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Willms Woche: Schlägertypen, arme Schlucker und mögliche Trendsetter

»Wenn ich zu einem seiner Manuskripte Vorschläge machte, war er für gewöhnlich sehr nett und sagte ‘Ja, da werde ich drüber nachdenken.’ Später würde ich dann feststellen, dass er keine meiner Ideen umgesetzt hatte.« Nicht nur im Umgang mit seinem Verleger Jason Epstein zeigte der New Yorker Norman Mailer, dass er seinen eigenen Kopf hatte. Der zweifache Pulitzer-Preisträger war wohl kein großer Freund von Kritik. Auf einer Dinnerparty schüttete der passionierte Boxer Mailer seinem Schriftsteller-Kollegen Gore Vidal zunächst Whisky ins Gesicht, schlug ihm anschließend auf den Kopf und versetzte ihm zum krönenden Abschluss noch einen Fausthieb auf den Mund. New York ist eben eine toughe Stadt, auch in Literatenkreisen. Der kürzlich verstorbene Norman Mailer wäre am 31. Januar 85 Jahre alt geworden.

Ein Schlägertyp war James Joyce nicht gerade. Der gebürtige Ire lebte jedoch rückblickend ein Leben voller Gegensätze. Einerseits schaffte er es wie kaum ein anderer mit nur wenigen Büchern und Gedichten die Literatur des 20. Jahrhunderts tief greifend zu beeinflussen, andererseits war er chronisch pleite. Zeit seines Lebens war er darauf angewiesen, seine Frau und die zwei Kinder mit geliehenem oder gar geschenktem Geld über Wasser zu halten. Auch die wechselnden Jobs als Journalist und Lehrer an Berlitz-Schulen besserten die Haushaltskasse nur unwesentlich auf. Die finanzielle Unterstützung seines Bruders nahm Joyce bis zu seinem Tod in Anspruch. Am 2. Februar feiern wir den 126. Geburtstag des Autors von Standardwerken wie »Ulysses« und »Dubliners«.

Paul Auster zählt unbestritten zu den bekanntesten amerikanischen Autoren der Gegenwart. Auch als Regisseur hat er sich mittlerweile einen Namen gemacht. Doch wie Joyce und Mailer pflegt auch Auster einen recht individuellen Stil. In Zeiten von Laptop, Palm und Co schreibt Paul Auster erste Gedanken zu späteren Büchern handschriftlich mit Federhalter oder Bleistift in kleine Notizbücher. Diese Notizen tippt er hinterher auf einer alten deutschen Olympia-Schreibmaschine ab, die Anfang der 1960er Jahre gebaut wurde. Computern widersetzt sich der Autor grundsätzlich (Quelle: Wikipedia). ‘Oldschool’ ist ja angesagt wie nie zuvor, vielleicht begründet Paul Auster mit seiner PC-Verweigerung gar einen neuen Trend. Am 3. Februar wird der Trendsetter Auster 61 Jahre alt.

1 Kommentar

  1. So oder so, Schriftsteller sind eben doch schlagfertig. Das damit kein Geld zu verdienen ist, ist seit dem von Goethe genannten, von Spitzweg gemalten armen Poeten auch nicht mehr neu. Wenn aber James Joyce vom Scheiben nicht hat leben können, was erwartet dann unsereinen? Und Kritiker muß ja keiner lieben, vor allem nicht solche, die `s Werk eines Kritiker hassenden Schreibers zerlegen.

    Paul Auster, mit 61 auch bloß Kind unserer Zeit, kann ich gut verstehen, Martin Walser auch. Nur halbwach durch IT-Landschaften spaziert, hinter die Kulissen der Web 2.-Oberfläche geschaut, den Machern und Antreibern tief in die Augen geblickt, und in einem Augenblick weiß jeder sofort, Orwell, Bradbury & Co. sind Kinderbuchschreiber lächerlicher Verharmlosung. Macht also nicht unbedingt Lust auf mehr. Konsequent NEIN ist nicht Verweigerung gegenüber modernen Zeiten, sondern gegen eines ihrer Prinzipien. Trotzdem schade. Paul Auster könnte viel produktiver sein. Ob er will?

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