das findet permanent statt, nicht nur im Fall Harry Potter.

    Und die Folgen fürs Geschäft? Beim Buchkäufer entsteht der Eindruck, dass z.B. Harry Potter richtig HEISS gewesen ist, dass die anderen Bücher der anderen Autoren aber lauwarmes Mittelmaß sein müssen, weil ja keim Rummel um sie betrieben wird. Daher konzentriert sie die ganze Aufmerksamkeit auf immer weniger Autoren und die Verkäufe gehen zurück. Und die Buchbranche klagt: “Ja, Harry Potter lief super, aber sonst…?

    Olaf Borkner schrub: “Ein Verlag, der mein Manuskript als erstes akzeptiert hatte, war der Frankfurter Buchverlag. Hocherfreut, einen Verleger gefunden zu haben sagte ich zu. Bis dann eine Rechnung über fast 13.000 kam.”

    Dass es diese Zuschussverlage immer noch gibt, ist ein Trauerspiel. Mittlerweile sollte doch jedem klar sein, was es damit auf sich hat. Wenn immer wieder Leute darauf hereinfallen, dann mag das darin liegen, dass die Verlagsbranche ein irgendwie blütenweißes Image hat, das auch auf die Zuschussverlage abfärbt. Das Geschäft mit Büchern ist kein edles Geschäft. Es ist ebenso schutzig wie jedes andere und Korruption kann hier besser gedeihen als anderswo, weil man sie hier nicht vermutet.

    Olaf Borkner schrub: “Was bestimmt funktionieren könnte, ist die Gründung eines Verlages unveröffentlichter Autoren, so wie es Charlie Chaplin machte mit United Artists. Wie ists? Wer macht mit?”

    Ich nicht. Aber ich schenk’ dir etwas Material: ‘Schau nicht nach Witzen an der Wand, den größten hältst du in der Hand’. Das ist für dein erstes Buch mit Klosprüchen. Oder wie willst du Markt knacken? Etwa mit Literatur? Das hat der gelernte Lektor Eichborn selbst in den gemütlichen 80ern nicht geschafft. Viel Spaß jedenfalls.

    Ach ja, der Link unten auf den Bericht des literaturcafe.de über diesen Thread…

    Da veranstaltet Jedi-Meister Obi Wan Eichborn Seminare für Autoren für 1380 Flocken plus Mehrwert? Ha-ha! Und was lernen seine Eleven dort? Wie Küblböck zu schreiben? Nach eigener Aussage weiter oben fand er diese kreischende Töle ja origineller als 95 % der eingesandten Manuskripte. Tja, dann besteht ja doch noch Hoffnung für die deutsche Literatur :-)

    Gruß, G-H-B

  37. Dr. Olaf Borkner schrieb am 5. Mai 2007 um 18:27 Uhr

    Ich meine, aus deinen Beiträgen schreit eher die nackte Panik angesichts eines schleppenden Abverkaufs.

    Kann ich dich in Zukunft konsultieren, wenn ich meine Absatzzahlen haben möchte?

    Weil die Absatzzahlen so mies sind, hat schließlich Michael Skasa Auzüge aus dem Buch in seiner Sonntagsbeilage gebracht, deshalb hat ein Verlag für die italienischen Rechte an dem Buch viel Geld ausgegeben.
    Und aus diesem von dir kolportierten Grunde, habe ich bereits 17 Lesungen auf meiner Liste. Das ist, glaube ich im Verlagsgeschäft so üblich, Geld zu investieren in Bücher, die sich nicht verkaufen. Deshalb hat sich auch der Verlag entschieden ein Hörbuch herauszubringen (Sprecher: Siehe Hörprobe bei http://www.millin.de)

    Da frage ich mich doch wirklich, wer hier neidisch ist!!

    Olaf Borkner schrub: Buchhändler sind nach den Erfahrungen, die ich mit ihnen machen musste, nur verkappte Altpapierhändler.

    Das stimmt in jedem Fall! Ohne Ausnahme!!

    Für mich ist Buchhändler nicht einmal ein echter Lehrberuf. Da sitzt einer den ganzen Tag auf seinem Hintern und bestellt, das was die Leute haben wollen.

    Bücher verkaufen sich nicht über das Angebot des Buchhandesl, sondern über die Nachfrage der Leser. Einem Buchhändler ist es völlig wurscht, ob er einen Titel führt, oder auch nicht, der verkauft auch leere Blätter, wenn’s gewünscht wird.

    Und — reich werden durch meine Autorentätigkeit, das muss ich n icht, das habe ich auf anderem Wege bereits geschafft. Ich schreibe aus Spaß an der Freude. Und bei zehn veröffentlichten Büchern, eines davon ist in vier Auflagen und sieben Sprachen erschienen — habe ich mich als Autor gar nicht so schlecht geschlagen finde ich. Ach ja, die Verlage sind: Carl Hanser, ITP, McGraw Hill, SuSe-Press, und eben Millin-Verlag.

    Nachmachen mein lieber, nachmachen!!

  38. Gerhard Baumann schrieb am 5. Mai 2007 um 19:46 Uhr

    “Kann ich dich in Zukunft konsultieren, wenn ich meine Absatzzahlen haben möchte?”

    Über die Absatzzahlen deines Werkes hab’ ich nichts gesagt. Drei aufeinanderfolgende Postings (Nr. 24, 25 und 26), die nichts mit dem Thema zu tun haben, sondern Eigenwerbung sind, halte ich für mehr als schäbig. Mir wären diese permanenten Hinweise zu peinlich gewesen.

    “Da frage ich mich doch wirklich, wer hier neidisch ist!!”

    Ich habe nie gesagt, dass du neidisch bist.

    Mit deinen Aussagen über den Buchhandel mußt du nun leben.

    “Nachmachen mein lieber, nachmachen!!”

    Nö. Ich hab’ selbst Sachbücher geschrieben, hat mir aber keinen Spaß mehr gemacht. Und Literatur anzubieten hab’ ich vor 10 Jahren sein gelassen (steht schon weiter oben) – und dabei bleib’ ich auch.

    Gruß, G-H-B

  39. Rolf Ronck schrieb am 5. Mai 2007 um 19:50 Uhr

    Leute, Leute bitte schlagt euch nicht die Köpfe ein – ihr habt nur den einen.
    Wir haben doch alle das gleiche Ziel, dass unsere Arbeit anerkannt wird – sprich ein Verlag unser Manuskript als Buch herausbringt. Dabei ist doch völlig Wurscht, ob es ein Sachbuch, ein Ratgeber für Auswanderer, oder ein Liebesroman ist. Wir alle wollen Bestätigung und Erfolg. Dabei finde ich es allemal interessanter, Ratschläge zu lesen von Leuten, die einen Verlag fanden, als solche die vor Neid und Sarkasmus – und bestimmt auch Enttäuschung – nur so triefen. Wir sind doch alle nicht perfekt und jeder sollte an seiner Schreibe arbeiten. Wer Interesse hat, sollte sich folgende Bücher für Autoren mal ansehen: Sol Stein “Über das Schreiben”, Verlag Zweitausendeins und Stephen King “Das Leben und das Schreiben”, Verlag Heyne.
    Zum Schluss noch ein Zitat von Joseph Pulitzer:WAS IMMER DU SCHREIBST – SCHREIBE KURZ, UND SIE WERDEN ES LESEN,
    SCHREIBE KLAR, UND SIE WERDEN ES VERSTEHEN,
    SCHREIBE BILDHAFT, UND SIE WERDEN ES IM GEDÄCHTNIS BEHALTEN.

  40. Gerhard Baumann schrieb am 5. Mai 2007 um 20:11 Uhr

    Lieber Rolf

    Mit der eigenen Schreibe bin ich immer sehr entspannt umgegangen. Ich hab’ nie das Ziel gehabt, auf ‘Teufel komm raus’ veröffentlicht zu werden. Und mit dem Anbieten habe ich tatsächlich aufgehört, als ich gerade die richtigen Kontakte aufgebaut hatte (siehe Kommentar Nr. 21). Ich habe dem Lektor damals gesagt (sinngemäß): “Entweder erscheint der Text so, wie ich ihn geschrieben habe, oder gar nicht” und der Lektor hat gesagt “Dann gar nicht.” Und das ist für mich okay gewesen. Ich bin kein verbitterter Unveröffentlichter. Verbittert wäre ich heute wohl, wenn ich mich hätte verbiegen und verdrehen lassen.

    Zu deinen Literaturhinweisen: Sol Stein ist gut. Kings Ratgeber ist eher eine Art Autobiografie mit ein paar Tipps, die weniger gut zu gebrauchen sind, wie ich meine. Empfehlen würde ich Frey’s “So schreibt man einen verdammt guten Roman” (den zweiten Teil kann man lesen, muss man aber nicht).

    Gruß, G-H-B

  41. Gerhard Baumann schrieb am 5. Mai 2007 um 20:20 Uhr

    Einen hab’ ich noch: Wolf Schneider – Deutsch für Profis. Ist für Journalisten gedacht, aber auch für Romanautoren sehr lehrreich.

    Und Korrektur: Freys Buch heißt: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt.

  42. H.L schrieb am 5. Mai 2007 um 23:36 Uhr

    Wir haben doch alle das gleiche Ziel, dass unsere Arbeit anerkannt wird – sprich ein Verlag unser Manuskript als Buch herausbringt.
    Nein! Mein Ansprüche sind höher! Entweder möchte ich exkommuniziert oder zensuriert werden; meinetwegen auch, dass die Boulevardblätter sich über meine Texte entsetzen. ;-P

    “Leute, Leute bitte schlagt euch nicht die Köpfe ein – ihr habt nur den einen.”
    Stimmt. Aber es kommt auf den Inhalt an …

    UND LEUTE, LASST DIE BUCHHÄNDLER IN RUHE! Das ist auch kein Zuckerschlecken, sieht mal in diesen Blog: http://aci.blogg.de/ (“Buchhändleralltag”)

  43. K R schrieb am 6. Mai 2007 um 01:48 Uhr

    Zu dem Tipp -viel lesen- fällt mir ein: Was nützt einem viel lesen, wenn man nicht dahinter steigt, wie ein Autor dies und jenes gemacht hat. Dialog, Monolog, Charakterisierung, Landschaftsbeschreibung, Metapher, Spannung erzeugen, überarbeiten usw., das sind alles handwerkliche Begriffe, die ich erstmal erklärt bekommen muß.
    Sonst kann ich lange lesen und kapiere nur Bahnhof.

  44. Peter Hellinger schrieb am 6. Mai 2007 um 10:43 Uhr

    Ist ja echt amüsant, den ganzen Kram hier zu lesen. Ich hab mir schon letzte Woche gedacht, das der liebe Herr Baumann sehr verbittert klingt.

    Verlage sind in aller erster Linie nun mal Unternehmen, die Geld verdienen wollen. Und wie in allen anderen Branchen auch, sind die echten Engagierten, denen es mehr um die Sache (hier Literatur) geht, als um Geld auf dem Rückmarsch, denn seitdem die Buchhalter und Betriebswirtschaftler diesen Planeten übernommen haben, zählt eben nur noch der in Geld messbare Erfolg. Den Verlagen darf man nicht böse sein deswegen, es ist die Gesellschaft, die Geld und Besitz höher bewertet als Kunst und Können. Schreib was drüber, vielleicht ändert sich die Gesellschaft.

    Man könnte ein einfaches Rechenexempel in den Raum stellen: 90.000 Neuerscheinungen in einem Jahr, das sind 250 Bücher pro Tag (noch nie wurden soviel Bücher in Deutschland verlegt). Nehmen wir an, 60% davon sind keine deutschen Autoren. Bleiben 36.000 Bücher von deutschen Autoren, davon etwa 2/3 Sachbücher und 1/3 Belletristik. Das heißt in Zahlen 12.000 Belletristik-Autoren wurden also verlegt – wie viele davon Erstlinge sind, kann man wohl nicht schätzen. Wenn diese 12.0000 Bücher nur 0,5% der eingesandten Manuskripte sind (wohl eher weniger), hat man es mit 2,4 Millionen Manuskripte zu tun. Für jedes Manuskript etwa 2 Stunden zum Beurteilen, ob es was taugt, macht 4,8 Millionen Stunden, zum Preis einer Lektorats-Stunde von 30 Euro macht das 144 Millionen Euro. Das heißt, diese 12.000 gedruckten Bücher müssen dieses Geld einspielen. Jedes dieser Bücher muss also 1200 Euro einspielen, nur um das Sichten des Materials bezahlen zu können – vom Druck, Werbung usw. gar nicht zu reden, und wenn man dann liest (war es auf Spiegel Online?), das es viele Bücher gibt, von denen nicht mal hundert Exemplare verkauft werden – Diogenes hat glaube ich den Negativ-Spitzenreiter mit 6 verkauften Exemplaren – dann kann man sich auch vorstellen, wie der Druck auf den Entscheidungsträgern bei den Verlagen ist.
    Natürlich ärgert es mich auch, wenn ich demnächst nach Moppel-Ich und Runzel-Ich ein Botox-Ich auf dem Tisch mit den Bestsellern beim Buchhändler liegen sehe. Aber das wird verkauft und sorgt dafür, dass sich vielleicht mal ein Lektor Zeit nimmt, *mein* Manuskript näher betrachtet und es vielleicht für verlegenswert hält. Und falls das passiert, dann hoffe ich, dass ich mehr als 6 Freunde hab, die das Buch kaufen werden … :-)

    Herrn Baumann und den anderen Frustrierten empfehle ich einfach mal, sich das Kapitel “Neid” in Anne Lamott’s Buch “Bird by Bird – Wort für Wort” aufmerksam durchzulesen. Besser als Sie – finde ich – kann man es nicht sagen. Und allen anderen Neueinsteiger-Schreibern muss man auch ganz klar sagen: Bevor du dir Sol Stein oder James Frey kaufst, kauf lieber Anne Lamott, Stephen King (Über das Leben und das Schreiben) oder Ray Bradbury (Zen in der Kunst des Schreibens).

  45. Rolf Ronck schrieb am 6. Mai 2007 um 11:54 Uhr

    Ja, ja – so hat jeder hat seine eigenen Vorstellungen vom Ruhm und jeder hat auf dem Weg nach el dorado etliche Hürden zu nehmen. Und der Markt der Ratgeber, wie diese Klippen zu umschiffen sind wird immer größer. Also, umschauen, lesen und vor allen Dingen: schreiben! Es ist ein Glücksspiel und jeden Samstag hat einer einen Sechser im Lotto, also stehen die Chancen dafür, dass einer von uns einen Verlag findet, doch gar nicht soooo schlecht, oder? ;-)

  46. H.L schrieb am 6. Mai 2007 um 12:21 Uhr

    Zu dem Tipp -viel lesen- fällt mir ein: Was nützt einem viel lesen, wenn man nicht dahinter steigt, wie ein Autor dies und jenes gemacht hat. Dialog, Monolog, Charakterisierung, Landschaftsbeschreibung, Metapher, Spannung erzeugen, überarbeiten usw., das sind alles handwerkliche Begriffe, die ich erstmal erklärt bekommen muß.
    Sonst kann ich lange lesen und kapiere nur Bahnhof.

    Stimmt schon, aber dann ist gar nicht mehr vergnüglich. Wie machst du das denn jeweils? Ich bringe es eben nicht übers Herz, ein Buch mit Bleistift zu versauen … Und Königserläuterungen o.Ä beschreiben ja eher, wie etwas zu deuten ist, nicht, warum etwas so spannend ist.

  47. Klaudia schrieb am 6. Mai 2007 um 12:28 Uhr

    Du meine Güte, in der Zeit, die hier auf diesen Thread verwendet wurde, hätte jeder der Beteiligten schon 10 Seiten schreiben können…

    Viel Lesen ist sinnvoll, einfach um zu sehen, was alles möglich ist. Außerdem ist es in der Bahn deutlich entspannender als selbst zu schreiben, aber was soll’s. Bleiben wir doch einfach alle bei dem, was wir immer machen: schreiben. Schreiber, bleib bei Deinen Stiften. Dann sendet wieder jeder seine Manuskripte, Exposées und Voranfragen hoffnungsvoll an die Verlage, vielleicht wird sogar irgendwann ein Manuskript vom Schubladendasein begnadigt und in die freie (Wirtschafts-)Welt entlassen… Wäre ja schön. Und was hat diese Diskussion dann dazu beigetragen? Nichts. Denn selbst die jenigen wenigen, die sich an die (wirklich guten) Tipps zum Einreichen von Manuskripten gehalten haben, werden vermutlich zwar freudiger gelesen, aber genauso ohne Rücksicht auf Verluste ausgesiebt worden sein, wie zuvor.

    In diesem Sinne… Keep writing!

  48. Rolf Ronck schrieb am 6. Mai 2007 um 13:58 Uhr

    Es ist halt wie immer: Die Frauen haben Recht.
    Zehn Seiten sind ne gute Schätzung. Also Leute: nicht mehr labern, sondern schreiben. Oder ihr könnt es wie Paul Getty halten, der sagte: “Um es im Leben zu etwas zu bringen, musst du früh aufstehen und bis in die Nacht hinein arbeiten – oder Öl finden.”

  49. Dr. Olaf Borkner schrieb am 6. Mai 2007 um 15:45 Uhr

    Das eigentliche Problem, warum Autoren so große Probleme haben, Verlage zu finden, sind doch die Autoren selbst.

    Zwar sind die Verlage darauf angewiesen Autoren zu veröffentlichen (sonst müssten sie schließlich saure Drops verkaufen). Das Problem ist nur, sie werden mit grottenschlechten Manuskripten zugemüllt.

    Jeder, der einen Griffel in der Hand halten kann (auf einer Tastatur die Tasten findet), fühlt sich bemüßigt zu schreiben. Natürlich ist JEDES der Manuskripte für sich gesehen DAS Werk, welches die Welt der Literatur voranbringen wird. Nur speigelt diese Ansicht ist meist nur die Sicht des Autors wider. Der Rest der Welt sieht das anders und eigentlich immer zu recht.

    Ich kenne einige Lektoren recht gut (Hanser Verlag, ITP, McGraw u.s.w.) und die stöhnen alle.

    “Jetzt ist Harry Potter ein riesen Erfolg und ich werde mit Sekundärkram zugeschissen. Für Wochen wird mir jetzt jeder der glaubt schreiben zu können, SEINE Version von Heinzchen Putter zuschicken.”

    Originalkommentar eines Lektors.

    Dabei gehen die guten Manuskripte natürlich unter. Wer sucht schon in einem, nach verdorbenem Fisch stinkenden Müllsack nach der einen Perle, die vielleicht darin enthalten sein könnte?

    Fazit:

    Es wird zu viel geschrieben. Die meisten dieser Möchtegern Autoren sollten einen anständigen Beruf lernen, Hochseefischer, Krabbenpuler oder Babywindeldesigner, anstatt den wirklichen Autoren das Leben schwer zu machen, indem sie ihre Ergüsse hart arbeitenden Lektoren auf den Schreibtisch kotzen.

    Denn eigentlich es ist gar nicht so schwer, seine “Werke” veröffentlicht zu bekommen, man muss nur originell, und neu sein. Tja und darin steckt die Krux. Wer keine Phantasie hat, dem kann man sie auch nicht beibringen. Viele dieser Schreiberlinge sollten sich doch mal klar machen, dass nicht jeder schreiben kann.

    Ein byron-ähnliches Gesicht zu veröffentlichen wird niemals gelingen. Mankell-ähnliche Kriminalfälle zu schreiben, wird auch icht funktionieren. Und bei Donna Leon verhält es sich ähnlich.

