Nette Idee: Auf der Krimi-Couch (www.krimi-couch.de) hilft Dr. Watson anhand der eigenen Vorlieben den richtigen Krimi zu finden. [via Duftender Doppelpunkt]
Autoren über Ebay gesucht
Nichts ist so alt, als dass es irgendwer nicht als neu und sensationell entdecken könnte. Telepolis berichtet über einen Verlag, der auf Ebay leere Seiten eines noch zu druckenden Buches versteigert, die man dann selbst befüllen kann.
Ein lukratives Geschäftsmodell für den Verlag, sofern die Medien darüber berichten und sich so genügend Dumme finden, die den Preis nach oben treiben.
Neu ist das allerdings nicht. Gab es schon mal im Januar und da hatten wir alles dazu gesagt, was dazu zu sagen ist.
Potter-Merkwürdigkeiten
Und iiimmer näher kommt der neue Potter und iiimmer kurioser werden die Fundstücke:
Der Spiegel Online hat zum Glück eine alte Äußerung aus dem Jahre 2003 von Herrn Ratzinger gefunden. Da der jetzt Papst ist, macht der Spiegel Online daraus die Schlagzeile „PÄPSTLICHE POTTER-SCHELTE Ratzinger mag Harry nicht“. Eigentlich die Methode, mit der ansonsten die BILD-Zeitung zu ihren Schlagzeilen kommt.
Und dann ist da noch die Freie Universität Berlin, bei der man sich kostenlos Experten für Interviews mieten kann. Die erzählen dann am Telefon oder ins vorgehaltene Mikro etwas über „Abstammungsfragen bei Harry Potter / Aspekt der Erblichkeit in Kinderliteratur“ oder „Massenhysterie – Erfahrungen des Hingerissenseins“.
Samstag ist P-Day
Am Samstag ist es soweit: Der 6. Harry-Potter-Band erscheint. Das ganze fast zu Dumping-Preisen, da für die englische Ausgabe in Deutschland die Preisbindung nicht gilt. Mit der deutschen Ausgabe, die erst am 1. Oktober erscheint, wird dies nicht möglich sein. Die kostet überall 22,50 Euro.
Eher ein erfundener Marketing-Gag als ein tatsächliches Ereignis dürfte die Meldung sein, die gestern durch die Presse geisterte: In Kanada wurden angeblich versehentlich bereits vor dem weltweiten Erstverkaufstag einige Exemplare unters Volk gebracht und der Bloomsbury Verlag habe die Leser gerichtlich zum Schweigen verpflichtet.
Und für alle, denen der Rummel um Harry Potter zu viel ist, der kann ihn hier virtuell zur Strecke bringen.
Spielerische Kreativität
Fast täglich führt uns unser Weg am Stuttgarter Literaturhaus vorbei. Dort hängen seit letzter Woche zwei Fußball-Gedichte an den Hauswänden. Sie gehören zur diesjährigen Aktion „Poesie in die Stadt!“ der Literaturhäuser (wir berichteten). Das ganze sind Auftragsarbeiten. Die 8 Lyriker hatten die Aufgabe, einige der Fußballweisheiten, die Sepp Herberger bzw. Otto Rehhagel zugeschrieben werden, in ein Gedicht ein- oder umzuarbeiten.
Auf der einen Seite des Literaturhauses hängt das Werk von Robert Gernhardt. Fast schon meisterlich routiniert hat Gernhardt den Spruch „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ lyrisch verarbeitet. Ein sprachlich und rhythmisch gut gemachtes Werk, das zudem witzig ist. Das liest man gerne und schmunzelt.
An der anderen Hauswand Elfriede Jelinek (immerhin Nobelpreisträgerin). Sie hat „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“ als äh Gedicht umgesetzt. Beliebigkeitslyrik. Ein paar nicht sonderlich originelle Assoziationen in Sätzen untereinander geschrieben. Eigentlich einfaches Hobby-Lyriker-Niveau. Eines der Gedichte, in denen man Begriffe beliebig austauschen kann. Versuchen Sie es mal mit Liebe und Bett statt Wahrheit und Platz. Klappt auch. Was Sie in diesem Fall anstelle des Elfmeters einsetzen, das überlassen wir Ihnen.
