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Die schönsten Weihnachtsgeschichten mit nur fünf Sätzen

Diesmal auch im Bild und nicht nur im Podcast: Diana Hillebrand und Wolfgang Tischer präsentieren die schönsten Weihnachtsgeschichten in fünf Sätzen.
Diesmal auch im Bild und nicht nur im Podcast: Diana Hillebrand und Wolfgang Tischer präsentieren die schönsten Weihnachtsgeschichten in fünf Sätzen.

»Schreibt uns eine Weihnachtsgeschichte mit nur fünf Sätzen.« So lautete die Schreibaufgabe in der Weihnachtsfolge des »Schreibzeug-Podcast«. Lesen Sie hier die vier schönsten Weihnachtsgeschichten, die Diana Hillebrand und Wolfgang Tischer unter allen Einsendungen ausgewählt haben. Was diese 5-Satz-Geschichten so besondern macht, erklären die beiden Podcaster in einem Video. Viel Spaß beim Lesen und Schauen!

Die Jury-Begründung im Video

Warum fiel die Wahl auf diese vier Geschichten? Was zeichnet sie aus und macht sie so besonders? Was sollte man bei Schreibwettbewerben beachten? Wie bringt man eine Jury in Entscheidungsschwierigkeiten? All das erklären Diana Hillebrand und Wolfgang Tischer in diesem Video.
Und auch wenn wir für hier nur vier Geschichten ausgewählt haben: Vielen, vielen herzlichen Dank allen, die mitgemacht haben!



Schreibzeug: Die besten Weihnachtsgeschichten in fünf Sätzen - Jury-Begründung

Schreibzeug: Die besten Weihnachtsgeschichten in fünf Sätzen – Jury-Begründung

Die vier schönsten Weihnachtsgeschichten in fünf Sätzen

Weihnachten aus dem Kaugummiautomat

Claudia Knoßalla

Am Ende unserer Straße an einem Laternenpfahl schräg gegenüber der Dorfkneipe hing seit zig Jahren ein roter Kaugummiautomat und verführte die Kinder dazu, ihr gesamtes Taschengeld für harte, ausgeblichene Plombenzieher auszugeben, die noch nicht einmal dreißig Sekunden nach Erdbeere oder Zitrone schmeckten. Eines Tages aber, es war im Dezember kurz vor Heiligabend, geschah etwas, was die Kinder an ein Weihnachtswunder glauben ließ und wovon das ganze Dorf noch heute spricht. Über Nacht war der Automat tannengrün geworden, mit Goldpuder bestäubt und mit blinkenden Lichtern verziert. Statt Kaugummikugeln füllten winzig kleine Krippenfiguren das Innere des Kastens und keiner weiß bis heute, wer das gemacht haben könnte (der Pastor beteuerte hoch und heilig seine Unschuld).
Ich habe einen Esel gezogen, mein bester Kumpel die Maria, sein kleiner Bruder das Jesuskind und zusammen mit den anderen Kindern haben wir die Weihnachtsgeschichte nachgespielt und uns wie noch nie zuvor auf Heiligabend gefreut.

Weihnachten aus dem Kaugummiautomat als Video
Die Autorin Claudia Knoßalla hatte ihren Wettbewerbsbeitrag in ihrer Schreibgruppe vorgelesen. Daraufhin fühlte sich eine andere Teilnehmerin aus dieser Gruppe, Claudia Weitzel, beflügelt, die Minigeschichte zu illustrieren. Sie hatte der Autorin erst gar nichts davon erzählt und schickte ihr zwei Tage später ihre Zeichnungen und den Film mit der Geschichte als Untertitel. Und das hat wiederum Claudia Knoßalla so begeistert, dass sie den Film dann vertont hat. Auch wir, Diana und Wolfgang, waren restlos begeistert. Allerdings – das ist uns wichtig – war der Film nicht der Grund für den Gewinn, sondern weil uns die Geschichte auch allein begeistert hat. Hier die Geschichte im Video. Text und Sprecherin: Claudia Knoßalla, Zeichnungen und Video: Claudia Weitzel.



