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Beitrag vom 28. April 2015 | Rubrik: E-Books, Self-Publishing

Attacke auf Amazon: Tolino startet Self-Publishing-Plattform

Screenshot der Tolino-Media-Website

Tolino Media ist am 28. April 2015 mit einer eigenen Self-Publishing-Plattform online gegangen. Selbstverleger können nun E-Books in den wichtigsten deutschen Online-Shops wie hugendubel.de, thalia.de, weltbild.de oder ebook.de direkt veröffentlichen und von 70% Tantieme profitieren.

Existiert nun endlich eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Amazon?

Die Tolino-Plattform, das sind in diesem Fall die Shops der beteiligen Partner wie:

  • thalia.de
  • hugendubel.de
  • weltbild.de
  • ebook.de
  • buch.de
  • buecher.de

Über den Partner Libri (ebook.de) sind die Titel somit auch in den Online-Shops vieler kleinerer Buchhandlungen gelistet. Hinzu kommen noch weitere angeschlossene Shops wie beispielsweise der von otto.de. [Nachtrag/Korrektur: ebook.de ist zwar eine 100%ige Tochter des Buchgroßhändlers Libri, die digitale Bestellabwicklung über die Buchhandlungen wird jedoch nicht von ebook.de, sondern von Libri selbst durchgeführt. Die angeschlossenen Buchhandungen sind auf der Libri-Website »meineBUCHhandlung« verzeichnet. Nachtrag II: Wie buchreport.de am 6. Mai 2015 meldet, wird ebook.de zum 1. Juli 2015 kein 100%iges Tochterunternehmen von Libri mehr sein. Dann übernimmt Hugendubel die Hauptanteile an ebook.de.]

Je nach Umfrage und Erhebung liegt der Marktanteil dieser deutschen Shops beim E-Book-Verkauf bei über 50%.

Auf dem Self-Publishing-Markt ist jedoch Amazon schnell zum Marktführer geworden. Zusammen mit dem Kindle-Gerät startete Amazon im Jahre 2011 die Self-Publishing-Plattform KDP. Wer dazu in der Lage war, sein Manuskript einigermaßen sauber mit Word aufzubereiten und ein ansprechendes Cover zu entwerfen, konnte sein Werk direkt auf der Plattform des US-Anbieters veröffentlichen.

Die günstigen Titel der Selbstverleger sind seither bei den Lesern oft beliebter als entsprechende Verlagstitel.

Hardwareseitig formte sich 2013 eine Allianz der großen deutschen Buchketten und Online-Händler wie Hugendubel, Thalia, Weltbild und Bertelsmann. Zusammen mit der Telekom entwickelte man den Tolino Reader. Der den Amazon-Geräten ebenbürtige Tolino eroberte rasch entsprechende Marktanteile und ist bei Lesern beliebt, die ihre E-Books nicht beim US-Anbieter erwerben wollte. In einer von Tolino in Auftrag gegebenen Umfrage lag Tolino bei den E-Book-Verkäufen im Herbst 2014 sogar vor Amazon.

Doch Self-Publisher hatten bislang keinen direkten Zugang zum Tolino. Dieser war nur über Distributoren wie Neobooks, BookRix oder Xinxii möglich, die für diese Dienstleistungen ihrerseits einen Teil der Autorentantieme abhaben wollten. Die dort angepriesenen 70% Autorenhonorar waren eben oft nur 70% von 70% und nicht der volle Betrag, wie man ihn bei Amazon direkt bekommt.

Mit Tolino Media wird alles anders

Doch nun wird alles anders.

Der Upload bei tolino-media.de verläuft ähnlich unkompliziert wie bei Amazon: Neben den Daten zum Buch und zum Autor lädt man eine Covergrafik und das Manuskript hoch. Letzteres kann als Word-Datei oder bereits als fertig konvertierte EPUB-Datei hochgeladen werden. Wer sich mit der EPUB-Erstellung z. B. mittels des kostenlosen Programms Calibre auskennt, sollte diesen Weg bevorzugen, da man so mehr Kontrolle über das Aussehen des E-Books hat.

Als Besonderheit bietet Tolino einen Online-Editor nach dem Upload einer Word-Datei an. Kleine Unsauberkeiten im Text können so direkt vor dem Veröffentlichen noch verbessert werden.

Tolino verspricht, dass hochgeladene E-Books spätestens 24 Stunden später in den Partner-Shops gelistet sind.

Was die Preisgestaltung und Tantiemen betrifft, so gibt es gegenüber Amazon durchaus interessante Unterschiede:

  • Bei Tolino kann der Verkaufspreis schon bei 49 Cent beginnen. Bei Amazon sind es 99 Cent.
  • Die 70% Autorentantieme, die der Autor vom Nettopreis erhält (Verkaufspreis minus 19% Mehrwertsteuer) gelten bei Tolino immer. Bei Amazon bekommt der Autor 70% vom Nettopreis nur bei einem Ladenpreis zwischen 2,99 und 9,99 Euro. Darüber und darunter sind es bei Amazon nur 35%.
    Mit anderen Worten: Für einen Titel mit einem Preis von 2,49 Euro erhält ein Autor bei Tolino Media 1,46 Euro, bei Amazon hingegen nur 73 Cent.
  • Tolino zieht keine digitale Versandpauschale für die Buchdatei ab. Amazon reduziert die Tantieme um 12 Cent pro Megabyte.