    DAS ist das Problem.

    Natürlich, etwas Vitamin B hilft immer, aber letztendlich wird sich nur der Autor durchsetzen, der auch wirklich schreiben kann.

    Und mit 16 seine Memoiren schreiben zu wollen, kann nur in einem umgekippten Gurkenlaster enden.

    Tja Leute, das ist meine Meinung zu diesem Thema

  50. Rolf Ronck schrieb am 6. Mai 2007 um 17:11 Uhr

    Herr Borkner Sie machen es einem schwer neutral und verständnisvoll zu sein. Natürlich werden die Lektoren mit Wortmüll zugeschüttet, aber es ist doch ihre Aufgabe, die Perle zu finden. Deshalb kann ich mit Lektoren kein Mitleid haben und selbst einem Babywindeldesignerhirn kann ein guter Roman entspringen. So ist jedem nur zu raten mit seinem Manuskript ein gutes Exposé einzusenden, denn wenn kein Exposé, oder ein schlechtes vorhanden ist, wird der Rest erst gar nicht gelesen.
    Übrigens originell und neu zu sein mag von Vorteil sein, aber wenn ich mir so manches Buch ansehe, finde ich nur in meinen düstersten Fantasien eine Antwort auf die Frage: Wie hat es der Autor/die Autorin angestellt, dass dieses Machwerk gedruckt wurde?
    Also erzählen Sie mir nicht, dass Können allein ein Garant für Veröffentlichung ist. Beim Film gibt es die Besetzungscouch, wie nennt man dieses Möbel in der Literaturbranche?

  51. K R schrieb am 7. Mai 2007 um 01:20 Uhr

    An H. L gewandt, der meinen Kommentar kommentierte:
    Handwerk, Lust und Fantasie gehören untrennbar zusammen.
    Das Handwerk zu erlernen, wie ich es beschrieben habe,
    bedeutet doch nicht, dadurch die Lust am schreiben zu verlieren.
    Im Gegenteil: Es macht doch erst richtig Spaß, wenn ich weiß was ich tue. Ich kenne diese Einstellung von der Musik her: “Komm mir bloß nicht mit Harmonielehre, sonst verlier ich mein ganzes Feeling.” Und wenn du so einem dann erklärst, daß du eine Begleitung im 6/8 Takt mit erweiterten Harmonien brauchst, dann lässt ihn sein Feeling glatt im Stich. Es ist komisch in diesem Land: Die einen glauben, daß Theorie allein glücklich macht. Die anderen wurschteln ohne Kompaß einfach drauf los.
    Daß beide Dinge zusammen gehören, scheint eine ganz neue Erkenntnis
    zu sein. Wie sagte John Lennon: “Oh Gott…, es iss nich einfach!”

  52. Dr. Olaf Borkner schrieb am 7. Mai 2007 um 09:55 Uhr

    Lieber Herr Ronck,

    Verständnis benötige ich nicht. Jedoch ist es die blanke Theorie, anzunehmen, dass Lektoren mit nichts anderem beschäftigt sind, als Perlen zu suchen.

    Wenn wir einmal so dämliche Publikationen wie “Moppel-ich” oder die Lebenserinnerungen eines Dreijährigen (er kann auch 17 gewesen sein, das weiß ich nicht so genau) einmal ausnehmen, dann ist es mit dem Erfolg beim Schreiben wie mit vielen Dingen im Leben.

    Man muss zuerst einmal etwas können.

    Wie erreicht man das?

    Zuerst muss man über Begabung verfügen. Jedoch mit der Begabung verhält es sich wie mit der Intelligenz, sie ist offensichtlich eines der wenigen Güter, die auf dieser Welt gerecht verteilt sind,denn jeder glaubt, er hätte genug davon. Ein Etwas mehr an gesunder Selbsteinschätzung wäre angebracht.

    Ich kenne viele Möchtegernautoren und alle haben immer den gleichen Spruch drauf: “Wieso wird mein Manuskript nict genommen, ich schreib doch viel besser als Herr X, oder Frau Y”.

    Nein, tust du nicht, sage ich dann, schließlich steht Herr Xens Buch im Regal und nicht deines.

    Zudem lernt man das Schreiben nicht, indem man nicht liest um Schreiben zu lernen, sondern indem man schreibt um schreiben zu lernen. Lesen ist etwas völlig normales und sollte nur eines machen Spaß. Wer aus anderen Gründen liest, sollte lieber Fernsehen oder ins Kino gehen, das unterhält auch.

    Wenn man liest um Schreiben zu lernen, lernt man allenfalls halbwegs wie Kempowski zu schreiben, aber nicht wie Meier oder Müller. Leider nur halbwegs, und das macht gerade den Unterschied aus.

    Wenn sich bei mir jemand beklagt, dass sein geniales Manuskript schon wieder abgelehnt wurde, dann sage ich ihm: “Wenn du nicht für jede 100 Seiten deines Manuskripts wenigstens 200 wegwerfen musstest, dann taugt es sowieso nichts.”

    Schreiben ist Arbeit, Arbeit, die einem Spaß machen muss. Wenn ich den Erfolg vor Augen habe, das viele Geld und den Ruhm, dann sind das die schlechtesten Voraussetzungen fürs Schreiben, die man sich nur denken kann.

    Ich habe 7 fertige Krimis in meiner Schublade und keinen davon habe ich irgendeinem, Verlag geschickt, weil Krimis nur etwas für den Grabbeltisch sind. Mir hat es einfach nur Spaß gemacht, die Geschichte zu entwickeln. Meine Frau findet sie toll. Ja sogar die Frau eines meiner Verleger fand eine der Geschichten so toll, dass sie ihren Mann dazu drängen wollte, sie herauszubringen.

    Ich wollte es nicht. Ja, ich selbst habe gesagt, “Der Krimi bleibt dort wo er ist, in der Schublade” Und warum? Weil ich n icht mit sinnlosen Publikationen einen kleinen Verlag kaputt machen will. Wenn man nicht Mankell, oder Donna Leon heißt, schreibt man Krimis nur für den Grabbeltisch und diese Autoren sind schneller vergessen als man Oh sagen kann.

    Ach ja, da sind dann noch die famosen Tagungen, auf denen man Tipps von Lektoren bekommt, wie man bei Verlagen unterkommt, wie man das Schreiben lernt, wie man sich erfolgreich in der Nase bohrt.

    Schneller kann man sein Geld nicht verdienen und schneller kann man es auch nicht sinnlos verpulvern. Ach ja, der Referent verdient das Geld, der Teilnehmer verliert es.

    Und damit kommen wir zu einem weiteren Problem.

    Man muss seine Zielgruppe im Auge haben.

    Viele schreiben nur, um den Rest der Welt an seinen tiefschürfenden Erkenntnissen, an seinem ach so interessantem Leben und an weiteren für den Autor wichtigen Errungenschaften teilhaben zu lassen.

    Vergesst es Leute, das will niemand wirklich wissen.

    Eine Geschichte muss
    a) Neu sein

    b) gut geschrieben sein

    c) gut vermarktet werden.

    Wenn man dann man Günter Grass heißt, erst dann sollte man seine Krimis aus der Schublade ziehen, denn dann nämlich werden sie ein Erfolg.

    Warum???

    Weil Krimis über den Namen verkauft werden und nicht über den Inhalt

    So und nun warte ich auf die feinsinnigen Kommentare, die mich alle in der Luft zerreißen.

    Und doch

    Ich habe Recht, ich weiß wovon ich spreche

    Ich habe mindestens 10.000 Seiten gebraucht, um herauszufinden wo meine Stärke, meine Begabung liegt.

    Ein Wort zu den sogenannten Writersconventions (so nennt man das ja in Neudeutsch).

    Wer dort zu finden ist, hat zuviel Zeit, der kann nicht zum Schreiben kommen. Sich selbst zu beweihräuchern, den roten Schal auf der gelben Weste drapiert anderen von seinen fast-Erfolgen zu erzählen, das bringt einen nicht weiter.

  53. Tom Liehr schrieb am 7. Mai 2007 um 12:42 Uhr

    Werte Diskutanten,

    wer lesen kann ist klar im Vorteil, das gilt mindestens im Hinblick auf zwei mir spontan einfallende Sinngebungsmöglichkeiten dieser Formulierung. Andreas Paschedag spricht in diesem Interview von “unverlangt eingesandten Manuskripten”, keineswegs generell von “Manuskripten bisher unveröffentlichter Autoren”. Die müssen nicht notwendigerweise “unverlangt” eingesandt sein, können sie doch auch von einem Agenten kommen oder als Ergebnis eines zuvor entstandenen direkten Kontakts; ein Weg, den ich jedem angehenden Schriftsteller nur empfehlen kann.
    Ich bin bei Aufbau, Andreas Paschedag ist mein Lektor, zwei Romane habe ich dort bereits veröffentlicht und zwei weitere folgen im Herbst. Mein Erstling “Radio Nights” ist auf Empfehlung durch meinen Agenten bei Aufbau gelandet. Das Buch zählt bei dieser Statistik also nicht mit, obwohl es die Erstveröffentlichung eines bis dato unbekannten Autors war.

    Am Rande: Wer sich mal das Vergnügen gegönnt hat, an einer Schreibwettbewerbsjury teilzunehmen und mit 500 bis 1.000 Einsendungen konfrontiert zu werden, die allesamt von Leuten stammten, die durchaus der Meinung waren, diesen Bewerb gewinnen zu können, sonst hätte sie ja keinen Beitrag verfaßt, weiß, daß es zuweilen recht schwierig ist, aus einer solchen Anzahl Einsendungen auch nur zehn veröffentlichungsfähige oder wenigstens positiv bewertbare Texte zu filtern. Das scheint mir im Hinblick auf alles andere, was so an Texten durch die Republik geschickt wird, durchaus repräsentativ zu sein. Wer ein paar Wörter zu Sätzen häkeln kann, oder das wenigstens glaubt, fühlt sich heutzutage zum Schriftsteller berufen. Völlig merkbefreit und betriebsblind werden dieserart tonnenweise Kurzgeschichten und Romanleseproben ins Internet verklappt oder auf Lektorenschreibtische. Zuweilen hat man bei der Lektüre dieser Ergüsse das Gefühl, die Verfasser hätten vorher noch keine einzige Zeile eines arrivierten Autors gelesen oder sich in irgendeiner Form mit dem Markt beschäftigt.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  54. Vito von Eichborn schrieb am 7. Mai 2007 um 13:13 Uhr

    an Nr. 31, Kien:
    aber klar, her damit.
    Einer meiner liebsten Erfolge waren die Erinnerungen des
    Steineklopfers Max Bauer aus Hauzenberg,
    “Kopfsteinpflaster”, die er zunächst handschriftlich in ein
    Rechenheft geschrieben hatte. Startauflage 2000, vier
    Nachauflagen à 1000 Ex., woran man sieht, daß ich nie an den
    Erfolg geglaubt habe, das Buch für unverkäuflich hielt. Im
    Dorf wurden doppelt so viele Bücher verkauft, als es
    Einwohner hat. (Und zur Lesung nach der Kirche wurden
    versehentlich Exemplare von “Domenica” geliefert…)
    Also, Kien, da dieser Beitrag ja in ordentlichem Deutsch
    verfaßt ist (bis auf die doofen Ausrufezeichen) – dahinter
    also vielleicht wirklich ein Autor steckt: Her mit dem
    Exposé und 20 fertigen Seiten.
    Dann sehe ich, ob’s eine Chance haben kann und ob ich’s
    Verlagen anbiete.
    Ziur Einstimmung empfehle ich “Der Spaßmacher” von Konrad
    Hansen. (Ist vergriffen, gibt’s billig gebraucht.) Ein
    wunderbar deftiger, liebevoller Provinzroman.
    VvE

  55. Klaudia schrieb am 7. Mai 2007 um 13:52 Uhr

    Rolf Ronck schrieb:

    “Beim Film gibt es die Besetzungscouch, wie nennt man dieses Möbel in der Literaturbranche?”

    Ich weiß nicht, gab es schon eine Einigung auf nur eine Bezeichnung? Spontan fallen mir da Loriots “Sitzgruppe”, in diesem Falle verschoben in das Büro des zuständigen Lektorates ein, die freundliche und nur leicht süffisante Bezeichnung “Schreibtischgeflüster” und ein paar nicht jugendfreie Ausdrücke. Der schon eher kindertaugliche Satz “Setz dich auf deine vier Buchstaben” könnte mitunter ebenfalls verwendet werden, je nachdem, wer in dem Fall dann oben sitzen soll, bzw. was oder wer darunter ist und ob es sich dabei um einen “ABC-Schützen” handelt; wobei Buchstabensuppe (als Ergebnis?) auch nicht sonderlich schmackhaft klingt.

    Blaue Möbelstücke fallen vermutlich aus rechtlichen Gründen aus, aber “gelb” ist, glaube ich, noch nicht vergeben… Außerdem wäre so ein schickes glebes Sofa in jedem Verlagshaus sicherlich eine optische Augenweide, bzw. “wortgewaltige (?) Spielwiese”?

    Wie auch immer – (Schreib-) Tischlein, laß auf dir decken!

  56. Michael Koehn schrieb am 7. Mai 2007 um 14:17 Uhr

    Jeder kann Bestsällarauto werden, – man schreibt, den Räst macht der Läktor …

    … das sagte ich auch dem Verleger, einem anerkanntem Mann der Branche, der wie Hem mit knapp sechzig aussah, doch ein Pinscher von neunundvierzig war, wie ich ernüchtert feststellen musste, nach dem er erstmalig das Maul aufgetan hatte.

    Sie sind zu spät, räsonierte der Rotzer, und ihre Idole sind längst tot, – und ihre Schreibe noch toter …
    Fante nicht. Und die anderen werden auch immer noch gerne gelesen!, widersprach ich.
    Von mir nicht! Vor allem wenn Phantasie, Improvisation, Frechheit, wenig Toleranz, Selbstironie, Sex, Geschmacklosigkeit, Subversion, Unsittlichkeit, Irrsinn, Gelächter, Obszönität, Blasphemie, Ironie, Publikums-, Kritiker- und Selbstbeschimpfung im Übermaß vorhanden sind, – und damit ist bei Ihnen zu rechnen. Punkt!, spritzte mich der Sack an.
    Und außerdem, Sie Möchtegernschreiber, unverlangt eingereichte Manuskripte lese ich sowieso nie. Nie!
    Ich reiche ja nicht ein, guter Mann, ich bin persönlich da. Also werden Sie eine Ausnahme machen.
    Wissen Sie was, da Sie schon persönlich da sind, und ich möchte nicht wissen, wie Sie überhaupt hier reingekommen sind, sage ich Ihnen ganz einfach: verpissen Sie sich, – Sie nervendes Individuum, bevor ich Sie rausschmeißen lasse!
    Guter Mann, für einen sozialliberalen Kommunisten sind Sie aber ganz schön rabiat in Ihren Methoden.
    Und ich werde gleich noch rabiater!
    Und ehrlich – dabei blitzten dessen blaue Augen, als wollten sie mich um Farbnachschlag bitten …
    Sag mal, du Schweinebauer, soll ich dir eine reinhauen?, war deshalb meine Anfrage an den Publizisten.
    Das können Sie gerne tun, – ich lese Ihre kotzige Schwarte trotzdem nicht …
    Ehrlich, da bin ich so richtig sauer geworden.

    So, jetzt schüttelst du dir erst mal in Ruhe einen ab, riet ich dem neben mir am Pissoir stehenden Menschen, es hat sich nämlich ausgepisst, und dann rufen wir deine Sekretärin, sie soll uns den guten Zwanzigjährigen bringen und eine Zigarre, einverstanden?
    Sagen Sie mal, sind Sie vollständig bescheuert? Erst belästigen Sie mich mit ihrem Pamphlet, und dann wollen Sie auf dem Klo meinen teuersten Whisky saufen und Havanna rauchen … Ich glaube ich spinne, – es reicht, – ich werde jetzt den Sicherheitsdienst rufen …
    OK!, alles hat ein Ende, war ich am Schluss meiner Geduld, du setzt dich jetzt still in die Ecke, rufst die Tusse mit dem guten Schnaps und den teuren Zigarren …, und wir rauchen und saufen uns einen …

    Was soll ich sagen – der wollte nicht! … der- wollte- einfach- nicht … Doch egal, ich war ja vorbereitet, zog also die Flinte aus dem Hosenbein; – es war die, mit der ich Jahrelang kreischende Vögel aus der Hecke geschossen hatte, – auf Konservenbüchsen, Bäume, fahrende Autos, Radfahrer, auf Hunde, Katzen, Kleinkinder und Alte, deren Lauf ich gekürzt hatte, um sie für den heutigen Zweck unauffällig transportieren zu können …

    Hemingway machte damit Schluss, weil er nicht mehr schreiben konnte, deutete ich auf das Teil. Der Verleger nickte zustimmend, wie ein im Holz nach Maden pickender Specht.
    Weiß ich!, protzte der.
    … und ich habe die Flinte vor vier Jahren bei eBay ersteigert, – unter anderem, um damit Karriere zu machen; ist doch sehr überzeugend, oder …?, war ich stolz.
    Doch der Schlappsack sagte dazu nichts …; ob er einen Schock hatte, frage ich mich noch heute.

    Wissen Sie, wollte ich ihn, den Ton wechselnd, aufmuntern, Hem war letztlich zu krank, um auf die Jagd zu gehen, um zu fischen, und ohne das alles war es kein Leben mehr für ihn. Kein Spaß. Ja, er fühlte sich verbraucht und leer, – so wie Sie jetzt gleich, wenn Sie nicht augenblicklich nach der Sekretärin und dem Schnaps klingeln!
    Schon gut, schon gut. Geben Sie mir Ihr Handy.

    Keine zwei Minuten später stand diese wirklich blonde Blondine mit Silbertablett, darauf zwei Gläsern, Zigarren und dem Whisky, im Pissoir.
    Soll ich die Polizei rufen?, fragte sie, wohl durch die Situation irritiert, ihren Boss.
    Sie sind sehr unerschrocken, meine Liebe, sprach ich sie an, Sie wissen wohl nicht, wer ich bin?
    Nein. Tut mir Leid, ich kenne Sie wirklich nicht, spielte sie das hilflose Mädchen.
    Ich bin in eurem Laden der nächste Bestsellerautor, klärte ich sie auf.
    Und du, stupste ich meinen zukünftigen Verleger an, rufst jetzt bei der Druckerei an, und lässt die Walzen warmlaufen!
    Walzen?, Sie Hirni!, amüsierte der sich, nach dem ersten Schluck frech geworden, man arbeitet heute mit Fotodruck …
    Das ist mir egal, unterbrach ich den Besserwessi, und wenn der alte Gutenberg noch selber setzen würde, sag jetzt dem Drucker Bescheid, wie er auch heißt, sonst schiebe ich dir meine Zigarre in den Hintern; … also, – nun mach schon!

    Machen Sie, was er sagt, beauftragte der wiederum die Sekretärin, und geben mir dann Vollzugsmeldung, wann es losgehen kann …
    Na siehst du, war ich leutselig, gab ihm einen freundschaftlichen Katzenkopf, dass der teuere Whisky ihm als Blut aus der Nase schoss, du wirst es nicht bereuen.

    Fazit, man sieht also, es ist ganz einfach Bestsellerautor zu werden.
    Es braucht lediglich Humor, etwas Durchsetzungswillen, Hems Knarre, einen Verleger, dessen Whisky und Zigarren, sowie eine blonde Sekretärin. Und glauben sie mir, die teuren Schreibkurse und langweiligen Bücher übers Bestseller/schreiben/lernen kann man sich …, ach was: die sind echt einfach fürn Arsch.

