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»Tea Time« von Ingrid Noll – Heimspiel in Weinheim

Ingrid Noll: Tea Time

Frauen, die Männer morden – das Markenzeichen von Ingrid Noll, dem die Autorin auch im neuesten Kriminalroman »Tea Time« treu bleibt. Er liest sich kurzweilig und flüssig, auch wenn es sprachlich und atmosphärisch Besseres geben mag.

Ingrid Noll startete ihre Schriftstellerkarriere im Alter von 55 Jahren, als die Kinder aus dem Haus waren (das mag an Jane Gardams Biografie erinnern, die im ähnlichen Alter ist – Gardam begann ihre Karriere im Alter von 43 Jahren, als das jüngste Kind eingeschult war). 1991 erschien das Debütwerk von Ingrid Noll: »Der Hahn ist tot«. Man kennt diesen Titel, und anderer Bestseller wie »Die Apothekerin«.

Gut zwanzig Jahre nach ihrem Debüt ist Frau Noll mit 87 Jahren noch in Topform. Fast zwei Dutzend Kriminalromane hat sie mittlerweile geschrieben. Ingrid Noll erhielt Literaturpreise, und ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt.

»Tea Time« von Ingrid Noll erschien im Oktober 2022 im Diogenes Verlag. Das Cover des gut 300 Seiten dicken Buches ziert die schöne Zeichnung einer Tee trinkenden Dame, das wiederum dem Umschlag des Metropolitan Magazins von 1910 entstammt.

Ingrid Nolls neuester Roman ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Heimspiel: Er spielt in Weinheim, ihrer Heimatstadt. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Nina, einem Mitglied im »Klub der Spinnerinnen«. Alle sechs Frauen haben eine Macke oder sind einfach schräg drauf, der kleptomanische Zug von Nina scheint da noch vergleichsweise normal. Die Figuren des Buches sind, jede auf ihre Art, schrullig.

Auch in »Tea Time« bleibt Ingrid Noll ihrer Erfolgsformel treu: Die Frauen räumen Männer aus dem Weg, die ihnen lästig oder aufdringlich werden. Mit anderen bandeln die Protagonistinnen an.

In Ingrid Nolls Krimi geht es nicht besonders blutig oder brutal zu, aber durchaus skrupellos. Definitiv ein Krimi, jedoch mit Zügen einer schwarzen Komödie.

Das Buch ist amüsant und liest sich flüssig. Die Handlung ist stringent, durchdacht und wendig. Der schnittige Plot erinnert ein wenig an die Allmen-Romane von Martin Suter. Es geht voran in Ingrid Nolls Krimi. Dort findet man keine ausufernden atmosphärischen Beschreibungen. Anders als beispielsweise bei den bretonischen Bannalec-Krimis, bei deren Lektüre man den Eindruck bekommt, die Bretagne sei der schönste Ort der Welt. Oder bei den Wallander-Krimis mit ganz viel düsterer Skandinavien-Stimmung.

Einziges Manko an »Tea Time«: Der Schreibstil der Autorin ist bisweilen sehr nominal.

Wer einen flotten, kurzweiligen Krimi lesen möchte, ist bei Ingrid Noll gut aufgehoben. Wer neben dem Plot Atmosphäre und Landschaftsbilder möchte, sollte lieber andere Krimis lesen. Es gibt schließlich genug Auswahl auf dem Krimimarkt.

Juliane Hartmann

Ingrid Noll: Tea Time. Gebundene Ausgabe. 2022. Diogenes. ISBN/EAN: 9783257072143. 25,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Ingrid Noll: Tea Time. Kindle Ausgabe. 2022. Diogenes Verlag. 21,99 €  » Herunterladen bei amazon.de Anzeige

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