Allerdings begrenzt Tolino in seinen Bedingungen die 70% Tantieme zunächst bis zum 31. Januar 2016. Wieviel Geld Autorinnen und Autoren danach erhalten, steht noch in den Sternen.

Wie bei Amazon ist es bei Tolino möglich, den Titel für einen begrenzten Zeitraum kostenlos anzubieten oder das E-Book günstiger zu verkaufen (Preisaktionen).

Ansonsten – so Thomas Forstpointner, Director Tolino Publishing, im Gespräch mit dem literaturcafe.de – plane man für die Zukunft Erweiterungen. Eine Exklusivität verlangt Tolino nicht: Man kann als Self-Publisher den Titel jederzeit wieder von der Plattform nehmen, denn es gibt keine lange Vertragsbindung.

Ebenso können auf tolino-media.de Titel vorab angekündigt und eingestellt werden, die dann zu einem späteren Zeitpunkt online gehen.

Aufpassen sollte man jedoch, dass man sein Manuskript wirklich fertig und korrekt formatiert einstellt. Zwar können auch auf der Tolino-Plattform jederzeit sämtliche Daten und Buchinhalte geändert werden, doch derzeit existiert für den Tolino noch keine Aktualisierungslogik. Käufer erhalten immer das E-Book in der Version, die es beim Kauf hatte. Auf spätere Aktualisierungen hat der Tolino-Kunde derzeit keinen Zugriff. Dieses Defizit liegt an der Tolino-Plattform, wirkt sich jedoch bei Self-Publishern gravierender aus, die in der Regel ihre Titel öfters aktualisieren.

Selbstverständlich liefert Tolino Media auch Verkaufsstatistiken. Aufgrund der Vielzahl der belieferten Shops sind diese tagesaktuell. Interessant ist, dass genau ausgewiesen wird, welcher Titel über welchen Online-Shop verkauft wurde.

Fazit: Wie wichtig ist Tolino-Media?

Umfragen zeigen, dass auf dem deutschen Markt das Gros der E-Book-Verkäufe über Amazon und Tolino getätigt wird. Speziell Autorinnen und Autoren, die an ihrer Gewinnmaximierung interessiert sind, können nun beide Kanäle selbst bestücken und erhalten so die beste Tantiemenauszahlung.

Der Upload und die Veröffentlichung laufen bei Tolino ähnlich unkompliziert wie bei Amazon. Dass es zum Start an der ein oder anderen Stelle noch haken könnte, ist normal.

Wer jedoch den Gesamtmarkt erreichen und auch im Apple-Store und bei Google vertreten sein will, kommt nach wie vor um einen Distributor nicht herum. Neobooks werden ihre Plattform demnächst runderneuern und haben bereits angekündigt, dass man Amazon und Tolino als Vertriebswege ausnehmen kann, sodass vom Distributor nur der Restkuchen beliefert wird.

Je mehr Plattformen vom Autor selbst bestückt werden, desto größer ist jedoch auch die Gefahr, gegen die Preisbindung zu verstoßen. Wer beispielsweise sein Buch bei Amazon anbietet, muss dafür Sorge tragen, dass es auch via Tolino zum gleichen Preis erhältlich ist. So wäre beispielsweise ein exklusiver Einführungspreis nur auf der Tolino-Plattform nicht zulässig. Vorsichtig sollten auch Autoren sein, die ihren Titel bei Amazons KDP Select angemeldet haben. Amazon verlangt hier mindestens 90 Tage Exklusivität. Bevor man dieses Werk bei Tolino einstellt, muss der Titel beim KDP-Select-Programm abgemeldet werden.

Interview mit Thomas Forstpointner

Thomas Forstpointner, Director Tolino Publishing

Sehen Sie hier ein Interview mit dem Director Tolino Publishing, Thomas Forstpointner, über die neue Self-Publishng-Plattform.

2 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Annemarie Nikolaus schrieb am 29. April 2015 um 11:39 Uhr

    Es ist nicht richtig, dass man immer noch einen Distributor braucht, wenn man die großen internationalen Plattformen bestücken will.
    Sowohl Google Play, Kobo und Barnes6Noble haben Selfpublishing-Plattformen, die genauso einfach funktionieren wie Amazon (und Tolino).
    Auch der apple-store kann direkt beliefert werden; nur derzeit noch mit der Hürde, dass man zumindest einen virtuellen Mac braucht.

    Tolino ist übrigens nicht ganz trivial. Die Mindestbreite für Cover ist größer als man es bisher allgemein gewohnt war bzw. die Distributoren es forderten; gleichzeitig ist die Dateigröße für den Upload begrenzt.

  2. Annina Boger schrieb am 30. April 2015 um 16:40 Uhr

    Danke für diesen ausführlichen Beitrag mit den Besonderheiten der jeweiligen Vertreiber. Wer weltweit E-Books publizieren möchte, ist mit Amazon und dessen eigenen Ländershops weiterhin sehr gut bedient. Sofern er seine Werke nicht im KDP-Select-Programm angemeldet hat, kann er diese parallel zu Tolino einstellen, und profitiert so von den Vorteilen beider (und eventuell weiterer) Distributoren. Vielen Dank auch an Tolino für diese erweiterte Möglichkeit!
    Annina Boger

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