So wird das Gedicht von Frau Jelinek zur täglichen kreativen Herausforderung: Jeden Morgen, beim Anblick des Gedichtes neue Begriffe ausprobieren: Katze – Dach, Schlüssel – Schrank,…
Harry Potter und Gottschalk vor der Tür
Es ist der 16.Juli, 2 Uhr nachts. Sie schlafen tief und fest und sind in lieblichen Träumen versunken. Plötzlich klingelt es an der Haustür. Jetzt? Wer kann das sein? Als Sie mit dem Schlimmsten rechnen und sich notdürftig etwas überziehen, hören Sie schon Lärm an der Haustür. Das ganze Dorf scheint sich vor Ihrem Haus versammelt zu haben. Sie erkennen einen ersten Lichtschein, und als Sie die Tür öffnen, trifft es Sie voll.
Sie haben mit dem Schlimmsten gerechnet und das Schlimmste ist passiert! Vor Ihnen steht Christoph Gottschalk (der Bruder von Thomas, der aus der Post-Werbung). Unzählige Kammeras der großen deutschen TV-Sender sind auf Sie gerichtet. Und Herr Gottschalk hält da was in der Hand. Was ist das?
Und dann fällt Ihnen wieder ein, dass Sie bei diesem Gewinnspiel mitgemacht hatten.
Tipps fürs gute Schreiben
Gutes Schreiben ist weder eine exklusive Begabung noch eine geniale Inspiration: Schreiben ist Handwerk und es gibt einfache Regeln für gutes Schreiben und deswegen kann man Schreiben lernen. So steht es auf einer Seite, auf die netbib hinweist.
Unbedingt lesen! Wer jetzt meint: „Aber da steht doch drüber, dass sich die Tipps auf das Schreiben von technischen Dokumentationen bezieht“, der irrt gewaltig. Fast alle der flotten Tipps gelten auch für schöngeistige Texte. Mit dabei ist auch unser Klassiker: Adjektive machen den Text schwülstig und langatmig und quetschen das letzte Fünkchen Phantasie aus dem Leser – bloß nicht selbst die Leidenschaft vorstellen, lieber hinschreiben.
Nachtrag vom 25.02.2010: Der Artikel ist nur noch in der PDF-Datei der »Datenschleuder 81« enthalten (644 kByte, Seite 20 ff.).
Nie die Leser unterschätzen
Einer der wichtisten Grundsätze für Autoren ist der, dass man seine Leser nie unterschätzen sollte. Sie merken alle.
Völlig zu Recht bemerkte jemand in unserem Gästebuch, dass an der Geschichte „Der Mann in der Flasche“ von Helmut Wemer etwas nicht stimmen könne.
Wenn die Geschichte bereits 1958 geschrieben wurde, wie kann es dann sein, dass darin der Magier David Copperfield erwähnt wird? Copperfield wäre da gerade erst mal 2 Jahre alt gewesen.
Eine Nachfrage beim Autor brachte des Rätsels Lösung ans Licht, die wie vermutet ausfiel: Copperfield gelangte erst später bei einer Bearbeitung 1999 in die Geschichte.
Song sucht Story
Wir wenden uns an Science Fiction begeisterte Schriftsteller, die das Universum der Psychedelic Avengers mit eigenen Ideen bereichern wollen indem sie, inspiriert von den Songs der Psychedelic Avengers II CD, Kurzgeschichten und Artverwandtes beisteuern. Dies schreiben uns die Psychedelic Avengers per eMail. Wir haben in die Musik reingehört, fanden sie sehr ansprechend und sind gespannt auf die Geschichten.
Die erste CD der Psychedelic Avengers ist auch bei Amazon.de erhältlich.
Radiotipp: Friedrich Miles von Schiller Davis
Vom legendären Autoren-Duo Andreas Ammer und FM Einheit wird heute (Samstag 2. Juli) um 20:05 Uhr im Deuschlandfunk das Hörspiel „Friedrich Miles von Schiller Davis“ gesendet. Dank Webradio auch weltweit zu empfangen.
Aus dem Programmheft: „Der rechte Laut hierfür fällt nicht leicht“ wusste Ernst Bloch, als er 1932 über „Die Kunst, Schiller zu sprechen“ nachdachte. „Die Sprache Schillers, dieselbe, in der sich bis dahin das ganze liberale Deutschland gefunden hatte, klang fremd, ja hohl.“ Bloch dürfte bei solchen Sätzen auch die Rezitationskunst eines Alexander Moissi in den Ohren geklungen haben, der auf frühen Schellack-Platten Schiller als Extremfall der Poesie vortrug: Rufend, jaulend, singend, aber immer lauthals mit vollem Pathos.