    © Mai 2006 michael köhn

  57. margoline schrieb am 8. Mai 2007 um 09:24 Uhr

    Nr. 31, Nr. 54: Sooo einfach ist das also? Peinlichkeiten aufn Tisch und schon gibt es einen Markt? – Nein, kleiner Scherz, Kien schreibt mit Hingabe, nicht obsessiv, und deswegen funkelt sein Beitrag. Die Hingabe ist entscheidend. Materialismus und Schreiben werden sich nie vertragen. Ebensowenig wie Materialismus und Leistungssport. Wenn man dies als arme Socke verinnerlichen kann, ist ein Krieg gewonnen. Materialismus kommt, und wenn das der Fall ist, muss das Handwerk stimmen! Wer keine Geldsorgen hat, ist also in einer besseren Ausgangsposition. Ungerecht, aber margolinisch wahr.

  58. K R schrieb am 8. Mai 2007 um 13:15 Uhr

    Margoline´s Beitrag kann ich soweit zustimmen.
    Aber man sollte eines nicht aus dem Blickfeld verlieren.
    Nämlich, daß diese bescheuerten Bestseller ja auf ein Publikum zugeschnitten sind, die das für Literatur hält. Was ich damit sagen will,
    ist, daß es immer mehr Leute gib, die Bohlen nicht von Brecht unterscheiden können. Was sie wollen sind oberflächliche, schnell konsumierbare Reize. In der Musik ist es genauso. Es geht nur noch um
    Effekthascherei, hat man den Eindruck. Wenn wir nicht aufpassen, wird unsere ganze Kultur mehr und mehr zu einer Affenkultur. Etwa so:
    Ein Affe im Urwald stellt sich hin und schlägt mit einem abgefallenen Ast gegen einen Baumstamm. Schon kommen die anderen Affen an, versammeln sich und wohnen dem Spektakel bei…

  59. Tom Liehr schrieb am 8. Mai 2007 um 13:39 Uhr

    @K R: Natürlich! Die dummen Leser! Sie tragen die ganze Schuld, die Verantwortung, sind die Verursacher der Erfolglosigkeit hochbegabter Literaten, die zwar den Apostroph nicht beherrschen, aber verdammtnocheins der Welt etwas zu sagen haben, das über Brown, Bohlen und Benedikt XVI weit hinausreicht. So isses! Gratulation zu dieser Erkenntnis! Ich trinke voller Ehrfurcht einen Becher Erdbeerbowle auf Sie. Solche Leute werden das Abendland retten. Ganz sicher. Ob es nun gerettet werden will oder nicht.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  60. Karl Olsberg schrieb am 8. Mai 2007 um 13:43 Uhr

    @ 58 KR:
    Ich bin selbst Autor und weiß so gut wie alle hier, wie es sich anfühlt, wenn niemand drucken will, was man schreibt. Aber es ist absurd, Verlagen (und erst Recht Lektoren oder Buchhändlern) die Schuld am eigenen Noch-Nicht-Veröffentlichtsein zu geben. Jeder Verleger möchte gern viele Bücher verkaufen. Dafür braucht er allerdings Käufer! Und da liegt es etwas im Argen, denn bei ca. 80.000 Neuerscheinungen auf dem Deutschen Markt pro Jahr fehlt es einfach an Leuten, die das alles Lesen können. Da sollten sich diejenigen Autoren, die nicht mal selbst lesen, “um sich ihren Stil nicht zu verderben”, mal an die eigene Nase fassen! Das ist ungefähr so logisch, wie zu behaupten, dass nur gut malen kann, wer blind ist.

    Und was den “dummen” Leser angeht, liebe(r) K R, ich frage mich wirklich, wieso du erwartest, dass die Leute, die du so abfällig mit Affen vergleichst, dein Geschreibsel kaufen sollten! Ich habe bestimmt nichts dagegen, wenn jemand sehr anspruchsvoll schreibt und kulturell hohe Ansprüche stellt, aber dann soll er/sie sich bitte nicht beschweren, wenn er/sie dabei nicht reich und berühmt wird! Wer das Geld und die Anerkennung der Leser haben will, muss das schreiben, was diese lesen wollen. Dann klappt’s früher oder später auch mit dem Verlag.

  61. Karl Olsberg schrieb am 8. Mai 2007 um 13:46 Uhr

    @Tom Liehr: Wir haben offenbar dieselbe Idee zur selben Zeit formuliert. Und wir haben denselben Lektor. ;-) Karl

  62. Gerhard Baumann schrieb am 8. Mai 2007 um 14:51 Uhr

    Wie schön. Dann sind wir alle ja wieder nett beisammen.

    Aber ich präsentiere euch jetzt mal die wirklich wahren Schuldigen: Die Verlagsvertreter!

    Jene Damen und Herren, die Tag für Tag mit ihrem Köfferchen von Buchladen zu Buchladen marschieren, versammeln sich ein bis zwei Mal jährlich zu ihrer Vertreterkonferenz, stimmen darüber ab, welche Bücher gemacht werden und welche nicht, und haben dabei nichts Geringeres im Sinn als den Untergang der deutschen Literatur. Auf den Scheiterhaufen mit der ganzen Bande ;-)

    G-H-B

  63. Klaudia schrieb am 8. Mai 2007 um 16:02 Uhr

    Die sogenannten “Bücherparties” nicht zu vergessen! So eine Art Tupperparty, nur mit Büchern…

  64. Rolf Ronck schrieb am 8. Mai 2007 um 18:44 Uhr

    Wir wär es denn, wenn wir alle uns darauf einigen könnten, dass wir mit unseren Geschichten, den Leser einfach “nur” unterhalten wollen? Und zwar gut unterhalten, sodass er beim Lesen in die von uns geschaffene Welt eintauchen und seinen Alltag vergessen kann. Ich denke, die meisten Bücherkäufer wollen genau das – und nichts anderes. Sie wollen unterhalten werden. Wenn es dem einen oder anderen von gelingt, dies auf einem hohen Niveau zu tun – umso besser. Wir sind doch auch alle Bücherkäufer und Leser. Ich jedenfalls will beim Lesen abtauchen, mich fürchten, lachen, mich gruseln, schmunzeln, Spannung erleben, mitfiebern, mitlieben, mitleiden und mich darüber freuen, dass ich mein Geld gut investiert habe. Und ich denke, dass dies die Mehrzahl aller Leser will. Sie wollen keine deutsche, moralinsaure Leitkultur – sie wollen ganz einfach UNTERHALTUNG.
    Nun – warum sitzen wir hier noch untätig rum? Geben wir ihnen, was sie verlangen!

  65. OB schrieb am 8. Mai 2007 um 18:53 Uhr

    Antwort an Rolf Ronck

    Genau das ist es, was Literatur ausmacht. Und damit trifft man IMMER den entsprechenden Leser.

    Natürlich ist der Anspruch unterschiedlich, aber es geht immer um ein und dasselbe. Der Autor hat Leser zu finden, die seine Werke lesen wollen, und deshalb muss sich der Autor klar darüber sein, welches Klientel er anspricht.

    Das gilt sogar für Fachbücher.

    Bücher die niemand lesen will, müssen nicht geschrieben werden. Es ist doch das Leben, das auf die eine oder andere Weise abgebildet werden soll.

    Wenn man die Mona Lisa in den Weltraum schießt, ist das Bild dann noch Kunst?

    Es verhält sich wie mit Schrödingers Katze, die gleichzeitig zu 50% tot und 50% lebendig ist. Erst durch Öffnen des Kastens wird ein Zustand erzeugt.

  66. Karl Olsberg schrieb am 8. Mai 2007 um 19:20 Uhr

    @OB: Kunst hört nicht auf, Kunst zu sein, bloß weil gerade niemand hinguckt. Das gilt auch für Literatur (man denke nur an diverse Spätentdeckungen). Schröders Katze existiert, auch wenn keiner die Kiste aufmacht. Aber die meisten Autoren wollen ja nicht schreiben, sondern gelesen werden. Mehr noch: Sie wollen Stars sein, die ob ihrer genialen Einfälle bewundert werden. Sie wollen reich werden UND die Lieblinge der Feuilletons. Nur deshalb erklingt ja hier der ganze Katzenjammer von der bösen, bösen Verlagswelt, die sich gegen lauter Genies verschworen hat. Wenn jeder von uns ein bisschen mehr schreiben würde, einfach, weil es Spaß macht, gäbe es keinen Grund mehr, zu meckern – und vielleicht mehr bessere Bücher.

  67. Karl Olsberg schrieb am 8. Mai 2007 um 19:25 Uhr

    Pardon, ich meinte natürlich Schrödingers Katze.

  68. Klaudia schrieb am 8. Mai 2007 um 20:34 Uhr

    Naja, die Mona Lisa im Weltall wäre sicherlich schon wieder Space-Art – ich würde mir das jetzt noch flink patentieren lassen, ehe zu reiche Amis auf die Idee kommen!

    Ist diese ganze Diskussion nun eigentlich Schrödingers Katze’ Jammer? Und wir erfahren erst, ob jemand Recht hat oder nicht, wenn wir den Buchdeckel öfnnen? Ich hab leider verdrängt, wie der Argumentationsgang war, aber in jedem Fall war das arme Katzentier nur EIN Wert in einer langen Meßstrecke und, wie OB schrieb, ist der tatsächliche Zustand erst am Ende des Experimentes einsichtig, bzw. eigentlich eh schon wurscht. Womit wir wieder bei dieser Diskussion wären.

    Ist aber ein hübsches Bild: der Autor als Schrödingers Katze – ob er gelesen wird oder nicht, weiß man immer erst hinterher…

  69. K R schrieb am 8. Mai 2007 um 22:22 Uhr

    Man hat mir ja mächtig geantwortet, was gut ist.
    Ich will hier aber doch noch mal ein paar Dinge klar stellen:
    Der oberflächliche Leser und der Bestsellerautor gehören zusammen,
    das wollte ich sagen. Ohne Schuldzuweisung. Ist einfach ne Tatsache.
    So wie die Spinne ihr Netz da häkelt, wo die Fliegen sind.
    Außerdem habe ich Leser nicht als Affen bezeichnet. Ich wollte lediglich
    sagen, daß in uns Menschen (in allen, auch in mir) diese Affenmentalität vorhanden ist. Und daß wir aufpassen sollten, daß sich nicht dominiert.
    Vor allem nicht in der Kultur. Ich denke, das ist eine etwas andere Aussage. Als dritter Punkt: Ich bin keiner von denen, die hier rumjammern,
    von wegen keiner will mein Manuskript und Schuld sind diese und jene…
    Wenn mein Roman fertig ist, dann schicke ich ihn zu BOD, zahle meine
    400 dafür und dann ist gut. So long babies, ich freue mich auf Antworten.

  70. Tom Liehr schrieb am 9. Mai 2007 um 00:23 Uhr

    @K R: Erst etwas behaupten und dann wieder zurückrudern – das sollte man sich tunlichst abgewöhnen, wenn man Erfolgsautor werden will! :)

    “Der oberflächliche Leser und der Bestsellerautor gehören zusammen,
    das wollte ich sagen.”

    Tun sie das? Was bitte ist ein “oberflächlicher Leser”? Wie liest man “oberflächlich”? Was läßt man dabei aus und was nimmt man zur Kenntnis?

    Es ist eine Mär, daß dumme Leute dumme Bücher lesen, und angesichts der Tatsache, daß die Menschheit zu 80 % aus dummen Leuten besteht, hauptsächlich dumme Bücher verkauft werden – und ergo Bestseller sind. Der (in der Hauptsache übrigens weibliche) Gelegenheitsleser, der sich für den Urlaub oder die Bahnfahrt einen Schmöker kauft, stellt zwar die Mehrheit der Buchkäufer dar, aber dieser Gelegenheitskäufer ist mitnichten “oberflächlich” oder gar, was ja gemeint ist, “blöd”, sondern schlicht daran interessiert, seine knappe Lesezeit interessant zu gestalten, ohne sich vorher einer Hirnoperation unterziehen zu müssen, um beispielsweise uwetellkamptauglich zu werden. “Interessant” kann alles mögliche sein, vor allem muß es spannend (in allen Wortbedeutungen), nachvollzieh- und lesbar sein, Identifikationspotentiale bieten – also unterhaltsam sein. Gut erzählt. Das ist keine Frage der Intelligenz, weder der Intelligenz des Lesers, noch derjenigen des Buches (bzw. des Autors). Die Romane von Rowling, Link, Brown, Lorentz, Koontz und wie sie alle heißen, was eine repräsentative Auswahl der Poollektüre des durchschnittlichen Pauschalurlaubers darstellt, sind nicht doof oder anspruchslos, sie sind nicht einmal schlecht geschrieben (ein Teil jedenfalls nicht), sondern sie befriedigen ein Bedürfnis – eines, das sie mitnichten erst erzeugt haben.
    Das kann man bedauern, wenn man als Autor einen höheren Anspruch an sich selbst stellt, aber Leserbeschimpfung oder -erziehungsversuche sind mitnichten die Alternative. Und wenn man genau hinguckt, dann entdeckt man hier und da einen Sonnenschirm, unter dem Juli Zeh, Wolf Haas, Eckard Henscheid, Frank Schulz oder Bruno Preisendörfer hervorschauen, in gebundener Form. Leute, deren Bücher man zwar nicht an der Supermarktkasse findet, wie das bei einigen der o.g. Schriftsteller inzwischen durchaus geschehen kann, die aber eine Klientel (primär, also im Markt “Verlage”, und sekundär, also im Markt “Leser”) bedienen, die den Unterschied zu schätzen weiß. Ohne daß diese Klientel notwendigerweise intelligenter oder weniger intelligent ist als die vorgenannte.

    Und die Kulturchauvinisten, die alles von Brown bis Rowling verteufeln, sind die ersten an der Supermarktkasse, wenn es darum geht, sich für den Urlaub einzudecken. Vermeintlich höhere Intelligenz kann auch eine Belastung darstellen.

    Natürlich haben die Verlage vitales (wirtschaftliches) Interesse daran, viele Bücher zu verkaufen, also den Gelegenheitsleser auf dem Weg in den Pauschalurlaub zu erreichen. Das bedeutet aber keineswegs, daß all jene, die nicht brownrowlingkingmäßig schreiben, keine Chance haben. Gelegentlich versuhrkampt die Bestsellerliste ein wenig, zwar selten, aber es geschieht, und zuweilen schaffen es sogar Anthologien bis dato unbekannter Autoren (“Sommerhaus, später”) auf die vorderen Plätze. Von denen es leider weit weniger gibt als veröffentlichte Autoren. Der Bodensatz der Literatur, das Gros der Autoren, verkauft um die fünf- bis zehntausend Exemplare eines Buches, gerade genug, um den Aufwand zu refinanzieren, und nicht ausreichend, um ein Schriftstellerdasein zu ermöglichen. Das liegt weder daran, daß die Leser zu oberflächlich sind, noch daran, daß die Verlage zu wenig für diese Autoren tun, sondern schlicht am zu großen Angebot. Und daran, daß “Mainstream” keine Strömung ist, sondern ein Sammelbegriff für eine Art der Kulturrezeption, die der Mehrheit zueigen ist. Wenn man die erreichen will, muß man mitschwimmen, was Originalität nicht ausschließt. Wenn nicht, bleiben der Kleinverlag, BoD oder DKZV.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  71. K R schrieb am 9. Mai 2007 um 01:18 Uhr

    Die Frage: Wie liest man oberflächlich?, hat es mir angetan.
    Vielleicht so, daß man nur darauf aus ist, ein paar schnell konsumierbare Reize aufzunehmen, die man längst wieder vergessen hat, wenn das Buch zugeklappt ist. Die Alternative wäre, daß man einen literarischen Stoff vor sich hat, der einen auch hinterher noch beschäftigt, weil er in die Tiefe geht und einem, wenn man Glück hat, etwas mit auf den Weg gibt.
    Herzlichst K R

  72. Harald Schneider schrieb am 10. Mai 2007 um 11:23 Uhr

    Zurück zur Ausgangsfrage. Jedem von uns ist klar, dass das Heer der unveröffentlichten Autoren quantitativ fast gegen unendlich geht. Und wenn dann die Zahl der veröffentlichten und unverlangt eingeschickten Manuskripte gegen Null geht, kann das nur eins bedeuten: Man(n) oder Frau muss sich gegen die Masse seiner Mitbewerber abheben. Dies wurde ja im Artikel bereits erwähnt. Das meiste dort Geschriebene ist zwar selbstverständlich, aber ein Aspekt sollte man nicht unterschätzen: Den (schriftstellerischen) Lebenslauf und die Motivation. Wer beispielsweise schon in Zeitungen, Zeitschriften veröffentlicht hat, den einen oder anderen (auch noch so klitzekleinen) Schreibwettbewerb gewonnen hat, wer zeigt, dass er nicht nur ein verschrobener Schreiberling ist, der in seinem dunklen Zimmer sitzt und die Öffentlichkeit scheut, der hat im Lektorat immerhin schon einen kleinen Vertrauensbonus.
    Auch eine bereits vorliegende Buchveröffentlichung bei Pod kann hilfreich sein. Und zwar dann, wenn der Inhalt gut und fehlerfrei sowie das Layout annehmbar ist (was leider bei vielen der Pod-Veröffentlichungen nicht so ist).
    Doch damit ist der Kampf noch nicht gewonnen. Selbst wenn man einen (Klein)-Verlag gefunden hat, der bereit ist, das wirtschaftliche Risiko zu tragen und eine 1000er Auflage zu drucken, wird das langfristig nur zum Erfolg, wenn der Autor bereit ist, sich intensiv selbst zu vermarkten. Wer denkt, dass das Marketing und der Vertrieb Sache der Branche ist hat entweder keine Ahnung oder heißt Stephen King.
    Das Leben eines Schriftstellers besteht nur zu einem kleinen Teil aus dem “Schreiben”. Der große Rest besteht aus Lesungen (Lesungsreisen) und deren Vorbereitungen, das forcieren von Presseartikel, das Schaffen von Referenzen und vieles mehr. Das alles sollte einem klar sein, bevor man seinen Traum “Autor” zu realisieren beginnt.
    Das Hetzen über die Branche bringt übrigens nicht viel, die Marktbedingungen sind vorgegeben, die Verlage und der Handel wollen Gewinn machen.
    Es ist wie in anderen Branchen auch: Es herrscht Wettbewerb.

    Viele Grüße
    Harald
    http://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Schneider

  73. OB schrieb am 10. Mai 2007 um 11:36 Uhr

    Na dann will ich diesen (letzten) Ratschlag doch mal in die Tat umsetzen.

    Ich habe heute in München eine Lesung aus meinem neu erschienenen Buch:

    Italien für Anfänger.

    München

    Ligsalzstraße 13

    Uhrzeit: 19:30 Uhr

  74. Tom Liehr schrieb am 10. Mai 2007 um 12:18 Uhr

    Hallo, Harald Schneider.