Claudia Knoßalla: Weihnachten aus dem Kaugummiautomat

Claudia Knoßalla: Weihnachten aus dem Kaugummiautomat

Kaminzauber

Tanja Beetz

Er hatte ihr einen Kamin gebaut.
Einen, wie sie ihn sich schon immer gewünscht hatte: aus rotem Backstein.
Jetzt knisterten die Flammen in der Dunkelheit und verbreiteten eine wohlige Wärme.
»Sti-hille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht …«, sang er ihr leise ins Ohr und kuschelte sich im Schlafsack noch enger an sie.
Auf der Brücke über ihnen rumpelte eine Straßenbahn Richtung Innenstadt.

Nächstes Jahr, wenn’s schneit

Ulla Irmler

Die drei Männer stapften durch kniehohen Schnee einen bewaldeten Hügel hinauf, vor Anstrengung schnaufend und prustend, so dass ihr Atem sich in der winterkalten Luft als feiner Raureif auf ihren Bärten niederlegte und jedes ihrer Gesichter sich in das Antlitz wunderlich anmutender Schneegestalten aus einem Winter-Weihnachtsmärchen verwandelte.

Eine gefühlte Ewigkeit später blieben die Männer erschöpft stehen, ließen ihr unhandliches Werkzeug, dass sie die ganze Zeit über auf ihren Schultern bergauf geschleppt hatten, mit tiefen Seufzern der Erleichterung fallen und richteten ihre Blicke fast gleichzeitig nach oben, als schauten sie dem wolkenlos strahlenden Winterhimmel entgegen.

Es war ein riesiger Tannenbaum, vor dem sie stehen geblieben waren und den sie nun, fast andächtig, betrachteten und staunten, wie dieser majestätisch seine immergrünen, wie mit Puderzucker bestreuten, schneebedeckten Zweige über den Köpfen der Männer ausbreitete, als wolle er sie beschützen und der nebenbei zwei Eichhörnchen einen wunderbaren Spielplatz bot, um ihre Fangspiele zu treiben, die sich dabei auch nicht von einem Rotkehlchen stören ließen, das aufgeregt von Zweig zu Zweig hüpftet und neugierig die drei eisbärtigen Männer beobachtete, die, noch immer andächtig schweigend, vor dieser imposanten, viele Jahrzehnte alten Tanne, inne hielten.

Ein Windhauch fuhr mit leisem Wispern durch die Tannenzweige, löste den darauf liegenden Pulverschnee, der nun glitzernd, wie abertausend winzige Schneediamanten, sanft und geräuschlos auf die Männer niederrieselte, sie über und über mit der schneeweißen Pracht bedeckte und ihnen ein freudiges, fast schon kindliches, Juchzen und Lachen entlockte.

Einer der Männer deutet auf den mächtigen Tannenbaum, der auserkoren war, den Rathausplatz ihrer Heimatstadt weihnachtlich zu schmücken, schaute schulterzuckend mit einem Kopfschütteln seine Begleiter an, die ihn sofort verstanden und mit einem eifrigen Nicken zustimmten, bevor sie schnell die Kettensägen, Äxte und Seile schulterten, sich verschmitzt mit frisch geröteten Wangen anlachten, wie Kinder, denen gerade ein wunderbarer Lausbubenstreich geglückt war, bevor sie sich augenblicklich auf den Rückweg begaben, wobei sie lauthals und voller Erleichterung »Oh Tannenbaum« schmetterten, nicht ohne die vierte Zeile leicht zu verändern ,»Du grünst nicht nur, zur Sommerzeit, nein, auch noch nächstes Jahr, wenn’s schneit«.

Der Vierte

Dorit David

Es waren einmal vier Könige, die sich auf den Weg zum heiligen Kind begaben. Der Letzte und Stärkste musste alles tragen, während es sich ersten drei mit leichten Geschenken ziemlich einfach machten. Jedes Mal schüttelten sie vehement die Köpfe, wenn der Große bat, doch bitte eine Abkürzung zu nehmen, da er sonst nicht weiter durchhielte. Das ginge nicht, wegen des Sternes, dem sie folgen müssten, sagten sie immer wieder, bis der Vierte sich kopflos und wutentbrannt von ihnen trennte, heillos verlief, erschöpft an jede Tür klopfte und nach und nach den Inhalt des riesigen Sackes an irgendwelche Leute verteilte. Die drei anderen leugnen bis heute etwas mit ihm zu tun zu haben.

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