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Willms’ Woche: Dem großartigen Saul Bellow gewidmet

Leider darf Saul Bellow seinen 93. Geburtstag nicht mehr mit uns feiern. Da der Nobelpreisträger aber noch immer unbestritten zu den Größten der amerikanischen Literaturszene zählt, erinnern wir an dieser Stelle mit einer kurzen Biografie an sein bewegtes Leben.

Saul Bellow wurde am 10. Juli 1915 im kanadischen Lachine, einem verarmten Arbeitervorort von Montreal in Quebec geboren. Seine Eltern waren zwei Jahre zuvor aus Russland eingewandert, wo der Vater in St. Petersburg ein kleines Importgeschäft betrieben hatte. Saul Bellow war das jüngste von 4 Geschwistern, mit denen er die ersten 9 Jahre seines Lebens in einem Armenviertel wohnte, das zu dieser Zeit vielen jüdischen Einwanderern Zuflucht bot. Seine Eltern hätten es gerne gesehen, wenn er Schriftgelehrter geworden wäre, und so lernte er neben Englisch und Französisch auch Hebräisch und Jiddisch.

»Verzweiflung und Affirmation sind auch Teil von Bellows geistigem Erbe, ebenso wie die Fähigkeit zu selbstironisierender Distanz. Der Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland, aufgewachsen in einem Armenviertel in Montreal, orthodox erzogen, sollte Schriftgelehrter werden. Er lernte Hebräisch, sprach zuhause jiddisch, übersetzte daraus. Das groteske Element, die Tragikomödie des Judentums, [ist] auch in Bellows Werk [integriert].« (Martin Christadler: Amerikanische Literatur der Gegenwart in Einzeldarstellungen, 1973)

Integriert ist Bellows Herkunft vor allem in seinem Hauptwerk »Herzog«, in dem sich, wenn auch leicht abgewandelt, sehr viele Parallelen zur Biografie des Autors finden, so dass man sagen kann, dass das Umfeld, in dem er aufwuchs, besonders prägend für ihn gewesen sein muss:

»Die Besonderheit des Romans bildet Herzogs jüdische Herkunft. Er ist besessen von der Erinnerung an seine Kindheit in Chicago in dem Milieu armer jüdischer Einwanderer. Immer wieder muss Herzog sich seinen Gesprächspartnern gegenüber entschuldigen, dass er so oft auf dieses Thema zurückkomme, sodass es den Augenschein hat, Bellow wollte sich selbst damit entschuldigen.« (Franz Link: Amerikanische Erzähler seit 1950. Themen Inhalte Formen, 1993)

Im Jahre 1924 zog die Familie in die Stadt, die Bellow Zeit seines Lebens als seine Heimat betrachten sollte: Chicago. Dort begann er 9 Jahre später ein Studium, das er 1937 mit dem Bachelor of Science in Anthropologie und Soziologie abschloss. Zwar erhielt er anschließend ein Stipendium, doch entwickelte sich Saul Bellows wissenschaftliche Ausbildung nicht nach Plan, zum einem, weil er bei der Arbeit an seiner Dissertation sein schriftstellerisches Talent entdeckte, dass das den wissenschaftlichen Aufsatz immer wieder zu einer Geschichte werden ließ. Zum anderen verliebte er sich und heiratete. Wenig später kehrte er jedoch an die Hochschule zurück; er war Zeit seines Lebens der Auffassung, dass die Arbeit als Dozent und die als Schriftsteller eine optimale Kombination darstellen. Während des 2. Weltkriegs diente Bellow in der Handelsmarine und unterrichtete neben einigen Europareisen, die er in dieser Zeit unternahm, in Minnesota, Princeton, New York und Puerto Rico, bis er schließlich 1961 nach Chicago zurückkehrte, um dort als Professor in den Ausschuss für soziales Denken berufen zu werden. Bis dato hatten ihm bereits mehrere Hochschulen die Ehrendoktorwürde verliehen.

Seinen endgültigen literarischen Durchbruch feierte Bellow mit den Romanen »Herzog« und »Mr. Sammlers Planet«. Die größte Ehre wurde Saul Bellow wohl durch die Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahre 1976 zuteil, mit der vor allem die Auseinandersetzung mit der Menschlichkeit in seinem Werk ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus wurden seine Texte mit vielen hochrangigen nationalen und internationalen Literatur- und  Buchpreisen geehrt.

Saul Bellow war insgesamt fünfmal verheiratet und hinterließ nach seinem Tod am 5. April 2005 vier Kinder.

Saul Bellow; Walter Hasenclever: Herzog. SPIEGEL-Edition Band 13. Gebundene Ausgabe. 2006. Spiegel-Verlag. ISBN/EAN: 9783877630136. 12,90 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel

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