    Mit Verlaub. In einem Begleitschreiben an einen zu kontaktierenden Verlag würde ich *alles* erwähnen, sogar die Wandzeitung, die man als Pennäler angefertigt hat, aber auf keinen Fall BoD-/PoD-Publikationen, seien sie auch noch so nett layoutet und “inhaltlich fehlerfrei”. Das machen inzwischen Kleti und Pleti, bei lulu.com (der billigsten BoD-Variante) tummeln sich Scharen von Do-it-yourself-Verlegern, die fünfundzwanzig Exemplare ihrer wunderbaren Romane verkauft haben und sich mit dem Überschreiten der magischen Sechsundzwanzig auf Platz eins der lulu-Top-10 sonnen. Es gab eine Zeit, als das noch neu war und Autoren ganz bewußt Nischenprodukte auf diesem Weg hergestellt (und keineswegs “verlegt”) haben, aber all diese Angebote haben sich in der Hauptsache zu gewinnträchtigen Selbsthilfegruppen entwickelt. Ich glaube kaum, daß derlei irgendeinen Lektor beeindruckt. Ganz im Gegenteil.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  75. Karl Olsberg schrieb am 10. Mai 2007 um 13:51 Uhr

    @Tom Liehr: Ich sehe BoD-Veröffentlichungen nicht als “Killer”, aber auch nicht als positives Argument. Ich glaube, es ist nichts Ehrenrühriges daran, ein Buch im Selbstverlag zu veröffentlichen. Ich habe das auch gemacht, allerdings bin ich auch nicht groß damit Hausieren gegangen. Was man allerdings auf jeden Fall beachten sollte: Ein einmal bei BoD/PoD veröffentlichter Text ist für die normalen Verlage “verbrannt” (wenige Ausnahmen von Büchern, die von BoD “weggekauft” wurden, bestätigen die Regel). Also: Entweder oder, zumindest, was einen konkreten Text betrifft.

    Ich habe übrigens einen kleinen Beitrag über diese Diskussion unter dem Titel “Warum sind wir eigentlich so empfindlich?” in meinem Blog angelegt. Da das mit dem Trackback-Ping irgendwie nicht klappt, hier die URL: http://karlolsberg.twoday.net.

  76. Vito von Eichborn schrieb am 10. Mai 2007 um 14:46 Uhr

    Moin,
    nee, “verbrannt” ist da nix. Ich wurde mehrfach von Lektoren gefragt, ob ich ihnen Tipps zu BoD-Autoren geben könne.
    Im Gegenteil: Ich würde als Autor eine BoD-Ausgabe veranstalten (oder sonstwo digital drucken lassen) und diese Ausgabe an die Verlage schicken. Macht sich besser und liest sich leichter als ein Manuskript. (Wichtig ist dann der U-4-Text.)
    US-Autoren machen es oft so: drucken gezielt im Selbstverlag, machen Pressearbeit plus Veranstaltungen plus Guerilla-Marketing im Netz mit zahllosen Leser-Lob-Seiten bei Amazon et. al., holen sich Quotes von Promis – und schicken es dann erst an die Agenten.
    Es grüßt
    VvE

  77. Tom Liehr schrieb am 10. Mai 2007 um 23:02 Uhr

    Natürlich. Zusätzlich zu den ohnehin verpulverten Versandkosten vierhundert Euro einmalig und zwanzig pro Exemplar ablatzen, um “besser und leichter lesbare” Manuskripte zu verschicken. “Vito von Eichborn”, wenn es sich denn nicht um ein Spaßpseudonym handelt, hat die Smileys an seiner Nachricht vergessen. :)

    Dieses “Guerillamarketing” hätte vielleicht vor fünf Jahren noch funktioniert, vor zehn wäre es eine Schlagzeile im Husumer Anzeiger wert gewesen. Heutzutage, da sich *alle* auf diesem Weg versuchen, lächelt höchstens noch die Praktikantin im Verlag, die die Manuskripte vorsortiert, davon 80% in die Rundablage.

    Grüße,
    Tom

  78. Cornelia Lotter schrieb am 11. Mai 2007 um 07:53 Uhr

    Habe etwas weiter oben schon einmal gepostet, als es um Wettbewerbe ging. Möchte einen Punkt noch etwas vertiefen. Und zwar: wie es ist, zu wissen, dass man gut ist und trotzdem immer wieder Absagen zu kassieren. Woher ich weiß, dass ich gut bin? Nur wenige Beispiele: die beiden, bereits o.g. Wettbewerbe. Anlässlich der Anthologie, die bei S. Fischer (Auflage 12.000) rausgekommen ist, habe ich die Lektorin kontaktiert, ob an anderen meiner Manuskripte Interesse besteht. Nachdem ich alle meine Romane kurz vorgestellt hatte, forderte sie mich auf, einen bestimmten einzuschicken (war noch nicht mal fertig, habe also die 75 Seiten geschickt, die ich hatte.) Gestern bekam ich per mail die Antwort, aus der ich kurz zitieren möchte: Aber wir haben Ihre Leseprobe inzwischen geprüft und in unserem Programmkreis noch einmal ausführlich darüber beraten. Die Thematik und auch der Stil des Romans schienen uns tatsächlich vielversprechend zu sein. Für eine Publikation Ihres Stoffes sehen wir im Kontext unseres Programms jedoch zu unserem Bedauern keine Möglichkeit. Leider müssen wir uns bei der Aufnahme neuer Autoren in unsere Verlagsprogramme immer auf sehr wenige beschränken.
    Ein Michael Krüger schreibt mir zu einem Roman, den er ganz angefordert hatte, er müsse für Hanser ablehnen, aber ich könne ihn mit Fug und Recht anderen Verlagen anbieten.
    Eine Lektorin vom Wallstein Verlag ruft mich an, um mir zu sagen, dass ihr meine Sachen gefallen, dass aber im Moment keine Programmplätze frei sind und ich es in einem Jahr noch mal versuchen soll. Das tat ich und erfuhr auf telefonische Nachfrage, dass ihr wiederum der Roman gefällt, es aber trotzdem noch keinen Platz für eine Veröffentlichung gibt, weil alle Plätze in dem kleinen Verlag für über ein Jahr schon belegt sind.
    Dasselbe kann ich für den kleinen aber feinen Verlag Klöpfer & Meyer sagen, wo Herr Klöpfer sogar mit mir zusammen nach anderweitigen Veröffentlichungsmöglichkeiten gesucht hat, einschl. Tipps usw.

    Die Liste ließe sich noch lange fortführen, nicht zu vergessen auch die 5 Brillen, die Malte einer meiner Geschichten Ende September gab.
    Und jetzt meine Frage an die eifrig postenden: Ist es zu verstehen, dass ich das Gefühl habe, gegen Windmühlen anzukämpfen und die Zeit nur so dahinrinnen sehe?
    Für mich ist es nicht so sehr die Frage, ob man oder das, was man schreibt, gut ist oder nicht, sondern es scheint eher ein Problem zu sein, dass sich ein Verlag überhaupt einen neuen Autoren zumuten will. Es ist wie auf der Jobsuche: Jung sollte man sein, aber jahrelange Berufserfahrung bitte schön, auch haben.
    Ich verzweifle so langsam!!!

  79. Karl Olsberg schrieb am 11. Mai 2007 um 09:05 Uhr

    @Tom Liehr: Ich bin sicher, es ist der echte Vito, denn er arbeitet ja mit BoD zusammen und hat natürlich ein berechtigtes Interesse daran, dass diese Publikationsform nicht verteufelt wird.

    @Vito von Eichborn: Ich habe meine Aussage von einem Agenten so gehört. Ich sehe aber auch, dass speziell Sie einiges dafür tun, dass BoD “salonfähig” wird, was ich sehr positiv finde.

    @Cornelia Lotter: Ich finde, Du hast nicht den geringsten Grund, zu verzweifeln. Im Gegenteil! Die Tatsache, dass ein Verlag eine persönliche Absage formuliert, ist schon an sich ein großes Kompliment und sollte Dir Mut machen. Ich habe eine ähnliche Absage über meinen Schreibtisch gehängt, weil sie mich enorm motiviert hat! Lies zu dem Thema mal “On Writing” von Stephen King (das sollte sowieso jeder hier gelesen haben). Man braucht eben ein bisschen Geduld und natürlich auch Glück.

    Vielleicht solltest Du Dir eine/n guten Agent/in suchen – die haben oft ein sehr gutes Gefühl, welcher Text wohin passt. Ich bin bei Silke Weniger unter Vertrag (www.litag.de), die mir sehr geholfen hat. Ein professioneller Agent ist die 15% vom Honorar, die er kostet, allemal wert, zumal er nicht nur hilft, Manuskripte unterzubringen, sondern in der Regel auch bessere Konditionen rausschlägt und einem eine Menge kaufmännischen Ballast abnimmt. Nicht zuletzt bekommt man von dort auch ehrliches Feedback und viele nützliche Tipps.

  80. Cornelia Lotter schrieb am 11. Mai 2007 um 11:21 Uhr

    @Karl: das habe ich natürlich auch schon versucht, bei meinem vorletzten Roman z.B., und zwar bevor ich an die Verlage gegangen bin. Aber es ist fast so schwer, dort unterzukommen wie bei Verlagen. Die meisten nehmen keine neuen Autoren mehr an, anderen ist das Thema zu anspruchsvoll, wieder anderen zu anspruchslos. Und wenn du schon bei den Verlagen Absagen kassiert hast, ist die Chance für eine Agentur sowieso vertan.

  81. K R schrieb am 11. Mai 2007 um 13:23 Uhr

    @Cornelia Lotter
    Ich habe mal schnell die Geschichte mit der Vagina-Verschönerung
    nach gelesen. Die Schreibe ist wirklich gut, die Story heiß.
    Ich hoffe du nimmst mir die Frage nicht übel:
    Welche Themen hast du denn in deinen Romanen?
    Kann es vielleicht daran liegen, daß diese Verleger
    und Lektoren einfach zu konservativ sind.

  82. Tom Liehr schrieb am 11. Mai 2007 um 14:46 Uhr

    @Cornelia: Das Klinkenputzen bei Verlagen ist frustrierend und lähmt, und selbst vermeintlich persönliche(re) Absagen sind und bleiben eben Absagen. Wenn Du schon Agenturen auf Dich aufmerksam zu machen versucht hast, was ich – wie Karl – auch für den generell besseren Weg halte (ich bin auch bei einer Agentur unter Vertrag und würde diesen ganzen Verhandlungskäse auch nicht selbst machen wollen), dann hilft m.E. nur eines: Neues Projekt. Wenn man ein, zwei Bücher am Markt hat, wachsen die Freiheiten. Wenn es aber nicht gelingt, die am Herzen liegenden Projekte zu verkaufen, muß man möglicherweise einen Schritt zurück machen und ein marktkonforme(re)s Manuskript entwickeln. Also “allgemeiner” schreiben. Ein populäres Thema wählen (nur BITTE nicht schon wieder “Mißbrauch”). Oder eben so unfaßbar originell, daß es alle vom Hocker haut. Jedenfalls hängen viele Autoren in einer Endloswarteschleife, weil sie nicht dazu in der Lage sind, ein liebgewonnenes Manuskript beiseite zu legen und das zu schreiben, was die Verlage auch (verkaufen) wollen.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  83. Cornelia Lotter schrieb am 11. Mai 2007 um 14:53 Uhr

    @K R: es freut mich, dass du dir die Mühe gemacht hast, mal etwas von mir zu suchen, wenn man meinen Namen bei google eingibt, stößt man noch auf andere Kurzgeschichten. Aber zu deiner Frage: meine Romane sind sehr konservativ. 2 haben ein DDR-Thema, 2 ein Thema aus dem 2. Weltkrieg, einer ist eine deutsch-ägyptische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des letzten Irak-Krieges, 1 die Geschichte einer Freundschaft zwischen einer jüngeren Frau und einem alten Professor (da geht es um Alter, Tod, Krankheit und Literatur), 1 Jugendroman, angesiedelt während des 3. Kreuzzuges, so, ich glaube, das wars, ein Sachbuch hätte ich auch noch zu bieten.

    Die Vagina-Geschichte fiel mir ein, als diese von Amerika herübergeschwappte OP-Persversions-Mode durch alle Medien ging (Bild-Zeitung: Design-Vagina für 2000,. ). Nicht, dass ich dieses Blatt lese, aber es sprang einen von überallher an. Damals habe ich an alle Frauenzeitschriften, die über dieses Thema berichtet haben, meine Geschichte geschickt. Ich habe nicht einmal eine Antwort bekommen.

  84. Cornelia Lotter schrieb am 11. Mai 2007 um 15:51 Uhr

    @Tom: nach alledem, was ich bis jetzt geschrieben habe, fehlt mir, ehrlich gesagt, im Moment der Drive, etwas Neues zu beginnen. Ich denke nämlich durchaus, dass die meisten meiner Romane durchaus den “Geschmack” des Lesepublikums treffen. Grundsätzlich stimme ich dir natürlich zu, aber das Problem ist eben, erst einmal den Fuß in die Tür zu bekommen. So wie S. Fischer geht es wahrscheinlich nahezu allen Verlagen, bei der Aufnahme neuer Autoren.

    @Karl: Danke. Ich habe mit S.W. telefoniert und darf etwas schicken. (Nur weil du schon kontaktet hattest.)

    Vielleicht kommt ja wirklich endlich etwas in Gang…

  85. O. Delcarlo schrieb am 11. Mai 2007 um 18:06 Uhr

    Ich bin da wohl durch einen glücklichen Umstand zu einem Verleger gekommen. Gestern hatte ich in München meine erste Lesung. War nur wenig besucht (17 Personen) und ziemlich anstrengend, ich hatte etwa zweimal eine halbe Stunde vorbereitet, aber am Ende musste ich zwei Stunden lesen. Ich habe kaum mehr reden können.

    Der Verlag ist klein, deshalb hat er mich gebeten jede Lesung anzunehmen (ohne Honorar). Und das werde ich selbstverständlich auch tun.

    Ich habe jedoch ein anderes Problem.

    Ich schreibe gerade an einem zweiten Buch, für das ich auch schon einen Vertrag habe (selbe Verlag). Thema möchte ich hier nicht nennen. Ich habe kaum Testleser, jedenfalls keine, die wirklich unabhängig sind. Meine Frau ist sehr lieb, findet aber alles toll was ich schreibe. Ich möchte ihr jka glauben, aber — sie liebt mich eben.

    Kann ich jemandem im Forum mal einige Seiten zuschicken, damit ich eine dritte Ansicht bekomme?

    PDF könnte ich anbieten. Windows-Formate leider nicht, da ich auf meinem Rechner nur Linux verwende (LaTeX)

    Für ein oder zwei Testleser wäre ich sehr dankbar, und würde auch gerne als Testleser fungieren. Vielleicht könnte ich auch Kontakte zum Verlag herstellen.

  86. Karl Olsberg schrieb am 11. Mai 2007 um 19:02 Uhr

    @Cornelia Lotter: Schön! Freut mich, dass ich helfen konnte. Unabhängig davon, wie es ausgeht: Bleib dabei! Schreib aus Freude am Schreiben, lass Dich nicht von Absagen ins Bockshorn jagen. Dein Lebensglück sollte nicht (jedenfalls nicht allein) davon abhängen, Dein Buch in der Buchhandlung zu sehen. Nebenbei bemerkt ist dann nämlich die nächste Enttäuschung vorprogrammiert: Ein Verlagsvertrag bedeutet noch lange nicht Ruhm und Reichtum, und die Hälfte der Startauflage Deines Buches verramscht zu sehen tut wahrscheinlich noch mehr weh, als wenn es gar nicht erst veröffentlicht wurde (was nicht heißt, dass man es nicht trotzdem versuchen sollte).

    Und, anders als es Kollege Tom Liehr empfiehlt: Versuch bitte NICHT, zu schreiben, was Du glaubst, was die Verlage haben wollen. Das ist nämlich noch viel frustrierender und geht garantiert in die Hose, weil die Verlage, bist du fertig bist, schon wieder was ganz anderes wollen.

    Wenn Du nicht mal mehr Deinen eigenen Spaß am Schreiben hast, bist Du wirklich am Ende. Das heißt nicht, dass man nicht gut gemeinte Tipps befolgen und hier und da etwas glätten oder verbessern soll. Aber zu schreiben, weil man Erfolg haben will, ist eine viel schlechtere Idee, als Erfolg zu haben, weil man schreiben will! ;-) Schreib das, was Du selbst gern liest. Irgendein Verlag hat das ja auch gedruckt – vielleicht ist es irgendwann der richtige Verlag für Dich.

    Wie auch immer: Viel Glück!

  87. Cornelia Lotter schrieb am 12. Mai 2007 um 00:36 Uhr

    @Karl: danke für deine motivierenden Worte. Schreiben muss ich ohnehin weiter, und sei es auch nur KGs wegen der Wettbewerbe. Der Roman in meinem Kopf muss halt noch eine Weile reifen.

    @Tom: Schreiben, was die anderen vielleicht lesen wollen, scheint mir ohnehin zu riskant und aufwendig zu sein. Da hat Karl schon recht.

    Im Moment habe ich gut zu tun, um diverse Programme und Lesungen hier in unserer kleinen Universitätsstadt vorzubereiten und durchzuführen. Heute z.B. findet die 1. Kulturnacht statt, wo ich in einem Altenheim Geschichten und Gedichte über Alter und Tod lese. Am Montag hatte ich auf einer Kleinkunstbühne zusammen mit einem Erzähler und 1 Pianisten ein Programm mit dem Titel “Die Crux mit dem Sex”. Also breitgefächert, Tod und Sexualtrieb als stärkste Antagonisten dicht beieinander. Dem Publikum gefällts (und einen kleinen “Fanclub” hab ich auch schon hier)
    Mal sehen, wie’s weiter geht.
    Grüße aus dem Schwabenland und hoffentlich kann ich endlich einschlafen…

  88. O. Delcarlo schrieb am 12. Mai 2007 um 12:14 Uhr

    Also keine Testleser.

    Ist auch recht, werde ich eben meiner Frau glauben müssen.

    Also schreibe ich weiter über das Leben, über den Tod schreibe ich dann mal, wenn es soweit ist.

    Ihr habt eine wirklich humorvolle Lektüre verpasst. Aber wenn’s denn nur esoterisch geht…

    Auch gut.

    Olaf

  89. Rolf Ronck schrieb am 12. Mai 2007 um 12:26 Uhr

    Hey, hallo Herr Borkner-Delcarlo, nicht gleich aufgeben! Hab ja eben erst hier reingeschaut und biete mich gerne als Testleser an.
    Wenn Sie mein Angebot interessiert, lassen Sie es mich wissen. Meine
    Email-Adresse ist: amapola@gmx.net.
    Vielleicht bis bald
    Gruß Rolf

  90. Karl Olsberg schrieb am 12. Mai 2007 um 12:26 Uhr

    @Olaf: Sorry, hab zuviel zu lesen momentan. Aber es gibt nun wirklich genug Schreibgruppen im Internet. Sich bei einer von denen zu bewerben bringt mehr, als sich in einer solchen Diskussionsrunde “anzubiedern” (nicht bös gemeint).

  91. O. Delcarlo schrieb am 12. Mai 2007 um 13:31 Uhr

    @ Karl: Anzubiedern???

    Mag vieleicht nicht bös gemeint sein, ich empfinde es dennoch als Zumutung.

    Ich habe nicht die Angewohnheit mich anzubiedern.

    Es mag ja sein, dass die Motive dieser Gruppe eher in die lamentable Ecke fallen, aber ich meine doch, dass es recht sinnvoll sein kann, sich gegenseitig auszutauschen. Wie sonst sollte man Meinungen über die eigenen Texte erhalten???

    Ich finde meine Texte wunderbar, nur nützt mir das nicht viel, wenn ich nicht weiß, wie andere sie finden.

    Aber gut!! Ich werde mich zum Plebs verziehen, wenn’s denn gewünscht wird. Im Semtember, (wenn ich es denn schaffen sollte) kannst Du das Buch dann kaufen.

