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Onkel Dieters Märchenstunde: Der Bohlenweg beginnt

Dieter Bohlen liest vor (Quelle: yahoo.de)
Quelle: yahoo.de

Es ist soweit. Dieter Bohlen hat wieder ein Buch veröffentlicht. Diesmal steht als Autor tatsächlich sein Name allein auf dem Cover. Daher schrieb also offenbar nicht BILD-Chefredakteursgattin Katja Kessler das Buch, sondern ein Ghostwriter, der gegen entsprechendes Geld auf die Namensnennung verzichtet hat.

Und leider geht es jetzt wieder los, dass man an allen Ecken und Enden die Leute über das Buch lästern hören wird: Der Bohlen? Der kann doch gar nicht schreiben! Was hat das bitteschön mit Literatur zu tun!?

Und die vielen kleinen Hobbyschreiber, die ihre schlechten Romane vergeblich und zu Recht bei keinem anständigen Verlag unterbringen, werden sich wieder darüber echauffieren, dass man als Promi ja wohl jeden Mist als Buch veröffentlichen kann und dass die Leute das auch noch kaufen, während man selbst mit seinem Manuskript (»eine ironische gesellschaftskritische Satire mit autobiografischen Zügen«) als Jung- oder alter Neuautor bei deutschen Verlagen ohnehin keine Chance hat. Aber den Bohlen, den nehmen sie, über den berichten sie, obwohl der ja gar nichts kann und sowieso ein arrogantes Arschloch ist.

Ja, so wird man es landauf landab wieder hören. Und das Buch wird ganz oben auf der Bestsellerliste stehen. Man wird – außer den Chefredakteur des literaturcafe.de – niemanden finden, der zugibt, dass er ein Buch von Bohlen gelesen hat.

Bohlen wird am Buchmesse-Freitag um Punkt 12 eine Pressekonferenz abhalten, und der Saal wird zum Bersten mit Journalisten, Kameras und Mikrofonen voll sein. Und das Bohlenbuch wird der einzige Grund sein, dass gewisse Magazine des Unterschichtenfernsehens überhaupt von der Buchmesse berichten. Wen interessieren dort schon alte Literaturzausel wie Grass oder Walser, deren Unterhaltungsfaktor nicht messbar ist?

Dabei sollten wir Dieter dankbar sein! Denn wenn in unseren Kreisen niemand Bohlen liest, dann müssen doch die Käufer in den Kreisen zu finden sein, die sonst keine Bücher lesen. Dann ist Bohlen doch hoch anzurechnen, dass er denen vermittelt: Hey, Bücher sind geil und auch damit kann man Geld verdienen.

Denn wer schon mal Bohlen gelesen hat (Tipp: »Nichts als die Wahrheit«), der weiß: das ist »The Secret« mit anderen Mitteln. Denn auch Bohlens Credo lautet: »Denke positiv! Glaube an dich selbst! Der Rest wird schon werden!«. Naja, nichts ganz. Bohlen ersetzt den letzten Satz durch: »Arbeite! Arbeite! Arbeite! Denn nichts bekommst du umsonst.« Und das sind ja nicht die schlechtesten Ratschläge, die man der heutigen Jugend geben kann.

Und während sich einige unbekannte und unentdeckte Autoren in Rage reden über die bohlenzentrierte Medienaufmerksamkeit (am 9. Oktober alleiniger Gast bei Kerner im ZDF), sollen sie sich lieber in Sachen PR einiges bei ihm abkucken.

Denn was macht Bohlen, um sein Buch auch im Internet bekannt zu machen? Er setzt sich ins eigene Wohnzimmer, stellt die Videokamera vor sich auf und liest bei schlechter Akustik täglich aus seinem Buch vor und stellt das Video bei Yahoo zum Abruf bereit. Natürlich mit Bestelllink. Er stammelt dabei seine Einleitung zusammen wie jeder kleine Autor vor drei Zuhörern in der Volkshochschule (»Dieses Kapitel handelt von mei’m Überfall und … äm … das Kapitel heißt deswegen auch ‘Der Überfall’«). Das ist billig, das kann eigentlich jeder – aber das ist Bohlen. Und es sind eben nicht drei Zuhörer, sondern das erste Video hatte in 24 Stunden über 7.500 Abrufe. Aber warum machen es so viele andere Autoren nicht, um die Leute so auf ihr Buch neugierig zu machen? Haben Sie Angst vor den hämischen Nutzerkommentaren? Man lese mal die unter Bohlens Videos. Aber da muss man durch. Viel Feind viel Ehr’.

Jammert also nicht über Bohlen, sondern nehmt ihn ernst und schaut euch was von ihm ab.

Und ich sage etwas und nicht alles.

Gero von Büttner

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2 Kommentare

  1. Wichtig scheint dem Autor dieses Artikels vor allem zu sein, daß dieses pädagogisch überaus wertvolle Video einer Bohlen-Lesung hier verlinkt wird, damit däh Diedäääh nur ja nicht zu wenig Aufmerksamkeit erfährt, garniert mit einer saftigen Beschimpfung all jener, die nicht ständig mit weit heruntergelassener Hose den Medienzirkus füttern, sondern lediglich ihre Bücher veröffentlicht sehen wollen und ein paar Hopplahopp-Ermunterungssprüchen, damit die verklemmten Klein-Verlags-Minderleister mal sehen können, wo der Bartel den Most holt.

    Mag ja alles gerechtfertigt scheinen, auch die Aufforderung an die Autoren, selbst Lesungsvideos auf yahoo.com einzustellen, eine kurze Suche auf dieser Plattform nach “Lesung” fördert Oliver Walbach zutage, ebenfalls in seinem Wohnzimmerchen sitzend – Ton- und Bildqualität mieser als bei Bohlen, da an professioneller Ausleuchtung und schicker Inneneinrichtung mangelnd – aus seinem Roman “Carnivora Amata” lesend.

    Der Unterschied zu Bohlen? Walbach hat seine Videoserie wohl seit 2 Monaten auf yahoo und null bis einen Klick verbucht und keinen einzigen Benutzerkommentar, Bohlen, wohl auch mit freundlicher Hilfe von literaturcafe.de, weit über zwölftausend, dreiunddreissig Kommentare und einen Mißbrauch.

    Dabei ist Walbachs Buch vermutlich kaum schlechter als Bohlens und mit dem Vorzug versehen, selbst geschrieben worden zu sein und die Idee, eine Lesung als Video auf yahoo.de zu setzen, kam Walbach wohl auch geraume Zeit vor Bohlen.

    Aber wichtig war wohl, wie gesagt, daß däh Diedäääh noch ein bißchen zusätzliche Aufmerksamkeit erfährt…

  2. Danke für die Erwähung meiner Person und meiner Arbeit hier in diesem Beitrag.
    In der Tat fehlen mir die Mittel die Dieter Bohlen hat, um einen seiner Filmchen zu drehen. Allerdings ist man anscheinend mittlerweile aufmerksam geworden und die Klicks, zumindest auf das Gedicht und auf den Beitrag des SR-Fernsehens haben sich sprunghaft erhöht.
    Allerdings fehlen noch die Kommentare.

    Also, danke nochmals für die Erwähnung, die mir Aufmerksamkeit beschert hat.

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