Andere Rezitatoren standen dem nur wenig nach. Verschiedene Schellack-Rezitationen sind Grundlage des Hörspiels – konterkariert durch die freieste Musik, die die Folgezeit hervorgebracht hat: durch Töne aus Miles Davis‘ epochemachendem Tonträger „Bitches Brew“, einer Schallplatte gewordenen Befreiung der Musik.
Wieder ein Literarisches Quartett
Nachdem das Literarische Quartett bereits anlässlich des 200. Todestages von Schiller wiederbelebt wurde, gibt es am 17. August (22.15 Uhr, ZDF) eine weitere Sondersendung anlässlich des 50. Todestages von Thomas Mann. Besonderes Bonbon: diesmal ergänzt nicht Frau Heidenreich das Quartett, sondern Robert Gernhardt.
Ob es im kommenden Jahr zum 150. Todestag von Heinrich Heine und zum 50. Todestag von Bertolt Brecht weitere Quartette geben wird, ist noch offen. [via SPIEGEL Online]
Heidenreich und Reich-Ranicki bei Gottschalk
Am 8. Juli werden Elke Heidenreich und Marcel Reich-Ranicki bei „Gottschalk & Friends“ zu Gast sein. Die Sendung wird um 22:20 Uhr im ZDF ausgestrahlt (Eine Sendung, die an sich recht unerträgich sein soll.- Anm. der Red.).
Aus diesem Anlass zieht der Kein & Aber Verlag die Auslieferung der CD „Wozu lesen?“ ein Gespräch zwischen Marcel Reich-Ranicki und Elke Heidenreich – vor. Die Debatte zwischen den populärsten Literaturvermittlern der letzten Jahrzehnte wurde am 20. März 2005 auf der lit.COLOGNE aufgezeichnet und hat eine Spieldauer von über 82 Minuten. „Wozu lesen?“ wird am Mittwoch, 6. Juli ausgeliefert werden. [Presemeldung des Verlags/via Börsenblatt]
Rupprecht Mayer nach Klagenfurt
Dirk Schröder schlägt vor, beim nächsten Bachmann-Wettbewerb nicht nur einen Publikumspreis zu vergeben, sondern auch einen vom Publikum gewählten Autor nach Klagenfurt zu entsenden. Dirk Schröder schlägt Rupprecht Mayer vor.
Dem kann sich die Redaktion des literaturcafe.de nur mit Nachdruck anschließen! Vier von Mayers Geschichten finden sich auch bei uns im Café. Schröders Begründung:“ [Für Mayers] Texte spricht, dass sie eher mit dem Fremden, als mit dem verfremdeten Vertrauten oder gar dem Vertrauten konfrontieren (was ich als Kind an Geschichten so liebte) und dennoch voller deutschem Wortwitz stecken“.
Wir denken also, dass es Zeit wird, die Aktion MAYER MUSS LESEN ins Leben zu rufen und können nur alle literarischen Weblogs (und nicht nur die) dazu aufrufen, den folgenden Button auf ihrer Site zu platzieren.
Grimme Online Award 2005 für Lyrikline
Die Website „Lyrikline – Poesie hören und lesen“ der Literaturwerkstatt Berlin erhielt den Grimme Online Award 2005 in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“. „Lyrikline.org setzt die weltweite Vernetzung des Internet konzeptionell ein. Mit tausenden Übersetzungen schafft die Website ein bemerkenswert umfangreiches, mehrsprachiges und multimediales Angebot für Literaturinteressierte im In- und Ausland“, so die Jury in ihrer Begründung.
Zu den Gewinnern in anderen Kategorien zählen u.a. das BILDblog, SPIEGEL Online und die freie Enzyklopädie Wikipedia. Letzere erhielt sowohl einen Jury- als auch den Publikumspreis.
Fußball-Poesie in die Stadt!
Seit heute (30.06.2005) sind die Plakatwände und Litfaßsäulen einiger großer Städte wieder mit Gedichten geschmückt. Für die Plakataktion der Literaturhäuser haben acht Autorinnen und Autoren Ilse Aichinger, Ulrike Draesner, Péter Esterházy, Franzobel, Robert Gernhardt, Günter Grass, Elfriede Jelinek und Urs Widmer Kernsätze des Fußballs lyrisch umgestaltet.
Zudem finden in den nächsten Wochen thematisch passende Lesungen in und um die Literaturhäuser statt. Die Gedichte können außerdem bei ARTE als eCard verschickt werden.