    Mein Gott!!!!!

  92. Cornelia Lotter schrieb am 12. Mai 2007 um 14:32 Uhr

    @ Olaf: ich empfinde es als eine Zumutung, jemand zu fragen, ob er seine wertvolle Zeit damit verbringen will, die Manuskripte eines anderen zu lektorieren. Denn darauf läufts letztendlich hinaus, mit “toll” oder “scheiße” ist es ja dabei nicht getan. Habe diesen “Liebesdienst” einigemale für Kollegen übernommen, jedesmal viel Zeit und Mühe investiert und teilweise liegen die Geschichten noch hier, weil es dann anscheinend doch nicht wichtig genug für die “Autoren” gewesen ist, um einen Termin zur Besprechung zu finden. Oder die Geschichten stehen noch genauso unzureichend auf der HP derselben, so dass ich mich frage, warum um alles in der Welt ich mir das angetan bzw. die Leute überhaupt nach konstruktiver Kritik gefragt haben. Man fühlt sich dann nicht nur verscheißert, sondern echt ausgenutzt. Deshalb mache ich das grundsätzlich nicht mehr. Da ziehe ich mir in der Zeit lieber gemütlich einen Schinken von Stephen King oder ein anderes Buch vom Wühltisch rein (jawohl, ich stehe dazu, weil mir einfach das Geld fehlt, mir immerzu die neue Literatur zu kaufen, die die Feuilletons beherrscht. Und ein Bibliothekengänger bin ich auch nicht).
    Und was den “kleinen” Verlag betrifft, der dich Lesungen ohne Honorar machen lässt: du hast ihm nicht zufällig ein paar Tausender rübergeschoben, damit er dein Buch rausbringt?
    Und im übrigen bin ich einigen der hier postenden für ihren Kommentar sehr dankbar und finde überhaupt nicht, dass hier lamentiert wird. Für das Einholen von Kritik gibt es hier im LC im Forum eine eigene Abteilung oder wie das auf neuhochdeutsch heißt. (Ich beteilige mich überhaupt das erste Mal im Internet an so einer Diskussion.)

  93. Gerhard Baumann schrieb am 12. Mai 2007 um 14:56 Uhr

    Kein Grund, sich aufzuregen, lieber Olaf.

    Unter den Namen Olaf Borkner, OB und O. Delcarlo hast du in 8 Beiträgen dein komisches Buch erwähnt (in 22, 24, 25, 26, 37, 65, 73 und 88). In 3 Beiträgen nicht (33, 49 und 52).

    Sowas bezeichne ich als penetrante Anbiederung.

    Und wenn ich schon dabei bin: Ein Buch über Italien, das in einem Computerbuch-Verlag erscheint, stinkt wie ein gammliger Fisch nach drei Wochen in der sommerlich aufgeheizten Biotonne. Das ist absolut unüblich in der Branche.

    Gruß, G-H-B

  94. O. Delcarlo schrieb am 12. Mai 2007 um 15:13 Uhr

    Mein Gott,

    ich treffe wohl den Ton nicht in dieser illustren Runde der Unveröffentlichten.

    Nein, ich habe keinen Euro “rübergeschoben”. Von Haus aus bin ich Naturwissenschaftler und habe bei diesem Verlag einige Fachbücher publiziert. Eines (Das Samba Buch) in vierter Auflage, das bereits in sieben Sprachen übersetzt wurde.

    Ich bin also kein heuriger Hase. Es war der Verlag, der mich gebeten hat, ein Manuskript zu schicken, weil es im Fachbuchbereich im Augenblick nicht so gut geht. Der Verleger, mit dem ich seit mehr als zehn Jahren sehr gut bekannt bin, möchte sein Verlagsprogramm ändern. Und da der Verleger um meine Leidenschaft weiß, hat er mich eben gefragt. Ich habe das Manuskript geschickt und nun ist das Buch erschienen. Ist das so schwer zu akzeptieren?

    Klar, nur weil ich den Verleger kenne hat man mein Manuskript akzeptiert, logisch, anders kann es nicht sein. Vielleicht ist das Buch einfach nur gut???

    Wenn Du Dir die Mühe gemacht hättest (was man ja nicht tun soll), dann könntest du auf der Verlagssite sogar ein Probekapitel von meinem Buch lesen. Außerdem hat der Bayrische Rundfunk ein Kapitel in der Sonntagsbeilage gebracht (Michael Skasa, könnte eventuell ein Begriff sein) und wieviel ich denen “rüberschieben” müsste, damit sie meinen Beitrag bringen, das weiß ich nicht so genau, weil ich es nicht getan habe.
    Auch diesen Beitrag kannst du dir anhören, wenn du es nicht glauben willst.

    Ich habe eben ein Tema gefunden, das offensichtlich das Lesepublikum interessiert. Und dass ich die Lesungen ohne Honorar mache, das liegt nur daran, dass der Verlag eben recht klein ist und man als Autor helfen muss wo’s geht. Ist das so verwerflich oder schwer zu verstehen?

    Was ich nicht so recht kapiert habe ist: Dass mein Renomee als Fachbuchautor bei den Verlagen so überhaupt nichts zählt, sobald man das Genre wechselt.

    Ich habe drei Bücher für Hanser geschrieben, eines für Hanser übersetzt, aber als ich ihnen mein erstes Romanmanuskript zuschickte, da wollten die mich kaum noch kennen dort in der Kolbergstraße.

    “Wenn Sie einen Vorschlag für ein Fachbuch haben, gerne”, hat’s geheißen. Ich hatte gehofft wenigstens etwas an Beziehungen dort zu haben.

    Ich weiß ja nicht wie deine Texte so sind, aber ich wünsche Dir viel Glück. Und das meine ich wirklich.

    So, nun muss ich wieder arbeiten, denn bis August muss ich das neue Buch abliefern. –Nein– ich habe auch dafür nichts bezahlt.

    Warum sind hier alle so elendiglich missgünstig???

    Ich kann doch nichts dafür, dass mein Buch erschienen ist!

    (Doch kann ich doch)

    Saluti

    Olaf

  95. O. Delcarlo schrieb am 12. Mai 2007 um 15:19 Uhr

    @ Herr Baumann

    komisch, dass imer alle Leutchen wissen, wie es meinen Büchern geht.

    Bis jetzt läufts ganz gut, meinst du wirklich die würden ein Hörbuch rausbringen, wenn’s nicht so wär??

    Außerdem möchte ich DIch mal sehen, wenn ein popeliger Fachbuchverlag die einen Verlagstverrag abieten würde. Der Paulsen Verlag — kein so minderwertiger Fachbuchverlag, bringt eine Übersetzung raus. Ich weiß, das machen die immer so, mit Büchern die in der gammeligen Fischtonne gelandet sind.

    Mann oh mann, was ist das bloß für ein Ton hier.

  96. Gerhard Baumann schrieb am 12. Mai 2007 um 16:22 Uhr

    Der Kerl ist echt unbelehrbar, was? Das muss Altersstarrsinn sein.
    Und nun will ich hier nie wieder Eigenwerbung sehen. Von niemandem.

    G-H-B

  97. O. Delcarlo schrieb am 12. Mai 2007 um 16:52 Uhr

    Erstens bin ich kein “Kerl”, gegen eine soclhe Titulierung verwahre ich mich..

    Außerdem: Bei wem bitteschön soll ich denn werben? Doch nur bei potentiellen Käufern.

    Und — ist da vielleicht jemand?

    Es geht mir nur auf den Geist, wenn ständig an dem Verlag herumgemeckert wird. Jeder von diesen Möchtegernautoren würde doch sofort einen Vertrag akzeptieren, wenn er denn einen bekäme. Auch das Seelchen.

    Ja Krutzifix, was ist denn an einem Fachbuchverlag , der sich umorientieren will so verwerflich?? Ist ein Fachbuchautor etwa kein Autor, bloß weil er sich mit so niederen Dingen wie Mathe, Netzwerken und Programmieren befasst?

    Mir kommt das so vor wie auf einem Philologenkongress.

    “Ach, Sie sind Mathematiker!?

    “Ja– leider”

    Betretenes Schweigen.

    ” Also nein, wissen Sie, von Mathematik verstehe ich nun überhaupt nichts” (weil man ja sooo gebildet ist)

    Ich glaube ich verabschiede mich lieber für dauernd, ich hatte gehofft Autoren zu finden, mit denen man sich austauschen kann. Stattdessen finde ich esoterische Gedichtevorleser.

    Wie bereits gesagt: Ich treffe wohl den Ton nicht (aber das tue ich ja selten ;)) (Vielleicht tue ich es ja gerade deshalb in meinen Büchern:)

    Saluti Ragazzi

    State bene

    Olaf

  98. K R schrieb am 13. Mai 2007 um 00:51 Uhr

    Damit schließen wir das allgemeine Schlachtengetümmel ab, setzen uns alle im Kreis und rauchen die Friedenspfeife: Hugh!!

  99. Karl Olsberg schrieb am 13. Mai 2007 um 10:53 Uhr

    Lieber Olaf, ich glaube nicht, dass ich mich noch trauen würde, Dir ein ehrliches Feedback zu Deinen Texten zu geben, nachdem Du schon auf eine wirklich ziemlich harmlos gemeinte (und extra in Anführungszeichen gesetzte) Vokabel wie “anbiedern” derart beleidigt reagierst. Was machst Du, wenn ich Dir sage, dass ich die ersten zehn Seiten Deines Buchs unterirdisch finde, den Stil platt und vor Pathos triefend, die Figuren wie aus Pappmaché gemacht? Genau die Art von Vokabeln wirst Du jedenfalls in einer halbwegs brauchbaren Schreibgruppe um die Ohren gehauen kriegen (oder so ähnliche, ich habe Dein Buch ja nicht gelesen). Also, komm wieder runter und gewöhne Dich daran, dass Leute sowohl Deine Texte als auch Deine Diskussionsbeiträge mit klaren Worten kommentieren. Du musst ja nicht mit denen einer Meinung sein, aber Du solltest niemals beleidigt reagieren, außer vielleicht, wenn Dich jemand wirklich frontal und unsachlich angreift (was ich nicht getan habe und auch jetzt nicht tue). Und was ein Schriftsteller am wenigsten braucht, ist Lobhudelei.

  100. O. Delcarlo schrieb am 13. Mai 2007 um 11:38 Uhr

    Karl, was soll ich dazu sagen?

    im Regelfall bin ich nicht so schnell zu beleidigen, und bin es auch bei deinem Beitrag nicht gewesen. Allerdings entrüstet bin ich schon, weil ich solche Vokabeln (anbiedern) in meinem Leben als Wissenschaftler , Unternehmer und auch Fachbuchautor noch nie hören musste.

    Zur anscheinend gehobenen Literatengemeinschaft bin ich auch erst kürzlich hinzugestoßen, vielleicht ist es diese ungewohnte Umgebung und deren Wortwahl, an die man sich dann gewöhnen muss.

    Naja, wir können das Ganze auch wieder etwas tiefer hängen. Ich bin eben (in meinem Bekanntenkreis) für eine drastische und pointierte Ausdrucksweise bekannt, treffe aber dennoch recht häufig ins Schwarze.

    Auch bin ich wohl selbst von dem Umstand überrascht worden, dass ich tatsächlich so schnell einen Verleger gefunden habe.Ein wenig Euphorie wird man mir doch verzeihen können. Wenn man mir dann meine Fachbuchautorenschaft vorwirft, dann reagiere ich doch etwas irritiert.

    Wenn mir dann vorgeworfen wird, ich hätte für die Publikation zahlen müssen, dann werde ich besonders unwirsch. Man könnte sich schließlich informieren, um zu sehen, dass ich das nicht brauche.

    Um zum Thema zurückzukommen.

    Diese hier abgegebenen Tipps zum Veröffentlichen von Texten sind doch größtenteils banal.

    Das Hauptproblem, das ich erkenne, ist: Niemand ist bereit für seine eigene Sache verantwortung zu übernehmen. Das gilt für alle Bereiche des Lebens. Ein Junkie würde ja gern mit den Drogen aufhören, wenn er nur jemanden fände, der ihn davon los bringt.

    Ein Autor glaubt, wenn er Kurse besucht, dann wird er schreiben lernen.

    In meiner Tätigkeit als Dozent ist mir ein Umstand immer aufgefallen. Die Dozenten haben meist nie Kurse, Lehrgänge oder sonstige Veranstaltungen besucht, das waren immer nur die, die in den Aulen herumsaßen und meinten, es gäbe einen leichten Weg zum Wissen.

    Wenn man etwas wissen will, dann muss man sich mit dem Thema auseinandersetzen, lesen, üben, schreiben. Aber nicht irgendjemandem zuhören, der einem erzählt, wie’s gemacht wird.

    Mir kommen diese merkwürdigen Veranstaltungen immer vor wie diese Erfolgstrainerveranstaltungen, auf denen ein Herr Höller den Leuten klar macht –Tschacka– wie man seine Persönlichkeit entwickelt.

    Ich habe noch nie an einem Lesewettbewerb teilgenommen, noch nie irgendwelche Autorenkongresse besucht (außer in meinem Fachbereich natürlich, aber das diente immer dem wissenschftlichen Austausch), habe noch nie irgendwelche Kurse besucht, ich habe einfach geschrieben.

    Warum?

    Weil es mir Freude macht. Aus keinem anderen Grund. Ich will und muss damit kein Geld verdienen, ich lese gern vor Publikum, das habe ich schon in meiner Zeit an der Uni gern getan. Ich glaube auch daran, dass man eine vernünftige Basis haben muss, um überhaupt schreiben zu können, sprich eine anständige Berufsausbildung.

    Und man muss über etwas schreben, dass die Menschen interessiert.

    Das Geheimnis hierzu, habe ich bereits genannt.

    Man muss eine neue Idee haben. Darin, das gebe ich zu, liegt die Kunst und das, das kann man wirklich nicht lernen, das kann einem auch ein Herr Eichhorn nicht beibringen.

    Mit dem Schreiben ist es eben wie mit dem Singen und dem Schauspielen. Jeder glaubt er könne es. Das allein ist aber noch nicht so tragisch, wenn nicht jeder damit gleich Geld in Hülle und Fülle verdienen möchte.

    Also, ein schönes Wochenende noch, ich habe zu arbeiten.

    Olaf

  101. O. Delcarlo schrieb am 13. Mai 2007 um 14:09 Uhr

    @ Karl Olsberg.

    Und übrigens: Ob Schrödingers Katze noch lebt, hängt von der statistischen Zerfallswahrscheinlichkeit des Atoms ab, dass den Giftbecher triggert, und — natürlich davon, ob der der Zustand des Atoms beobachtet wird oder nicht. (Siehe Zeillinger).

    Natürlich bleibt Kunst auch dann noch Kunst, wenn man gerade nicht hinschaut. Das freilich ändert sich, wenn sich Kunst vollständig der Beobachtung entzieht.

    Es wäre eine merkwürdige Art von Kunst, die völlig ohne Betrachter auskommt. Auch hier gelten die quantenmechanischen Gesetze: Die Beobachtung verändert das Experiment.

    Das wollte ich doch noch einmal gesagt haben

    :)

  102. K R schrieb am 13. Mai 2007 um 17:27 Uhr

    Zu 100, etwa ab der Mitte, wäre noch was zu sagen:
    Literatur ist Handwerk. Und Handwerk ist durchaus erlernbar.
    Wenn ich weiß, wie ein Dialog geschrieben wird, dann habe ich bessere Karten ihn hinzukriegen, als wenn ich einfach drauflos mache.
    Deswegen gibt es ja so viele offensichtliche Amateurschreiber (ich bin selbst einer), die immer wieder in dieselben Fettnäpfchen treten, weil sie nicht die geringste Ahnung vom Handwerk haben. Daß man außer dem Handwerklichen auch noch eine Idee braucht, was man schreiben möchte,
    ist ja völlig klar. Die Vorstellung, man brauche nur diesen Einfall und kriege es dann schon gebacken, funktioniert nicht. Genauso ist es nur eine halbe Sache, wenn man handwerklich Bescheid weiß und keine Idee hat.
    Wenn ich diesen Spruch schon höre: Ich schreibe einfach und es geht,
    ich brauche keine dämliche Anleitung. In der Musik ist das genauso:
    Ein Heer von Amateuren, die halbwegs begabt sind und ein paar Sachen aufgeschnappt haben. Aber wenn es darum geht, etwas ganz konkretes zu machen, ein ausnotiertes Stück, dann steht diese Kategorie sowas von auf dem Schlauch, daß sie schlichtweg nicht zu gebrauchen ist.
    Das Glück für einen Autor ist, daß er nicht im Team arbeiten muß und alleine wursteln kann. Sonst würde er auf dieselbe Problematik stoßen.

  103. Karl Olsberg schrieb am 13. Mai 2007 um 17:32 Uhr

    Auf die Gefahr hin, wieder größeren Unmut auf mich zu ziehen (und weil’s einfach Spaß macht, Dich zu provozieren ;-): Lieber Olaf, ich habe selten größeren Quatsch zum Thema Schreiben gelesen als Deinen Jubiläumsbeitrag in dieser scheinbar nie enden wollenden Debatte. Ich weiß ja nicht, an welcher Einrichtung Du doziert hast und welche Kollegen Du dort kennst, aber da, wo ich (was auch immer) gelernt habe, mussten die Leute, die anderen etwas beigebracht haben, es erst mal selbst können.

    Dazu gehört in der Regel, anderen, die es schon können, zuzuhören (was natürlich nicht unbedingt akustisch geschehen muss – Lesen tut’s manchmal auch). Schreiben ist ein Handwerk, genau wie Tischlern. Man muss es erlernen, indem man denjenigen zuschaut, die es können, sie notfalls sogar imitiert, bis man gut genug ist, seinen eigenen Ausdruck zu finden. Niemand wird als fertiger Schriftsteller geboren. Dass man Talent braucht, um es zu wirklicher Meisterschaft zu bringen, gilt auch für’s Tischlern und für jeden anderen Beruf. Dieser (sich vor allem in Deutschland hartnäckig haltende) Glaube von irgendeiner göttlichen Schriftstellergabe ist einfach nur Blödsinn. Wer nicht bereit ist, zu lernen, oder gar Angst hat, Leute, die es schon können, könnten den eigenen Stil verderben, soll sich BITTE ein anderes Hobby zulegen und den armen Lektoren in den Verlagen nicht die Zeit stehlen.

    Das heißt nicht, dass jeder ein zweiter Günter Grass oder Andreas Eschbach (je nach Geschmack) werden kann. Aber ohne die Erkenntnis, dass man sich gefälligst auf den Hosenboden zu setzen und zu üben, üben, üben hat, wird es garantiert nichts!

    Und was die “neue Idee” angeht, die gibt es schon seit mindestens zweitausend Jahren nicht mehr (falls Du das bezweifelst, lies Joseph Campbell’s “The Hero with a Thousand Faces” oder eines der zahlreichen Derivate, z.B. Freys “The Key”). Wenn man sich damit auseinander setzt, was andere schon geschrieben haben, merkt man irgendwann, dass es nicht so sehr auf Genialität ankommt, sondern zunächst mal auf sauberes Handwerk. Und dass man jede Geschichte, auch wenn sie schon hunderttausend mal erzählt worden ist, doch immer wieder frisch und neu erzählen kann.

  104. O. Delcarlo schrieb am 13. Mai 2007 um 18:19 Uhr

    Ach Herr Olsberg, ich geb’s auf.

    Sie wollen mich falsch verstehen und dagegen kann ich nichts tun.

    Aber wenn es Sie amüsiert, dann werde ich mich gerne weiter an diesem Diskurs beteiligen. Ich freue mich ebenfalls immer wieder, wenn besonders Schlaue mir die Welt erklären wollen.

    Wenn Sie wenigstens einen winzige Textprobe von mit gelesen hätten, dann würde ich Ihre Einwände zumindest berücksichtigen, aber so??

    (Wie wär’s??? zehn Seiten?) Dann dürfen Sie mein Schreiben sezieren, auseinandernehmen und kritisieren. Sonst ist das doch alles Gewäsch, was Sie da schreiben.

    Natürlich muss man sein Metier lernen, aber man lernt es nicht in teuern Kursen, die nur eines sind: Geldvernichter.

    Gruß

    O. Borkner

  105. O. Delcarlo schrieb am 13. Mai 2007 um 18:51 Uhr

    @ Olsberg

    PS: Wenigstens den Textbeitrag für die Sonntagsbeilage von Bayern2 könnten Sie sich einmal anhören — falls Lesen von Ihrer Meinung nach “Nichtarrivierten” unter Ihrer Würde ist. Er liegt auf http://www.millin.de und ist in MP3 und OGG Format. Eines der beiden Formate wird doch auch für den einfachen Windows-Benutzer les-bzw. hörbar sein.

    Für Herrn Michael Skasa taugte der Beitrag, ob er Ihnen taugt???

  106. K R schrieb am 13. Mai 2007 um 22:59 Uhr

    Schade, keine Kampfstiere mehr in der Arena, die sich gegenseitig
    auf die Hörner nehmen wollen… Richtig langweilig!
    So hab ich mir das Leben eines Autors nicht vorgestellt.

  107. Tom Liehr schrieb am 14. Mai 2007 um 13:45 Uhr

    “Literatur ist Handwerk. Und Handwerk ist durchaus erlernbar.”

    Komisch. Irgendwo meine ich gelesen zu haben, daß die Literatur zu den “schönen Künsten” zählt. Kunst ist nicht erlernbar, weil sie in erster Linie darin besteht, etwas zu tun, *das bis dato noch niemand getan hat*.

    Man kann Basics lernen. Den Umgang mit Sprache. Die formalen Anforderungen an Prosatexte. Cliffhangern und hooken. Dinge, wie sie Stephen King in seinem “On Writing” als Zwei-Sätze-Wahrheiten formuliert – über die man allerdings auch vortrefflich streiten könnte. Oder Stein oder Frey oder Ueland oder wie sie alle heißen. Man kann Seminare besuchen, VHS-Kurse, Schreibakademien mit lustigen Namen oder gar universitätsähnliche Institute. Vielleicht schreibt man im Anschluß besser. Vielleicht auch nicht. Gäbe es wirklich eine Anleitung, einen nachvollziehbaren Werdegang, eine To-Do-Liste, dann gäbe es überhaupt keine Verlage mehr, weil auch nicht mehr aussortiert werden müßte. Weil sich jeder Leser (!) sicher sein könnte, auf jeden Fall ein qualitativen Mindestanforderungen genügendes Werk zu kaufen, bei wem auch immer.

    Schreiben ist kein Handwerk, sondern eine Glaubenssache, das zumindest ist mein Eindruck. So gut wie jeder glaubt, schreiben zu können, und wenn jemand daherkommt und das Gegenteil behauptet, bricht ein Glaubenskrieg aus, hier wie vieltausendfach an anderen Orten. Ein übrigens sehr sinnloser. Ist doch der Beweis der eigenen Fähigkeiten, meinethalben auch des “Handwerk”-Ansatzes so einfach: Zeigt her das Buch, das sich verkauft hat, das positiv besprochen wurde, das verfilmt wurde, das Preise eingeheimst hat. Schon ist das Thema erledigt. Aber diese Bücher gibt es so sehr oder so wenig wie Gott. Den muß man ja auch nicht “beweisen”. Es genügt, an ihn zu glauben.

    Womit ich mich aus dieser Diskussion verabschiede. Ich wünsche allen viel Erfolg. Ganz ehrlich. Glaubt an Euch, dann wird etwas geschehen. Irgendwas. Denn der Weg ist das Ziel.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  108. Karl Olsberg schrieb am 14. Mai 2007 um 14:21 Uhr

    @Tom Liehr: Dass ausgerechnet ein Profi wie Du sowas schreibt, überrascht mich. Irgendwie ist es doch seltsam: Um ein Musiker zu sein, muss man ein Instrument beherrschen (oder zumindest eine Software). Man muss lernen, oft jahrelang. Um ein Maler zu sein, muss man zunächst mal lernen, mit Pinsel und Farbe umzugehen. Man muss üben, bis man in der Lage ist, richtig zu sehen, richtig mit Licht und Schatten umzugehen, genau zu wissen, wie und wo man Farbakzente setzt. Da ich beides auf Amateurniveau gelernt habe, weiß ich, wovon ich rede.

    Warum, bitte, sollte das für’s Schreiben nicht gelten?

    Aber vielleicht entzündet sich dieser “Glaubensstreit” auch an den falschen Begriffen. Ich behaupte ja nicht, dass es sowas wie ein Patentrezept für gute Bücher gibt. Meine Logik ist etwa die Folgende: Jemand, der gelernt hat, wie man spannende Geschichten erzählt, kann vielleicht einen Bestseller schreiben. Jemand, der nicht bereit ist, das zu lernen, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Für ein gutes Buch braucht man Handwerk UND Talent.

    Wer kein Talent, aber eine ordentliche Ausbildung hat, wird vielleicht schwache Texte schreiben, aber die sind vermutlich immer noch lesbarer als die Ergüsse eines Genies, das sich beharrlich weigert, anderen “über die Schulter zu schauen”.

    Im Übrigen: Woher stammt eigentlich Deine Definition von Kunst, dass das etwas ist, das “bis dato noch niemand getan hat?” Mit solchen Sprüchen rechtfertigt man vielleicht “Kunstaktionen”, bei denen mit Unterstützung des Hamburger Senats ein riesiger Bratklopps in die Elbe katapultiert wird. Kunst kommt für altmodische Menschen wie mich immer noch von Können.

    Ein schönes Beispiel ist für mich Pablo Picasso. Wenn man seine “Friedenstaube” sieht, könnte man auf die Idee kommen, dass so eine einfache Strichzeichnung keine große Leistung ist. Wenn man sieht, dass er schon im Alter von vierzehn Jahren Bilder gemalt hat, die an die großen klassischen Meister heran reichen, bekommt man schon ein wenig mehr Respekt. Um wie Picasso abstrahieren zu können, muss man zunächst mal die Details, die man später weglässt, beherrschen. Ich glaube, das gilt auch in der Literatur.

  109. Tom Liehr schrieb am 14. Mai 2007 um 14:34 Uhr

    Hallo, Karl.

    Leider verschluckt WordPress in spitze Klammern gesetzte Kürzel und “Emoticons”. Mein letzter Text enthielt einige davon.

    Außerdem habe ich doch bestätigt, daß man den handwerklichen Anteil durchaus erlernen kann. Haarige Beispiele ändern nichts an der m.E. richtigen Schlußfolgerung. Qualität – auch handwerkliche – muß mit einigen anderen Komponenten einhergehen, nicht zuletzt mit Originalität. Schreiben kann man lernen. Gute Geschichten gut zu erzählen, das kann man nicht lernen. Aber das ist letztlich völlig bedeutungslos. Man kann nämlich ebenso wenig jemandem ausreden, Autor sein zu wollen. Schließlich landen ja D-Promis wie Eva Hermann und Dieter Bohlen auch Bestseller. Und Matthias Praxenthaler ist von BoD weggekauft worden. Wer sich derlei vorbetet, dem kann man erzählen, was man will, er wird weiterhin glauben, was er glauben möchte. Und die Weltgeschichte weiterhin mit seinen Tagebuchexzerpten quälen.

    Viel Vergnügen noch bei dieser “Diskussion”.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  110. Karl Olsberg schrieb am 14. Mai 2007 um 14:57 Uhr

    @Tom: OK, mein Weltbild ist wieder in Ordnung ;-). Ich glaube, die passende Frage zu meiner obigen Antwort lautet nicht, ob man Schreiben lernen KANN, sondern ob man Schreiben lernen MUSS. ;-)

  111. Klaudia schrieb am 14. Mai 2007 um 18:44 Uhr

    Bin grad im “Volltext” drauf gestoßen: Salomon Dembitzers Roman “Die Geistigen” ist kürzlich wieder neu aufgelegt worden… Eine Satire der Litreraturszene der Weimarer Republik. Das Zeitgeschehen ist zwar deutlich überholt – war es beim ersten Erscheinen des Buches bereits – aber seine Darstellung des Literaturbetriebs (er nennt es “die Clique”) ist nach wie vor aktuell. “Die Taktiken der Jungschriftsteller sind dieselben, die Inszenierungen der Geistigen vergleichbar; wenn man will, kann man alle Namen des Buches locker durch gerade laut machende Autoren ersetzen, er würde genauso gut als Schlüsselroman funktionieren.” (Volltext, April/Mai 07)

    Najo, dan mal viel Spaß beim Lesen!

  112. K R schrieb am 14. Mai 2007 um 22:11 Uhr

    Ich will nochmal versuchen, ein paar Begriffe auseinander zu halten:
    Schreiben ist von der Tätigkeit her ein Handwerk, daran gibt es keinen Zweifel. Wenn ich mich hinsetze und eine Idee habe, für einen Roman z.B., dann hilft mir dieses Handwerk (insofern ich es gelernt habe), die Sache sprachlich gut um zu setzen. Das bedeutet aber noch lange nicht,
    daß die Idee deswegen auch gut sein muß.
    Ich habe das Gefühl, wenn man so die Texte liest, daß viele einfach drauflos schreiben, ohne Ahnung zu haben, und darauf hoffen; wie beim russisch Roulette, daß das Ding irgendwie losgeht. Nach dem Motto: Schreiben ist eh nich erlernbar, also wozu sich mit sowas wie Handwerk herumärgern.
    Das ist nichts als Ausrede und stinkende Faulheit!

    sein muß.

  113. Tom Liehr schrieb am 14. Mai 2007 um 23:25 Uhr

    @K R: Wenn man etwas häufig wiederholt, wird es dadurch nicht richtiger. Dieses Vorgehen zeitigt zwar zuweilen vorübergehende Erfolge, so muß Albert Einstein den Theisten mit seinem vermeintlichen Zitat “Gott würfelt nicht” regelmäßig argumentativ zur Seite stehen, weil der – aus dem Zusammenhang gerissene und so nicht richtig wiedergegebene – Satz doch scheinbar belegt, daß ein großer, anerkannter Wissenschaftler letztlich der Metaphysik zugetan war, aber es bleibt falsch. Auch nach der zigsten Wiederholung.

    “Handwerk” ist die Bezeichnung für jene Berufe, die mit Handarbeit verbunden sind, also Schreiner, Tischler usw. Menschen, die etwas mit ihren Händen produzieren. Allgemein bezeichnet der Begriff Tätigkeiten, die mit “Handgriffen” zu erledigen sind. Wenn man jetzt argumentiert, das Schreiben würde schließlich mit den Händen durchgeführt werden, dann dehnt man den Begriff so weit, daß er schließlich für alle Tätigkeiten gelten würde. Wenn aber ein Begriff alles umschließt, ist er obsolet. Davon abgesehen schreibt man nicht mit den Händen, sondern mit dem Kopf.

    Schreiben ist eine geistige, kreative und schöpferische Tätigkeit. Im Rahmen dieses Schöpfungsprozesses wird (Schrift-)Sprache genutzt, deren Beherrschung unabdingbare Voraussetzung zu sein scheint (das gilt meiner Beobachtung nach aber nicht immer). So, wie beim Tanzen die Beherrschung des eigenen Körpers Voraussetzung ist. Oder beim Malen die Fähigkeit, einen Pinsel zu führen. Das sind aber auch schon alle Voraussetzungen, oder es ist, wenn man so will, der “handwerkliche” Anteil, aber dieser Begriff ist, wie gesagt, unzutreffend. Auch wenn man bei routinierten Romanciers von Leuten spricht, die “ihr Handwerk beherrschen”. Das tun sie nicht. Sie sind besonders ergiebig, was die schöpferische, kreative Tätigkeit anbetrifft. Sie sind keinesfalls gute Handwerker, übrigens auch jene nicht, die tonnenweise ganz ähnlicher Bücher vorlegen, von Konsalik bis Kürthy (Ildiko von – oder so).

    Wenn dieser Versuch unternommen wird, kreative Tätigkeiten auf erlernbare Fähigkeiten zu reduzieren, steht dahinter ein Nivellierungsgedanke – zu Ungunsten jener, die bereits bewiesen haben, kreativ zu sein. “Das kann ich auch” lautet diese Idee, verkürzt gesagt. Das ist versteh- und nachvollziehbar, aber die Realität spricht eine andere Sprache. Die wenigsten erfolgreichen Autoren haben Autorenschulen, Schreibakademien oder Universitätslehrgänge besucht, und es steht zu widerlegen, daß diejenigen, die es getan haben, ohne diese “Ausbildung” weniger erfolgreich gewesen wären. Kreativität kann man nicht erlernen. Es gibt Prozesse und Strukturen, die unterstützen und voranbringen können, es gibt Techniken, um Kreativität zu kanalisieren und Ideen formulierbar zu gestalten, aber es gibt kein einziges Seminar auf der Welt, das Erfolgsautorentum nach dem Abschluß garantiert oder aus einer springerstiefeltragenden Dumpfbackenglatze einen feingeistigen Sonettverfasser macht.

    Was natürlich nicht heißt, daß man nichts lernen muß, bevor man mit dem Schreiben beginnt. Oder nichts mehr dazulernen muß, wenn man ein paar Achtungserfolge vorweisen konnte. Aber dieser Lernprozeß ist kein handwerklicher. Sondern ein geistiger.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  114. K R schrieb am 15. Mai 2007 um 00:19 Uhr

    @ Tom Liehr: Okay. Es ist schon nach 12, aber ich bin noch nicht müde
    und durchaus in der Lage (wie ich hoffe), noch ein Kommentärchen abzugeben. Was ich sagen wollte ist: (ich wiederhole mich hier wieder)
    Kunst besteht einerseits aus Handwerk und andererseits aus Kreativität.
    Du tust gerade so, als sei das Kreative alleine schon tragfähig.
    Gut Ideen kann jeder Straßenfeger haben. Aber erst wenn er in der Lage ist, diese Idee sprachlich relevant umzusetzen, macht ihn das zum Autor.
    Man spricht in dem Zusammenhang auch von Inhalt und Form. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Und die Form, das ist der springende Punkt, ist das Handwerk. Im besten Sinne, K R

  115. lonyl schrieb am 15. Mai 2007 um 17:38 Uhr

    Bin gerade zufällig auf diese unendliche Diskussion gestoßen und habe sie geradezu atemlos bis zum Ende gelesen. Ich bin begeistert! Ein wundervoller Roman! Spannung, Intrigen, psychologische Konflike, verborgene Identitäten, die aufgedeckt, heimliche Pakte, die geschmiedet werden und bei all der Dramatik lernt man tatsächlich etwas über den Literaturbetrieb (wenn man bereit ist zu lernen und Wahrheit von Verschwörungstheorien zu unterscheiden weiß). A propos Dramatik, ich könnte mir auch gut eine Dramatisierung vorstellen, mit Vito von Eichborn als thronendem Landesherrn, den Ministern Liehr und Olsberg mal an seiner Seite und mal in diplomatischen Angelegenheiten unterwegs und mit Freund und Feind in Verhandlungen verstrickt. Dazu eine Schar von Untertanen, die ihr Leid klagen oder heimlich ihre eigenen Großmachtsphantasien durchspielen. Besondere Publikumswirksamkeit verspreche ich mir vom Schurken wider Willen O. Delcarlo (was für ein grandioser Name, sollte man sich urheberrechtlich schützen lassen, aber vielleicht eher mit Vornamen Oswald als Olaf?), ich bin mir nur noch nicht sicher, ob man ihn mit Degen oder mit zwei verchromten Damenpistolen auftreten lassen sollte. Das Publikum wird ihn lieben. Romanstoffe finden sich manchmal an den unwahrscheinlichsten Orten und diese große Literaturbetriebsdiskussion finde ich allemal interessanter als viele der dann tatsächlichen veröffentlichten deutschen Romane, zumal sie auch Substanz hat (was ja im Netzl selten ist)…

  116. lonyl schrieb am 15. Mai 2007 um 18:00 Uhr

    Noch eine kleine Ergänzung zur Rolle der Buchhändler bei der Durchsetzung neuer Autoren bzw. dem Manipulieren der Bestsellerlisten, was ganz oben mal thematisiert wurde:
    Natürlich haben auch Buchändler das große Problem, sich halbjährlich möglichst neben der eigentlichen Arbeit über ca. 45 000 Neuerscheinungen zu informieren, da ist der Reflex, das Bekannte zu suchen und dann zu bestellen naheliegend. Jeder hat dann seine Lieblingsverlage, findet ein besonders schönes Leseexemplar, kauft auch mal einen Riskotitel ein, legt ihn völlig unökonomischerweise auch mal zwischen die Bestseller und empfiehlt ihn bis aufs Blut. Der Erfolg ist gering, aber das ist egal, denn nur in diesen Nischen kann man den Literaturenthusiasmus ausleben, der auch viele Buchhändler immer noch antreibt.
    Auf die Bestenliste schafft es ein solcher Titel natürlich nicht, er kann aber ordentliche Verkaufszahlen bekommen, wenn die so überzeugten Kunden das Buch weiterempfehlen und sich so ein Schneeballeffekt einstellt. Das ist ja fast die einzige Möglichkeit, heute neue Autoren durchzusetzen. Mundzumundpropaganda ist durch keine feuilletonistischen Lobeshymnen und auch keine Werbung zu ersetzen, letztere ist wirklich reine Geldverschwendung, zumindest was die Werbung in Printmedien angeht. Von den Kosten einer einzigen Streifenanzeige in einer deutschen Tageszeitung kann man schätzungsweise zwei oder drei weitere Titel publizieren (auf die dann allerdings erst mal jemand aufmerksam werden muß, eine Zwickmühle).

    So empfehle ich als Buchhändler meine persönlichen Lieblingsbücher, gerne Unbekanntes, Geheimtipps, verkaufen tue ich aber ganz andere Sachen. Oben hat jemand gemeint, ein Harry Potter könne nicht monatelang die Bestenliste anführen, das sei Schiebung. Traurige Wahrheit, er kann jahrelang mehrere Bestenlistenplätze behaupten, der Duden 1 ist IMMER auf der Sachbuch-Bestenliste, weil er sich IMMER, jeden Tag in unvorstellbaren Mengen verkauft (zumindest seit dem Rechtschreibreform-Chaos). Wenn man eigenhändig tausend Harry Potters verkauft hat, kommt man sich schon etwas komisch vor, da andererseits nach einem halben Jahr vom unermüdlich angepriesenen Nachwuchstalent nur drei Exemplare einen Abnehmer gefunden haben.
    Aber eins muß man ganz klar sagen: Ohne Duden und Harry Potter keine Buchhandlungen, keine Verlage, keine veröffentlichten Bücher. Damit muß man leben können.
    Fazit: dont blame the booksellers.

  117. Karl Olsberg schrieb am 15. Mai 2007 um 18:56 Uhr

    Ich hatte mir fest vorgenommen, mich aus dieser Diskussion jetzt rauszuhalten (kostet einfach zuviel Zeit), aber Ionyl veranlasst mich doch noch zu einem Kommentar: Klasse! Endlich mal jemand in dieser Runde, der einen witzig geschriebenen Beitrag (115) liefert – und mal eine neue Sichtweise einbringt (116). Kompliment!

    Den Job als Minister nehme ich übrigens gern an. Und dann führe ich als Erstes lebenlänglichen Kerker bei Wasser und Brot für lernunwillige Autoren ein.

  118. Tom Liehr schrieb am 15. Mai 2007 um 19:09 Uhr

    @Lonyl: Schöne Texte. Bock auf ein Ministerium? Kultur wäre noch frei. Kultur ist ja immer frei. :)

    Als die “Biographien” von Bohlen, Effenberg und einigen anderen Lichtgestalten in monströsen Auflagen auf den Markt gebracht wurden, stöhnten die Autoren laut auf, in deren Häusern diese Bücher erschienen sind. Es gab sogar ernsthaften Widerstand, bis hin zur Vertragskündigung, habe ich jedenfalls gerüchteweise gehört (vielleicht blieb es auch bei den Ankündigungen, sowas geschieht ja häufiger). Da sitzt der Schreiberling in seinem Kämmerchen und zimmert unter Blut, Schweiß, Tränen, Fuselgestank und Zigarettenrauch sprachgewaltige Wunderwerke, und so ein C-Promi kommt daher und fegt mit seinem – häufig nicht einmal selbstverfaßten – Gestammel die Romanciers von den vorderen Plätzen der Bestenlisten. Verkehrte Welt. Okay, dieser Krempel war fast so schnell wieder vergessen, wie er erschien, und wer heute eines dieser Werke bei eBay zu verscheuern sucht, wird auf seinen Auktionsgebühren wohl sitzen bleiben. Aber diese Bücher *haben* sich verkauft, vieltausendfach. Und sie hatten, so oder so, einen positiven Effekt, haben sie doch Geld in die Kassen der Verlage gespült, Geld, das auch dafür genutzt wurde, risikoreichere Veröffentlichungen anzugehen, Autoren aufzubauen, bei denen vorhersehbar war, daß sie von ihren ersten zwei, drei, vier Romanen nicht mehr als jeweils 10.000 Exemplare verkaufen würden, selbst mit fetter Presse nicht. Das stimmt übrigens. Die Feuilletons haben keine Reichweite mehr, und Werbung für Bücher zahlt sich nicht aus, wirtschaftlich gesehen. Das einzige, was wirklich nennenswert Bücher verkauft, ist die knorrige Heidenreich mit ihrer Buchcomedyshow.

    Und Mundpropaganda, auch das ist richtig. Heinz Strunks “Fleisch ist mein Gemüse” war ein echter Spätstarter; das Buch wurde monatelang kaum wahrgenommen und verkaufte sich plötzlich rasant, ohne daß es erkennbare Gründe für diese Spätzündung gegeben hätte. Viele Autoren erobern ohne große Medienpräsenz nach und nach ein wachsendes Stammpublikum, Leute wie Selim Özdogan, Juli Zeh, Karen Duve und viele andere. Sie können das, dieser lange Atem ist möglich, weil es Harry Potter und auch Leute wie Bohlen und Effenberg gibt. Das klingt schaurig, zumal es selten die selben Leute sind, die Effenberg *und* Özdogan kaufen, aber so ist eben der Markt. Nicht nur im Bereich Literatur.

    Übrigens hat das Netz auch seine Wirkung. Es gibt Literaturblogs, die spürbare Marktveränderungen auslösen, und besucherreiche Literaturforen wie die “Büchereule” (www.buechereule.de) sorgen bei Autoren, die dort Leserunden mitmachen, regelmäßig für Verkaufszahlensprünge mindestens bei den Online-Buchhändlern. Dieser Effekt gilt aber nur für Ausnahmeangebote; die meisten literarischen Sites, insbesondere von Autoren und Autorengruppen, haben so gut wie keine Wirkung.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  119. Gerhard Baumann schrieb am 16. Mai 2007 um 17:25 Uhr

    @ lonyl: Ich bin’s gewesen, mit der Bestsellerlisten-Kritik. Und ich habe vorneweg gesagt, dass ich die Buchhändler nicht für ihr Verhalten kritisiere (was nicht gesetzlich verboten ist, ist nun mal erlaubt).

    Auch weil du mir nicht klar widersprochen hast, bleibe ich bei meiner Aussage (Kommentar Nr. 36). Und erweitere sie um die englischsprachigen Harry-Potter-Ausgaben, die sich sehr kurz nach Erscheinen in Großbritannien in deutschen Buchläden stapelten:

    Sicherlich gibt es eine ganze Menge mit Dünkel behafteter Eltern, die den englischen HP gekauft haben, um dann in ihrer Bekanntschaft herumzutrompeten: “Mein kleiner John-Phillipe wollte unbedingt SOFORT den neuen Harry Potter lesen und da musste ich ihm die englische Ausgabe kaufen…” [bah – pfui Deibel] Aber ein Massenphänomen aus sich heraus kann das unmöglich gewesen sein. Da haben die Buchhändler mal wieder den Nachbrenner eingeschaltet und die Bücher in die Listen gehoben, die sie gern verkaufen wollen.

    Bestsellerlisten sind ein Verkaufsinstrument, kein Abbild der Realität. Ich meine, die Buchkäufer sollten das wissen.

    Und hier präsentiere ich euch den wahren Bestseller-König: Helmut Rellergerd! Nie gehört? Er schreibt unter dem Pseudonym ‘Jason Dark’ und ist der Autor der Heftchen-Romane über den ‘Geisterjäger John Sinclair’. Rellergerd ist kein guter Autor und seine Werke sind eine unendliche Abfolge von Variationen seines Ur-Werkes, aber er ist nun mal der meistgelesene und meistverkaufte Schriftsteller Deutschlands. Eine unangenehme Wahrheit, die man am liebsten nicht weiter verbreitet. Oder?

    Und was die Mund-zu-Mund-Propaganda angeht: Träumt sich da jemand die Welt schön? Wenn jemand mir von einem Buch vorschwärmt, dann sage ich: “Ja prima, das Ding musst du mir unbedingt ausleihen, wenn du damit durch bist.” Und wenn ich den Schmöker dann gut finde, empfehle ich ihn natürlich weiter: “Die Manuela hat ein Super-Buch aufgetan, musst du dir von ihr unbedingt ausleihen.” – So sieht Mund-zu-Mund-Propaganda in der Realität aus.

    Der wahre Bringer ist doch das Fernsehen! Zu Zeiten des Literarischen Quartetts hat sich alles verkauft, was Reich-Ranicki in die Kamera gehalten hat (Buchhändler haben mir dies bestätigt). Und zwar unabhängig davon, ob der Dicke ein Buch in den Himmel gehoben oder in die Hölle getreten hat. Die Leute sind am Tag danach in die Läden gerannt. Tom Lier hat sie eben erwähnt: die Rolle des Literatur-Papstes spielt heute Elke Heidenreich. Aber auch Paul Kersten, die Schlaumeier von Kulturzeit und andere TV-Intellektuelle bewegen die Käuferströme.

    Warum sind zu Beginn des neuen Schuljahres die Schulbücher nicht in den Sachbuch-Bestsellerlisten?

    Gruß, G-H-B

  120. H.L schrieb am 16. Mai 2007 um 17:33 Uhr

    Ganz einfach: Weil Schulen immer Bücher benutzen, die mindestens 20 Jahre alt sind. Unser Mathebuch ist von 1981, das Franz von 85.

  121. Klaudia schrieb am 17. Mai 2007 um 11:28 Uhr

    und wegen der lernmittelfreiheit – eine unsitte, sich wichtige bücher aus dem schulbestand ausborgen zu müssen (eben weil das buch wegen seines alters nicht mehr im handel erhältlich ist), nichts darin anstreichen zu können und am ende des jahres möglichst unversehrt wieder zurückgeben zu müssen… ich halte im allgemeinen ja auch nichts davon, bücher unnötig zu “quälen”, aber gerde schul- und unibücher sind zum lernen da! und in der realität wurden die auch eher selten neu gekauft, sondern unter geschwistern oder befreundetetn eltern für die kinder weitergegeben, was einen weiteren grund für mangelnde verkaufszahlen ausmacht.

  122. britta khokhar schrieb am 27. Mai 2007 um 18:57 Uhr

    schreiben ist handwerk,aber wie es wenn jeman shr talent hat und überschüssiger auch sehr viel Phantasie und auch ihren eigenen Stil hat, mit ihren Geschichten gegen den Strom schwimmt, aber sie merkt die Masse mag nur Krimis wie der Tatort oder wie sie in Sat. 1 gezeigt werden, sol sie ihren Stil ändern, abder die Texte werden schlecht. Sie hat Texte in Anthologein veröffentlicht, der Name ist zwar im Literaturmarkt. Aber Geld verdient sie noch kienses damit und sie würde sich nie auf einen Druckkostenerlag einlassen: aber jetzt würde sie gerne wissen. Ob das auch zur Druckostenzuschuss gehört an manchen Anthologien teilzunehmen: Teilnahmebedingung abnahme von fünf exemplaren und wie das im Literaturmarkt bewertet wird

  123. Klaudia schrieb am 28. Mai 2007 um 15:29 Uhr

    Generell wird immer gesagt: Hände weg von Zuschußverlagen. Und Anthologien, bei denen man einer Mindestabnahme zustimmt, sind glaub ich auch nicht wirklich seriös. Ich hab da zwar auch schon mitgemacht, aber man wird ja zum Glück auch schlauer.

    Was sagen die anderen? Herr Tischer? Herr von Eichborn?

  124. Karl Olsberg schrieb am 29. Mai 2007 um 08:50 Uhr

    @Britta: Wenn du zum Preis von fünf Büchern deine Texte gedruckt ins Regal stellen willst, ist das aus meiner Sicht OK. In Punkto Zuschussverlage gibt es Schlimmeres, aber du solltest dich dann auch nicht von den “Herausgebern” der Anthologie zu mehr als der Mindestabnahme “überreden” lassen. Allerdings solltest du nicht glauben, dass dir das in Bezug auf den Literaturmarkt in irgendeiner Weise weiterhilft. Solche “Anthologien” sind als Referenz völlig wertlos, tendenziell sogar eher kontraproduktiv. Mach lieber bei “offziellen” Wettbewerben mit, am besten solchen von angesehenen Magazinen wie dem Buchjournal. Infos über solche Wettbewerbe gibt’s bei http://www.uschtrin.de.

  125. britta khokhar schrieb am 31. Mai 2007 um 16:03 Uhr

    karl vielen ich habe deinen kommentar zu meiner Frage gelsen. das ist auch das erstemal wo ich ich auf eine mindenstabnahme eingelassen habe, und das auch nur weil mir der Text sehr wichtig war. Nicht Geld zu vedienen, sondern geht es um eine Geschichte um einen jungen Mann der unschuldig im Gefänniss sitzt für den hatte ein Seitensprung verheerenden Folgen und auch nur weil ich bei dem Verlag schon in der Matiniee veröffentlicht habe. Die Geschichte von dem jungen Mann war es mir wert. Mehr wie fünf expemplare hätte ich nicht genommen und ich bin auch nicht der Typ wo sich schnell zu was überreden lässt und ich bleibe auf dem Boden der Tatsache. Und ich kenne mich aus auf dem Literaturmarkt
    ich werde die bücher auch nichts ins Regal stellen, eines werde ich dem jungen Mann schicken, eines selber Behalten und drei auf dem Poetyrslam verkaufen wo ich öfters vorlese und die Wettbewerbe von der Website sandra uschtrin kenne ich und ich beteilige mich an etwas zehn Wettbewerbe im Jahr.

  126. britta khokhar schrieb am 31. Mai 2007 um 16:08 Uhr

    claudia ich freue mich über deinen Rat, einmal bin aich an einen bekannten Druckostenzuschussverlag geraten und habe dann nach einigen Monaten das Skript zurück genommen, nur diesmal wie oben geschrieben war mir der Text sehr wichtig und das Thema Randmenschen passte die geschichte vin dem jungen Mann und wenn ich Geld gehabt hätte , hätte ich mehr Exemplare gekauft und in Stuttgart oder Stammheim, Böblingen und Ludwisgburg und Heilbronn verschenkt und Konztanz. In dieser Geschichte ginges mir nicht ums Geld verdienen sonder um Aufmerksamkeit dieses jungen Mann der mein Sohn ist

  127. P.P. schrieb am 22. August 2007 um 00:48 Uhr

    Ich schreibe gerade an meinem ersten Roman und weiß nicht an welchen Verlag ich dann das Manuskript schicken soll. Bitte um irgenwelche Tipps.

  128. DDT schrieb am 20. Oktober 2007 um 10:38 Uhr

    Meine Güte, bin ich froh, k e i n Schriftsteller zu sein. Habe auch mal ein Manuskript verfasst, es niemandem gezeigt und nirgendwo hingeschickt. Wozu auch? Kohle hätte eh nicht rausgeschaut und auf Popularität und Lesungen habe ich keine Lust. Gehe selbst auch nie auf Lesungen und Neuveröffentlichungen oder sog. neue Autoren interessieren mich pauschal überhaupt nicht…

    Es lebe die totale Gleichgültigkeit.

  129. Karl Olsberg schrieb am 20. Oktober 2007 um 11:57 Uhr

    Nanu, DDT, für einen Nicht-Schriftsteller interessierst Du Dich aber verdächtig für die Diskussion ums Veröffentlichtwerden und betonst etwas überdeutlich, was Dich alles NICHT interessiert. So weit her scheint es mit Deiner “totalen Gleichgültigkeit” nicht zu sein.

    Kann es sein, dass Du einfach Angst vor der Zurückweisung Deiner Texte hast? Wenn Du “auch mal ein Manuskript verfasst” hast (ich gehe davon aus, dass Du zumindest eine Rohfassung zuende geschrieben hast), bist Du schon weiter als viele, die sich als “Autoren” bezeichnen. Wer weiß, vielleicht bist Du besser, als Du glaubst? Als Autor muss man lernen, Zurückweisungen als Lerneffekt zu akzeptieren – und darf sie nicht allzu ernst nehmen. Mir hat mal eine namhafte Literaturagentur meinen Vertrag mit den Worten “Wir sind keine Schreibschule” aufgekündigt. Kurz darauf habe ich den Schreibwettbewerb des Buchjournals gewonnen und eine neue Agentur gefunden. Vor kurzem ist mein erster Roman “Das System” veröffentlicht worden und auf Anhieb auf Platz 27 der SPIEGEL-Bestsellerliste Taschenbuch gelandet. Das wäre wohl nicht passiert, wenn ich mein Manuskript “niemandem gezeigt” hätte. Andererseits: Die drei Bücher, die ich vorher geschrieben hatte, sind allesamt abgelehnt worden, und auch “Das System” wurde mehrfach zurückgewiesen.

    Wenn Du Autor sein willst, brauchst Du ein dickes Fell. Und ich wette, tief in Deinem Inneren WILLST Du ein Autor sein! ;-)

    Karl

  130. DDT schrieb am 20. Oktober 2007 um 22:02 Uhr

    Danke für die freundlichen Worte Karl, aber mir gefällt mein Manuskript genau da, wo es jetzt ist, in der Schublade nämlich. Was Neues werde ich wohl auch nicht schreiben, keine Ideen und keine Zeit.

  131. H.L schrieb am 20. Oktober 2007 um 22:36 Uhr

    Jaja, DDT, pass nur auf, dass du weiterhin keine Freunde hast. Dann kann auch niemand deine Werke posthum veröffentlichen, anders als es bei Kafka war.

  132. Cornelia Lotter schrieb am 21. Oktober 2007 um 14:01 Uhr

    Es ist kaum zu glauben! Warum kommt mir da sofort der Gedanke an die sowieso viel zu sauren Trauben? Warum schreibt jemand, der sich weder fürs Veröffentlichen noch für die Gegenwartsliteratur interessiert, einen Kommentar in diesem Forum? (Wie ist er überhaupt auf die Seiten des LC geraten?) Das wäre dasselbe, als wenn in einem Computerforum jemand schreiben würde: nur gut, dass ich keinen Computer habe und immer noch auf meiner mechanischen Schreibmaschine rumhacke! Und mir kann niemand erzählen, dass er die Mühe des Romanschreibens auf sich nimmt, weil er zu viel Platz in seinen Schubladen hat! Ha, ha!! Ich glaube eher, da hat jemand nicht alle Schrauben dran – an den Schubladen!

    @Karl: Herzlichen Glückwunsch zu deinem Erfolg! Die Vermittlung an deine Agentur hat leider nichts gebracht. Aber ich kämpfe weiter, natürlich. Schließlich ziehe ich keinerlei Befriedigung daraus, für meine Schublade zu schreiben…

  133. Rolf Ronck schrieb am 21. Oktober 2007 um 14:19 Uhr

    Vielleicht, liebe Cornelia, ist es bei DDT, wie bei meinem Nachbarn.
    Der hält sich Hühner, obwohl er weder Eier noch Hühnerfleisch isst.
    Er füttert sie und kümmert sich um die Tiere, er verschenkt sowohl die Eier, als auch die schlachtreifen Hühner an seine Nachbarschaft – ganz ohne eigenen Nutzen. Die Kosten, die ihm entstehen, betrachtet er als seinen Einsatz, den sein Hobby von ihm fordert.
    So gesehen, ist ein Manuskript in einer Schublade, nichts außergewöhnliches. Oder?;-)

  134. Gerhard Baumann schrieb am 23. Oktober 2007 um 16:13 Uhr

    Liebe Cornelia Lotter. In meinem Kommentar Nr. 21 habe ich eine Website zum Thema “Alternativen zum Veröffentlichen bei Buchverlagen” angekündigt. Bemerkungen wie die deine sind der Grund dafür, dass ich die Sache erst mal auf Eis gelegt habe. Der Aufwand dafür lohnt sich offensichtlich nicht. Nicht einer meiner auf das Thema bezogenen, sauber formulierten und nachvollziehbaren Argumente in diesem Thread ist aufgegriffen worden, weder in positiver noch in negativer Form. Die Argumente wurden einfach ignoriert, ebenso wie die Konsequenzen, die sich aus dem Ursprung dieser Kommentarreihe (nämlich der Bericht ganz oben) ergeben.

    Die knappe Bemerkung von DDT erscheint mir als der sinnvollste Kommentar von allen! DDT darf tatsächlich froh darüber zu sein, dass er kein Schreiber ist (selbst wenn er tief in seinem Inneren ein Autor sein will).

    Allein in Deutschland gibt es zur Zeit wohl mehrere tausend Menschen, die sich mächtig zur Schriftstellerei berufen fühlen, intensiv am Autoren-Dasein arbeiten und damit ihr Leben verschwenden. Wie viele es europaweit oder weltweit sind oder es im Verlauf der letzten Jahrzehnte gewesen sind, kann man gar nicht abschätzen.

    Schon etwas schockierend die Überlegung, wie viele Zehntausend Manuskripte in den letzten Jahren nach dem Tod des Autors von den Angehörigen in den Altpapier-Container geworfen wurden und wie viele Zehntausend Manuskripte in den nächsten Jahren dort entsorgt werden. Nicht unbedingt wegen des Verlustes der literarischen Werke ist es traurig, sondern wegen der verschwendeten Lebensleistung der Literaten.

    Hier ein Ad-On zum ursprünglichen Bericht dieser Kommentarreihe:

    Aus einem Interview mit Daniel Keel, Gründer und Verleger des DIOGENES-Verlages – Spiegel Nr. 40/2007, Seite 186

    Daniel Keel: …wir kriegen jeden Tag einen Stoß von unverlangten Manuskripten. Im Jahr etwa 3000.

    Spiegel: Wie oft wird davon etwas ins Programm genommen?

    Daniel Keel: Im Schnitt bleibt alle drei Jahre eins hängen. Eins von 9000 wird also gedruckt.

    Ich könnte mir vorstellen, dass du, liebe Cornelia, auch diese unangenehme Information ignorierst. Die Hoffnung stirbst zuletzt – bei allen Träumern. Vielleicht aber schöpfst du sogar Hoffnung aus dieser Zahl und glaubst, eine Quote von 1:9000 wäre nicht so schlecht – schließlich gibt es ja viele Verlage und wenn du deine Manuskripte an 100 Verlage schickst, stehen die Chancen ja 1 zu 90!

    Sehr wahrscheinlich wirst du es irgendwann einmal zu einer Veröffentlichung bei einem Verlag bringen, Cornelia. Und was hast du damit gewonnen? Ein bescheidenes Büchlein in kleiner Auflage in einer Flut von Publikationen! Die Chance, dass es NICHT nach dem ersten Jahr aus dem Verlagsprogramm genommen wird, ist nochmals sehr viel geringer als die einer Erstveröffentlichung.

    Gruß, G-H-B

  135. Karl Olsberg schrieb am 23. Oktober 2007 um 18:11 Uhr

    Lieber Gerhard, was für ein gruseliger Kommentar! Warum machen wir nicht alle rituellen Selbstmord? Im Ernst: Wer nur schreibt, weil er unbedingt veröffentlicht werden will, macht etwas ganz falsch. Schreiben muss in sich selbst erfüllend sein, nur dann hat man die Kraft und das Durchhaltevermögen, es so weit zu entwickeln, dass man überhaupt veröffentlicht werden kann. Für mich ist Schreiben wie Lesen, nur zehnmal so intensiv die tiefgreifendste Erfahrung außerhalb der Realität, die es gibt. Ich werde garantiert nicht mehr damit aufhören, egal, ob irgendjemand meine Bücher lesen will. Im Übrigen ist das unverlangte Einsenden von Manuskripten an 100 Verlage ebenso garantiert zum Scheitern verurteilt wie das Schreiben eines persönlichen Briefs an George Bush mit der Bitte, er möge endlich Vernunft annehmen.

    Mein Tipp: 1. An allen relevanten Schreibwettbewerben teilnehmen (siehe http://www.uschtrin.de) und seinen Stil solange verbessern, bis man unter die Top 20 kommt (im Unterschied zu Verlagen wollen die Jurys solcher Wettbewerbe Manuskripte tatsächlich lesen). Dazu gehört vor allem üben, üben, üben. Feedback von ehrlichen Freunden, Schreibgruppen etc. hilft. 2. Mit einem Top20-Ergebnis in der Tasche an eine seriöse Literaturagentur wenden (seriös sind alle Agenturen, die weder Manuskriptprüfungsgebühren noch kostenpflichtige Lektoratsleistungen verlangen und nur auf Erfolgsbasis arbeiten, Liste ebenfalls bei Sandra Uschtrin). Das hat jedenfalls bei mir funktioniert.

    Allen, die die Hoffnung nicht aufgeben, viel Erfolg!

    Karl

  136. Gerhard Baumann schrieb am 26. Oktober 2007 um 13:41 Uhr

    Lieber Karl. Die Sache wiederholt sich. Ich liefere ein Argument (Manuskripte im Altpapier), du benotest es mit dem Prädikat ‘gruselig’, machst eine scherzhafte Bemerkung und umgehst auf diese Weise eine unangenehme Wahrheit.

    Bestimmt nehme ich dir dies nicht übel, denn ich bin abgehärtet. Andere Kommentatoren haben mir andere Anmerkungen quittiert, indem sie die Worte Sarkasmus, Neid und Verbitterung verwendeten. Mit ‘gruselig’ liegst du auch nicht ganz falsch, denn besonders die älteren unter den unveröffentlichten Autoren, die spüren, dass ihnen langsam die Zeit davonläuft, mögen meine Direktheit vielleicht sogar als brutal empfinden. Aber wenn ich einige junge Autoren davor bewahren kann, ihr Leben einer sinnlosen Sache zu opfern, dann nehme ich dies eben in Kauf.

    Die Wahrheit ist:

    Neben den einigen zehntausend Möchtegern-Schriftstellern, die das Schreiben als nettes Hobby begreifen, die ab und zu mal etwas einem Verlag anbieten und nicht mehr davon erwarten, als ein klein wenig näher dran zu sein am literarischen Geschehen als der ‘gewöhnliche’ Leser, gibt es einige tausend ‘Intensiv-Autoren’, die sich dem Wahn hingeben, dass sich ihre jahrelange Arbeit irgendwann einmal auszahlen wird.

    Aber: NUR EIN MIKROSKOPISCH KLEINER TEIL ALLER GESCHRIEBENEN LITERATUR WIRD VERÖFFENTLICHT. Der Rest landet auf dem Müll, früher oder später. Und veröffentlicht werden nicht unbedingt die Highlights!

    Von dem Wenigen, was veröffentlicht wird, findet wiederum nur ein sehr kleiner Teil in nennenswertem Umfang den Weg in die Buchhandlung und damit BEACHTUNG beim Leser. Der größte Teil wird verramscht, makuliert und eingestampft.

    Und das ja auch sein Gutes: Weil mit wenigen Ausnahmen praktisch alle veröffentlichten deutschen Autoren nur eine Saison erblühen, darf sozusagen ‘jeder mal ran’. Man muss es nur lange genug (bitte mit Jahrzehnten rechnen) immer wieder versuchen.

    Ich bin erstaunt, dass Autoren so verbissen an ihrer Traumwelt festhalten, in der Pfeife schmauchende Lektoren wohlwollend Manuskripte prüfen. Es ist doch niemandem damit geholfen, in einer Scheinwelt zu leben.

    Du meinst, es wäre nicht so wichtig, veröffentlicht zu werden, Karl? Das Schreiben soll in sich selbst erfüllend sein? Mit der Meinung stehst du aber alleine da. Im Kommentar Nr. 8 habe ich mich gegenteilig geäußert, Cornelia hat im Kommentar Nr. 78 gar von Verzweiflung geschrieben, das Veröffentlichtwerden ist Thema dieser Kommentarreihe und der mächtige Rummel hier im Mai d.J. zeigt deutlich, wie wichtig es den Schreibern ist.

    Und wenn wir hier unsere Statements posten, dann geht für die Formulierung eines jeden Kommentars doch gerne mal eine halbe Stunde drauf. Diese Zeit investieren wir doch nicht, um uns gegenseitig eine Freude zu machen. Wir basteln an unseren Kommentaren für die ‘Veröffentlichung’ in diesem Thread. Mit der Hoffnung, dass viele Leute sie lesen. Das Veröffentlichen IST wichtig.

    Eigentlich ist es sehr einfach, das Selbstgeschriebene zu veröffentlichen: Den geschrieben Text schön formatieren, als PDF-Dokument ‘ausdrucken’ und die Datei z.B. bei http://www.doktus.de und/oder http://www.scribd.com einstellen.

    Für diesen und ähnliche Vorschläge habe ich nicht nur hier im literaturcafe.de Unverständnis erfahren, sondern auch im persönlichen Gespräch. Und ich habe mir die Mühe gemacht, zu ergründen, warum die Leute so eifersüchtig über ihre Texte wachen und sie nur ‘richtigen Verlagen’ anvertrauen wollen (die Domain schreibgeil.de ist zu genial, um sie verfallen zu lassen, irgendwann schalte ich sie mal auf).

    Die Gründe sind vielfältig: Die (irreale) Hoffnung auf Geld spielt natürlich eine Rolle. Ebenso die Eitelkeit, als richtiger Autor eines renommierten Verlags im Bekanntenkreis auftrumpfen zu können. Dann eine traditionelle oder konservative Vorstellung bezüglich der Veröffentlichung (“ein Buch aus Papier soll es sein”). Ebenso die Befürchtung, das Selbstgeschriebene zu entwerten, wenn man es ‘einfach so hergibt’.

    Aber ist es nicht sinnvoller, seine Texte ins Netz zu stellen, statt sie sang- und klanglos untergehen zu lassen? Ich habe den Traum von einer e-Book-Kultur. Ich weiss, dass es ohne geeignete Hardware nichts wird. Und ich befürchte, dass nicht genug Material zur Verfügung steht, wenn die Displays eines Tages die Qualität von bedrucktem Papier haben.

    Gruß, G-H-B

  137. Cornelia Lotter schrieb am 26. Oktober 2007 um 16:58 Uhr

    Werter Herr Baumann, nun muss ich mich doch noch einmal einschalten, weil es mir nicht gefällt, wie Sie mich und andere in die Nähe von grenzdebilen Idioten rücken, die einfach die Hoffnung nicht aufgeben wollen. Eine kleine Geschichte dazu. Vor ca. 4 Jahren nahm ich für ein Semester an einem der UNI angegliederten und von einem bekannten Lyriker geleiteten Schreibseminar (oder wie immer Sie das nennen würden) teil, einmal pro Monat traf man sich, um 10 Minuten aus seinen Sachen vorzulesen. Dann wurde darüber diskutiert, nur der Schreiber selbst durfte sich nicht äußern. Seither habe es drei Leute aus dieser doch eher kleinen Runde (meist ca. 7-10) zu einem oder mittlerweile mehreren Büchern in großen Verlagen gebracht. (DTV, Piper, C.H.Beck) Zwei waren sogar in Klagenfurt. Wie geht das mit Ihren merkwürdigen Berechnungen bzw. Demotivationsbehauptungen zusammen? Sagen Sie nun bloß nicht, nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung hätte ich nun überhaupt keine Chance mehr! Ich werde weiterschreiben und vielleicht ist es der 7. oder 8. Roman, der einen Verlag findet. Solange es mir soviel Spaß macht wie Karl Olsberg, finde ich die Zeit nicht schlechter angelegt als auf dem Sofa zu liegen und den Schwachsinn im Fernsehen zu verfolgen. Im übrigen zeigen mir die Antworten der Verlage sowie diverse Erfolge bei Wettbewerben (s.o.), dass meine Hoffnung durchaus berechtigt zu sein scheint. In diesem Sinne viele Grüße von Cornelia.

  138. britta khokhar schrieb am 26. Oktober 2007 um 17:07 Uhr

    Es ist für eine autor wichtig zu veröffentlichen unds möglichs auch damit verdienen und auch wichtig über den literaturmarkt informiert zu sein. Schreiben ist heute nicht nur schreiben und träumen sondern harte arbeit. Man sollte möglichst auch kaufmännische grundkenntnisse haben. Man verkauft was man geschrieben hat. Heute Autorin zu sein ist harte Arbeit, es gehört mehr dazu wie nur schreiben können.

    Mit freundlichen Grüssen

  139. Gerhard Baumann schrieb am 26. Oktober 2007 um 18:04 Uhr

    Liebe Cornelia

    Drei von 7-10 Autoren sind bei den genannten großen Verlagen unter gekommen? Mit zum Teil mehreren Büchern? Das sind ja über 30 Prozent ! Und die anderen hoffentlich bei kleineren Verlagen? Dann haben wir ja fast Vollbeschäftigung in der Autorenschaft.

    Okay, mit meiner Website werde ich noch ein wenig länger warten ;-)

    Die Bemerkung mit den ‘grenzdebilen Idioten’ ist sehr unsachlich. Eine solche Unterstellung habe ich hier nicht erwartet. Sollte ich fehlerhaft argumentiert haben, nehme ich jede fundierte Korrektur gerne zur Kenntnis.

    Gruß, G-H-B

  140. H.L schrieb am 26. Oktober 2007 um 21:09 Uhr

    Baumann, Sie lernen es nie. Wenn man nur schreibt, um veröffentlicht zu werden, dann ist man kein Autor. Dann muss man sich auch zum Schreiben zwingen, anstatt ein innerliches Schreibbedürfnis zu haben. Ohne dieses ist man einfach kein echter Künstler, sondern nur ein Amateur (und sinnloser Masochist, da man seine Zeit für etwas aufwendet, was man gar nicht gerne macht).
    Echten Künstler ist es wichtiger, mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein, und das auszudrücken, was sie ausdrücken wollen. Sie haben einen”echten” Beruf (wieviele Ärzte und Juristen es doch unter den Klassikern gibt) und opfern den Grossteils ihres Privatlebens. Sie leiden für ihre Kunst (nicht für ihre Berühmtheit) und haben auch etwas zu sagen.
    Bezeichnen Sie das ruhig als Romantik. Doch sehen Sie sich mal die Biografien der meisten Klassiker an.

  141. J.H. schrieb am 6. Juni 2008 um 09:11 Uhr

    Ich finde den Tipp, dass man viel lesen soll, gut…
    Ich gehe noch zur Schule und ich finde es ziemlich schlimm, wie die deutsche Sprache ignoriert und durch Abkürzungen oder ähnliches verunstaltet wird! Dadurch das ich viel lese habe ich einen viel größeren Wortschatz als die anderen. Ich kann mich besser ausdrücken und das ist ein echter Vorteil, vor allem im Deutschunterricht…
    Dieses Jahr habe ich beim Jugendliteraturwettbewerb der OVAG mitgemacht und ich hoffe, dass meine Geschichte veröffentlicht wird – darauf wäre ich wirklich stolz! Falls es aber nicht klappt, ist es auch nicht so schlimm, ich muss ja sowieso erst noch ein paar Jahre zur Schule gehen, bevor ich Schriftstellerin werden kann…
    Danke für die Tipps!

  142. teccla schrieb am 28. Oktober 2011 um 17:14 Uhr

    Ich schreibe, weil ich schreiben muss. Meine Geschichten sind meine Babys. Rum und Ehre sind nicht das Ziel. Es freut mich wahnsinnig, wenn Leute (die ich nicht kenne) etwas von mir lesen und ich bekomme Mails “ich konnte nicht aufhören, habe mir die ganze Nacht um die Ohren geschlagen” oder “mein Sohn will immer, wenn wir ins Auto steigen, deinen Pepi (Kinderlied zum Osterfest) hören, obwohl Ostern schon so lange vorbei ist”. DAS ist mein Lohn! Ich veröffentliche bei BOD und was mich ärgert sind die hohen Preise für den Handel, die viele Käufer abschrecken. Nein, ich kann von der Schreiberei nicht leben. Ich zähle mich nicht zu Literaten, ich unterhalte und versuche dabei Werte zu übermitteln, etwas Lebenserfahrung und ganz viel Spannung. Dabei bringt mir das Spiel mit dem Wort Erfüllung. Erfolg und Verlag? Nein, ich bettel nicht. Wenn jemand auf meine Schreibe aufmerksam wird, dann soll es so sein. Mit jedem Buch, das ich selbst von A bis Z mache, inklusive Grafiken, Cover usw. lerne ich dazu. Mit dem nächsten Buch gehe ich seit 4 Jahren schwanger… jetzt ist es soweit. Es wird meine Erlebnisse aus 5 Jahren Leben und K(r)ampf in Madagaskar erzählen. Im Schreibling-Forum der Brigitte zählt der Counter für meine tagebuchartigen Berichte mehrere tausend Klicks, dabei war das eine Neuauflage, den alten Thread mit über 25.000 Klicks ließ ich löschen, da ich bedroht wurde und man meine offenen Worte benutzen wollte, um mein Visum anzufechten. Warum 3 -4 Jahre bis zum wirklichen Beginn des Buches? Ich musste selbst einiges verdauen und manches muss einfach im Kopf reifen.
    Also nehmt euren Ruhm nicht so wichtig, der kommt, wenn die Zeit reif ist oder nie. Es gibt viele Möglichkeiten gerade durch das Internet Feedback zu bekommen und weiter zu lernen. Es gibt viele Foren, in denen Schriftsteller und Autoren gern Hilfestellung leisten. Jetzt gibt es auch noch die Möglichkeit das eigene Buch als pdf zu veröffentlichen und damit auch eigenes Geld zu verdienen und das ganz ohne Verlag. Also was soll die Jammerei? Vito an Sie die Worte: Ihre Haltung verstehe ich , Ihre Argumente und deren Widersprüche auch, aber Ihren Ton, an dem könnten Sie noch etwas arbeiten.
    Der Weg ist das Ziel !
    Mit Grüssen
    Angela Wittkowski (A. Annecke)

  143. Nadine1978 schrieb am 25. Februar 2012 um 14:48 Uhr

    Auch wenn diese Diskussion schon ein paar Jahre alt ist, möchte ich noch einen Kommentar loswerden, und zwar folgenden: Gerhard Baumann hat unter Punkt 134 vollkommen recht.

    Ich selbst arbeite seit genau 5 Jahren als Gutachterin für einen großen Verlag. D. h. ich kämpfe mich nicht durch die
    vielen unverlangt eingesandten Manuskripte, die das Lektorat überschwemmen, sondern nur durch ausgewählte, von renommierten Literaturagenturen Werke. Von den Romanen, die ich bisher begutachtet habe (die meisten fand ich gut), wurden nur zwei veröffentlicht.

    Vor kurzem habe ich “meinen” Verlag selbst auf ein interessantes Werk aufmerksam gemacht, das m. E. nahezu perfekt ins Programm passen würde. Der Vorschlag wurde abgelehnt mit der Begründung, das sei “hochinteressant, aber zu speziell”.

    Die Aussichten für unbekannte Autoren sind extrem schlecht. Der vernünftigste Tip wäre wohl: Leute, laßt es bleiben!

    Wer es dennoch versuchen möchte, sollte sich gründlich überlegen, wieviel Zeit und Herzblut er oder sie investieren will.

    Es geht mir nicht darum, Leuten das Schreiben zu verleiden – im Gegenteil, es ist eine schöne Tätigkeit, und wenn die eigenen Geisteskinder UNBEDINGT veröffentlicht werden müssen, dann gibt es dafür zahlreiche Möglichkeiten – z. B. die mittlerweile
    zahlreichen Books on Demand-Verlage oder Plattformen für E-Bücher wie bookrix oder triboox. Und “bloggen” kann auch jeder.

    Abraten möchte ich nur von zwei Dingen:

    1. Der Veröffentlichung bei einem der sündteuren DKZ-Verlage, die nichts bringt außer einem gewaltigen finanziellen Aderlaß.

    2. Der Verlagssuche bis zum St. Nimmerleinstag. Wer bis ans Ende seiner Tage darum ringt, bei einem großen Verlag unterzukommen,verschwendet wertvolle Lebenszeit, die er sinnvoller verbringen könnte. Was soll das selbstquälerische Festhalten an aussichtslosen
    Dingen??? Wenn du merkst, daß du ein totes Pferd reitest, steig ab!

  144. Peter Hakenjos schrieb am 3. April 2013 um 11:39 Uhr

    Ich finde den Beitrag wirklich “nett”. Die wahre Krux für Nobodys wie mich, die im Unterschied zu mir schreiben können (hohohoho), liegt darin, dass die Verlage keine qualifizierten Lektoren im Vorlektorat beschäftigen wollen.” Können” wäe kein finanzielles Problem Hier fehlt nur die Phantasie der Verlagsleitungen. (Sollte meine lästerliche Bemerkung einen Verlagsmenschen interessieren, mir eine Mähl schreiben :-)
    Die erste Unternehmensberatung durch mich wäre kostenlos :-)

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